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Das liebe Nest

Paula Dehmel: Das liebe Nest - Kapitel 110
Quellenangabe
typepoem
booktitleDas liebe Nest
authorPaula Dehmel
firstpub1919
year1919
publisherE. A. Seemann
addressLeipzig
titleDas liebe Nest
created20041205
sendergerd.bouillon
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Wanderlied

                      Sonnenlichter,
    Frühlingswichter
spielen auf der dunkeln Wand.
Prüfend öffne ich das Fenster;
seht die Wolken, die Gespenster
lösen sich am Himmelsrand.

    Holla, Jungen,
    aufgesprungen,
schnell das Ränzel aus dem Spind!
Kommt, wir wandern durch die feuchten
Saaten; wie Smaragden leuchten
Halm an Halm im Morgenwind.

    Feste Schritte,
    Männersitte;
wie die Ferne lockt und wirbt!
Und wir lassen sie im Schreiten
achtlos oft vorübergleiten,
bis sie hinter uns erstirbt.

    Hohe Ziele,
    nicht zum Spiele;
immer steiler wächst der Paß.
Aber oben wolln wir rasten
nach der Arbeit, nach dem Fasten;
Jungens, trinkt, ich komm euch was!

    Hoch im Blauen
    selig Schauen,
unter uns der Erde Glück!
Doch es zieht mit tausend Armen
immer wieder zu den warmen
Menschenstätten uns zurück.

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