Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Theodor Däubler >

Das Nordlicht. Zweiter Teil. Sahara (Genfer Ausgabe)

Theodor Däubler: Das Nordlicht. Zweiter Teil. Sahara (Genfer Ausgabe) - Kapitel 14
Quellenangabe
typeepic
booktitleDas Nordlicht (Genfer Ausgabe)
authorTheodor Däubler
year1921
firstpub1921
publisherInsel Verlag
addressLeipzig
titleDas Nordlicht. Zweiter Teil. Sahara (Genfer Ausgabe)
pages1239
created20120317
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20140924
Schließen

Navigation:

Der flammende Lavabach

Die rote Taube

        D er Geist erglüht in unwahrscheinlich ferner Röte:
Er deutet ewig wachsam, traumbewußt und frei:
Ich bin! Weil ich das Sterbliche im All ertöte,
So steh ich euch im heilgen Gottergründen bei.

Der Geist befreit die wahre Menschlichkeit in allen Rassen.
In seinem Feuer wird die Seele nackt und bleich.
Die Völker, die vor tiefem Graun erblassen;
Verleiblichen bereits sein innres Flammenreich.

Erbleiche, Mensch, erschreckt durch deine Lüge!
Verrät man Geist und Wahrheit, werde blaß:
Erröte, Mensch, durch deine jähe Rüge.
Die rote Taube ist dein Sklavenhaß!

Die rote Taube ist dein Gotterlangen:
Sie steigt als Urentschluß in dir empor.
Sie schlägt die Flügel bang zu deinen Wangen:
Sie wärmt und rötet dich! Sie dämmert vor!

Hast du noch nie, voll Scheu, den Menschensohn empfangen?
War deine Seele, deine Weiblichkeit nicht rein?
O Mensch, du weißt es nicht, was du schon angefangen:
In uns ging oft der Geist, in weicher Stummheit, ein!

Du kennst das große, ewigwahre Grundverstehen,
Der Dinge Ich und aller Wesen Zukunftsernst!
Was eben vorgeht, magst du selbst mit Hohn besehen,
Doch schweigt der Irrtum, wo du dich von ihm entfernst.

O Mensch, das Falsche schmiegt sich spät in Maße.
Doch grundhaft schlecht ist nichts, es harrt wie du!
Es dient, was sich nur kurz berührt, zum Spaße,
Doch alles wirbt um Pyramidenruh.

Ach Mensch, die rote Taube läßt dich lachen!
Sie gurrt und flattert krampfhaft auf,
Doch kann ihr Wesen ganz in dir erwachen,
Gewahrst du den vollstreckten Zukunftslauf.

 

Nordschein

        D u Tag in mir selber, du Tauen und Licht,
Du mildes Vertrauen im strengen Gewissen,
Du Einheit in mir und du freies Gericht,
Du hast mich so tief aus mir selber gerissen!

Jetzt bin ich ja dein, lodernforderndes Wort!
Du stummes Bedeuten und kindliches Staunen,
Du raunst nur: »Nicht dort!« Und bist immer dort.
Doch nein, du bist wacher und stummer als Raunen!

Du furchtbare Größe und Einflucht im Zwist,
Ich kann dich nicht fassen: ich muß dir erliegen!
Du Ich in mir selber, das selbst sich vergißt,
Du bist der Zertretenen leuchtendes Siegen!

Du stürzt dich ins Treffen, ins glaubhafte Nichts.
Du bist das Gott trotzende Gottheitserringen.
Du bist das Erdämmern des Ursprungsgesichts:
Du warst ja noch nie, doch du wirst uns gelingen.

 

Das Gleichnis

        W ir sind den Ursprung zu erglühn verpflichtet,
Drum hat sich mancher Schöpfungstraum bewährt.
Der Blick, den man erstaunt ins Innre richtet,
Erschafft Vergangenheiten, die er klärt.

Doch dämmert, dämmert es, nur um zu dämmern.
Was niemand sagen kann, das bannt uns fest.
Doch wo es dämmert, mußt du hämmern, hämmern,
Denn wehe Gott: der Welt, die Gott verläßt!

Wir müssen uns zum Ursprung hin verjüngen.
Wo du den Ursprung wähnst, bist du ihm nah.
Wenn wir in uns den Ursprung ganz erschwüngen,
So wäre da, was, künftig, schon geschah.

Es gilt auf seinem Werden zu beruhen,
Die Welt in sich bewußt verknüpft zu sehn;
In Bildern sagend kühn sich wahrzutuen:
Das Unerfaßbarste muß auferstehn!

 

Der Entschluß

        N ach meinem Anfang mag ich schaffend tasten.
Im Geist verankert kann die Welt bestehn.
In meine Seele wird sein Wesen wehn,
Gelingt es, keinen Augenblick zu rasten.

Was wären Dinge, die sich nicht erfaßten,
Dort wo sie aus dem Eigenring geschehn?
Ein sterbliches, ja totes Weiterdrehn,
Ein Schwang von Schwaden, die aus Nichts verpraßten!

Doch will das Chaos seinen Ursprung schöpfen,
Und heute stürzt bereits der Weltenguß:
Er war so falsch, daß er sich kennen muß.

Der Irrtum faßt sich schon in krausen Köpfen.
Es grinst der Trug aus lauter Urnentöpfen,
Doch Mensch zu sein, bleibt trotzdem ein Entschluß!

 

Die Verneinung

        Z u weit ist die Idee, wer könnte sie ertragen?
Was sie erfaßte, stürzt bald unter ihr zusammen!
Doch etwas kann ich fest und über Träumen sagen,
Daß wir einer Idee, die uns durchglüht, entstammen.

Zuerst ist das Gebot, die Menschen kommen später.
Dann klärt sich die Natur, warum wir leben müssen,
Doch jäh aus der Idee entstehn ihre Verräter,
Und sie erschreckt uns, einfach, unter Überflüssen.

Und doch: ich darf, ich muß vom Urgeflüster sagen.
Mit scheuen Worten mag ich mich an Klares wagen.
Es ist so klar, so klar: ach, könnt ich etwas fragen,
So dürfte ich die Antwort in die Dinge tragen,
Und aus Versuchen würden Wunderblumen schlagen.

Ich lege mich vor einem Vogel einsam auf die Lauer.
Er singt in mir: ist es Musik? Nein, starre Dauer!
Vielleicht die Ruhe, wenn ich selber tief erschauer?
Nein, denn er fliegt und fliegt und sucht uns mild aus Trauer.
Nun schweige ich, als dein, mein, unser Grunderschauer.

Es klingt so unverständlich, wortlos und erhaben:
»So komme doch, in mich, in uns dich zu vergraben!
Wir sind so reich an unvergebnen Seelengaben,
Der Strom, der aufwärts wallt, mit Jugend uns zu laben:
Wir sind der Anfang, da wir keinen Anfang haben.«

Das ist ein Zauber! Doch ich bin ein Kind der Erde!
Was ich erlausche, kann ich nicht vergessen.
Ich muß es stammeln, bis ich ganz ein Dichter werde,
Und Bilder zu erleuchten will ich mich vermessen.

Ich bin ein Jäger, lieg nach Einsicht auf der Lauer.
Das, was mich einholt, halte ich an seinen Flammen.
Das, was mir nachhallt, rufe ich in blasser Trauer:
Ich raube, was ich kann, und stürze laut zusammen!

»So wisse, Mensch, im Dortseits gibt es nicht Gesetze!
An Haftbefehlen halten wir die Welt zusammen.
Durch das Bewußtsein tauchst du selbst in Schicksalsnetze.
Entflammt, kannst du der Wahrheit frei entstammen!«

Ich spreche nun, ich spreche fort, muß sprechen,
Denn mein Gedächtnis hämmert selber sich die Sätze.
Wie kann ich das am eigenen Gesicht verbrechen?
Ich bin ein Sklave: ferne sind die Seelenschätze.

 

Der Wanderer

        A uf, auf! Was du erschaut, das laß mich eingestehen.
Ideen sind unendlich. Welten selbst Ideen.
Kann doch das Meer im Menschen schöpfend auferstehen,
Gelingt es, seine Stille schaudernd einzusehen.

Ein Meer von Sternen, Leidenschaften und Gedanken
Vermag es, dir Bestand und Herkunft zu verdanken.
Nur beim Entschlusse still und stumm! Nur da nicht schwanken!
Dann magst du Zielen nach, selbst ins Verderben, wanken.

Nun, Erde, mußt du selber auch zum Gleichnis dienen:
Was deinem Kind in Leid und Finsternis erschienen,
Das Licht, das Eigenlicht, die innern Schimmerbienen,
Die mich zerstechen, wirken auch in deinen Mienen.

Auf! Wo der Ausbruch leicht ist, dort soll er geschehen,
Doch kann ein Dauersieg nur an dem Ort bestehen,
Wo er so schwer fällt, daß die Zweifel selbst vergehen,
Drum wird mein Traum vom Tropenmeer zum Pole wehen.

Du, Erde, willst doch wieder jung und selber leuchten
Und glühst in Wäldern, die Heroen einst durchkeuchten.
In wilden Wolken magst du Wüsten hold befeuchten,
Und hoch am Pole darfst du wie am Anfang leuchten.

Drum, Wandrer, soll dein Seelenschwarm nicht bald zerstieben,
So mußt du einen Menschen, so wie du bist, lieben.
Vermagst du das und bist du stark und treu geblieben,
Vermagst du viel und wirst von selbst zu Gott getrieben.

