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Das Narrenschiff

Sebastian Brant: Das Narrenschiff - Kapitel 116
Quellenangabe
pfad/brant/narrens/narrens.xml
typepoem
authorSebastian Brant
titleDas Narrenschiff
publisherPhilipp Reclam jun.
editorHans-Joachim Mähl
year1964
firstpub1494
translatorH. A. Junghans
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectida61d97e4
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Verwahrung

Diese Protestation gegen die zahlreichen Zusätze und Verstümmelungen, die das »Narrenschiff« vor allem in der Straßburger Überarbeitung von 1494 erfahren hatte, stellte Brant der dritten echten Ausgabe (Basel 1499) voran.

Einst hab ichs Narrenschiff gedichtet,
Mit großer Mühe aufgerichtet,
Mit Toren es so voll geladen –
Man braucht nicht anders sie zu baden:
Ein jeder hat sich selbst gerieben. Baden, reiben, scheren, bürsten usw. werden häufig bildlich vom Verspotten, Durchziehen der Narren gebraucht.
Doch ist es nicht dabei geblieben,
Gar mancher hat, wie's ihm gefiel
– Vielleicht als er getrunken viel –,
Dran neue Reime D. h. Verse. wollen henken.
Derselbe sollte wohl bedenken,
Daß er schon früher saß im Schiff,
Drin ihn und andre traf mein Griff,
Dann blieb ihm Mühe wohl erspart.
Mit altem Segel beginnt die Fahrt
Dies Schiff, dem ersten gleich es fliegt
Und sich mit schlichtem Wind begnügt.
Wahr ists, ich hätt es gern vermehrt,
Doch meine Arbeit ward verkehrt:
Manch andrer Reim ist eingeschoben,
Daran nicht Kunst, Art, Maß zu loben.
Viel Reime sind mir abgeschnitten,
Den Sinn verliert man in der Mitten;
Ein jeder Reim, der mußt sich ducken,
Je wie man ihn hat wollen drucken
Und wie's die Form ergeben hat, Eine Anspielung auf die Verstümmelungen des Textes, die in den Nachdrucken oft durch ganz äußerliche Rücksichten, z. B. durch den Platz der Holzschnitte, bedingt waren; zur Füllung anderer Stellen wurden dann wieder Verse eingeschoben.
Drum mancher schlechte Reim eintrat,
Daß es im Herzen mich gar sehr
Geschmerzt hat, tausendmal und mehr,
Daß Mühe, Arbeit und Verstand
Ohn Schuld ich übel aufgewandt;
Daß öffentlich ich soll ansehn,
Was ich doch nimmer ließ ausgehn,
Was nie mir kam in Mund und Kehle.
Doch meinem Gott ichs anbefehle:
Fährt doch dies Schiff auf seinen Namen,
Braucht seines Dichters sich nicht schämen,
Gleichwie das alte in allen Sachen.
Es kann nicht jeder Narren machen,
Er heiß' denn, wie ich bin genannt:
Der Narr Sebastianus Brant.

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