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Das Nordlicht. Erster Teil. Das Mittelmeer (Genfer Ausgabe)

Theodor Däubler: Das Nordlicht. Erster Teil. Das Mittelmeer (Genfer Ausgabe) - Kapitel 2
Quellenangabe
typeepic
booktitleDas Nordlicht (Genfer Ausgabe)
authorTheodor Däubler
year1921
firstpub1921
publisherInsel Verlag
addressLeipzig
titleDas Nordlicht. Erster Teil. Das Mittelmeer (Genfer Ausgabe)
pages1239
created20120317
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20140924
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Die Selbstdeutung

Eine Erläuterung der Idee des Nordlichtes, wie sie im Gedicht gestaltet wurde, kann nur durch ein paar einleitende, autobiographische Sätze versucht werden. Autobiographisch, in einem gleichnishaften Sinn, ist nämlich auch die Dichtung, besonders in ihrem ersten Teil: sie gibt das Emporleuchten der Vision, ihr Wachstum und Gedeihen, ihre hervorgreifende Verbreiterung. Bleiben wir zuerst beim ursprünglich visionären, nicht beim verdichteten Erdämmern der urweltlichen Anschauungen, die in diesem Werk zur Hämmerung gelangten. Um die Klarlegung durchzuführen, muß ich aber beinah in meine naive Kindheit zurückschweifen: etwa ins 14. Lebensjahr.

Meine Eltern waren durchaus aufgeklärte Menschen. Auch unser Bekanntenkreis gehörte der radikalen Richtung an. Dienstboten wußten das und versuchten meine Einbildung mit Katholizismen zu beschäftigen. Dadurch entstand in mir, einem religiös veranlagten Kind, ein großer Konflikt: der entscheidendste fürs ganze Leben! Oft fragte ich Verwandte um tiefere Gründe des Lebens: natürlicherweise konnte ich da nichts erkunden; man war immer mit der einfachsten Antwort bereit: du bist noch ein Kind und kannst das nicht verstehen! Der Eifer der Katholiken begeisterte mich wohl, ich blieb aber auch ihm gegenüber argwöhnisch, irgendwie witterte ich die Kulissen, den Bühnenbetrieb ohne eigentlich handelnde Person, in einem großen Passionsschaustück, das von Feiertag zu Feiertag das ganze Jahr beherrschen kann. Einmal beschloß ich ganz ernst, in der Richtung, die mir die Erziehung meiner Eltern wies, zu forschen! Mein Gemüt neigte zur Mystik, aber ich glaubte trotzdem nicht. Ganz klar stand es vor mir: alles Leben kommt von der Sonne. Meine Zweisprachigkeit – ich bin Triestiner – kam mir da zustatten. Im Italienischen heißt es: il sole (männlich), la luna (weiblich); ich verglich und entschied mich in meiner kindlichen Privatmythologie für die italienische Einsetzung der Geschlechter bei den Gestirnen. Das Sonnenlicht war väterlich, die Erde mütterlich, der Mond unentschieden, aber mit stärkerem weiblichen Einschlag. Ich sah in unserm silbernen Nahgestirn etwa eine Traumgottheit: oft eine Amme, ja sogar Hebamme. Aber auch eine Vorstellung vom Arzt hatte schon sehr früh in diese kindlichen Einbildungen hineingespielt. Die Vorgänge bei Zeugung und Geburt waren mir bereits sehr früh verraten worden. Schlaf und Traum, somit der Mond, sind mir immer so rätselhaft und dadurch besonders wichtig vorgekommen. Die Nacht liebte ich vor allem, und schön lebte ich nur im Traum: den Mond hielt ich geradezu für den Retter des Lebens. Ohne ihn, sagte ich mir, müßte ja alles, was die Sonne hervorgezaubert, emporgesogen hat, sofort am Abend, bei Sonnenuntergang, verschwinden; bei Sonnenaufgang aber das Leben ganz neu und kurzfristig, ohne Zusammenhang mit seinem Gestern, wiederentstehen. Der Mond wurde mir zum ersten Architekten, da er eine silberne Brücke durch die Nacht, den Schlaf der Wesen, zu bauen imstande war. Aber genügte er zum hohen Aufbau bis zum Menschen, der in sich die Wesensart der Sterne fühlt und erkennt? Mir dem Kinde nicht! Ich sann weiter. Jemand hatte mir einmal gesagt, daß Sonne und Erde, vor furchtbar langer Zeit, eins gewesen wären. Ich spekulierte: jetzt sind Sonne und Erde getrennt: bevor die Scheidung eintrat, mußten diese, heute vor unserem Verstand und unsrer Sinnesart herrschenden Kräfte unterirdisch (zugleich und eigentlichst untersonnig), gewühlt, auseinanderzerrend gewirkt haben. Schließlich siegten sie. Und nun: die früher alle vom Mittelpunkt losstrebenden Gewalten im Zaume haltende Sonnenkraft ist jetzt zum großen Aufruhr geworden. Die Starrheit der Erde muß, von der Sonne aus, dereinst bezwungen werden. Und die Erde selbst gebiert aus sich Kräfte, die, der Schwerkraft entgegen, zur Sonne zurück wollen: ich sah darin die mechanische Gesetzmäßigkeit, durch die Leben wird. Jede Pflanze, jedes Tier umhüllt seinen Sonnenflug. Also nicht um die Wärme, Elektrizität, Magnetismus usw. handelt es sich im Grunde für seelisches und leibliches Wachstum: verschiedene bekannte und unerforschte Gewalten umkörpern uns mit Sonne- Mond- und Sterneninhalt. Eigentlich heißt Dasein: Rückkehr zur Sonne. Bei Tag und bei Nacht ist unser Planet der Sonne tributpflichtig. Pflanzen, Tiere, Menschen bleiben der Schwerkraft, der eigentlichen Natur der Erde, entgegengesetzt: Opfer, die die Erde aus ihren Gebeinen dem helleren, vollendeteren Gestirn darbringt. Nach dieser Art die Welt zu schauen, ist das Sonnenlicht Gott und Herrscher.

Bald wurde mirs klar, daß dieses Vorgehen mit eigner Vorstellung stark spekulativ-materialistisch war. Ein Mensch hätte dabei sein müssen, als sich Sonne und Erde trennten, damit man sagen kann: was einst, als unterlegen, wühlte, wurde schließlich das Herrschende; was früher geherrscht hatte hingegen, besorgt nun den kosmischen Aufruhr. Bei solchem Grübeln verstand ich mich plötzlich folgendermaßen: das alles vollzog sich auch, aber nicht vor den Augen eines Menschen, sondern im Menschen selbst, der sonnengeborenen Auges ist. Daher ergänzen wir: solches geschieht immer noch! Und die Sonne endet nicht dort, wo wir ihren Rand sehen: ebenso nicht die Erde da, wo ihr Saum Menschen gestattet, bei Sonne und im Sturm, zu leben und zu schauen. Tatsächlich verhält sichs so: wir selbst sind Sonne und Erde. Mit den äußeren Sinnen fühlen und sehen wir den Boden unter uns, die Sonne über uns. Mit dem innersten Sinn sind wir einig, urverbunden mit allen Welten: Sonne ist bloß unser herrlichster Inhalt. Später erklärte ich mir dieses Verhältnis in folgenden Versen:

Du schwache Nacht, du bist der Schatten unsrer Erde.
Wir sind die Sonne, der die Erde Sterne zeigt,
Denn unsre Erde ist dir richtige Gebärde,
Die gütig Menschen in den Sternenhimmel neigt.

Und etwas weiter:

Die Nacht steht da, wir haben sie aus Macht erschaffen.
Die Erde ward und stand dem Menschen hilfreich bei,
Die Erde läßt die Nacht aus einem Abgrund klaffen,
Und da geschieht die Ewigkeit durch unsern Schrei.

Wir sind vom Licht und sollen Finsternis gebären,
Drum schufen wir die Erde, und da kam die Nacht.
So konnten wir dem Himmel seine Macht bescheren.
Dann lachten wir: die Sonne hat aus uns gelacht.

Wir Männer, die dem Mut zu unsrer Tat entstammen,
Die aus der Flut das Ich bei Nacht ans Land gebracht,
Sind da, den Tag zum Überschwange zu entflammen:
Beflügelt war der Mensch vor seiner Welt gedacht.

Ich soll die Nacht mit meiner Sicherheit belauschen:
Wir haben witternd ihren Untergang gewußt.
Kometen kommt, ihr könnt die Dunkelheit berauschen:
Mein Wissen ist das Licht, die Sonne unsre Lust.

In diesen Versen aus der »Hymne an Venedig« spreche ich meine Kosmogonie aus. Die Stadt Venedig war ja das größte Erlebnis meiner Kindheit! Zur Zeit der Geschlechtsreife flog ich oft hinüber, sowohl leiblich als hauptsächlich im Traum; alles was ich da sah, ging auf einem phantastischen Markusplatz vor sich. Mein Glaube an Sonne, Mond und Sterne war mir ungemein lieb geworden. Ohne ihn und Venedig wäre ich verdorben, denn die Menschen verstanden mich nicht. Ich war ein schlechter Lerner, ein vergrübeltes Kind. Im Grunde hielt ich allerdings nichts von meinen Visionen, ich liebte sie nur ganz naiv, denn sie waren meine einzigen Freunde. Die Weckeruhr stellte ich auf 4, ½5 Uhr, um, am Morgen ausgeruht, bevor das Feindliche des Tages beginnen sollte, etwas in Glück nachdenken zu können. Dichterische Äußerungen von mir erlebte ich nur spärlich: zwei italienische Schulaufsätze fielen allerdings meinen Hauslehrern als sehr erstaunlich auf: mein Wesen haben aber auch sie nicht begriffen.