Doch merke, Wandrer: aller Anfang ist die Liebe,
Drum finde und entflamme sie im Sterngetriebe!
Begeistre uns und wirb um Liebe, Liebe!
Erweck das Licht, daß es aus allen Bergen stiebe!

Die Sinne mögen schweigen, und das Herz kann beben,
Doch der Verstand, der kalte, soll nach Liebe streben.
Ja, der Verstand, der kalte, soll jetzt Gott beleben,
Der Geist in die erkannte Welt sich frei erheben.

Auf, Wanderer! Hinweg von jedem Glück und Lohne!
Und trachte, daß die Seele tief in Schmerzen wohne!
Das Leid ist eines: groß und frei von jeder Frone.
Dort wurde Gott, dort wird der Mensch, die Welt zum Sohne!

Verbeiße dich in dein Gebot, im Grau der Erde!
Verkrampfte sich dein Schöpfer doch in deinem Werde!
Er warf das Weib sich dir in die Geburtsbeschwerde!
Wie, Wanderer, du schwankst! Verlangst du Sattelpferde?

Zum Meer, zum Meer! vom Weib, von meinem Weib zu singen!
Es glaubt das Meer, des Mannes Sang wird es vollbringen.
So höre seinen Ruf in jeder Mondscheinbucht erklingen
Und aus dem Branden sich zum Blütenschaum entschlingen.

Empor zu Schnee und Frost! Unter die weißen Bienen,
Die dein Gesicht zerstechen und dem Schöpfer dienen!
Hindurch durch Bienen, Bienen, eisge Gletschermienen:
In dich, in dich! Wenn dir dein kaltes Licht erschienen.

Sei heilig, Wandrer, ehrfurchtsvoll und unverdorben,
Wie an dem Tag, da deine Mutter dir gestorben!
Im Weib erhalte, was die Mutter ihm erworben,
Und durch die Unschuld schluchzen Orgeln und Theorben.

O Wandrer, hör den Schwertertanz der Sphären!
Das Nordlicht ruft dich auf. Du sollst dich freigebären!
Der Tag ist reif. Die Nacht durchdauern Flammenähren.
Der Schwertertanz erscheint. Der Krieg wird weiterwähren.

 

Ekstatische Erde, dein flammendes Lachen,
Die Heiterkeit unsrer allwissenden Greise,
Umarmt unsre Nacht, die wir furchtlos entfachen:
Erfrorenes Schwärmen nickt starr aus dem Eise.

O Nordlicht, die wandernden Gletscher sind Tiere,
Die du festgebannt hast. Versuche zu Riesen
Durchblauen das Dunkel. Nun ist es, als stiere
Ein Geist durch die Stürme. Jetzt dröhnt es, als bliesen

Die Winde aus Schlünden gebändigter Bären.
Wann kann ich die Jungfrau im Eise gewahren:
Das Weib, das die Menschen voll Sehnsucht verehren?
Ich weiß, daß es flammende Gletscher gebaren!

Die Nacht wallt hinan. Es flackert ihr Lachen.
Wir wandeln im Wahne. Das Weib harrt im Sange.
Ihr Sagen, wann wird eure Wahrheit erwachen?
Erhabenste Jungfrau, wir werben noch lange!

Das Sternenkind

        D er Mensch muß fliegen! der Mensch muß fliegen! verbreitet den Sturm!
Vertilgt im Herzen, vertilgt im Leibe den furchtsamen Wurm!
Ersehnt im Winde, erhofft im Winde den wehenden Geist!
Beruft im Dunkel das Kind der Sterne, das Schweben verheißt!
Erträumt Gefahren, erfiebert Schrecken, entfesselt das Leid!
Kometen helfen. Gestirne drohen. Erfaßt euch im Streit!
Den Wurm ertötet, den Wurm verachtet, verwundet den Wurm,
Bewacht die Warten, sie harren und warten, entwuchtet dem Turm!
Der Tod ist machtlos! Entfliegt ihm lachend! Verbreitet den Sturm!

Der Mensch muß fliegen, den Schwindel besiegen, die Erde bekriegen!
Die See hat Wolken, die Seele ihr Wollen, der Mensch muß fliegen!
Der Strand hat Bäume, der Geist seine Träume, der Mensch wird siegen;
Das Meer hat Wellen, der Mensch seine Hellen, sich lichtwärts zu wiegen;
Der Wind hat Spiele, das Kind seine Ziele, es wittert das Fliegen
Den Zäumen entträumt: die Räume zu säumen, entbuchtet im Sturm!
Die See hat Stürme, die Seele hat Türme, umwittert den Turm!
Die See kann sehen, die Seele erwählen, verwundet den Wurm!

Ich wähle die Seele, erwäge die Geister und schwebe als Traum;
Ich schaue in Herzen, berausche mich schaudernd: ihr traut einem Baum!
Ihr grünt und erblüht, ihr durchsprüht, überflügelt den Raum;
Es glauben die Herzen, wie glühende Kerzen. Es leuchtet der Baum!
Es beugen die Fichten die Träume der Sterne zur Erde hernieder;
In Weiblein und Wichten erwachen so gerne unwichtige Lieder;
Euch alle belichten Geschichten der Ferne, die still sind und bieder:
Wie gerne erschimmern die Sterne, wie herrlich erglüht euer Baum!
Erblühen schürt Glühen. Und Glühen Entsprühen. Der Baum wird ein Traum.

Der Traum ohne Baum ist ein Band ohne Saum. Entbrandet als Schaum!
Bewacht eure Schäume, berauscht euch durch Träume. Es leuchtet der Turm!
Die Lichtfichte flimmert. Die Goldwolken drohen. Es blutet der Sturm.
O träumende Kinder! Der Wind wird gelinder. Nun zuckt schon der Wurm.
Wer Schneewehen wittert, bedenkt sich, erzittert. Jetzt dunkelt der Turm.

Die Jugend erstirbt nicht. Die Weite gebiert sich. Die Kindheit wird siegen!
Was naht ohne Alter? Was will, durch die Finsternis schwirrend, sich wiegen?
Ein glastender, kalter wahrhaftiger Falter wird Fernen erfliegen.
Wer wirbelt? Was hascht sich? Wann wähnt sich ein Wagnis? Wir fliegen!
Wir fliegen? Es sterben die Sterne. Wie gerne, wie ferne! Wir fliegen.

 

Ein Wesen

        D er Geist hat eine Eiche heute nacht geknickt.
Ich sauste, lauschte auf. Ein Riese war gefällt.
Der Hunger, samt der Brunst, hat durch den Sturm gebellt,
Und ein Gespenst urplötzlich unsichtbar genickt.

Von einer Eule ward ein Tier zu Tod gepickt,
Der Westwind wo an einer Waldeswand zerschellt,
Der Schreck befiedert übers Feld emporgeschnellt,
Das Wasser hat wie eine Schicksalsuhr getickt.

Es ist nun wo ein Ding beschlossen oder aus!
Ich starre ganz zugegen in den Geist der Welt.
Mein panisches Gehaben ist bei sich zu Haus.

Viel eher als ein Narr bin ich ein Held.
Ich brauche diesen rauschenttauchten Braus und Graus
Und bin der Saus, der kraus den Geist verzaubert hält.

 

Der Blinde

        W er sagt es mir, ob ich schon lange einsam harre:
Verwalte ich ein Geisterheer als blinder Greis?
Ich sehe nichts. Doch ahne ich des Daseins Starre.

Der Riesen Lockenhaar ist weiß. Ganz klares Eis.
Die Fluten jauchzen nicht zu lauten Wunderdingen,
Denn stummgefroren wähnen sie ihr Grundgeheiß.

Die Gluten prusten kaum aus tausend Wirkungsringen,
Die Nordlichtlandschaft überträumt den hehrsten Traum,
Und alle Dinge fangen an ihr Lied zu singen.

Die Dinglichkeit ist tot. Das Wort erfüllt den Raum.
In meinem Wesen höre ich das Weltlicht tönen.
Es wiegt sich, fliegt und siegt des Sternes heller Schaum.

Das Wort kann aus der vollen Mutterwurzel dröhnen.
Es singt. Und klingt. Es singt sich selbst. Gebiert die Dichter.
Einst wird der Geist sich wieder an das Wort gewöhnen.

Ich bin ein Mensch und fühle alle Glaubenslichter:
Wie gut sie meine helle Seele unterfluten.
Erst fiebern sie. Dann leuchten wir und werden schlichter.

Sie können jetzt in mir das Weihesein vermuten.
Die Sonne hat uns aufgerufen und geboren.
Doch heute sind wir frei. Die Willenslichter bluten.

Wie ist die Sonne hold! In uns hat Gold gegoren.
Sie ist die Herrin! Herren wurden ihre Kinder.
Schon ist der Daseinszwang zum Geisterzweck erfroren.

Das Nordlicht ist der Dinge innrer Überwinder.
Die Welt besteht in ihrer tiefsten Majestät.
Ich höre mich und werde witternder und blinder.

Der Ursprung lebt. Hier gibt es nirgends ein »Zu spät«.
Die Gründlichkeit der Welt verschmäht die Maße,
In denen sich der Hang zur Dinglichkeit verrät,

Der ganze Himmel glüht: die Welt ist seine Straße.

 

Der Schlafende

        I ch harre: denn in mir wird heitre Freiheit tagen.
Es überwindet unser Schlaf den Totentod:
Er soll den Tag durch alles Nachterwachen tragen.

