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Das Narrenschiff

Sebastian Brant: Das Narrenschiff - Kapitel 46
Quellenangabe
pfad/brant/narrens/narrens.xml
typepoem
authorSebastian Brant
titleDas Narrenschiff
publisherPhilipp Reclam jun.
editorHans-Joachim Mähl
year1964
firstpub1494
translatorH. A. Junghans
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectida61d97e4
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45.
Wen Mutwille ins Feuer bringt,
Und wer von selbst in den Brunnen springt,
Dem geschieht schon recht, wenn er ertrinkt.

Von mutwilligem Mißgeschick

Es betet ständig mancher Narr
Und, wie ihm dünkt, mit Andacht gar
Und ruft zu Gott oft überlaut,
Daß er komm aus der Narrenhaut;
Doch er die Kapp nicht missen kann,
Er zieht sie täglich selber an
Und meint, Gott woll ihn hören nicht:
So weiß er selbst nicht, was er spricht.
Wer in den Brunnen keck erst springt
Und dann, voll Furcht, daß er ertrinkt,
Laut schreit, daß man ein Seil ihm brächt,
Des Nachbar spricht: »Geschieht ihm recht!
Er ist gefallen selbst darein,
Er könnt wohl draußen geblieben sein!«
Empedokles Ein griechischer Philosoph aus der Stadt Agrigent auf Sizilien (um 490–430 v.Chr.), der sich in den Krater des Ätna gestürzt haben soll. Wohl nach Horaz, Ars poetica, V. 458–469. in solch Narrheit kam,
Daß er sprang in des Ätnas Flamm'.
Hätt jemand ihn daraus befreit,
Der tät ihm Unrecht an und Leid:
Denn er war worden Narr so sehr,
Er hätt es doch versucht noch mehr.
So tut, wer meint, Gott solle ihn
Mit Wort und Gewalt recht zu sich ziehn,
Ihm geben Gnad und Gaben viel,
Und doch sich drein nicht schicken will.
So kürzt sich mancher die Lebensspann',
Daß Gott ihn nicht mehr erhören kann,
Weil er ihm nicht die Gnad verleiht,
Daß er erfleht, was ihm gedeiht.
Wer betet, wie ein Tor gesinnt,
Der schlägt den Schatten, bläst den Wind. Vgl. Jesus Sirach 34, 2.
Mancher mit Bitten von Gott begehrt,
Was, ihm verliehn, nur Leid gewährt.
Drum, wer da lebt im Stand voll Sorgen,
Trag seinen Schaden heut wie morgen!

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