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Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns

Gisela von Arnim: Das Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns - Kapitel 10
Quellenangabe
typefairy
booktitleDas Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns
authorGisela und Bettine von Arnim
year1986
publisherInsel Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-458-14318-1
titleDas Leben der Hochgräfin Gritta von Rattenzuhausbeiuns
pages3-15
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1840
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Vom Walde her kam ihr Margareta entgegen; sie erzählte ihr, was sie in der Stadt erlebt, während sie durch die dunklen Bäume gingen bis zum Platze, wo die andere waren. Sie hatten Feuer gemacht, es leuchtete über das Gras; durch das dunkle Laub drängte sich der Rauch. Unten saß am Feuer, das lustig knisterte, Veronika und schaute zu dem Baum hinauf, in dessen Ästen Wildebeere saß. Kamilla hatte ihren goldblonden Kopf behaglich in Veronikas Schoß gelegt und schaute mit ihren blauen Augen, in denen sich das Feuer friedlich spiegelte, in die Tiefe der Blätter. »Wo sind die andern?« fragte Gritta. »Holz sammeln«, sagten sie. Bald kehrten sie zurück mit Reisern bepackt. Margareta hängte die Wurst an einem Stock übers Feuer und briet sie. Das Feuer erleuchtete die mit Heißhunger zuschauenden Augen, die bei jedem Schmalztröpflein, das herunterfloß von der lieblich duftenden Wurst, begehrlich blinkten. Margareta hatte sich gerade so gestellt, daß der Dampf Wildebeere im Wipfel des Baumes gerade in die Nase stieg, damit sie herabkomme. – Sie blieb sitzen und blickte in den dunkelblauen Himmel, der mit Sternen übersäet durch die Zweige schimmerte. Unterdessen aßen unten sich alle satt, und Gritta streute die Krumen in den Wald für die Vögel. Bald wurden die Kinder müde und streckten sich ins Gras. Gritta und Margareta saßen noch bei dem verkohlenden Feuer. »Hör«, sagte Gritta, »morgen gehen wir in die nächste Stadt und bleiben ein paar Tage, um auszuruhen. – Jedes sucht sich ein Unterkommen.« Sie flüsterten noch leise, dann versank Margareta im Schlaf; Gritta wachte, sie störte dann und wann in den Kohlen, doch schlief sie bald ein. Wildebeere weckte sie nicht, sie sah in die Ferne, ins nebliche Tal mit seinen Wäldern. Das stille Dorf war zum Morgen erwacht mit seinen roten Ziegeln und Strohdächern; zwischen Busch, Wiese und Weißdornhecken stieg lieblich der bläuliche Rauch der Hütten in die Morgenluft empor. Da hörte sie in der Ferne Jagdhörner und Hundebellen. »Wacht auf!« rief sie den andern herab, »die Jäger kommen.« Die Mädchen erwachten und sprangen schnell auf und nahmen ihr Bündel. Wildebeere glitt am Baume herab, und Gritta fing an zu singen; sie machten sich marschfertig und wanderten auf die nächste Stadt zu, die sie in der Ferne liegen sahen. »Dort«, sagte Gritta, »bleiben wir ein paar Tage.« So besprachen sie sich, bis sie auf der Wiese anlangten vor dem Tore. »Hier«, sagte Gritta, »finden wir uns nach sechs Tagen wieder zusammen.