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Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker

Friedrich Nicolai: Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
booktitleDas Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker
authorFriedrich Nicolai
year1991
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-008694-9
titleDas Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker
pages443-459
created19990827
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1773
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Zweyter Abschnitt.

Es ist leicht zu erachten, daß, da der Herr Vetter, der doch von guter Familie war, sich gegen das hochadeliche Paar so gefällig bezeigte, man von Marianen, eben so viel, wo nicht mehr Gefälligkeit werde verlangt haben, und wie hart dies anfänglich einer Person vorgekommen seyn müsse, die in der glücklichen Unabhängigkeit erzogen worden war, daß sie seit ihrer ersten Kindheit an, von nichts als von ihrer eigenen Vernunft, und von der Vernunft und der Liebe zärtlicher Eltern abhängig gewesen war. Das unschätzbare Glück der Unabhängigkeit ist durch keine andere Vortheile zu ersetzen. Man mag von dem mächtigsten, von dem reichsten Manne, ja, selbst von seinem eigenen Freunde abhängen, so fühlt man die Fesseln, sie mögen noch so weit losgelassen, und noch so schön geschmückt seyn. Wem das Schicksal die Unabhängigkeit versagt, der mache sich gefaßt, einigen der Rechte eines freygebohrnen Menschen zu entsagen: Er lerne vergessen, was er am eifrigsten wünscht, nach dem trachten, was ihm verächtlich ist, Frölichkeit seines Herzens verbeißen, und bey nagendem Kummer ein heiteres Gesicht annehmen. Ist seine Seele zu stark und sein Herz zu empfindlich, als daß er, so oft es verlangt wird, fremden Irrthum eigener Ueberzeugung vorziehen könne, so kämpfe er den bittern Kampf, und lerne über seinen eigenen Verstand siegen.

Diesen Kampf hatte Mariane mit allem, was er herbes und für den menschlichen Geist erniedrigendes hat, auszustehen. Sie sahe freylich nur allzulebhaft ein, daß sie in einem Zustande war, den bloß das Wohlwollen ihrer Obern erträglich machen konnte, und nahm sich ernstlich vor, so lange es höhere Pflichten erlaubten, sich in allen Dingen ohne Widerrede nach dem Willen der Frau von Hohenauf zu richten, und so gar, wenn es möglich wäre, ihren Wünschen zuvorzukommen. Dies war nun freilich ein schwerauszuführendes Unternehmen; denn die Frau von Hohenauf war sehr auffahrend, sehr eigensinnig und sehr ungleich in ihrem Betragen. Auf ihren Adel äusserst stolz, schien sie alle Personen bürgerlichen Standes für Geschöpfe von einer andern Gattung zu halten, denen sie beständig den großen Abstand, der zwischen ihr und ihnen bleiben muste, fühlen ließ.

Und dennoch stammte sie selbst aus bürgerlichem Stande. Ihr Vater Namens Säugling, war ein reicher Pachter gewesen, und ihr Bruder war ein Tuchhändler in einer großen Handelsstadt, der im Kriege durch Lieferungen an die Armeen ein grosses Vermögen erworben hatte. Dieses bürgerlichen Ursprungs aber war sie nie eingedenk. Vielmehr ging ihr ganzes Thun und Lassen dahin, das Ansehen einer Dame von Stande zu haben, und der Familie ihres Gemahls, die seit länger als hundert Jahren auf ihren angeerbten Gütern Kohl gepflanzt hatte, einen neuen Glanz zu geben. Wenn es nur irgend wahrscheinlich gewesen wäre, daß sie an einem der deutschen fürstlichen Höfe die, wie es billig ist, alle Personen, die nicht wenigstens acht Ahnen haben, aus ihrer Athmosphäre ausschließen, würde zur Cour zugelassen worden seyn, und wenn ihr Gemahl nur irgend zu etwas anders geschickt gewesen wäre, als auf die Jagd zu gehen, zu trinken, und alle Anordnungen seiner Gemahlinn zu bewundern: so hätte sie nicht eher geruhet, bis er sich mit ihr nach Hofe begeben hätte. Hätte sie einen Sohn gehabt: so würde sie ihn zu einem adelichen Amte erzogen haben, und solte es auch nur eine Fähnrichsstelle gewesen seyn; da sie aber bloß Töchter hatte, so ging sie damit um, ihnen eine so galante Erziehung zu geben, daß sie Hofdamen werden und durch ihr Vermögen und ihre Reize, Grafen, Minister oder Generale fesseln könnten; durch welche vortheilhafte Vermählungen sie noch hofte am Hofe und vielleicht im ganzen Lande in großes Ansehen zu kommen. Die größte Glückseligkeit, die sie sich in ihrer Einbildung vorstellen konnte!

