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Das Leben der galanten Damen

Pierre de Brantôme: Das Leben der galanten Damen - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorPierre de Bourdeille Seigneur de Brantôme
titleDas Leben der galanten Damen
publisherPaul Aretz Verlag
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid58a9033d
created20070310
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Erste Abhandlung – Von den Damen, die der Liebe leben und ihre Gatten zu Hahnreien machen.

Da es die Damen sind,die der Begründung der Hahnreischaft beflissen waren, da sie es sind, von denen die Männer zu Hahnreien gemacht werden, wollte ich diese Aufzeichnungen ins »Buch der Damen« bringen, wenn ich auch ebensoviel von den Männern wie von den Frauen reden werde. Ich weiß wohl, daß ich ein großes Werk unternehme, und daß ich niemals fertig würde, wenn ich damit zu Ende kommen wollte; denn alles Papier der Rechnungskammer von Paris würde nicht zur Niederschrift der Hälfte aller Geschichten, sowohl der Frauen wie der Männer, ausreichen. Trotzdem werde ich niederschreiben, was ich kann, und wenn ich nicht mehr kann, meine Feder dem Teufel lassen oder irgendeinem guten Kameraden, der sie wieder aufnehmen soll; ich bitte zugleich um Entschuldigung, wenn ich bei diesen Aufzeichnungen die Ordnung auch nicht halb beobachte; denn solcher Männer und solcher Frauen gibt es eine so große, so verworrene und so vielgestaltige Zahl, daß ich keinen Feldsergeanten kenne, der sie ordentlich in Reih und Glied bringen könnte. Ich folge also meiner Laune und werde in diesem Aprilmonat davon reden, wie es mir gefällt; bringt er doch die Saison und die Jagdzeit der HahnreieDie verschiedene Bedeutung, die »cocu« haben kann – einmal Kuckuck, das andere Mal Hahnrei –, nützt Brantôme weidlich aus. Der Leser wird dem Wortspiel, dessen deutsche Wiedergabe immer nur ein Notbehelf sein kann, öfters begegnen. wieder, ich meine die flüggen Kuckuckshähne; denn andere kann man in jedem Monat und in jeder Jahreszeit genugsam beobachten. Nun, von dieser Art Kuckucke gibt es also eine ganze Menge verschiedener Arten; aber die allerschlimmste, die auch von den Damen gefürchtet wird und mit Recht gefürchtet werden muß, sind jene tollen, gefährlichen, wunderlichen, bösen, tückischen, grausamen, blutigen und argwöhnischen Leute, die schlagen, foltern, töten, die einen zu Recht, die anderen zu Unrecht, so sehr bringt der allergeringste Verdacht sie in Wut; mit solchen ist der Umgang sehr zu meiden, sowohl für ihre Frauen wie für deren Diener. Jedoch habe ich Frauen samt ihren Liebhabern gekannt, die sich keineswegs darum kümmerten; denn diese waren ebenso böse wie die anderen, und die Damen waren dermaßen beherzt, daß sie ihren Dienern, wenn sie verzagen wollten, wieder Mut einflößten; denn je gefährlicher und schwieriger eine Unternehmung ist, mit desto größerer Kraft muß sie getan und durchgeführt werden. Andere derartige Damen kannte ich, die kein Herz und keinen Ehrgeiz hatten, um nach hohen Dingen zu langen, die sich überhaupt nur an niedrigen Sachen vergnügten; daher sagt man: Gemein im Herzen wie eine Hure.

Ich kannte eine ehrbare Dame, keine der Geringsten, die bei einer guten Gelegenheit, die sich ihr bot, die Lust ihres Freundes zu pflücken, ihn verließ, als er ihr das Unheil vorstellte, das daraus erwachsen könne, wenn sie der Gemahl, der nicht fern war, überraschte; sie bestand nicht mehr darauf, weil sie ihn für keinen kühnen Liebhaber erachtete, oder vielmehr deshalb, weil er ihre Notdurft nicht stillte; auch gibt es nichts, was die verliebte Frau, wenn sie von der Glut und der Lust, dahin zu gelangen, ergriffen wird, und wenn ihr Freund wegen irgendwelcher Hindernisse sie nicht sogleich befriedigen kann oder will, heißer haßt, und worüber sie sich mehr ärgert.

Man muß diese Dame wegen ihrer Kühnheit sehr loben, wie auch andere ihresgleichen, die nichts fürchten, um ihre Liebe zu befriedigen, obgleich sie dabei mehr wagen und mehr Gefahr laufen, als ein Soldat oder ein Seemann bei den gefährlichsten Wagnissen im Krieg oder auf dem Meer. Als einmal eine spanische Dame von einem galanten Kavalier in die Gemächer des Königs geführt wurde, gelangten sie durch einen gewissen versteckten und finstern Winkel, und der Kavalier sagte zu ihr, indem er seine spanische Ehrerbietung und Verschwiegenheit heraussteckte: Señora, buen lugar, si no fuera vuessa merced. Die Dame antwortete ihm bloß: Si, buen lugar si no fuera vuessa merced. (»Das ist ein schöner Ort, wenn es eine andere wäre, wie Ihr.« – »Ja, wahrhaftig, wär' es ein anderer, wie Ihr.«) Damit bezichtigte und klagte sie ihn der Feigheit an, daß er an einem so guten Ort nicht von ihr nahm, was er wollte und sie wünschte, und was ein anderer, kühnerer genommen hätte; daher liebte sie ihn nicht mehr und verließ ihn.

Ich habe von einer sehr schönen und ehrbaren Dame reden hören, die ihren Freund einlud, bei ihr zu schlafen, unter der Bedingung, daß er sie in keinem Sinne berührte und keinen Kampf anspänne; das erfüllte der andere und verblieb die ganze Nacht in großer Säftestockung, Versuchung und Enthaltsamkeit; dafür wußte sie ihm soviel Dank, daß sie ihm nach einiger Zeit den Genuß zu kosten gab, indem sie ihm als Grund angab, sie hätte seine Liebe dadurch erproben wollen, daß er erfüllte, was sie ihm befohlen hätte. Sie liebte ihn deshalb nachher um so mehr, weil er ein andermal etwas anderes vollbringen könnte, was ebensosehr gewagt wäre wie dies, was zu den größten Wagnissen gehört. Manche werden diese Besonnenheit oder Feigheit loben, andere nicht: ich verweise auf die Stimmungen und Ansichten, die man von der einen oder andern Seite dazu äußert.

Ich kannte eine ziemlich große Dame, die ihren Freund einlud, mit ihr eine Nacht zu schlafen; er kam ganz fertig im Hemd zu ihr, um seine Pflicht zu tun; da es jedoch Winter war, hatte er sich unterwegs so verfroren, daß er im Bett nichts machen konnte, sondern nur daran dachte, sich wieder zu erwärmen; dafür haßte ihn die Dame und wollte nichts weiter von ihm wissen.

Eine andere Dame plauderte mit einem Edelmann über die Liebe; er sagte ihr unter anderen Dingen, wenn er mit ihr im Bett läge, würde er durch sechs Poststationen fahren können, so sehr würde ihre Schönheit ihn reizen. »Ihr rühmt Euch sehr viel,« sagte sie. »Ich lade Euch also zu einer solchen Nacht ein.« Er verfehlte denn auch nicht zu erscheinen, aber das Unglück wollte, daß er im Bette von solchen Krämpfen, Frostschauern und Nervenzuckungen überfallen wurde, daß keine einzige Fahrt glückte, so daß die Dame zu ihm sagte: »Wollt Ihr weiter nichts machen? Dann schert Euch aus meinem Bett; ich hab's Euch nicht geliehen wie ein Herbergsbett, daß Ihr's Euch drin bequem machen und ausruhen könnt. Also, schert Euch hinaus.« So schickte sie ihn fort und machte sich später über ihn sehr lustig, indem sie ihn mehr als die Pest haßte.

Dieser Edelmann wäre sehr glücklich gewesen, hätte er die Konstitution des großen Protonotars Baraud gehabt, des Almoseniers des Königs Franz, der, wenn er bei den Hofdamen weilte, es mindestens auf ein Dutzend brachte und am Morgen noch sagte: »Ich bitte um Entschuldigung, Madame, wenn ich's nicht besser machte; aber ich habe gestern Medizin genommen.« Ich sah ihn später: man nannte ihn den Kapitän Baraud, den Aufschneider, er hatte den Amtsrock ausgezogen, und man hat mir sehr viel über ihn erzählt, wie ich meine, Namen um Namen.

Auf seine alten Jahre fehlte ihm diese männliche und aphrodisische Kraft; und er war arm, wenn er auch noch gute Bißchen erhaschte; aber er hatte alles vermantscht und begann Essenzen destillieren und träufeln zu lassen: »Ja,« sagte er, »wenn ich die Geschichte so gut heraussprengen könnte, wie in meinen jungen Jahren, ich würde meine Sache viel schöner machen und mich dabei weit besser stehen.« Während des Kriegs der Ligue hatte ein ehrenwerter Edelmann, ein sicherlich tapferer und braver Mann, den Platz verlassen, den er befehligte, um in den Krieg zu ziehn; als er bei der Rückkehr seine Garnison nicht zur rechten Zeit erreichen konnte, verweilte er bei einer schönen und sehr ehrbaren, großen verwitweten Dame, die ihn einlud, bei ihr über Nacht zu bleiben; er schlug es auch nicht ab; denn er war müde. Nach einem guten Abendessen gab sie ihm ihre Kammer und ihr Bett; denn alle ihre andern Zimmer waren des Krieges wegen ausgeräumt und ihre Möbel eingeschlossen, deren sie die schönsten hatte. Sie wollte dagegen in ihr Kabinett, wo sie ein gewöhnliches Bett für den Tagesgebrauch stehen hatte.

Der Edelmann weigerte sich wiederholt, diese Kammer und dieses Bett anzunehmen, sah sich jedoch durch die Bitten der Dame dazu genötigt; nachdem er sich hineingelegt hatte und in einen sehr tiefen Schlaf versunken war, siehe, da erscheint die Dame und legt sich ganz einfach neben ihn, ohne daß er etwas spürte, auch die ganze Nacht nicht, so müde und vom Schlaf überwältigt war er; und er ruhte bis tief in den andern Morgen hinein, als sich die Dame, wie er eben erwachte, neben ihm erhob und zu ihm sagte: »Ihr habt nicht ohne Gesellschaft geschlafen, wie Ihr seht; denn ich wollte Euch nicht mein ganzes Bett abtreten, und ich habe daher die Hälfte ebenso genossen wie Ihr. Lebt wohl: Ihr habt eine Gelegenheit verloren, die Euch nie wieder beschert wird.«

Der Edelmann, der diese Irrung seines Glückes verwünschte und verfluchte (es war wohl um sich aufzuhängen), wollte sie aufhalten und bitten: nichts von alledem aber; sie war sehr erzürnt gegen ihn, daß er sie nicht befriedigt hatte, wie sie wollte; denn sie war nicht wegen eines Males hingekommen (wie man denn auch sagt: einmal allein! ist bloß der Bettsalat) und sogar in der Nacht; sie wäre nicht hingekommen wegen der Einzahl, sondern wegen der Mehrzahl, der die Damen dabei meist den Vorzug geben; sehr zum Unterschied von einer sehr schönen und ehrbaren Dame, die ich kannte, die einmal ihren Freund eingeladen hatte, bei ihr zu schlafen; in einem Nu machte er drei gute Gänge mit ihr; als er aber dann seine Stöße durchfechten und vervielfältigen wollte, sprach sie zu ihm, bat ihn und befahl ihm, aufzustehen und sie zu verlassen. Er, ebenso frisch wie zuvor, bietet ihr den Kampf von neuem an und verspricht, er werde sich die ganze Nacht hindurch bis Tagesanbruch mächtig anstrengen, seine Kraft sei wegen so wenig nicht im geringsten vermindert. Sie sagte zu ihm: »Seid zufrieden, daß ich Eure Kraft kennengelernt habe, sie ist tüchtig und schön, und ich werde sie zur rechten Zeit und am rechten Ort besser zu verwenden wissen als jetzt; denn es bedarf nur eines Unglücks, und Ihr und ich sind beide entdeckt; mein Gemahl weiß es, und dann bin ich verloren. Lebt denn wohl bis zu einer sichereren und besseren Gelegenheit, und dann werde ich Euch aus freien Stücken in die große Schlacht stellen und nicht in ein so kleines Scharmützel.«

Sehr viele Damen hätten dieser Erwägung keinen Raum gegeben; da sie ihren Feind bereits auf dem Kampfplatz hatten, hätten sie, berauscht von der Lust, ihn vielmehr kämpfen lassen bis in den hellen Tag.

Jene ehrbare Dame, von der ich vorher redete, war solchen Gemüts, daß sie, sobald die Begierde sie ergriff, niemals weder Furcht noch Scheu vor ihrem Gatten hatte, obgleich, er einen guten Degen führte und sehr argwöhnisch war; trotzdem war sie dabei so glücklich, daß weder sie noch ihre Liebhaber dabei Gefahr für ihr Leben liefen, da sie niemals überrascht wurden, weil sie stets ihre achtsamen Wächter und Schildwachen ausgestellt hatten; freilich dürfen die Damen sich nicht darauf verlassen; denn es bedarf nur einer unglücklichen Stunde, wie es vor einiger Zeit einem tapfern und tüchtigen Edelmann passierte, der auf dem Wege zu seiner Geliebten, die ihn verräterischerweise, von ihrem Gemahl dazu gezwungen, zu sich gelockt hatte, niedergemetzelt wurde.Es war der berühmte Bussy d'Amboise, Louis von Clermont, einer der Liebhaber der Königin von Navarra, Schwester Karls IX. und Heinrichs III. und Gemahlin Heinrichs IV. Am 19. August 1579 wurde er von den Leuten des Grafen von Montsoreau niedergemacht, als er zu einem Rendezvous ging, zu dessen Bestellung der Graf seine Frau veranlaßt hatte. Hätte er sich weniger auf seine Tapferkeit eingebildet, als er tat, er hätte sicherlich acht auf sich gegeben und wäre nicht tot, was sehr zu beklagen ist. Dies ist sicherlich ein hohes Beispiel, daß man sich nicht zu sehr auf verliebte Frauen verlassen soll; um der grausamen Hand ihrer Gatten zu entrinnen, spielen sie jeden Streich, den sie wollen, wie es jene tat, die heil ausging, während der Freund starb. Es gibt auch andre Gatten, die den Liebhaber und die Dame miteinander töten, wie ich von einer sehr großen Dame sagen hörte, auf die ihr Gemahl eifersüchtig war; ohne jede Beweise, die sicherlich vorhanden waren, rein aus Eifersucht und in dem bloßen Verdacht, daß sie sich liebten, ließ er seine Frau an Gift und Schwäche hinsterben, was sehr zu beklagen ist; vorher hatte er den Liebhaber töten lassen, der ein ehrbarer Mann war, indem er sagte, das Opfer sei schöner und lustiger, wenn man den Stier vorher töte und dann die Kuh.

Dieser Prinz verfuhr grausamer gegen seine Frau, als später gegen eine seiner Töchter, die er mit einem großen Fürsten verheiratet hatte, der aber doch nicht so groß war wie er selbst, der sozusagen ein Monarch war.

Es passierte dieser tollen Frau, von einem andern als von ihrem Gemahl, der von irgendeinem Krieg ferngehalten wurde, schwanger zu werden; nachdem sie ein schönes Kind zur Welt gebracht hatte, wußte sie nicht, welchem andern Heiligen sie sich geloben sollte, es sei denn ihrem Vater, dem sie alles durch Vermittlung eines Edelmanns entdeckte, dem sie sich vertraute, und den sie ihm hinschickte. Sobald er den geheimen Auftrag vernommen hatte, entbot er ihrem Gemahl, wenn ihm sein Leben lieb sei, solle er sich sehr hüten, sich an dem seiner Tochter zu vergreifen, andernfalls griffe er das seinige an und mache ihn zum ärmsten Prinzen der Christenheit, wie in seiner Macht stände; und schickte seiner Tochter eine Galeere mit einer Eskorte und ließ das Kind und die Amme holen; nachdem er es mit einem guten Hause und Unterhalt ausgestattet hatte, ließ er es sehr gut pflegen und erziehen. Als jedoch nach einiger Zeit der Vater zu sterben kam, ließ sie der Gemahl töten. Ich hörte von einem andern, der den Liebhaber seiner Frau vor ihren Augen in langem Siechtum hinsterben ließ, daß sie an der Marter stürbe, den in Schwäche sterben zu sehen, den sie so sehr geliebt und in ihren Armen gehalten hatte. Ein anderer, von irgendwo, tötete seine Frau vor versammeltem Hofe,Es war René de Villequier, der im Monat September 1577 seine Frau Françoise de la Marck im Königlichen Schloß von Poitiers umbrachte. nachdem er ihr fünfzehn Jahre hindurch alle Freiheiten von der Welt gelassen hatte, und nachdem er ziemlich unterrichtet von ihrem Leben war, so daß er sie sogar verwarnte und ermahnte. Dennoch ergriff ihn ein Raptus (man sagt, ein Großer, sein Herr, redete es ihm ein), und eines Morgens suchte er sie in ihrem Bett auf, gerade wie sie aufstehen wollte, und nachdem er mit ihr geschlafen, mit ihr geschwatzt und gelacht hatte, versetzte er ihr vier oder fünf Dolchstiche, dann ließ er ihr von einem ihrer Liebhaber den Rest geben, sie in eine Sänfte legen und vor aller Welt in dessen Haus tragen, um sie begraben zu lassen. Hierauf kehrte er zurück und zeigte sich am Hofe, als hätte er die beste Tat von der Welt getan, und triumphierte darüber. Er hätte es gerne mit ihren Liebhabern ebenso gemacht; aber damit hätte er zu viel Scherereien gehabt; denn sie hatte deren so viel besessen und auf der Seele, daß sie daraus eine kleine Armee bilden konnte.