« Nun trennten sie sich, um durch verschiedene Tore einzugehen. Gritta ging durch das alte Tor, das vor ihnen lag, mit Margareta und Kamilla. Niemand bemerkte sie, denn es war Jahrmarkt und Sonntag, und die Spitzbuben hatten geruhet, die werte Ortsobrigkeit in Bewegung zu setzen, deren Hauptteil die Torwärter waren. Die kleinen Häuser mit den Giebeln waren mit wasserspeienden Drachen belebt. – Sie kamen an einen Röhrbrunnen, wo die kleinen Seegötter altadlichen Geschlechts wie zierlich aneinander gehängte Würstchen sich auf Delphinen balgten, die die Wasser aus ihren Nüstern springen ließen, in der Mitte der Seegott mit dem Dreizack, ein fürchterlicher Mann, wie ein angeknapperter (wahrscheinlich durch die schlechte Behandlung der Gassenbuben) Spritzkuchen aussehend. Gritta sagte Margareta und Kamilla Adieu und bog in ein gelbes Gäßchen. Alles war still und öde, denn die Leute waren auf den Markt gegangen; da hörte sie eine Stimme aus einem kleinen grünen Hause zu einer Harfe durch die offnen Fenster. Sie machte die Tür auf zur Seite des Hauses und ging die kleine, schiefgetretene Treppe hinauf, von der sie immer halb wieder herunter mußte, um einen Ansatz zu nehmen weiter zu kommen. Oben streckte ein Fliederbaum seine Zweige durch einen wurmstichigen Fensterrahmen; sie öffnete die Tür. Da saßen zwei alte Damen im Zimmer; die eine strickte an einem ungeheueren Strumpf, über ihr saß ein Kanarienvogel im Käfig mit grünem Kraut behangen. – Neben einem großen Nußbaumschrank, auf dessen Sims, die schönsten Borsdorfer Äpfel aufgereihet bei alten Kannen und Kaffeetassen standen, saß die andere, die zur Harfe sang. Sie wollte eben ein neues Lied anfangen, als sie sich umsah. »Was willst du, mein Kind?« fragte die Dame, von ihrem großen Strumpf aufsehend. »Dienen!« sagte Gritta. – »Du bist zwar klein, aber für unsre Bedürfnisse groß genug. Du hast wohl gehört, daß unsere Grete fort ist, sie war nicht größer als du.« – Sie fragte Gritta nicht weiter viel und schickte sie in die Küche. Hier standen viel Tellerchen und Töpfchen, und es war recht heimlich und schön, denn das Kammerfenster führte in den Hof, wo der Fliederbaum stand. Es ward Gritta bald heimisch bei den zwei alten Jungfern. Sie kochte in einer großen Kanne Kaffee, schüttelte die hohen Federbetten unter den weißen Thronbetthimmeln, und die beiden Alten hatten sie gern, denn sie lachten behaglich, wenn sie den Kaffee gut gemacht hatte, und schauten mit ihren langen Nasen über die dampfende Tasse und klopften sie freundlich auf die Wange. Oben im Hause hörte die kleine Gritta manchmal einen sonderbaren Lärm: es schrie und trampelte; auch hatte sie ein kleines Mädchen öfter gesehen am Abend hinaufschlüpfen, aber am Morgen mußte sie wohl früher weggehen, als Gritta erwachte. So viel sie in der Dunkelheit erkannte, hatte das wilde Kind eine Trommel auf dem Rücken und hielt etwas am Bande unter ihrer Schürze. – Am Abend, wenn sie dachte, das Kind werde bald kommen, füllte sie ein Schüsselchen mit Brei und stellte es vor die Tür; denn es kam ihr vor, als müßte es hungrig sein. Nun guckte sie durch die Türritze. Die Kleine kam die Treppe herauf, als sie aus der Dunkelheit hervorkam, sah sie eine Weile das Schüsselchen an, indem ihre großen Augen vor Verlangen glänzten; sie näherte sich, stellte die Trommel hin und fing heftig an zu essen, dann holte sie ein kleines Murmeltier aus ihren schwarzen Locken hervor, das dort warm gesessen hatte; es sperrte seine schwarzen Augen auf und fraß mit. In dem Augenblicke rührte sich Gritta hinter der Tür, das Mädchen schrak zusammen und floh. Das zweitemal ging es wieder so; aber sie träumte den ganzen Tag von dem Mädchen. An einem Abend wollten die beiden Damen ausgehen, ein großes Wagestück für sie, wegen der Treppe; sie wußten nie, ob sie wieder herauf würden können, wenn sie unten waren. – Sie gingen. Gritta legte die Kienspäne zum hellen Feuer zurecht im Kamin und stellte diesmal das Schüsselchen auf die Erde in der Mitte der Küche, sperrte die Tür weit auf und stellte sich dahinter. Bald ging unten die Tür; sie