Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Paula Dehmel >

Das liebe Nest

Paula Dehmel: Das liebe Nest - Kapitel 112
Quellenangabe
typepoem
booktitleDas liebe Nest
authorPaula Dehmel
firstpub1919
year1919
publisherE. A. Seemann
addressLeipzig
titleDas liebe Nest
created20041205
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Allerlei Rätsel

– 1 –

                              Ich habe Flügel – rate, Kind –
doch flieg ich nur im Kreise;
und singen tu ich, wenn der Wind
mir vorpfeift, laut und leise.
Was ihr den Feldern abgewinnt,
kau ich auf meine Weise;
doch was mir durch die Kehle rinnt,
das mundet euch als Speise.

?[Windmühle]

– 2 –

Standen vier weiße Ritterchen
auf einem roten Gitterchen,
die machten alles klitzeklein
und warfen es in ein Loch hinein.
Als das die andern Ritter sahn,
zogen sie neue Harnische an,
kamen aus ihren Burgen herbei,
stellten sich tapfer in die Reih
und machten hack
und sagten knack
und warfen alles in einen Sack.

?[Die ersten Zähnchen]

– 3 –

Die erste frißt,
der zweite ißt,
das dritte wird gefressen;
das ganze wird zu Pökelfleisch
und Erbsenbrei gegessen.

?[Sau-er-kraut]

– 4 –

Mein erstes ist ein Hund,
mein zweites ist ein Junge,
mein ganzes ist ein Dieb,
kein Hundejunge!

?[Spitzbube]

– 5 –

Die ersten sind ein Untertan,
die dritte ist ein Untertan,
das ganze ist ein Untertan,
wird von dem andern Untertan
unter den ersten Untertan
ganz untertänigst untergetan.

?[Stiefelknecht]

– 6 –

Wenn das R am Anfang steht,
liebt man es nicht sauer;
wenn es bis ans Ende rutscht,
hüt dich vor dem Hauer!

Wenn das R am Anfang steht,
ist's ein Heldenname;
wenn es bis ans Ende rutscht,
wird's ein Waldbaumsame.

Wenn das R am Anfang steht,
sind es böse Leute;
wenn es bis ans Ende rutscht,
gerbt man seine Häute.

Wenn das R am Anfang steht,
ist es eine Schale;
wenn es bis ans Ende rutscht,
wird's ein Orientale.

Wenn das R am Anfang steht,
ist's ein klein schwarz Luder;
wenn es bis ans Ende rutscht,
ist's von »wenn« der Bruder.

?[Rebe – Eber; Recke – Ecker; Rotte – Otter; Rinde – Inder; Rabe – aber]

– 7 –

Wächst einer alten Dame
ein Buckel kleinster Sorte,
verwandelt sie sich augenblicks
in ein Stück Mandeltorte.
Doch nimmst du ihr den Rücken,
aus dem der Buckel wächst,
hast du die alte Dame
zur trocknen Frucht verhext.

?[Matrone, Makrone, Marone]

– 8 –

Ich stand begehrlich am Worte,
umgekehrt wuchs es nicht weit;
ein arges Diebsgelüste
besiegte die Redlichkeit.
Ich stahl das umgekehrte,
kein Argus achtete drauf;
schmunzelnd enteilt' ich dem Worte
und aß es umgekehrt auf.

?[Gitter, Rettig]

– 9 –

Mein erstes ist nicht wenig,
mein zweites ist nicht schwer;
mein ganzes läßt dich hoffen,
doch hoffe nicht zu sehr!

?[Vielleicht]

– 10 –

Es läuft und hat keine Beine,
es gibt viele und doch nur eine.
Wer zuviel hat, kann's nicht verschenken;
wer zu wenig hat, muß es beschränken.
Bald geht es langsam, bald schnell;
mal ist es dunkel, mal hell.

?[Zeit]

– 11 –

Christkindchen lag im Stalle
und hörte die ersten schrein;
die zweiten tragen wir alle
zur Weihnachtszeit am Bein.

