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Das Nordlicht. Zweiter Teil. Sahara (Genfer Ausgabe)

Theodor Däubler: Das Nordlicht. Zweiter Teil. Sahara (Genfer Ausgabe) - Kapitel 12
Quellenangabe
typeepic
booktitleDas Nordlicht (Genfer Ausgabe)
authorTheodor Däubler
year1921
firstpub1921
publisherInsel Verlag
addressLeipzig
titleDas Nordlicht. Zweiter Teil. Sahara (Genfer Ausgabe)
pages1239
created20120317
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20140924
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Der Ararat speit!

Die Vorsonne

        I ch bin der Glaube an die Macht der Sonnen,
Und meine Inbrunst zeitigt alle Strahlen!
Ich walle aus mir selber in die Zahlen
Und halte mich von Ewigkeit umsponnen.

In mir erschöpfen nimmer sich die Bronnen;
Mein Ich entstammt ja festen Wahlen
Der Ringnatur in ihren Wandelqualen:
Drum werde ich. Doch hat mich nichts begonnen!

Ich bin! und weil ich bin, so will ich leben.
Und da ich leben will, bin ich ein Wesen:
Doch ewig nur, als wahrstes Sein und Streben!

Ich bin nur ich in meinem Micherlesen,
Und um zu werden, muß ich mir entschweben,
Denn nur auf mir beruht das Urgenesen.

 

Die Liebe

        I ch weiß: ich habe mich entzweit, verloren!
Ich bin bereits der Schöpfung Leiden inne.
Und Ich, mein andres Ich, verlangt die Minne:
O Gott, warum ward ich so fromm geboren?

Ihr Zweifel, naht mir nicht, dem starken Toren!
Ich habe ja die Liebe nicht im Sinne!
Das Licht und sein Gefühl ist eine Spinne:
Doch bin ich noch, sobald ich mich erkoren?

Ich pilgre schon durch alte Möglichkeiten!
Ja, meine Liebe taut in eignen Fernen
Und mag das, was ich war, dort vorbereiten.

Nun strahle ich, nicht ich, aus eignen Sternen!
Ich trachte sie in mich zurückzuleiten,
Doch muß ich da noch Weitheiten erlernen.

 

Die Leidenschaft

        O Weiblichkeit in mir, ich liebe, liebe!
Ich halte dich, sonst gingst du keusch zugrunde,
Noch lächelt meine Gottheit ja zum Bunde,
Drum liebe mich, damit ich nicht zerstiebe!

Ich weiß, wenn ich in meinem Reich verbliebe,
So triebe mich, zerteilt, die gleiche Runde,
Doch will ich Kunde von der Schöpfung Munde,
Drum Weib, erhebe dich zum Liebesdiebe!

Wir sind die große Leidenschaft der Welten,
Denn unsre Seelen sän entflammte Sonnen,
Und unser Wollen schon kann leuchtend gelten.

Wir sind als Geist dem Eigenwunsch gesonnen.
Das Leben sinkt und steigt in Strahlenzelten
Der holden Sonnen, die sich selbst begonnen.

 

Der Untergang

        I ch zweifle: soll ich Gott für mich verlassen?
Denn ich bin Er, und Er ist Ich zugleich!
Bestimmte sich ein urverfluchtes Reich?
O Gott in mir, wie könnte ich dich hassen?

Und doch, ich muß das Weib mit Kraft erfassen.
Und wehe mir, denn schon gelingt der Streich!
Wir haben uns. Wir sind. Und Er wird bleich.
Wie konnte ich so leer in mir erblassen?

Die Flur, ein buntes Viereck, muß ich kennen.
Wir würfeln hin und her, und was gelingt?
Ich kann die Dinge kaum noch selbst benennen!

Wie feindlich alles meinen Geist umringt.
Ich mag von manchem, das ich bin, mich trennen,
Und hasse, wer sich leicht vom Boden ringt.

Und doch! die Schöpfung dauert fort. Wir brennen!
Wir sind Zerstörer, und wir müssen sein
So gilt es, was verschwinden soll, zu kennen!

Die Scheidung lebt. Drum stich ins Land hinein!
Wirf Pyramiden auf! Versenke Keime!
Die Wiederholung wahrt dich vor dem Schein.

Du bist ein Ackersmann im Daseinsschleime,
Und Sternenblüten säumen deinen Pfad,
Sie sind der ewgen Zeichen Erdenreime.

Nun sieh den Bienenschwarm, der ihnen naht.
Erblickst du nicht den Tanz der Goldplaneten?
Die Tiere sind der Blume nächste Tat.