hörte herauftappen, sah durch die Ritze das Kind zum Schüsselchen laufen, patsch, warf Gritta die Tür zu und stand da. Die Kleine stürzte nach der Tür, Gritta hielt sie fest, obwohl sie anfing zu kratzen und kniff und biß wie eine wilde Katze; so umschlang Gritta sie fest und legte, da sie stärker war, sie sacht zu Boden. Das Kind lag vor ihr, die Flamme im Kamin erhellte sein Gesicht, die schwarzen Locken waren zurückgeflogen, es guckte mit seinen großen schwarzen Augen, in denen das Feuer sich spiegelte, Gritta wild an. »Halt, kleine Katze«, sagte diese, »halt, sei ganz still!« Die Kleine blieb liegen, indem sie nach der Tür blickte. Gritta holte einen rotbackigen Apfel und zeigte ihn ihr; da sprang sie auf den Apfel zu, blieb aber ein paar Schritte von ihr stehen und starrte sie an. Gritta gab ihn ihr, und sie ward vertrauungsvoller; sie hockte vor dem Kamin und betrachtete ihren Apfel. Gritta setzte sich zu ihr und schlang ihren kleinen Arm um sie; das ließ sie geschehen. Erst stieß sie einzelne Worte heraus, dann sprach sie lange, aber von Dingen, von denen Gritta nichts wußte. »Hast du einen Vater?« fragte Gritta. – »Was?« sagte die Kleine, »der Mann mit dem Stock ist sehr böse!« – »Wer ist denn das?« – »Ja, ich war klein«, sagte sie und besann sich, »da hat er mich weggenommen, wie ich draußen war bei den Bäumen.« Sie schwieg, dann sah sie erschrocken in die Höhe. »Ach!« rief sie, nach dem Murmeltierchen laufend, das überall in der Küche herumsprang, »ach, was wird er mich schlagen! Ach, Mädchen mache mir auf, aber«, flüsterte sie ihr zu, »ich laufe einmal davon.« »Ach«, rief Gritta, »bist du bei einem bösen Mann, der dich schlägt, – und hast weder Vater noch Mutter?« – Sie nickte. – »Willst du mit uns ziehn, mit vielen kleinen Mädchen über Berg und Tal? Und haben wir sie zu ihren Eltern gebracht, dann kommst du mit mir nach Haus, und ich verlasse dich nicht, wenn du deinen Vater und Mutter nicht findest. – Dann mußt du aber morgen früh kommen, wenn es noch dämmert.« Die Kleine nickte, dann nahm sie ihr Tier und rief: »Was wird er sagen, da ich heut so wenig verdient, und habe doch den ganzen Tag an der Ecke der Straße gestanden mit meinem Tierchen und getrommelt.« – Sie lief die Treppe hinauf, Gritta horchte ihr nach; als sie kaum oben war, hörte sie wieder lärmen. Gritta langte den Besen hervor, lief die Treppe hinauf; da war eine wunderliche Wirtschaft auf dem Vorplatz, von schreienden Papageien und Affen, und in der Stube hörte sie zanken; aber auf einmal ward es ganz still, Gritta schlich herunter in ihr Bettchen. Bald kamen die alten Damen. Sie schlief recht süß, bis die Morgensonne in die Küche schien; da dachte sie mit Trauern, daß das kleine Mädchen wohl nicht kommen würde. Sie küßte ihre beiden alten Jungfern in den weißen Betten leise auf die Stirn und legte jeder eine Rose aufs Bette; dann ging sie herab, vor der Tür stand das kleine Mädchen. Gritta war glücklich und gab ihr ihre Hand; so verließen sie das kleine, stille Haus. Die Hähne krähten den Morgen an, es war alles noch stille. Der alte Soldat marschierte schnaufend in der Morgenluft vor dem Tor auf und ab; er sah die beiden Kinder nicht, weil man damals die Kragen so steif und hoch trug, daß man nur den Himmel sah, eine gute Gesellschaft; er ging in gemütlicher Anschauung in ihr verloren hin und her. Die kleine Hochgräfin und Harmoni schlüpften zwischen ihm und der werten Stadtobrigkeit hindurch, da standen sie auf der betauten Wiese. Die andern kamen schon und freuten sich, und bald war die kleine Harmoni heimisch unter ihnen.

