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Das Nordlicht. Erster Teil. Das Mittelmeer (Genfer Ausgabe)

Theodor Däubler: Das Nordlicht. Erster Teil. Das Mittelmeer (Genfer Ausgabe) - Kapitel 7
Quellenangabe
typeepic
booktitleDas Nordlicht (Genfer Ausgabe)
authorTheodor Däubler
year1921
firstpub1921
publisherInsel Verlag
addressLeipzig
titleDas Nordlicht. Erster Teil. Das Mittelmeer (Genfer Ausgabe)
pages1239
created20120317
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20140924
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Florenz

        N un bist du mein! Denn wunderbar ist Liebe,
Ein Tag von Stimmen, über uns gekommen!
Wir haben uns im trüben Lautgetriebe
Nur allzu tief und klar, ja ganz vernommen.

Sanft überwellten Wünsche deine Brüste,
Und ich bedrückte dich durch Liebesschwüre,
Doch heute ruhen diese Herzgelüste,
Und deinen Nacken zieren Perlenschnüre.

Erinnerungen schimmern durch die Freuden:
Vertraut und traurig seh ich Bilder wieder,
Ich harre in unendlichen Gebäuden,
Und Träume wachen auf als lauter Lieder.

Ich will das Unvergleichliche verstehen
Und sehe mich im Mondlicht über Seen:
Ein Fieberwind kann mich so mild umwehen,
Daß alle Sterne zitternd untergehen.

Aus Perlen können zarte Träume tauen:
In ihrem Wesen schläft ein Abgrundgrauen,
Das sie geängstigt immerdar erschauen,
Und Schicksal scheint aus ihnen aufzublauen.

Auf einmal wandle ich in toten Hallen.
Sie scheinen gotisch und zum Mond entstanden:
In Gängen seh ich Wesen heimisch wallen,
Und schon gefall ich mir in diesen Landen!

Unweigerliche, ehrliche Zypressen
Umwuchten dort das einfachste Gebäude:
Da drinnen kannst du eine Welt vergessen,
Ich schöpf aus Seelenbrunnen Himmelsfreude.

Ein Marmorhaus mit seltnem Kirchengiebel
Erschimmert jetzt in sanfter Perlenbleiche,
Und hehre Bildergruppen aus der Bibel
Erwundern sich im goldnen Himmelreiche.

Orkane, die zumeist als Traum verblaßten,
Vielleicht das Mittelalter meiner Ahnen,
Gewalten, die sich niemals klar erfaßten,
Beginnen mich bestimmt an sich zu mahnen.

Ein Dom, gewiß dem Monde zugewendet,
Versteinert seine tiefergrünten Muster.
Dort, wo die Hostie ruht, bin ich geblendet.
Was glimmt? Ich werde urbewußter!

Ich trete vor und höre hohle Stimmen:
Das ist das Krypta-Echo meiner Toten!
Jetzt fängt das Blut der Steine an zu glimmen,
O Gott, der Mensch erkennt dich in Geboten:

Hier singt der Fels sein Lied in Strahlengarben.
O Herr, gestatte, daß ich einsam werde!
Ich mag um sanfte Marmorstille darben.
Beruht auf ihrer Nordkrone die Erde?

O kalte Flamme, leichter als das Leben
Und stiller als die nackten Felsenriesen,
Ich will dich wie der Stein in mir erstreben:
O Herr, du seist im jüngsten Glück gepriesen!

Der Tempel ist noch immer nicht verschwunden.
Wie kann ich diesen Traum so lange bannen?
Ich bin ihm jetzt durch Wirklichkeit verbunden,
Und bloß ein Wille bringt mich sanft von dannen.

Da schwelgt die Stadt in bleicher Perlenzierde!
Mit Marmortürmen blickt sie zu den Hügeln.
Doch keine Rhythmen zeigen hier Begierde,
Und Linien seh ich nirgends Sehnsucht zügeln.

Der Fluß mit seinen Waldvertraulichkeiten
Verteilt gerecht des Tales Ernst und Milde.
Voll Schillerlust durchglänzt er Mondlichtweiten:
Vor Mauern wartet er im Silberschilde.

In heimlicher Entfernung ragen Festen:
Der stille Perlenstrom gelangt zu jeder.
Auch ruht ein Nebel fern auf Burgenresten
Und scheint mir eine Gibellinenfeder.

 

        M ir ists, als ob ein Traum zu sein sich schäme!
Trägt immer die Idee in sich Verzicht?
Denn sonderbare, große Bergprobleme
Besonnen sich in meinem Innenlicht.

Versteinert sich noch immer nicht mein Schweigen?
Und doch, schon schmückt, berückt uns jetzt ein Lenz:
Erinnerung, du sollst der Nacht entsteigen,
Ich rufe dich, ich nenne dich Florenz!

Fürwahr, das sind die edlen Festungstürme,
Die ich von San Miniato voll empfand,
Dort sah ich alten Marmors Flammenstürme
Und stummer Gluten leisen Daseinsbrand!

Sanft sehnen Lehnen sich zum Arno nieder,
Und Ölbestände glimmen still empor:
Sie lispeln ihre leisen Silberlieder,
Und oft tönt oben ein Zypressenchor.

Du wundervolle Landschaft, deine Milde
Hat ein gewaltsames Geschlecht verstärkt;
Und darum ragt ein Schloß in einem Bilde
Unbändig auf, sowie du's kaum bemerkt!

Das goldne Ostergrün betauter Wiesen
Erknospt, wenn längst die Morgenlerche singt,
Und zart um steilbetürmte Festungsriesen
Ein mädchenhafter Frühlingshain sich schlingt.

Toskanas Geist erklärt sich mir in Worten.
Schon hat er bleibend sich in mich versenkt,
Und meine Sehnsucht oft zu holden Orten,
Zu Füßen hoher Zwingburgen, gelenkt.

Ich liebe dich, Bereich der Silberlinien
Und Schneegebirge, die als Hauch verwehn,
Gelände, wo nur selten freie Pinien,
Geschieden von Zypressen, einsam stehn.

Florenz, dein Volk soll Städtemauern bauen;
Du hast die Arbeit kraftvoll anerkannt:
Dein Geist will Felsentrümmer rein behauen,
Und Klarheit ward durch dich in Stein gebannt!

Du gabst der Erde Taten und Ideen,
Doch niemals ward dein Boden Schwärmern hold,
Du hast dich selbst als Wirklichkeit gesehen
Und Leib und Seele ganz und rein gewollt.

Nie ist die Nacht in deiner Seele finster:
Du kennst doch kaum ein mystisches Versteck,
Auf deiner Öde blüht noch goldner Ginster
Und lacht und duftet über jeden Zweck.

Wohl ist Toskanas eingeborne Stimmung
In ihren Robbias eigentlich erwacht:
Sie schufen Keuschheit in die Prachterglimmung,
Sie haben Märzerkeimen angefacht.

Die Engel, die durch blaues Wasser waten,
Wie man sie oft auf Wandmedaillen sieht,
Vermocht ich selber einstens zu erraten;
Das war, als still ein Arbeitstag verschied.

In goldner Wonne ruhten die Maremmen,
Und nirgends, nirgends regte sich ein Wind:
Da nahte, zwischen eines Flusses Dämmen,
Auf einmal mir ein hehres Himmelskind.