Ich hörte darüber von einem braven und tapferen Kapitän,Es war Kapitän Sampietro, seine Frau Vanina war eine Korsin. Er erwürgte sie in Marseille, wie Desdemona erwürgt wurde. der einen Verdacht gegen seine Frau schöpfte, die er aus sehr gutem Hause genommen hatte, sie ohne andere Begleitung fand und mit eigner Hand mittels seiner weißen Schärpe erwürgte; dann ließ er sie, so ehrenvoll er nur konnte, begraben und wohnte dem Leichenbegängnis in Trauerkleidung bei, tief betrübt, und das Trauergewand behielt er lange Zeit hindurch an: damit war der armen Frau reiche Genugtuung geschehen, die schöne Zeremonie sollte die Erinnerung an sie feiern. Ebenso machte er's mit einem Fräulein dieser seiner Frau, die ihr bei ihren Liebesabenteuern die Hand gereicht hatte. Er starb nicht ohne Nachkommenschaft von dieser Frau; denn er besaß von ihr einen braven Sohn, der zu den Tapfersten und Ersten seines Vaterlandes gehörte, und der wegen seiner Tapferkeit und seiner Verdienste dafür, daß er seinen Königen und Herren treu gedient hatte, zu hohen Graden aufstieg.

Ich hörte auch von einem italienischen Granden, der ebenfalls seine Frau tötete, während er ihren Galan nicht erwischen konnte, weil er sich nach Frankreich gerettet hatte; man sagte jedoch, daß er sie nicht so sehr wegen der Sünde tötete; denn er wußte es seit geraumer Zeit, daß sie der Liebe huldigte, und machte deshalb kein anderes Gesicht dazu; sondern er tötete sie, um eine andere Dame zu heiraten, in die er verliebt war.

Aus diesem Grunde ist es sehr gefährlich, eine bewaffnete Schönheit anzugreifen und zu attackieren; obgleich es ebenso gut und viel Angegriffene gibt, wie Entwaffnete, das heißt Besiegte, so weiß ich von einer, die so gut bewaffnet war wie nur möglich. Es war ein sehr wackerer und tapferer Edelmann, der ihr an den Balg wollte; er war aber nicht damit zufrieden, er wollte sich dessen auch überheben und rühmen; das währte nicht lange, und er wurde alsbald von aufgestellten Leuten getötet, ohne daß es ein Aufsehen gab, auch die Dame litt nicht darunter; sie blieb indes lange in Zittern und Zagen, da sie ja auch schwanger war und sich darauf gefaßt machte, daß es ihr nach ihrer Niederkunft, die sie um ein Jahrhundert hätte hinausschieben wollen, ebenso erginge; aber der Gatte, der gut und mitleidig war, wiewohl er eine der schärfsten Klingen in der Welt führte, verzieh ihr; und es ward keine weitere Sache darum gemacht, wie denn auch verschiedene andere Liebhaber, die sie gehabt hatte, an keiner großen Beunruhigung litten; denn der eine bezahlte für alle. Auch gab ihm die Dame, dankbar für die Güte und die Gnade eines solchen Gemahls, seitdem nie wieder Anlaß zum geringsten Verdacht; denn sie wurde von da ab ziemlich tugendhaft und wandelte in Züchten.

Ganz anders passierte es in einem der letzten Jahre im Königreich Neapel Donna Maria von Avalos, einer der schönsten Prinzessinnen des Landes, die mit dem Prinzen Venosta verheiratet war; sie hatte ein tolles Liebesverhältnis mit dem Grafen Andriano angesponnen, ebenfalls einem der schönsten Fürsten des Landes; beide hatten sich zur Lust vereinigt, als sie vom Gatten entdeckt wurden (das Mittel wüßte ich, aber die Geschichte wäre zu lang), gerade wie sie zusammen im Bett lagen; da ließ er sie durch bestellte Leute niedermachen, so daß man am andern Morgen die zwei schönen Hälften und Geschöpfe ausgestreckt auf dem Pflaster vor dem Tor des Hauses liegen fand, ganz tot und kalt, vor den Augen aller Vorübergehenden, die ihr trauriges Schicksal beweinten und beklagten.

Die getötete Dame hatte Verwandte, die sich darüber sehr betrübt und erzürnt zeigten, so daß sie es sogar mit Mord und Totschlag ahnden wollten, wie es das Gesetz des Landes mit sich bringt; ebensosehr aber, weil sie durch Schurken von Dienern und Sklaven getötet worden war, die es nicht wert waren, ihre Hände mit so gutem und edlem Blut färben zu dürfen; wegen dieses einzigen Punktes wollten sie sich rächen und den Gemahl zur Rechenschaft ziehen, vor Gericht oder anders, nicht aber, wenn er den Stoß mit seiner eigenen Hand geführt hätte; denn dann wäre kein weiteres Wesen daraus gemacht und ihm auch nicht nachgeforscht worden.

Eine törichte und wunderliche Auffassung und Förmlichkeit, in betreffs deren ich das Urteil unseren großen Rednern und Rechtsgelehrten überlasse; nämlich: welche Tat ist ungeheuerlicher, seine Frau mit der eigenen Hand, die sie so sehr liebte, zu töten, oder durch die eines schurkischen Sklaven? Darüber kann man sich mit gewaltig viel Gründen des längeren verbreiten; ich versage es mir jedoch, sie anzuführen, weil ich fürchte, daß sie gegen die jener Großen gehalten zu schwach sind.

Ich hörte erzählen, daß der Vizekönig, der von der Verschwörung erfuhr, das Liebespaar, auch sie sogar, warnte; das war aber ihr Schicksal, daß es sich in einer so schönen Liebe endigen sollte.

Diese Dame war eine Tochter von Don Carlos von Avalo, dem zweiten Bruder des Marquis von Pescara; hätte ihm einer – in einem seiner mir bekannten Liebesverhältnisse – einen ähnlichen Streich gespielt, er wäre schon lange tot.

Ich kannte einen Gatten, der, vom Ausland kommend, seit langer Zeit nicht mehr bei seiner Frau geschlafen hatte; er kam fest entschlossen und sehr fröhlich, sie zu lieben und sich ein hohes Fest damit zu bereiten; wie er aber nächtlicherweile ankam, hörte er durch den kleinen Spion, daß sie in Gesellschaft ihres Freundes im Bett lag; sofort faßte seine Hand nach dem Degen, und er schlug an die Türe; als sie offen war, kam er entschlossen, sie zu töten; zuerst aber suchte er den Galan, der aus dem Fenster gesprungen war, dann kam er zu ihr, um sie zu töten; zufälligerweise hatte sie sich diesmal so hübsch herausgeputzt, ihr Haar so schön für die Nacht geschmückt, ein schönes weißes Hemd angetan und sich so herausgeziert (man stelle sich vor, daß sie sich so fein gemacht hatte, um ihrem Freunde besser zu gefallen), wie er sie nie vorher so schön für sich und zu seinem Gefallen hergerichtet gefunden hatte; sie warf sich im Hemde auf ihre Knie hin und flehte ihn um Verzeihung an, mit so süßen und zärtlichen Worten (die sie in der Tat vortrefflich verstand), daß er sie aufhob und ihm das Herz schlug, wie er sie so schön und wohlgestaltet fand; er ließ seinen Degen fallen und er, der nun schon so lange ausgehungert war (das packte ihn möglicherweise bei der Dame, und die Natur reizte ihn auf), er verzieh ihr, nahm sie in seine Arme, brachte sie wieder ins Bett, zog sich geschwind aus, schloß die Türe und legte sich mit ihr schlafen; mit ihren süßen Reizen und Schmeicheleien (man stelle sich vor, daß sie dabei nichts vergaß) befriedigte ihn die Frau denn auch so sehr, daß man sie am andern Morgen als bessere Freunde denn vorher fand, und niemals liebkosten sie sich so sehr: wie Menelaus, der arme Hahnrei, der zehn oder zwölf Jahre lang seiner Frau Helena drohte, daß er sie töten würde, wenn er sie je faßte; und er sagte es ihr sogar von der Mauer unten hinauf; sobald aber Troja genommen war, und sie wieder in seine Hände geriet, war er so entzückt von ihrer Schönheit, daß er ihr alles verzieh und sie mehr liebte und umschmeichelte, denn zuvor.

Solch wütige Gatten, die aus Löwen zu Schmetterlingen werden, sind noch gut; es ist aber sehr mißlich, wenn einem etwas begegnet wie dieses:

Eine große, schöne und junge Dame, die während der Regierung des Königs Franz I. lebte, mit einem großen Herrn von Frankreich verheiratet war und von einem so großen Hause stammte, als es nur im Lande wuchs, zog sich viel anders und weit besser als die vorige aus der Schlinge; denn, sei es nun, daß sie irgendein Liebesverhältnis hatte, oder hatte sie ihrem Gatten irgendeinen Anlaß gegeben, oder wurde er von Argwohn oder einer plötzlichen Wut gepackt, genug, er kam zu ihr, das nackte Schwert in der Hand, um sie zu töten; verzweifelnd an aller menschlichen Hilfe, kam sie plötzlich auf den Gedanken, sich der glorreichen Jungfrau Maria zu weihen, ihr Gelübde in der Kapelle von Loretto zu erfüllen, rettete sie sie, zu Saint-Jean des Mauverets im Lande Anjou. Sobald sie dieses Gelübde in Gedanken getan hatte, stürzte der genannte Seigneur zur Erde, der Degen entfiel seiner Faust; alsbald aber erhob er sich wieder, und wie aus einem Traum erwachend, fragte er seine Frau, welchem Heiligen sie sich empfohlen hätte, um der Gefahr zu entrinnen. Sie sagte zu ihm, der Jungfrau Maria, in der erwähnten Kapelle, und sie habe versprochen, den heiligen Ort zu besuchen. Da sagte er zu ihr: »Geht also hin und erfüllt Euer Gelübde!« Das tat sie und hing dort ein Bild auf, das ihre Geschichte darstellte, zusammen mit mehreren großen und schönen Wachsvoten, wie es ehedem gebräuchlich war und die lange nachher noch zu sehen waren. Fürwahr! ein schönes Gelübde, und ein schönes, unerwartetes Entrinnen! Siehe die Chronik von Anjou!

Ich hörte, daß der König Franz einmal mit einer Dame seines Hofes, die er liebte, schlafen gehen wollte. Er fand ihren Gatten, den Degen in der Faust, um sie zu töten; aber der König hieb ihm den seinen an die Gurgel und befahl ihm bei seinem Leben, ihr nichts zuleide zu tun; wenn er ihr das geringste antäte, würde er ihn töten oder ihm den Kopf herunterschlagen lassen; und für diese Nacht schickte er ihn hinaus und nahm seinen Platz ein.

Diese Dame war sehr glücklich, einen so guten Kämpen und Schutzherrn ihrer Schönheit gefunden zu haben; denn der Gatte wagte kein Wort mehr zu ihr und ließ sie alles tun nach ihrem Gefallen.

Ich hörte, daß nicht nur diese Dame, sondern noch verschiedene andere einen solchen Schutzbrief vom König erhielten. Wie es einige im Krieg machen und, um ihre Besitztümer zu retten, die Wappen des Königs an ihre Tore heften, so pflanzen diese Frauen die Wappen jener großen Könige um ihre Schönheit, so daß ihre Gatten kein Wort zu ihnen wagten, während sie sonst über die Klinge hätten springen müssen.

Ich kannte andere Damen, die bei den Königen und den Großen in Gunst standen, und solchermaßen ihre Pässe überall bei sich hatten: dennoch gab es auch welche, die in die Klemme kamen; die Gatten, die sie nicht ans Messer zu bringen wagten, halfen sich mit Giften und mit versteckten und geheimen Todesarten, indem sie glauben machten, sie wären am Katarrh, am Schlagfluß oder sonst plötzlich verstorben. Verabscheuens würdig sind solche Gatten, die ihre schönen Frauen an ihrer Seite liegen haben und sehen, wie sie von Tag zu Tag matter werden und dem Tod anheimfallen; sie verdienten eher den Tod als ihre Frauen; oder sie lassen sie zwischen zwei Mauern sterben, in ewigem Gefängnis, wie uns ein paar alte französische Chroniken berichten, und wie ich es von einem Großen von Frankreich erfuhr, der so seine Frau sterben ließ, eine sehr schöne und ehrbare Dame, und zwar nach dem Urteil des Hofes, wobei es ihn noch belustigte, daß er so zum Hahnrei erklärt wurde.

Zu diesen besessenen und rasenden Hahnreigatten gehören häufig die Greise, die kein Vertrauen mehr zu ihren Kräften und zu ihrem Feuer haben, sich aber derjenigen ihrer Frauen versichern wollen; auch wenn sie so dumm waren, sie jung und schön zu heiraten; sie sind so eifersüchtig und argwöhnisch auf sie, sowohl wegen ihres Naturells, wie wegen der alten Praktiken, die sie selbst früher getrieben oder von anderen hatten treiben sehen, daß sie diese armen Wesen so elend behandeln, daß ihnen das Fegefeuer angenehmer wäre, als das Ansehen, das sie genießen. Der Spanier sagt: El Diablo sabe mucho, porque es viejo,–(»der Teufel weiß viel, weil er alt ist«); auch diese Greise wissen, kraft ihres Alters und ihrer früheren Routine, eine Menge Sachen. Man muß ihnen darüber die bittersten Vorwürfe machen, denn, da sie die Frauen nicht befriedigen können, warum heiraten sie sie denn? Aber auch die schönen und jungen Frauen tun arg unrecht, sie zu heiraten; sie haben nämlich Absicht auf die Reichtümer, die sie nach dem Tode ihrer Gatten, den sie stündlich erwarten, zu genießen gedenken; indessen lassen sie sichs mit jungen Freunden wohl sein, was mancher von ihnen aber nicht selten harte Leiden bringt. Ich horte von einer, die von ihrem Gatten, einem Greis, auf der Tat überrascht wurde; er gab ihr ein Gift ein, an dem sie länger als ein Jahr hinsiechte und dürr wurde wie Holz; der Gemahl besuchte sie häufig und freute sich über dieses Siechtum, er lachte darüber und sagte: sie hätte nur, was sie brauchte.

Eine andere wurde von ihrem Gatten in eine Kammer eingesperrt und auf Wasser und Brot gesetzt, sehr oft ließ er sie ganz nackt ausziehen und peitschte sie gehörig, ohne irgendwelches Erbarmen mit diesem schönen nackten Fleisch und ohne jede Aufregung. Das ist das Schlimmste an ihnen; denn von Hitze frei und der Versuchung bar wie ein Marmorbild, haben sie mit keiner Schönheit Mitleid, sie lassen ihre Wut in grausamen Martern aus, anstatt, wie sie es vielleicht in ihrer Jugend machten, sie an ihrem schönen nackten Körper auszulassen, wie ich oben sagte.

Aus diesem Grunde tut es nicht gut, so eigensinnige alte Greise zu ehelichen; auch wenn ihr Augenlicht sinkt, auch wenn sie es im Alter verlieren, sie haben trotzdem noch stets genug, den Schabernack, den ihre jungen Frauen ihnen spielen können, zu beobachten und auszuspionieren. Ich hörte auch von einer großen Dame sagen: kein Samstag ohne Sonne, keine schöne Frau ohne Liebschaften, kein Greis ohne Eifersucht, und es rührt eben alles von seiner Debolezza, seinem Kräfteschwund, her.

Deshalb sagte ein großer Fürst, den ich kenne: er wolle dem Löwen gleich sein: er wird im Alter niemals weiß; dem Affen: je mehr er es macht, desto mehr will er es machen; dem Hund: je älter er wird, desto größer wird sein Glied; und dem Hirsch: je älter er ist, desto besser kann er's, und die Hindinnen gehen lieber zu ihm wie zu den jungen Hirschen.

Nun, um offen darüber zu reden, so wie ich es von einer großen Persönlichkeit hörte: Auf Grund welcher Macht und Autorität darf der Gatte seine Frau töten, in Anbetracht dessen, daß er dies Recht doch keineswegs von Gott hat, auch nicht von seinem Gesetz oder vom heiligen Evangelium, außer dem, sie nur zu verstoßen? Das Evangelium spricht durchaus nicht von Mord, von Blut, von Tod, von Folterqualen, von Gefangenschaft, von Giften und auch nicht von Grausamkeiten. Ach! Unser Herr Jesus Christus hat es uns gelehrt, was dieses Tun und dieses Morden für ein großer Mißbrauch sei, und daß er es keineswegs billigte, als man ihm jenes arme, des Ehebruchs geziehene Weib vorführte, damit er seinen Richterspruch über sie fälle; er schrieb mit dem Finger auf die Erde und sagte zu ihnen: »Wer unter euch am reinsten und ohne Sünde ist, der hebe den ersten Stein und werfe ihn auf sie!« Das wagte keiner zu tun, so fühlten sie sich von dem weisen und milden Vorwurf getroffen.

Unser Schöpfer lehrte uns allen, es mit dem Verdammen und Töten von Menschen nicht so leicht zu nehmen, auch in dieser Sache nicht; er kannte die Gebrechen unserer Natur und den Mißbrauch, den viele damit treiben; denn mancher läßt seine Frau töten, und er ist doch ein größerer Ehebrecher als sie, und andere lassen sie oft unschuldig morden, weil sie ihrer überdrüssig sind und neue für sie nehmen wollen: und wie viele solcher gibt es doch! Der heilige Augustinus sagte, der ehebrecherische Mann ist ebenso strafwürdig wie die Frau.

Ich hörte von einem sehr hohen Fürsten, von irgendwo in der Welt, der auf seine Frau den Verdacht warf, ein Liebesverhältnis mit einem vornehmen Galan zu haben; er ließ ihn niedermachen, als er des Abends seinen Palast verließ, dann die Dame; kurz vorher hatte sie bei einem am Hof abgehaltenen Turnier ihren Liebhaber, der sein Pferd sehr gut ritt, fest ins Auge gefaßt und gesagt: »Mein Gott! wie gut er spornt! – Ja, aber er sticht zu hoch!« Das machte den Gatten betroffen, und bald darauf vergiftete er sie mit Gerüchen oder sonst etwas, das er sie essen ließ.

Ich kannte einen Herrn aus gutem Hause, der seine Frau tötete, eine sehr schöne Dame von guter Herkunft und von gutem Stande; er gab ihr auf natürlichem Wege Gift ein, ohne daß sie etwas spürte (so fein und gut zubereitet war dieses Gift), um eine große Dame zu heiraten, die einen Fürsten geehelicht hatte; er wurde dafür bestraft, ins Gefängnis gesetzt, und seine Freunde verließen ihn; das Unglück wollte, daß er sie nicht heiratete, er wurde darum betrogen, von Männern und Frauen übel angesehen und erregte groß Ärgernis.