Eines Tages, bei Bora, erschloß sich mir plötzlich folgender Sinn: selbstbeschloßner Zwiespalt! Die Menschen nennen vieles Sünde: ich, der kecke Atheist, in der Pubertätszeit, der bei Mondschein über den Karst dahinbrauste, wollte das Böse bloß als Schatten des Hochseligen erfaßt haben.

Einmal auf einem Maskenball (ich selbst trug die Larve) sagte ich mir: das Leben ist nicht bloß gewollte Askese oder Zwang, Pflicht der Sonne gegenüber, damit wir uns zum Hochgestirn emporranken können, und die Erde nicht bloß Feindin, bestenfalls Vagina und Grab. Als Wirksamkeit ging mir auf: das Leben verlangt Fülle, die Geschöpfe dürfen göttlich emporjubeln. Ich lief aus dem Saal, auf die Straße. Ich fühlte glücklich, die Erde birgt in sich noch viel Sonne, die mit uns, gegen die Schwere verbunden, selbst wieder zur Sonne zurück will. Überall. Sogar im Eis. Gerade dort, an den Polen, wo die Nacht am tiefsten, am längsten, besonders mächtig! Eine leuchtende Umschlingung von erlöster Sonne aus der Erde und himmlischer Sonne bringt den monatelangen Nächten um die Pole das Polarlicht. Die Erde sehnt sich, wieder ein leuchtender Stern zu werden. Meine Privatkosmogonie hatte ihre Ergänzung erhalten!

Diese Idee von der Nordkrone ließ mich nicht mehr los. Schnell wußte ich, daß sie eigentlich in uns Wunsch, Freude, Glück, Vertrauen sein konnte. Der Grund dazu lag für mich, ich sahs geradezu, in der Erde. Vielleicht in einem feuerflüssigen noch sonnenähnlicheren Innern! Das Lichterziel, die leuchtenden Kränze um die Pole wurden mir zum Sinnbild von Geschichte aus innerstem Geschehen. Ich erlebte einen Nordschein der Seele; was da vorging, verdunkelte alles am Tage Geschöpfte. Die Sonne verfinsterte sich mir. In meinen Nächten dämmerte das Vertrauen zu einer letzten, zu einer mittleren Sonne. Nordlicht kann uns den Weg zu ihr weisen: es nähert uns dem Urlicht. Von dem stammen wir Menschen, die alle sichtbaren Sonnen beschlossen, erwogen, zu ihrer Tat gemacht haben, ab. Ich scheute mich, in meiner Plötzlichkeit, keinen Augenblick, meinen naiven Atheismus nunmehr einem himmlischen Glauben an Hierarchien und überirdische Geistigkeit anzuvertrauen. Der Sprung ins Religiöse war aber dennoch ein Entschluß! Ganz kindlich wollte ich alle Bekannten umarmen, ihre Seelen als Wege zum Norden aller Völker ansehen. Also wiederum in Menschen: als Erwühler des Urlichts gleichwertig! Oft hatte ich geheim, vor mir selbst verschlossen, gebetet, nun gestand ich mir Beten zu. Durch das Nordlicht bekam mir unser Geschlecht seine Freiheit. Jeder Mensch, sagte ich mir, benützt sie zur Wahl einer Vision: jeder einzelne kann auch bestimmen, wo und wann er geboren werden will. Wir sind nicht bloß Untertanen einer sichtbaren Sonne!

Folgendes aber bleibt die Aufgabe des Menschen: die Zukunft der Erde durchs Nordlicht zu erfüllen! Wir verkünden: die Erde wird wieder leuchtend werden, aber die Völker sind verantwortlich, daß dieser Stern, der ein dunkler ist, einst der allerhellste sei. Nicht ein Durchgangsplanet, sondern das Feld unsrer heiligsten Aufgabe ist von nun an unser strahlender Zukunftsstern. An den Polen versuchts die Erde schon, wieder hold aufzuleuchten. In strengen Seelen glüht der Beruf, im Menschen das Urlicht zu ergründen. Denn der Mensch birgt die Erleuchtung: in uns wird Zeugnis fürs erste Licht abgelegt werden; im Kosmos geschiehts durch den Nordschein. Noch bevor auf dem Planeten unsre Aufgabe erfüllt ist, steht es geistig fest, daß alle Sterne von der Erde bewegt werden, sich um sie, als ihren geistigen Mittelpunkt, schmiegen. Denn aus dem Menschen wird die Ursonne hervorstrahlen. Daher faßte ich schon damals das Leben als keine persönliche Angelegenheit auf, sondern jedem Dasein mußte, davon war ich überzeugt, eine überpersönliche Aufgabe mitgegeben sein. Wir sollten hier nicht bloß lernen, sondern es bleibt unsre Pflicht, die Erde zu sich, das heißt zu ihrem eigentlichen Licht zu bringen. Sie wird brennen, ihren feurigen Kern zur leuchtenden Schale hervordämmern lassen. Die Erde, eine dunkle Frucht, keimt bereits empor in eine Welt des erblühenden Lichtes. Religionen erglimmen, um Völker im innern Feuer umzugebären. Wir sind dafür verantwortlich, daß überall, aus allem Tun und Geschehen, das Licht der Hilfe ersprieße. Keine Verkettung im Dasein: Ursprünglichkeit! Das ist die Auferstehung des Fleisches!

Oft kam mirs vor, durch das metaphysische Erfaßthaben der Idee »Nordlicht« müßte es gelingen, hermetische Türen zu sprengen, damit Urlicht sich in die Schöpfung verströmen könne. Einmal, beim Schauen des Reigens hehrer Sternenbilder, glaubte ich auch, mir den Zusammenklang aller Bekenntnisse deuten zu dürfen.

Indien nannte ich das Gewissen der Tropen; alle Pflanzen, Tiere, Menschen sind dort zutiefst aufgewühlter Tribut der Erde: Opfer an die Sonne. Durch diese Wesen ist aber auch der Boden locker geworden, so daß Urlicht, polar nach Norden und Süden, aus dem Menschen herausstrebend, uns, durch seelisch aufgebrachte Freiwilligkeit, ins Sonnige hineinzugedeihen befähigt. Die sichtbare Aufforderung dazu, die planetarischen Beispiele bieten, wie gleich einzusehen ist, Süd- und Nordlicht. Soviel über der Tropen Lebenskraft. Des Inders Seele aber will die Erde durch die Beruhigung in seiner Seele, im Urlicht, im Ewig-Ungebornen verankern. Wo die Natur am üppigsten, wie im Sturme, aus dem Boden emporsteigt, findet der Mensch den Frieden: und bringt ihn auch. Seiner lebendigst entzündeten Kulturphantastik tritt die Stille des Einzelnen entgegen: sonst bräche die Welt zusammen. Sonnenergebenheit, Sonnenopfer, Leben nach Sonnengeheiß, alles Sonnentum im Irdischen zeitigt Schicksal. Unausweichliches: die Kulissen des Karma lassen uns erschaudern. Doch, wir sagten es schon, des Tropenwaldes Sonnensturm, des südlichen Tieres Sonnentoben, des religiös entzündeten Menschen Sonnenerhobensein wird im allgemeinen Weltgeschehen durch das Brunnensuchen in der Seele bei den Edlen unter den Hindus besänftigt. In Freiheit schwebt ihre Seele: ein Leichtsein hebt den Schwerpunkt der Welt auf. Dadurch bleibt der Mensch mit seiner Schöpfung, der Erde, in den uns beschiednen Maßen und Bahnen des Kosmos. Des Inders Geist ist der Tod der Tropen.

Auf von Indien, in magischer Verzücktheit, bricht der Genius der Geschichte! Jedes Land hat seine Sendung: jedes Volk erklimmt das ihm zugedachte Land, um des Bodens Aufgaben zu überdauern. Irgendeinmal entsteht in Indien der Entschluß, sich selbst mit der eignen überirdischen Belastung zu verpflanzen, von einem Gedankengang verschleppen zu lassen. Über Irans sternwärts gerichtete Höhen gehts nordwärts: in der Spirale, künftigen weiterklimmenden Völkern zu. Jesus Christus erschließt uns die neue Aufgabe: das, was in uns gekommen ist, unsre vorgeburtliche Unvollkommenheit, als Kreuz, in diesem Leben auf uns zu nehmen: die eignen Leiden in heiligen Gemeinschaften auszudulden. Er wirbt um die Höhe aller Bekenntnisse und bringt sie uns, wo er Pfingsten vorbereitet. Das Fest im Geist! Des Urlichts Ausbruch aus der Natur kann uns, auf der nordwärts gerichteten Heimreise, zum Ruhepol in uns, immer zu einem überraschenden Feiertag werden. Pfingsten erfüllt und erwartet den Nordwärts-Schreitenden. Den Nordwärts-Denkenden. Den, der den Norden erleidet.