Hinab in meinen Tod, du holdes Wonnenrot.
Die volle Sonne ist die große Tat, zu leben;
So fühle doch, wie sorglos sie dich noch durchloht,

Wie sich in dir die Pulse freundlich ihr ergeben:
Der Schlummer ist die Sonne, die den Tag verheißt!
Sie weiß: nur wer sie kennt, wird sie erstreben.

Du glaubst, daß sie von dir, dem Kind, geschieden kreist.
Du weißt von Fluten unter goldnen Tropengluten,
Doch fern ist bloß der Schein, und du verwahrst den Geist:

Nicht ich, doch du, auf dem die Wesen stets beruhten,
Bewachst das Sonnenwollen vor dem Nichts der Nacht:
Du Macht zu schlafen bist der Dauer Grundvermuten.

Du weißt, daß ein erschauter Tag in dir erwacht.
Die Sonne, die den Schlaf erschuf, erblickt sich wieder,
Denn Schlummerwurzeln tragen ihre Tagespracht.

Das Nordlicht bringt die Stille. Das Nordlicht senkt die Lider.
Das Nordlicht weht in dich und überwellt dich schon,
Denn herrlich senkt sich eine Welt in dich hernieder.

Das Nordlicht, zweier sonngeborner Sonnen Sohn
(Denn Schlummer und Bewußtsein haben es erschaffen),
Setzt leuchtend Sonne, Mond und Sterne auf den Thron.

So will in dir das Nordlicht dich der Nacht entraffen.
Es sieht die Sonnen, zeigt die Sonnen, zeugt die Sonnen.
Das Nordlicht steigt, wo die Bewußtseinsschluchten klaffen.

Das Nordlicht blickt dich an, es glimmt in dich versponnen.
Du liebst es hold, es will in dir beruhigt sein:
Du schläfst. Vergißt du dich, so hat die Glut gewonnen:

Und bald erblaut der Tag, schon unschuldsvoll und rein.

 

Der Träumende

        D er Laut ergraut, und jedes Ding erhält sich wieder.
Die innre Freiheit, unsre Heiterkeit, wirkt alles:
Die Erde schenkt der Dauer Diamantenlieder.

Dem Land entragt die Glut des unversuchten Falles.
Die Seele überglüht die eigne Einverleibung:
Die Erde hat den Anspruch eines Flammenballes.

Der höchste Wunsch erfährt die höchste Übertreibung.
Die Wesenheit gelingt: verdingte Dinge sterben.
Das Nordlicht ist der Freiheit leuchtende Umschreibung.

Es kommt der Mensch ans Licht, um Weltwuten zu werben.
Es träumt der Mensch, um andre Träume anzutreffen:
Er soll durch Plötzlichkeit das Reifste übererben.

Die Erde kann die goldnen Traumessegel reffen.
Wir tragen sie empor: hinan, hinein in Welten
Mit stillen Glutenruhen und Kometentreffen.

Wir sind der Geist, aus dem die Sterne sich entschwellten.
Gebären wir die Sonne! Es beginnt zu tagen.
Die Sonne wird, wenn Sehende die Welt erhellten!

Bewußte, horcht: ihr müßt zwölf Stunden Sonne tragen!

 

Erwachen

        W arum, o holdes Morgengold, bist du so blaß?
Es ist ja doch voll froher Ahnung schon der Wald.
Das Wasser, das sich nirgends wellt, erstrahlt wie starres Glas.
Doch gar nichts harrt, da alles sich zusammenballt.

Dic Wiese ist voll Jubellust und Taugeglitzer.
Aus allen Winkeln und auf allen Stengeln singt es.
Ja, selbst meine Geschwister schwätzen durchs Gezwitscher.
Und auch mein Rausch ist nur Verbrauch des Lautinstinktes.

Es schwirrt ein Lied um alle winzigen Zypressen.
Die Ölbäume stehn blaß wie schwache Kinder da.
Wohl hat auf jedem Blatt die Nacht ein Tauauge vergessen.
Und tief wühlt jetzt in mir der Wunsch: »Sag endlich: ja!«

Nun ja! Ich schüttle schon ein Bäumchen unter Bäumen.
Ich fühle feuchte Frische ins Geflimmer schäumen.
Der Frühe Froheit flammt und funkelt durch die Traufe.
Ich jauchze, glaube, daß ich mit den Lauten laufe.

 

Der Prophet

        D ie Sonne fühle ich mit ihrem großen Wollen:
Des Lichtes Schicksal wirkt in mir entsprossen:
Der Sonne Weltverheißung senke ich in Schollen!

Ich bin das Nordlicht, bin der Nacht entsprossen.
Ich bin der Sonne nah und kann ihr Schaffen wittern
Und bleibe fromm zu Sonnenfolgschaften entschlossen.

Das Land befreit sich in Begeisterungsgewittern,
Denn jede Seele ist für sich ein Element;
Sie wälzt die Erde um und will als Stern erzittern.

Der Glutenwunsch, der wuchtverschluchtet, hell entbrennt,
Gab uns im Kerne kühn die Schalungsmacht zum Sterne:
Ich bin die Erde, die als Nordlicht sich erkennt!

O Sonne, strahle nun aus meiner Innenferne:
Empor, o Sohn der holden Weiblichkeit der Wesen,
Entringe dich, du Sonnenhoheit aller Kerne!

Die Sonne wird der Gott, durch den wir bald genesen:
Ein Gott ist Wirken, Wärme, Wollen, Wonne, Sonne!
Der Sohn der Sonne hat uns zum Gefolg erlesen,

Es kennt der Norden schon die kommende Kolonne.

 

Der Nachdenkliche

        O Sonne, Sonne, ich empfange hold Gedanken,
Der Sonnenwonne meine Jubeltat zu weihen,
In Fabeln dir für meinen Farbentag zu danken.

So wallt die Phantasie durch lange Kaktusreihen,
Zu bleichen Weihern unter glühenden Gesträuchen,
Und drinnen schreien buntgescheckte Papageien.

Ich wähne Menschen mit verwundernden Gebräuchen:
Die Gluten ferner Tropen kann ich bloß vermuten.
Die Seelen kommen selbst. Nur still! Nur keine scheuchen!

Nach meinem Norden, wo einst Wesen schrecklos ruhten,
Ziehn viele wieder, wie zu fernen Nestern:
Denn alle schweben nun, die Furchtbaren, die Guten!

Auch Neger, Tiger, Schlangen, die wir hart verlästern,
Beginnen tief in mir die Schöpferkraft zu wittern
Und sagen klar: die Zeit ist arg und elend schlecht das Gestern.

Die Seelen aber finden sich: sie beichten, zittern.
Die Häscher sind so unschuldsvoll wie jeden Morgen.
Die Morgen kommen! Sünde wird uns nie verbittern.

Des Dichters Geist beginnt für euch zu sorgen.
Ihr Leidenden, erscheint: ich weiß vom Weltenwehen
Und kann den Trost dem großen Norden schon erborgen.

Wir müssen morden! Dieses Muß wird Gott umflehen!
Der Opfer Blut, der Schlächter Blut darf kalt erstrahlen,
Fängt der Verstand doch an, die Dinge einzusehen.

Empfangen wir den Geist, verblassen alle Qualen.
Die armen Tiere können sich des Herrn erbarmen.
Sie nahen schon. Sie glasten unter Glanzportalen.

Der Schöpfer läßt, gerührt, sie abermals erwarmen.
Da ziehn sie fort: und unser Herrgott bleibt verlassen.
Zu einsam schaurig wäre es in seinen Armen!

Wir danken, Herr, daß wir dein Leiden miterfassen:
Daß wir durch tausend Sonnen herzhaft an dir hangen,
Vor deinem Antlitz, durch das Mondlicht, kalt erblassen,

Bewußt, im Dunkel, deinen Schlummer stumm erlangen.

 

Der Hellseher

        D urch meinen Norden tosen goldene Gespenster.
Die offne Blüte einer Welt empfängt den Pollen
Erlöster Sterne: und in Glutkometen glänzt er.

Das Wesen aller Wildnis will der Welt enttollen:
Ein Flammenwald entwuchtet in Gewaltgewittern:
Und holde Sternenkinder nahen unsern Schollen.

Die Seele toter Wälder wird vor Gott erzittern:
Erbebst du nicht? Belebst du nicht durch sie die Liebe?
Vermöge du mit tausend Blüten Geist zu wittern!

Er weht herbei, er windet sich ins Weltgetriebe
Und wirkt, damit der Wissenskreis der Wesen
Sich bis zur Witterungsellipse hinverschiebe.

Er hat die kleinsten Daseinsrausche aufgelesen
Und gibt ihnen in Hellsehern erhabne Stärke.
Der Grundbeschluß der Urgeburt heißt Traumgenesen:

Und kalte Waldgespenster ragen in die Tagewerke.

 

Die Berauschenden

        W ir fliegen und singen im Reigen um Sieger,
Wir krönen die Götter mit goldenen Haaren
Und lieben die Löwen und lauernden Tiger.

Wir führen im Süden die rüstigen Scharen
Begeisterter, nordlichtdurchschauerter Seelen
Zu Taten, die Ahnungen klar offenbaren.

Wir können die jüngsten Geschlechter erwählen,
Durchwallen die Wesen, durchgolden die Mähnen,
Entsteigen der Erde, uns Gott zu vermählen

Und unter uns dunklere Völker zu wähnen.

 

Der Schaudernde

        Z wei dunkle Sonnen, das Bewußtsein und der Schlummer,
Sind nicht mein Eigentum, doch Pfade oder Brücken.
Die Welten fluten an und durch: und werden stummer!

