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Das Narrenschiff

Sebastian Brant: Das Narrenschiff - Kapitel 65
Quellenangabe
pfad/brant/narrens/narrens.xml
typepoem
authorSebastian Brant
titleDas Narrenschiff
publisherPhilipp Reclam jun.
editorHans-Joachim Mähl
year1964
firstpub1494
translatorH. A. Junghans
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectida61d97e4
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64.
Mancher, der ritte gern spat und früh,
Käm er vor Frauen nur dazu:
Die lassen dem Esel selten Ruh.

Von bösen Weibern

In meiner Vorred hab ich schon
Erklärt, getan Protestation, D. h. Verwahrung eingelegt, beteuert; vgl. Vorrede V. 123 ff.
Ich wollte der guten Frauen nicht
Mit Arg gedenken in meinem Gedicht;
Aber man würde bald über mich klagen,
Wollte ich nichts von den bösen sagen.
Eine Frau, die gern von Weisheit hört,
Die wird nicht leicht zur Schande betört;
Eine gute sänftigt des Mannes Zorn.
Ahasverus Vgl. Esther 8, 3 ff. hatt' einen Eid geschworn,
Doch Esther machte ihn weich und lind;
Abigail beschwichtigte David geschwind.
Eine böse Frau gibt bösen Rat,
Wie Ochosias Mutter Gemeint ist Athalja; vgl. 2. Könige 11, 1 ff. tat;
Herodias Vgl. Matthäus 14, 6 ff. ihre Tochter hieß,
Daß man den Täufer köpfen ließ;
Durch Frauen Rat ward so verkehrt
Salomo, daß er Abgötter ehrt'. Vgl. 1. Könige 11, 1 ff.
Eine Frau wird bald zu einer Hätze, Elster.
Wenn ihr sonst wohl ist mit Geschwätze,
Sie schnattert »lip lep« Tag und Nacht.
Pieris Die Pieriden ließen sich mit den Musen in einen Wettkampf ein und wurden nach ihrer Niederlage, als sie sich in Schimpfreden ergingen, in Elstern verwandelt; nach Ovids Metamorphosen V, 295 ff. hat viel Junge gebracht,
Deren Zunge ist so wohl vergiftet,
Daß sie wie Kohle Feuer stiftet;
Die klagt, die klatscht, die dritte lügt
Und hechelt durch, was kriecht und fliegt,
Die vierte zankt auf der Lagerstatt,
Der Ehmann selten Frieden hat,
Muß hören oft noch Predigt an,
Wenn ein Barfüßer Die Mönche müssen nachts zur Hora in die Kirche. liegen und schlafen kann.
Es zieht die Strebkatz Ein Kinderspiel, bei dem die Köpfe zweier Kinder mit einem Tuch zusammengebunden werden und eines das andere mit dem Nacken vom Platze wegzuziehen sucht; sprichwörtlich für zanken, raufen. mancher Mann,
Der doch das Mehrteil nie gewann.
Manche Frau ist fromm und verständig genug
Und ist dem Mann allein zu klug,
Weil sie's von ihm nicht leiden mag,
Daß er sie lehr, ihr etwas sag.
Es kommt ein Mann gar manche Stund
Ins Unglück durch der Gattin Mund,
Amphion Durch Niobe, nach Ovids Met. VI, 146 ff. dies zu Theben geschah,
Als er die Kinder all sterben sah.
Wenn Frauen sollten reden viel,
Dann käm Calpurnia Im alten deutschen Recht eine berufene Frau, deren ungebührliches Betragen vor Gericht die Bestimmung veranlaßte, daß Frauen nicht ohne einen Fürsprecher vor Gericht auftreten durften. bald ins Spiel.
Eine böse Frau zur Bosheit neigt,
Die Herrin Josephs Frau des Potiphar, vgl. 1. Mose 39, 7 ff. uns dies zeigt.
Keinen größern Zorn man jemals spürt,
Als wenn ein Weibsbild zornig wird,
Die wütet, wie die Löwin schnaubt,
Der man die Jungen hat geraubt,
Wie eine Bärin, die da säugt:
Medea dies und Prokne Gattin des Tereus, die ihre vergewaltigte Schwester Philomela rächte, indem sie Tereus den eigenen Sohn zur Speise vorsetzte; Ovids Met. VI, 587 ff. zeigt.
Wenn man die Weisheit ganz ergründet,
Kein bittrer Erdenkraut man findet,
Als Frauen, deren Herz ein Garn
Und Strick, darein viel Toren fahrn. Prediger Salomo 7, 26. 27.
Durch drei Dinge wird die Erde erregt,
Das vierte sie nicht mehr erträgt:
Ein Knecht, der Herr geworden ist,
Ein Narr, der sich gern überfrißt,
Ein neidisch, bös und giftig Weib,
Wer die vermählet seinem Leib;
Das viert' all Freundschaft ganz verderbt:
Eine Dienstmagd, die ihre Frau beerbt. Sprüche Sal. 30, 21–23.
Drei Dinge man nicht sättigen kann,
Das vierte schreit: »Trag mehr heran!«
Eine Frau, die Hölle, das Erdenreich,
Die schlucken des Wassers Güsse sogleich,
Nie sagt das Feuer: »Nun höre auf!
Ich habe genug; trag nimmer zu Hauf!« Sprüche Sal. 30, 15. 16.
Drei Dinge ich nicht erkennen kann,
Ins vierte Einsicht ich nie gewann:
Wie in der Luft ein Adler fliegt,
Auf glattem Fels die Schlange kriecht,
Ein Schiff einherfährt auf dem Meere,
Und wie ein Mann folgt kindischer Lehre.
Der Weg einer Frau dem ähnlich ist,
Die sich zum Ehbruch hat gerüst't,
Die schleckt und wischt den Mund sich noch
Und spricht: »Nichts Böses tat ich doch!« Sprüche Sal. 30, 18–20.
Ein rinnend Dach zu Winters Frist
Gleicht einer Frau, die zänkisch ist; Sprüche Sal. 19, 13 (nach der Vulgata).
Es hat an Höll' und Teufel genug,
Wer mit einer solchen zieht am Pflug.
Vasthi Vgl. Esther 1, 12 ff. der Nachkommen viel gewann,
Die wenig achten ihren Mann.
Von solchem Weib sei nichts gesagt,
Das anzurichten ein Süpplein wagt,
Wie Agrippina und Pontia, Berühmte Giftmischerinnen des römischen Altertums, die ihre Männer ermordeten; nach Juvenal VI, 620 u. 638.
Die Beliden Die 50 Töchter des Danaos, daher auch Danaiden genannt, töteten bis auf eine ihre Verlobten und mußten dafür in der Unterwelt endlos Wasser in ein durchlöchertes Faß füllen; hier wieder nach Juvenal VI, 655 ff. und Klytämnestra,
Die ihren Mann erstach im Bett,
Wie mit Pheräus Alexander Pheraeus; nach Ovids Elegie Ibis, V. 321 f. die Hausfrau tat.
Gar selten ist eine Lukrezia
Oder des Cato Porzia;
Leichtfertige Frauen findet man viel,
Denn Thais Name verschiedener Buhlerinnen; hier nach Ovids Remedia amoris, V. 383 ff. treibt gar oft ihr Spiel.

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