Ihr Honigkneten ist zugleich ihr Beten.
Sie bergen, wie die Erde, holdes Gold
Und müssen Gott durch stilles Tun vertreten.

Die Liebe weilt! drum sei auch ihr gezollt.
So geh aufs Meer und trachte zu entschweben
Und wanke nicht, wenn dich der Zorn umgrollt.

Sogar im Sterben ist dein eignes Leben.
Was stirbt, das wirst du, ja du bist der Tod
Und kannst dich bloß vollkommen dir ergeben.

Es ist der Tod die Ewigkeit, die loht,
Das Sterben Schmerz, das Nichtsein Wonne.
Wer tötet, ist. Und Sein ist das Gebot.

Ich bin der Glaube an die Macht der Sonne.

 

Der Lenz

        E s wirft der Herr sich in das volle Leben,
Drum, Gärtner in mir selber, stehe auf
Und sieh der Dinge Seele sich erheben.

Der Bach beginnt den stillen Pilgerlauf
Und raunt von Riesen mit erhabnen Herzen,
Und Wolken ziehn um ihr Gebet zuhauf.

Verständnis tiefer Weihe meiner Schmerzen,
O mache mich so schuldlos wie der Wind
Und laß das Unkraut mich am Feld entmerzen.

In vielen, vielen Dingen bin ich blind,
Drum streichelt mich die Luft, mit mir zu sprechen,
Noch bleibe ich ein unerfahrnes Kind.

Ich kämme wohl die Flur mit meinem Rechen.
Ich liebe alles, was der Schöpfer gibt,
Und wundre mich ob unserer Gebrechen.

O Gott, der alle Erdendinge liebt,
Warum bist du die Tat und nicht die Frage?
Ich fürchte mich, weil so viel Leid zerstiebt!

Der Sohn tritt überall voll Huld zutage:
Die Ölbäume bewegt ein leiser Hauch,
Und die Gestrüppe blühen schon im Hage.

Wie wundervoll ist doch ein Rosenstrauch!
O Herr, verkläre dich in meiner Seele,
O Frühjahr in mir selber, knospe auch!

Doch blühe ich, so schmücken mich Juwele.
Die Seele ist am schönsten frischbetaut,
Und Jugend kommt auf Ewigkeitsbefehle.

O Heiland, du erscheinst uns sanft und traut.
Die Eselin trägt dich als Last voll Freude,
Und alles Wartende ist deine Braut.

Die Berge sind ein leuchtendes Gebäude,
Ein Tempel voll erstarrtem Schnee und Eis.
So ziehe hin, daß sich kein Korn vergeude.

Das Saumtier mag dich, über Gras und Gneis,
Empor zu jenen klaren Stirnen tragen,
Dort wartet Adam als ein bleicher Greis.

Du magst die Ansprache an Gletscher wagen,
Doch Schneepracht bloß, als weiblich, ist bereit,
Mit dir vereint, sich selber zu entsagen.

Wie viel du tust! und nichts tust du zuleid!

 

Die Seele

        D er Geist ist Freiheit, volles Daseinswollen,
Die Seele sein Bestand unter Gesetzen,
Die unerfaßt ihre Gewalt entrollen.

Es ist das Leid des Geistes Erdentsetzen:
Der Schmerz erblaut, wo sich die Freiheitskinder
An Schranken ihrer Lieblichkeit verletzen.

Ein Mensch, der Freiheit herrlichster Entbinder,
Und seine Seele, selber Bach und Brücke,
Betritt den Weg zum Zweifelüberwinder.

Wer ist der Mensch? Hier zeigt sich eine Lücke.
Es gibt nur Wesen. Mehr und minder freie.
Was ist die Welt? Ein Raum verwandter Stücke?

Der Geist, der sie benennt, bekräftigt dreie.
Sich selbst und das, woran er zerrt und haftet:
Als Drittes Gott! Der Wunsch, daß er gedeihe.

Ihr alle, die ihr euch als Wesen schafftet,
Um sterblich euer Dasein zu umsäumen,
Vergeßt nicht, daß ihr euch, euch selbst entrafftet.

Man lebt, um sich aus sich emporzubäumen
Und nichts Zertrümmerbares zu verschonen:
Die Wahrheit ist in euern Wahrheitsträumen.

Wird einst ein Freierer auf Erden wohnen?
In euch, nicht in der Zeit ist Er enthalten!
Ihr selbst bergt Gottes Insichselberthronen.

Ihr fliegt durch euer geistbeherrschtes Walten.
Der Erzengel zertritt die Fleischgesetze.
Ihr lebt in Schranken und müßt dennoch schalten!