Vernehmen will ich nicht. Kein Tag soll mich berücken!
Ich muß mit meinem Gotte leiden, furchtlos leiden.
Er liebt mich! Dunkle Liebe sprüht durch mein Entzücken.

Der Schlummer heilt. Und doch, den Schlummer muß ich meiden.
Für meinen Gott, der schlummert, will ich schaffen:
Er wisse nicht, wie oft wir leiden und verscheiden.

Ruft ihn nicht auf! Dem Schlaf ihn schmerzhaft zu entraffen!
Was in uns schlummert, ist das Beste: wird uns heilen.
Es birgt Gebirge, wo Vergessensschachte klaffen.

Er schläft: ihr könnt ihn noch in Gut und Grausam teilen,
An Gestern glauben, ewger Grauen euch berauben,
Und schon in holden Morgen, die erst kommen, weilen.

An einen Gott, der heilig schlummert, kann ich glauben.

 

Die Berauschten

        W ir sind des Nachmittages warme Geisterschwärme.
Wir nisten in den Seelen, die verwundert tagen,
Und bringen ihnen Heimatlieder, Wesenswärme.

Im Leben darfst du nicht nach Sonnenworten fragen:
Ihr sollt euch an die Eingebung von Taten halten,
Denn unser höchster Flügelschlag heißt Wagen, Wagen!

Die alten Wälder fangen an, in euch zu walten:
Beim Einsturz haben sie geschluchzt und sind verschwunden.
Doch alte Majestät kann sich ins Dasein schalten.

Seid stummer als der Urwald! Laßt euch stolz verwunden!
Die tote Wildnis birgt die hellen Elemente,
Durch die wir uns als Wertungswächter hehr bekunden:

Ein Element und kein Befehl schafft Rechtsmomente.

 

Abend

        A m Himmel blauen weither Wind und Inseln.
Die Brandung schwillt in dumpfen Brustakkorden:
Dazwischen hörst du wirklich Stimmchen winseln:
Entwallt der Sang von großen Daseinsmorden?

Dort, durch das Dunkel, huschen nun Delphine.
Und auch die Wellen balgen sich am Strande.
Wie eigen ist doch manche Dingesmiene:
Ich fühle ja um uns verborgne Bande.

Gewiß, jetzt gilt es, sich der Nacht besinnen.
Vergessen wir die lichte Innenstille.
Wir sehen rings Geheimnisse zerrinnen:
Schweigt! Was beginnt ein solcher Wellenwille?

Durch uns, verdunkelte Vernunftgebärden,
Hascht abermals so mancher Heimwehschatten.
Ja, ja, es heißt bloß Auferstehn und Werden!
Ach, Dasein, willst du immer nicht ermatten?

 

Das Weib an der Wellenwiege

        D as tragische Schwarz aller Nacht ist erhaben.
Die Arbeit rastet aus. Die Armen darfst du laben.
Erwartet mich: ich bin der Wahn der Sagen
Und kann die Wahrheit und den Schlaf der Nacht ertragen.

Vernehmt: die Erde hat den Sonnensohn geboren.
Es strebt der Geist zu Gott empor. Aus goldnen Toren
Kommt das Geschöpf erhöht zu Gott, der es verloren.
Der Wesen Leid wurde zum Freiheitskeim erkoren.

Der tiefste Sohn, der seinen Gipfel-Gott verschmähte,
Weil der das Erdenleben, das er täglich säte,
Nach leidvollbrachtem Arbeitstage wieder mähte,
Entwand der Rast den Schlaf, daß er den Tod verspäte.

Es wuchs der Geister Wurzelsehnsucht nach dem Süden:
War doch ihr Wunsch, daß sie die Wesungswucht entlüden!
Verkrampft, bekannte sich die Daseinslust zum Rüden,
Das Weibliche sollte die Vollsonne ermüden.

Da ward von Gott, aus ihm, das holde Wort geboren.
Im Wort hat sich der Sonne frischer Hort verloren,
Zur Sünde dann der Geist den Süden sich erkoren,
Nun tritt die Freiheit aus des Nordens goldnen Toren.

Das Nordlicht sprießt: das Weib empfängt die Weltkometen.
Das Nordlicht wächst: so werden Sonnen sich verkneten.
Das Nordlicht blüht: ein Gott begreift sich in Propheten.
Das Nordlicht siegt: du bist! Kein Wort soll dich vertreten.

Zurück zum Sonnengold! Das Wort begehrt den Bronnen.
Der Mund empfängt die Flut, der Glaube tausend Sonnen.
Des Wortes Tochter, unsre Freiheit, hat gewonnen,
Nun weicht das Wort vor einem Gott in heilgen Wonnen.

Ihr seht das Wort zum vollen Element erfroren.
Es schweigt der Ruf, der Durst hat unsern Born geboren.
Vor Gott, der seinen Sohn, als Welt und Wort, verloren,
Besteht und lebt der Geist, der Gott in sich erkoren.

 

Gestalten am Strande

        D ie Sterne tagen, um uns still vor Gott zu tragen.
Die Herzen schlagen, um den Flug von selbst zu wagen.
Die Felsen ragen und verheißen alte Sagen.
Die Wellen klagen, und die raschen Böen fragen.

Was hascht der Wind? Was faßt das kalte Wasser?
Nun atme ich geschwind. Die Welt wird mir ein blasser
Gedanken-Ineinanderklang. Der Wahn wird krasser.
Jetzt atme rasch, welturverwandter Daseinshasser!

 

Atem

                    N ur Sehnsucht sind die Augen, bloß der Mund Besitz:
Bloß Traumgewitter Blicke und der Tag ein Kuß:
Das Dasein ist Verwolkung, Gott allein der Blitz:
Ich selbst bin Feuer, da ich glaubhaft bleiben muß.

Begierig sind die Blicke: Mystik west im Hauch:
Und Wahrheit, Unerschautes wogt das Wort ins Lied.
Das Unerhörte scheuche fort, wie Glut den Rauch:
Sich selber hört die Seele, die das Fremde sieht.

Hinweg vom Schaustück! Aussichtslos und ohne Gier,
Enthebe mich der Geist. Zurück zu Wind und Mund!
Mein Atem sei der Sang, ein Klang der Tag in mir.
Der Ruf bleibt Wucht und Sturm: ein Schlund mein dunkler Grund.

An meinem Lied, an meinem Leide will ich hangen.
Des Schmerzes Feuerlippen löschen das Verlangen.
Ich bin so weit, ja viel zu weit, in mich gegangen.
Wind, wehe mich ins Weh, wo andre Wesen bangen.

*
Ein lächelndes Wesen erscheint mir im Winde.
Ein Weib wird vom Sturme nach Westen getragen.
Gesicht, das ich leibhaft und wirklich empfinde,
Wie kann ich dir nahen? Es bangt mich zu fragen!

So weht denn vorbei, holde Sehnsuchtsgebilde!
Ihr silbernen Träume, entschwirrt wie Gewitter.
Ihr perlbleichen Geister verschwiegner Gefilde,
Vermummt meinen Wunsch, durch ein Schneeflorgeflitter.

Ich sah ja das Lächeln. Die Nacht wurde heller.
Jetzt wandre ich heiter, noch tiefer und weiter.
Mein Sang sagt die Wahrheit, stets klarer entquell er!
Verheißenes Weib, so erschaut dich ein Streiter!

Erleuchtete Nächte, ich liebe das Lachen,
Dem Geister und Seelen unendlich vertrauen.
Ergoldete Morgen, die Menschen entfachen,
In euch will ich staunend vor Freude ertauen.

 

Einfall

    A uf einmal ward die Nacht geknickt und trüber:
Der Mond verdunkelt und dann wieder frei;
Perlmutterwolken bauten sich herüber,
Und vor dem Licht stockt eine Schäfchenreih.

Die Wiesen übersprühen grüne Käfer,
So weit sie, wie ein See, erflimmert sind.
Im Hage dämmern Träume müder Schläfer,
Und leise Silberbäume schmückt der Wind.

Das Meer erhellt sich zart durch Wirbelfluten:
Von allen Klippen träufelt fahles Licht.
Was blaß enttaucht, muß Seelenschimmer bluten,
Wie geisterhaft verstummt die See sich bricht.

Der Mond beherrscht, mit Netzen, nun die Weite.
Er lächelt nur: wer weiß, ob du mich kennst?
Sein Lächeln bleibt, bei Wind, das Flutgeleite:
Die Welt ist jetzt ein riesiges Gespenst.

 

Der Sänger

        M ein Mutterland, mit deinen schweren Fluten
Verlangst du, bangst du ja zum Mond hinan:
Unheimlichkeiten, die wir nur vermuten,
Ereignisse, die nie ein Wunsch ersann,
Entwallen dir aus Gründen, die einst ruhten,
Zum Stern, der abermals das Nichts begann.

Wir träumen uns hinweg nach einem Reime,
In dem das Fühlen starr und frostig sei:
Und allen festen Schlafes Ebbungsschleime
Durchblinkt des Sterbens Silberstickerei:
Wirft doch der Mond die bleichen Todeskeime,
Voll Mitleid, schon in jedes Sonder-Ei.

O Erde, hin zum freundlichen Genossen
Will unbewußt das frohste Sonnenkind.
Was überraschend rasch am Tag ersprossen,
Ist innerlich doch immer mild gesinnt.
Es will ein Wort, dem toten Mond entflossen,
Zum stummen Mund zurück, dem nichts entrinnt.

