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Das Narrenschiff

Sebastian Brant: Das Narrenschiff - Kapitel 5
Quellenangabe
pfad/brant/narrens/narrens.xml
typepoem
authorSebastian Brant
titleDas Narrenschiff
publisherPhilipp Reclam jun.
editorHans-Joachim Mähl
year1964
firstpub1494
translatorH. A. Junghans
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectida61d97e4
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4.
Wer neue Moden nüw fünd, d. h. neue Funde, Neuerungen, Moden. bringt durchs Land,
Der gibt viel Ärgernis und Schand
Und hält den Narren bei der Hand.

Von neuen Moden

Was vormals war ein schändlich Ding, Anspielung auf 2. Samuel 10, 4.
Das schätzt man schlicht jetzt und gering:
Sonst trug mit Ehren man den Bart,
Jetzt lernen Männer Weiberart
Und schmieren sich mit Affenschmalz D. h. schminken und pflegen sich wie die Affen. Vgl. Kap. 14.
Und lassen am entblößten Hals
Viel Ring' und goldne Ketten sehn,
Als sollten sie vor Lienhart Dem heiligen Leonhard, als Schutzpatron der Gefangenen, wurden die Ketten der Befreiten dargebracht. stehn.
Mit Schwefel und Harz pufft man das Haar
Und schlägt darein dann Eierklar, Eiweiß.
Daß es im Schüsselkorb Ein flacher Korb, den man auf das Haar drückte, um es wellig zu machen. werd' kraus.
Der hängt den Kopf zum Fenster 'raus,
Der bleicht das Haar mit Sonn' und Feuer,
Darunter sind die Läus nicht teuer.
Die können es jetzt wohl aushalten,
Denn alle Kleider sind voll Falten:
Rock, Mantel, Hemd und Tuch dazu,
Pantoffeln, Stiefel, Hosen, Schuh',
Pelzkragen, wild kappen: es ist nicht ganz klar, ob Pelzwerk gemeint ist oder wilde, d. h. sonderbare, fremdartige, nach Arncke spanische Mäntel. Die nd. Übersetzung bringt kappen an den antel, es ist also an eine Art Mantelhaube gedacht. Der Besatz umblouff) war meist aus Fellen gearbeitet. Mäntel, Besatz daran:
Der Juden Brauch fängt wieder an. Die Juden trugen lange, faltige Kaftane.
Vor einer Mode die andre weicht,
Das zeigt, wie unser Sinn ist leicht
Und wandelbar zu aller Schande,
Und wieviel Neuerung ist im Lande,
Mit schändlich kurz geschnittnen Röcken,
Die kaum den Nabel mehr bedecken!
Pfui Schande deutscher Nation,
Daß man entblößt, der Zucht zum Hohn,
Und zeigt, was die Natur verhehlt!
Drum ist es leider schlecht bestellt
Und hat wohl bald noch schlimmern Stand.
Weh dem, der Ursach gibt zur Schand!
Weh dem, der solcher Schand nicht wehrt: nit strofft: offenbar ist an ein Einschreiten der Obrigkeit gedacht.
Ihm wird ein böser Lohn beschert!

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