?[Schafwolle und Rindleder]

– 12 –

Sind es die Stiefel, halten sie 'ne Weile;
wird es der Junge, kriegt er halt Keile.

?[Versohlt]

– 13 –

Der Vater will's das Fritzchen
(die erste Silbe betont) –
Jedoch die Mutter bittet,
da ward der Schelm verschont.
Sie sprach: Du mußt dir's, Liebster,
(die dritte Silbe betont) –
denn Nachsicht mit den Kleinen
wird oft von Herzen belohnt.
Denk doch, wie du's dem Jungen
an Einsicht bist und Geist;
du mußt was andres dasselbe,
das ihn sich bessern heißt.

?[Überlegen]

– 14 –

Klärchen nähte an dem ersten
und war ganz die beiden zweiten,
denn sie durfte Sonntag reiten,
Leutnant Kurt wollt sie begleiten;
ihre Augen wurden groß,
müßig lag die Hand im Schoß.

Mutter näht am andern Fenster,
sah's und runzelte die Brauen:
Höre, Kind, Luftschlösser bauen
taugt nicht viel für fleißige Frauen,
weil man leicht die Pflicht vergißt
und zu sehr das Ganze ist.

?[Saumselig]

– 15 –

Mariechen war's. Mit meinem Kuchen
stand ich nun da und dem Bukett.
Wo soll ich bloß das Mädel suchen?
Wenn sie doch nur geschrieben hätt!

Ja ja, ich hab sie es seit Jahren;
ich gebe zu, das war recht dumm.
Nein, welch ein rücksichtslos Gebaren!
Und schwer geärgert kehrt' ich um.

?[Verzogen]

– 16 –

Froh singt ihr Lied am Sommertag
die eins-zwei früh und spat.
Die drei wünscht jeder Jüngling sich;
doch bricht er ab, ist's schad.
Das Ganze war ein König, der
lustig und unverschämt
die stolze Prinzeß, die ihn nicht wollt,
bestraft hat und gezähmt.

?[Drosselbart]

– 17 –

In eins-zwei-drei lebt ganz gemütlich
Herr Müller mit Herrn Schulze friedlich;
bis Müller einst, wer hätt's gedacht,
Anspruch auf Schulzes zwei-drei macht.
Da hörte man ein bös Geschrei:
So denk doch eins, mein Herr eins-zwei!
Ich muß stets alles zwei bezahlen,
kann nicht mit zuviel zwei-drei prahlen;
kommst du noch mal mir drum ins Haus,
ist's mit der guten eins-zwei-drei aus.

?[Nachbarschaft]

– 18 –

Er geht in sich, um sich zu pflegen,
und ist in sich um sich verlegen.

?[Der Rat]

– 19 –

Rate, Freund, es ist nicht schwer:
Wer's hat, hat, was er hatte, nicht mehr.
Wer's aber ist, den äfft des Teufels Brut;
man sperrt ihn ein und fürchtet seine Wut.

?[Besessen]

– 20 –

Wer es hat, der ist betrübt;
aber froh und stolz, wer's gibt.

?[Ausschlag]

– 21 –

Das Wort pflegt zu erhöhn
den Glanz des Edelsteins;
solang man es bewahrt,
ist man der Herr des Seins.

?[Fassung]

– 22 –

Sind es die Feinde, muß man sich wehren;
sind's deine Backen, mußt du sie nähren.
Ist mir's ein Rätsel, schreib ich es nieder;
ist es mein Haus – nun, so bau ich es wieder.

?[Eingefallen]

– 23 –

Wenn es von Freund und Liebchen kommt,
oder von dir verfaßt,
so liebst du wohl das erste Wort;
sonst ist es dir verhaßt.

Das zweite Wort, so klug wir sind,
machen wir Menschen viel;
und was dich reut, oft andre freut
im schadenfrohen Spiel.

Der Schluß: gefürchtet und geneckt,
teils boshaft und teils dumm,
geht er als Geist des Widerspruchs
in Schrift und Mären um.

Die drei vereint: wir stehn verdutzt,
wie Zufalls Koboldmacht
das Wort entstellt, den Sinn verdreht –
man ärgert sich und lacht.

