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Das Narrenschiff

Sebastian Brant: Das Narrenschiff - Kapitel 53
Quellenangabe
pfad/brant/narrens/narrens.xml
typepoem
authorSebastian Brant
titleDas Narrenschiff
publisherPhilipp Reclam jun.
editorHans-Joachim Mähl
year1964
firstpub1494
translatorH. A. Junghans
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectida61d97e4
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52.
Wer nicht aus anderm Grunde je
Als Geldes wegen schritt zur Eh',
Der hat viel Zank, Leid, Hader, Weh.

Freien des Geldes wegen

Wer in den Esel kriecht um Schmer, Sprichwörtlich für törichtes Handeln, wie: einer Sau des Fettes wegen in den Hintern greifen, oder: aus einem Esel Met melken wollen. Vgl. V. 23 ff.
Ist an Vernunft und Weisheit leer;
Ein guter Tag nur ist dem bestimmt,
Wer ein alt Weib zur Ehe nimmt,
Er wird auch wenig Freude sehn,
Weil keine Kinder ihm erstehn,
Und hat auch keinen guten Tag,
Außer er sieht den Pfennigsack,
Und der fliegt oft ihm um die Ohren,
Durch den er worden ist zum Toren.
Daher denn oftmals es geschehn,
Daß wenig Glück dabei zu sehn,
Wenn den Besitz man nur betrachtet,
Auf Ehr und Frömmigkeit nicht achtet.
Hat man sich übel dann beweibt,
Nicht Fried noch Freundschaft fürder bleibt.
Man wär wohl lieber in der Wüste,
Als daß man lange wohnen müßte
Bei einem zornigbösen Weib, Sprüche Salomonis 21, 19.
Die bald dürr macht des Mannes Leib.
Dem möge trauen, wems beliebt,
Wer um das Geld die Jugend gibt!
Weil ihm der Schmerduft wohlbehagt,
Den Esel er auch zu schinden wagt,
Und wenn viel Zeit vergangen ist,
Find't er doch nichts als Kot und Mist.
Viel stellen Ahabs Tochter Vgl. 2. Könige 8, 18: gemeint ist Athalja. nach
Und fallen wie er in Sünd und Schmach.
Der Teufel Asmodeus Nach Tobias 3, 8 tötete Asmodeus, ein böser Dämon, die sieben Ehemänner der Sara; unter diesem Namen versteht man zu Brants Zeiten den Eheteufel überhaupt. fand
Viel Macht jetzt in der Ehe Stand.
Doch selten ist ein Boas Vgl. Ruth 2 ff.: man findet niemanden, der wie Boas ein armes, rechtschaffenes Mädchen unter seinem Stand heiratet. jetzt,
Der eine Ruth begehrt und schätzt,
Drum hört man nichts als Ach und Weh
Und »criminor te!« »kratznor a te!« »Ich beschuldige dich (des Ehebruchs)«, sagt die Frau. »Ich werde von dir gekratzt«, erwidert der Mann. Die scherzhafte Wortformel ( kratznor = deutsch mit lat. Flexion) zur Bezeichnung ehelichen Zankes ist durch Brant im ganzen 16. Jh. populär geworden.

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