Der Geist verheißt die Blutbeschwörungssätze:
Ihr sollt nicht an den Zwangsinstinkten hängen,
Denn seht, Gesetze selbst sind Sinnesnetze.

Drum seid! Ihr lebt allein in euern Sängen!
Es ist die Gottheit bloß das Selbstsichwollen,
Drum kommt zu euch in euern Lebensgängen!

Die Sonnen, die nach Normen abwärts rollen,
Sind sterblich und somit des Himmels Lügen:
Das Licht ist Trug und bloß der Schein des Vollen.

Licht ist das Gegenteil vom Grundgenügen.
Es stürzt aus sich, um Scheinheit anzuzünden,
Denn nur der Tod wird stumme Wunder fügen.

Des Todes Majestät kann Werke gründen!
Er ist das Innentum der holden Dinge,
In ihm erscheint der Trumpf von allen Bünden.

O Tod, wenn ich vor deinen Quellen singe,
So ahne ich die weihereichen Lichter,
Durch deren Huld ich mich zum Grunde schwinge.

Die Sonne ist ja Schein! Und ich, der Dichter,
Bin aller Dinge Tod! Mein Grunderbeben!
Herr Zebaoth, unendlicher Vernichter,

Zermalme mich! Es soll die Freiheit leben!

 

Der Pfad

        D u sollst dich unterwegs zur Quelle bücken,
Es wird dich oft nach holder Labung dürsten,
Dann träume, hingestreckt auf deinen Rücken!

Die Ölbäume sind gute Friedensfürsten!
In ihrem Schatten blicke auf Zypressen,
Die sind die strengsten Bäume und die dürrsten.

Willst du wie sie für dich die Welt vergessen?
So denke nach. Ein Baum ist ernst und heilig.
Er hat sein Wesen ewigtief ermessen.

Du glaubst an Bilder, denn du sagst: ach freilich!
Die Bäume, Bäche, ja du selbst sind Zeichen,
Wer hat es nicht so wie die Wolken eilig?

O glaube nur: du kannst dich ganz erreichen!
Es ist die Welt das Wunder vieler Welten:
Nun wird sie just und hat nicht ihresgleichen!

Gewiß, die heitern Lehrer kennt man selten!
Wer weiß, wie oft zu dir die Eichen rauschten,
Um plötzlich jetzt für dich etwas zu gelten.

Wie viele Menschen, die den Pfad vertauschten,
Vermochten jemals Heimlichkeit zu finden!
Wer weiß, wohin sie ohne Glauben lauschten?

Ja freilich! Eben kennst du dein Empfinden!
Die Sonne hat mit dir von euch gesprochen,
Und Selbstentzücken spricht für dich aus Linden.

O Herz der Sonne, alle Herzen pochen!
Wir wandern, Herz der Herzen, dir entgegen!
Wir sind im Geist, und seine Nacht ist angebrochen.

Ja freilich kommen wir, im Zukunftsregen!
Die Zeiten übergießen uns mit Pflichten:
Die Wissensspinne harrt auf alten Wegen.

Der Abend aber kann den Baum beschwichten.
Das Wunder spricht aus allen Eigendingen.
Und jedes Herz erzählt seine Geschichten.

Liegt doch die Sonne selbst im Herzensringen,
Und alle Lichter, alle Blätter beben.
O Nacht, du magst die Angst zu Ruhe bringen!

Du Sonnenherz läßt alle Pulse leben.
Dein Abendflackern zeugt in mir das Fieber.
Und Kühle wird sich auch zu rasch erheben!

Schon blaut dort unten das Gefild am Tiber.
Der Abend singt, wahrscheinlich aus dem Walde.
Ich spüre sein Geschehn in jeder Fiber.

Es dampft und atmet, ach, die ganze Halde.
Die Sonne sank. Die Sterne möchten zittern,
Auch alle Seelen sagen einfach »balde!«

O Mensch, jetzt mußt du dein Ereignis wittern:
Du hast die Tat am Tagespfad erfahren!
Ob sich die Blätter deinethalb zerknittern?

Ja freilich! Die Nacht will sich dir offenbaren!
Was singt? Ein Wasserfall? Wie, eine Wespe?
Was sagt der Wald? Was huscht in meinen Haaren?

Mein panisches Geschick merkt eine Espe!

 

Die Heerstraße

        D as ist ein Wunsch und doch ein Lied vom Wahren!
Die Freiheit bleibt Gebot, und wenn auch ferne,
Muß einst der Mensch sie leidvoll offenbaren.