Mariane war das Werkzeug, durch welches die beiden jungen Fräulein solten zu so wichtigen Absichten geschickt gemacht werden. Hiezu war es nöthig, daß sie mit fertigen Lippen von nichts und über nichts französisch plappern könnten; daß sie alle Vortheile des Putzes, ihrem Körper gemäß, so zu gebrauchen wüsten, damit er, es sey im nachläßigen Nachtkleide, oder in der sittsamen Roberonde, oder in der prächtigen Galarobe mit ausgespreitetem Panier und schwimmender Schleppe, Augen und Herzen der Cavaliere an sich ziehen müßte; daß sie den Verstand hauptsächlich zu der wichtigen Untersuchung gebrauchten, ob die eroberten Herzen behalten, oder ob sie, nachdem damit eine Zeitlang wie mit einem Ball gespielet worden, in den Winkel geworfen werden solten. Sobald sie dies verstanden, so hatten sie die hauptsächlichsten Wissenschaften gelernt, die die Frau von Hohenauf einer jungen Dame, die am Hofe glänzen will, für nöthig hielt.

Im Grunde schien Mariane zur Lehrerin so wichtiger Wissenschaften nicht eben geschickt zu seyn. Ihr schlichter gesunder Verstand hatte ihr eingebildet, daß der Vorzug eines Frauenzimmers vielmehr darin bestehe, daß sie gut, als daß sie schön sey. Ob sie gleich selbst sehr wohl gebildet war, hatte sie sich doch, vielleicht weil es ihr noch nie eine Mannsperson gesagt hatte, niemals etwas darauf zu gute gethan. Zum Putze hatte sie zwar, ohne es zu wissen, eine natürliche Geschicklichkeit, indem alles sehr wohl anstand, was sie selbst anlegte, oder für andre wählte, welches den Friseur Picard bewog, sie für eine wirkliche Französinn zu halten; aber sie hatte den Putz noch niemals gebraucht, Absichten damit zu erreichen. Sie kannte die Reize der großen Welt nicht, und verlangte auch nicht sie zu kennen, denn ihre Wünsche waren bisher immer sehr mäßig gewesen, und waren sehr leicht befriediget worden. Ihr höchster Wunsch war vorher, die Liebe ihrer Aeltern zu verdienen, itzt aber ihre Pflicht zu erfüllen.