?[Druckfehlerteufel]

– 24 –

Zwei Worte weiß ich, die einander feind,
das eine sucht das andre zu verderben,
in beiden müssen viel Geschöpfe sterben;
und hast du sie zu einem Wort vereint,
eint sich auch ihre zehrend böse Kraft,
schon manchen Volksstamm hat es hingerafft.

?[Feuerwasser]

– 25 –

Auf der höchsten Berge Rücken
ist es immer leicht zu finden,
wo die kleinen Gletscherbäche
schäumend sich zu Tale winden.

Tausch die Silben – ach, verlegen
steh ich vor gemischten Dingen,
Chemiker und Apotheker
mögen dir die Lösung bringen.

?[Wasserscheide, Scheidewasser]

– 26 –

Ich hab keine Hände und kann doch tragen,
hab keine Flinte und kann doch jagen;
kann klettern und schwere Lasten heben
und bin doch ein zartes, hinfälliges Leben.

?[Winde]

– 27 –

Viel Glieder hab ich, die einander gleichen.
Ich helf auf des Verbrechens dunklem Pfade,
doch himmelshell führ ich empor zur Gnade;
manch hohen Stand kannst du mit mir erreichen.

Bist du's, so darfst du wanken nicht noch weichen;
denn Ehre trägst du neben mancher Last,
die arbeitsfroh du übernommen hast,
ob du im Kleinen wirkst, ob hoch im Grade.

?[Leiter]

– 28 –

Getrieben werd ich, doch ich treibe wieder;
mir folgen arbeitsam viel erzne Glieder.
Seit Jahrmillionen geh ich auf und nieder,
bald sanft, bald wild, doch niemals ohne Brüder.

Hitze und Kälte trag ich, hin und wider;
übt mich der Knabe, stärkt er seine Glieder.
Die Luft durcheil ich ohne jed' Gefieder;
den Augen bring ich Schau, den Ohren Lieder.

?[Welle]

– 29 –

Stets bin ich eines Leuchtenden Trabant,
teils nah, teils fern ihm, wie's der Himmel will.
Bescheiden bin ich selten, niemals still;
ja, Schweigen ist mir gänzlich unbekannt.

Ein Wort füg an, das keiner gern empfängt
und das die Kinder schreckt von Alters her;
doch ohne es fällt manche Arbeit schwer,
weil's feste Massen auseinander drängt.

Das ganze Wort sind Steinchen unter Steinen,
die im Geröll sich finden, glatt und spitz;
du hebst sie auf und freust dich an dem Witz,
den die Natur sich hat erlaubt im Kleinen.

?[Donnerkeile]

– 30 –

Ich bin nur klein, doch banne ich die Welt
in meinen Kreis bis hoch ins Sternenzelt;
dem Vorbild der Natur einst nachgeschafft
vertiefte ich den Blick der Forschungskraft.
Ein Wort füg an, das sich der Mensch gesetzt
zur Ordnung gegen den, der sie verletzt;
der Fromme fühlt es oft von Gott gesandt,
ans Letzte, Jüngste denkt er furchtgebannt,
an Weltkrieg, Hungersnot und Aufruhrleid –
da ist das Ganze eine Seltenheit.

?[Linsengericht]

– 31 –

Die erste Silbe führt die krause Schar,
die uns vertraut seit unsrer Klippschulzeit.
Die zweite tönt durch Weiten hell und klar,
ruft bald zur Ruhe, bald zu wildem Streit.
Und wenn der tapfre Krieger
sein junges Leben gab,
fällt ihm vielleicht der Schatten
des Ganzen auf sein Grab.

?[A, Horn, Ahorn]

– 32 –

Ein deutscher Meister war es, gottgesandt,
der jenes edle Tonstück uns geschenkt;
der Vogel übt's, der seine Flügel lenkt –
dir wünsch ich es, mein deutsches Vaterland.

Was allen Flügelwesen wohlbekannt,
was jedes Blatt, das aus der Hülle bricht,
ersehnt; was man von Kraft und Tugend spricht –
das wünsch ich dir, mein deutsches Vaterland.