Erschaut vor euch die Zuversicht der Sterne.
Denn Nacht ist es, wenn Völker weiterschreiten:
Wir alle sind ein Stern in unserm Kerne.

Nun seht, wie sich die Fluren stumm verbreiten,
Und jeder Windhauch bringt euch seltne Stimmen:
Es ernten Wesen wohl auf allen Seiten.

Im eignen Heime soll man heimwärts klimmen,
In seinem Garten sich nach Eden sehnen
Und, einsam, über jede Flucht ergrimmen.

Doch die, vor denen sich die Wege dehnen,
Weil wir uns selbst zu Plötzlichem berufen,
Erspähen unaufhörlich ferne Lehnen.

Denn wir, die wir die Welt zum Wandern schufen,
Vermuten einen Weg hinter den Sternen
Und sinnen furchtlos über Todesstufen.

Wie gut, daß wir uns nicht im Flug entfernen,
Wir träfen ja nur Luft und Todesfröste:
Die Pilger müssen aber segeln lernen.

Wie froh ich bin, daß ich mich frei beköste,
Daß ich mit Frömmigkeit im Meere fische
Und opferstumm im Wald die Speisen röste.

Ich lobe mich, bei jedem Mahl, zu Tische.
Der Erde bin ich nahe und dem Feuer,
Damit ich Freude ins Erfahren mische.

Wie wird der Lebenswunsch doch ungeheuer,
Bedenkst du, daß wir schaffend uns erhalten,
Denn das Gewohnteste wird stündlich neuer.

Ein Volk, das glauben kann, wird nicht veralten!
Nach Jugend hat die Ewigkeit Verlangen,
Und heiter macht allein das freie Schalten.

Auch mag uns ob der Greise nimmer bangen,
Die sind die Warnenden in unsrer Mitte,
Doch wird ein Kluger nie zu sich gelangen!

Ich mag das Volk. Es wittert seine Schritte!
Es ist ein Kind und lehrt das rasche Lernen,
Und weil es liebt, verliebt es sich in Sitte.

Die Völker ernten unter stillen Sternen
Und lieben ihre Priester, die sie leise
Von ihrem Leib und Leibesspuk entfernen.

Das Weltgedicht gelingt auf schlichte Weise,
Denn unfrei ist es, weich sich gehen lassen,
Und tiefster Freiheit gilt die Leibesreise.

Ihr sollt in euch den Freiheitsstaat erfassen,
Denn der seid ihr, nicht eure Sittlichkeiten,
Die sind der Sinne blasse Hintersassen.

Vermutet nur die heitern, alten Seiten,
Doch gegen Kommendes bleibt unbefangen,
Es mag oft Frommes euch entgegenschreiten!

Ein jeder wird zu etwas Sein gelangen,
Denn das Gewissen kann Vernunft erzwingen,
Und plötzlich wird ihr Aufglimmen empfangen.

Erst mögen Völker ihren Ernst ersingen!
Dann dürfen sie aus Stürmen sich entfernen:
Die Freiheit strahlt aus jäh erkannten Dingen:

Es ist in uns der Stern, nicht in den Sternen.

 

Der Ausbruch

        S eitdem der Reim in unser Lied geflogen,
Hat mein Gespenst den Daseinsflug erwogen.

Der Abend nahte mir, mit einem Weibe.
Ich weiß, wir haben uns nie angehört.
Es hat die Sinnlichkeit uns nicht betört.
Wir fühlten nur den Sang der Sonnenscheibe.

Es sagte etwas über uns: verbleibe!
Die Klarheit atmete gar ungestört,
Und jeder Wunsch hätte uns urempört,
So ferne waren wir vom eignen Leibe.

Da rauschte unser Reimungslied gelinde.
Es lispelten zuerst die leichten Linden.
Und ein Geschehnis ward der Wind im Winde.

Es fingen Silben an, sich zu verbinden.
Wir sahn den Rätselblick von einem Kinde,
Und Rehe schienen heimlich zu verschwinden.

 

Die Silberpappeln sagten rasche Silben.
Ein Wunscherschauen rauschte durch die Au,
Und alles Helle mußte rings vergilben.

Der Wesensflug in uns verschwand im Blau,
In dem die Sterne ihr »Genug« erzittern,
Und Blüten lüsterten mit Tau nach Tau.

Wer weiß nicht von verhaltenen Gewittern,
Von Liebesblitzen zwischen Leib und Leid,
Wer konnte nie sein Lied im Weibe wittern?

Ein Wachsein, waltender als alle Zeit,
Berührt mit seiner Ruhe unser Kreisen,
Und meine Sprache scheint ihm dienstbereit.