Behutsam mußt es wohl durchs Wasser schreiten,
Wie langsam kam es an: ein Riesenschwan!
Auch schiens die schönste Stille zu verbreiten
Und hat dem Uferhain kein Leid getan.

Dann glühten seine Flügel durch Zypressen,
Die fühlten wohl das Aureolenlicht,
Denn sie verneigten sich wie angemessen,
Und alle Dinge schienen sanft und schlicht.

Dann kam der Traum mir langsam in die Nähe!
Mir ward so bang: entblaßt er mir als Dunst?
Ach, da empfand die Seele arges Wehe,
Und gleich verließ sie wohl des Himmels Gunst.

Ein Schiff sollte den letzten Zauber rauben,
Denn stolz besegelt fuhr der Traum vorbei:
Doch was ich sehe, brauch ich nicht zu glauben,
Ich und die Segel sind sich einerlei.

 

        F lorenz, das ist ein kühner Frühlingstag:
Ich stoße überall auf heitres Glück!
Wohin ich auch die Blicke wenden mag,
Vollendet gibst du Eindrücke zurück.

Die Sonne blendet heute überall,
Ich kann ihr schwer und kaum entgehn:
Ich wittre einen Seelenüberfall,
Will gar in mir ein Omen auferstehn?

Ich pralle abermals vor Glanz zurück.
Der Arno schien mir grade ins Gesicht!
Ich geh behutsam noch ein kleines Stück:
Und endlich zittert in mir selber Licht!

Erscheint vielleicht im Geist der weiße Christ?
Ist meine Seele wahr und keusch genug,
Legt seine Milde sich in meinen Zwist,
Da ich schon häufig heiter Leid ertrug?

Entstehe, bleicher Heiland, fern in mir:
Du blendest mich und bist dabei so weich.
Das ist mein Seelengrund: erfüll dich hier!
Beherrsche mich, du bist in deinem Reich!

Wie eine Zelle sei mein stilles Herz,
O geh in sie, wie in San Marco, ein,
Dort ist das Leid so weit von jedem Schmerz,
O könnt ich einsam, rein und einfach sein!

Maria ist die Reinheit in der Welt,
Die einzig Gottes Flammenwort empfängt,
Und wenn sie Das in sich verborgen hält,
Hat sich der Herr in seinen Sohn versenkt.

Ihr Engel, Wandrer, Esel, Rind,
Erzählt euch selbst, was ihr bei der Geburt
Von unserm gottgeschenkten Gnadenkind
In eurer biedern Einfachheit erfuhrt!

Denn damals wurde Er in euch bewußt,
Ihr wart voll Angst, und deshalb floh er euch,
Dann hielt der Nil ihn noch an seine Brust,
Und wer ihn zeugte, folgt ihm mit Gekeuch!

Bei seiner Taufe ward ihm still und klar,
Daß er der Heilige der ganzen Welt
Und der Verkünder ihres Geistes war:
Der Jordan selber hat sich aufgewellt!

O Herr, jetzt steigst du aus dem dunklen Grab.
Ob dich dazu der Wächter Schlaf beschwingt?
Zwar trägst du schon den holden Friedensstab,
Doch bist du noch von Urvergessenen umringt.

Was dir nicht nahen kann, bleibt immer da!
Verbunden sind dir ewig Fuchtel, Pfahl.
Wo jemals eine Christentat geschah,
War sie ein Sieg über den Stolz, die Qual!

Der Herr mit seinem Leibe ist nun fort.
Der Engel macht es seinen Jüngern klar:
Er lebt in uns. Er flammt aus Gottes Wort.
Er strahlt nun ewig in der Christenschar.

Hier ist er nicht, im finstern Grabesloch,
Noch oben zwischen Sternen in der Nacht.
Doch leiblich ist er da. Erkennt ihn doch!
O geht ihm nach, versucht, was er vollbracht!

O Christus, wär ich rein und weltenbleich,
Erfröre endlich jeder Erdensinn,
Ertaute ich in deinem Himmelreich:
Wie bin ich schwach und sehn ich mich dahin!

O Gott, dein Sohn erscheint im Frühlingshain.
Die Magdalena sieht ihn schwebend gehn.
Wohl ist kein Tau so klar, kein Schnee so rein
Wie das Ereignis, das vor ihr geschehn.

In seinem Schweigen schläft bereits das Leid,
Er ist der Dinge allerdünnster Hauch,
Das Leben, das sich seinem Schöpfer weiht,
Der Trost und unser holder Wesensbrauch.

Als Gott mit uns bis in die Sünde fiel
Und in der Wesenheit unendlich blieb,
Enthüllte Er sich als das Himmelsziel
Und tilgte eifrig jeden Wuchertrieb.

Auf dem Erbarmen, das sein Sohn empfand,
Beruht nun auch des Vaters Gnadentum,
Und in den Christen bleibt das Unterpfand
Von unsers Schöpfers Wirklichkeit und Ruhm!

So hat am Tabor Christus sich verklärt.
Berückend hell war die Astralgestalt.
Er ward das Ganze, das sich nie verwährt
Und ewig sich in uns zusammenballt.

Es reichen seine Hände aus dem Ei
Des eignen Wesens und zugleich der Welt,
Er ist der in sich selbst gekehrte Schrei,
Der jedes Werk im Nichts zusammenhält.

Erhoben und zerschmettert ist das Sein.
Die Jünger stürzen oder wallen hehr,
Aus diesem Erdenleben voller Pein,
In Jesu Christi weites Gnadenmeer.

In viele schwankt ihr Menschlichsein zurück,
Doch alle drängt des Geistes Majestät;
In tiefsten Seelenwinkeln glüht das Glück,
Auf dem Er noch in hehrer Pracht besteht.

Maria wird vom Sohne hold gekrönt.
Sie beugt sich keusch zu ihrem Heile vor.
In ihr sind Schöpfer und Geschöpf versöhnt.
Verzückt ersingt die Welt den Gnadenchor.

Angelico, in dir erklingt er rein,
Wie nirgends sonst in deinem Heimatland:
Du knüpfst von ganz Toskanas Frühlingshain
Zu Gott ein wunderbares Friedensband.

Florenz, schon sprüht aus deinem großen Ernst
Ein heitres Erdenlicht zu Gott empor,
Oft mein ich, daß du dich vom Leid entfernst,
Und deine Seele wellt sich wie ein Flor.

Ein vollerfüllter Wunsch, befreit zu sein,
Auf Gottes Sonnenstille zu beruhn,
Eine Idee, der sich die Engel weihn,
Entschuldigt da das untre Sein und Tun.

O, wie das jubelt und der Welt verzeiht!
Wie sich das Licht, wenn alles still ist, regt!
Wie sichs Verzückungsstunden hehr verleiht
Und weit die Erdgeschicke redlich wägt!

Ach, dieser Glanz ist außen wie in mir.
Die Sonne selbst hat Gott für sich gestellt.
Als Licht erwärmt Er Menschen, Flur und Tier,
Und ist der Sohn! Und wir sind Geist der Welt!