Ich sah große Persönlichkeiten heftig auf unsere alten Könige schelten, wie auf Ludwig den Zänker,Ludwig X., der seine Frau zwischen zwei Kissen ersticken ließ, als sie im Château Gaillard gefangen saß. auf Karl den Schönen,Karls IV. Frau, Blanca von Burgund, hurte sogar noch in ihrem Gefängnis im Château Gaillard fort. Sie wurde von ihrem Wächter oder Kerkermeister schwanger, entrann aber, entgegen dem Bericht Brantômes, dem Tod. daß sie ihre Frauen umgebracht hatten; die eine, Margarete, Tochter des Herzogs Robert von Burgund; die andere, Blanca, Tochter des Grafen Otto von Burgund; sie hielten ihnen ihre Ehebrüche vor und brachten sie grausam zwischen vier Mauern um, auf Château Gaillard; ebenso machte es der Graf von Foix mit Johanna von Artois. Es lagen dabei keineswegs so viel Greueltaten und Verbrechen vor, wie sie es glauben machten; aber die Herren waren ihrer Frauen überdrüssig, warfen ihnen ihre Untaten vor und heirateten andere.

Erst jüngst ließ der König Heinrich von England seine Frau, Anna Boleyn, köpfen, um für sie eine andere zu heiraten; denn er war sehr blutdürstig und liebte die Abwechselung. Wär es nicht besser, sie verstießen sie nach dem Wort Gottes, anstatt sie so grausam umzubringen? Aber sie brauchen frisches Fleisch, diese Herren, die ihren Tisch für sich allein haben wollen, ohne jemand dazu einzuladen, oder sie wollen neue und zweite Frauen haben, die ihnen neue Besitztümer zubringen, nachdem sie die ihrer ersten aufgezehrt haben, oder sie waren damit noch nicht genug gesättigt; so machte es Balduin, der zweite König von Jerusalem, der von seiner Frau vorgab, sie hätte Unzucht getrieben, und sie verstieß, um eine Tochter des Herzogs von Malyterne zu nehmen, weil sie als Mitgift eine große Summe Geld hatte, die er sehr dringend brauchte. Dieser Fall findet sich in der Geschichte des Heiligen Landes. Es steht den Herren wohl an, das Gesetz Gottes zu korrigieren und ein neues zu machen, daß sie ihre armen Frauen umbringen lassen. König Ludwig IX. verhielt sich Leonore, der Herzogin von Aquitanien, gegenüber, nicht so; sie geriet, möglicherweise zu Unrecht, während seiner Reise nach Syrien in den Verdacht des Ehebruchs und wurde von ihm nur verstoßen, ohne daß er vom Gesetz der anderen Gebrauch machte, das mehr kraft der Gewalt als rechtens- und vernunftshalber erfunden und geübt wurde; damit erwarb er sich einen größern Ruf als die anderen Könige und den Beinamen des Guten, während die anderen böse, grausam und tyrannisch genannt wurden, außerdem hatte er auch Gewissensbisse, wahrlich, das heißt christlich leben! Sogar von den heidnischen Römern haben es die meisten mehr christlich als heidnisch ins reine gebracht, besonders ein paar Kaiser, von denen der größte Teil der Hahnreischaft unterworfen war, und deren Frauen sehr unzüchtig und arg verhurt waren: so grausam sie waren, kann man von sehr vielen lesen, die ihre Frauen mehr von sich wegtaten, indem sie sie verstießen, als daß sie sie hinschlachteten, wie wir Christen es machen.

Julius Cäsar tat seiner Frau Pompeja kein anderes Leid an, als daß er sie verstieß; sie hatte mit P. ClaudiusEs war Publius Clodius, der als Mädchen verkleidet an den Ort vordrang, wo die Mysterien der gütigen Göttin gefeiert wurden. Juvenal äußert sich in seiner IV. Satire sehr drastisch über diese Vorgänge. Ehebruch getrieben, einem schönen, jungen römischen Edelmann, der rasend in sie verliebt war, wie sie in ihn; er lauerte darauf, daß sie eines Tages ein Opfer in ihrem Haus veranstaltete, wo nur Frauen Zutritt hatten: er kleidete sich als Mädchen, er hatte ja noch keinen Flaum am Kinn, er sang mit und spielte mit; also gelangte er zu jenem Ungeheuer und hatte reichlich Muße, mit seiner Geliebten zu machen, was er wollte; als er aber erkannt wurde, jagte man ihn hinaus und klagte ihn an; durch Geld und Gunst kam er davon, und es wurde nichts weiter daraus gemacht. Cicero verschwendete in einer schönen Rede, die er gegen ihn hielt, sein Latein. Freilich antwortete Cäsar den Leuten, die ihn überreden wollten, seine Frau sei unschuldig, daß er nicht wolle, daß nur sein Bett von diesem Frevel besudelt sei, er wolle es auch von jedem Verdacht befreit wissen. Das tat seine Dienste, um es in der Welt aussprengen zu lassen, in seiner Seele aber wußte er wohl, was es besagen wollte: daß seine Frau in dieser Weise mit ihrem Liebhaber gefunden wurde; sie hatte ihn möglicherweise zu sich eingeladen, es ihm bequem gemacht; denn wenn ein Weib will und wünscht, braucht sich der Liebhaber durchaus nicht darum zu kümmern, Gelegenheiten auszudenken; denn sie findet in einer Stunde mehr, als wir alle in hundert Jahren herausbrächten; genau wie eine Frau von da und da, die ich kenne, zu ihrem Liebhaber sagte: »Ihr braucht bloß ein Mittel zu finden, daß mir die Lust ankommt; denn im übrigen will ich schon dafür sorgen, es dahin zu bringen.«

Cäsar wußte auch sehr wohl, was die Elle von diesen Geschichten für einen Wert hatte; denn er war ein sehr arger Kerl; man nannte ihn den Hahn von allen Hennen; in seiner Hauptstadt machte er eine Menge Hahnreie, wovon der Spitzname zeugt, den ihm die Soldaten bei seinem Triumph gaben: Romani, servate uxores; moechum adducimus calvum! (»Römer, sperrt eure Frauen gut ein; denn wir bringen euch den großen Wüstling und Ehebrecher Cäsar, den Kahlkopf, der sie euch alle besiegt!«)

Solchermaßen, mit dieser klugen Antwort, die er von seiner Frau abgab, behütete er sich vor dem Namen Hahnrei, den er seinerseits den anderen anheftete; aber in seiner Seele fühlte er sich sehr getroffen.

Oktavianus verstieß ebenfalls Scribonia wegen ihres Hangs zur Unzucht, ohne weiteren Grund, obwohl sie recht gehabt hätte, ihn zum Hahnrei zu machen, weil er eine Unmenge von Frauen unterhielt; ganz offen vor ihren Gatten nahm er sie an die Tafel zu den Festen, die er ihnen bereitete, er führte sie mit in seine Kammer, und nachdem er sie geliebt hatte, schickte er sie wieder zurück, mit etwas aufgelösten und aufgedrehten Haaren und roten Ohren, einem bedeutsamen Zeichen, woher sie kamen! Das habe ich nicht als das Geeignete nennen hören, wenn man herausbringen will, woher man kommt; dann sieh wohl das Gesicht an, aber nicht das Ohr. Er stand auch im Ruf, ein großer Wüstling zu sein; sogar Marc Anton warf es ihm vor:Hieraus erhellt, daß Brantome ein eifriger Sueton-Leser war. er entschuldigte sich jedoch, er unterhielte die Frauenzimmer nicht so sehr des Genusses halber, sondern um leichter hinter die Geheimnisse ihrer Männer zu kommen, denen er nicht traute. Ich kannte verschiedene Große und andere, die es ebenso machten, und die Frauen um desselben Zweckes willen suchten, wobei sie sich sehr wohl befanden; ich könnte sie wohl namhaft machen; es ist eine feine List; denn man genießt dabei ein doppeltes Vergnügen. Die Verschwörung Catilinas wurde so durch eine Freudendame entdeckt. Derselbe Oktavian zog es im Falle seiner Tochter Julia, der Frau Agrippas, die ihm mit ihrer mächtigen Hurerei große Schande machte (denn zuweilen machen die Töchter ihren Vätern mehr Unehre wie die Frauen ihren Gatten), einmal in Erwägung, sie umzubringen; aber er verbannte sie nur, entzog ihr den Wein und den Gebrauch schöner Kleider, wofür sie ärmliche anlegen mußte – eine sehr starke Bestrafung, und verbot ihr den Umgang mit Männern: für Frauen dieser Verfassung bedeutet es in der Tat eine große Strafe, wenn ihnen die beiden letzten Dinge entzogen werden! Cäsar Caligula,Von den beiden Frauen Caligulas redet ausführlich Sueton. der ein sehr grausamer Tyrann war, gelangte zu der Ansicht, daß sich seine Frau Livia Hostilia zu wiederholten Malen verstohlenerweise ihrem ersten Gatten G. Piso hingegeben, dem er sie mit Gewalt weggenommen hatte; ferner, daß sie ihm, da er noch da war, mit ihrem hübschen Leibe allerlei Vergnügen und Artigkeiten bereitete, indessen er selbst auf der Reise abwesend war; er griff nun keineswegs zu seiner gewohnten Grausamkeit, sondern er verbannte sie nur von sich, zwei Jahre nachdem er sie ihrem Gatten Piso weggenommen und geheiratet hatte.

Ebenso verfuhr er mit Tullia Paulina, die er ihrem Gatten C. Memmius weggenommen hatte: er jagte sie bloß davon, aber mit dem ausdrücklichen Verbot, jemals wieder das süße Spiel zu treiben, auch nicht mit ihrem Gatten: eine tüchtige Härte und Grausamkeit, wenn man es nicht einmal seinem Gatten machen darf!

Ich hörte von einem großen christlichen Fürsten, der das Verbot gegen eine Frau aussprach, die er unterhielt, und der auch ihrem Mann verbot, sie anzurühren, so eifersüchtig war er auf sie.

Claudius, Sohn des Drusus Germanicus, sprach gegen seine Frau Plantia Herculalina nur die Verstoßung aus, weil sie eine ausgemachte Hure war, und, was schlimmer ist, weil er erfahren hatte, daß sie ihm nach dem Leben trachtete; obgleich bei seiner Grausamkeit diese beiden Gründe triftig genug waren, sie zum Tode zu verurteilen, begnügte er sich mit der Scheidung.

Wie lange ertrug er dagegen die tollen Liebesabenteuer, die schmutzigen Bordellsitten der Valeria Messalina, seiner zweiten Frau, die sich nicht damit begnügte, mit diesem und jenem ausschweifend und öffentlich zu lieben; sie machte sich sogar ein Gewerbe daraus, in die Bordelle zu laufen und sich lieben zu lassen, wie die größte Vettel der Stadt, daß sie sich sogar, wie Juvenal sagt, wenn sich ihr Gatte mit ihr niedergelegt hatte, ganz leise vom Lager wegstahl, sobald sie ihn eingeschlafen fand, sich so gut sie konnte verkleidete, geradewegs ins Bordell lief, wo sie bis zur Ermüdung liebte, wenngleich nicht gesättigt. Sie trieb es noch schlimmer; um sich noch mehr Befriedigung zu schaffen und den Ruf und das Vergnügen zu genießen, eine große Hure und Vettel zu sein, ließ sie sich bezahlen und taxierte ihre Märsche, wie ein Kommissar, der über Land reitet, bis zum letzten Groschen.

Ich hörte von einer Dame von da und da, von sehr hoher Abkunft, die es einige Zeit so trieb und verkleidet in die Bordelle lief, um dieses Leben zu probieren und sich lieben zu lassen, so daß der Stadt Wächter, der die Ronde machte, sie in einer Nacht dabei überraschte. Noch andere machen solche Streiche, und man kennt sie schon.

Boccaccio redet in seinem Buch von den Berühmten Unglücklichen sehr milde von jener Messalina und läßt sie sich damit entschuldigen, daß sie überhaupt dazu geboren wäre; sie kam sogar auf die Welt unter bestimmten Himmelszeichen, die sie erhitzten, sie und andere. Ihr Gatte wußte es und ertrug es lange, bis er erfuhr, daß sie es mit einem Gajus Silius trieb, einem der schönsten Edelleute Roms. Er bemerkte, daß es ein Anschlag auf sein Leben war, und ließ sie deswegen umbringen, aber durchaus nicht wegen ihrer Unzucht; denn er war vollständig daran gewöhnt, sie zu beobachten, davon zu wissen und sie zu ertragen. Wer das neulich in der Stadt Bordeaux aufgefundene Bildnis der erwähnten Messalina gesehen hat, wird gestehen, daß sie wahrhaftig so aussah, wie sie lebte. Es ist eine antike Medaille, die man unter Ruinen fand, ein sehr schönes Stück, daß es wert ist, aufbewahrt und eingehend betrachtet zu werden. Sie war ein sehr großes Weib, von sehr schönem hohen Wuchs und schönem Antlitz, das Haar hübsch in antiker Art aufgemacht, die Taille lag sehr hoch, ein Beweis, daß sie war, was man sagte; denn, wie ich von verschiedenen Philosophen, Ärzten und Physiognomikern gehört habe, sind große Frauen besonders dazu geneigt, weil sie von männlicher Art sind; damit haben sie an der Glut von Mann und Frau teil, die sie in ihrem Leibe vereinigen, damit sind sie kräftiger und leidenschaftlicher, als eine Frau allein; wie man von einem großen Schiff sagt, es braucht viel Wasser, um's zu tragen. Überdies sagen die großen Gelehrten in der Kunst der Venus: Ein großes Weib ist dafür geeigneter und gefälliger wie ein kleines. Dabei fällt mir ein sehr hoher Fürst ein, den ich kannte: er wollte eine Frau rühmen, deren Besitz er genossen hatte, und sagte: »Sie ist eine sehr schöne Hure, groß wie meine Frau Mutter.« Überrascht von der Schnellfertigkeit seiner Worte meinte er, er wollte nicht sagen, sie sei eine große Hure wie seine Frau Mutter, sondern, sie hätte den Wuchs und die Größe wie seine Frau Mutter. Zuweilen sagt man Sachen, die man nicht meint, zuweilen aber sagt man die Wahrheit, ohne daran zu denken.

Man kommt also mit großen und stolzen Weibern besser fort, und wenn auch nur wegen ihrer Grazie und ihrer Majestät; denn bei diesen Dingen werden sie ebenso gesucht und geschützt, wie bei anderen Vorgängen und Handlungen; genau wie die Führung eines schönen und großen königlichen Renners wohl hundertmal angenehmer und lustiger ist, wie die eines kleinen Kleppers, wie es auch dem Bereiter viel mehr Vergnügen macht; dieser Bereiter muß aber auch tüchtig sein und sich gut halten und viel Kraft und Geschicklichkeit zeigen. Ebenso muß es bei großen und stolzen Frauen sein; denn mit diesem Wuchs sind sie gehalten, höher zu gehen, wie die anderen; und häufig verliert man mit ihnen die Steigbügel, vielleicht auch den Sattel wenn man keinen festen Sitz hat; wie ich von ein paar Reitern hörte, die mit ihnen die Kavalkade machten; sie machen sich noch höchst lustig darüber, wenn sie einen haben springen lassen und abgeworfen haben, wie ich von einer Dame dieser Stadt hörte, die beim erstenmal, als sich ihr Liebhaber mit ihr ins Bett legte, ganz offen zu ihm sagte: »Umarmt mich recht und schlingt mich mit Armen und Beinen an Euch, so gut Ihr könnt, und haltet Euch tapfer; denn ich gehe hoch, und nehmt Euch in acht, daß Ihr nicht fallt. Schont mich aber auch nicht; ich bin stark und gewandt genug, Eure Hiebe auszuhalten, und wenn sie noch so gewaltig sind; und wenn Ihr mich schont, ich schone Euch nicht. Also wie du mir, so ich dir.« Aber die Frau trug den Sieg davon.

Man muß also darauf denken, daß man sich mit so verwegenen, fröhlichen, starken, fleischigen und wohlgestalteten Weibern beherrscht; wenn auch die überströmende Brunst in ihnen viel Befriedigung gibt, so sind sie doch zuweilen gar zu heftig, eben weil sie so hitzig sind. Wie man aber sagt: Gute Windhunde gibt es in allen Größen, so gibt es kleine Knirpse von Weibern, die in Haltung, Grazie und Geschicklichkeit den anderen etwas nahe kommen, oder sie nachahmen wollen, und auf der Jagd sind sie ebenso heiß und gierig, wenn nicht mehr (meine Gewährsleute sind die Meister in diesen Künsten), genau wie ein kleines Pferd ebenso hurtig in Erregung kommt wie ein großes; wie ein ehrbarer Mann sagte, das Weib gliche verschiedenen Tieren, hauptsächlich aber einem Affen, da es sich im Bette nur wälzt und aufregt.

Ich machte die Abschweifung, weil ich mich erinnerte; wir kehren jetzt zu unserem ersten Thema zurück. Auch jener grausame Nero tat seiner Frau Oktavia, einer Tochter des Claudius und der Messalina, für ihren Ehebruch weiter nichts, als daß er sie verstieß, und seine Grausamkeit zog sich hier Grenzen.

Domitian machte es noch besser; er verstieß seine Frau Domitia Longia, weil sie in einen gewissen Komödianten und Gaukler mit Namen Paris wie toll verliebt war und den ganzen Tag bloß mit ihm hurte, ohne ihrem Gatten Gesellschaft zu leisten; nach kurzer Zeit jedoch nahm er sie wieder zu sich und bereute die Trennung; der Gaukler hatte ihr nämlich geschmeidige Kniffe und Fertigkeiten beigebracht, von denen er, Domitian, meinte, sie beglückten ihn.Paris war ein berühmter Gaukler. Nero ließ seinen Namensvetter umbringen, weil es ihm nicht gelingen wollte, ihm tanzen zu lernen. Übrigens zettelte Domitia die Verschwörung gegen ihren Gatten an, der er unterlag.