Solches schaute ich von nun an immer wieder. Ich hielt aber im Grunde nichts von dem Gesicht, weil nichts von mir. Ein paar Gedichte schrieb ich wohl in größter Traurigkeit, zerriß sie jedoch oder zeigte sie keinem. Ich hoffte vielleicht dereinst Maler werden zu können. Doch einmal erzählte ich einem Altersgenossen etwas vom Nordlicht, und der ermunterte mich, die Geschichte zu verdichten: lange zweifelte und zauderte ich. Endlich, in Neapel, drängten sich solche Visionen bildhaft klar, blumenmäßig und feurig vor: ich schrieb. Plötzlich erfaßte ich den Plan zum Werk. Autobiographisch sollte der erste Teil sein: ein Sonnenpilgertum, das Eigne, in ihm gefaßt werden. Erlebtes in Verdichtungen wollte ich um mein Eigen-Ich stellen! Allerdings mußte schon der erste Teil entschieden gleichnishaft zum zweiten hinüberleiten! In diesem tritt nun das im ersten Teil kräftig gehämmerte Ich so auf, daß es innerste Geheimnisse offenbaren kann. Apokalyptisches Weltwittern um dieses Ich, soweit es überindividuell zu schauen bereits berechtigt ist, setzt ein. Dieses nun aufleuchtende Ich, ich nenne es für mich »lyrisches Ich«, überragt natürlicherweise ganz die eigne Person, wie sie sich in die irdische Sonnenwelt des ersten Teiles eingeschleiert hat: es steht auf einer andern Warte und beherrscht simultan Gestaltungen von Ideen und auch ihm dienende, es vertretende Menschen: darunter auch mich. In diesem Ich sind also ebenfalls meine Person und mein Weib enthalten. Durch Geburt und Tod bleiben wir jedoch auf urwunderreichen eignen Beschluß hin geschieden. Erst rein geistig wollen wir uns finden; über uns als Menschen hinaus im pfingstlichen Ich.

Mit einem Weltzusammensturz fängt der zweite Teil des Epos an; mit der Zusammenfassung aller Gebotenheiten im Menschen, in der Nordscheinblüte unsrer Erde, schließt er ab. Immer unpersönlicher tritt das Ich im fortschreitenden Gedicht auf. Wohl gestaltete es auch Menschen aus sich hinauf, die noch ganz sonnentrunken, im Irdischen festgehalten werden; aber ich nenne es dann, weil von den Vorgängen, die sich so abspielen, unendlich entfernt: Adam. Weil ganz allgemein menschlich, wird es schließlich als grundsätzlich für unser Geschlecht geschaut. Verweilen wir noch an den Toren des zweiten Teiles: einsam schwebt das Ich über den Abgründen des Weltsturzes. An Millionen Jahre Geduld des »Logos« bleibt es einzig gebunden. Unendlichkeiten vor ihm, wie hinter ihm, sind seine Schwingen. Das Ich war schon immer zugegen, wenn ein Weltabschnitt zertrümmerte. Völker, die sich wie einzelne Seelen, durch Daseinsbeschluß, in Menschengestalt geborgen hatten, sieht es, das Ich (als ewig daran beteiligt), wieder von den Wogen der Urflut verschlungen werden. Alle Völker läßt es symbolhaft (Symbol ist immer äußerster Radikalismus) umkommen. Den Schrei des letzten Volkes vernimmt es:

Und die Menschheit hör ich schreien: »Ra«.
Als ein Echo ohne Ende
Hat der Schrei nun fortgegellt;
Wenn die ganze Welt verschwände,
Dieser Schrei blieb als die Welt!

Der Logos kündet dem Ich seine Ewigkeit, durch seinen eigensten Schrei, den Urruf, an. Den habe ich gesucht und gefunden. Als ich die Meeresbrandung nach ihm umgrübelte, flog ein großer Vogel erschreckt mit dem Schrei »Ra« auf. Ich sah das Tier sofort als Umkörperung seines Angstschreis: mir träumte von Vögeln, die Träger unsterblich bleibender Sprachen in dieser Welt, das heißt: in unserm sonnsüchtigen Wesen, sind. Mit solchen Vögeln bevölkerte ich den Dunkelschlund nach dem Weltsturz. Dann peitschte das Rasen des Urorkans selbst Inselungen aus sich empor. Sein Sich-ausrasen wird zu Pferden. Ganze Herden bemähnter Flieher erklimmen als Fortsetzung der Brandungswut, brünstig und fast schon gestaltet, eine junge Felsenlehne. Einem neuen Dasein werden seine apokalyptischen Gewalten sofort wieder in den Schoß gesenkt. Die Erde, die sich umgebiert, verjüngt, aus sich selber wieder herauswälzt, bringt im platonischen Jahr des Stieres (als Sternbild) Lemuren hervor, die nach langem Dahindämmern, endlich geschlechtsreif und dadurch mit der Sprache begabt, wiedererwachen. Die Sprachen-Aare verschwinden aber dabei aus unserm Gesichtskreis. Im Zeichen des »Stieres« war die Welt dereinst zusammengestürzt: noch einmal, viel später, erwachte brüllend der Apis Ägyptens. Aus Propheten ringt sich der Logos hervor. Diese dreimalige Stufung von Schrei, Sprache, Verheißung, die sich jedesmal unterm Sternbild des Stieres ereignete, war rein intuitiv erfaßt worden: ich erkenne erst heute, nachdem ich esoterische Werke oft in die Hand bekommen habe, die Rhythmik in der Schichtung der Vorgänge.

Das Ich, das den Trichter des Weltbruchs mit erduldet hat, entschließt sich triebhaft zum Pyramidenbau: seinem (des Welttrichters) Entgegen! Es wohnt ihm aber auch das Wissen über die Hyksos inne: wo Verwesung droht, ahnt sie das kulturverwaltende Ich herbei. Der Boden klafft auseinander: Überflutung durch ein Volk zu Pferde bricht in die kaum gefestigten Fugen und Kreise der wiedererstandenen Welt!

Auch der Urruf: »Ra« lebt in den Gemütern des ra-tragenden Volkes der Ägypter ausbruchhaft auf: ein König wird geboren, Amenophis der Vierte, der den Untergang des Apis, also des Stieralters, wittert. Es muß dem des Widders weichen: das ist der Augenblick, um das Ertönen des Logos im einzigen Sonnengott Ra zu erahnen: durchzusetzen! Amenophis der Vierte versuchts. Er schreckt nicht zurück, sogar Theben, die Apisstadt, in Feuer und Rauch aufgehen zu lassen. Sein Vorhaben gelingt ihm jedoch nicht: der Anhang verrät ihn. Wohl aber vollbringt er die Tat im Geist! Verzweifelt läßt sich der König bei lebendigem Leib einbalsamieren. In seinen schmerzzerbißnen Eingeweiden wird der männlichste Gott, der Eifrige, von dem sogar die Silbe Ra abfällt, geboren. Der Gott, der nun ist, darf nicht mehr genannt werden! Das hohe Ich, dem alljährlich Osiris entstrahlt, verläßt das Niltal: die späteren Mysterien der Isis verlaufen traurig: in Wehmut um den ausgewanderten Gott! Auch das war Intuition bei mir. Der Tod Amenophis des Vierten in dieser Form ist reine Erfindung. Zu Diensten einer Plastik, die einen wahren Vorgang im Innern des Menschen als verwirklicht ausdrücken soll: die Kunst muß ergänzen, was in Wirklichkeit sich nicht voll ereignet hat. Ich wußte längst, daß sich der Sonnenmonotheismus einmal gewaltsam in der Geschichte hat behaupten müssen, um aber allerdings sofort ins Geistige umzuschlagen! Ich suchte niemals eine Fährte dazu, fand sie aber sofort, als ich das Ereignis im Epos zu gestalten hatte. Auch ich war ursprünglich, mit einem Satz, von der Anbetung der Sonne zu unserm Einzigen Gott gelangt!

Das Nordlicht habe ich streckenweis in Wien, hauptsächlich jedoch in Paris, gedichtet. Eigentlich fand ich nie das rechte Buch, das mir die nötigen Aufschlüsse hätte geben können. Auch erzählt wurde mir wenig über das, was ich zu fügen und zu gestalten hatte. Ich konnte mich jedoch auf das Auge verlassen. Im Louvre fand ich die nötigen Bildwerke für meine Arbeit. Sogar die Namen indischer Götter und Wesen las ich von Glasmalereien im Museum der französischen Kriegsmarine ab.

Der erste Teil des Epos heißt: »Das Mittelmeer«. Die Welt unsrer beherrschten Kultur, in der das Ich sich finden, erraffen kann. »Sahara« nannte ich den zweiten Teil. Es bedeutet der Wüste Einsamkeit, aus der das Ich sich rein verstrahlen darf; wo es eigentlich schöpferisch wird und sein Dasein umzugebären beginnt! Das nunmehr spendende Ich konnte sich mir zuerst nur zwischen stürzenden, versinkenden Formen erhellen. Die Sahara-Erfahrungen gaben, wie bereits gesagt, einem Volk die Sehnsucht ein, dem Einsturztrichter entgegen, eine wirkliche Pyramide aufzubauen: das Ich, von dem ich mich nunmehr abhängig fühlte, war hingegen ganz von der Sehnsucht erfaßt, die Pyramide im Geiste aufzubauen. Höher als den Turm zu Babel: den in der Seele geschauten Ararat der Völker. Folgende Aufrufung des Nordscheins, über dem ewigen Eis, gibt am besten den Grundgedanken zu dieser Bergauftürmung in der Seele wieder:

»Du furchtbar großes Blutgespenst! Erwidre ich im Geiste:
Die Erde wurde mir im Traum zum Araratkristalle;
Als Pyramide sah ich schon den Ball, den ich bereiste!
Zur Spitze ward der Pol: zum Zweck, zu dem ich walle.«

Der erloschne Vulkan trägt noch eine Krönung kalten Lichts: den Nordschein! » Die Erde ist trächtig!« heißt es zu Anfang des Epos. Angedeutet wird, daß sie schon in Wehen liegt. Keinen neuen Mond wird sie nunmehr gebären: Erdbeben, Vulkanausbrüche zeigen aber die Geburt eines neuen, des künftigen Festlandes an, und zwar diesmal im Stillen Ozean. Aber auch die tiefste Mondidee, die Verheißung unsrer Erdmitte, kann von Indern in den Brunnen der Seele geschaut werden: sie führt zum Geist.

