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Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker

Friedrich Nicolai: Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker - Kapitel 56
Quellenangabe
typefiction
booktitleDas Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker
authorFriedrich Nicolai
year1991
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-008694-9
titleDas Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker
pages443-459
created19990827
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1773
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Siebenter Abschnitt.

Hier hielt Sebaldus mit Lesen inne, und fragte seine beiden Zuhörer, was ihnen dazu dünkte.

Van der Kuit antwortete: »Hm! solch Buch sollte sich wohl verkaufen,« und sah dabey mit sonderbar schlauer Mine, den Domine an.

Domine de Hysel, versetzte mit niedergeschlagenen Augen: »das mag mein Herr van der Kuit am besten verstehen.«

Van der Kuit that noch einige Fragen, um den Domine auszuholen. Dieser aber wich aus, kam auf eine andere Rede, fragte, ob von Sebaldus Journale nicht ein neues Stück heraus gekommen sey, sah nach seiner Uhr, sagte, daß er eilen müßte, empfol sich, und gieng fort.

Sebaldus ließ seine fertigen Hefte in den Händen des Buchhändlers, bat ihn die Sache zu überlegen, und gieng, weil eben einer der ersten Frühlingstage war, sehr zufrieden, seinen Lieblingsspaziergang auf den Dyk nach Seeburg, um sich an der Aussicht auf das Y zu laben.

Der Buchhändler gieng, nachdem er sowohl den Domine, als den Sebaldus, bis vor die Thür seines Ladens begleitet hatte, bedächtig in seine Schreibstube zurück, um zu überlegen, ob nicht eine Spekulatie zu machen wäre.

Mynheer van der Kuit, war ein Buchhändler, der das Handwerk verstand, und trieb es auch als ein Handwerk. Ein Buch sahe er als ein Ding an, das verkauft werden könnte. Weiter kümmerte ihn nichts dabey. Aber hierzu wuste er auch alle Vortheile zu suchen, und noch besser sich dabey vor allem Nachtheile zu hüten. Dabey bemühte er sich nicht etwan um kleine gemeine Vortheile, z. B. für ein neues Buch einen pfiffigen Titel zu ersinnen, über ein verlegenes Buch, nebst einer neuen Jahrzahl, einen neumodischen Titel zu schlagen, sich des Verlagsrechts eines zu übersetzenden Buches dadurch zu versichern, daß man es ankündigt, ehe es noch im Originale erschienen ist, u. d. gl. mehr. Nein! Mynheer van der Kuit spekulirte ins Große. Er war von weitem her, achtsam auf alles, was ihm einmahl dienen könnte, und that als ob die Leute, die er zu nichts zu nutzen wußte, ja selbst, als ob die Bücher die er nicht hatte, nicht in der Welt wären. Sein Hauptgrundsatz war, was er selbst brauchen könnte, müsse ein anderer nicht haben. Hiezu wußte er, oft durch die vierte Hand, Maschinen in Bewegung zu setzen, und konnte nachher ganz unbefangen dabey aussehen, als ob ihm die Sachen so ganz natürlicherweise in die Hände gelaufen wären. Es ist wahr, er handelte dabey nicht allemahl ganz genau nach den gewöhnlichen Grundsätzen der Ehrlichkeit und der Menschenliebe. Er hatte aber seine Partie dergestalt genommen, daß er, wo es hingehörte, von Ehrlichkeit und Menschenliebe ganz fein zu reden wuste, und da man ihm weder die Ehrlichkeit absprechen konnte, daß er seine Schulden richtig bezahlte, und auch eben so pünktlich eintrieb, noch die Menschenliebe, daß er keinen Bedürftigen ohne Allmosen weggehen ließ, wenn jemand zugegen war, und keinen Schuldner verklagte, von dem er vorher sahe, daß er nicht würde bezahlen können; so war keinesweges zu beweisen, daß er, mit seiner Schlangenklugheit, nicht auch die Falschlosigkeit einer Taube verbinde.