 

Eurydike

        I ch weiß nicht, weshalb dieser Sänger mich preist,
Warum er mich immer noch sehnsuchtsvoll ruft?
Ich bin es doch selbst, die ihr Wesen verheißt,
Die alles, was auftaucht, gesangzu verstuft!

Du Orpheus, sei ewig der Strahl der Idee
Und ich die unendliche Urmelodie,
Dein wirkliches Lied, alle Sterne, der Schnee:
Dein Leid, unser Heil, mein Weltselbst, das Nie.

Dein Ich, holder Sänger, ist immer in mir.
O blick dich nicht um, was ich war, bleibe stumm!
Doch dort, dort vor dir, jenes furchtsame Tier,
Erbangt ja für dich: doch ich bin es. Warum?

Du darfst mich nicht töten! Ich steh, wo du gehst.
Ich wittre und weile, wohin du gelangst.
Ich wandle als Schmerz, den du heilsam verstehst:
Die Panik bin ich, aber nie feige Angst.

Ich springe im holdest Vergleichbaren auf
Und sinke als Hast stumpf vom herbstlichen Ast,
Doch lenke ich auch deinen leidhaften Lauf,
Bewußt nur durch dich, Geist und Spende der Rast!

Ich ward von Gedanken in Marmor gebannt
Und harre als Stein auf den Sang, der mir naht.
Ich rufe und winke, mir selbst unbekannt,
Der Stimme, die wo mein Erschauen erbat.

Nun sind wir beisammen! Du blickst ja in mich!
Als ionische Säule erschein ich mir hold.
Dein frommes Erstaunen und Jubeln bin ich:
Mein weibliches Nacktsein hast keusch du gewollt.

 

Wind zur Heimat

Die Dulderin am Brunnen:

        I n unsre Dulderbrunnen sinken viele Schmerzen:
Doch tief in meinem Leiden spiegeln sich die Sterne.
Die Seelen schwellen her, es ticken tausend Herzen:
Ich kenne ihre Angst und hab die Kleinen gerne.

Die Menschen sollen ihre Träume furchtbar bannen,
Die Hoffnungswolken mit Begeisterungen schwängern.
Gedankenwanderschaften ziehn im Sturm von dannen:
Ideen werden ihre Macht bei uns verlängern.

Der Regen, voll Rührseligkeiten, soll erfrieren,
Ein milder Schnee dafür im Mondenschein erglänzen.
Statt Nebel werden Eisberge herniederstieren,
Kein Blitz das Nordlicht soll das Land bekränzen!

Polarschein tagt. Die Träume bändigt er wie Tiere.
Sakrales Dämmerlicht verwaltet unser Wollen.
Die Erde will nicht, daß sich je ein Wunsch verliere:
Was sie geboren, das vergöttlichen die Schollen.

 

Schwärme ohne Wärme:

        Hinab zum Brunnen, unsre Blauheit zu erschauen.
Statt Eisgebirgen, die vor Lichtgipfeln erschauern,
Erblicke Auen, die, uns spiegelnd, sich betauen:
Belauern soll die Lust das Leid und kaum bedauern.

 

Ein Schwarm voller Harm:

        Die Lauheiten des Meeres schwellen, grundverbittert,
Die Seelen, wie in Nebeln, durch das Traumgetümmel.
Ihr seht, daß an der Sonne Wasser furchtsam zittert,
Dort oben bannt ein kaltes Leuchten Wolkenlümmel.

 

Ein Mann auf dem Meere:

        Es schimmern bloß die hellsten Sterne auf dem Meere,
Als ob der Halbmond hoch am Himmel wäre:
Die dunkle Stille aber unterbricht der Wind,
Aus Ionien weht und überweht er uns gelind.

Oft tragen eines Bootes nimmermüde Schwingen
Mich leicht und schaukelsanft zu unerschauten Dingen.
Des Kahnes Gang ist bang und schwank, ja schwanenschlank,
Doch kreuz ich froh die Brise, samt dem Wogendrang.

Die hohen Segel führ ich selbst dem Wind entgegen.
Er schwängert sie voll Kraft, daß sie die Wellen fegen.
Doch blicke ich zurück, ist niemand dort im Boot,
Da hold sich, zur Begleitung, kein Wesen mir erbot.

So blick ich denn voraus, dort in den Braus der Wogen:
Was sich ereignen soll, kommt meerher angezogen.
Die Träume aber, ach, die träumen mir ja nach,
Die sind es, was ich hab, seitdem das Herz mir brach!

Die Wellen steigen auf. Sie spreizen weiße Flügel.
Sie schwingen sich empor; jetzt fliegen blasse Hügel.
Mein armer Flügelkahn, um dich ist es getan!
Schon fletscht der Ozean. Nun dunkelt der Orkan.

 

Gemurmel um den Brunnen:

        Nur Brunnen sind bewußt, denn Sprudel bleiben Jubel!
Auf Seeleneingüssen bestehen freie Wesen.
Es wittert die Vernunft des Sturmes Wuchtgetrubel:
Ein Wunder taucht nur auf, wenn es schon urgewesen.

Der Sturm wird gut und mahnt, zum Geist zurückzukehren!
Die Welt ist wild. Der Norden droht mit großen Morden.
Versenke dich in die Ursprünglichkeit der Lehren.
Erfasse uns: in deinem Innern ist der Norden!

 

Ein lauschender auf blauer Au:

        Grauen, samtig rauhes Grauen
Packt mich, wenn ich traurig bin.
Lauter graue Raupen stauen
Sich vom Hals bis übers Kinn.
Ach, wie schwer ich das ertrage,
Wie es mich erschaudern macht:
Raupen scheinen es am Tage,
Falter sind es in der Nacht.

Dunkelbunter Schmetterlinge
Werde ich genau gewahr.
Ja, die innerlichsten Dinge
Schaut dann manches Augenpaar.
Tief im Flügelkreis der Falter
Blickt mich meine Trauer an,
Unsrer Seele blaues Alter
Hält ein Zauber dort im Bann.

Fliegt doch fort, ihr vielen Dinger!
Färbt ihr euch mit Rätseln bunt?
Meine werden schon geringer,
Abgesucht ist euer Fund!
Flackert nicht, wie kranke Herzen,
Die der Tod nicht knicken kann,
Knüpft nicht alle meine Schmerzen
An den Samt der Flügel an.

Weggeträumt, hinweggesonnen,
Gebt mir doch am Morgen Ruh.
Ach, in Sorgen eingesponnen,
Deckt mich schon das Schaudern zu.
Doch warum die trübe Klage?
Stets bin ich mit Graun erwacht!
Raupen plagen mich am Tage,
Falter sind es in der Nacht.

 

Der Schutzgeist am Brunnen:

        Entführt mir nicht im Traume meine Schlummerschwärme!
Beruhigt und genügt euch selbst, erstaunte Wesen!
Das Ineinanderschauern zeitigt Fieberwärme:
Die Welt wird kalt: ihr müßt durch eignes Licht genesen.

Die Glühwürmchen sind tief und freier als die Sterne.
Ihr Licht ist bleich. Ein Eigenschein hat sie umkleidet.
Verwandelt das Gehaben nach dem Feuerkerne:
Zieht leuchtend hin, wie einer, der die Welt vermeidet.

 

Der Nachtwandler:

        Naht mir gar nichts auf den Spitzen,
Leise wie ein Geisterhauch?
Licht fällt durch die Mauerritzen,
Was du fühlst, ist grauer Rauch:
Jedes Ding kriegt Silberschlitzen,
Und es klingt und knistert auch.

Ja, jetzt wirst du fortgetragen!
Tür und Fenster gehen auf.
Bleiche Tiergespenster wagen
Gleich mit dir den Traumeslauf:
Glaubst du dich in einem Wagen,
Bauscht sich unter dir ein Knauf.

Auf der Kante des Verstandes,
Über, unter der Vernunft,
Fühlst du fernen Totenlandes
Wunderheilge Wiederkunft;
Deinen Gang am Daseinsrande
Schützen unerfaßte Bande.

Der Dreiviertelmond ging unter:
Oder spürst du nur kein Licht?
Doch! Ein Geisterchor wird munter,
Und du merkst ein Teichgesicht,
Das dir blauer, tümpelbunter,
Grün gar, ins Bewußtsein sticht.

Silbersilbig wird jetzt alles.
Hände kriegt so mancher Baum.
Des geringsten Eichenfalles
Wirkung grinst im Weltenraum:
Alles klingt zu eines Balles
Urversuchtem Rundungstraum.

Leise, denn geträumte Träume
Halten dich zu leicht im Raum.
Eben treten Schauersäume
Blau und panisch in den Traum:
Halte dich an deine Bäume:
Faß dich, denn du fühlst dich kaum!

Ja, dein Spuk wird torkeltrunken,
Und er splittert dich nun ab.
Tief in dich zurückgesunken
Wird dein Fliegenwollen schlapp,
Und du hältst dich kurz an Strunken . . .
Ja, mein Lager ist gar knapp!

 

Seelen in wehender Wehmut:

        Die perlenden Seelen der sterblichen Tiere
Gefrieren wie Eisblumen still und in Frieden.
Du Leidenschaft wandelnder Wesen, erfriere!
Wir wehen ja wehmutverwindend hienieden!

Du fieberndes Fordern und Träumen vom Norden,
Ihr Wallfahrten alle, verkrampft euch zu Gletschern!
Schon bannt mich das Wort, das zum Weltlicht geworden!
Verkrümmt euch zu Bären, zu Reißzähnefletschern.