Ein Flüßchen, an der Schieferberge Rand,
sehr vielen ist sein Name leerer Schall,
ein kleines Wort, doch wir ersehnen 's all –
wünsch ich dir auch, mein deutsches Vaterland.

Auch ihn, der tief verabscheut Mord und Brand,
den Engel, der auf Morgenwiesen geht,
doch oft verhüllten Hauptes abseits steht –
ihn sende Gott dir, o mein Vaterland!

?[Aufschwung; Entfaltung; Sieg; Frieden]

– 33 –

In Not und Gefahr
greife ich ein,
schmerzlich willkommen
der Angst und der Pein;
lies mich von vorn,
lies mich verkehrt,
immer der gleiche,
geschmäht und geehrt.

?[Retter]

– 34 –

Wir sind's mit Stamm und Vaterland,
mit Menschen, die uns lieb und blutsverwandt,
mit jeder Arbeit, die der Seele wert;
der Reiter rühmt: wir sind's, ich und mein Pferd.

Doch wer es ist, trägt eine schwere Last,
er ist sich selbst ein mißgeschickter Gast;
statt Liebe blüht ihm Mitleid, und im Schwarm
gesunder Jugend fühlt er doppelt Harm.

?[Verwachsen]

– 35 –

Wir sind's gewiß in vielen Dingen
in einem sind wir's nimmermehr;
die sind's, die wir zu Grabe bringen,
und eben die sind's bald nicht mehr.
            Drum, weil wir leben,
            sind wir's eben
            an Wesen wie Gesicht;
            drum, weil wir leben,
            sind wir's eben
            zur Zeit noch nicht.

?[Verschieden]

– 36 –

Nennst du das Ganze, tönt es uns entgegen
von Sommernächten, wo des Mondes Horn
verschwärmten Pärchen winkt auf lauschigen Wegen,
und wo aus seinem wundersamen Born
das Märchen auftaucht und in tiefem Sinnen
uns anschaut, und verträumte Bäche rinnen.

Teilst du das Wort, stellt dir zuerst sich dar
die Stadt, die wir mit Ehrfurcht gern beschauen,
die Heiden einst wie Christen heilig war,
wo Pilger heut und Kenner sich erbauen;
ein Teil der Stadt ist noch des Wortes Rest
und hält den Glanz vergangner Zeiten fest.

?[Romantik]

– 37 –

Ohne Zepter, ohne Krone
herrsche ich auf dieser Erde,
buntes Spiel vor meinem Throne
zaubert stets mein Wort: Es werde!

Noch zwei Zeichen: Alles wich,
Pracht und Buntheit sind verschwunden,
und in künftigen dunklen Stunden
werden es auch du und ich.

Aber ändre den Akzent:
sieh, schon quillt das Leben wieder,
neue Schau und neue Lieder,
die man gern mit mir benennt.

?[Mode, modern]

– 38 –

Mein Strom ergießt sich sickernd durch die Welt,
ich dring in Haus und Hütte, Schloß und Zelt.

Seitdem der Mensch Urkunden aufbewahrt,
sind Geist und Wille durch mich offenbart.

Ich schüre Gluten, wirke Herzeleid,
tief wird durch mich verdammt und hoch gebenedeit.

Versöhnung bring ich und entfache Streit,
zeig manchen töricht, manchen grundgescheit.

Doch sitzt du in mir, fühlst du dich geknickt;
vielleicht, daß dir durch mich die Rettung glückt.

?[Die Tinte]

– 39 –

Ich nähre mich von fremden Stoffen,
doch kann auch ohne sie bestehn;
ich bin's, auf das die Weisen hoffen,
und alle Weiten stehn mir offen,
ihr würdet ohne mich vergehn.

Am hellen Tage herrsch ich gerne,
doch auch die Nacht ist mir vertraut;
ich wohne auf dem kleinsten Sterne,
mich schreckt sie nicht, die große Ferne
die mich mit Geisterhänden baut.

