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Das Narrenschiff

Sebastian Brant: Das Narrenschiff - Kapitel 16
Quellenangabe
pfad/brant/narrens/narrens.xml
typepoem
authorSebastian Brant
titleDas Narrenschiff
publisherPhilipp Reclam jun.
editorHans-Joachim Mähl
year1964
firstpub1494
translatorH. A. Junghans
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectida61d97e4
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15.
Wer bauen will, der schlag erst an,
Was ihm der Bau wohl kosten kann,
Sonst sieht er nicht das Ende an.

Von törichtem Planen

Der ist ein Narr, der bauen will
Und nicht zuvor anschlägt, wieviel
Es kosten wird, und ob er kann
Vollbringen es nach seinem Plan.
Groß Werk hat mancher ausersehn
Und konnte nicht dabei bestehn.
Der König Nabuchodonosor Nebukadnezar: Daniel 4, 26–30.
Hob einst in Hoffart sich empor,
Weil Babylon die große Stadt
Durch seine Macht gebaut er hat,
Und doch kam es gar bald dazu,
Daß er im Feld lag wie 'ne Kuh.
Nimrod Die Verbindung von 1. Mose 10, 10 und 11, 9 führte zu der Annahme, daß Nimrod der Erbauer des babylonischen Turmes gewesen sei. wollt bauen hoch in die Luft
Einen Turm, stärker als Wassers Kluft,
Und schlug nicht an, daß ihm zu schwer
Sein Bauen und nicht möglich war.
Es baut nicht jeder so geschickt,
Wie es Lucullus Römischer Feldherr † um 57 v. Chr.), der durch seine im Osten erworbenen Reichtümer in Rom ein glanzvolles Leben führte; nach Plutarch. einst geglückt.
Wer nicht gern Reu beim Bau gewinnt,
Bedenk sich wohl, eh er beginnt,
Denn manchem kommt die Reu zu spät,
Wenn es ihm an den Säckel geht.
Wer große Dinge leitet ein,
Der muß sich selber Bürge sein,
Ob er gelangen mög' zum Ziel,
Das er für sich erreichen will,
Damit ihn nicht des Glückes Fall
Mach' zum Gespött den Menschen all.
Viel besser ist es, nichts beginnen,
Als Schaden, Schand und Spott gewinnen.
Die Pyramiden kosten viel,
Das Labyrinth auch dort am Nil, Die merkwürdige Ortsangabe erklärt sich aus antiker Überlieferung, vgl. Plinius, Historia naturalis XXXVI, 84 ff.
Und mußten doch schon längst vergehn:
Kein Bau der Welt kann lang bestehn!

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