Wenn Mariane eine schlechte Lehrerin war, so waren die beiden Fräulein eben so schlechte Schülerinnen. Sie hatten gar keine Anlage zum Hofleben. Sie waren ein paar gute Landmädchen mit rothen Backen, die vor Gesundheit strotzten. Auf dem Hofe herum zu springen, oder des Abends die blökenden Heerden eintreiben zu sehen, war ein Fest für sie. Im leichten Röckchen und im glatten Nachthäubchen mit himmelblauem Bande umsteckt, gefielen sie sich besser, als in dem reichen Anzuge eines stoffenen Schnürkleides mit Pompons besetzt. Wenn Picard seine ganze Kunst an ihren Köpfen beweisen wollte, ward ihnen die Zeit lang, sie gähnten, oder sprangen auf und liefen ein paar mahl in der Stube herum, oder haschten einen Schmetterling, der eben zum Fenster hineingeflogen war. Wenn ihre Mutter, wie es oft geschah, Assembleen hielt, wo in dem schön erleuchteten grossen Saale, der wohlgeputzte benachbarte Adel, an zwanzig Spieltischen mit dem ernsten Geschäft, die Zeit zu tödten, beschäftigt war, schlich sich die älteste Fräulein, Adelheid, oft in den Garten, die untergehende Abendsonne zu betrachten, den Nachtigallen zuzuhören, oder den Duft der Nachtviolen und des Jesmins einzuziehen. Sie hatten beide keinen glänzenden Verstand, wenn man es glänzenden Verstand heißt, über alle Gegenstände vorschnell und mit Selbstgenügsamkeit ein Redespiel zu halten; noch einen lebhaften Witz, wenn man es lebhaften Witz heißt, Gründe mit Einfällen beantworten, und mit Hohngelächter diejenigen aufziehen, die verständiger sind als wir: Aber sie hatten den gesunden Verstand, der sich mit Bescheidenheit und mit Lehrbegierde wohl verträgt, und so viel Antheil an Witz und Scharfsinn, als nöthig ist, die Gegenstände geschwinder vors Anschauen zu bringen. Von dem Stolze ihrer Mutter, der sich auf Verachtung anderer gründete, hatten sie gar nichts. Sie empfanden die Vorzüge ihres Standes bloß alsdenn, wenn sie dadurch Gelegenheit hatten, wohlzuthun, Almosen auszutheilen, oder einem Bedienten der etwas versehen hatte, bey ihren Aeltern Vergebung zu erbitten.

Eine ähnliche Gemüthsart, brachte bey der Lehrerinn und den Schülerinnen sehr bald eine wechselseitige Zuneigung hervor. Eben diese Uebereinstimmung machte zwar das mütterliche Verbot, daß den Fräulein nicht strenge begegnet werden sollte, ganz unnöthig, aber sonst schien ihre Erziehung eine Wendung zu nehmen, die den Absichten der Frau von Hohenauf nicht völlig gemäß war. In den Lehrstunden war sehr oft, an statt vom adelichen Stande, von der Decence, und von artigen Manieren, vielmehr von ihren Pflichten gegen Gott und ihren Nebenmenschen, die Rede. Anstatt zu lehren, wie ein Schminkpflästerchen mit Coketterie zu legen, oder wie eine Affaire de Cœur am rechten Ende einzufädeln sey, worin die gute Mariane ohnedies sehr unwissend war, suchte sie ihnen vielmehr einzuprägen, daß sie ihren Geist mit nützlichen Kenntnissen auszieren, und ihr Herz der Wohlthätigkeit und der Menschenliebe beständig offen erhalten müßten. Die Lettres d'une Religieuse portugaise wurden daher sehr bald von Steelens Frauenzimmerbibliothek und Hippolyte Comte de Douglas von der ganzen Pflicht des Menschen verdrungen.

Hieraus ist leicht abzunehmen, daß überhaupt anstatt der gebotenen französischen, sehr oft die conterbande deutsche Lectur, insgeheim werde überhand genommen haben. Mariane hatte freylich zu wenig monde, um einzusehen, daß jungen deutschen Damen die deutsche Sprache ganz unnöthig sey. Sie hatte noch keinen Begriff davon, daß man, um standesmäßig zu leben, in seinem eigenen Vaterlande fremde werden müsse. Wie konnte es auch anders seyn? Sie kannte die große Welt so wenig, als die junge Fräulein, die sie unterrichten sollte, und glaubte treuherzigerweise, man lebe nur, um selbst besser zu werden, und um andere Menschen glücklicher zu machen. In solchen spießbürgerischen Grillen wollte sie auch ihre Fräulein erziehen; daher war der Schaden eben so groß nicht, wenn sie auch deutsch mit denselben las, indem sie doch die französische Lectur nicht avec goût zu wählen wußte. Sie laß l'Ami de ceux qui n'en ont point lieber, als les Egarémens de l'Esprit & du Cœur und Memnon Histoire orientale, lieber als die Lettres de Ninon Lenclos oder den Almanac de Toilette. Mit diesem Geschmacke stimmte der Geschmack der jungen Fräulein nur allzusehr überein, denn, wenn diese im Mercure de France blätterten, so überschlugen sie meistens alle Pièces fugitives, Chansons, Enigmes, Logogryphes und Présentations, und verweilten sich bey einem Conte moral von Marmontel oder la Dixmerie, die dazumal einzeln im Mercure zu erscheinen pflegten, oder suchten einen Trait de bienfaisance auf, der zuweilen eingerückt wird.