O Gott, du krönst die Schöpfung, die du liebst,
Wo ich auch irre, folgt mir deine Luft,
In der du deine ganze Huld vergibst:
Ich liebe Liebe, Wärme, Licht und Duft.

 

        F lorenz, das sind die Erzstunden des Tages!
Jetzt sehe ich die Steingespenster kaum,
Doch zittert nun ein seliges und vages
Erleben, aus den Bronzen, in den Raum!

Da einen Feuer, Wasser, Schmelz und Härte,
Der Geist und die Materie sich im Erz,
Dir ists, ob Kupfer Lust in sich versperrte,
Und ungebändigt friert im Zinn der Schmerz.

Verrocchios Reiter und nervöse Pferde,
Die Jünglinge, die hold die Sonne freit,
Sind dauernde Geständnisse der Erde,
Die fiebernd sich der Sonnenliebe weiht.

Aus Pollajuolos holden Knabenlippen
Erschäumt noch jetzt des Gusses Innenglut,
Des Sonnenlichtes Salamandersippen
Entschlürfen solchen Mündern Wollustblut.

Das Erz ist nackt. Es will sich sieghaft sonnen.
In Donatellos David ward es frei!
So hat der kleine Leib entblößt gewonnen:
Er hielt allein die Fußbekleidung bei.

Die schien ihm schön! Ob er sie brauchen konnte?
Als Harnisch wird sie stets am Licht bestehn,
Und wie er seinen Körper lieblich sonnte,
Vermocht er es, sich fertig anzusehn.

Die Tiere des Bologna werden munter.
Nun sucht ihr Blut im Erz die Sonne auf.
Ein Truthahn sträubt sich, balzt mitunter,
Und Echsenvolk vergoldet sich zuhauf.

Des Baptisteriums grüne Wundertüren
Verkünden sich im Glanz, was einst geschehn:
Und ihre Tiere und Girlanden spüren
Berührt in sich den Frühling übergehn.

Gestalten, die an Bronzepforten hungern,
Bewegten oft mein wehmutsvolles Herz,
Und Hunde, die um warme Mauern lungern,
Ersahst du schon und fand ich drum in Erz.

Hier gibt es dauernd starre Kupferpfaue,
Verschiedne Schildkrotpaare aus Metall:
Verzinkte Katzen lieben das Gekraue
Vom großen, ganzen Mittagssonnenschwall.

Jetzt ringeln Igel sich am Licht zusammen.
Ein Stieglitz pickt ein Sonnenbrosam auf.
Es streben Krebse aus gebrochnen Flammen,
Und Schlangen knüpfen einen Klopferknauf.

Als einst sich ein Flamingo herverirrte,
Bereitete ein Meister seinen Guß,
Und als er wiederum der Stadt entschwirrte,
Bestand er schon als Kunstentschluß!

Selbst jene erzexotischen Giraffen,
Die man den Medicis einst dargebracht,
Erschienen hier, sich dauernd umzuschaffen,
So daß man ihren Bau noch jetzt belacht.

Auf einem Turme seh ich Störche hocken,
Auch brütet über uns der Mittagsball,
Jetzt läuten sonngebräunte Männer Glocken,
Und so erklingt und wirbelt rings Metall.

Des Knaben Tag vertiefter Mittagsnabel
Bestärkt um sich die ganze Lichtfigur,
Und Jovis Adler raubt mit scharfem Schnabel
Und hellen Krallen seine Kreatur.

Die Glockentöne geben ihr Gestaltung.
Nun sehe ich das Sonnentier genau.
Auch Ganymed erscheint mit schlanker Haltung
Und schwebt im Erzlicht auf der Frühlingsau.

Oft schlafen Ziegen müde auf den Feldern,
Wohl hat die warme Luft sie übermannt,
Die Wälder füllen sich mit Brunstvermeldern:
Dort tanzt ein Greis, priapisch angespannt!

Florenz, das sind die Erzstunden des Tages,
Des Mittags urentscheidender Moment,
Die Schicksalsmacht jedes Vernichtungsschlages,
Der Schöpfungssturz, in dem sich Gott erkennt!

Der Augenblick, in dem bereits das Messer
Von Abraham des Sohnes Hals berührt,
Und da der Engel rufend einfällt: »Besser
Als Jakob, das geliebte Kind, gebührt

Es sich, für Jahwe einen reinen Bock zu schlachten!
O sieh, da du das Feuer angefacht,
Begann dich scheu ein Widder zu betrachten!«
Und Brunelleschi hat das Werk vollbracht.

So strahlt der Durchblick, wenn sich Kinderseelen
Entscheiden, Knabe oder Maid zu sein,
Wie andre ungewußt nur sich erwählen,
Als Idolino allem sich zu weihn.

 

        F lorenz, am Himmel stehen weiße Lilien
Und strömen Pollengold zu Gott empor,
Auch schlingen Bäche sich wie Lichtreptilien
Durch manches burggekrönte Felsentor.

Der Arno breitet sich im Sonnenscheine
Still zwischen Hainen und Palästen aus,
Wohl übergolden sich die braunen Steine,
Doch schweigt noch lange nicht der Tagesbraus.

Ich sehe Bauern jetzt, auf schlanken Booten,
Stromauf- und -abwärts ihrer Hauptstadt nahn.
Was für ein Schaustück wird mir traut geboten?
Nur Blüten duften, glühn aus jedem Kahn.

Geschmückte Züge wallen über Brücken.
Jahrhunderte erwehn in diesem Traum.
Ich sehe Häuser sich mit Flieder schmücken,
Und Wasserrosen gleicht des Flusses Schaum.

Zur alten Hochburg folge ich der Menge,
Denn dorthin rankt sich jeder Blütenkranz,
Und eine Rosenschlange sonder Länge
Umfaßt bereits die Häusersäume ganz.

Am Platze gleißt ein Riesenscheiterhaufen.
Auch höhnen, lachen Schelme wild empor.
Die Henker harren. Ihre Knechte laufen.
Drei Mönche schreiten aus dem Kerkertor.

Doch eigen! Bauern legen weiter Blüten
Auf alle Stapfen ihrer Heimatschmach,
Mir wirds, als ob sie traumhaft sich bemühten,
Zu tilgen, was dereinst Florenz verbrach!

Savonarola schreitet stumm zum Galgen
Und denkt sich, über sich, zu Gott zurück:
Im Umkreis aber sieht er Spuk sich balgen,
Denn jeder hascht vom Schauspiel bloß ein Stück.

Schon weiß der Mönch jetzt nichts mehr vom Gefängnis:
Die Marter im Bargello war so arg!
Wogegen jenes Turmes Schreckensengnis
Beinahe holde Einsamkeiten barg.

Nun zwitschern Vögel um die Seufzerkreise,
Die dort des Heilands Liebling tief erwühlt:
Sie schluchzen laut und jubeln schließlich leise,
Denn Schmerzen werden fast durch Schmerz gekühlt.

Die Bauern bringen immer noch Girlanden
Und schmücken wunderbar den ganzen Platz,
Ich sehe weiter neue Barken landen:
So flechtet fort, Toskana birgt Ersatz!