Früher waren Erde und Mond vereint: der uns Erdenkindern noch sichtbare Mond ist aber der Spiegel der Erde. Durch Prophezeiung Wissender erhält sie Botschaft über ihre eigne Seele, aber nur im Mondspiegel erkennt sie ihre kosmische Wesensart. Das silberne Gestirn gibt kund, was das Sichverstrahlen der Erde in andern Welten verheißen kann. Ein Mondgeheimnis ist es auch, warum wir sterben müssen. Eine Mondleiche begleitet die Erde auf ihren alten Bahnen durch den Raum. Und die Mondidee will immer wieder unter uns sein: Erde und Mond werden sich noch lange, lange nicht vergessen, es ist aber auch unsre unweigerliche Bestimmung, daß wir Menschen, in unsrer Seele, die Trennung von Mond und Erde, die sich noch vollziehen muß, erleiden, mit durchführen werden. Daher wandelt sich auch der Mond. Er kommt nur wieder, um von uns Abschied zu nehmen. Er vergeht, um sein Wiedererscheinen zu verheißen: ein versteinertes Wahrzeichen des lebendigen Atems der höchsten Gottheit. Als Verkünderin des Todes versinnbildlicht die Mondidee ewige Trennung des dereinst in Liebe Verbundenen. Als Erbringerin von Geburten verspricht sie uns Auferstehung und dereinstige Einzigkeit des Alls. Im Buddha wird der Mond zum Mund. Zu diesen Geheimnissen pilgert das Ich. Es verkörpert sich in Menschen oder in Geistigkeiten, die Völker leiten. In tiefen, selbsterwühlten Grotten unterm Ararat erschließt sich ihm eine Arierwelt. Wer beim Weltsturz wissend und schauend zugegen war, bestimmt, daß auch sein Werk, und wärs der Völker Bau, auf eignen freien Beschluß hin, wieder zertrümmert werden kann: ja muß. Das Ich füllt daher den »Neuen Berg«, versehen mit Glut und Sprudeln, damit der Vulkan im Schicksal zum Bersten gebracht werden kann. Kulturen werden aufgereckt, zum sichtbaren Beweis, daß Völker ihre Sendung erfüllen; worauf es aber ankommt, ist: das » freigeborne Wort« im Urlicht. Pfingsten soll es werden: ungenanntes, irdisches Glühen, leuchtendes Gewittern, aus Füllhörnern der Seele dereinst über dem Gletscher hervorstrahlend, sogar Sonne und Sterne befruchtend! Aus sämtlichen Rassen ein Ausbruch. Für die Menschheit ihr Ausspruch. Verschiedne Wege zum gleichen Ziel sind aber den Völkern bestimmt: Drachen, aus Feuern in der Erde, vertreiben sie! Verfolgen wir die Grundlinien des Dreiecks Vorderindien: der eine Weg nach Norden weist vorerst nach China, der andere über Iran nach Europa. Am Pol werden wir angelangt sein, wenn ein Beschluß im Geist die Verschiedenheiten der Rassen überwunden haben wird. Es steht im Epos:

Die letzte Heimat kann sich plötzlich mir entschleiern.
Sibiriens Gletscher sind mit Gnadenglast besprengt:
Es singen Kinder, Greise spielen noch auf Leiern.

Der tote Mond ist durch das ewge Licht verhängt.
Der Norden strahlt sein Blut in Welt- und Seelenfernen.
Im Menschen hat die Freiheit sich der Brunst entengt.

Du ahnst den Ineinandersturz von Rassenkernen.
Die goldnen und die weißen Völker sind versöhnt
Und spenden ihres Wesens Heimlichkeit den Sternen:

Durch Jugendsterne wird das graue Land verschönt!

Das Christentum ist die höchste Erfüllung der Erde. Es hat vieles verborgen gelassen, auch um von andern Offenbarungen unterstützt zu werden: um nicht durch Gewalt, sondern durch gewollten Zusammenschluß, die Einigung der Erde zu vollbringen. Dereinst! Das liegt im Wesen der Liebe. Christi Tod auf dem Golgatha ist mehr als seine Lehre. Wenn auf dem geheimnisvollen Baum des Geschehens Sterne uns, als seine Blüten, sichtbar werden, wenn jede dunkle Welt mit einer Frucht zu vergleichen ist, so bedeuten Wesen wie der Mensch Sturz (der Frucht) und zugleich den Abfall von Geschöpfen ins Chaos.

Jesu Menschwerdung offenbart, daß das neue Erkeimen auf der Erde zu höchstem Leben führen wird: wir sind nicht verloren, keinesfalls dem Nichts preisgegeben. Dadurch, daß dieser dunkle Stern ausersehen ward, keine verfaulende Frucht zu werden, sondern, daß der Schöpfer ihn wieder entflammt hat, er ihm Seinen Sohn sandte, zieht er, der Stern, hohe Geister an, die sich unter uns einmenschen. Wo Gott selbst starb, nehmen auch sie Schicksal und Tod auf sich. Indien hingegen treibt die großen Seelen an, unsre Erde zu verlassen. Um diese Richtung entschiedner durchzusetzen: die Drohung mit Wiedergeburt! Sie ist also eine notwendige Äußerung des indischen Geistes, somit eine seiner Wahrheiten: braucht aber nicht wirklich zu sein. Unsre Verantwortung aber gebietet: innigstes Erglühen, über unsre irdisch verkörperten Pole hinaus, andern Welten bescheren!

Mit der Fracht seines Schicksals, dem Geheimnis unsrer Abstammungen (also Karma), wirkungsbelastet, begibt sich das Ich, in der Dichtung, auf den Weg seiner irdischen Aufgaben, nordwestlich gerichtet, über den Ararat. An Indien schließt sich des Berges steilste und eigenste Lehne »Iran« an. Aus dem »Tal« der »Zwillinge« (gemeint ist die Herrschaft des Sternbildes), wo es zwischen Gut und Böse zu entscheiden hat, steigt das geläuterte lyrische Ich rasch zu einer Höhe der Seele empor, wo es imstande ist, das Wort aus andrer Völker Mund zu vernehmen. Die Stierzeit, mit ihrer schweren Arbeit der Bodenbestellungen, zieht auch für Iran herauf. In Grotten wird von Wissenden bereits das »Lamm« verkündet. In Kriegen verstärkt, im Kriege der Vernichtung nah, errichtet das Ich im Ararat, in der Hülle eines Parsenfürsten, seine Burg, in der sich von den Ariern Herkommende mit Sahara-Entwanderten zusammenschließen. Wandrung soll durch Entschluß in Wandlung umgewälzt werden. In diesem Kampf steht das, unter Indiens Sonne geschaute, innerste Menschenfeuer den Parsen bei: es erscheint ihnen als indischer Dionysos. Raschest steigt nun der männliche Geist seinem Im-Flug-Erhobensein zu. Schließlich entschwebt er der Erde. Schlacken seines sich läuternden Geistes erstarren dabei zu sichtbarwerdenden Araratzacken. Ein schreckliches Trümmerfeld läßt das eingegeistete Ich zurück. Aber das Weib kam nicht mit, versinkt in Verrat: verbleibt dem Harem. Das ist seine Schuld, das ist die Schuld des Mannes! Das unter dem Sternbild der Zwillinge hold verschlungengewesne Paar hat sich unterm Stier, zugunsten der Überlegenheit des männlichen Geistes, gespalten, getrennt, entfremdet. Unterm darauffolgenden Widder wurde die Versöhnung wieder angebahnt, aber erst unter den Fischen gelingt einmal der Zusammenschluß. Von Armeniens steilen Gipfeln steigt der reine Geist aus dem Mann, in der Gestalt von Perseus, in sein Götterbild zwischen den Sternen. Die Sternbilder des Perseus, des Pegasus, der Andromeda, des Zepheus und der Kassiopeia werden aufgerufen und treten deutlich hervor. Leichenfelder zertrümmerter Geistigkeiten, schreckliche Abgründe des Karma bleiben als Ararat zurück. Die Trennung von Geist und Leib, die Verschiedenheit von Mann und Weib drohen der Erde mit Untergang, beunruhigen den Kosmos: sie fordern einen Überbrücker, den Erlöser aus Verstrickung seelischer Einnetzung, für den es im Ich weder Mann noch Weib geben kann! Den Enthüller ursprünglichster Unzertrennbarkeit. Nur in Gestaltung, rein intuitiv dargebracht, stehen diese Dinge im Epos. Erst heute werden mir auch hier alle Beziehungen vollkommen klar.