Ich wirke in den Himmelsblitzen,
versteckter Tat bin ich verhaßt;
wo grübelnd die Gelehrten sitzen
und ratlos ob der Lösung schwitzen,
bin ich ein hochwillkommner Gast.

?[Das Licht]

– 40 –

In alten Zeiten
hat mich der Mensch erdacht
und Ordnung mit mir
in die Dinge gebracht.

Wie nötig bin ich
der Wissenschaft,
wie zeige ich
der Völker Kraft!

Wenn ich nicht eng
ihm verbunden wär,
wie würde erliegen
das tapferste Heer!

Und doch weiß jeder,
wie schwach ich bin,
denn erst mein Nachbar
gibt Halt mir und Sinn.

?[Die Zahl]

– 41 –

Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich;
mein Leben ging so lind wie Frühlingswellen,
und zaghaft flossen meines Geistes Quellen,
                  eng, doch erbaulich.

Ich wuchs und wuchs, es schwollen meine Adern,
sie dehnten sich wie meine Machtgedanken;
mein Schaffenswille türmte ohne Schranken
                  Quadern auf Quadern.

Den Künsten schuf ich manche Pflegestätte,
ich half der Wissenschaft zu vollem Wirken,
und Geist und Arbeit gaben den Bezirken
                  die feste Kette.

Doch Ruh und Frieden mußten weiterziehen;
und meine Kinder lassen gern sich locken
von grünen Wäldern, sanften Herdenglocken,
                  mir zu entfliehen.

?[Die Stadt]

– 42 –

Mein erstes Wort, im engen Raum genährt,
strebt weit hinaus, daß es die Welt regiere;
wir stäken noch im Dämmersinn der Tiere,
hätte nicht Gott dem Menschen es gewährt.

Mein zweites hat der Kaiser und der König,
und ist es auch zumeist; fast jeder strebt
es irgendwie zu sein, solang er lebt,
und wer es ist, dem scheint es oft zu wenig.

Der, der das Ganze ist, wirft manchen Blitz
anfeuernd ins Gespräch und ins Gerede,
ein wohlgelittner Schalk selbst in der Fehde;
man lobt den Scharfsinn, freut sich an dem Witz.

?[Geistreich]

– 43 –

Willst du das erste Wort stets sein und handeln,
so hast du eine schwere Arbeit vor,
so leicht sie scheinen mag; doch stets erkor
der Edle sie, wie auch die Zeiten wandeln.

Das andre Wort scheint winzig und gering,
doch schlummern in ihm unbegrenzte Kräfte;
es schwillt und wächst, wenn es die rechten Säfte,
die nur Natur verleihen kann, empfing.

Vereint die Worte: altverbriefte Rechte,
Gemeinden oder Ständen zuerkannt,
beherrschten sie vor Zeiten Stadt und Land,
doch schwinden hin im späteren Geschlechte.

?[Gerecht, Same, Gerechtsame]

– 44 –

Mein Reich ist unbegrenzt; bis in die fernste Zone
flieg ich hinaus. Selbst hin zu Gottes Throne
bahn ich den Weg mir aus der engen Zelle,
in der ich ward. Ich liebe Klarheit, Helle.
Dem Willen beigesellt, der Kind mir und Berater,
bin ich – ich sag es stolz – der größten Taten Vater.

Ein neues Wort schließ an: Es ist des Künstlers Ziel,
dir zu vermitteln fremder Geister Spiel,
das er mit seinem Lebensblute tränkt
und eigne Kraft den fremden Seelen schenkt.
Erschrocken steht's der Arzt, fragt: wie? woher?
Manch Leben bliebe heil, wenn ich nicht wär.

Vereine beide Worte: Welch ein Wissen
von Mensch zu Mensch! In fremdes Sein gerissen
stehn wir vor unbegreiflich zarten Dingen,
die unsrer Seele dunkle Träume bringen,
und fühlen scheu des Geistes Doppelwesen.
Du großes Rätsel, wer wird je dich lösen?

?[Gedankenübertragung]

 << Kapitel 111  Kapitel 113 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.