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Das Narrenschiff

Sebastian Brant: Das Narrenschiff - Kapitel 50
Quellenangabe
pfad/brant/narrens/narrens.xml
typepoem
authorSebastian Brant
titleDas Narrenschiff
publisherPhilipp Reclam jun.
editorHans-Joachim Mähl
year1964
firstpub1494
translatorH. A. Junghans
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectida61d97e4
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49.
Den Eltern gleicht der Kinder Gesicht,
Wo man vor ihnen schämt sich nicht
Und Krüg' und Töpfe vor ihnen zerbricht.

Schlechtes Beispiel der Eltern

Wer vor Frauen und Kindern viel
Von Buhlschaft, Leichtsinn reden will,
Dem wird nicht unvergolten bleiben,
Was er vor ihnen wagt zu treiben.
Nicht Zucht noch Ehre ist mehr auf Erden:
Es lernen Frau und Kind Gebärden
Und Wort; die Frau von ihrem Mann,
Das Kind nimmts von den Eltern an,
Und wenn der Abt die Würfel leiht,
So sind die Mönche spielbereit. Ein sehr verbreitetes altes Sprichwort.
Die Welt ist jetzt voll schlimmer Lehre,
Man findet keine Zucht noch Ehre:
Die Väter tragen Schuld daran,
Die Frau lernt es von ihrem Mann,
Der Sohn zum Vater sich gesellt,
Die Tochter zu der Mutter hält.
Darum sich niemand wundern soll,
Ist alle Welt der Narren voll.
Der Krebs gleichwie sein Vater tritt,
Es zeugt der Wolf kein Lämmlein nit,
Brutus und Cato sind beide tot,
Drum mehrt sich Catilinas Vgl. Anm. 4 zu Kap. 6. Brutus und Cato werden als Muster altrömischer Sitte genannt. Rott'.
Sind Väter klug und tugendreich,
Die zeugen Kinder ihnen gleich.
Diogenes Nach Plutarch, De educatione III, 3. einen Jungen sah
Betrunken; zu dem sprach er da:
»Das ist des Vaters Art, mein Sohn,
Ein Trunkenbold erzeugt' dich schon!«

Drum sehe man bedachtsam zu,
Was man vor Kindern red' und tu';
Gewohnheit – andere Natur Consuetudo altera natura, ein lateinisches Sprichwort.
Führt Kinder leicht auf schlechte Spur.
Drum lebe jeder recht im Haus,
Daß Ärgernis nicht komm daraus!

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