Als sie an ein Wässerchen unweit der Stadt kamen, sahen sie einige Jungen an einem Teiche beschäftigt, sie hörten sie von ferne schreien. Als sie näher kamen, sahen sie etwas im Teiche plätschern; ein kleiner, schwarzer, junger Hund, ein Pudel, rang mit den Wellen; ein Stein war ihm um den Hals gebunden. »Heda«, sagte Gritta »laßt das Hündchen leben!« »O nein«, sagten die Buben, »seht, wie es zappelt«. »Hallo zu!« rief Gritta und lief den Mädchen voran auf die Knaben los, die erstaunt und dumm dastanden; dann liefen sie lachend davon. Nun schürzte Gritta sich hoch und holte das Hündchen heraus, fröhlich über den Sieg ohne Kampf, und sich ihres furchteinflößenden Eindrucks bewußt, führten sie das Hündchen an einem Band triumphierend davon. Sie wanderten auf der Landstraße; kam ein Fuhrmann, der freundlich war, so ließ er ein Paar davon aufsitzen und knallte lustig mit seiner Peitsche. »Bald sehen wir die Stadt, wo, Margareta, dein Vater wohnt und meiner Mutter Amme.« So war es, in der Ferne sahen sie glänzende Dächer der Häuser und Kirchtürme. Als sie durch das Tor gingen, welche Herrlichkeit! Da kamen in Sänften schöne geputzte Frauen. Erker voll Blumen, hinter denen liebliche Mädchen scherzten. Was für Wurst- und Bretzelläden! »Ach, das ist die und die Straße«, sagte Margareta. »Aber, Gritta, heute Nacht bleib ich noch bei dir und Frau Rönnchen, und morgen bringt ihr mich zu meinem Vater.« Sie fragten einen alten Mann, der die Straße herabkam, nach dem Müllergäßchen; er wies sie hin, sie sahen ein kleines Haus, ein Birnbaum sah über die Hofmauer mit großem Torweg. »Ach, das muß Frau Rönnchens Tor sein, so beschrieb sie es«, sagte Gritta; sie gingen durch ein Seitenpförtchen im Torweg. Die Hühner gackerten unter dem Baum, es war so heimlich. »Ach«, sagte Margareta, »morgen sind wir vielleicht getrennt, hätten wir doch ein Vaterhaus!« Eins sah das andre an. Gritta lief voraus die Treppe hinauf und steckte den Kopf zur Tür herein; da saß die alte Frau am Kaminfeuer und rieb die Hände, sie guckte ins Feuer, über dem der Kessel hing. – »Frau Rönnchen«, rief Gritta, »was macht sie? Da bin ich!« – »Meine kleine Hochgräfin? – Ei, wo kommst du denn her, Kind«, rief die Frau. »Ach, lieber Himmel«, rief sie, auf ein junges Mädchen blickend, das einen Koffer einpackte, »sie reist fort mit ihrem Mann, der ein Schiffer ist. Gott hat dich mir zum Trost geschickt.« Sie umarmte Gritta aufs herzlichste und erblickte mit Erstaunen die vielen Kinder, die Gritta gefolgt waren. »Wer sind denn die?