Savonarolas Martern zerrten schrecklich,
Wie stieß das Erz in seine Weichen ein,
Das hieß: »Ist deine Reue unerwecklich,
So sollst du fort und fort gefoltert sein!«

Er hörte sich, vielleicht auch andre schreien:
Die Erzgesetze, die er einsam floh,
Begannen Henkern Rachekraft zu leihen,
Die Not zu leben wurde ringsum roh.

Es kitzelte, erhitzte diese Knaben,
Des armen Mönches Peiniger zu sein,
Vor ihm verkupferten sich plötzlich Raben
Und pickten in sein wundes Fleisch hinein.

Ein Truthahn wühlte sich aus seinem Bauche
Unweigerlich, entsetzlich geil empor:
Er gluckste wie ein Darm, und sein Gepfauche
Ging, unter Messern, selbst in Erz hervor.

Nun denkt der Mönch an seine Zelle,
In der sich Christus hold zu ihm geneigt,
Hat doch die Flut der innren Wesensquelle
Ihm hoch den Sieg über das Leid gezeigt.

Die Bauern bringen weiter Rosen und Narzissen
In Barken und auf Karren weit herbei,
Der Mönch kann sie nicht sehn, doch ahnen, wissen
Daß er ein Keim im neuen Lenze sei!

Jetzt fressen, fast wie Kupferkrebse, Flammen
Sich in des armen Mannes Nacktheit ein.
Sie müssen wohl aus dem Bargello stammen:
Ja, dorther kommen sie in langen Reihn!

Doch wird die Zelle von San Marco weiter,
Der Heiland dämmert in ihr Innres ein,
Wie herrlich strahlt die hehre Himmelsleiter,
Die Gnade kann ihm Leichtigkeit verleihn.

Die Hähne aus Metall verschwinden krähend,
Der Tag und seine Kraft vergeht in Nichts.
Zurück Gestirnwelt! Dieser Geist wird sehend
Und überblickt sich jenseits des Gerichts!

Der Duft der Tugenden kann ihn umarmen.
Schon heben seine Engel ihn zum Heil.
Wie ruhevoll wird er in Gott erwarmen,
Wie tief ers weiß: sein Weg war gar nicht steil!

Auch ist der Scheiterhaufen jäh verschwunden.
Der Platz wird aber weiter ausgeschmückt.
Die Türme sind durch Kränze weit verbunden:
Die Feindlichkeiten scheinen überbrückt.

Noch streuen zarte Kinderhände Rosen,
In denen Wangenrot auf Schnee erglüht;
Ich fühle fern, wie sich Gerüche kosen,
Wie sich ein Duftgewind zu werden müht.

Die volle Pracht der ernsten Loggiabögen,
Die dreimal ihren Schwung bestätigt hat,
Das Merkmal ewig stummer Sprachvermögen,
Bleibt einzig ungeschmückt, erstarrt und glatt.

Doch kann jetzt Perseus hier sein Erz beleben.
Noch wirkt er stolz in grüner Ruhe fort.
Hier siegt der Geist: was soll die Welt daneben?
Er ist das wieder stumm gewordne Wort!

Er mag das abgeschlagne Haupt nicht zeigen.
Er wägt es nur: ihm ist die Last nicht schwer.
Und doch: dem Herzen ward ein Sieg zu eigen,
Denn in der Seele würdigt er sich hehr.

Am Arno seh ich weiter Blumen landen.
Sie wellen Düfte um Fiorenzas Brust.
Die Vögel schlingen steil Gesangsgirlanden,
Und alles duftet, jubelt, schluchzt vor Lust!

 

        J etzt ruft mein Weib: »Du darfst im Singen nicht ermatten,
Dir hat Florenz ein junges Fragen angefacht,
Und mancher darf sich hier ein Heimatlied gestatten!

O sieh das Paradies: Toskana wie es lacht!
So blieb der Grund von uns, so muß die Welt noch werden!
Im Genius ist schon oft ein Traum davon erwacht!

Einst fassen wir des Nordens Flammenkranz auf Erden:
Die Glut, die aus den Hügeln in die Reben knistert,
Beginnt im Blut sich, Aufruhr züngelnd, zu gebärden.

Der Wind, der schlangenkalt vom Paradiese flüstert,
Verbreitet leicht und hurtig unsre Sehnsuchtsmären.
Wie gerne werden Seelentiefen jung verschwistert!«

Da fall ich ein: »Die Urgefallenen begehren,
Am mächtigsten durch das Genie, das sie uns spenden,
Aus ihrer Weiblichkeit zur Macht zurückzukehren!«

Da ruft mein Weib: »Aus unsrer Erdenmutter Lenden
Ging einst ihr Hoffnungssohn, der holde Mond, hervor,
Und damals wollten Menschen sich zum Vollen wenden.

Das Leben schlang der goldnen Zonen Märchenchor,
Das Lamm blieb still und mit dem Löwen traut verbrüdert,
Die Mondbewohner sorgten für die Notdurft vor.

Wir alle waren wieder engelsgleich befiedert
Und schlürften Tau als unsern frischen Morgentrank,
Denn tiefster Seelenfriede wurde weit erwidert!«

Ich falle ein: »Da ward der Mond auf einmal krank,
Bald siechten auch die Wesen dieser Erde hin,
Dann starb er ab, und allen uns ward totenbang!«

Nun ruft mein Weib: »Das Dasein birgt den gleichen Sinn,
Toskana ist als letztes Paradies geblieben,
Aus seinem Boden schöpft die Zukunft noch Gewinn.

Das Urlicht will aus seinen Lieblingskindern sieben,
Der Mond entringt sie seiner Mutter fort und fort,
Ein Zweiter kommt in uns und strahlt in Seelentrieben.

Wenn auch Toskanas Erdenparadies verdorrt,
Wird doch gereiftes Innengold Triumphe feiern,
Schon wogt der Mond in uns: Heil unserm Seelenhort!«

Die letzte Heimat kann sich plötzlich mir entschleiern,
Sibiriens Gletscher sind mit Gnadenglast besprengt,
Hier singen Kinder, Greise spielen noch auf Leiern!

Der tote Mond ist durch das ewge Licht verhängt,
Der Norden strahlt sein Blut zum Stern in Seelenfernen:
Im Menschen hat die Freiheit sich der Brunst entengt.

Du ahnst den Ineinandersturz von Rassenkernen.
Die goldnen und die weißen Völker sind versöhnt
Und spenden ihres Wesens Heimlichkeit den Sternen:

Durch Geistesjugend wird das graue Land verschönt!

 

        D ie Windesschlangen lispeln schadenfroh von Eden
Und fiebern goldig dort durch einen Lorbeerhain.
Jetzt will der Abend mit den Blättern freundlich reden,
Und Dämmer zieht in die verborgnen Seelen ein.

Am Arno wandeln junge, träumende Figuren.
Ihr Frühling fühlt sich ungeschwächt zur Ruhe gehn.
Ich sah sie oft mit Sonnenuntergangskonturen
Als Rätsel still erstehn und bald darauf verwehn.

Oft schienen sie, in Tau gehüllt, sich kaum zu wiegen
Und stumm zu weinen, weil ihr Perlenschmuck zergeht,
Sich aneinander schlank und schmerzensbang zu schmiegen
Und hold zu horchen, ob ihr Schicksal sich verrät!