Perseus fühlt sich in seiner Sternenkälte plötzlich von Wehmut zur Erde erfaßt; Reue kommt über ihn, das Weib im Verlies zurückgelassen zu haben. Das Feuer, das Liebe ist, hat ihn von der Erde her erreicht: in Bethlehem wurde des Menschen Sohn geboren. Unter den Sternen, auf der Erde, vor dem Meer der Mitte, ward Maria, ward ihr Land auserwählt, den Heilbringer zu tragen. Dem Mittelmeer entgegen, brannte die Glut aus Indien. Widerstand gegen den Sturm des Feuers hat einen Wunderweg ins Weiter erzaubert. Einer Jungfrau Leib mußte sich erschließen: um das Wort, das über alle Meere weht, Neues kündend, wieder zur Welt zu bringen. Wie über die salzigen Tiefen die Taube zu Noah, so taucht aus der See der Seelen abermals die Taube auf und kommt zur Mutter, um den Menschen Frieden zu bringen. Perseus kann nicht stolzest erhoben bleiben: er senkt sich erdwärts. Er sieht die Erde leuchten, um Christi Geburt umhüllt sie tausendjährige Weltnacht! Er folgt dem Licht. Ersehnt seine Nähe. Es wirft ihm Strahlenbündel, wie Fühler, entgegen; und schon längst schwebt er im Erdenbann. Plötzlich erkennt er: das Licht ist vom Leuchtturm zu Alexandria: die Fühler, ihm zu, sind des Feuers Spiegelungen im Mittelmeer. Er entschließt sich zur Menschwerdung:

Du Pulslicht, du, du Pharus, laß dir Botschaft bringen:
Ich nahe dir, als Flügelhauch des heiligen Geistes,
Nun laß uns beide um die Gotterkenntnis ringen.

Ich falle schon! Und du, mein Gott, verzeihst es!
Ich will das Weib für dich, du Sterngebieter, retten,
Vielleicht, mein Heiland, leiste ich mein Bestes, Meistes!

Die Leuchtturmfühler fangen an, sich sanft zu glätten.
Es scheint die See gar hohe Wogen aufzugischten.
Ich höre ein Geräusch von fernen Menschenstädten:

Es ist, als ob sich Rufe in die Sänge mischten
Und meines Pferdes Flügelsymphonien lähmten.
Mir wirds, als ob sie Dunkellurche schrill durchzischten.

Nun werde ich empfunden und von unverschämten
Erdkeuchern abermals in einen Leib getrieben:
Es ist, als ob Geschreie meinen Sinn verbrämten!

Schon wieder fühle ich, sich viel um mich verschieben.
Mir scheints, daß ich Geburtsrufe ringsum vernehme.
Jetzt seh ich Schemen, die vermummt zerstieben,

Und steh darauf bewußt und fest im Stoffsysteme!

In Alexandria ist das gegen die See herauswuchtende Feuer in Weiber gefahren, die ein dionysisches Christentum offenbaren wollen. Große Weihnachtsfeier wird begangen: eine Sonne im Menschen ist im Zeichen des Steinbocks geboren. Perseus erkennt die wahre Richtung durch die Lehre Christi, spricht sie aus, versucht die Weiber zu besänftigen und wird getauft. Die Chaotik ist unterdessen selbst zur Ruhe gekommen. Als Christ heißt er Georg. Als Heiliger erhebt er sich abermals den Sternen zu. Die aber versinken allmählich: Sankt Georg selbst ist Schicksalsbeherrscher, bloß der Seele Sonnenbringer. An den Säulen des Herkules sieht er Angelika, sein Weib, an Felsen angeschmiedet. Dort bringt er den Wasserwurm um, der es bewacht. Der Süden ist überwunden. Afrika wird erstarren. Den Wurm hat er bei Tagesgrauen erkannt: er war das Mittelmeer, das sich dem Wege der Menschheit nach seiner Lichterfüllung, von allem Urbeginn an, entgegengewälzt hat. Das Licht des jungen Tages bricht nun aber durch die Schleier des Mittelmeers. Zartestes Morgengewölk schwebt auseinander. Im Süden beben die Hüllen des Haremweibs: auch diese Schleier werden sich einst lüften. Im Norden schaut er verschleierte Klosterfrauen: wann werden ihre Hüllen zerschweben? Feurig war Perseus aus dem Vulkan Armeniens emporgeflogen. Sein starr kreisender Flug hat in Alexandria geendet. Freischwebend wiegt er sich in den Lüften des Westens, hoch über den Gewässern des Südens, denn er beschwebt alle Großküsten des Mittelmeers, doch seine Berufung führt ihn nach Norden: die Erde soll wieder leuchten, Tod und ewiges Eis müssen, im Boden erflammend, über die Erde hinaufweisen. Sankt Georg verheißt aus seiner Ewigkeit die Freiheit des Weibes. Angelikas Fesseln fallen. In Afrika bleibt das Weib gebunden, aber jenseits des »Wurms« entsteht ein neues Reich: das christliche Weib erscheint.

Die nächste Stufe im Epos heißt Roland. Der Held auf Erden vertritt das Werk des Heiligen im Geiste. Roland kämpft gegen Afrika und Asien, für die junge Welt, für den Gott, der aus Ägypten mit seinem Volke ausgezogen. Für den, der in seinem Sohn Wanderung in Wandlung umgestaltet hat. Ein neuer Tag bricht an auf Erden. Roland beginnt mit folgenden Versen:

»Der letzte Himmelsstern beginnt sich zu ereifern.«

Unser Wesen im Westen verschmäht den Sternenglauben. Die Völker ums westliche Mittelmeer waren im Grunde keine Astrologen mehr. Schon Moses stellte den zehn Häusern im Tierkreis (damals gab es in Ägypten zehn, nicht zwölf) und ebenso den zehn Planeten (zehn Planeten sind auch eine esoterische Glaubenslehre) seine zehn Gebote (Verbote) entgegen; Sternenkult ist ganz eigentlich ein Beharren auf den Trieben, ja deren vollkommene Anerkennung, also Naturalismus. Der Geist, der Blitz zur Freiheit in uns, lehnt sich dagegen auf. Und auch die Erde: sie will durch den Menschen den Sternen gleichberechtigt sein! Im Nordlicht hat sie sich bereits von der Sonne für ihre tiefste Nacht unabhängig gemacht. Freie Geschöpfe muß sie tragen, nicht bloß von Gestirnen abhängige! Eine Art von religiösem Naturalismus ist im Epos auch tatsächlich, solange es bloß sonnwärts geht, gestaltet. Erst in der Rhapsodie, wo es einmal heißt: »Ein hartes Nein ist stärker als Gestirne,« tritt Ethos auf. Geistig wären somit die alten Perser unsre wahrhaftigsten Vorfahren. Aber auch sie gingen noch an den Sternen zugrunde. Sie brachten die Seele der Zwillinge in das Zeitalter des Stiers und dann sogar noch des Widders mit. In diesen kosmischen Kämpfen hielt der Mensch, als Charakter, zum erstenmal würdig stand. Aber erst die vollkommene Abweisung jedes Gefühls von Abhängigkeit von Gestirnen, mit der unbedingten Hoffnung, aus sich selbst die Freiheit gebären zu können, hat das moderne Ethos zu seinem Höhenflug beschwingen können. Bei Weststurm gewinnt der Mensch immer mehr Vertrauen zum künftigen Leuchten seiner Erde!

Die Wahrung unsrer Urbestimmung ereignet sich im Geist. Der verwundete, rasende Roland erkennt sich : durch andre Einschleierung seines Ichs in Menschengestalt, als Parsifal. Das ist das Geheimnis der Pyrenäen. Zuerst Perseus, dann Sankt Georg, dann Roland, schließlich Parsifal. Somit ein Feuerflug von Armenien bis Alexandria, darauf freies Schweben bis in die Täler der Pyrenäen. Von Avatar zu Avatar: ein Ich begraben in seinem Ararat und zugleich Aar über seinen Gipfeln. Roland kommt vom Norden: er liebt nicht seinen Schatten in Spanien: den kurzen Zwerg, der ihm nachsteigt: Roland lebt einem Walhalla nahe: daher kann er seinen Nachschleier, also wiederum den Schatten, nicht ohne Pein neben sich spüren. Wann verblutet sein Leid? Im Augenblick seines Sterbens ist er entsetzt zu sehn, daß selbst der Held, als Wirklichkeit auf Erden, bloß Schattengebilde zurückläßt. Um Spaniens Könige werden lange Zwerge sein, Gnome spuken.