In allem diesem war noch sehr wenig du bon ton, welches doch die hauptsächlichste Sache war, wozu die Frau von Hohenauf ihre Fräulein wollte angeführt wissen. Es ist also leicht zu erachten, daß sie schwerlich mit einer so bürgerlichen Erziehung werde zufrieden gewesen seyn. Schon in den ersten vier Wochen schien es beinahe, daß sie ihre neue französische Mamsell sehr bald wieder abschaffen würde; denn sie gab derselben bey aller Gelegenheit bittere Verweise, und tadelte alle ihre Anordnungen. Die Fräulein schienen ihr, seit sie bey Marianen waren, blöder, hatten gar keine bonne grace, hatten gar keinen Esprit, antworteten zu langsam und zu kurz wenn man sie fragte, ungefragt plauderten sie sehr selten, wusten ihre Reverenze nicht abzumessen, und beugten die Knie tief gegen einen Verwalter oder Homme d'Affaires, wo ein Kopfneigen, oder ein nachlässiger Knix im Vorbeygehen, hinlänglich gewesen wäre.

Marianen fehlte es freilich, außer andern Erfordernissen, die ihr, um eine gute französische Mamsell zu seyn, mangelten, an der den französischen Hofmeisterinnen so gewöhnlichen Politik, allen Leidenschaften der hochadelichen Mutter zu schmeicheln, alles dreyfach zu loben, was die Mutter an den Kindern lobt, ihren eignen oder fremden Witz die Kinder heimlich auswendig lernen zu lassen, und sie zu gewöhnen, denselben mit dreister Naseweisheit in Gesellschafft an den Mann zu bringen; wodurch denn jedermann der zu leben weiß, über die frühzeitigen Gaben der Kinder erstaunt, der Mutter über das kleine Wunderwerk, das sie unter ihrem Herzen getragen hat, ein verbindliches Compliment macht, und auch nicht vergißt, der Mamsell im besten zu gedenken.

Hievon wußte Mariane gar nichts. Sie war vielmehr beym Antritte ihres Amts so unerfahren, daß sie ihren Fräulein eine anständige Bescheidenheit anpries; eine Eigenschaft, die gar nicht glänzend ist, und die die Frau von Hohenauf aufs höchste an ihren Bedienten lobte. Sie würde also Marianen sehr bald überdrüßig geworden seyn, wenn nicht ein kleiner Umstand, davon in keinem der Systeme der PädagogikUngelehrten Vätern und Muttern zu gute, sey hier angemerkt, daß die Gelehrten mit diesem griechischen Worte die Kunst der Erziehung andeuten. Diese feierliche Benennung wird gebraucht, seitdem die Gelehrten diese Kunst in verschiedene Systeme gebracht haben, deren jedes für sich sehr genau zusammenhängt, nur daß eins dem andern schnurstracks widerspricht., worin noch ein Kapitel von französischen Mamsellen befindlich ist, ein einziges Wörtchen angetroffen wird.