Pertinax machte es ebenso mit seiner Frau Flavia Sulpitiana; zwar verstieß er sie weder, noch nahm er sie wieder zurück, als er erfuhr, daß sie mit einem Sänger und Saitenspieler der Liebe pflegte und sich ihm ganz hingab, sondern er ließ sie nur gewähren, während er seinerseits eine gewisse Cornificia, seine leibliche Base, liebte; darin folgte er der Ansicht Heliogabals, der da sagte, es gäbe nicht Schöneres auf der Welt als den Umgang mit seinen Verwandten und Verwandtinnen. Solchen Austausch trieben viele, die ich kenne, indem sie sich auf diese Ansichten stützten. Auch der Kaiser Severus kümmerte sich nicht weiter um die Ehre seiner Frau, die eine öffentliche Hure war, ohne daß er sich jemals darum sorgte, sie zu bessern, indem er sagte, sie heiße eben Julia, und er müsse sie daher entschuldigen; denn alle, die den Namen trügen, müßten seit grauem Alter arge Buhlerinnen sein und ihre Männer zu Hahnreien machen. Ebenso kenne ich viele Damen, die bestimmte christliche Namen tragen, will sie aber nicht nennen aus Ehrfurcht vor unserer heiligen Religion; sie müssen gewöhnlich mehr buhlen, wie andere mit anderen Namen, und es gibt kaum welche, die dem entronnen wären.

Ich würde niemals ein Ende finden, wenn ich eine Unmenge anderer großer Damen und römischer Kaiserinnen anführen wollte, in deren Falle ihre sonst sehr grausamen Hahnreigatten sich ihrer Grausamkeit, ihrer Macht und ihrer Vorrechte entschlugen, obgleich diese Frauen sehr ausschweifend waren; und ich glaube, es hat in diesen alten Zeiten wenig Spröde gegeben, wie ihre Lebensbeschreibungen bezeugen: auch wenn man ihre Bilder und Medaillen aus dem Altertum eingehend betrachtet, sieht man ganz deutlich, daß ihren schönen Gesichtern die gleiche Schlüpfrigkeit eingeprägt ist. Dennoch verziehen ihnen ihre grausamen Gatten und brachten sie nicht um, oder nur wenige. Heiden, ohne die Erkenntnis Gottes, verhielten sich gegen ihre Frauen und gegen das Menschengeschlecht so mild und gütig, während die meisten unserer christlichen Könige, Fürsten und Herren dieser Missetat halber so grausam gegen ihre Frauen sind!

Man muß auch den tapferen Philipp August rühmen, unseren König von Frankreich, der sein Weib Angerberga,Ingeborg. Als Philipp August sie zu Amiens heiratete (1193), packte ihn im Moment, in dem er sie in die Kirche führte, eine plötzliche unerklärliche tiefe Abneigung. »Er zitterte,« sagt der Chronist Wilhelm Neubrig, »er erbleichte und wurde so verstört, daß er kaum das Ende der Krönung erwarten konnte. Und dabei war die Prinzessin jung und schön.« Schwester Knuts, Königs von Dänemark, seine zweite Frau, unter dem Vorwand verstoßen hatte, sie sei seine Kusine im dritten Grad von seiten seiner ersten Frau Ysabel (andere sagten, er hätte sie im Verdacht, Liebschaften zu haben). Trotzdem nahm er sie unter dem Zwang von Kirchengesetzen und, obgleich er anderwärts wieder verheiratet war, wieder zu sich, setzte sie hinter sich aufs Pferd und nahm sie mit, ohne daß die Ratsversammlung zu Soissons, die deswegen versammelt war und zu lange tagte, um darüber zu beschließen, davon wußte.

Heute tut keiner von unseren Großen dergleichen; die geringste Strafe vielmehr, mit der sie ihre Frauen belegen, besteht in ihrer beständigen Gefangensetzung, bei Wasser und Brot; dort werden sie hingerichtet, vergiftet, getötet, sei es mit eigner Hand oder durchs Gericht. Wenn sie die Lust ankommt, sich ihrer zu entledigen und andere zu heiraten, wie es oft vorkommt, warum verstoßen sie sie nicht und scheiden sich ehrlich, ohne andre Untat, obgleich, was Gott zusammengefügt hat, der Mensch nicht scheiden soll? Freilich haben wir erst jüngst Beispiele davon gehabt, sowohl von Karl VIII., wie von Ludwig XII., unseren Königen. Ich hörte einen großen Theologen darüber sprechen, nämlich über den verstorbenen König von Spanien, Philipp, der seine Nichte, die Mutter des jetzt regierenden Königs, und zwar mit Dispens, geheiratet hatte; er sagte: »Entweder muß man überhaupt den Papst als Statthalter Gottes auf Erden anerkennen, und zwar als absoluten, oder gar nicht: ist er es, wie wir Katholiken glauben müssen, so gilt es, ihm die absolute, unendliche und unbegrenzte Macht auf Erden zuzugestehen, sowie, daß er binden und lösen kann, wie es ihm gefällt; nehmen wir ihn aber nicht so, so mögen jene, die in solchem Irrtum befangen sind, mit ihm anfangen, was sie wollen. Anders wir guten Katholiken. Daher kann unser Heiliger Vater den Auflösungen der Ehe und den großen Unzuträglichkeiten steuern, die zwischen Mann und Frau daraus erwachsen, wenn sie so schlecht zusammenleben.«

Gewiß sind die Frauen sehr zu schelten, die ihren Gatten so die Treue brechen, zu der sie Gott so sehr ermahnt hat; andrerseits hat er jedoch den Totschlag streng verboten, der ist ihm höchst hassenswürdig in allen Dingen; und nie habe ich blutdürstige Leute und Mörder, auch ihrer Frauen, gesehen, die nicht die Schuld bezahlten, und wenig Blutgierige haben gut geendet; dagegen wurden verschiedene sündige Frauen von Gottes Barmherzigkeit aufgenommen, wie die Magdalena.

Endlich sind auch diese armen Frauen Wesen, die der Gottheit mehr gleichen als wir, wegen ihrer Schönheit; denn das Schöne steht Gott näher, der selbst die Schönheit ist, aber das Häßliche ist des Teufels.

Jener große Alfonso, König von Neapel, sagte, die Schönheit sei ein echtes Kennzeichen guter und erfreulicher Lebensart, gerade wie die schöne Blüte auf eine gute und schöne Frucht hinweist: Das ist wahr, in meinem Leben habe ich eine Menge schöner Frauen gesehen, sie waren alle gut; und wenn sie auch verliebt waren, sie taten nichts Böses, als nur, daß sie immer an diese Lust dachten und um sie sorgten und um weiter nichts.

Ich habe aber auch sehr böse, verderbliche, gefährliche, grausame und sehr verbrecherische gesehen, die gleichwohl auf die Liebe und auf das Böse zu gleicher Zeit sannen. Kann man also sagen, ihre Gatten, unter deren schwankender und argwöhnischer Laune sie doch stehen, verdienten hundertmal mehr Strafe von Gott, weil sie sie so züchtigten? Oder die Verfassung solcher Leute ist so fatal, wie die Schwierigkeit, darüber zu schreiben.

Ich komme jetzt noch auf einen andern, einen Herrn in Dalmatien, der den Buhlen seiner Frau tötete und sie zwang, wie sonst mit dem toten aasigen und stinkenden Rumpf zu schlafen, sodaß die arme Frau fast erstickte von dem schlechten Geruch, den sie mehrere Tage lang zu ertragen hatte. Die Hundert ErzählungenDas Heptameron zählt nur 73; die angezogene Novelle ist die 32. der Königin von Navarra enthalten die schönste und traurigste Geschichte, die es in dieser Hinsicht geben kann, nämlich von jener schönen deutschen Dame, die ihr Gemahl zwang, täglich aus dem Schädel ihres Freundes zu trinken, den der Mann getötet hatte; Herr Bernage, der damals als Gesandter König Karls VIII. in Deutschland war, sah das bemitleidenswerte Schauspiel und konnte es bestätigen.

Als ich zum erstenmal in Italien war und durch Venedig kam, erzählte man mir als Wahrheit von einem albanesischen Edelmann, der seine Frau beim Ehebruch überraschte und den Liebhaber tötete. Vor Zorn darüber, daß sich seine Frau nicht mit ihm zufrieden gegeben hatte, denn er war ein feiner Ritter und zum Venusdienst so vorzüglich geeignet, daß er sogar zehn- oder zwölfmal in der Nacht ans Lanzenstechen gehen konnte, trachtete er zu ihrer Bestrafung eifrig danach, ein Dutzend guter Gesellen und arger Hurer zusammenzubringen, die im Rufe standen, wohlgebaut, stark und bei der Exekution sehr geschickt und hitzig zu sein; er dang sie, mietete sie für Geld und sperrte sie in die Kammer seiner Frau, einer großen Schönheit, und gab sie ihnen preis, indem er alle bat, dabei ihre Pflicht zu tun, und das Doppelte versprach bei guter Erledigung; sie machten sich alle über sie her, einer nach dem andern, und traktierten sie so, daß sie die Frau zur großen Genugtuung des Gemahls totmachten; während sie im Sterben lag, warf er ihr vor, weil sie das Süße so sehr geliebt habe, solle sie sich damit besaufen; genau wie Semiramis zu Cyrus sagte, als sie seinen Kopf in eine Schüssel voll Blut steckte. Eine schreckliche Todesart!

Diese arme Frau wäre nicht so gestorben, hätte sie die robuste Verfassung einer Dirne gehabt, die sich im Lager Cäsars in Gallien aufhielt; man sagt, daß zwei Legionen binnen kurzer Zeit über sie weggingen, und zuletzt machte sie einen Luftsprung und befand sich gar nicht übel.

Ich hörte von einer französischen Dame aus der Stadt, einem schönen Edelfräulein: in einem unserer Bürgerkriege war sie in einer mit Sturm genommenen Stadt von einer Unmenge Soldaten genotzüchtigt worden; als sie entronnen war, erzählte sie einem guten Pater ihre Geschichte und fragte, ob sie arg gesündigt hätte; er verneinte es, da sie ja mit Gewalt genommen worden war und ohne ihren Willen, sogar aufs höchste widerstrebend, vergewaltigt wurde. Sie antwortete: »Gott sei gelobt, daß ich mich einmal in meinem Leben gesättigt habe, ohne zu sündigen oder Gott zu beleidigen!«

Beim Blutbad der St. Bartholomäus-Nacht war eine Dame von guter Herkunft in solcher Weise vergewaltigt und ihr Gatte getötet worden; da fragte sie einen gelehrten Mann, ob sie Gott beleidigt hätte, ob sie nicht dafür mit seiner Härte gestraft würde, und ob sie sich nicht gegen die Manen ihres Gatten vergangen hätte, der im Augenblick erst getötet worden wäre. Sie bekam die Antwort, sie hätte allerdings gesündigt, wenn sie während der Beschäftigung daran Lust bekommen hätte; aber es wäre ganz einerlei, hätte sie sich davor geekelt. Fürwahr ein gutes Urteil!

Ich kannte eine Dame, die hatte eine ganz andere Ansicht und sagte, die Lust sei nicht so groß, wenn sie nicht halb vergewaltigt und niedergeworfen würde, und zwar von einem Großen; je widerspenstiger und spröder man sich zeigt, desto hitziger wird man, desto mehr strengt man sich an; denn wenn er einmal die Bresche erbrochen hat, dann genießt er seinen Sieg um so wütender und heftiger, desto mehr Begierde flößt er seiner Dame ein, die um solcher Lust willen scheinbar die Halbtote und Ohnmächtige spielt, aber nur, um den Genuß bis aufs höchste zu steigern. Diese Dame sagte sogar, sie gäbe ihrem Gemahl häufig solche Vorkommnisse und Aufregungen zu kosten, sie spiele die Wilde, die Launische, die Spröde, und mache ihn damit brünstiger: wenn es dann soweit wäre, befänden sich beide hundertmal wohler; wie denn verschiedene schrieben: eine Frau gefällt mehr, die etwas Schwierigkeit macht und Widerstand leistet, als wenn sie sich gleich auf die Erde legen läßt. Auch im Krieg ist ein mit Gewalt erstrittener Sieg ruhmreicher als ein geschenkter, und man triumphiert mehr darüber. Aber die Dame darf es mit dem Erschrocken- und Widerspenstig-Sein nicht zu weit treiben, sonst wird sie für eine geriebene Hure gehalten, die Sprödigkeit heuchelt; sie würde dann oft nur Schimpf und Schande davontragen; so habe ich oft Frauen sagen hören, die darin klüger und gescheiter sind als ich, und auf die ich verweise; ich will nicht so anmaßend sein, ihnen Lehren vorzutragen, die sie besser kennen als ich.

Ich habe auch verschiedentlich über diese eifersüchtigen und mörderischen Gatten arg schelten hören, dermaßen, daß sie selbst daran schuld seien, wenn ihre Frauen Dirnen sind. Wie denn der heilige Augustin sagt: es ist eine große Narrheit von einem Gatten, Keuschheit von seiner Frau zu verlangen, während er selbst im Pfuhl der Unzucht steckt; der Gatte muß denselben Zustand haben, in dem er seine Frau finden will. Wir finden in unserer Heiligen Schrift sogar, daß sich Mann und Frau untereinander gar nicht so stark zu lieben brauchen; das besagt natürlich: mit geiler und unzüchtiger Liebe; indem sie ihr ganzes Herz auf jene schlüpfrigen Freuden richten, denken sie so stark daran, geben sich ihnen so sehr hin, daß sie dabei der Liebe vergessen, die sie Gott schuldig sind; ich habe selbst sehr viele Frauen gesehen, die ihre Gatten so sehr liebten, und umgekehrt, die von solcher Glut brannten, daß beide dabei jeden Gottesdienst vergaßen; die Zeit, die er beanspruchte, wurde von ihren Unzüchten verschlungen und aufgezehrt. Außerdem lehren diese Gatten ihren Frauen in ihrem eignen Bett tausend Geilheiten, tausend Schlüpfrigkeiten, tausend neue Stellungen, Wendungen, Arten, und bringen ihnen jene ungeheuerlichen Figuren des Aretino bei; aus einem Feuerbrand, den sie im Leib haben, lassen sie hundert lodern; und so werden sie verhurt; sind sie einmal auf solche Weise gedrillt, können sie sich nicht davor behüten, ihren Gatten zu entlaufen und andere Kavaliere aufzusuchen. Darüber verzweifeln die Gatten und töten ihre armen Frauen; darin haben sie sehr unrecht; denn da jene fühlen, daß sie gut eingeschult sind, wollen sie auch andern zeigen, was sie können; ihre Gatten wollten, daß sie ihr Können versteckten; darin liegt aber weder Sinn noch Verstand, nicht mehr, wie wenn ein guter Stallmeister ein gut gerittenes Pferd hat, das in allen Gangarten läuft, und will nicht erlauben, daß man es gehen sieht, und daß man's besteigt, sondern man soll es ihm schon aufs bloße Wort hin abkaufen.

Ich hörte von einem ehrbaren Edelmann von da und da, der sich in eine schöne Dame stark verliebt hatte; einer seiner Freunde sagte ihm, er verlöre damit seine Zeit; denn sie liebe ihren Gatten zu sehr; da verfiel er einmal darauf, ein Loch in die Wand zu machen, das geradewegs in ihr Bett führte; lagen sie beisammen, bespähte er sie durch das Loch, und er sah die größten Geilheiten, schmutzige, ungeheuerliche und kolossale Unzuchten und Figuren, von der Frau sogar mehr wie vom Manne und mit brüllenden Begierden; am andern Morgen traf er seinen Kameraden, berichtete ihm den schönen Anblick, den er gehabt hatte und sagte zu ihm: »Diese Frau ist mein, sobald ihr Gemahl verreist sein wird; denn sie wird sich in der Hitze, die Natur und Kunst ihr verliehen, nicht lange halten können und sich davon befreien müssen, und so werde ich sie durch meine Beharrlichkeit bekommen.«

Ich kannte einen andern ehrbaren Edelmann, der in eine schöne und ehrbare Dame überaus verliebt war; es war ihm bekannt, daß sie wahrhaftig einen Aretino mit Bildern in ihrem Kabinett hatte, was ihr Gatte wußte, gesehen hatte, und erlaubte; und er sagte aus diesem Grunde voraus, daß er sie besitzen würde; ohne die Hoffnung zu verlieren, diente er ihr eifrig und unermüdlich, daß er es endlich durchsetzte; er erkannte, daß sie gute Lektionen und Künste gelernt hatte, sei es von ihrem Gatten oder von anderen; sie leugnete indessen, weder die einen noch die anderen wären ihre ersten Lehrmeister gewesen, sondern Frau Natur, die als Meisterin alle Künste überträfe. Dennoch hatten ihr das Buch und die Praxis bedeutend geholfen, wie sie ihm später gestand.

Man kann von einer großen Kurtisane und berüchtigten Kupplerin aus dem alten Rom lesen, mit Namen Elefantina, die derartige aretinische Figuren erfand und komponierte, ja noch schlimmere, die von den großen Damen und Prinzessinnen, die der Hurerei frönten, wie ein überaus schönes Buch studiert wurden. Und diese ordentliche cyrenaische Hure trug den Beinamen »mit den zwölf Erfindungen«, weil sie zwölf Arten erfunden hatte, die Lust wollüstiger und geiler zu gestalten!

Heliogabal mietete mit großem Aufwand an Geld und Geschenken Leute jeglichen Geschlechts, die neue Erfindungen für ihn machten und produzierten, um damit seine Unzucht noch mehr aufzureizen. Ich hörte Ähnliches auch von großen Herren von da und da sagen.

In einem der letzten Jahre ließ Papst Sixtus in Rom einen Sekretär hängen, der beim Kardinal Este gewesen war und Cappella hieß, wegen vieler Greueltaten, unter anderm aber dafür, daß er ein Buch mit diesen schönen Figuren verfaßt hatte, veranschaulicht von einem Großen, den ich aus Verehrung für sein Amt nicht nennen will, und von einer großen Dame, einer der Schönheiten von Rom, alle aufs lebendigste dargestellt und naturgetreu gezeichnet.Der Kardinal von Lothringen, du Perron u. a. wurden mit Katharina von Medici, Maria Stuart und der Herzogin von Guise auf zwei Bildern in skandalösen Stellungen dargestellt, wovon in der »Légende du Cardinal de Lorraine« und im »Réveil-Matin des Français« die Rede ist. Siehe auch Ende des VII. Buches.