Es mag uns kaum nach Geistesreife weisen,
Es ist ja unsre holde Sonntagsrast
Und weiß kein Wann von Wald und Wüstenreisen.

Ja, wer am Tag sein Eigenstes erfaßt,
Der kann nicht tiefer schaun und weilen!
Der fliegt nicht. Denn das All ist ohne Last,

Und Ruhe wird ihn plötzlich übereilen.

 

Die Nacht eröffnet alle ihre Herzen,
Es fängt die Flur an mit dem Wind zu scherzen.

Die Heiterkeit ist ein beseeltes Wesen,
Sie reimt sich wunderbunt in uns zusammen.
Sie mag im innern Sonntage entflammen
Und scheint uns angeboren, grunderlesen.

Sie ist in uns, schon vor uns selbst, gewesen.
Du glaubst ihr wie dir selber zu entstammen.
Doch braucht sie auch im Dasein ihre Ammen,
Denn gut muß sie an Erdbrüsten genesen.

O Jugend, Jubel holder Ewigkeiten,
Du kannst nichts Jüngeres als uns erschaffen,
Wir werden ja den Leib zu Grab geleiten!

Im Menschen sollen Altersschlünde klaffen!
Die Jugend muß die Freiheit in uns weiten,
Um selbst mit uns, als Kind, sich zu erraffen.

Wie oft bin ich mein eignes Kind gewesen!
Wie häufig ward in mir der Mensch bezwungen,
Und das verjüngt mein innres Sonntagswesen.

Ich habe dort über dem Tod gesungen:
Denn bleiben wird von allen Rundgesängen,
Was abermals zurück zum Grund gedrungen.

Alt atmet ja über den Überschwängen
Der Wesensdinge, die wir stumm verstehen,
Ein furchtbar freies Übersichverhängen.

Um jene Säume graut das Grundbegehen;
Dort ist man Schöpfer und Geschöpf im Ganzen
Und nimmt seine Verbleiblichkeit zum Lehen.

Ich bin ja die Unsterblichkeit der Pflanzen:
Ich bin der Schreck vor mir, in mir und Tieren,
Und kann in Sachen mich, für uns, verschanzen.

Es wird sich nie das Ich im Tun verlieren,
Drum holen selber sich die holden Reime,
Um unvergleichlich sich, mit sich, zu zieren.

Man wird und wallt zugleich nach seinem Heime!
Das Unvergleichbare wird dort verweilen,
Und Sterblichallgewußtes trächtigt Keime,
Sich andern Sonderkeiten zu erteilen.

Der Mond, der Monde silberne Idee,
Versenkt sogar den Großen Bär in Schnee.

Du weise Zuversicht in meinem Geiste,
Mit Sternenreinheit und Planetentreue,
Du Mitternacht, in der ich mich erneue,
Du weißt allein, wie weit ich für dich reiste!

Wo immer ich um dein Ereignis kreiste,
Warst du der Dinge traute Daseinsscheue,
Doch du besorgst, daß ich der Tat mich freue,
Wenn eine Möglichkeit durch mich vereiste.

In deinem Sterne werde ich nicht sterben!
Im Schimmer deiner Fülle kann ich weilen,
Um fort um Weltverwunderung zu werben.

Ihr, meine Nachkommen, wir wollen teilen!
Ihr sollt von mir die Macht zu tagen erben,
Doch will ich selber mich in euch ereilen.

Erblicke ich die eigenstillen Dinge,
So bin ich nimmer ein Gemüt auf Erden,
Sondern der Geist, als der ich uns durchdringe.

So bin ich alle, die noch kommen werden!
Die Dichter und Erdichteten der Tiefen:
So bin ich Pan, und auch der Schreck der Herden,

Virgil und alle Wiesen, die ihn riefen;
Der alten Riesen Warteschlaf im Walde
Sind Silben, die den Traum zu mir umschliefen.

Nun wachen alle auf. Ich bin ihr Skalde.
Sie lauschen, lispeln kaum. Die Linden rauschen.
Man war ja längst die Langmut aller Halde!

Ovid, du lebst? Willst du dich selbst belauschen?
Ich bin es ja, und auch dein Wiederkommen!
Du magst noch lange Rätsel flugs vertauschen.

O Waldesnacht, wahr wandle ich: beklommen.
Horaz ist da! auf Farnen hör ihn scharren.
Ich ward durch ihn den Erdfernen entnommen.

Da bin ich, Lüste, die als Wesen harren!
Ich bin es, den man zwischen Sterne bannte!
Doch welche Andacht fängt mich an zu narren?

Wahrhaftig, da am Waldesrand steht Dante.

 

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