So blicken Augen, die den ganzen Tag erschauten,
Durch edle Lust vergeistigt, in den frühen Tod,
Und blasse Leiber, die der Tagespracht vertrauten,
Sind urerborgt von goldnem Abendrot umloht.

Die Sorgenbilder eigner Jugend werden schwinden:
Wohl sind sie noch ein Traum, doch sehe ich sie kaum.
Vielleicht kann sie mein Schaun auf einmal nicht mehr finden,
Doch perlt und schimmert jetzt des Flusses Muschelschaum.

Auch in mir selbst ist vieles Schöne schon erstorben,
Und Schnörkel, Schnecken seh ich abends grau umher,
Wie wenig habe ich bisher im Leid erworben,
Und was mich freut, wird bleich und wieder inhaltsleer.

Nun sind sie weg. Ich wußte es. Die Dunstgestalten,
Die Frühlingsfreuden haben keinen eignen Halt.
Nun heißt es, Hoffnungen von trüben Dingen spalten,
Der Geist glüht fort, und viele Formen werden alt.

Mein Gott, ich habe mich vom Jubel abgewendet
Und horche fort und fort und immer ohne Grund:
Wozu wird meine arme Seele wild verwendet?
Ich lausche auf, doch nirgends ruft ein Wundermund!

 

        J etzt blickt der Mond schon skeptisch auf die Dinge nieder.
»Er fühlt sich«, sagt mein Weib, »als ganzes Element,
Es regen Tierbeginne ihre Ringelglieder,
Erwirbeln sich und werden wieder rings getrennt.

Den Sternen gleich, die ängstlich durch die Dämmrung spähen,
Ob alle Fremderscheinungen bereits verwehn,
Beginnen viele Silberwische zu entstehen,
Um wieder hurtig zwischen Strudeln zu vergehn.

Was quecksilbert? O Mond, das sind im Fluß Besuche
Aus einer geilen, jugendhaften Weiterwelt;
Auch spüren Hunde vieles schon vom Brunstgeruche,
O hör, wie's von Gehöften fern herübergellt!«

»Die Ölbäume, die dunkle Fluren übersilbern,
Verstecken«, sag ich, »manchen grauen Aufenthalt
Von kindischen Geheimnisweltentsilbern,
Die immer wispeln, was nicht mehr zu Ohren hallt!

O sieh, dort wird ein müder Esel heimgetrieben:
Wie eigentümlich er vom Fluß gespiegelt wird!
Wer stößt und zerrt ihn: sag, wo ist der Herr geblieben?
Hat er oder das Tier sich hier vor mir verirrt?«

»O lache, lalle nicht so angstvoll ernste Sachen,
Du magst«, sagt mir das Weib, »Kentauern sehn,
Erfahre deine furchtbar urempfundnen Drachen,
Doch wehe dir, wenn je wir auseinandergehn!

Du bist ein Kind und trinkst die Milch von meinen Brüsten,
Du tust so dumpf, weil dich nach weitrer Lust verlangt:
Genügt kein Liebesglück, kein Weib, deinen Gelüsten?
Bist du vielleicht an eitel Übermacht erkrankt?«

 

        D er grüne Kreuzgang soll im Mondenschein vergehen,
Er sei von Silberkatarakten überschwemmt:
Allein die Arche Noahs soll noch fortbestehen,
Man hämmre, zimmre sie, geheim und ungehemmt!

Noch kommen alle Vögel langsam angeflogen
Und bauen sich in ihrer Rettungsburg ein Nest,
Auch andre Tiere fühlen sich herbeigezogen
Und kommen selber, Paar an Paar gepreßt!

Im Mondenscheine lagern aber noch Geschlechter,
Auf die das Silberlicht sein Totenlinnen senkt,
Was helfen da die schwerbehelmten Uferwächter,
Da hoch der Mond das Sterben über sie verhängt!

Kamele kommen mit fast menschlichen Gesichtern,
Aus großen Wüstenfernen, schwerbeladen heim,
Vom Sonnentag verführt, begleitet von den Richtern,
Den Sternen, wittern sie des Mondes Todeskeim.

Der grüne Kreuzgang soll im Mondenschein vergehen!
Schon stehen nun Figuren wie Gespenster da,
Und überall, wo nachts die Silberwinde wehen,
Erfriert, erstirbt beinah, was je am Tag geschah.

Im schwachen Schatten freundlicher Olivenbäume
Verschlafen Schafe sanft das stille Mondesgraun,
Sie sind wie tot, denn schon verlassen sie die Träume,
Um brünstig sich in Fremdnaturen zu erschaun.

Dort gehen sterbliche Gestalten eben jagen.
Ihr Hund beschnüffelt jeden Mondesschattensaum.
Im Grünen hör ich viele kleine Stimmen klagen,
Den Tod der Eltern fühlen sie vielleicht im Traum.

Der grüne Kreuzgang soll im Mondenschein vergehen.
Ich nehme die Idee von jedem Tier zu mir.
Ein stilles Leben will ich tief fürs Tier erflehen,
Denn wirklich ist das Tier und sterblich einzig hier.

 

        » E rkenne dich in deinen gelben Seelenhallen,
In denen du die Sonnenherkunft tief erlebst:
Ersehnst du Wesen, die in dich herüberwallen,
Ersteht dein treues Traumbild, daß du ganz erbebst!«

Hat das mein Weib gesagt? Ich seh es an und träume.
»Fürwahr, in unsrer Arche ruht die Schöpfung aus:
Wie hoch ist Halt in uns, wie wenig jene Schäume!
Wie rasch«, sagt laut die Frau, »erschöpft sich aller Graus!

Durchlebe nun, wie junge Menschen Früchte pflücken:
Wie gerne gibt sich, lockt uns fast das reife Obst.
Wohl freuen Blüten sich, ein blondes Haupt zu schmücken,
Denn alles bringt sich dar und wird, wo du es lobst!«

»Wir müssen uns durch innre Willenstiere dienen
Und werden erst durch unsre Lieblingslämmer Wir:
Wir brauchen Wölfe mit verwegnen Räubermienen
Und brave Hunde für des Geistes Jagdrevier!

Wir wollen stets ein selbstgewähltes Lamm beschützen,
Und drum verketzern wir, was ihm zuwider ist,
Doch«, frage ich, »wozu solch einen Zwist benützen,
Bloß um zu wissen, wie man schließlich sich vergißt?«

»Das Lamm ist da, für dich gestorben und erstanden,
Doch Schemen deuchten Hunde mich und Wolfsgezücht,
Der Leu, der Stier, der Aar, die sich dem Lamm verbanden,
Sind«, sagt mein Weib, »im Wesen Welt mein Urgericht!

Des Geistes Schönheit dünkt mich auch vor Gott erhaben,
Ich sehe Dichter fromm zu edlen Frauen gehn,
Die Pracht des Weibes, ganz, samt seinen Nacktheitsgaben,
In Marmor als ein Dom der Lieben Frau erstehn!«

»Merkst du denn nicht, wie bange ich im Mondlicht fische,
Der Stier, die große Macht, ist schon seit langem tot.
Das Lamm verglüht, jetzt schickt der Geist uns seine Frische:
Ich Armer warte fiebernd vor der Seelennot!