Ich kannte einen Prinzen von da und da, der es noch besser machte: er kaufte von einem Goldschmied einen sehr schönen Becher aus vergoldetem Silber; als Meisterwerk und als große Spezialität war er aufs reichste und unerhörteste ausgearbeitet, graviert und mit Siegeln geschmückt, mit dem Stichel waren sehr hübsch und fein verschiedene Figuren Aretinos eingegraben, von Mann und Weib, und zwar im unteren Abschnitt des Bechers, im obern darüber außerdem noch verschiedene Arten des Beischlafs von Tieren, hier lernte ich zum erstenmal (denn ich habe besagten Becher oft gesehen und daraus getrunken, nicht ohne zu lachen) den des Löwen und der Löwin kennen, der ganz anders ist als bei andern Tieren, ich wußte nie davon und beziehe mich dabei auf jene, die es wissen, ohne daß ich es sage. Dieser Becher war der Glanz des fürstlichen Schenktisches; denn er war, wie ich sagte, sehr schön und kunstvoll gearbeitet und innen und außen lieblich anzusehen.

Wenn dieser Prinz die Damen und Fräuleins vom Hofe festlich bewirtete, wozu er sie oft einlud, verfehlten auf sein Geheiß seine Kellermeister niemals, ihnen daraus zu trinken zu geben; von jenen, die ihn nie gesehen hatten, wurden die einen, während sie daraus tranken oder später, erstaunt und wußten nicht, was sie dazu sagen sollten; einige schämten sich, und die Röte stieg ihnen ins Gesicht; andere sagten zueinander: »Was ist da hineingraviert? Ich glaube, das sind Sauereien. Ich trinke nicht mehr daraus. Da müßte ich schon einen argen Durst haben, wenn ich wieder daraus trinken würde.« Aber sie mußten schon trinken, oder sie barsten vor Durst; daher schlossen ein paar die Augen, wenn sie tranken, die anderen, weniger schamhaft, nicht. Wer von der Sache hatte reden hören, Frauen wie Mädchen, fing heimlich zu lachen an; die anderen aber platzten stracks davon.

Wenn man sie fragte, was sie zu lachen hätten und was sie gesehen hätten, sagten die einen, sie hätten bloß Bilder gesehen und würden daher ein andermal nicht wieder daraus trinken. Die anderen sagten: »Was mich betrifft, ich denke nichts Böses dabei; das Ansehen und die Bilder beschmutzen doch die Seele nicht.« Die einen sagten: »Ein guter Wein schmeckt daraus ebensogut wie sonstwie.« Die anderen gaben zu, daß es sich ebensogut daraus trinken ließe, wie aus einem andern Becher, und daß der Durst ebensogut dabei verginge. Mit den einen stritt man, warum sie nicht beim Trinken die Augen schlössen; sie antworteten, sie wollten sehen, was sie tränken, ob es auch Wein sei und nicht irgendeine Medizin oder ein Gift. Die anderen fragte man, woran sie mehr Lust hätten, am Ansehen oder am Trinken; sie antworteten: »An beiden.« Die einen sagten: »Schöne Grotesken das!« Die anderen: »Wirklich nette Geckereien!« Die einen sagten: »Fürwahr, schöne Bilder!« Die anderen: »Was für reizende Spiegel!« Die einen sagten: »Der Goldschmied war wohl bei guter Laune, um solche Albernheiten zu machen!« Die anderen sagten: »Und Ihr, mein Herr, noch mehr, um diesen schönen Humpen zu kaufen.« Die einen fragte man, ob sie sich nicht irgendwie gekitzelt fühlten: sie antworteten, von diesen Scherzen könne sie keiner reizen. Die anderen fragte man, ob sie den Wein nicht recht heiß gefunden, ob er sie nicht erhitzt hätte, wenn es auch Winter sei; sie antworteten, sie hätten nicht darauf achtgegeben; denn sie hätten sehr kalt getrunken und fühlten sich sehr erfrischt. Schließlich fragte man auch, welche Bilder sie von allen im Bett haben möchten; sie antworteten, sie könnten nun ja leider nicht weglaufen und sie hinbringen.

Kurz, hunderttausend Sticheleien und Albernheiten entspannen sich also bei Tafel darüber zwischen Männern und Frauen, wie ich sah, und es war eine sehr lustige Fopperei und spaßhaft anzusehen und anzuhören: am lustigsten und schönsten aber war es nach meinem Dafürhalten, die unschuldigen Mädchen zu betrachten (oder die sich so stellten) und andere neu hinzugekommene Damen, wie sie ihre kalte, würdige Miene zu behalten suchten, während sie mit der Nasenspitze und den Lippen lachten, oder sich zwangen und die Scheinheiligen spielten, wie es auch verschiedene Damen machten. Und wohlgemerkt! Wenn sie auch vor Durst hätten sterben müssen, die Schenken hätten nicht gewagt, sie aus einem andern Becher oder Glas trinken zu lassen. Dazu schworen welche, um einen guten Eindruck zu machen, sie würden nie wieder zu diesen Festen kommen; aber sie kamen trotzdem oft wieder hin; denn der Prinz war großartig und liebte die leckeren Mahle. Andere sagten, wenn man sie einlud: »Ich will hin, aber unter der Bedingung, daß man uns nicht aus dem Becher trinken läßt;« und wenn sie dort waren, tranken sie mehr daraus denn je. Endlich gewöhnten sie sich daran, daß sie sich keine Skrupel mehr daraus machten; andere machten es noch besser, indem sie sich bei Zeit und Gelegenheit dieser Bilder bedienten; noch mehr, andere probierten sie bei ihren Ausschweifungen; denn ein Mensch von Geist will alles versuchen. Das waren die Wirkungen des schönen, so wohlverzierten Bechers. Dazu muß man sich die übrigen Gespräche, Träume, Mienen und Worte vorstellen, die die Damen unter sich äußerten, allein oder in Gesellschaft. Ich meine, dieser Becher unterschied sich sehr von jenem, von dem Ronsard in einer seiner ersten Oden spricht, die er dem verstorbenen König Heinrich widmete, und die also beginnt:

Comme un qui prend une coupe
Seul honneur des son trésor,
Et de rang verse à la troupe
Du vin qui rit dedans l´or.

So nimmt einer einen Becher,
Seines Schatzes höchste Pracht,
Und schenkt reihum den Leuten ein
Den Wein, der im Golde lacht.

Aber bei diesem Becher lachte nicht der Wein die Leute an, sondern vielmehr die Leute den Wein: denn die einen tranken, indem sie in Verzückung fielen; die einen vergaßen ihre Natur beim Trinken, und die anderen tranken, indem sie sich bespritzten; ich meine, mit etwas anderm als mit Harn.

Kurz, der Becher hatte schreckliche Wirkungen, so eindringlich waren darauf die Bilder, Erscheinungen und Ansichten; so erinnere ich mich, daß einmal in einer Galerie des Grafen von Chateau-Vilain, genannt Herr Adjacet (der Beischläfer), eine Schar Damen mit ihren Anbetern lustwandelte, die das schöne Haus ansehen wollten, und ihre Augen lenkten sich auf schöne und seltene Gemälde, die in besagter Galerie hingen. Da bot sich ihnen ein sehr schönes Bild, auf dem eine Menge schöner nackter Frauen im Bade dargestellt waren, die einander berührten, betasteten, begriffen, betätschelten und sich vermischten und sich dazu das Haar auf so hübsche und passende Weise herrichteten, indem sie alles zeigten, daß sich darüber eine alte Klausnerin oder Eremitin aufgeregt oder erhitzt hätte; daher sagte eine große Dame, von der ich hörte und die ich kannte, ganz versunken in dieses Bild zu ihrem Liebhaber, indem sie sich ihm gleichsam rasend vor Liebeswut zuwendete: »Ich halte es nicht mehr hier aus! Steigen wir schnell in den Wagen und gehen nach Hause; denn ich kann dieses Feuer nicht mehr zurückdämmen; man muß es auslöschen, das brennt zu sehr.« So eilte sie fort und trank mit ihrem Freund von jenem lieben Wasser, das ungezuckert doch so süß ist, und das ihr Diener ihr aus seinem kleinen Kännchen einschenkte.

Solche Bilder und Gemälde bringen einer zerbrechlichen Seele mehr Schaden als man denkt; es war sogar ein Bild da, das eine ganz nackte Venus darstellte, wie sie dalag und von ihrem Sohn Cupido betrachtet wurde; ein anderes, auf dem Mars mit seiner Venus beisammen lag; ein drittes, das Leda zeigte, wie sie bei ihrem Schwan lag. Noch andere gibt es hier und dort, die etwas zurückhaltender gemacht und verhüllt sind, wie die Figuren des Aretin; aber es kommt doch alles auf eins hinaus, und sie stehen darin unserm Becher nahe, von dem ich soeben redete, dem man im Gegensatz zu dem andern Becher, den Reinhold von Montauban in dem Schloß fand, und wovon Ariost erzählt, sogar eine Art Sympathie entgegenbrachte; der letztere enthüllte die armen Hahnreie rückhaltlos, und jener machte sie; aber der eine war ein arger Schimpf für betrogene Männer und ungetreue Frauen, dieser gar keiner.

Heutzutage bedarf es nicht mehr solcher Bücher oder Bilder; denn die Gatten lernen ihnen genug; und wozu eine solche Schulung durch den Gatten nütze ist, das liegt am Tage!

Ich kannte zu Paris einen guten venezianischen Drucker, mit Namen Messer Bernardo, einen Verwandten jenes großen Venezianers Aldus Manutius, der seinen Laden in der Rue St. Jacques hatte; er sagte und beschwor es mir einmal, er habe in weniger als einem Jahr mehr als fünfzig Ausgaben des Aretino verkauft an eine Menge verheirateter und nicht verheirateter Leute und auch an Frauen, von denen er mir drei von da und dorther nannte, große Damen, die ich durchaus nicht nennen will; er lieferte sie ihnen selbst mit vortrefflichen Einbänden, unter dem Eid, nichts davon verlauten zu lassen; trotzdem aber sagte er es mir; und außerdem sagte er mir noch, eine andere Dame habe ihn nach einiger Zeit gefragt, ob er ein solches Buch hätte, wie sie es in den Händen von den dreien gesehen hätte, und er antwortete: Signora, si, e peggio; sofort rückte sie mit dem Geld heraus und wog alles mit Gold auf. Fürwahr, es konnte ihr nicht geschwind genug gehen, ihren Gatten nach Cornetta bei Civita Vecchia auf die Reise zu schicken!

All diese Lagen und Stellungen sind bei Gott verhaßt, so daß der heilige Hieronymus sagte: »Wer sich bei seiner Frau mehr als geiler Liebhaber, denn als Gatte beträgt, ist ein Ehebrecher und ein Sünder.« Und weil ein paar gelehrte Kirchenväter davon redeten, will ich das Wort kurz lateinisch hersetzen, da sie selber es nicht auf französisch sagen wollten: Excessus, sagen sie, conjugum fit, quando uxor cognoscitur ante retro stando, sedendo in latere, et mulier super virum; wie ein kleines Quodlibet, das ich früher gelesen hatte, sagte:

In prato viridi monialem ludere vidi
Cum monacho leviter, ille sub, illa super.

Manche sagen, wenn sie sich anders anstellten, könne die Frau nicht empfangen. Trotzdem sagen manche Frauen, in den ungeheuerlichen, unnatürlichen und seltsamen Stellungen empfangen sie besser als in den natürlichen und gewöhnlichen, weil sie mehr Vergnügen daran empfinden, wie auch, wenn sie sich nach dem Wort des Dichters more canino einrichten, was abscheulich ist; dennoch verfahren die schwangeren Frauen so, wenigstens einige, aus Furcht, sich von vorne zu verletzen.

Manche Gelehrte sagen, eine jede Stellung sei gut, daß jedoch semen ejaculetur in matricem mulieris, et quomodocunque uxor cognoscatur, si vir ejaculetur semen in matricem, non est peccatum mortale. Diese Streitsache findet man in der Summa Benedicti.Die Summa Benedicti (Somme des péchés et les remèdes d'iceux) wurde zuerst 1584 in Lyon bei Charles Pesnot gedruckt und rührt von Jean Benedicti, einem bretonischen Franziskaner, her. Sie ist ein Seitenstück zu dem Traktat de matrimonio des Jesuiten Sanchez. Benedictus war ein gelehrter Franziskaner, der über alle Sünden vortrefflich geschrieben und gezeigt hat, daß er sehr viel gesehen und gelesen hat. Wer die Stelle liest, wird von vielen Mißbräuchen erfahren, welche die Ehemänner mit ihren Frauen treiben. Auch sagt man: quando mulier est ita pinguis ut nonpossit aliter coire, als mit solchen Stellungen, non est peccatum mortale, modo vir ejaculetur semen in vas naturale. Dazu sagen manche, es wäre besser, die Gatten enthielten sich gleich den Tieren ihrer Frauen, sobald sie schwanger sind, als daß sie die Ehe mit solchen Gemeinheiten befleckten.

Ich kannte eine berühmte römische Kurtisane, »die Griechin« genannt, die ein vornehmer Herr von Frankreich dort aushielt. Nach einiger Zeit kam ihr die Lust an, Frankreich zu sehen, wozu ihr Herr Bonvisi verhalf, ein Bankier von Lyon und sehr reicher Luccheser, der in sie verliebt war; sobald sie hinkam, erkundigte sie sich eingehend nach diesem Herrn und seiner Frau, unter anderm auch danach, ob sie ihn nicht zum Hahnrei gemacht hätte, »weil ich,« sagte sie, »ihren Gatten so schön abgerichtet und ihm so gute Lektionen gelernt habe, daß es unmöglich ist, nachdem er sie ihr zeigte und mit ihr praktizierte, daß sie sie nicht auch andern habe zeigen wollen; denn, versteht man's gut, ist unser Metier so heiß, daß man hundertmal mehr Vergnügen daran hat, es verschiedenen zu zeigen und mit ihnen zu praktizieren, als mit einem.« Sie fügte noch hinzu, daß die Dame ihr ein schönes Geschenk schulde, das sie für ihre Mühe ordentlich belohne; denn als ihr Gatte zuerst in ihre Schule kam, wußte er nichts und betrug sich dabei wie der dümmste Neuling und Stümper, den sie je gesehen hätte; aber sie hätte ihn so gut gedrillt und abgerichtet, daß seine Frau sich dabei hundertmal besser stehen müßte. In der Tat ging die Dame, die sie sehen wollte, in Verkleidung zu ihr; die Kurtisane ahnte es und trug ihr alles vor, was ich soeben sagte, und noch Schlimmeres und Ausschweifenderes; denn sie war eine sehr geile Hure. So wetzen die Gatten selbst die Messer, um sich die Gurgel abzuschneiden, das heißt die Hörner. So straft Gott ihren Mißbrauch des heiligen Ehestandes; und dann wollen sie an ihren Frauen ihre Rache haben, während sie hundertmal strafbarer sind. Es ist auch nicht erstaunlich, daß jener heilige Mann sagte, die Ehe sei gleichsam eine Art Ehebruch; er wollte es so verstanden wissen: wenn man sie dermaßen mißbrauchte, wie ich schilderte.

So hat man auch unseren Priestern die Ehe verboten; denn wenn man gerade bei seiner Frau gelegen und sich mit ihr arg benommen hat, dann ist es durchaus nicht am Ort, zum heiligen Altar zu treten; denn, meiner Treu, manche treiben, wie ich sagen hörte, mit ihren Frauen mehr Unzucht, wie die Saukerle mit den Bordellhuren; aus Furcht sich zu schaden, stacheln und erhitzen sie sich mit ihnen nicht so, wie die Ehemänner mit ihren Frauen, die sauber sind und nicht anstecken können, wenigstens manche nicht, wenn auch allerdings nicht alle; denn ich kannte etliche, die es taten, genau wie ihnen ihre Gatten.

Die Ehemänner, die mit ihren Frauen Mißbrauch treiben, sind sehr strafbar, wie ich große Gelehrte habe sagen hören: anstatt sich in ihrem Bett mäßig mit ihren Frauen zu verhalten, huren sie damit wie mit Konkubinen; die Ehe ist aber nur um der Notwendigkeit und der Fortpflanzung willen eingeführt, nicht geiler und hurerischer Lüste halber. Der Kaiser Sejanus Commodus, sonst Anchus Verus genannt,Das ist ein Irrtum von Brantôme. Commodus nannte sich nicht Anchus Verus. Annius Verus war der Großvater des Commodus. gibt hierzu ein vortreffliches Beispiel. Er sagte seiner Frau Domitia Calvilla, die sich bei ihm beklagte, warum er zu Huren und Kurtisanen und anderen trüge, was ihr in ihrem Bett gehöre, und warum er ihr seine kleinen Künste und Feinheiten vorenthielte: »Verzeih, liebes Weib,« sagte er zu ihr, »mit den anderen sättige ich meine Begierden, weil der Name Frau und Gemahlin ein ehrenvoller und würdiger Name ist, keiner der Lust und Unzucht.« Ich habe die Antwort nicht gelesen und gefunden, die ihm seine Frau Gemahlin, die Kaiserin, zurückgab; es ist aber nicht daran zu zweifeln, daß sie sich mit diesem goldenen Ausspruch nicht zufrieden gab und ihm aus vollem Herzen, ganz nach dem Sinne der meisten, ja sogar aller verheirateten Frauen, erwiderte: »Pfui über diese Ehre, es lebe das Vergnügen! Mit dem stehen wir uns besser wie mit der Ehre.«

Wir brauchen aber nicht daran zu zweifeln, daß heutzutage und zu allen Zeiten unsere meisten Ehemänner, die schöne Frauen haben, nicht so sprechen; denn sie nehmen sich nicht bloß so Frauen und verehelichen sich nicht, als um sich die Zeit gut zu vertreiben und auf alle Arten tüchtig zu lieben und sie sowohl hinsichtlich der Bewegung ihres Körpers wie der lüsternen und lasziven Worte aus ihrem Munde anzulernen, damit die schlafende Venus dadurch um so höher aufgeregt und aufgereizt werde; nachdem sie also tüchtig abgerichtet und verführt worden sind, gehen sie anderswohin, werden bestraft, geschlagen, niedergemacht und umgebracht.