Dieser Mann hatte es lange mit einer Art von Widerwillen angesehen, daß er bey dem Drucke, der so gut verkäuflichen Werke des Kollegianten, nichts als nur der Namenleiher seyn sollte. Besonders war ihm dieses bey dem gelehrten Tagebuch aufgefallen, von welchem er monatlich eine große Anzahl Exemplarien, zu seinem Mißvergnügen absetzte, weil ihm bey jedem Exemplare einfiel, daß dieß Werk eigentlich sein Eigenthum seyn sollte, und nicht des Kollegianten, der nur die Kleinigkeit dabey that, daß er es schrieb. Indessen, da der Kollegiant ein reicher und angesehener Mann war, der auch eine zahlreiche Bibliothek unterhielt, so mußte van der Kuit schon sein Mißvergnügen in sich schlucken. Da aber Sebaldus, ein armer unbekannter Fremder, das Eigenthum dieses Werks erhielt, sahe der erfahrne Buchhändler keinen Grund, warum er mit demselben auch ferner so viel Nachsicht haben sollte. Er setzte also bey sich fest, daß er dieses Werk einst ganz an sich ziehen müsse. Er hatte dem Sebaldus, zu diesem Behufe, einige wohlausgesonnene Vorschläge gethan, welche dieser, der in Geschäften ziemlich kurzsichtig war, sich sehr leicht würde haben gefallen laßen, wenn nicht van der Kuit, welcher zu viel Absichten auf einmahl erreichen wollte, ihm zugleich ein paar Mitarbeiter hätte aufdringen wollen, die zwar nach van der Kuits, nicht aber nach Sebaldus Absichten arbeiteten. Er bekam also eine ausdrückliche abschlägige Antwort. Diese Widerspenstigkeit eines Autors brachte ihn nicht wenig auf, und bestärkte ihn in seinem löblichen Vorsatze, das Journal zu besitzen und zugleich nach eigenem Gefallen zu regieren.

Dieser Vorsatz, wobey er, nachdem er einmahl einen Schritt deshalb gethan hatte, seine Ehre interessirt glaubte, lag ihm beständig im Kopfe. Da er nun jetzt über das Schicksal von Sebaldus Uebersetzung spekulirte, und einestheils wohl erwog, daß sie möchte verkäuflich seyn, anderntheils aber auch Verdrießlichkeiten mit der Geistlichkeit befürchtete, durch deren Kundschaft er so manche schöne uitlegkundige Vermaaklykheeden, Verklaaringen und Leer-Reeden verkaufte, so konnte er mit sich noch gar nicht einig werden, wie der Gewinn davon, mit rechter Vorsicht, und doch unbeschnitten könnte erlangt werden.

Mit einemmahle fieng seine Spekulation an, einen andern Weg zu nehmen. Er hieng das Angesicht, krümmte die Unterlippe, legte den Zeigefinger der linken Hand an die Nase, und endlich schien es ihm ganz natürlich vor Augen zu stehen, daß durch diese Uebersetzung, auch wenn sie nicht gedruckt würde, das gelehrte Tagebuch sein Eigenthum werden müßte. Diese wichtige Entdeckung machte ihn unruhig, er gieng aus seiner Schreibstube in den Laden, aus dem Laden in die Schreibstube, schnalzte mit den Fingern, rückte die Perucke, zog die Beinkleider auf, rieb sich die Hände, eilte mit Sebaldus Uebersetzung nach Hause, die er, ohne ans Abendessen zu denken, ganz durchlas, die nöthigen Stellen mit einem Kniffe bezeichnete, sein Projekt nochmals durchdachte, und sich darauf voller Zufriedenheit zu Bette legte.

