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Das Narrenschiff

Sebastian Brant: Das Narrenschiff - Kapitel 17
Quellenangabe
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typepoem
authorSebastian Brant
titleDas Narrenschiff
publisherPhilipp Reclam jun.
editorHans-Joachim Mähl
year1964
firstpub1494
translatorH. A. Junghans
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectida61d97e4
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16.
In künftige Armut billig fällt,
Wer Völlerei stets nachgestellt
Und sich den Prassern zugesellt.

Von Völlerei und Prassen

Der zieht einem Narren D. h. sich selbst. Auch dies nur eine Umschreibung der Einleitungsformel: der ist ein Narr. an die Schuh,
Der weder Tag noch Nacht hat Ruh,
Wie er den Wanst füll' und den Bauch
Und mach' sich selbst zu einem Schlauch,
Als ob er dazu wär geboren,
Daß durch ihn ging viel Wein verloren,
Als müßt ein Reif Ein strenger Frost, der den Wein verdirbt. er täglich sein –
Der paßt ins Narrenschiff hinein,
Denn er zerstört Vernunft und Sinne,
Des wird er wohl im Alter inne,
Wenn ihm dann schlottern Kopf und Hände;
Er kürzt sein Leben, ruft sein Ende.
Ein schädlich Ding ists um den Wein,
Bei dem kann niemand weise sein,
Wer darin Freud und Lust nachtrachtet.
Ein trunkner Mensch niemandes achtet
Und weiß nicht Maß noch recht Bescheid.
Unkeuschheit kommt aus Trunkenheit,
Viel Übles auch daraus entspringt:
Ein Weiser ist, wer mäßig trinkt. –

Noah 1. Mose 9, 20 f. vertrug selbst nicht den Wein,
Der ihn doch fand und pflanzte ein,
Lot 1. Mose 19, 33 ff. ward durch Wein zweimal zum Tor,
Durch Wein der Täufer Johannes der Täufer: Markus 6, 17 ff. den Kopf verlor.
Wein machet, daß ein weiser Mann
Die Narrenkapp aufsetzen kann.
Als Israel einst schlemmte wohl
Und ihm der Bauch war mehr als voll,
Begann es übermütig Spiel,
Gottloser Tanz ihm wohlgefiel. Gemeint ist der Tanz um das Goldene Kalb: 2. Mose 32, 6 ff.
Darum gebot Gott Aarons Söhnen,
Sie sollten sich des Weins entwöhnen
Und alles, was da trunken macht 3. Mose 10, 9.
– Doch haben's Priester wenig acht!
Als Holofernes Judith 12, 21 ff. trunken ward,
Verlor den Kopf er samt dem Bart;
Thamyris Nach Herodot. brauchte Speis und Trank,
Als sie den König Cyrus zwang;
Durch Wein lag nieder Bennedab, Benhadad: 1. Könige 20, 16 ff.
Als er verlor all seine Hab;
Alexander, wenn er trunken war,
Vergaß der Ehr und Tugend gar; Alexander der Große, der im Weinrausch Kleitos tötete; nach Curtius Rufus und Plutarch.
Er tat oft in der Trunkenheit,
Was ihm darnach ward selber leid;
Der Reiche Lukas 16, 19 ff. trank wie ein Zechgeselle
Und aß des Morgens in der Hölle.
Der Mensch könnt frei, kein Knecht mehr sein,
Wenn Trunkenheit nicht wär und Wein.
Wer liebt den Wein und fette Bissen,
Wird Glück und Wohlstand ewig missen, Sprüche Salomonis 21, 17.
Ihm Weh und seinem Vater Weh!
Dem wird nur Streit und Unglück je,
Wer stets sich füllt wie eine Kuh
Und jedermann will trinken zu
Und tun Bescheid dem, was man bringt Sprüche Sal. 23, 29 f.; das Folgende ebd. 23, 34.
Denn wer ohn Not viel Wein austrinkt,
Ist dem gleich, welcher auf dem Meer
Entschläft und liegt ohn Sinn und Wehr:
So tun, die nur auf Praß bedacht,
Schlemmen und demmen Tag und Nacht.
Trägt denen der Wirt als Kunden zu
Einen Bug und Viertel von einer Kuh
Und bringt ihnen Mandeln, Feigen und Reis:
So bezahlen sie ihn wohl auf dem Eis. Sprichwörtlich: zu Pfingsten auf dem Eis, am St.-Nimmerleins-Tag.
Viel würden bald sehr weise sein,
Wenn Weisheit steckte in dem Wein,
Den sie in sich gießen ohne Ruh.
Je einer trinkt dem andern zu:
»Ich bring dir eins! – Ich kitzle dich! –
Das kommt dir zu!« – Der spricht: »Wart, ich
Will wehrn mich, bis wir beid' sind voll!«
Damit ist Narren jetzo wohl!
Eins auf den Becher, zwei vor den Mund,
Ein Strick an den Hals, war einem gesund
Und besser, als solche Völlerei
Zu treiben; das ist Narretei,
Wie Seneca Römischer Philosoph, der Erzieher Neros († 65 n. Chr.). schon sah vorher,
Als in den Büchern geschrieben er,
Daß man würd künftig geben mehr
Dem Trunknen als dem Nüchternen Ehr,
Und daß man noch wolle gerühmet sein,
Wenn einer trunken wäre vom Wein.
Die Biersäufer biersupper, wohl eine nd. Wortform, da es sich um das in Norddeutschland übliche Getränk handelt. dazu ich meine,
Wenn einer trinkt 'ne Tonne alleine
Und wird dabei so toll und voll –
Man stieß mit ihm die Tür auf wohl.
Ein Narr muß saufen erst recht viel,
Ein Weiser trinkt mit Maß und Ziel
Und ist dabei doch viel gesunder,
Als wer's mit Kübeln schüttet runter.
Der Wein geht ein – man merkt es nicht,
Zuletzt er wie die Schlange sticht Sprüche Salomonis 23, 31 f.
Und gießt sein Gift durch alles Blut,
Gleichwie der Basiliskus Fabelwesen, dessen starrer Blick bereits tötet. tut.

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