Verkrustet, in uns euern Durst zu verbergen,
Die Ruhe erklimmt ihr nur schreckhaft vereisend:
Dem Wechsel entreißt euch in plötzlichen Bergen:
Vernebelt gespensterhaft, Welten entkreisend!

 

Die blinde Wehmutter:

        Als Greisin führe ich noch grundbewußt zum Leben.
Ich bin verwitwet, aber unverwittert, sicher!
Ich hoffe ferne Geister bald ans Licht zu heben:
Es wird der Mensch einst freier, abenteuerlicher.

Ich wurde weiß, den Sternen mag ich wohl entstammen!
Bloß alte Seelen können einverleibt ergreisen.
Das Nordlicht will die Hehrsten unter uns entflammen:
Nur um die Reinsten kann die Weltwabe vereisen.

Wohl fühlt der Mensch noch nicht den Weg zu meinem Wissen,
Er schweift verirdischt fort durch wilde Schwermutstürme.
Ein Urverwurzelter wird witternd fortgerissen:
Der Alpbefangene erklettert Narrentürme.

Ich aber finde lang den Pfad zur Nächstennähe:
Den Blick in Menschen kann mir nur die Nacht gewähren,
Denn Rätsel, die ich bei Geburten jäh erspähe,
Beginnen langsam auch den Tagesgang zu klären.

Die Knaben scheinen mir von Sonnenlicht umfroren,
Da ist es mir, als ob ich Wolken weltwärts leite.
So glaubt es nur: ihr werdet goldumflort geboren,
Drum hoffe ich und stehe Müttern hold zur Seite.

Die Mädchen sind von mildem Mondenschein umzittert.
Ich sehe sie in meiner Blindheit leicht umschleiert,
Ihr Silberlicht ist spröder, tödlicher, und splittert,
Durch ihr Erscheinen wird die Leiblichkeit gefeiert.

Ich werde weilen, um Propheten zu erkennen!
Des Geistes Kinder kann auch meine Hand bloß wähnen:
Es wird so schwer, vom Mutterschlunde sie zu trennen,
Doch fühle ich Bestimmungsrisse hilfreich gähnen.

Verblüffend einfach ist das Wesen der Propheten:
Auf einmal überstrahlen sie die halbe Erde.
Die alten Pfade kannst du plötzlich nicht betreten,
Du selbst erfaßt dich, wie im Wald ein Schreck die Herde.

Du wirst die Welt. Die Herzenssterne sind erglommen.
Der tiefste Wahn gewittert. Herrlich strahlt der Norden.
Die Wege wechseln selbst. Du bist zu dir gekommen:
Aus großen Sorgen ist ein Morgengold geworden.

Polarlicht strahlt und wallt auf allen Daseinsschachten,
Die Welt ist voll in unsrer Tagesmacht enthalten:
Gestirne, die der Pfade Richtungen bewachten,
Verdunkeln der Verzückung dämmernde Gewalten.

 

Astraler Gesang

Der Zeichendeuter:
                    E in neuer Mond ist in den Menschen aufgegangen!
Er blinkt in uns, vom Grunde nächtlicher Pupillen,
Und kühlt der Daseinsflammen nordisches Verlangen.

Der Mond der Seelen-See beschwichtigt jeden Willen!
Er ist ein Stern. In ihm bespiegeln sich die Sterne;
Und bloß das Licht der Herzen kann den Schmerz der Welten stillen.

In seiner Ewigkeit versinkt der Sphären Ferne.
Der Sonnen Todessturz muß sein Bewußtsein schüren:
Denn Sterne streben sterbend zum Erkenntniskerne.

Es scheint das All für unsern Mond den Tod zu küren.
Er ist der Stern, um den sich alle Sonnen drehen:
Wir werden frei die Milchstraße zum Ursprung führen!

Sein Wesen ist ein helles Durch-die-Seelen-wehen.
Er ist! Die Sonnen, seiner Tiefe Widerscheine,
Erhalten Macht und Größe bloß von ihm zum Lehen.

Den Mond der Stille heben Seelen, im Vereine,
So heilig in die Nacht der unerkannten Sphären,
Daß Sonnen leuchten: Monde, wie bewußte Steine,

Die Welterkenntnissterne rings um sich verklären.

 
Chor der Gegenwartsgeister:
An unsrer Gegenwart entzünden sich die Sonnen.
In ihnen dunkelt Nacht, doch wir sind ihr Erfunkeln.
Ihr Sonnen, strahlt empor: die Mondsicht hat begonnen.
 
Lied der Sternenkinder:
Der Mond geht auf! Es blickt und schimmert aus Karfunkeln,
Wir tragen seine Sichel, die uns still beleuchtet,
Empor aus Seelen, die sich wieder stumm verdunkeln.
 
Eine dahinwehende Seele:
O, wie das junge Licht mir zart und friedlich deucht.
 
Ein plötzlich aufleuchtender Komet:
Der Mond, der meinen bleichen Schein so hold entsponnen,
Steigt keusch empor. Er klimmt zu seinem Wahngebilde.
Schon faßt er mich. Ich bin! Nun strahlen alle Sonnen.
 
Das Heer der Sterne:
Des ersten Meeres Ernst besteht: die Sterne sind bloß Schemen!
Es gibt der neue Mond den Werdenswirbeln ihren Kern.
Die Silberwiege, der wir unsre Kindlichkeit entnehmen,
Gewährt uns Seelenstille, Ernst und Schmerzensglut zum Stern.
 
Die sinkende Sonne:
Wo träumt und schaut ein Kind aus seiner stillen Silberwiege
In Schauermöglichkeiten, die mich feierlich betäuben?
Des Kindes Wesenshöhe sagt mir, daß ich bin und fliege,
Doch weiß ich, daß sich meine Strahlen vor mir selber sträuben.
 
Gesicht der Sonnen:
Die Erde strebt mit ihrer Sonne fort zum Sonnentode,
Doch schwingt sie ihren Leib um unsre Seele, die noch schläft.
Es scheint uns, daß sie alle Hoffnungen zusammenrode:
Wie herrlich wäre es, ihr Sterne, wenn ihr einst euch träft!

Die Erde schweift, mit ihren beiden Monden, mit dem toten,
Der ewig sich erfüllt, und mit dem lebenden, der glimmt,
Der durch die Sterbensschmerzen klimmt, die eben bleich verlohten,
ln unsre Kernesferne, wo der Stern zum Sterben stimmt.

 
Die Sterne zur Linken:
Die Erde stirbt! Der Todesmond nimmt zu! Wir sind verloren!
Ein blasser Wanderkatarakt umwandet den Planeten.
Zehntausend Seelen sind erkoren, schaun aus Silbertoren
Auf Gletscherriesen, die noch ungeboren sich verspäten.
 
Die Sterne zur Rechten:
Der Todesmond nimmt ab! Die Erde brennt! Wir sind gerettet!
Der Todesmond verschrumpft zu einem Boote für die Toten.
Die Wanderwabe wächst. Die Zacken werden überglättet.
Das Boot versinkt. Wo sind die Toten? Lauter Mondesboten!
 
Das Heer der Sterne:
Der junge Mond! Der junge Mond! Zur Wiege wird der Nachen.
Die Silberwiege schützen still die ewgen Nordlichtschleier.
Geschöpfe brachten ihn zur Welt. Nun werden sie erwachen.
Zur Wahrheit ward ein alter Wahn. Das Leid ist eine Feier.
 
Die versinkende Sonne:
Die Erde trägt mit ihren beiden Monden unser Sterben
Und auch die Hoffnung aller Sonnen durch die Dunkelheiten.
Ein Sonntag wird erscheinen: alle Sonnen hehr beerben
Und in dem Nichts, das uns begreift, die Seligkeit erweiten.
 
Chor der Sonnen:
Das Nord- und Südlicht unsrer Erde sind der Seelen Schwingen,
Doch mehr als Feuerflügel, um sich selber zu entwehen,
Verhüllungen, die fordern, in Geschöpfen zu vollbringen,
Was keine Himmel hoffen, da auch sie zugrunde gehen.
 
Das Heer der Sterne:
Das Wunder, das Wunder! Die Welt verwandelt sich in Wahrheit:
Verwunden sind die Dunkelheiten, die ein Wort gebunden.
Es tagt! Ein Herz bricht auf! Uns alle überwältigt Klarheit.
Das Wunder, das Wunder! Die Dunkelheit durchgluten Wunden.
 
Seelen, die sich verkörpern:
Ein Mund, ein Mund! Die Stummheit kann sich selbst aus Schmerz verwunden.
Ein Mensch, ein Mensch! Die tiefste Dunkelheit wird sich verlieben.
Ein Mann, ein Mann! Ich glaube nicht: ich trage, spende Kunden!
Der Mond, der Mond! Wir sind in uns voll Ewigkeit verblieben.
 
Der jüngste Geist:
Die Seelen streben wie Gewitter nach dem festen Norden.
Der Streit ist schrecklich, daß wir fast die Atemkraft verlieren.
Es friert. Bejahe dich: du bist zur pursten Glut geworden.
Nun sprich dich aus: Das Wort! Es wird zur Ewigkeit erfrieren.

Mein stummgewordner Völkerstamm, geheiligt durch die Kälte,
Die gleich die Silben auf den Lippen abstarrte, jetzt schreie:
»Begeisterung!« Das ist der Blitz, der auch für Sterne gelte!
Kristallklar wallt die Wahrheit in das Freie.