Die Reihenfolge von Perseus bis zu Parsifal ist ebenfalls ganz intuitiv geschaut: mehr als um ein Hintereinander handelt es sich jedoch um ein Zugleich. Unser Ich im Ararat bleibt noch immer von solchen Sternbildern und Vergottlichungen aus der Idee beleuchtet. Irdische Vertreter dieser Geistigkeiten sind geboren und wieder heimgegangen, aber nicht die Erinnerungen an sie wirken vor allem in den Menschen weiter, sondern noch immer ihr ewiges Bestehen, das der Menschheit Richtungen bestimmt. Nochmals sprach ich da von Sternenbildern: der Glaube an die Sterne sollte untergehn! Nur wenn ein Wissen von Gott und über Unsterblichkeit unumstößlich wieder dereinst aus den Sternen gelesen werden könnte, wird die Menschheit abermals auch zu den Sternen religiöses Vertrauen haben. Eines aber steht fest: der Glaube an Sterne war der Ursprung aller Kultur: bloß der Kampf gegen den Sternenglauben, vielleicht wie bei den Persern innerhalb ihres Kultus, hat uns für Ethos reif gemacht, zu innerster Freiheit beflügelt. Gründe der Symmetrien waren aber, wenigstens dem Anscheine nach, für mich der innre Beweggrund des Geistes, Statthalter in der Menschheit, in der Art, wie es geschehen, in die Komposition des Epos hineinzugestalten. Als mein Roland fertig war, entstand in mir der Verdacht, daß ich eine Dichtung, die verschiedene Inkarnationen eines Ichs umspannt, rein aus plastischem Gefühl herausgefügt hatte. Mein Verstand sträubte sich dagegen, an Reinkarnation zu glauben. Bald beruhigte ich mich jedoch: das, was bisher stand, konnte nur schwer mißdeutet werden: Simultaneität, nicht einmal von Vermenschlichungen, sondern Eingeisterungen aus einem innersten und absoluten Ich, das ich beinahe schon »Adam« nennen konnte, waren bisher gestaltet und gegeben. Nun hieß es aber in dieser höchsten Frage, sich auf den eignen Instinkt verlassen und auch da eine Entscheidung treffen. »Drei Ereignisse«, die längst im Plan des Werkes standen, wurden in dieser Krisis zusammengeballt. Der romantische Roland, dessen heldische Seele vom Übel der Welt so wenig befleckt ward, mußte noch einen irdischen Nachkommen durch das Elend der Erde durchschleppen, bevor das absolute Ich, in den Tiefen seines Ararats, das alle diese Erscheinungen über sich hat emporschatten lassen, die letzte Einsicht erringen könnte, um über alle Erfahrungen hinweg sich »unbedingt« auszusprechen. Erst nach den »Drei Ereignissen«, nach dem Zusammenbruch des Ararats, sollte das Nordlicht sich ganz klar aus einem Ich verstrahlen.

Der letzte Vers von Roland heißt: » Mir ists, als ob etwas den Fuß mir versehrte!« Das schaut Roland bereits im Tartarus: und zwar handelt sichs um seinen Schatten, den er im Leben so sehr scheute, der in einer andern Ebne, im Jenseits, tatsächlich kompakt geworden ist . . . und ihm da den Fuß verletzen kann. Ein hinkender Scholar aus Deutschland ist der Ertrager der »Drei Ereignisse«. Er schleppt sich selbst Roland nach, und auch er fürchtet sich vor seinem Schatten. Der ist aber nun ein langer: der nordische! Nach des Scholaren Tod wird auch dieser gallerthaft und schließlich ganz fest: im Gegensatz zum spanischen Zwerg erweist er sich ganz als deutscher Narr. In der alexandrinischen Phantasie wurde die Einkörperung eines Geistes in Menschengestalt gedichtet: Roland und der Scholar enden im Epos nicht mit dem Tod! Ihr Sterben: der Todessturz sind mitgeschaut. Beim Scholaren zum Schluß, wenn er unvermutet auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden soll, sogar die Todesahnungen und deren jenseitige Ursachen! Der letzte Teil der »Drei Ereignisse« spielt überhaupt gleichzeitig innerlichst im absoluten Ich und diesseits unter menschlichen Bedingungen. Haarsträubend sind die »Drei Ereignisse«, ganz nichtig erscheinen sie schließlich in bezug auf die letzten Zwecke des Ich. Dieser Scholar, ein wildbrünstiger Mensch, darf nicht zum Genuß des Weibes gelangen: das ist seine metaphysische Aufgabe! Er kämpft verzweifelt für Liebe und auch für Begierde. Das Schicksal ist stärker: im Augenblick vor seiner Buhlschaft mit einer Hexe wird er von Häschern, eigentlich grundlos, erfaßt und verbrannt. »Schutz« wollte ich zuerst die »Drei Ereignisse« nennen. Und zwar Schutz gegen den Sturz aus eigenster Berufung hätte ich da gemeint! Dann wollte ich lieber das Geheimnis zwischen allen diesen Ereignissen gewahrt wissen . . . und nur ungern spreche ich hier den eigentlichen Sinn dieses letzten Teiles in den Schleiern der Maja in meinem Epos aus. Es handelt sich dabei um keine Moral. Noch weniger um ein Ethos. Gesetzmäßigkeit eines Schicksals hat zur Beschleunigung einer Entwicklung diesen Schutz einmal im » besonderen Fall« festgesetzt. Es geht nicht an, daß ein Wesen, das in irgendeiner Beziehung zum »unbefleckten Ritter ohne Furcht und Tadel« steht, sich in die große Hurerei verirre. Man braucht oft nicht sich selbst zu besudeln, wenn man gegen das Gesetz handelt, weil man eben sehr stark ist, aber man steigert Unreinheit durch den Menschen. Man hinterläßt häßliches Karma. Im Fall des Scholaren kam es darauf an, daß durch ihn das Ich die Vereinigung seiner tiefsten Männlichkeit und tiefsten Weiblichkeit wiedererlange: und das ereignet sich auch rein geistig bald darauf unterm Nordschein. Des Scholaren wilde Phantasien haben so einen notwendigen Umweg hervorgerufen. Das Ich, der Adam im Ararat, muß noch in apokalyptischen Gestalten, in denen es sich, allerdings in für uns jenseitigen Ebnen, zum Ausdruck bringt, seine Visionen, wie es das Karma verlangt, austoben lassen. Ein vollzogner Fehltritt (des Scholaren) hätte aber die Katharsis noch bedeutend hinausgeschoben!

Christen können die Erde nicht als Halbgötter verlassen: so entgeht ihr nicht Roland, sondern der Vagabund. Nur wer die Leiden, die Demut unsres dunklen Planeten erkannt hat, wer hier im Geiste getauft wurde, hat seine Sendung erfüllt. Der Scholar hascht nach Lust, die er nicht erreichen darf, gelangt aber humpelnd zur höchsten menschlichen Taterbringung eines innern Erlebens, also zur Erfüllung seiner Aufgabe auf Erden. Inmitten des Feuers auf dem Scheiterhaufen stehend, schaut er den eignen Daseinslauf von den Höhen des Ararat. Der erloschne, alte Vulkan speit: in irdischem Licht erlöschen die Menschen, zum Urlicht zurück trägt sie ihre Bestimmung. Vor-dem-Tod und Nach-dem-Tod sind sich nun sehr ähnlich. Aus dem Jenseits eines Ichs erschallt mein Schrei:

»Mein Grab ist keine Pyramide,
Mein Grab ist ein Vulkan!
Das Nordlicht strahlt aus seinem Liede,
Schon ist die Nacht mir untertan!
Verdrießlich wird mir dieser Friede,
Der Freiheit opfre ich den Wahn!
Die Künstlichkeit, durch die wir uns erhalten,
Den Ararat, wird meine Glut zerspalten!«

Und dann später im gleichen Ausbruch:

»Mein Grab ist keine Pyramide,
Mein Grab ist ein Vulkan!
Mein Hirn ist eine Funkenschmiede,
Das Werk der Umkehr sei getan!
Kein Friede klingt aus meinem Liede,
Mein Wollen ist ein Weltorkan.
Mein Atmen schaffe klare Taggestalten,
Die kaum erschaut, den Ararat zerspalten!«

Das unverletzte Ich ist vollkommen frei. Seine Verkörperungen, also die Menschen, sind aber unausweichlich an seine Selbstbestimmungen gebunden. Das Ich hat seine Wege durch Urbeschluß festgesetzt: davon hängen die verschiednen Schicksale ab. Man könnte sagen, man wird, was man im unverletzten Ich durch Eigenwahl für sich bestimmt hat. Kehren wir nochmals zur Frage der Reinkarnation zurück, die früher angedeutet, aber nicht näher erörtert wurde. An der Gleichzeitigkeit verschiedner Verkörperungen, Geistigkeiten und Eingottungen aus dem gleichen Ich, das im letzten Grunde das einzige Ich ist, halte ich intuitiv und aus künstlerischen Gründen fest. Dieses Ich würde im letzten Grunde die ganze Schöpfung ausmachen, und nennen wir es Gott, so umfaßt es die ganze Schöpfung: um diese Zentralsonne im Geist bewegen sich aber auch andre Weltenheiten wie die Ichs der Mineralien, der Pflanzen, der Tiere. Auch Völker sind Wesenheiten mit eignem Geschick. Dabei glaube ich aber auch an übervölkische Gruppen, die von einem Ich durch alle Zeiten und Länder ausgestrahlt werden. Nur um so ein Ich, gewissermaßen einen Satelliten um die Gott-Sonne im Reich des Geistes, kann es sich im Epos handeln. In einer Kunst, die sich in der Zeit abspielt wie die Dichtung, kann man nur ein Hintereinander, kein Nebeneinander geben: dieses Gesetz beim künstlerischen Fügen berechtigt mich aber nicht, aussprechen zu sollen, daß ich ein Werk mit dem Instinkt für das Dogma der Reinkarnation habe aufbauen müssen. Spekulationen in diesem Sinn gehören meinem Gefühl nach in eine andre Kategorie. Kaum in die Kunst! So bin ich also, in den »Drei Ereignissen«, mit meinem künstlerischen Gefühl an diese höchste Lebensfrage herangetreten, ohne sie für mich entscheiden zu können: irgendeine Antwort durch den Intellekt zu wagen, wäre mir unstatthaft vorgekommen. Das Geheimnis der Dinge deutet sich übrigens durch den Zauber der Dichtung noch am sinnfälligsten an! Überdies gibt es auf der Ebne des freien Ichs keine allgemeinen Regeln.

