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Das Narrenschiff

Sebastian Brant: Das Narrenschiff - Kapitel 82
Quellenangabe
pfad/brant/narrens/narrens.xml
typepoem
authorSebastian Brant
titleDas Narrenschiff
publisherPhilipp Reclam jun.
editorHans-Joachim Mähl
year1964
firstpub1494
translatorH. A. Junghans
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectida61d97e4
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81.
Hier kommen Kellner, Kellermeister. Köch', Ehalten, Dienstboten (mhd. ê = Gebot); eigentlich diejenigen, die ein Gebot zu halten verpflichtet sind.
All, die des Hauses Sorg verwalten
Und redlich in dem Schiffe schalten.

Von Köchen und Kellermeistern

Ein Bötlein uns eben vorüberlief, Gemeint ist einer der Boten aus dem vorigen Kapitel, V. 23.
Das fragte nach dem Narrenschiff,
Dem gaben wir versalzne Suppen,
Daß er das Fläschlein wohl möcht luppen; Lüpfen, ihm zusprechen.;
Wie schnell ist er davongeflogen,
Das Fläschlein hat er oft gezogen,
Wir wollten ihm ein Brieflein geben,
Doch er tät eilig weiterstreben.
Wir kommen wohl auch so zurecht, Des kumen wir die straß hie schlecht, d. h., deshalb kommen wir die Straße hier so einfach, unangemeldet daher.
Kellner und Köche, Magd und Knecht,
Die in der Küche zu schaffen haben.
Wir tragen auf nach Kundschaft und Gaben,
Draus kein Bedenken uns entsteht,
Aus unserm Säckel es nicht geht;
Zumal, wenn unsre Herrschaft aus
Und sonsten niemand ist im Haus,
Dann schlemmen wir und tabernieren, Zechen wie in der Taberne (= Kneipe, Wirtshaus).,
Auch fremde Prasser heim wir führen
Und geben da gar manchen Stoß
Den Kannen, Krügen, Flaschen groß.
Wenn nachts die Herrschaft geht zur Ruh,
Und Tor und Riegel sind fest zu,
Dann trinken wir nicht vom schlechtesten Naß
Und zapfen aus dem größten Faß,
So kann man es so leicht nicht spüren.
Ins Bett wir dann einander führen,
Doch ziehen wir zwei Socken an,
Daß uns der Herr nicht hören kann,
Und hört man dann doch etwas krachen,
Wähnt man, daß es die Katzen machen.
Alsdann nach einer kleinen Frist,
Vermeint der Herr, daß ihm noch ist
Im Fäßlein mancher gute Trunk,
So macht der Zapfen: glunk, glunk, glunk!
Das ist ein schlimmes Zeichen, daß
Nur wenig mehr ist in dem Faß.
Sodann wir fleißig darauf achten,
Daß wir zurichten viele Trachten Gerichte.
Und damit Lust und Magen reizen,
Mit Kochen, Sieden, Braten, Beizen,
Mit Rösten, Backen, Pfefferbrei;
Mit Zucker, Gewürz und Spezerei
Bereiten Trank wir und Gericht, Geben wir eym eyn oxymell, d. h. einen scharfen Trank aus Essig und Honig, der als Kühlungsmittel beliebt war.
Daß an der Stiege sich mancher erbricht,
Oder er muß es von sich purgieren
Mit Sirupen und mit Klistieren.
Drob machen wir nicht viel Geschrei,
Werden wir doch selbst voll dabei,
Da wir uns selber nicht vergessen:
Das Beste aus dem Topf wir essen;
Denn würden wir auch vor Hunger sterben,
Es hieß doch, das Schlemmen tät uns verderben.
Der Kellner spricht: »Brat mir 'ne Wurst,
Herr Koch, so lösch ich dir den Durst!«
Der Kellner ist des Weins Verräter,
So ist der Koch des Teufels Bräter,
Hier wird er gewohnt das Küchenfeuer,
Drum scheints ihm dort In der Hölle. nicht ungeheuer,
Kellner und Köche sind selten leer,
Sie tragen auf und mühn sich sehr:
Zum Narrenschiff steht ihr Begehr.
Als Joseph nach Ägypten kam,
Der Köche Fürst ihn zu sich nahm,
Und Zion gewann Nabursadam. Vgl. 1. Mose 40; 2. Könige 25, 8 ff. Worauf Brant mit diesen Exempeln anspielt, ist unklar; vermutlich ist das Schicksal des betrügerischen Kochs (lat. princeps pistorum) gemeint, der durch den Pharao gehenkt wurde, sowie die Tatsache, daß bei der Zerstörung Jerusalems durah Nebusaradan alle Kämmerer des Königs getötet wurden.

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