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Das Narrenschiff

Sebastian Brant: Das Narrenschiff - Kapitel 34
Quellenangabe
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typepoem
authorSebastian Brant
titleDas Narrenschiff
publisherPhilipp Reclam jun.
editorHans-Joachim Mähl
year1964
firstpub1494
translatorH. A. Junghans
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectida61d97e4
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33.
Wer durch die Finger sehen kann
Und läßt die Frau einem andern Mann,
Da lacht die Katz die Maus süß an.

Vom Ehebruch

Ehbrechen wägt man so gering,
Als ob man schnellt' einen Kieseling.
Ehbruch hat jetzt des Gebots nicht acht,
Das Kaiser Julius Gemeint ist die Lex lulia de adulterio, die von Augustus erlassen wurde. gemacht.
Man scheut jetzt Straf noch Tadel nicht,
Das macht, die in der Ehe Pflicht
Zerbrechen Krüge und Töpfe gleich D. h., beide betragen sich gleich leichtfertig.
Und: »Schweig du mir, so ich dir schweig!«
Und: »Kratz du mich, so kratz ich dich!«
Man kann die Finger halten sich
Vors Auge so, daß man doch sieht,
Und wachen bei geschlossenem Lid – Bei Brant bildkräftiger: wachend tuon / als ob man ruß, als ob man schnarche.
Man kann jetzt leiden Frauenschmach,
Es folgt nicht Straf noch Rache nach.
Stark ist im Land der Männer Magen,
Viel Schande können sie vertragen
Und tun, was ehmals Cato tat,
Der dem Hortens die Frau abtrat. Der jüngere Cato, ein römischer Politiker, überließ dem Hortensius seine Gemahlin Marcia, die nach dessen Tod zu ihm zurückkehrte (nach Plutarch).
Gar wenigen gehn jetzt zu Herzen
Aus Ehbruch Leid und Sorg und Schmerzen,
Wie die Atriden Nur Menelaus konnte den Raub der Helena an den Trojanern rächen; Agamemnon wurde nach seiner Rückkehr von Klytämnestra und deren Geliebten Aegisth ermordet. straften mit Recht,
Da ihre Frauen man geschwächt,
Oder wie Collatinus Gemahl der Lucretia, vgl. Anm. 7 zu Kap. 26. tat,
Als man Lukrezia Schmach antat.
Drum ist der Ehbruch jetzt so groß,
Auf allen Straßen ist Clodius Ein berüchtigter Ehebrecher in Rom (vgl. Juvenal VI, 345). Bei Brant derber: Clodius beschisßt all weg und stroß. los.
Wer jetzt mit Geißeln die wohl strich',
Die wegen Ehbruchs rühmen sich,
Wie man Salustio Dieser wurde, wie Gellius berichtet, beim Ehebruch ergriffen und ausgepeitscht. gab Lohn –
Trüg mancher Striemen viel davon.
War solche Strafe für Ehbruch da,
Wie Abimelech 1. Mose 20, 18. einst geschah,
Sowie den Söhnen Benjamin Richter
Oder würd ihm solcher Gewinn,
Wie David geschah mit Bersabe Bathseba, vgl. 2. Samuel 11. 12.
Mancher würd brechen nicht die Eh'.
Wer leiden kann, daß sein Weib sei
Im Ehbruch, und er wohnt ihr bei,
So er das weiß wißlich weisßt, d. h. wissentlich weiß, als Verstärkung. und sieht den Trug,
Den halt ich wahrlich nicht für klug.
Er gibt ihr Ursach mehr zum Fall;
Dazu die Nachbarn munkeln all,
Er hab mit ihr teil und gemein,
Und ihre Beute sei auch sein.
Sie sprech zu ihm: »Hans, guter Mann,
Dich seh ich doch am liebsten an!« –
Die Katz den Mäusen gern nachgeht,
Wenn sie das Mausen erst versteht:
Die andre Männer hat versucht,
Wird also schandbar und verrucht,
Daß Ehr und Scham sie nicht mehr achtet,
Nach ihrer Lust allein sie trachtet.
Ein jeder schau, daß er so lebe,
Daß er der Frau nicht Ursach gebe;
Er halt sie freundlich, lieb und schön
Und fürcht nicht jeder Glock Getön, D. h., höre nicht auf jedes Gerede.
Noch keif er mit ihr Nacht und Tag,
Und schau doch, was die Glocke schlag.
Dann laß dies treuer Rat dir sein:
Führ nicht viel Gäste bei dir ein!
Vor allen schaue der genau,
Wer hat 'ne weltlich hübsche Frau,
Denn niemand ist zu trauen wohl,
Die Welt ist falsch und Untreu voll.
Es blieb die Frau dem Menelaus,
Wenn Paris nicht kam in das Haus;
Hätt Agamemnon den Aegisth
Nicht zu Haus gelassen, wie ihr wißt,
Und ihm vertraut Weib, Hof und Gut,
Er hätt verloren nicht sein Blut,
Gleichwie Kandaules, der Tor so groß,
Der zeigte sein Weib einem andern bloß. Nach Herodot I, 8–13; bekannt durch Hebbels Tragödie »Gyges und sein Ring«.
Wer Freude nicht will haben allein,
Dem geschieht ganz recht, wird sie gemein;
Drum soll man halten das fürs Beste,
Wenn Ehleut nicht gern haben Gäste,
Zumal denen nicht zu trauen ist:
Die Welt steckt voll Betrug und List!
Wer Argwohn hat, der glaubt gar bald,
Man tue, was ihm nicht gefallt,
Wie Jakob mit dem Rock geschah,
Den er mit Blut besprenget sah; 1. Mose 37, 31 ff.
Ahasverus dachte, daß Haman meinte
Esther zu schänden, der doch weinte; Esther 7, 7. 8: Haman bat Esther kniend um sein Leben, als der König hinzukam.
Um seine Frau einst Abraham bangte,
Bevor er nach Gerare gelangte. 1. Mose 20, 2: Abraham gab aus Furcht Sara für seine Schwester aus.
Besser ein Knauser in seinem Haus,
Als fremde Eier brüten aus.
Wer viel ausfliegen will zu Wald,
Der wird zu einer Grasmücke Diese brütet die untergeschobenen Kuckuckseier aus. bald.
Wer brennende Kohlen im Schoße trägt
Und Schlangen an seinem Busen hegt
Und in der Tasche zieht eine Maus –
Solche Gäste nützen wenig dem Haus.

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