Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Sebastian Brant >

Das Narrenschiff

Sebastian Brant: Das Narrenschiff - Kapitel 6
Quellenangabe
pfad/brant/narrens/narrens.xml
typepoem
authorSebastian Brant
titleDas Narrenschiff
publisherPhilipp Reclam jun.
editorHans-Joachim Mähl
year1964
firstpub1494
translatorH. A. Junghans
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectida61d97e4
Schließen

Navigation:

5.
Schon steh ich an der Grube dicht,
Im Arsch das Schindermesser sticht, das schyntmesser jm ars han, sprichwörtlich für: mit einem Fuß im Grabe stehen.
Doch – meine Narrheit laß ich nicht!

Von alten Narren

»Die Narrheit läßt mich nicht sein greis;
Ich bin sehr alt, doch ganz unweis,
Ein böses Kind von hundert Jahren,
Zeig dem die Schellen, der unerfahren,
Den Kindern geb ich Regiment Lehre, Anleitung.
Und mach mir selbst ein Testament,
Das wird nach meinem Tod mir leid.
Mit schlechtem Beispiel und Bescheid
Treib ich, was meine Jugend lernte;
Daß meine Schlechtigkeit Ehre ernte,
Wünsch ich und rühm mich dreist der Schande,
Wie ich beschissen Der übliche Ausdruck für betrügen, anführen. alle Lande
Und hab gemacht viel Wasser trübe; D. h. Verwirrung, Unheil gestiftet.
Im Schlechten ich mich allzeit übe,
Es tut mir leid, daß ichs nicht mehr
Vollbringen kann so wie vorher.
Doch was ich jetzt nicht mehr kann treiben,
Soll meinem Heinz empfohlen bleiben;
Mein Sohn wird tun, was ich gespart,
Er schlägt mir nach wohl in der Art;
Es stehet ihm recht stattlich an,
Und lebt er, wird aus ihm ein Mann.
Er sei mein Sohn, muß man einst sagen;
Dem Schelme wird er Rechnung tragen
Und wird in keinem Ding sich sparen
Und in dem Narrenschiff auch fahren!
Es soll mich noch im Grab ergötzen,
Daß er mich wird so ganz ersetzen!« –
Nach solchem jetzt das Alter trachtet,
Die Weisheit es gar nicht mehr achtet.
Susannens Richter Daniel Kap. 13: Um die schöne und tugendhafte Susanna buhlten zwei alte Richter; von ihr abgewiesen, verurteilten sie die Frau auf Grund falscher Anschuldigungen zum Tode. zeigten wohl,
Was man dem Alter zutraun soll:
Ein alter Narr der Seel nicht schont;
Der tut schwer recht, wers nicht gewohnt.

 << Kapitel 5  Kapitel 7 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.