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Das Narrenschiff

Sebastian Brant: Das Narrenschiff - Kapitel 107
Quellenangabe
pfad/brant/narrens/narrens.xml
typepoem
authorSebastian Brant
titleDas Narrenschiff
publisherPhilipp Reclam jun.
editorHans-Joachim Mähl
year1964
firstpub1494
translatorH. A. Junghans
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectida61d97e4
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106.
Wem es an Öl hier nicht gebricht,
Wer leuchten läßt der Ampel Licht, Vgl. Matthäus 25, 1–13 (Gleichnis von den törichten und klugen Jungfrauen).
Dem fehlt die ewige Freude nicht.

Versäumnis guter Werke

Der ist ein Narr, der zu der Zeit,
Wenn Gottes Urteil ist bereit,
Urteilen muß mit eignem Mund,
Daß er verborgen hab sein Pfund,
Das ihm empfohlen Gott der Herr,
Damit er sollt gewinnen mehr.
Dem wird dasselbe genommen sein,
Und er geworfen in die Pein. Vgl. Matthäus 25, 14–30.
Desgleichen deren Ampel ist
Entleert, daß ihr das Öl gebrist,
Und die erst suchen ander Öl,
Wenn schon ausfahren will die Seel!
Vier kleine Dinge sind auf Erden, Sprüche Salomonis 30, 24–28.
Sind weiser doch als Menschen werden:
Die Ameis, die ihre Kraft nicht schont,
Das Häschen, das im Felsen wohnt;
Die Heuschreck, die keinen König wählt
Und zieht in Einheit doch ins Feld;
Die Eidechs geht auf Händen aus
Und wohnt doch in der Könige Haus.
Wer Honig find't und volle Waben,
Eß nur so viel, als ihn tut laben,
Und hüte sich zu fülln mit Süße,
Daß ers nicht wieder speien müsse. Sprüche Sal. 25, 16.
Wenn auch ein Weiser jählings stirbt,
Die Seel ihm nimmermehr verdirbt, Weisheit Sal. 4, 7.
Aber wer töricht und unklug denkt,
Verdirbt und wird dann eingesenkt
Und wohnt für ewig in dem Grabe.
Dem Fremden läßt er Seel und Habe. Vgl. Psalm 49, 11. 12.
Ein größrer Tor ward nie gemacht,
Als wer der Zukunft nicht hat acht
Und ewig schätzt zeitliches Gut.
Es brennt manch Baum in Höllenglut,
Der nicht wollt tragen Früchte gut. Vgl. Matthäus 7, 19.

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