Wir nahen uns dem Ende des Epos: nunmehr gibt es nur noch symbolisch gefaßte Wesenheiten. Im ersten Teil des Nordlichts erlebt das sonnesuchende Ich einen Fasching, später schaut es die Fronleichnamsprozession. Im zweiten Teil verkörpert sich das Ich, aus herrlichen Regionen kommend, um dem Heiland bei der Weltwandlung beizustehen, in einem kosmischen Weihnachten zu Alexandria. Die »Drei Ereignisse« fallen in ihrem entscheidenden Augenblick auf Ostern, wobei eine Sonne im Geiste aus dem Ararat aufersteht. Eine Ketzerei! Nun kommt es zu Pfingsten, zur großen Auferstehung des Fleisches. Obschon im Kalender noch als wandernd festgesetzt, ist Pfingsten kein tellurisches Fest. Es kann sich überall und wann immer ereignen. Es ist das große Erlebnis im Menschen selbst: jedem Einzelnen Erschließung zum Geist. Das große Pfingstgeschenk erhebt sich über das Opfer, das einem Gott dargebracht wird. Es ist ein Bekenntnis zur Freiheit. Die Ursprünglichkeit in uns wird das Erste und Letzte. Unabhängig von der Sonne macht sich allmählich die Erde, denn die Sonne der Sonnen trägt auch sie (die Erde), geheimnisvollst verwahrt. Oft in ihren einfachsten Geschöpfen. Zuerst hat uns Pfingsten sprechen gelehrt. Feuerwurzeln hat jede Sprache, und die sind heilig. Es kommt der Augenblick, wo der Dichter sich scheut, sich ihrer zu bedienen: wo er den unheimlichen Mut haben muß, sich nach dem Ursinn der Laute zu befragen. Ein früher Tag bricht im Nordschein an. Ein großes Entflammen macht die Dinge für ihre Gesamtheit lebendig – Feiertag: Pfingsten. Kein Wesen ist den andern untertänig. Der Tod hat wirklich seinen Stachel verloren. Des Menschen Sorge und Pflege um Tiere und Pflanzen wird sichtbar, »unser Muß zu Morden wird einst Gott umflehen«. Ob die Tiere uns verzeihen? Vergeben wir den oberen Wesenheiten, die bei unserm Keuchen durch die Welt der Schmerzen eignen, freien Atem holen!

Die Sonne ist uns bloß eine Vorsonne. Ihr Licht, ein noch heller leuchtender Künder unsrer Zukunft im schleierhaften Leuchten des Nordscheins: Luzifer! Wir suchen keine Ursonne mehr in den Plejaden: wir haben sie in uns gefunden. Täglich kann sie aufgehen, zart und kaum deutlich. Wenn wir behutsam bleiben! Vorsicht! Trauen wir noch dem Morgenstern, der in unsrer Seele schon so lange leuchtet, vertrauen wir noch unserm Glauben!

Aber auch der letzte Gipfel des Ararat wird schwer erstiegen. Es gilt die Heiligung des finstersten Planeten! Die Rechtfertigung der Geschöpfe. Die Ebenbürtigkeit des Weibes. Wie einst in Alexandria, vor dem wirklichen Mittelmeer, so steht nun der Mensch vor der Nordsee seiner Seele. Die dionysischen Chöre des Nildeltas ertönen echohaft in Europa, Schiffer und Fischer hier wie dort:

Die glühenden Wünsche des Südens umbranden
Das dunkelnde Nordmeer. Frenetische Frauen
Enthüllen die Brüste in Brunstsarabanden.
Die Küste umrauschen Gelüste der Auen.

Dem Grabe zu Leyden entreckt sich Johannes!
Die Weiber von mondflutumkräuselten Ländern
Bezaubert der Tatengedanke des Mannes.
Der tote Prophet wagt es strandwärts zu schlendern.

Um durch die polare Tropik zum in Gott ruhenden Ich zu gelangen, ists fürchterlich weit. Die Verkündigung der Freiheit bestürzt uns durch ihr Übermaß. Das Feuer der Jugend ist heilig. Aber das Nordlicht bleibt eine kalte Flamme. In seinem Von-Flamme-Umgebensein wissen wir: alles durch den Menschen! Aber auch vor ihm und über den Menschen hinaus! »Zuerst ist das Gebot, die Menschen kommen später.« Dem sich selbst erfahrenden Ich steht noch die tiefste Bitternis bevor. Keine Einmenschung mehr in den Schleiern der Maja, wohl aber, aus dem Karma heraus, Einschalungen als Spuk. Furchtbar wird es nun dem Ich im Schlund des Ararat, sein selbstgefälliges Spiel im Dasein fortbestehn zu sehn! Gespenstisch lauscht es auf ein Maskenfest auf. Unaustilgbar steht es im ersten Teil des Epos da, das auf Komposition, nicht eigentlich auf Handlung und Wandlung aufgebaut ist. (Elliptisch ist mein ganzes Nordlicht gedacht. Der erste Brennpunkt, knistert es doch durchs ganze Werk, ereignet sich im Brand von Rom, der zweite viel später, im Brand von Theben, der fast zweitausend Jahre früher stattgefunden haben muß!) Auch das Maskenfest fordert sein Gegenüber. Ein Gespenst des Unfugs taucht also empor. Erzeugt die Lustseuche, dunkelt flatterhaft als solche unter dem Menschen umher. Wird halb bedingter, halb selbstgewollter apokalyptischer Schrecken. Als weiblicher Kentaur, aber mit zwei Köpfen, einem männlichen und einem weiblichen, keucht das Ungeheuer, Bringer von nötigem Unheil, durch die Welt. Sichtbarer als eine Einkörperung als Mensch, bleibt dieser Spuk mit seinem unverletzten Ich verbunden. Und es erkennt sich in dem Vers: »Gott spricht aus uns bestimmt ein Richterwort.«

Noch zwei andre apokalyptische Pferde sprengen nach: »die Gier« und »der Aufruhr«. Das Pferd ist bereits seit dem Weltsturz urgeschaffen da. Dann taucht es im Ra-Drama, kosmisch geschaut, als Bringer der Hyksos auf. Ferner gibt es im »Nordlicht« drei Totentänze, den »Testamentarischen«, den »Klassischen« und den »Äthiopischen«. Dem letzten ist im Epos sein Platz, sofort nach dem Einfall der Hyksos auf ihren Pferden, eingeräumt worden: in den Pferden der Apokalypse sind nun »Totentanz«, »Hyksos« und »Pferd« mit »Unheilbringern« ineinander verschmolzen. Dazu kommt, wie soeben bei Erläuterung der Bildung der Lustseuche erwähnt wurde, als drittes Grundelement noch der Fasching. Die »Gier« bestimmen Räuber und Herrscherinstinkte aus »Radrama« und »Iranischer Rhapsodie«. In »Aufruhr« erschallt ebenfalls ein Echo aus der Iranischen Rhapsodie: und zwar aus ihrem Anfang, wo grübelnde Bauern miteinander über Sterne und Gericht sprechen. Pest, Habsucht und Aufstand wirken so furchtbar, zerklüften derartig das Gefühl der Menschheit, daß ein jüngster Mond aus der Erde hervorbrechen kann. Er ist ein lebendigster Begleiter unsrer Heimatschollen; er soll, er muß dereinst die Sonne an Glanz übertreffen. Schon kündigt er sich pfingsthaft an. Die alte Welt, das geschichtlich gewordne Kulturgebäude des Menschen bricht zusammen: der Ararat wankt. Von seinen höchsten Spitzen stürzen die Toten aus den Särgen, Leichen kollern aus den Gräbern in untre Schichten, damit sie durch das lebendige Feuer der Erde an der Auferstehung des Fleisches teilhaben können. Das riesenhafteste » Looping the Loop« ereignet sich. Durch den Sturz Sterbender, das Sichüberstürzen Toter, das Stürzen ins Hinüber Einzelner wird der ganze Ararat ausgeräumt, gesäubert. Alle Begrabnen gelangen empor. Verjüngt stehen Völker, im Glanz des innern Feuers der Erde, nackt, aber beladen mit selbstgewollter Vergangenheit, wieder in Fleisch und Knochen da. Sämtliche Nationen haben sich gegenseitig zu unserm großen Pfingsten geladen. Jeder bringt seine Sprache mit, »das Wort« wird aber von allen verstanden werden.

Der Weg durchs Eis, zum Ich in Gott, wird jedoch wieder zur Aufgabe Einzelner: wer das Nordlicht als kosmische Erscheinung, unter uns auf Erden, bändigt und zugleich als innerste Freiheit im Geiste erkennt, bringt es den andern. Gaslicht und elektrische Beleuchtung sind Erfüllung des geographischen Nordlichts. Aus unsrer Hand können alle Erdstriche diese Geschenke arktischer, sechsmonatlanger Nächte empfangen. Sie erhellen Stockholm und Petersburg ebensogut wie Bombay oder Rio. So gehört auch das im Geist erreichte Nordlicht allen Geschöpfen der Erde. Ein Mond sollte hervorbrechen, es kommt aber die jüngste Sonne! Wir kehren nicht zum Urlicht zurück, sondern das Urlicht kommt in uns zur Welt. Sein verscharrtes Glimmen kann nur der Mensch den Sternen wiederbringen. Gestirne und Hierarchien erwarten es. Und um die Erde werden sich die Sterne drehen! Des Über-uns Spannung und Erwartung werden im Astralgesang des Epos ausgedrückt.