« – fragte sie. »Laß nur gut sein, das will ich dir heut Abend schon erzählen«, sagte Gritta. Die Kinder mußten jetzt helfen eine Suppe kochen, und die Alte ordnete freundlich alles an. Eins holte die Eier der Glucke unter den Flügeln weg, worüber der gesamte Hühnerstall in Alarm geriet, weil heut schon die gewöhnliche Zahl von Frau Rönnchens Eierbedarf geholt war und die Hühner ihr stilles Gemüt eben einer träumerisch gackernden Mittagsruhe hingaben. Petrina versuchte sich am Melken der Ziege und Wildebeere hielt sie fest, worauf die Ziege ihnen auf einmal einen sehr artigen Diener von hinten machte und mit ihrem linken Hinterfuß den Topf aus Petrinas Hand nach fernen Höhen, das heißt auf den Mist, absendete. Dann kletterten Wildebeere und Maieli in die dunklen Zweige des Birnbaums, um ihm die Last zu erleichtern. Die Suppe wurde von Frau Rönnchen eingerührt, alle standen dabei und schauten, wie es gut aus dem Kessel dampfte; als sie fertig war, füllte jedes sein Tellerchen; so gut hatte es ihnen allen lange nicht geschmeckt. Frau Rönnchen saß oben an und sah mit Behagen zu, wie der gute Brei seinen Weg in die kleinen Mäulchen fand. Gern hätte sie manches gefragt, aber sie fürchtete, dadurch die Eßlust zu unterbrechen; als sie aber nach der Mahlzeit ihren Sorgenstuhl an den Herd rückte und die Kinder sich um sie gesetzt, schaute Frau Rönnchen Gritta ungeduldig an; diese erzählte, das Hündchen Scharmorzel legte sich zu Frau Rönnchens Füßen. Wildebeere, die immer gern hoch saß, hatte sich auf die Lehne des Stuhls gehockt und neckte die Alte, indem sie ihr bald in das Busentuch zerpflückte Blumenblätterchen herabregnen ließ oder ihre Mütze zu einem wunderbaren Turmbau oben aufbauschte und ihren zahmen Vogel darunter steckte, so daß, wenn sie die Mütze wieder zurecht schob, er schnell herausflatterte; die Frau lachte dann mit den Kindern jedesmal über ihren Schreck. Als Gritta an die Flucht kam, hörte sie aber sehr ernst zu und wollte gar ein wenig zanken, als sie geendet. – Aber zum dritten und letzten Schreck kam auf einmal Wildebeere selbst statt der Blumenblätter in Frau Rönnchens Schoß herabgeregnet und verlor sich in Artigkeiten und küßte sie ganz ab. Das andere war, daß Frau Rönnchen dachte, sie hätte es wohl eben so gemacht; sie sagte also nichts, als. »Es ist gut, liebe Gritta, daß du sie herausgebracht hast; fahre nur so fort und bringe ein jedes zu seinen Eltern und erzähle denen, was für ein böser Ort das war, und morgen früh bringst du Margareta zu ihren Eltern, da will ich mit und Fürbitte tun. Aber vorher erzeigt ihr mir die Liebe und bringt meine Tochter auf das große Schiff und helft ihre Sachen dort hintragen; ich selbst mag nicht hin, denn es würde mir zu weh ums Herz, müßte ich mir das große Meer ansehen und denken, dem vertrau' ich sie an. Drum bin ich lieber nicht bei der Abfahrt.« Die Kinder sagten alle ja! – Frau Rönnchen sah sie sich nach der Reihe an und bemerkte, daß in den blauen, braunen, grauen, schwarzen Augen eine sanfte Dämmerung auftauchte. So machte sie schnell ein langes Strohlager, bald lagen die kleinen Müden neben einander gereiht in tiefem Schlaf. Während noch die Tochter bei der Mutter saß und weinend ihr Haupt in ihren Schoß legte, gab diese ihr viele gute, goldne Lehren.

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