Den folgenden Tag, bey früher Tageszeit, verfügte er sich zu Domine de Hysel, dem er die ganze Uebersetzung vorlegte, und ihm die Beschaffenheit des Buchs erklärte. Er las ihm zugleich alle die angezeichneten Stellen vor, in deren jeder er eine derbe Ketzerey zu finden vermeinte. Er versicherte, »er wisse daß Sebaldus gefährliche Absichten gegen die Landesreligion im Schilde führe, und daß er ein Socinianer sey. Er suchte zugleich den Domine zu bewegen, dieses gefährliche Buch der Obrigkeit anzuzeigen. Oder wenn man, aus Menschenliebe, dieß noch unterlaßen wolle, so gab er zu verstehen, der Domine werde doch in seiner Gegenwart, dem Sebaldus, wegen seiner gottlosen Meinungen, die, wie er vernommen, auch schon hin und wieder in dem Journale zu Tage lägen, stark das Gewissen schärfen, und wenn dieses, wie zu befürchten wäre, nicht helfen sollte, allenfalls bey der Obrigkeit zeugen, daß er einen Theil dieses bösen Buchs vorlesen hören, und daß es habe zum Drucke befördert werden sollen.«

Mynheer van der Kuit, hoffte von dieser Rede, die er wohl ausstudirt hatte, den erwünschtesten Erfolg. Wider Vermuthen aber, antwortete Domine de Hysel auf verschiedene Fragen gar nichts, und erklärte endlich, mit zerstreuter Mine: »daß er gestern wirklich nicht recht acht gegeben, als der Heft vorgelesen worden. Im Grunde sey manches doch auch nicht so schlimm, und könne besser ausgelegt werden – – ob ers gleich auch nicht vertheidigen wolle – – Da das Buch noch nicht gedruckt sey, wäre es ohnedieß zu hart, die Bestrafung von der Obrigkeit zu verlangen. Er dürfe dem Herrn Nothanker ja nur den Verlag abschlagen, – – welches er ihm zwar auch nicht eigentlich rathen wollte – – Kurz, er bäte ihn, zu glauben, daß er gestern gar nicht acht gegeben habe, und niemand ihre heutige Unterredung zu entdecken – – er könne sich nicht wohl in die Sache mischen.« Und bey allen diesem ließ er deutliche Zeichen der Verlegenheit merken.

Van der Kuit konnte gar nicht begreifen, wie die Entdeckung eines Ketzers, auf einen rechtsinnigen Geistlichen so wenig Eindruck machen könnte, denn er hatte gewiß geglaubt, ihn ganz bey seiner Schwäche zu fassen. Da er nun merkte, daß er den Beystand, den er gewiß von dem Domine zu erhalten hoffte, verfehlt hatte, und es nicht dienlich fand, demselben die wahre Ursach seines Antrags näher zu erklären, so gieng er, nachdem er sich dienstlich empfohlen, ziemlich betroffen, zur Thür hinaus.

Wollte der geneigte Leser etwan aus diesem Vorfalle schließen, daß Domine de Hysel heimlich heterodoxe Gesinnungen geheget, so würde er sich irren; denn der Domine, wollte an keinem einzigen Schlusse des Dordrechtschen Synods etwas geändert wissen.

Wollte man etwan vermeinen, der Domine habe die Meinungen des Buchs für unschädlich gehalten, und geglaubt, man könne sie dulden; so würde man noch das rechte Ziel nicht treffen, denn er war gar nicht geneigt sie zu billigen.

Kurzum, alles zu erklären, darf man nur wissen, daß Domine de Hysel, nachdem er den Zweck seiner theologischen Universitätsstudien, ein geistliches Amt, erreicht hatte, sich nunmehr, seine nothwendigsten Amtsgeschäfte ausgenommen, um geistliche Angelegenheiten ganz und gar nicht bekümmerte, und daher, gegen Orthodoxie und Heterodoxie, gegen Duldung und Verfolgung, eigentlich ganz völlig gleichgültig war. Er würde durch Aufmerksamkeit auf diese Dinge, auch nur an seiner Lieblingsbeschäftigung, an dem süssen Umgange mit den lieblichen Musen Latiens, gehindert worden seyn. Er wendete alle seine Zeit auf das Studium der lateinischen Sprache, die er mit der gesuchtesten Reinigkeit schrieb. Besonders machte er die zierlichsten lateinischen Gedichte, und er hatte kürzlich einen Band davon drucken lassen, wovon er nur vor acht Tagen, ein schön gebundenes Exemplar, mit einer hineingeschriebenen Carmine elegiaco abgefaßten, Epistel, ad Seb. 'Αποριαγκυροβολιον V. Cl. dem ehrlichen Sebaldus zur Recension gesendet hatte. Nun befürchtete er, daß wenn er sich in diese Sache, von der er ohnedieß keinen Zweck absahe, mengen wollte, könnten seine Gedichte, für die er eine große Zärtlichkeit hegte, einem widrigen Urtheile ausgesetzt seyn; daher hielte ers fürs sicherste, in dieser Sache nicht mit zu erscheinen.