 
Der Chor der Sonnen:
Die Erde trägt mit ihren beiden Monden, mit dem stummen
Und mit dem mündigen, die Tragik in den Chor der Sonnen.
Du kennst sie nicht! Sie will sich ganz mit heilger Glut vermummen.
Denn sie vernahm in sich das Wort, das unsre Welt begonnen.
 
Die versinkende Sonne:
Vom Baume, wo die Sonnen blühen, ist die weiße Erde
Schon eine dunkle Frucht, aus der die Wunder wieder sprießen.
Ein Geisterstamm entragt ihr stolz, bis in sein eignes: »Werde!«
Um sich, von uns getrennt, bloß in das Wollen zu ergießen.
 
Der Prophet:
Vom holden Sonnenbaum, mit seinen lodernden Geboten,
Verlangt es den erblaßten Geist nach reifen Kreisgesetzen.
Die zeigt der Leib. Doch, überschaut, bekleidet er die Toten.
Und dieser Zwist gebiert im Geist geschlechtliches Entsetzen.

Drum Geist, enträtsle das Geschick und unser Sterben!
Es müssen Wunder stumm um deine kalte Flamme bluten.
Dein jüngster Glaube soll um aller Wesen Demut werben:
Die Einsicht kann die Sonne mit Umarmungen umgluten.

 
Die plötzlich stehenbleibende Sonne:
Des Geistes Hilfe dringt wie warmes Blut in alle Seelen.
Wie nahe mir die Menschen sind! Sie lieben mich in Pflanzen,
In stillen Tieren, denen sie den Weg zu mir befehlen.
Ich brauche kein Gebet! Die Wesen kennen mich im Ganzen.
 
Chor der Propheten:
Wir sollen zu dem Baume mit den Sonnen wiederkehren!
Er wird im Frühjahr alle Seelen in die Heimat führen.
Schon hat ein Kind nach allen Demutsweisen Urbegehren,
Drum wirft der Geist sich durch des Fleisches finstre Schaudertüren!

Es überwältigt unser Herr die klügelnden Geschöpfe:
Noch wirft sein Wort uns in den Flammenwahn der Leidenschaften!
Den, der da hört, durchdröhnt der Herr, beschwört die widerspenstgen Köpfe
Und bleibt am Marterpfahle, daß er Sonnen trage, haften.

 
Die plötzlich zurückkehrende Sonne:
Ihr Wälder, Felder, Wehmutsweisen, Wanderer und Waisen,
Ihr heiligt und beruft mich, durch das Wunder eures Wesens.
Der Sonntag meiner Auferstehung muß im Blute kreisen:
Ich bin der Segen des unendlich einfachen Genesens.
 
Ein Schwarm berauschender Gefühle:
Das Wunder! Das Wunder! Propheten wollen uns beleben.
Der Adel der Gedanken bannt den Schlaf der Patriarchen.
Durch unsern Traumestaumel können Tote sich erheben:
Der Geist entsteigt der Welt, wenn rasch Kadaver schnarchen.
 
Der Hellseher:
Ihr freveltet gegen die Welt, jetzt schützt den Geist vor Sünde!
Die Sonne ist der hohe Schoß des goldnen Gotteskornes.
Bestimmt, daß eure Seele in die See der Milde münde!
Der Baum ist tot! Doch lebt die Glut der Wunde eines Dornes.
 
Die sinkende Sonne:
Entrage, Flammenstamm! Umarme hold die Wandersonnen!
Vertilge allen Raum: bedinge uns in einem Funken!
Der Norden wahrt das Wort, denn dort hat unser Wort begonnen.
In meinem großen Wollen waltet Gott, in sich versunken!

Erkeime, Geist. Erstrahle als das Flammenschwert der Erde!
Vernichte alle Finsternisse ihres Pilgerweges!
Ihr Freischeine, ich weiß, daß ich durch euch vollendet werde!
Das Urlicht bannt uns fest; der Raum umspannt es: ich zerleg es.

 
Der Hellseher:
O Seelen, horcht, aus Sonnenschößen strömt das große Wollen.
Ihr sollt die stolze Adelsart in Lichtgefilde tragen.
Der hohe Norden muß vor sich das Mittagsland entrollen:
Der Taten Wahrgewahrung wird als Ja der Allnacht tagen.

Doch Menschen, hört, ihr seid zu der Begeisterung geboren:
Zu euch kann kühner Volkstrost, großes Schicksal Blut geleiten.
Erkämpft den Tag! Führt sein Gespenst hervor aus Nordlichttoren,
Ob elend, krank, wer sähe das: der Geist wird einwärtsschreiten!

 
Die sinkende Sonne:
Aus meiner Seele strahle, strahle ich, daß ich einst sterbe.
Aus meiner Erde steigen Geister auf, die mich umarmen.
Ich spende, sterbe, daß die Welt die Ewigkeit erwerbe,
Einst wird das stille Wort sich seiner Wanderer erbarmen!

 

Der magische Sang

        D as ist der Sang der Nacht, in der die Sagen lange tagen.
Der Strand, wo Traumgestalten unsre Urgewalt erleuchten,
Wo stille Lichtsicheln um zarte Tagesrätsel fragen
Und Feuersterne ihre Irislider leicht befeuchten.

Das ist der Norden, unser heller unsichtbarer Norden,
Die Heimat, die uns unvermutet auf den Fahrten lenkte:
Wir folgten ihm, von Meer zu Meer: beim Fordern und beim Morden.
Er hielt uns fest! So fest, daß er sich ganz in uns versenkte!

Ein Lied taucht auf! Von einem Traumesmeere weit getragen.
Wie sacht es naht. Sein Flügelschlag vereinigt unsre Herzen.
Aus Schönheit fängt die See in meiner Seele an zu klagen.
Gefiedersegel heben sich ins Sternenheer der Schmerzen.

Das ist die Sage Hellas': ihrer Heimat urverbunden!
Sie ist ein Sang und doch nur marmorstumm geheiligt.
Sie weilt in uns, in mir vermutet sie verschwundne Kunden:
Denn Dinge gibt es! Menschen! und ihr seid daran beteiligt!

Schon trägt das Lied den Wert der Himmelswahrzeichen im Wesen:
Der Große Bär wird uns von Hellas' Sagen eingehändigt:
Noch blickt der Schiffer nach dem Norden, wo er einst gewesen:
Drum wird der Westen bloß vom Nordenkundigen gebändigt.

Der innre Norden ist die Heimat aller Wanderseelen,
Die Stille, wo sich unsre Unvergänglichkeiten treffen,
Ein Hort, wo, urbekannt, wir den Bewußtheiten befehlen:
Er ist in uns, wenn unsre Möglichkeiten Segel reffen.

O Heimat, ich erfülle meine Grundzufriedenheiten.
Hieratisch bleibt mir meine Wesenshöhe zugemessen.
Ich kann, als Mensch, verstandesklar um Seelenweiten streiten,
In Gott versenkt, zu Gott erhoben, jeden Zwist vergessen.

Es spricht, wer irdisch stirbt: ich bleibe, und ihr werdet reisen!
Den Schiffer, der nach Norden blickt, durchwittern seine Toten:
So fühle, Mensch, um deinen Grund bewußte Seelen kreisen,
Die andern ziehn um dich, doch wirst du selbst zu ihrem Boten.

Die Seele, die das Gleichnis ihres Nordens voll durchschauert,
Braucht nimmer, leiblich sterbend, ihre Heimat zu erreichen:
Sie weilt in Gott gekehrt, wo sie die Welten überdauert,
Steil über ihren Menschlichkeiten, die um uns verstreichen.

O Gott, ich bin in Gott! Schon kann ich Gottes Welt erfassen!
Was droht mir nun? Mir bangt. In meinen Glauben dringen Flammen:
Ein rotes Nachtgespenst erscheint und dringt in mich, zu hassen.
Im Norden geht es um und scheint den Gletschern zu entstammen!

Es ruft in mir das rote, schreckliche Gespenst im Norden:
»Es trennte sich bereits dein Geist, als Perseus, vom Gebirge!
Er war zum steilen Ausdruck dieses Nachtsternes geworden
Und schien berufen, daß er unsern Flug zum Herrn verbürge.

Der Ararat versank, als ausgebrannter, schmerzumstarrter Krater:
Die Erde wollte dich, o Geist, zu sich herniederrufen:
Da brachte sie ein Kindlein dir zur Welt. O Gott und Vater,
Als deine Demutstiefen deinen Sohn im Weib erschufen,

Da faßte dich für diese Welt unendliches Erbarmen:
Und auch der Erde Geist in dir ist wieder Mensch geworden!
Er glühte im Verderben auf, begeisterte die Armen,
Der Reichen stummer Schutz zu sein und ließ sich schuldlos morden!«

»Du furchtbar großes Glutgespenst,« erwidre ich im Geiste,
»Die Erde wurde mir im Traum zum Araratkristalle.
Als Pyramide sah ich schon den Ball, den ich bereiste!
Zur Spitze ward der Pol! Zum Zweck, zu dem ich walle!«

»Wo bleibt«, fragt mich das Glanzgespenst, »die südentführte Seele?
Die kalte Flamme haschtest du! doch mußt du niederwallen,
Bis Christus, als der gute Hirt, mit seiner treuen Herde,
Zu Gottes Ruhe wiederkehrt, denn Gott erglüht in allen!

Ich selber bannte Israel dereinst in warme Leiber.
Ich watete durch Meer und Sand und bin zum Kreuz gekommen,
Beim Grabe aber war ich schon elf Zeugen und drei Weiber,
Als zwölfter sprang ich wieder ein und drang in alle Frommen.