Die Sterne zur Linken:
Die Erde stirbt! Der Todesmond nimmt zu! Wir sind verloren!
Ein blasser Wanderkatarakt umwandelt den Planeten,
Zehntausend Seelen sind erkoren. Sie schaun aus Silbertoren
Auf Gletscherriesen, die noch ungeboren sich verspäten.
Die Sterne zur Rechten:
Der Todesmond nimmt ab! Die Erde brennt! Wir sind gerettet!
Der Todesmond verschrumpft zu einem Boote für die Toten.
Die Wanderwabe wächst. Die Zacken werden überglättet.
Das Boot versinkt. Wo sind die Toten? Lauter Mondesboten!

Das Ich im Epos »Nordlicht« schaut alle furchtbaren Möglichkeiten seiner Einkörperungen im Kampf gegen das finstere Gestirn ganz klar. Es scheut auch vor ihnen nicht zurück. Das macht einen Grundunterschied mit Dante, in seiner Göttlichen Komödie, aus. Wohl läutert sich auch dort der Dichter, von Beatrice beschützt, von Virgil belehrt, auf seinem herrlichen Weg durch Hölle, Vorhölle und Himmelreich, aber stolz in seiner Reinheit, kann er Sünden, Makel und Schmach bloß in andern Geschöpfen und Wesenheiten schauen. Er selbst ist schon, wenigstens gegen die infamsten Übel, gefeit! Hingegen kann dieses Ich, das schließlich den Ararat sprengt, selbst über dem Eise, noch kein Reich des Friedens erwarten. Das ist ihm noch lange nicht vergönnt! Ruhestätten voll Urlicht, Stunden tiefster menschlicher Sammlung, die Frieden in die Arbeitstage der Erde verstrahlen können, das ist alles was es vermag. Worte der blinden Wehmutter (sie lebt wirklich auf Sardinien) will ich hier anschließen:

Die blinde Wehmutter:
Als Greisin führe ich noch grundbewußt zum Leben.
Ich bin verwitwet, aber unverwittert, sicher!
Ich hoffe ferne Geister bald ans Licht zu heben:
Es wird der Mensch einst freier, abenteuerlicher.

Ich wurde weiß, den Sternen mag ich wohl entstammen!
Bloß alte Seelen können einverleibt ergreisen.
Das Nordlicht wird die hehrsten unter uns entflammen:
Nur um die reinsten kann die Weltwabe vereisen.

Über dem Eise, den Meeren und Gefilden der Erstarrnis flutet und verströmt sich Feuer. Über der Luft: durch die Luft. Alle vier Elemente suchen ihre Vereinigung. Der Kern des Menschen bricht durch, wandelt den Menschen, vollbringt die Umwälzung des dunklen Planeten zum leuchtenden Stern. In den Tropen war der Mensch, wie schon gesagt, der Ruhebringer, der Pilger zum Ursprung, der Wandrer aus der lebendigen Natur zum Frieden im Ich: hier das Gegenteil. Er bricht auf! Über die tote Natur spendet er seine Überfülle, bejaht er den Kosmos, entflammt er die eigne Sonne. Der gleiche Kern, Ursitz des Religiösen, hat somit im Menschen die größten Gegensätze vollzogen und verwirklicht. Zwischen dieser äußersten Tiefe und uns zukommender Höhe vollzieht sich das Leben der Völker mit ihren verschiednen Aufgaben. Ursprung und Ziel sind immer die gleichen: Entkernung! Freilich könnten wir es auch Erkernung nennen: nur die Wege sind grundverschieden, oft scheinbar furchtbar feindlich.

Es bleibt nur noch etwas über »Pan«, das Orphische Intermezzo, zu sagen. Im ersten Teil war das sonnensuchende auch ein liebersehnendes Ich. Der Weg zur Sonne brach ab, der Pfad der Liebe ging quer. Jedem Mann gehört sein Weib. Nur eines: alles andre ist Abenteuer. Vielleicht sind heute auch die meisten Ehen nichts andres! Welches Weib findet ihren Mann, welcher Mann sein Weib? Das ist der Wirrwarr, der Fluch auf der Welt: unsre nunmehr erbliche Hinneigung zur Ausschweifung! Immer schwerer, ja ganz selten findet sich ein Paar. Im Epos bleibt die Frage offen, ob im ersten Teil die große Sehnsucht auf kurze Zeit erfüllt wurde. Im zweiten wird sie rein geistig erreicht. Im Intermezzo aber begegneten Orpheus und Euridike einander. Einem Mythos entsprechend: irdische Tatsachen! Sogar im zweiten Teil werden die Gestalten Orpheus und Euridike noch einmal in ganz geistiger Auffassung geschaut.

Eigentlich heißt aber das Intermezzo »Pan«. Ursprünglich ein kosmischer Gott der Griechen, dessen Macht auf Erden mit dem Zeitalter des Sternbildes des Widders in Verbindung steht. Er ist ein Gott und Bock. Panische Angst erfaßt seine Herden, wenn er selbst plötzlich an die heraufdämmernde Herrschaft des nächsten Sternbildes, »der Fische«, gemahnt wird. Dann muß er zur Hölle fahren: Pan wird zum Teufel! Noch anders ist jedoch im Epos die kosmische Gottheit Pan erfaßt. Er wird zur Wesenheit, die das All an die Erde bindet. Die ewigen Wandlungen auf dem Nachthimmel werden in ihren Beziehungen zu unserm Stern als Wirkungen eingeformt, um festgebannt erhalten zu bleiben. Dadurch ereignen sich Mineralien, entstehen Pflanzen, leben Tiere. Pan ist der Versorger der gesamten Weltrhythmik auf Erden. Der ungeheuren Gesetzmäßigkeit des Makrokosmos entspricht ein Dauerdasein im Gestein, keimende Himmelssehnsucht nach himmlischer Entfaltung in Bäumen und Blumen, vielfach selbstbewußte Freizügigkeit in den Tieren. Der Mensch ist die ichbewußte Zusammenfassung durch Pan, zugleich aber auch der freien Erde Antwort an den Kosmos im Gesang, den nur der Mensch den leuchtenden Sternen, unsrer gesamten Heimat, darbringen kann. Der klarste Ausdruck dieser durch Pan, und über ihn hinaus, vollendeten Menschwerdung und Sendung des ewigen Paares sind Orpheus und Euridike. Ihre Seele enthält das Paradies; Orpheus spendet durch seinen Sang die den Sternen unerhörten Eigenschaften der Erde. Reicher als die Erde beschenkt wurde, verschwendet sie sich ans All. Sie wird einst sterben: der Mensch wird nicht mehr sein, alle Tiere sollen schweigen, aber die fernsten Sternbilder werden durch den Sang aus Menschenbrust in alle Ewigkeit erschüttert bleiben.

Im folgenden zweiten Teil schreit die gesamte Menschheit aus: »Ra«. Im gleichen Schrei »Ra« gebiert ein Ägypter-König den einzigen eifrigen Gott; groteske Schreie wie »Miau, Miau« stoßen in den »Drei Ereignissen« verwirrte Weiber aus. »Mama, Mama«! ist daselbst der Verzweiflungsschrei Gepeinigter. Früher schon im »Pan« ist aber jeder Schrei bereits Gesang geworden. Versöhnt kann der Leser im voraus wissen, daß alles in der Welt wohlgerichtet und vollbracht bleibt!

Im »Pan«, dem orphischen Intermezzo, hat die Seele Hellas eine Kristallisierung gefunden. Im zweiten Teil, und zwar im klassischen Totentanz, soll die Welt der Griechen im Traum hinweggeschwemmt, aus dem Gedächtnis entfernt werden. Das Ich in der Iranischen Rhapsodie versteht Hellas nicht: verschmäht das Gespräch mit einem griechischen Philosophen. Als Perseus überfliegt es das eigentliche Hellas und berührt nur Alexandria, weil ägyptischer Boden. Zu Orpheus gehört in der Seele »Euridike«; im Geist hat er, der über Pan hinauszukommen berufen ist, ein Gegenüber, das machtvoll im Pan verharrt: auch diesem Sänger begegnet er. Als ich ihn schöpfte, dachte ich an Friedrich Nietzsche und brachte ihm, ohne seinen Namen in dieser Einhüllung nennen zu können, eine Hymne dar.

Gleich zu Anfang des ersten Teiles kommen mir Tiere durch ein stilles Tor entgegen: es ist das bereits eine Anspielung auf Pan, so wie später im »Grünen Kreuzgang« ebenfalls schon ein Aufruf zur orphischen Milde für die Tiere ertönt. Hier, und zwar bereits im Prolog, sind nur Büffel genannt: das Sternbild des Stieres ist gemeint. Auch die andern Tiere gemahnen an den Tierkreis. Wenn es heißt: »Ich sah hinweg ins Licht, das nie zerstäubt!« so ist das die erste Anspielung auf Orpheus im »Pan«. Aufs Nordlicht im ganzen Werk.

Dresden, Mai 1919.

 


 

Ich habe »Das Mittelmeer« mit dem Abschnitt »Neapel« und dem »Prolog« im Winter 1898 begonnen. Im Sommer 1899 folgte die Vision von »Venedig« und im Jahre 1900 der Abschnitt »Rom«, in den später noch die im Frühjahr 1909 geschriebenen »Perlen von Venedig« eingefügt wurden.

Th. D.            

 

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