Es liegt ebensowenig Vernunft darin, wie wenn einer ein armes Mädchen in den Armen ihrer Mutter verführt und ihre Ehre und Jungfräulichkeit vernichtet hätte und dann, nachdem er seinem Willen gefrönt, sie schlagen und zwingen wollte, anders, in aller Keuschheit zu leben: wahrhaftig! das ist gerade richtig angebracht! Wer verurteilte ihn nicht als einen Menschen ohne Verfstand, der gezüchtigt zu werden verdiente? Man könnte sogar von verschiedenen Ehemännern sprechen, die nach allem ihre Frauen mehr verbuhlen und zur Unzucht anlernen, als es ihre eignen Liebhaber tun: denn sie haben dazu mehr Zeit und Muße, wie die letzteren; bei jeder Unterbrechung ihrer Exerzitien wechseln sie den Herrn samt dem Sattel, wie ein guter Reitersmann, der hundertmal mehr Lust daran hat, aufs Pferd zu steigen, wie einer, der nichts davon versteht. »Und unglücklicherweise«, sagte jene Kurtisane, »gibt es kein gemeineres Metier auf der Welt, noch eins, das so viel stetige Übung verlangt, wie das der Venus.« Es sind also jene Gatten zu verwarnen, ihren Frauen keine solchen Belehrungen zu erteilen, sie sind ihnen allzu nachteilig; oder aber, sehen sie, daß ihnen die Frau ein Schnippchen schlägt, dann sollen sie sie nicht strafen, weil sie es waren, die ihr den Weg dazu zeigten.

Hier muß ich eine Abschweifung machen und von einer verheirateten Frau erzählen, einer schönen und ehrbaren Dame von hoher Herkunft, die ich kenne; sie gab sich einem ehrbaren Edelmanne hin, weniger aus Liebe, als vielmehr aus Eifersucht gegen eine ehrbare Dame, die von diesem Edelmann geliebt und ausgehalten wurde. Daher sagte, während er sie also genoß, die Dame zu ihm: »Zu dieser Stunde triumphiere ich zu meiner großen Genugtuung über Euch und die Liebe, die Ihr zu der da habt.« Der Edelmann antwortete ihr: »Eine niedergedrückte, unterjochte und getretene Person kann doch nicht triumphieren.« Sie steifte sich sogleich auf diese Entgegnung, als ob sie an ihrer Ehre rührte, und antwortete ihm sogleich: »Ihr habt recht.« Und plötzlich fiel ihr ein, den Mann rasch aus dem Sattel zu heben und sich unter ihm wegzuziehen; und die Stellung wechselnd, stieg sie schnell und behend auf ihn und legte ihn unter sich. Kein römischer Ritter sprang je so rasch und gewandt auf sein widerspenstiges Pferd und wieder ab und wieder aufs nächste, wie bei diesem Coup die Dame auf ihren Mann; so behandelte sie ihn und sagte: »Jetzt also kann ich wohl sagen, daß ich mit bestem Wissen über Euch triumphiere, ich halte Euch ja unter mir zusammengedrückt.« Das war doch eine Dame von spaßhaftem und wüstem Ehrgeiz und von einer seltsamen Art, es fertig zu bringen!

Ich hörte von einer sehr schönen und ehrbaren Dame von da und da, die arg in den Banden der Liebe und Unzucht lag, aber trotzdem so anmaßend und stolz und so herzhaft tapfer war, daß sie, kam es dahin, nie leiden wollte, daß ihr Mann über ihr war und sie zusammendrückte, sie glaubte dem Adel ihres Herzens ein großes Unrecht zuzufügen und nannte es eine große Feigheit, auf solche Weise, in der Art einer triumphierenden Eroberung oder Sklaverei, untergelegt und unterjocht zu werden, sie wollte vielmehr stets die Oberhand und den Vorrang behaupten. Es kam ihr dabei zustatten, daß sie sich nie einem Größeren als sie selber war hingeben wollte, aus Furcht, er möchte seine Gewalt und Macht brauchen, es ihr befehlen, sie umdrehn, umkehren und behandeln, gerade wie es ihm gefiele; sie wählte dazu vielmehr ihresgleichen und Geringere, denen sie den Rang, die Lage, die Stellung und die Art des Liebeskampfes genau bestimmte; nicht mehr und nicht weniger wie ein Feldwebel seinen Leuten am Tag einer Schlacht; sie verbot ihnen auch jede Überschreitung, zur Strafe würde sie es ihnen versalzen, und ihre Liebe verlören die einen, das Leben die andern; ob aufrecht, sitzend oder liegend, niemals konnten sie sich eines Übergewichts über sie erfreuen, auch nicht mit der geringsten Demütigung, Unterwerfung, Zuneigung, die sie ihnen entgegenbrachte. Ich beziehe mich dabei auf das, was diese und jene sagten und dachten, die von solchen Liebessachen, Stellungen, Lagen und Arten handelten.

Jene Dame konnte also Befehle erteilen, ohne daß sie ihrer vermeintlichen Ehre oder ihrem beleidigten adligen Herzen etwas vergab, denn, soviel ich von Kennern hörte, gab es genug Mittel, solche Gebote und Praktiken durchzuführen.

Fürwahr eine schreckliche und spaßige Weiberlaune, eine seltsame Gewissensnot adligen Bewußtseins. Aber sie hatte trotzdem recht; denn es ist ein grausamer Schmerz, unterjocht, gebogen und zusammengestaucht worden zu sein; man stelle sich nur vor, wenn man zuweilen bei sich allein daran denkt und sagt: »Der und der hat mich unter sich gelegt und zusammengedrückt,« sozusagen, wenn auch nicht mit den Füßen, so doch anders: es besagt dasselbe.

Jene Dame wollte auch nie erlauben, daß Geringere sie auf den Mund küßten, »weil«, sagte sie, »die Berührung und die Betastung von Mund zu Mund die empfindlichste und köstlichste aller Berührungen ist, auch der Hände und anderen Glieder«; daher wollte sie nicht angeatmet sein und auch auf ihrem Mund keine schmutzigen, unreinen oder geringeren Lippen als die ihrigen dulden.

Darüber erhebt sich noch eine Frage, die mancher behandelte: wer trägt bei diesen aphrodisischen Scharmützeln oder Siegen den größeren Ruhm über seinen Genossen davon, der Mann oder die Frau?

Für sich führt der Mann folgenden Grund an: der Sieg sei weit größer, wenn man seine süße Feindin niedergedrückt unter sich hielte, wenn man sie unterjoche, unter den Beinen hätte und sie nach seiner Bequemlichkeit und nach seinem Gefallen bändigt; denn es gibt keine noch so große Fürstin oder Dame, die an diesem Punkt, und liebte sie auch einen ihr nicht Gleichen, einen Geringeren als sie, nicht das Gesetz und die Beherrschung erlitte, die Frau Venus in ihren Satzungen befohlen hat; daher gebühren der Ruhm und die Ehre dabei höchlich dem Manne.

Die Frau sagt: »Ja, ich gestehe es, Ihr müßt Euch stolz fühlen, wenn Ihr mich unter Euch haltet und unter den Beinen habt; wenn es aber anders nur darauf ankommt, die Oberhand zu haben, das steht in meinem Belieben, ich habe sie aus Fröhlichkeit und kraft einer freundlichen Willfährigkeit, die mich dabei überkommt, nicht zwangshalber. Und wenn mir die Oberhand nicht gefällt, so bediene ich mich Eurer wie eines Sklaven und Galeerensträflings, oder um mich besser auszudrücken, ich ziehe Euch am Halfter wie einen Karrengaul, und Ihr arbeitet, müht Euch, schwitzt, keucht und strengt Euch an, die krummen Ritte und Kraftproben zu machen, die ich aus Euch herausziehen will. Ich dagegen, ich liege bequem, ich sehe Eure Angriffe kommen; manchmal lache ich darüber und belustige mich damit, Euch in solcher Aufregung zu sehen; manchmal beklage ich Euch auch, wie es mir eben gefällt und was ich für Laune oder Mitleid dafür habe; habe ich meine Laune damit tüchtig geweidet, so lasse ich meinen Galan müde, erschöpft, geschwächt, abgemattet liegen, er kann nicht mehr und braucht bloß Ruhe, eine gute Mahlzeit, eine Kraftbrühe, eine Erfrischung, eine gute stärkende Bouillon. Von diesen Motionen und Anstrengungen empfinde ich nachher gar nichts mehr, außer daß ich mich auf Eure Kosten, mein Herr Galan, sehr gut bedient fühle und keinen andern Schmerz habe außer dem Wunsch, ein andrer mache es ebenso, mit der Aussicht, daß ich ihn ebenso zur Übergabe bringe wie Euch: da ich mich niemals übergebe, sondern das meinem süßen Freund überlasse, trage ich den wahren Sieg und den wahren Ruhm davon; denn bei einem Zweikampf ist der entehrt, der sich übergibt, nicht, wer bis zum letzten Blutstropfen kämpft.«

Ebenso habe ich von einer schönen und ehrbaren Frau gehört, die von ihrem Gemahl aus dem tiefsten, ruhigsten Schlaf geweckt und genommen wurde, um zu lieben; nachdem er geliebt hatte, sagte sie zu ihm: »Du hast's gemacht, ich nicht.« Und da sie über ihm lag, band sie ihn mit ihren Armen, Händen, Schenkeln und verschlungenen Beinen so eng (»ich will's dir lehren, mich ein andermal aufzuwecken«) und rackerte ihn ab, schüttelte ihn, wälzte ihn herum bis zum äußersten; ihr Gemahl, der unten lag und sich nicht losmachen konnte, schwitzte, keuchte, erschlaffte und flehte um Gnade, aber sie zwang ihn zum Trotz noch einmal und machte ihn so müde, entkräftet und erschöpft, daß er ganz den Atem verlor und ihr einen guten Kampf zuschwor, wenn er sie ein andermal bei rechter Zeit, Laune und Begierde nähme. Diese Geschichte kann man sich besser ausmalen und vergegenwärtigen, wie beschreiben.

Das sind also die Beweisgründe der Dame, und sie könnte deren noch verschiedene beibringen.

Der Mann gibt wiederum zurück: »Ich habe aber kein Geschirr und keine Schale wie ihr, worein ich einen Spritzer Dreck und Samen schütte (wenn der menschliche Samen, den man in Ehewonnen verschüttet, unrein genannt werden darf), der Euch hineinpißt wie in einen Topf.« »Ja,« sagte die Dame, »aber diesen schönen Samen, von dem Ihr sagt, er sei das reinste und sauberste Blut, das Ihr habt, lasse ich sofort wieder herauslaufen und spritze ihn in einen Topf oder ein Becken oder in einen Winkel und vermische ihn mit einem andern sehr stinkenden, dreckigen und gemeinen Schmutz; denn von fünfhundert Stößen, die man uns versetzt, von tausend, von zweitausend, von dreitausend, ja von unendlich vielen, ja von keinem werden wir schwanger, bloß durch einen Stoß und nur einmal hält die Gebärmutter zurück; denn wenn der Samen gut hineindringt und ordentlich angehalten wird, ist er gleich am schönen Ort, den anderen aber bereiten wir ein höchst dreckiges Quartier, wie ich soeben schilderte. Daher dürft Ihr Euch nicht rühmen, uns mit Euren Unreinlichkeiten zu besprenkeln; denn mit Ausnahme des Samens, den wir empfangen, schütten wir ihn wieder weg, lassen ihn fallen, ohne weiter Wesens daraus zu machen, sobald wir ihn kriegten und er uns keine Lust mehr macht, und sind quitt: Herr Suppenwirt, sagen wir, da ist Eure Kraftbrühe, da habt Ihr sie wieder, hier platscht' ich sie her; sie hat den guten Geschmack verloren, den Ihr mich zuerst dabei kosten ließt. Und wohlgemerkt, die geringste Vettel kann dergleichen zu einem großen König oder Fürsten sagen, wenn er sie gehabt hat; es liegt eine große Verachtung darin, da man das königliche Blut für das kostbarste hält, das es gibt. Es wird wahrhaftig wohl behütet und weit köstlicher einquartiert wie ein anderes!«

So sagen die Frauen, es bedeutet aber was, wenn ein so wertvolles Blut in so schmutziger und gemeiner Weise sich befleckt und schändet; im Gesetz Mosis war verboten, es schmählich auf die Erde zu gießen; aber man tut noch Schlimmeres, wenn man es mit sehr gemeinem und dreckigem Schmutze vermischt. Auch wenn man es wie ein großer Herr machte, von dem ich hörte: als er in der Nacht davon träumte und sich an seinen Leintüchern verging, ließ er sie eingraben, so gewissenhaft war er; dazu sagte er, es wäre ein kleines Kind, das daraus entsprossen und gestorben wäre, es sei sehr schade darum und bedeute einen großen Verlust, daß dieses Blut nicht in die Gebärmutter seines Weibes geschickt worden, in der das Kind möglicherweise lebendig geworden wäre.

Er mochte sich darüber sehr täuschen; denn bei tausendmaligem Beischlaf, den der Ehemann das Jahr über mit seiner Frau vollzieht, wird sie, wie ich sagte, möglicherweise nicht schwanger, auch nicht einmal in ihrem Leben, ja bei manchen Frauen, die unfruchtbar und steril sind und nie empfangen, sogar nie; daraus entsprang der Irrtum mancher Ungläubigen, die Ehe sei nicht so sehr der Fortpflanzung, als vielmehr der Lust halber eingerichtet worden; das ist ein schlechter Glaube und ein böses Gerede; denn wenn eine Frau nicht stets schwanger wird, sobald man liebt, geschieht es nach einem uns unerforschlichen Willen Gottes, und weil er damit den Mann und die Frau züchtigen will; denn der größte Segen, den uns Gott in der Ehe schicken kann, ist eine gute Nachkommenschaft, keine, die aus dem Konkubinat stammt; es machen sich manche Frauen einen hohen Genuß daraus, von ihren Liebhabern Kinder zubekommen, andere nicht: diese wollen nicht erlauben, daß man ihnen darin krame, sie wollen ihren Gatten keine Kinder unterschieben, die ihnen nicht gehören, dann aber wollen sie auch den Schein erwecken, als täten sie kein Unrecht, und bilden sich ein, wenn der Tau nicht in sie hineinriesele, machten sie keine Hahnreie aus ihren Männern; genau wie ein schwacher und schlechter Magen von seinem Besitzer nicht beleidigt werden kann, wenn er schlechte und unverdauliche Bissen nimmt – er braucht sie bloß in den Mund zu stecken, zu kauen und wieder auf die Erde zu spucken.

Das Wort Cocu, Kuckuck, den Namen von Aprilvögeln, die deshalb so geheißen werden, weil sie ihre Eier den anderen ins Nest legen, legen sich die Männer in einer AntonomasieZ.b. Mäcenas für Kunstgönner, Le Sage für Salomo. bei; die Eier, die vom Kuckuck anderen Vögeln in die Nester gelegt werden, kommen bei ihnen in die Spalte ihrer Weiber.

Manche Frauen glauben sich nicht gegen ihre Gatten zu vergehen, wenn sie sich den Genuß nach Herzenslust schenken, wofern sie nur keinen Samen empfangen; damit sind sie auf gute Art gewissenhaft: so sagte eine große Dame, von der ich hörte, zu ihrem Diener: »Tummelt Euch, soviel Ihr wollt, und macht mir Vergnügen; aber hütet Euch bei Euerm Leben, mir einen einzigen Tropfen hineinzuschütten, oder es geht Euch an den Kragen.« Der andere mußte da wohl klug sein und auf den SchauerBrantôme hat hier mascaret, das ist unübersetzbar. Was er meint, erfährt man aus einer Zeile Alfred de Mussets in Namouna: »une convulsion, une pâleur extrème« etc. lauern. Eine ähnliche Geschichte hörte ich vom Chevalier de Sanzay aus der Bretagne, der ein großer Seemann geworden wäre, hätte nicht der Tod in sein junges Leben gegriffen, wie er auch gut anfing; er trug auch die Zeichen seiner Tapferkeit; denn in einer Seeschlacht war ihm ein Arm von einer Kanonenkugel weggerissen worden. Es war sein Unglück, daß er von Seeräubern gefangen und nach Algier gebracht wurde. Der ihn als Sklaven nahm, war der Oberpriester der Moschee; er hatte eine sehr schöne Frau, die sich in besagten Sanzay so rasend verliebte, daß sie ihn zur Liebeslust zu sich befahl und ihm eine sehr gute Behandlung zusagte, eine bessere, wie sie die übrigen Sklaven genossen; vor allem aber befahl sie ihm ausdrücklich und bei seinem Leben oder unter Androhung einer sehr harten Gefangenschaft, keinen einzigen Tropfen seines Samens in ihren Körper hineinzuschleudern, da sie unter keinen Umständen mit christlichem Blut befleckt werden wolle, womit sie wohl ihre Gebote wie ihren großen Propheten Mohammed höchlich zu verletzen glaubte; sie befahl ihm sogar, auch wenn sie ihm in ihren heißen Lüsten geböte, es stracks aufs Glück ankommen zu lassen, so solle er's nicht tun, es wäre nur die große Lust, deren Verzückung sie es sagen ließe, nicht der Wille der Seele.

Um eine gute Behandlung und größere Freiheit zu haben, schloß jener Sanzay, obgleich er Christ war, vor dieser Übertretung seines Gesetzes die Augen; denn ein roh behandelter und elend in Ketten gelegter armer Sklave kann sich wohl manchmal vergessen. Er gehorchte der Dame und war so klug und so folgsam gegen ihren Befehl, daß er seine Lust sehr gut beherrschte; und immer tüchtig mahlte er in der Mühle seiner Dame, ohne sie mit Wasser zu begießen; denn wenn die Wasserschleuße brechen und auslaufen wollte, zog er sie sogleich heraus, schnurrte sie zusammen und ließ sie ausfließen, wohin er konnte; die Frau liebte ihn um so mehr dafür, daß er sich ihrem genauen Befehl so hingab, auch wenn sie schrie: »Laß losgehn, ich erlaube dir's durchaus.« Aber er wollte nicht; denn er fürchtete türkische Stockprügel zu bekommen, wie er es bei seinen Leidensgefährten gesehen hatte.