Ich senke meine Angel in die Meerestiefe
Und merke keinen Sturm, der meinen Gott bedroht,
Was könnte ich, wenn ich Ihn auch aus seinem Schlummer riefe,
Ich fische eigenmächtig«, ruf ich, »mein Gebot!

Im Geistermeer wird bald der Fische Fürst erscheinen.
Der überstrahlt und klärt dereinst, was wild verbraust –
Ich fische fort, verschwende meine langen, langen Leinen:
Wie finster Wind die Nacht durchhadert, selbst sich zaust!«

Was du auch willst, den Willen werd ich doch verketzern!
Denn bloß im großen Icherschließen kennt sich Gott.
Oft ist ein Mensch, der sich besinnt, zu voll von Schwätzern
Und leer an Glauben, Ehrfurcht, Adelskraft und Spott.

Doch plötzlich fühl ich mich in Gottes Hand und Nähe,
Und da verklärt sich wundereinfach die Vernunft:
Wie prachtvoll ich die Welt im Geist verankert sehe,
Hold folgt die Gnade tief in alle Niederkunft!

Wozu den hehren Kirchenbau bewußt zerstören,
Wozu ihn stützen, falls der Geist ihn schon verließ?
Erlernen wir, statt auszuforschen, jetzt das Hören:
Wer weiß, wie oft das Neue Reich sich schon erwies!

Mir sind die Sprachen Flammenvögel, die in Rassen,
Die sie erst selber schaffen, ihre Nester baun,
Aus einer kann das »Feuerwort« sich jung entraffen,
In allen schläfts: aus welcher wird es graun?

Ich horche lange schon, vielleicht schon manches Leben:
Zu jedem Kinde beug ich mich voll Glauben hin,
Was sprüht aus jedem Blick, wer soll die Welt erheben?
Wie furchtbar tief ist jeder Waise Wesenssinn!

Im hellen Seelenscheine sehe ich mich selber
Seit Ewigkeit auf meinem eignen Kreuzweg gehn,
Ich irre durch das Zweifeln ab: die Welt wird gelber!
Sie stirbt. Ich lebe auf und ab, muß auch bestehn!

O heilige Verachtung, großer Spott des Geistes,
Der alles urerwogen dennoch tragen kann,
Dein Wesen ist zu streng, denn sieh, mein Herz zerreißt es:
Gesteh, entkomme ich durch Ehrfurcht deinem Bann?

Hinweg, du großes Licht, ich will vor dir vergehen!
Ich fasse nicht die Majestät von deinem Leib,
Ich fliehe dich, um stets in dich zurückzuwehen:
Ich zweifle, fluche, und bin doch zu sein bereit!

Gefühle, die den Geist mit Schmerz geboren haben,
Verstummen und zerwühlen sich vor ihrem Sohn.
Das ganze Leid ist kalt, da kann uns niemand laben,
O welcher Hohn durchdonnert die Passion!

So kann kein Mensch mehr mutig seine Pflicht verrichten,
Wer weiß, ob seine Meinungen auf Gottes Wort
Nicht immer noch verzichten, ja es gar vernichten:
Wie oft warf ich wohl selbst mein hehrstes Gut schon fort?

Ich treibe um die schalsten Nichtigkeiten Schacher.
In meinen Frieden schleicht sich der Verrat.
Stets finden die Entschlüsse Zufallswidersacher,
Ich klimme, ringe! – Ob mir je die Gnade naht?

Ich sehe mich im Herzenslichte stets nur selber,
Seit Ewigkeit, auf meinem eignen Kreuzweg gehn.
Ich zweifle immer noch. Die Welt wird langsam gelber:
Ich sterbe nimmer und kann immer auferstehn!

 

        F lorenz, wie herrlich ragen deine Burgentürme!
Toskanas Glut wölbt deine Kuppeln stolz empor:
Im hohen Dom vertoben erst die Erdenstürme,
Und oben lobt dich still der Sterne Engelschor.

Wir wollen alle wieder schlicht und einsam werden,
Wie das die starke Herzensglut in uns verlangt.
Die sagt: so wird es einst und war es schon auf Erden!
Ja wie? Nun so, wie unserm Herzen danach bangt!

Wir haben schon den allerwunderbarsten Glauben:
Er macht uns unermeßlich frei und willensstark.
Hier kann ein Kind sich Gottes Heim zu sein erlauben,
Und in so manchem Wesen ist kein Trug und Arg.

Ja, blicke ich in Kinderaugen oder Sterne,
So denk ich, Gott, wieviel du uns noch sagen wirst!
Ich bin in dir und du in meinem Wesenskerne,
O Mensch, verzage nicht, selbst wenn du stirbst und irrst!

Florenz, die Mutter Gottes weilt in deinen Mauern:
Wie hehr die Erde sich in dir erhoben hat!
Hold kann ihr Hoheslied in deinen Stätten dauern,
Ich lobe dich, o lichtverlobte Marmorstadt!

Dein Dom ist hoch, doch über ihm, da sind die Sterne:
Um so viel weiter wird noch unser Glauben sein.
Doch in der Ewigkeit vergeht auch Sternenferne:
Einst mag mir Gott kein Fassen, sondern Macht verleihn!

O Mutter Gottes, jenseits deiner Herzensnähe
Erdämmert eine Mutter, die wir nie erkannt.
Befragt mich nicht, da ich sie unwahrnehmbar sehe!
Wie weiß ich uns in ihre Heimlichkeit gebannt!

 

        F lorenz, wie selbstverständlich still sind die Paläste,
Vor denen einstens große Fackeln grell geloht –
Die Feste sind vorbei, nur selten seh ich Gäste,
Und nirgends zeigt sich noch ein stolzer Schloßdespot.

In engen Gassen stehen sie mit Mondlichtsäumen.
Die grünen Fensterläden sind hermetisch zu.
Du glaubst es kaum, daß noch dahinter Seelen träumen,
Denn alles schweigt in runzeldumpfer, dunkler Ruh.

Ich aber sehne mich nach Totenmonumenten,
Wo Mann und Weib am eignen Sarg gelacht,
Dort haben sie, bevor sie sich für immer trennten,
Noch einmal, buhlend, Liebesfieber angefacht.

Wo Wollustwucht zu ganzen Machtgenerationen
In einem Augenblicke sich verschwendet hat,
In heitren Rustikagebäuden wollt ich wohnen
Und träumt ich gern den Jubeltraum der eignen Stadt!

Wo bist du, großer Geist, der alles leisten konnte,
Der akrobatenhaft die Menge unterhielt,
Der Launen meisterhaft als Wirklichkeiten sonnte
Und der mit Weltungsfragen wunderbar gespielt?

Die Formen scheinen vor dem Geiste zu verschrumpfen.
Florenz, ich kann und will nicht mehr zu dir zurück:
Zyklopisch gilt es jetzt sich selbst zu übertrumpfen,
Denn bloß in den Geschicksgewittern blitzt das Glück!

Florenz, ich habe mich an dir emporgesungen,
Und jetzt durchwandle ich dich abermals: dein Kind!
Ich klopfe laut ans Erz, wie hat mirs hold geklungen:
Wie sind mir Wind und Dinge hier doch wohlgesinnt!

