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Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker

Friedrich Nicolai: Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker - Kapitel 59
Quellenangabe
typefiction
booktitleDas Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker
authorFriedrich Nicolai
year1991
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-008694-9
titleDas Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker
pages443-459
created19990827
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1773
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Dritter Abschnitt.

Einige Zeit darauf, fiel Säugling, der Vater, als er nur seinen gewöhnlichen Frühlingsschnupfen zu erhalten vermeinte, plötzlich in ein starkes Fieber, welches ihn einige Tage lang bettlägerig hielt. Es fügte sich, da er sich besserte, und Nachmittags ruhen wollte, daß Sebaldus, nebst dem jungen Säugling, indessen einen kleinen Spaziergang machte. Eben unter der Zeit, kam Rambold angeritten. Da er auf diese Art niemand sprechen konnte, vertrieb er sich indessen die Zeit damit, daß er die Zeitungen durchlief und die Aufschriften der Briefe überlas, die der Postbote nicht lange gebracht hatte, und die noch im Zimmer auf dem Tische lagen. Er fand unter den Briefen einen an den jungen Säugling, davon ihm die Handschrift bekannt schien, und steckte ihn zu sich, um einen Schabernack damit zu machen, wovon er, wie wir schon wissen, ein Liebhaber war. Er konnte sich nicht lange darauf bedenken, indem Säugling der Sohn eben zurück kam, und ihm den Sebaldus, den er hier noch nicht gesehen hatte, vorstellte. Sebaldus gieng gleich darauf, zu sehen, ob der Kranke erwacht sey, und gab Rambolden freye Hand, Säuglingen wegen dessen Neigung zu einem Bettler, gewöhnlicher Art nach, aufzuziehen. Dennoch hörte er Säuglings Erzählung von Sebaldus Namen, Stand und Begebenheiten mit besonderer Aufmerksamkeit an, fragte auch selbst, mit mehr als gewöhnlicher Neugier, nach verschiedenen Umständen. Da indessen Säugling fortfuhr, mit warmer Theilnehmung die Geschichte zu erzehlen, schien Rambold darüber betroffen zu seyn, ward wider seine Gewohnheit ernsthaft, stand auf und gieng ein paarmahl im Zimmer auf und nieder, schien über die Erzehlung unruhig zu werden, lehnte sich ins Fenster, nahm, ohne daran zu denken, den Brief aus der Tasche, erbrach ihn in der Zerstreuung, las ihn, ward feuerroth, nahm mit einemmahle eine ganz andere, vergnügte, Mine an, schlug in die Hände, sah nach der Uhr, brach kurz ab, rief aus dem Fenster, daß man sein Pferd gleich satteln solle, sagte, er müste unumgänglich gleich wieder nach Hause, umarmte Säuglingen, schwang sich aufs Pferd, und ritt schnell davon.

Säugling wußte nicht, welcher Veranlaßung er Rambolds plötzlichen Aufbruch zuschreiben sollte, indessen da er an demselben schon mancherlei Launen gewohnt war, so dachte er weiter nicht darauf, oder glaubte vielleicht wirklich, Rambold würde durch ein Geschäft nach Hause gerufen. Indessen ritt Rambold nicht nach Hause, sondern einen ganz andern Weg, wie berichtet werden soll, wenn wir erst zurückgesehen haben, wo Mariane geblieben, von der wir, seitdem sie dem Obersten entsprungen war, keine Nachricht erhalten haben.

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