Ist das nicht eine schreckliche Weiberlaune? In dieser Hinsicht scheint sie auf das Heil ihrer Seele, die türkisch war, wie für das Heil der seinen, die christlich war, sehr bedacht gewesen zu sein, da er sich ja nie mit ihr verschoß: doch schwur er mir, daß er nie in seinem Leben eine größere Angst ausgestanden habe.

Er erzählte mir noch eine andere Geschichte darüber, die lustigste, die es geben kann; sie handelt von einem Streich, den sie ihm spielte; da er aber zu schmutzig ist, will ich ihn verschweigen, aus Furcht, keusche Ohren zu verletzen.

Später wurde jener Sanzay von seinen Angehörigen losgekauft, es waren ehrenwerte Leute von guter Herkunft aus der Bretagne, die zu vielen Großen gehören, wie zum Connetabel, der seinen älteren Bruder sehr liebte und ihm bei dieser Befreiung sehr behilflich war; sobald sie vollzogen war, kam er an den Hof und erzählte Herrn von Strozzi und mir manche Geschichten und unter anderen diese. Was sollen wir aber nun von Ehemännern sagen, die sich nicht damit zufrieden geben, an ihren Frauen ihre hurerischen Lüste zu stillen, sondern auch ihren Freunden und Kameraden, wie noch anderen, die Begierden danach reizen? Ich kenne verschiedene, die ihre Frauen anpreisen, von ihren Schönheiten reden, ihre Gliedmaßen und Körperteile veranschaulichen, den anderen die Lust vergegenwärtigen, die sie mit ihnen haben, die Schäkereien, die sie mit ihnen treiben, sie küssen lassen, berühren, betasten, ja sogar nackt sehen lassen.

Was verdienen solche Menschen? Abgesehen davon, daß man mit gutem Recht Hahnreie aus ihnen macht, wie Gyges mittels seines Ringes den Kandaules, König der Lydier, der ihm in seiner Torheit die seltene Schönheit seiner Frau gerühmt hatte, als ob es ihr Schaden und unrecht täte, darüber zu schweigen; nachdem sie ihm ganz nackt gezeigt worden war, verliebte er sich so in sie, daß er sie nach Belieben genoß, Kandaules hinrichtete und sich seines Königreichs bemächtigte. Man sagt, die Frau sei in solcher Verzweiflung gewesen, so nackend vorgeführt worden zu sein, daß sie Gyges zu dieser schlimmen Tat zwang, indem sie zu ihm sagte: »Entweder muß derjenige, der dich dazu gedrängt und getrieben hat, von deiner Hand sterben, oder du, der mich ganz nackt erblickt hat, stirbst von der Hand eines andern.« Jener König war gewiß sehr bei Trost, daß er einen andern nach diesem neuen, schönen und guten Fleisch lüstern machte, das er doch teuer bewahren mußte. Herzog Ludwig von Orleans (ein großer Verführer der Hofdamen und stets der höchsten), der an der Porte Barbette zu Paris ermordet wurde, tat genau das Gegenteil; es lag einmal eine sehr schöne und große Dame bei ihm, als ihr Gatte in sein Zimmer trat, um ihn zu begrüßen; er verhüllte schnell den Kopf der Dame, die des andern war, mit dem Laken und entblößte ihm den ganzen Körper, den er dem andern ganz nackt zeigte und nach Belieben berühren ließ, mit ausdrücklichem Verbot, bei seinem Leben nicht die Leinwand über dem Gesicht wegzuziehen oder abzunehmen, dem der Besucher nicht zuwiderzuhandeln wagte; Herzog Ludwig fragte ihn mehrmals, was ihn um diesen schönen, ganz nackten Körper bedünke: der andere wurde darüber ganz rasend und entzückt. Der Herzog verabschiedete ihn endlich aus der Kammer, und er ging, ohne je erkannt zu haben, daß es seine Frau war.

Hätte er sich die Nacktheit seiner Frau besser betrachtet, wie mir von mehreren bekannt ist, hätte er sie möglicherweise an verschiedenen Merkmalen wiedererkannt; man tut also gut daran, den Körper seiner Frau zuweilen in Augenschein zu nehmen.

Nach dem Weggang ihres Gemahls wurde sie vom Herzog von Orleans gefragt, ob sie Angst und Furcht gehabt habe. Es kann sich nun jeder denken, was sie dazu sagte, und sich den Schreck und die Bestürzung vorstellen, in der sie eine Viertelstunde lang schwebte; denn es bedurfte nur einer kleinen Indiskretion oder des geringsten Ungehorsams, indem er das Leinentuch lüftete; freilich, der Herzog sagte, er hätte ihren Mann sofort getötet, um ihn zu verhindern, ihr ein Leid anzutun.

Das Beste war nun, daß dieser Ehemann, als er in der Nacht darauf bei seiner Frau lag, ihr sagte, der Herzog von Orleans hätte ihm die schönste nackte Frau gezeigt, die er je gesehen hätte, was aber das Gesicht anlange, wisse er nichts zu berichten, da es ihm verboten war, es anzusehen. Es kann sich jeder vorstellen, was seine Frau darüber bei sich dachte. Aus dieser vornehmen Dame und dem Herzog von Orleans soll jener tapfere und kühne Bastard von Orleans entsprungen sein, die Stütze Frankreichs und die Geißel Englands, der seinerseits die vornehme und adlige Rasse der Grafen von Dunois zeugte.

Um aber nun wieder auf unsere Ehemänner zurückzukommen, die mit dem Anblick ihrer nackten Frauen so verschwenderisch umgehen, so kenne ich einen, der eines Morgens einem seiner Kameraden, der ihn gerade beim Ankleiden in seiner Kammer aufsuchte, seine Frau in aller Nacktheit zeigte; in ihrer ganzen Länge lag sie tiefschlummernd da, sie hatte selbst die Tücher über sich weggezogen, da es sehr heiß war; er zog den Vorhang halb hinauf, so daß die Morgensonne über sie schien, und der Besuch hatte Muße, sie bequem zu betrachten, und er sah alles in vollendeter Schönheit; und konnte seine Augen an ihr weiden, nicht so viel, als er gewollt hätte, aber so viel, als er konnte; und dann begaben er und der Ehemann sich zum König.

Am andern Morgen erzählte der Edelmann, der ein eifriger Anbeter dieser ehrbaren Dame war, von der schönen Erscheinung, er schilderte ihr seine Beobachtungen an ihren verborgensten Schönheiten, und der Gemahl bestätigte es, er sei es selbst gewesen, der den Vorhang in die Höhe gezogen hätte. Von Zorn ergriffen gegen ihren Gemahl ließ sich die Dame gehen und warf sich nur dieses einen Grundes halber ihrem Freund an den Hals, was er durch all sein Werben bisher nicht hatte erreichen können.

Ich kannte einen sehr großen Herrn, den eines Morgens, als er auf die Jagd gehen wollte, seine Edelleute beim Lever antrafen, gerade wie man ihm die Strümpfe anzog; er hatte seine Frau dicht bei sich liegen; da hob er die Bettdecke so rasch in die Höhe, daß sie keine Zeit hatte, die Hand aus ihrer Lage zu entfernen, und daß man sie bequem und zur Hälfte ihres Leibes sehen konnte; und mit Gelächter sagte er zu den anwesenden Herren: »Na, meine Herren, habe ich euch nicht allerhand schöne Sachen von meiner Frau sehen lassen?« Diese war über den Streich so empört, daß sie ihm dafür das schlimmste an den Leib wünschte, vor allem für die Überraschung ihrer Hand; möglicherweise zahlte sie es ihm später auch heim.

Ich weiß noch einen anderen Streich von einem großen Herrn. Dem wurde bekannt, daß einer seiner Freunde und Verwandten in seine Frau verliebt war; sei es nun, daß er seine Begierde nach ihr anstacheln, oder daß er ihn mit der schönen Frau, die der Freund nicht berühren durfte, ärgern wollte, genug, er zeigte sie ihm eines Morgens bei einem Besuch, wie beide zusammen halbnackt im Bett lagen: ja noch schlimmer, er liebte sie in seiner Gegenwart und besorgte ihr das Geschäft, als ob sie allein gewesen wären; dazu bat er den Freund, zu allem recht genau zuzusehen, er täte dies alles um seinetwillen. Ich lasse jeden sich denken, ob die Dame wegen dieser groben Vertraulichkeit ihres Gemahls nicht Veranlassung hatte, seinem Freund das andre ganz und gar zu machen, und mit guter Absicht, und ob es nicht sehr am Platze war, daß er davon die Hörner bekam.

Ich hörte von einem andern, auch einem großen Herrn, der es so seiner Frau vor den Augen eines großen Fürsten, seines Herrn, besorgte, aber auf seine Bitte und seinen Befehl hin, da der letztere sich an der Lust ergötzte. Sollten sie da nicht schuldig sein, daß sie den Henker spielen wollen, nachdem sie ihre eigenen Kuppler gewesen?

Man soll seine Frau niemals nackend zeigen, ebensowenig wie seine Besitztümer, Länder, Städte; das habe ich von einem großen Feldherrn, in bezug auf den verstorbenen Herzog von Savoyen, der unserm letzten König Heinrich, als er bei seiner Rückkehr aus Polen durch die Lombardei kam, davon abriet und ausredete, die Stadt Mailand zu betreten, indem er vorbrachte, der König von Spanien möchte daran Anstoß nehmen; aber es war nicht das: er fürchtete vielmehr, sobald der König dort wäre, die Stadt eingehend betrachte und ihre Schönheit, ihren Reichtum und ihre Größe wahrnehme, möchte er von der äußersten Begierde gepackt werden, sie zu rauben und mit gutem und gerechtem Recht wieder zu erobern, wie seine Vorfahren getan. Das ist die wahre Ursache, sagte ein großer Fürst, der es vom verstorbenen König hatte, dem jene Schwierigkeit wohl bekannt war. Um jedoch dem Herzog von Savoyen einen Gefallen zu tun und es mit dem König von Spanien nicht zu verderben, nahm er seinen Weg daneben vorbei, obgleich er die größte Lust verspürte, hineinzugehen, wie er mir wenigstens auf die ehrendste Weise sagte, als er von Lyon zurückgekehrt war; es ist auch nicht zu bezweifeln, daß der Herzog von Savoyen mehr Spanier war als Franzose.

Für ebenso verdammenswert erachte ich die Ehemänner, die, nachdem sie durch die Gunst ihrer Frauen das Leben genossen haben, sich so undankbar gegen sie zeigen, daß sie wegen des Verdachts, sie liebelten mit anderen, ihnen die rohste Behandlung erweisen und sogar nach dem Leben trachten. Ich hörte von einem Herrn, gegen dessen Leben eine Verschwörung angezettelt worden war; mit ihren demütigen Bitten brachte seine Frau die Verschwörer davon ab und bewahrte ihn davor, massakriert zu werden; nachher wurde sie sehr übel dafür belohnt und sehr hart behandelt.

Ich sah auch einen Edelmann, der angeklagt und vor Gericht gestellt worden war, weil er seine Pflicht, seinen General in der Schlacht zu unterstützen, sehr schlecht erfüllt hatte, so schlecht, daß er ihn ohne jeden Beistand oder Hilfe töten ließ; es war nahe daran, daß er gerichtet und zur Enthauptung verurteilt wurde, obwohl er 20000 Taler anbot, um mit dem Leben davonzukommen; da sprach seine Frau mit einem großen Herrn von da und da und schlief bei ihm mit der Erlaubnis ihres Gemahls und auf seine flehentliche Bitte hin, und was das Geld nicht hatte erreichen können, das brachten ihre Schönheit und ihr Leib zuwege; sie rettete ihm Leben und Freiheit. Seitdem behandelte er sie so schlimm, wie nichts mehr. Solch grausame und rasende Ehemänner sind gewiß sehr erbärmlich.

Noch andere kannte ich, die nicht also taten; denn sie wußten das Gute zu belohnen, woher es kam, und ehrten ihr ganzes Leben die schöne Form, die sie vom Tod errettete.

Es gibt noch eine andere Gattung Hahnreie, die nicht damit zufrieden sind, bei Lebzeiten mißtrauisch gewesen zu sein: sie sind es noch auf dem Totenbett, im Augenblick ihres Abscheidens; so kannte ich einen, der eine sehr schöne und ehrbare Frau hatte, sie hatte sich aber keineswegs immer nur um ihn allein gekümmert, und als er ans Sterben kam, sagte er zu ihr: »Ach, meine Liebste, ich muß sterben! Möchte doch Gott, daß du mir Gesellschaft leistest, daß du und ich, wir zusammen, in die andre Welt hinübergehen! Mein Tod wäre mir nicht so verhaßt, und ich würde mich besser drein schicken.« Aber die Frau, die noch sehr schön war und erst siebenunddreißig Jahre zählte, wollte ihm durchaus nicht folgen und auch nicht daran glauben, sie wollte auch nicht so töricht sein wie jene Evadne, die Tochter des Mars und der Thebe, der Gemahlin des Cabaneus. Diese liebte den Gatten so heiß, daß sie sich nach seinem Tod, sobald sein Leichnam ins Feuer geworfen wurde, lebendig nachstürzte und sich mit ihm verbrennen und verzehren ließ; so begleitete sie ihn in den Tod.

Weit besser noch handelte Alceste; als sie vom Orakel erfahren hatte, daß ihr Gemahl Admet, König von Thessalien, bald sterben müsse, wenn sein Leben nicht durch den Tod eines seiner Freunde losgekauft würde, stürzte sie sich plötzlich zu Tode und rettete also ihren Gemahl.

Es gibt unmöglich mehr so liebreiche Frauen, die aus eigenem Antrieb vor ihrem Gemahl in die Grube fahren, nicht ihm folgen, sondern ihm vorangehen. Nein, es gibt keine mehr: ihre Mütter sind tot, sagen die Roßhändler in Paris von den Pferden, wenn keine guten mehr da sind.

Aus diesem Grunde halte ich es für ungeschickt von dem Gatten, den ich oben anführte, zu seiner Frau zu reden, so grausam zu sein, sie zum Tod einzuladen, wie zu einem schönen Feste. Es war eine dumme Eifersucht, die ihn so sprechen ließ, da er den Verdruß bedachte, der ihm drunten in der Hölle blühen konnte, wenn er seine Frau, die er so gut abgerichtet hatte, in den Armen eines ihrer Liebhaber oder eines andern, neuen Gemahls sehe.

Von welcher Eifersucht mußte aber auch ihr Gemahl gepackt sein, daß er ihr mit einemmal sagte, wenn er davonkäme, würde er von ihr nicht mehr vertragen, was er auszustehen gehabt! Solange er lebte, hatte er nicht daran gerührt und ließ sie zu ihrem Vergnügen schalten und walten.

Anders machte es jener tapfere Tankred, der sich vordem in den Kreuzzügen so sehr ausgezeichnet hatte. Er lag im Sterben, und seine Frau stand mit dem Grafen von Tripolis klagend an seinem Lager; da bat er sie, nach seinem Tod einander zu heiraten, und befahl es seiner Frau; das taten sie.

Man stelle sich vor, daß er bei seinen Lebzeiten irgendwelche Anzeichen der Liebe gesehen hätte; denn sie konnte ebenso dirnenhaft sein wie ihre Mutter, die Gräfin von Anjou, die ihrerseits, nachdem sie vom Grafen der Bretagne lang ausgehalten worden war, zum König von Frankreich, Philipp, kam, der ihr jene Bastardtochter machte, die Cicilia hieß, und die er jenem tapferen Tankred vermählte, der kraft seiner herrlichen Waffentaten gewiß nicht verdiente, Hahnrei zu sein. Ein Albanese war jenseits der Alpen für eine Freveltat, die er im Dienst des Königs von Frankreich begangen hatte, zum Tode durch den Strang verurteilt worden; als man ihn zur Richtstätte führen wollte, verlangte er seine Frau, ein sehr schönes und vornehmes Weib, zu sehen und ihr Lebewohl zu sagen. Während er ihr nun Adieu sagte, zerstückelte er ihr, indem er sie küßte, mit seinen Zähnen die ganze Nase und riß sie aus ihrem schönen Antlitz. Als ihn das Gericht darum verhörte, weshalb er seiner Frau diese Gemeinheit angetan hätte, antwortete er: »Aus arger Eifersucht! Denn,« sagte er, »sie ist sehr schön; sie wird daher nach meinem Tod sofort begehrt und alsbald einem meiner Genossen überlassen werden; denn ich kenne sie als eine arge Hure, und sie würde mich im Augenblick vergessen. Ich will aber, daß sie sich nach meinem Tod an mich erinnert, daß sie weint und betrübt ist; wenn nicht wegen meines Todes, so soll sie es wenigstens wegen ihrer Entstellung sein; keiner meiner Genossen soll das Vergnügen haben, das ich mit ihr hatte.« Das war doch eine schreckliche Eifersucht!

Ich hörte von anderen Männern, die im Gefühl ihrer Schwäche, Hinfälligkeit, Schlaffheit und Mattigkeit beim Herannahen des Todes in argem Zorn und Eifersucht ihren Frauen heimlich das Leben verkürzten, gerade wenn sie schön waren.

Über diese seltsamen Launen tyrannischer und grausamer Ehemänner, die ihre Frauen umbringen, hörte ich eine Streitfrage, die meines Wissens lautete: Ist es den Frauen erlaubt, wenn sie merken oder ahnen, daß sie grausam abgeschlachtet werden sollen, den Vorrang zu gewinnen und den Männern zuvorzukommen und zur eigenen Rettung sie zuerst über die Klinge springen zu lassen und als Quartiermacher in die andere Welt voranzuschicken?