 

        D er geile Brunnen mit den steilen Wasserwürfen,
Der zwischen Türmen sich nach Eigenhöhe sehnt,
Mit seinen Erzfiguren, die nackt Austern schlürfen,
Erscheint mir stumm einer versunknen Welt entlehnt.

Wie kalt belauscht Neptun das Plätschern von Tritonen.
Wie freut ihn noch der Gischt, der seine Schenkel kühlt:
Er bleibt auch hier ein Stück der immerstillen Zonen,
Wo Nasses Kaltes durch sich selber fiebern fühlt.

Die Nymphen, mit den vielen Fingern, krauen
Der schlüpfrigen Delphine gleißendes Geschupp,
Und heitre Faune aus den schwülen Nachbar-Auen
Umlungern nun voll Lust den Quell als muntrer Trupp.

Der kleinste Faun, der Schalk des muntern Rudels,
Hat eine Fratze wie ein Truthahn, wenn er balzt,
Und schielt nach einem Bengel, der im Schwall des Sprudels
Mit starken Erzgliedern ein Wasserwunder halst.

Dir, Nereus, legt in deine alten Kupfermuscheln
Das Mondlicht Perlen, die es Wasserschelmen weiht,
Die zieren sich damit, und wenn sie wichtig tuscheln,
Bezeigt der ganze Quell ihre Zufriedenheit.

Schnell stürzt der Gischt in lauter losen Silbersträhnen
Ganz schleierschäumig über manche Erzfigur,
Die seh ich sich an tausend Marmorträume lehnen,
Und juble plötzlich wie die Flut in die Natur!

 

        I ch habe einst Giganten langsam wandeln sehen,
Und nun vergesse ich das Schauspiel nimmermehr,
Dann konnten sie erschüttert nicht mehr vor mir stehen,
Und ich war froh, denn sie bedrückten mich zu sehr.

Nun dachte ich an lauter frische, grüne Dinge
Und pflückte manches, das sich mir verschwiegen bot,
Ich wußte wohl, wie jeder Übermut verginge,
Und sorglich floh ich alle große Lebensnot.

Doch plötzlich sind sie wiederum vor mir entstanden
Und haben schrecklich sich der Kleinlichkeit entreckt:
Jetzt sind das Königinnen, Fürsten wilder Banden,
Ein Tisch, den man für Weltgewissen fromm gedeckt.

Ihr Riesen dürft mich nicht, wie einst geträumt, bezwingen,
Zwar seid ihr größer als der allerhöchste Turm,
Doch will ich gegen Überflüglungsstümpfe ringen,
Noch braust in mir ein Sturm, jetzt wühlt in mir ein Wurm!

Ich höre just im Herzen eine Hölle heulen:
Weg von der Erde, ihr Titanen dieser Stadt!
Schon packt der Geist die Türme, schwingt sie stark wie Keulen,
Jetzt findet eine Schlacht, vielleicht im Jenseits, statt!

Da lacht ein Riese! Lacht ein grünes Runzellachen.
Das kann der Wille. Wächst er doch durch ihn empor!
Erscheint mir Pan? Kann der durch meine Wut erwachen?
Ich wälze Felsen, und jetzt lacht ein Echochor.

Nun bleibt kein Turm. Ob ich denn nicht zum Kampfe tauge?
Der Dom allein ist übrig. Darf ich Heilgem nahn?
Der Riese wächst. Der Mond ist sein Zyklopenauge.
Der Dom beharrt. Er wankt durch keinen Größenwahn!

 

        H erz, mein Herz, sei wieder demutvoll und offen
Und komme dir und andern Feinden gütig bei,
Du darfst und sollst noch mehr als ein Florenz erhoffen:
Doch mache dich von brauner Wut, dem Dünkel frei!

Der Dom des Herrn ragt immer noch in holder Bleiche
In diese sternenhelle Perlennacht empor,
Doch scheint er mir so kalt wie eine reiche Leiche,
Mit einem mondgewirkten Riesentotenflor.

Behutsam, meine Seele, denn du wirst nun siegen!
Erblick im Sterben Leben, und du bist befreit!
O, wie die schweren Dinge fürchterlich erliegen,
Sie weichen schon, und zwischen uns bleibt tief das Leid!

O, unsre vielen Willenstiere sind vergänglich,
Wie sehn sie uns aus ihrem Dämmer blutig an;
Mein Herz, so zeige dich für großen Schmerz empfänglich:
O, liebe sie und ziehe sie in deinen Bann!

Dem Dome selber gleichen seine tausend Tauben,
Die sind wie er so grau, so blau und fernenrot,
Nun ruhn und gurren sie in meinen Felsenlauben
Und nisten zwischen Seelen, Schnee und Todesnot!

O Gott, jetzt bin ich wirklich schwindellos erhoben.
Der monderhellte Dom verbleicht in meiner Nacht.
Ich stehe fest und möchte dennoch fort nach oben:
O Gott, wozu verleihst du mir so hehre Macht?

Empor, empor, empor zu Gottes mildem Frieden!
Die Völker liegen unter mir in stiller Ruh!
Ich suche Gott und bleibe dennoch ganz hienieden.
Ich herrsche, folge, und wer früge noch: Wozu?

 

        I ch wandle nun, als urbesorgter Mensch und Dichter,
Als Riese, unerreichbar hoch, über Florenz,
In meiner Hand ist alles, selbst die Himmelslichter,
Ihr Grund gewährts, und mein Beschluß erkennts!

Ich wirke selber liebreich zum Bestand der Dinge:
Du einzge Möglichkeit der Möglichkeiten sei!
Durchglüht uns hold, ihr wundergleichen Schöpfungsringe,
Und macht die Sonne reich und unsre Seelen frei!

Du, Sirius, grüßt uns brüderlich durch alle Schleier,
Die still vom Monde niederperlend uns umgraun,
Ich danke und ich melde dir, die Welt wird freier:
Nur das ist wahr, daß wir uns einst in Gott erschaun!

Wie treu ihr blickt und blinkt, ihr traurigen Planeten,
Ihr habt noch ein Geschick und tragt es mutig fort!
Ich grüße euch, wir wollen heiter sein und beten,
Wir alle wälzen uns um Gottes holdes Wort.

Du müde Stadt, du Blütenfrühling mir zu Füßen,
O ruht und träumt, entweht euch, düftet in die Nacht:
Das was ihr seid, nicht scheinen müßt, will ich begrüßen,
O glaubt, was ihr nicht glaubt! Ihr seid voll Wert und Pracht:

Was ihr verdeckt, verachtet, höre ich verstummen.
Des Friedens, den ihr träumt, entsinnt ihr euch nicht mehr?
Ihr seht die heitre Pflicht gespenstig sich vermummen,
Doch die ist euer Tag, so hehr und klar wie er.

Florenz, hoch über deinen Türmen schwebt die Seele,
Die bloß in dir für alle Ewigkeit erwacht,
Dafür erhältst du auch die schönsten Mondjuwele,
Denn deine Marmorpracht verherrlicht noch die Nacht!

 

        D ie Gnade will, daß wir die argen Dinge hassen.
Der Brand entsteht, damit das kalte Licht besteh!
Der Friede kommt, damit wir uns zusammenraffen,
Der Engel aber, der uns liebt, birgt Krieg und Weh!