Mariane hatte von Jugend auf eine große Sorgfalt für ihre eigene Person getragen. Sie hielt sich überaus reinlich in Kleidung und Wäsche. Sie hatte die natürliche Gabe, allen weiblichen Putz sogleich nach dessen Bestandtheilen zu übersehen, also auch ihn nachzumachen, nach ihrem Geschmacke zu verbessern, und neuen zu erfinden. Sie gebrauchte sich dieses Talents auch jetzt. Wenn ihre Fräulein besonders fleißig und gehorsam waren, so belohnte sie ihren Fleiß mit einem nach neuer Mode gestecktem Kopfzeuge, oder anderm Frauenzimmerputz, den sie so zu wählen wuste, daß dadurch derselben natürliche gute Leibesgestalt mehr erhoben ward. In kurzer Zeit war ihr ganzer alter Putz mit neuem nach dem besten Geschmacke verwechselt. Den scharfsinnigen Augen der Frau von Hohenauf konnte diese Veränderung nicht entgehen, und sie bemerkte sie mit so großem Wohlgefallen, daß sie es Marianen, wegen ihrer Geschicklichkeit im Putzmachen zu vergeben anfing, daß sie die Seelen ihrer Fräulein bilden wolte. Noch grösser ward die Gunst, als Mariane, durch so glücklichen Erfolg aufgemuntert, es wagte, für die Frau von Hohenauf selbst zu arbeiten, die bisher ihren sämtlichen Putz aus der ersten Quelle, aus Paris, verschrieben hatte. Sie brachte eine Comete aux ZephyrsUnmodischen Lesern und Leserinnen sey kund, daß dies eine Art eines kleinen Kopfzeuges ist, das, glaubwürdigen Nachrichten zufolge, im Winter 1772/1773 wieder sehr stark getragen wird. Es ist zu hoffen, niemand in Deutschland werde so barbarisch-unwissend seyn, nicht zu wissen, daß ein Comet ein kleiner Kopfputz ist, unter welchem ganz frisirte Haare getragen werden. Aux Zephyrs aber heißt dieser Comet, weil daran hinterwärts gewisse haarigte Zierrathen, (denen die in der Putzmachersprache Chenilles oder Raupen heissen, etwas ähnlich) frey herunter hangen, mit denen die angenehmen Zephiren, sehr leicht spielen könnten, wenn sie nur im Winter weheten. zustande, die in der nächsten Assemblee ein großes Aufsehen unter den Damen machte, und in der ihre Gönnerin wenigstens um sechs Jahr jünger aussahe. Man kan leicht denken, daß dieses wichtige Verdienst, Marianens Talente zur Erziehungskunst in ein neues Licht werde gesetzt haben. Man setze hinzu, daß Mariane die Fräulein, die vorher in ihrer Kleidung sehr nachlässig ja wohl gar unreinlich gewesen waren, durch ihr eigenes Beyspiel, zu der Frauenzimmern so anständigen Nettigkeit im Anzuge gewöhnte. Man setze hinzu, daß sie die jugendliche Wildheit der Fräulein, die an das was wohlanständig ist, noch nie einen Augenblick gedacht hatten, durch kleine leutselige Erinnerungen bis zu der kindlichen Freymüthigkeit mäßigte, die mit Bescheidenheit und Sanftmuth sehr wohl bestehen kann. Man setze endlich auch hinzu, daß die Fräulein, wenigstens in ihrer Mutter Gegenwart, beständig französisch redeten, und in ihrer Fertigkeit in dieser Sprache sichtlich zunahmen; und man wird begreifen, daß die Frau von Hohenauf im zweyten Monate, mit ihrer französischen Mamsell, weit mehr zufrieden war, als im ersten. Wenn sie ja an den Fräulein etwas fand, das sie für bas und für bourgeois hielt, so nahm sie sich die Mühe, ihnen selbst darüber einen Verweis zu geben. Sie setzte zuweilen die nachsichtsvolle Anmerkung hinzu, daß man freilich von ihrer Mamsell nicht alles fodern könnte, weil sie nicht de qualité sey, wodurch sie in gedrungener Kürze, zugleich Marianen tadelte, und ihren eigenen Vorzügen ein verbindliches Compliment machte.

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