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Das Narrenschiff

Sebastian Brant: Das Narrenschiff - Kapitel 24
Quellenangabe
pfad/brant/narrens/narrens.xml
typepoem
authorSebastian Brant
titleDas Narrenschiff
publisherPhilipp Reclam jun.
editorHans-Joachim Mähl
year1964
firstpub1494
translatorH. A. Junghans
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectida61d97e4
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23.
Wer meint, vollkommen sei sein Heil
Und stetes Glück allein sein Teil,
Den trifft zuletzt der Donnerkeil. klüpfel, wie schlegel in V. 4 ein Schlaginstrument, mit dem sprichwörtlich die von Gott gesandten Schicksalsschläge bezeichnet werden. Der Holzschnitt veranschaulicht dies als Donnerkeil.

Von Überschätzung des Glücks

Der ist ein Narr, der Rühmens macht,
Daß ihn das Glück stets angelacht
Und er Glück hab in jeder Sache:
Der harrt des Schlegels Des Blitzstrahls. auf dem Dache.
Denn der Vergänglichkeit Glücksal
Ein Zeichen ist und ein Merkmal,
Daß Gott des Menschen ganz vergißt,
Den er nicht heimsucht zu der Frist.
Im Sprichwort man gemeinhin spricht:
»Ein Freund den andern oft besicht Wörtlich: besieht (besucht).
Ein Vater straft oft seine Söhne,
Daß er an Rechttun sie gewöhne;
Ein Arzt gibt sauern und bittern Trank,
Daß desto eher genese der Krank';
Ein Bader sondiert und schneidet die Wunde,
Damit der Sieche bald gesunde,
Und weh dem Kranken, wenn verzagt
Der Arzt und nicht mehr mahnt noch sagt:
»Das sollte der Sieche besser nicht tun,
Und das und das ließ' er besser ruhn!«
Vielmehr spricht: »Gebt ihm nur recht hin
Das, was er will und was lüstet ihn!«
Wen also der Teufel bescheißen will,
Dem gibt er Glück und Reichtum viel,
Geduld ist besser in Armut
Denn aller Welt Glück, Reichtum, Gut.
Bei Glück soll niemand Stolz empfinden,
Denn wenn Gott will, so wird es schwinden.
Ein Narr schreit jeden Augenblick:
»O Glück, was läßt du mich, o Glück?
Was tat ich dir? Was zychstu mich, d. h. eigentlich: wessen beschuldigst du mich, was hast du gegen mich? Gib mir recht viel,
Weil ich ein Narr noch bleiben will!«
Drum, größre Narren wurden nie
Denn die Glück hatten allzeit hie!

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