Einst soll auf Erden Lenz und langer Frieden werden,
Doch wehe jedem Volke, das die Rast erstrebt,
Drum liebt und tragt für euer Vaterland Beschwerden:
Denn Gott verläßt den Menschen, der am Eignen klebt!

Ihr dürft die Häuser, Tempel jeden Lenz bekränzen,
Doch sorgt dafür, daß stets im Herzen Feuer sei,
Bekriegt euch selbst und brandschatzt jenseits aller Grenzen,
Macht eure Seelenklüft von Lieblingsplätzen frei.

Erforscht die Bösen, helft Gesunden, tränkt die Feigen
Und seid entmenschlicht, wenn ihr mit euch selber ringt:
Ihr sollt der Welt ein tränenloses Auge zeigen,
Erscheint ihr stark, selbst wenn ihr tief in Ohnmacht sinkt!

Seid Raubtiere mit gräßlich scharfen Daseinskrallen,
Doch wählt die Beute und verzehrt sie still und fern,
Laßt nie ein Stück davon zurück zur Erde fallen,
Denn was Verbote scheut, meint abermals den Herrn.

Das Wort in uns beflügle euch zu Heldentaten!
Seid wie ein wandelnder bereiter Festungsturm,
Wenn Not es heischt, so dürft ihr selbst zum Kriege raten,
Doch wehe euch, folgt dann kein Frühling auf den Sturm!

Das Wort in uns befreie euch von aller Stärke,
Verankert demutsvoll das eigne Volk im Herrn,
Denkt niemandem zu helfen, bleibt beim eignen Werke,
Und wirkt dadurch so unerschöpflich wie ein Stern.

 

        F lorenz, jetzt kämpfen Riesenwolken mit dem Äther,
Noch sind sie haltlos über Fluren hingestreckt,
Doch heller, windgeblähter, lauern rings Verräter,
Am Marmor haben Schatten jäh emporgeleckt!

Jetzt stapeln Wolkenbrocken plötzlich sich zu Treppen
Und schließlich gar zu einer Riesenkuppel auf,
Das ist ein Schwebebau mit lichten Silberschleppen,
Und grell zerschlitzt ihn noch der Mond auf seinem Lauf.

Schon hat der Traumtanz Ton und Glanz von roher Seide
Und scheint beinah ein faltenloser Baldachin,
Jetzt wetterleuchtet es, und lauter Mondgeschmeide
Beginnen still den Nachtpalast zu überziehn!

Ich sehe Heiden stolz sich wie daheim benehmen
Und Riesenalabasterkaryatiden stehn
Mit ganz unsagbar echten Perlendiademen
Steil hier als Träger stummer Wunder, die geschehn.

Doch herrscht der Mond noch immer hold in diesen Hallen.
Schon steigen seine Silberreiher wieder auf.
Ich sah sie ja am Dom empor- und niederwallen,
Und plötzlich überschwärmen sie den Bau zuhauf.

Nun ruft was stumm in mir: die Kuppel ist gelungen!
Und nur der Geist, kein Bauwerk wird je weitergehn,
Die Marmortrümpfe hat die Zukunftsflut verschlungen:
Nun heißt es in der Seele einen Dom erspähn!

Der Giottoturm erglüht in seltnem Eigengolde,
Wie sonst sich Glanz allein auf Elfenbein gezeigt:
Florenz, aus dir erblüht das unerreichbar Holde,
Ich aber wittre Sturm, wo sich dein Traum verzweigt!

 

        F lorenz, du wirst in mir als Heimatkern bestehen
JL Erglühe, strahle ferner monderleuchtet fort!
Mein Seelensturm wird deinen Lilienstaub verwehen,
Ich trage Kinder deiner Huld von Ort zu Ort.

Doch du verglimmst in mir, ich kann dich nimmer bannen!
Du hast noch einmal deinen Himmel sanft geklärt,
Dir bleibt der Mond, doch wandre ich nun frei von dannen,
Wer weiß, was meine Seele noch an Huld erfährt!

Fürwahr, nicht eine Wolke ist der Nacht geblieben.
Die Mondstadt hat ihr Wuchten über sich verscheucht.
Auch meine Traumgebilde werden bald zerstieben,
Ob mir ein großes Urgeheimnis wirklich deucht?

Entaltert ist die Mutter Gottes hoch erschienen:
In Mondlicht schimmert sanfter Nachtkontur,
Empfindungen mit kindlich-stillen Engelmienen
Gewahren mich in Menschen, Dingen, Flut und Flur.

Ich blicke auf Florenz, doch ist sein Ich zu ferne!
Der Arno und der Marmor perlen aus dem Grau,
Doch heller kaum als drüben noch der Mond, die Sterne:
Denn Geist erdämmert schon im ersten Morgentau!

Die Mutter Gottes grüßt uns, ohne leicht zu nicken.
Je ein Planet verwirklicht ihren Kronenrand,
Die Freigestirne können Geist und Welt erquicken,
Das Christuskind hält bald die Sonne in der Hand.

Der Mond geht traumblau hinter Schneegebirgen unter.
Florenz wird eine Perle, die ich wachgeträumt.
Nun ruht sie wieder, und die Farben werden munter.
O, welche Frühe aus dem eignen Weibe schäumt!

 

        M ein Weib und ich, wie glücklich sind wir doch gewesen:
Sie folgt uns goldumflort, die Wonne von Florenz!
An unsers Traumes Sonne ist der Mensch genesen:
O glaube, danke doch dem lichtentzückten Lenz.

So wollen Felsen, Flüsse, Wälder froh sich sonnen,
Und selig drängt das Frühjahr sich an uns heran,
Was eben Tau benetzte, zeigt sich goldumsponnen,
Horch auf die Luft, ob man sein Kommen wittern kann.

Du Frühling in mir selbst, Jungfräulichkeit der Lüfte,
Erfaßt und halst euch, klingt und jubelt wie das Licht!
Das ist der kühne Lenz der Freuden und der Düfte,
Die Lerchen trällern: gebt euch hin, verwehrt euch nicht!

Jetzt springt der Ginster auf und gibt der Wonne Stärke.
Ein ernstes Glockenläuten zittert durch den Wind.
Am Felde gehen Menschen forsch zum Tagewerke.
Und irgendwo in unsrer Nähe brüllt ein Rind.

Auf einmal kann ein Schiff im Strom nicht weitersegeln.
Wohl halten Pappeln ihm die Morgenbrise auf.
Ins Wasser furcht es lauter krumme Schiffahrtsregeln.
Wann wieder gibt der Wind ihm seinen goldnen Lauf?

Schon fliegen meine Wünsche flügger als die Winde.
Ich helfe, schwelle Segel bis ans helle Meer.
Sind meine Lieder nicht belebte Angebinde?
Ihr Auferstehn ist leicht, ihr Dasein folgenschwer!

Ich träume fort, ich träume fort, muß träumen!
Wohin? Wohin? Ein Flügel stürzt dem andern nach!
Das ist der Wind, der Wind! Wir wogen, schäumen!
Ein Lied erbraust, wo eines laut zusammenbrach!

 

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