Uebrigens sagte er darum keine Unwahrheit, daß er vorigen Tag auf Sebaldus Vorlesung nicht Acht gegeben habe, denn da er kein Liebhaber von Prose, am allerwenigsten von holländischer war, so hatte er unterm Lesen, eine sapphische Ode, auf den Dordrechtschen Synod, zu Ende bringen wollen, wozu ihm noch ein paar Ausgänge von Strophen fehlten. Er hatte also von dem Inhalte der Handschrift wirklich nichts vernommen, und wußte es dem Buchhändler schlechten Dank, daß er ihn damit bekannt gemacht hatte, ja er würde sich vor demselben haben verläugnen laßen, wenn er dessen Anbringen hätte vermuthen können.

Van der Kuit gieng indessen voll Kopfschüttelns über seine fehlgeschlagene Erwartung nach Hause, als ihm plötzlich einfiel, daß noch nichts verlohren wäre, wenn Sebaldus nur glauben wollte, daß Domine de Hysel wirklich gesagt hätte, was er, van der Kuit, wünschte, daß er gesagt haben möchte. Er kehrte also wieder um, und gieng zum Sebaldus, den er nach dem gestrigen Spaziergang, und einem ruhigen Schlaf, wohlbehaglich bey Durchlesung eines neuen Buchs antraf, worinn er so viel gute Gedanken, so viel menschenfreundliche Gesinnungen fand, daß dadurch sein Herz, zu allen angenehmen Eindrücken geöffnet war.

Der Buchhändler erzählte ihm gleich, mit angenommener ängstlicher Mine, daß Domine de Hysel erst die Handschrift, und nachher ihn selbst habe zu sich holen laßen, daß er ihm darum viel gottlose Meinungen gewiesen, und sich hoch vermessen habe, den Uebersetzer bey der Obrigkeit anzugeben, um ihn zur Strafe zu ziehen.

Eine schreckliche Nachricht macht desto stärkern Eindruck, je mehr das Gemüth vorher dem Vergnügen geöfnet gewesen. Sebaldus war daher ganz betäubt, und da van der Kuit fortfuhr, gräßliche Mährchen zu lügen, von der Strenge, mit der man in diesem Lande gegen die Ketzer verfahre, daß man sie in Zuchthäuser bringe, zur Vestungsarbeit anschmiede, in entfernte Kolonien verbanne u. d. gl. so ward der gute Mann, der in Welthändeln ganz unerfahren war, und sich nie um die Verfassung irgend eines Landes bekümmert hatte, ganz ausser Fassung gebracht, es stellten sich ihm zugleich, Dwanghuysen, Puistma, der Seelenverkäufer, Stauzius, Wulkenkragenius, der Präsident, und alle widrigen Begebenheiten seines Lebens so schreckenvoll vor, so daß er den treulosen van der Kuit bey der Hand ergriff, und ängstlich ausrief:

»Ach mein Gott was ist das! Könnte ich doch nur aus diesem grausamen Lande entfliehen, ich wollte gehen, so weit mich meine Füße tragen könnten.«

Van der Kuit war eigentlich nur Willens gewesen, den Sebaldus, dessen geringe Weltkenntniß er übersah, durch einen eingebildeten Rechtshandel in solche Verlegenheit zu bringen, daß derselbe sich ganz in seine Arme werfen müßte, wodurch er denn seinen Zweck wegen des Tagebuchs und der unterzuschiebenden Mitarbeiter, desto leichter zu erlangen dachte. Da ihm aber Sebaldus, aus übertriebener Aengstlichkeit, noch ein sichereres Mittel an die Hand gab, so faßte er, als ein weltkluger Mann, gleich dessen Gedanken auf, und sagte mit treuherzig scheinender Mine:

»Er glaube, in der That, es sey für ihn kein Heil, als in einer schnellen Flucht zu finden.«

»Freylich! rief Sebaldus, herzlich beklemmt, ich muß weg! Aber wohin? Wie soll ich so schnell und auch unerkannt aus dem Lande kommen. Ich weiß weder Weg noch Steg, habe auch kein Geld! Nach Ostindien zu gehen, habe ich allen Muth verloren. Nach Deutschland? Wie soll ich dahin zurückkommen? Großer Gott! was wird aus mir werden!«

Diesen Zeitpunkt nahm van der Kuit wahr, ihn mit vielen schönen Worten zu versichern, daß ein jeder ehrlicher Mann, dem andern beistehen müsse. Er setzte hinzu, er wolle, mit eben der Ehrlichkeit und Freundschaft, mit der er ihn vor dem Unglücke gewarnt habe, ihm nicht allein zur Flucht nach Deutschland behilflich seyn; sondern sogar auch mit Gelde helfen; wenn ihm Sebaldus nur den Vorrath und das Verlagsrecht der Werke des Kollegianten, besonders, des gelehrten Tagebuchs, abtreten wolle. Sie wurden bald um etwan hundert Gulden einig, worüber van der Kuit, mit der ihm eignen Thätigkeit in Geschäften, sogleich eine Verschreibung aufsetzte, und auch unverzüglich das Geld auszahlte.

Darauf eilte van der Kuit dienstfertiger weise, den Sebaldus unter fremdem Namen auf die Post nach Arnhem einschreiben zu laßen, verließ ihn auch hernach nicht einen Augenblick, bis er ihn den andern Morgen früh um sechs Uhr, nach dem CingelEin Platz in Amsterdam, von welchem alle Morgen die Post nach Arnhem abfährt. gebracht, und ihn und sein weniges Gepäck wohlbehalten auf dem Postwagen sah.

Sebaldus fuhr in grosser Herzensangst fort, und sah sich beständig um, ob nicht ein Wagen mit Gerichtsdienern hinter ihm käme, um ihn einzuholen. Diese heftige Gemüthsbewegung, hatte auf seine Gesundheit einen solchen Einfluß, daß er, als er Abends nach Arnhem kam, ein heftiges Fieber hatte. Er wollte sich aber, der eingebildeten Gefahr wegen nicht einen Augenblick aufhalten. Gleichwohl war es zu spät, als daß er noch wieder aus der Stadt kommen konnte. Er mußte also in großer Herzensangst die Nacht aushalten. Des Morgens aber, mit Tagesanbruch, gieng er in größter Eil, zu Fuß, nach dem zwey Stunden entlegenen ersten Klevischen Städtchen Sevenaer, wo er von Fieberhitze und Ermattung übernommen, liegen blieb.

Die Krankheit ward gefährlich, und da er nach etlichen Wochen zu genesen anfieng, war durch die Kosten der Reise, des Wirths und des Arztes, sein Geldvorrath fast gänzlich aufgezehret, so daß er, in großer Schwachheit und Armuth weiter schleichen mußte. So kurz seine Tagereisen waren, so mußte er fast immer, einen Tag um den andern, wegen großer Mattigkeit, liegen bleiben, bis er endlich, in einem Dörfchen, wieder vom Fieber ergriffen wurde, und als er sich nach einigen Tagen zu erholen anfieng, nicht weiter konnte. Er ließ den Muth gänzlich sinken, erwartete alle Nächte ruhig den Tod, bey Tage aber, hatte er kaum so viel Kraft, sich bis an den Eingang des Dorfs zu schleppen, wo er den Reisenden das Heck aufzumachen beflissen war, und von den wenigen Almosen, die sie ihm gaben, sein Leben, dessen er nun völlig satt war, kaum kümmerlich hinhalten konnte.

Ende des siebenten Buchs.

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