Die Sonne ist in Nacht getaucht: ich bin der Mond, der blutet!
Der Sprachen Brandung lausche ich im Meer um meine Dauer!
Ich fühle unsre Seelen-See, die brausend zu mir flutet.
Entflammend ist mein Ruf. Um euch erglüht in mir die Trauer!«

»Du wunderbares Blutgespenst, mich lüstert nach Geschicken!
Geschicke gibt es, Seelen hört,« entfährt es mir, »Geschicke!
Du Bettelvolk, du hehrer Herr, ihr sollt euch hell erblicken,
Erfliegt euch selbst! So tief, daß euch der Lebensquell erquicke!

Geschicke fesseln an die Welt, drum muß man sie verwunden!
Geschicke habt ihr, und ihr dürft Geschicke kühn vernichten.
Verwundet euer Fluchgespinst: aus Wunden fluten Kunden.
Verwundert euch: das Glutgespenst! Es ruft, ihr wollt euch richten.

Mein großes Volk, mein hehrer Herr, entwindet euch Geschicken!
Geschicke habt ihr: dankt euch selbst! Ihr seid zum Krieg berufen.
Geschicke weiten sich, vergehn! Ihr seht Gespenster nicken!
Noch ferner wehen tiefere, die einst das Schicksal schufen.

Verwundet euer Weltgeflecht! Die Kunden werden munden!
Das Blutgespenst umdämmert euch, ihr könnt den Kampf verlängern.
Aus jedem Mund entträufeln jetzt dem jungen Monde Kunden.
Durch alle Wunden laßt euch tief mit Göttlichkeiten schwängern.«

 

        D er Norden fordert Opfer! Drohend scheuchen Sturmesrufe
Die Geister, die das Licht erringen wollen, in die Wirre:
Wir kommen doch! Vereinzelte! Ich klimme: eine Stufe!
Mein letzter Freund? Du gehst vorbei? Zurück zu dir! Ich irre!

Die Wallfahrt wird des Abendlandes Adelung erlangen!
Solange wir im Kampfe fallen, kann sich Macht gestalten.
Die Wanderer, die ihre Nacht im Wahrheitsbann durchdrangen,
Erwarben bald kristallklar des Erhabnen Walten.

Das Wort erstarrt! Der es empfing, ist einmal nur gekommen!
Wir ziehn ihm nach. Ich sinke hin. Wir sind im Sturm verloren.
Doch vor! Noch vor! Es ist der Norden schon dereinst erglommen:
Die Wallfahrt winkt! Der Adel bleibt. Ein Pilger wird erkoren.

O hoher Norden, o gelobtes Land in Wind und Winter,
Vor deinen Gletschern stehe ich, erwühle meine Wüstenstürme.
Darf ich zu dir, in die Gespensterkälte? Starrgesinnter
Begeisterer der Welt, ich kam, daß mich Gewißheit schirme!

Das Wissen beißt sich ein in jede Seele, die sich weitet:
Das Wissen wähle ich, das die Gefriergipfel begeistert.
Des Lichtes Sinn umschlingt das Eis, zu dem mich Liebe leitet.
Wer weiß, ob die Idee die Welt der eignen Wahl einst meistert!

Es steigen goldne Wolken auf. Die Nacht will Feuer spenden.
Du schwarzes Nichts, in dich will meine Seele sich versenken:
Mein Missen schlingt sich ein, die Nacht wird es zu Wissen wenden!
Ich bringe Durst: was du erfuhrst, wirst du mir ruhmvoll schenken!

Das Ungeborene, das Rom der Sonne ausgebreitet,
Damit es Samen spendend seinen Ruhm vollende,
Beruft mich in das Nichts! Ist Nacht, die meinen Tag durchschreitet,
Und kennt nicht mehr die Welt, wenn ich mich zu mir selber wende.

Es fühlt die Liebe über allem Dunkeln tiefstes Dunkel.
Wo jeder Wunsch verweht, kann sich Erwintern offenbaren.
Dann wird es dunkel, dunkel, nur die Ruhe, kein Gefunkel.
Wer weiß, geliebtes Wesen, wann und wo wir einsam waren!

O Gott, vertiefe mich, wo ich in dir noch ungeboren!
Ich leuchte ja und brauche Dunkel, mich bewußt zu fühlen.
Durch goldne Himmel sinke ich zu schwarzen Wolkentoren.
Wo ist das Licht? Ich bin das Nichts, um Herrlichkeit zu kühlen!

 

Die Nordlichtengel

Der rote Engel:
        Die Erde, eine süße Frucht, gelangt in Gottes Hand.
Wie bei der Feige ist die Feuerfülle vorgebrochen;
Ein Glück und kühl: enthüllte Freude; Saft des Südens.
So guter Feigenbaum der dunkeln Wollustwelten,
Durch deine Blätter, stiller Engel sanfte Flügel,
Nickt gar behutsam auch die Glut der Sonnenpalme,
Von der die nahe, unsre Sonne, eine heilge Frucht!
Der ewge Feigenbaum errät jedoch die kalten Farnen
Erstarrter Milchstraße. Zu ihr geneigt sind Urlichtfichten,
Die alte Glasttanne, die Sirius, wie ein Wunder, trägt:
Der Sterne Blick birgt Kindlichkeit, wie ein Vertrautsein mit dem Vater.
Des Feigenbaumes Frucht entzündet blaue Glaubensaugen:
Wir wissen nicht! Das ist der dunkle Samt verborgner Seelen,
Die Gott erst suchen muß. Er tuts. Mit Sonnen in der Hand.
O Mensch, verlornes Kind, das hold des Schöpfers Glut in sich gefunden,
Dich weck ich auf, zu frohem Anruf der Gestirne,
Die uns, durch Blut erleichtert, traut zur Hochzeit
Gesternten Mundens eigner Allheit lenkten,
Die euch von Tod zu Tod der Tiefe Offenbarung schenkten.
 
Der Mann:
Ich soll zurück zur Sonne!
Zu groß ist des Gestirns Umarmung:
Ich brauche Schicksal für den Weg.
 
Das Weib:
Aus Mondes Hand kann ich den Leib dir bieten.
Vom Mond empfange ich die Milch für deine Kinder,
Durch Mond gesundet auch mein Blut von tiefen Giften.
 
Der Mann:
Ich atme rasch: zu steil erfassen mich die Schöpferarme.
Die liebe Sternennacht bringt leises Heil.
Ich brauche Krieg und Sturz, beim Kreisen mich zu laben:
O Sterne mir im Blut, ihr dürft mich haben.
 
Der weiße Engel:
Der Sterne Schicksalsdarbringung geschah in Jesu!
In Christo sind Gestirnenwege urerfüllt:
Die Sonne starb am Kreuz, der Mond ist auferstanden;
Gestirne hörten Stimmen, trugen Leiber, liebten Menschen.
Nun sind wir frei! Im Mann? Das Weib vertraut den Sternen!
Nur einmal in der Welt kam Jesus Christus.
Die Erde bleibt ein Stern: vom All bedacht. Umarmt.
Der Sterne Heiland war ein Mensch, an Mutterbrust erwarmt.
 
Der Mensch:
Das hohe Pfingstfest loht gekommen.
Die Glut der Erde wurde Blut.
Das ist ein letztes Kreisen:
Dann still das Ich.
 
Der rote Engel:
Du rufst mich auf! Du sprichst mit roten Zungen!
Die Sonne stirbt in dir, durch dich zu geistern.
Die Sterne schöpfen euch; sie hoffen auf die Erde:
Im Dunkel dauert Glut: das »Wort« hinter dem »Werde!«
 
Der Mensch:
Ich bete keine Sterne an,
Seitdem uns Jesus kam,
Mich und die Sonnen hold in Obhut nahm!
 
Der weiße Engel:
Die Sonnen baun sich einen Tempel auf: der Mensch.
So öffne deiner Seele Pforten; laß Gestirne ein,
Sie suchen Gott: du magst ihn finden.
Sie sterben gern: und du, der sie genannt hat, bleibst.
Das Urlicht wurde Ich, den Sternenkranz zu winden.
 
Der Mensch:
Im Weltenbaum griff ich zur grünen Frucht: o Erde!
Sie ist ein Apfel jetzt mit roten Nordlichtkunden;
Ihr Blut brach durch das Grün, uns heimlich zu umrunden.
 
Der rote Engel:
Das bleibt dein Biß. Er muß dir munden!
Ein Purpurblühen alles Grünen lobt den Herrn.
Der Heiland ward der Kelch ersternender Erfüllung:
Nun setz ihn an, o Mensch, Gestirne suchen Gott. In dir!
So leer' den Kelch, daß Gott die Sterne finde!
 
Der Mensch:
Zu Gott, der sie erschaffen, kehren Sonnen ein.
 
Der weiße Engel:
Dein weißer Schlummer, Mensch, ist hier das Wunder.
Die Welten lodern; in Demut ruht der Geist.
Mit Schlummerwurzeln greift ein Baum der Stille,
Der heilig wird, in unsre wildverletzte Welt.
Noch träumt ihn Gott. Doch euer Traum wird ragen,
So tief gesteilt, die Gluten treuer Ewigkeit zu tragen.
Ein Liebesblühn wird Gott, kein Stamm, noch Blatt,
Auch nie die Frucht. Du schlummerst seine Wurzeln.
 
Der rote und der weiße Engel:
Der Mensch wird still! Auf Eis, auf Schnee sind wir noch Wucht.

 

 << Kapitel 13  Kapitel 15 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.