Darauf hörte ich behaupten: ja, sie können es tun, nicht nach dem Gesetz Gottes; denn jeder Totschlag ist verboten, wie ich sagte, aber nach dem der Welt; dabei stützen sie sich auf das Wort, daß es besser ist zuvorzukommen, als überrascht zu werden: denn schließlich muß sich jeder um sein Leben kümmern: und da Gott es uns gegeben hat, müssen wir es bewahren, bis der Tod uns abruft. Um seinen Tod wissen, sich hineinstürzen, ihn nicht fliehen, wenn man kann, das heißt, sich selber töten, und davor schaudert Gott zurück; es ist also das beste Mittel, sie als Gesandte voranzuschicken und den Hieb zu parieren, wie es Blanche von Auverbruckt mit ihrem Gemahl, dem Herrn von Flavy, machte, dem Kapitän von Compiègne und Gouverneur, der den Verruf und den Tod der Jungfrau von Orleans auf dem Gewissen hat. Diese Frau Blanche hatte erfahren, daß ihr Gemahl sie ertränken wollte, sie kam ihm zuvor und erstickte und erdrosselte ihn mit Hilfe seines Barbiers; König Karl VII. versicherte sie darum alsbald seiner Gnade; dabei kam ihr aber sein Verrat möglicherweise mehr zustatten als alles andere. Dies steht in den Annalen Frankreichs hauptsächlich in denen der Guyenne.

Während der Regierung König Franz' I. machte es eine Madame de la Borne ebenso, sie verklagte ihren Gatten beim Gericht, wegen Verrücktheiten, die er begangen hätte, und wegen vielleicht ungeheuerlicher Freveltaten, die er mit ihr und anderen getrieben; sie ließ ihn gefangen setzen, betrieb seine Verurteilung und ließ ihn köpfen. Ich hörte die Geschichte von meiner Großmutter, die sie als eine schöne Frau aus gutem Hause rühmte. Sie nahm einen tüchtigen Vorsprung.

Die Königin Johanna I. von Neapel tat desgleichen gegenüber dem Infanten von Majorka, ihrem dritten Gatten, den sie köpfen ließ aus Gründen, die ich in der ihr gewidmeten Abhandlung gab; es konnte aber wohl sein, daß sie sich vor ihm fürchtete und ihn zuerst hinüber befördern wollte; daran tat sie recht, wie alle ihresgleichen, so zu handeln, wenn sie über ihre Galane Verdacht schöpfen.

Ich hörte von vielen Damen, die sich auf diese Weise tapfer in Sicherheit brachten; ich kannte sogar eine, die mit ihrem Freund zusammen von ihrem Gatten gefunden wurde, wobei er weder zu ihr, noch zu ihm etwas sagte, sondern voll Zorn hinausging und sie mit ihrem Freund drin ließ, sehr niedergeschlagen, betrübt und verängstigt. Aber die Dame gewann ihre Fassung so weit wieder, daß sie äußerte: »Für diesmal hat er mir nichts gesagt und getan; ich fürchte, er trägt es mir nach und verstellt sich; wenn ich aber sicher wäre, daß er mich umbringen ließe, würde ich darauf denken, ihn zuerst ins Gras beißen zu lassen.« Das Glück war ihr so hold, daß er nach einiger Zeit von selbst starb; das freute sie; denn er hatte ihr seitdem nichts Gutes angesonnen, soweit sie ihm nur nachgeforscht hatte.

Es gibt noch eine weitere Streitfrage bezüglich dieser rasenden Narren und Gatten, dieser gefährlichen Hahnreie, nämlich an wen von beiden sie sich zur Vergeltung zu halten haben, an ihre Frauen oder an deren Liebhaber.

Es gibt welche, die bloß sagten: an die Frau; dabei beriefen sie sich auf jenes italienische Sprichwort: Morta la bestia, morta la rabbia o veneno,Morte la bète, morte la rage, ou mort le venin! (»Wenn das Tier tot ist, ist auch die Wut und das Gift tot.«) sie meinten, ihr Übel los zu werden, wenn sie die Übeltäterin umbrächten, genau wie jene, die von einem Skorpion gebissen oder gestochen würden; ihr stärkstes Heilmittel besteht darin, ihn zu fassen, zu töten oder zu rösten und auf die Bißwunde zu legen, die er verursacht hat; sie sagen gewöhnlich gern, die Frauen seien am strafbarsten. Ich meine die großen Damen von hoher Art, nicht die geringen, gemeinen von niedrigem Benehmen; denn die beginnen mit ihren schönen Zügen, Vertraulichkeiten, Geboten und Worten das Scharmützel, die Männer nehmen nur Stellung dazu; strafbarer ist, wer zum Krieg herausfordert und damit losbricht, nicht, wer sich nur verteidigt; die Männer stürzen sich in so gefährliche Lagen sehr häufig nur, wenn sie von den Damen verführt wurden; so wie es auch sehr schwer ist, gegen eine große, starke und gute Grenzfestung einen Anschlag oder eine Überrumpelung zu machen, wenn man nicht mit denen drinnen im geheimen Einverständnis steht, indem sie teils antreiben, anziehen, teils die Hand reichen.

Da nun die Frauen etwas schwächer sind als die Männer, muß man ihnen verzeihen und annehmen: wenn die Liebe einmal ihr Herz ergriffen hat und in ihrer Seele lodert, folgen sie ihr auch um jeden Preis und begnügen sich nicht damit, wenigstens die meisten tun es, sie im Innern brüten zu lassen, sich allmählich zu verzehren, dabei dürr und schlaff zu werden und ihre Schönheit zu verlieren, die doch der Grund ist, weshalb sie geheilt sein und genießen und nicht, wie man sagt, am FrettchenwehHier ist für Frettchen das Hermelin gemeint, das sich lieber fangen, als sein Fell beschmutzen läßt. sterben wollen.

Ich kannte verschiedene schöne Damen von dieser Gemütsart, die zuerst und früher um das Männchen warben, als die Männer um das Weibchen, und das aus verschiedenen Gründen; die einen waren von ihrer Schönheit, Tapferkeit, Kühnheit und Liebenswürdigkeit hingerissen; die anderen suchten sich eine Summe Dinari zu ergattern; andere wieder wollten Perlen, edle Steine, Kleider aus gold- und silbergewirkten Geweben abluchsen; andere wieder wandten so viel Kniffe an, wie ein Händler mit seiner Ware (so sagt man auch, eine Frau, die nimmt, verkauft sich); andere buhlen um Hofgunst; andere wollen bei Gericht gut stehen, wie ich verschiedene Schöne kannte, die kein gutes Recht hatten, es aber durch ihre heimliche Schönheit auf die Beine stellten; andere wollten ihnen den süßen Stoff ihres Leibes abschröpfen.

Ich sah manche Frauen, die in ihre Liebhaber so toll vernarrt waren, daß sie ihnen förmlich folgten oder gewaltsam nachliefen, so daß sich die Welt ihrer schämte.

Ich kannte eine sehr schöne Dame, die in einen Herrn von irgendwo so vernarrt war, daß sie die Farben ihres Liebhabers trug, anstatt, wie gewöhnlich, den Liebhaber die Farben seiner Dame tragen zu lassen. Ich könnte die Farben recht gut nennen, aber das gäbe eine zu große Entdeckung.

Eine andere kannte ich, deren Gemahl bei einem Turnier am Hofe ihrem Liebhaber einen Schimpf antat; während er im Ballsaal weilte und darüber triumphierte, verkleidete sie sich voller Trotz als Mann, suchte ihren Liebhaber auf und reichte ihm in der Vermummung ihren Schoß, denn sie war bis zum Sterben in ihn verliebt.

Ich kannte einen ehrbaren Edelmann, der den Lästerzungen am Hofe den wenigsten Stoff gab, der bekam eines Tages Lust, einer Dame, die sehr schön und ehrbar war, wie nur je eine, zu dienen, da sie ihm von ihrer Seite aus viel Veranlassung dazu gab, während er sich von der andern aus vielen Gründen und der Ehrerbietung wegen zurückhielt: die Dame indessen hatte ihn nun einmal ins Herz geschlossen, setzte alles auf einen Wurf und lockte ihn unaufhörlich mit den schönsten Liebesworten, die sie sagen konnte, zu sich heran; so sagte sie unter anderm zu ihm: »Erlaubt wenigstens, daß ich Euch liebe, wenn Ihr mich nicht lieben wollt, und seht nicht meine Würden an, sondern meine Zuneigung, meine Leidenschaft,« womit sie gewiß dem Edelmann an Vollendung überlegen war. Was sollte der nun dabei machen? Wenn nicht, sie lieben, da sie ihn liebte, und ihr dienen, dann den Lohn und die Vergeltung seines Dienstes verlangen, da die Vernunft gebeut, daß, wer nur immer dient, bezahlt werde.

Ich könnte eine Unmenge solcher Damen anführen, die mehr um die Männer werben, als um sie geworben wird. Daher haben sie auch mehr Schuld als ihre Liebhaber; denn haben sie einmal ihren Mann aufs Korn genommen, hören sie nie mehr auf, als bis sie ihr Ziel erreichen; sie locken ihn durch ihre anziehenden Blicke, ihre Schönheiten, ihre lieblichen Reize, die auf hunderttausendfache Art funkeln zu lassen sie sich heiße Mühe geben, durch ihre Schminken, die sie sich sorgfältig aufs Gesicht legen, wenn sie kein schönes haben, durch ihren Schmuck, durch ihr reiches Haar und hübschen Kopfputz, durch ihre prachtvollen und stolzen Gewänder, besonders aber durch ihre lüsternen und halblasziven Worte, durch ihre scherzhaften und verführerischen Gebärden und Vertraulichkeiten, durch Gaben und Geschenke. So ziehen sie den Liebhabern das Netz über den Kopf, und stecken sie einmal drin, müssen sie das Angebot annehmen; daher wird gesagt, ihre Gatten haben ein Recht, an ihnen Vergeltung zu üben.

Andere sagen, man müsse sich möglichst an die Männer halten, gerade wie an Leute, die eine Stadt belagern; denn diese sind es, die zuerst zur Schamade blasen, zur Übergabe auffordern, zuerst rekognoszieren, zuerst Schanzkörbe und Wallbüchsen aufstellen und die Laufgräben graben, zuerst die Batterien errichten, zuerst zum Sturm schreiten, zuerst verhandeln: das gleiche gilt von den Liebhabern. Wenn die Kühnsten, Tapfersten, Entschlossensten die Keuschheitsfestung der Damen angreifen, sind letztere, nachdem sie alle Angriffsformen in großen Zudringlichkeiten über sich ergehen lassen mußten, gezwungen, zu blasen und den süßen Feind in ihre Festung aufzunehmen. Mich dünkt darum, sie sind nicht so schuldig, wie man behauptet; denn eines Aufdringlichen sich zu entledigen, ist sehr schwer, ohne daß man nicht selbst dabei Haare fahren läßt; ich kannte auch verschiedene, die durch langes, beharrliches Dienen ihre Herrinnen gewannen, die ihnen am Anfang sozusagen nicht einmal ihren Popo zum Küssen gegeben hätten; sie zwingen die Frauen sogar, oder doch manche, es ihnen mit Tränen im Auge zu geben, gerade wie man recht häufig in Paris den Bettlern am Spittel das Almosen gibt, mehr wegen ihrer Unverschämtheit, als aus Frömmigkeit oder Liebe zu Gott. Desgleichen tun viele Frauen, mehr wegen der unerträglichen Belästigung, als aus Verliebtheit, besonders manchen Großen gegenüber, die sie fürchten und denen sie es wegen ihrer Macht nicht zu verweigern wagen; aus Furcht, sie möchten es schief nehmen, und es möchte ein Ärgernis daraus entstehen oder ein starker Schimpf oder ein noch größerer Verruf ihrer Ehre; wie ich denn auch schon aus solchen Anlässen große Unzuträglichkeiten habe entstehen sehen.

Daher sollten die schlimmen Ehemänner, die am Blut, am Totschlag und an der schlechten Behandlung ihrer Frauen so viel Vergnügen finden, nicht zu rasch sein; sie sollten vielmehr zuerst eine geheime Untersuchung aller Umstände anstellen, wenn ihnen auch solche Erkenntnis sehr verdrießlich und ganz dazu angetan ist, sich darüber den Kopf zu kratzen, der einen davon juckt, und daß ihnen sogar manche in ihrer Erbärmlichkeit die besten Gelegenheiten von der Welt dazu gaben.

So kannte ich einen großen auswärtigen Prinzen, der eine sehr schöne und ehrbare Frau geheiratet hatte; er gab den Verkehr mit ihr auf, um ihn mit einer anderen Frau zu treiben, die den Ruf einer Kurtisane hatte, während sie nach anderen eine Dame von Ehre war, die er verführt haben sollte; damit begnügte er sich aber nicht; wenn er sie bei sich schlafen ließ, verrichtete er's in einer niedrigen Kammer, die unterhalb derjenigen seiner Frau lag, und unter ihrem Bett; und wollte er seine Maitresse lieben, begnügte er sich nicht mit dem Unrecht, das er dabei seiner Frau antat, sondern er schlug unter Gelächter und Gespött mit einer Pike zwei- oder dreimal an die Decke und schrie seiner Frau hinauf: »Wohl bekomm's, liebe Frau!« Diese Schmach und Verachtung dauerte ein paar Tage lang und grimmte seine Frau sehr, die aus Verzweiflung und Rachsucht sich eines Tages an einen sehr ehrbaren Edelmann heranmachte und heimlich zu ihm sagte: »Herr Soundso, ich will, daß Ihr mich besitzen sollt, sonst weiß ich ein Mittel, Euch zu verderben!« Der andere, sehr zufrieden über ein so schönes Abenteuer, weigerte es nicht. Wenn nun ihr Gemahl seine Freundin bei sich hatte und sie ihren Freund, und er ihr zuschrie: »Wohl bekomm's!«, dann gab sie ihm zurück: »Danke, gleichfalls!« oder auch: »Ich zahle dir's schon noch heim!« Dieses Zutrinken, Reden und Antworten, während sie sich solchergestalt zu ihren Liebesszenen bereit stellten, ging lange hin und her, bis der listige und argwöhnische Prinz Verdacht schöpfte; er ließ ihnen auflauern und entdeckte, daß ihn seine Frau ganz artig zum Hahnrei machte und in Rache und Vergeltung ihr »Wohl bekomm's!« ebensogut praktizierte wie er. Sobald ihm die Wahrheit aufging, verwandelte sich seine Komödie in eine Tragödie; und nachdem er sie zum letztenmal angeprostet und sie ihre Antwort mit ihm getauscht hatte, sprang er plötzlich hinauf, öffnete mit Gewalt die Tür, trat hinein und warf ihr das Verbrechen vor. Sie aber antwortete ihm: »Ich weiß wohl, daß dies mein Tod ist; töte mich dreist, ich fürchte den Tod nicht; ich leide ihn gern, da ich mich an dir gerächt, da ich dich zum Hahnrei und Pinsel gemacht habe; du hast die Veranlassung gegeben, ohne sie hätte ich mich nie vergangen; denn ich hatte dir Treue gelobt, und ich hätte sie um nichts auf der Welt verletzt; du verdientest eine so anständige Frau wie mich nicht. Töte mich also gleich, und wenn du ein Mitleiden in dir spürst, so vergib, ich flehe dich an, diesem armen Edelmann, der nichts dafür kann, weil ich ihn selbst zwang, mir als Rachewerkzeug zu dienen.« Der Prinz aber war so grausam und tötete beide ohne jedes Zögern. Was sollte die arme Prinzessin solcher Unwürdigkeit und Schmach gegenüber auch tun, als, in Verzweiflung an der ganzen Welt, das, was sie tat? Manche werden sie entschuldigen, andere verurteilen; es ließe sich auch vieles dazu sagen.

In den »Hundert Erzählungen« der Königin von Navarra findet sich eine sehr schöne Geschichte von der Königin von Neapel, die dieser ähnlich ist, weil sie sich ebenso an ihrem königlichen Gemahl rächte; aber ihr Ausgang war nicht so tragisch.

Lassen wir nun diese Teufel und tollen, rasenden Hahnreie, reden wir nicht mehr davon; denn sie sind hassenswürdig und widerwärtig, und ich würde nie ein Ende finden, wollte ich alle beschreiben, auch ist der Gegenstand weder schön noch lustig. Reden wir lieber ein wenig von den netten Hahnreien, die gute Kerle sind, von guter Laune, angenehmem Verkehr und einer frommen Geduld, die die Augen zumachen und gute Männchen spielen.

Unter diesen Hahnreien gibt es welche, die es schon wissen, bevor sie sich verheiraten, d. h. die wissen, daß ihre Damen, Witwen und Mädchen, den Sprung bereits gemacht haben; und andere, die von nichts wissen und sie im guten Glauben heirateten, auf die Versicherung ihrer Väter und Mütter hin, im Glauben an ihre Verwandten und Freunde. Ich kannte eine ganze Anzahl, die Frauen und Mädchen heirateten, von denen sie wohl wußten, daß sie unter den Augen mancher Könige, Fürsten, Herren, Edelleute und vieler anderen geliebt worden waren; entzückt über ihre Liebe, ihre Besitztümer, ihre Juwelen, ihr Geld, das sie beim Liebesmetier erworben hatten, machten sie sich trotzdem keine Gewissensbisse daraus, sie zu heiraten. Ich will aber jetzt nur von den Mädchen reden.

Ich hörte von der Tochter eines sehr großen Souveräns,Man kann annehmen, daß Brantôme hier Margarete von Frankreich meint, die Schwester Heinrichs II.; er erzählt nämlich in einem Kapitel seiner Berühmten Damen, daß Margarete 45 Jahre alt war, als sie den Herzog von Savoyen heiratete. die, toll verliebt in einen Edelmann, sich ihm derartig preisgab, daß sie, nachdem sie die ersten Früchte seiner Liebe gepflückt hatte, so geil danach wurde, daß sie ihn einen ganzen Monat in ihrem Kabinett behielt, indem sie ihn mit Erfrischungen, mit leckeren Kraftsuppen, mit köstlichem und die Kraft wiederersetzendem Fleisch nährte, um seine Destillierblase besser in Tätigkeit zu setzen und seinen Stoff herauszupumpen; nachdem sie ihre erste Lehrzeit unter ihm abgeschlossen hatte, nahm sie weitere Lektionen bei ihm, solange er lebte, und bei anderen; darauf vermählte sie sich im Alter von 45 Jahren einem Herrn, der nichts dabei zu erwähnen fand, sondern über den schönen Ehestand, den sie ihm bescherte, sehr glücklich war.

Boccaccio gibt ein Sprichwort wieder, daß zu seiner Zeit im Schwange war: Ein geküßter Mund (andere sagen, ein geliebtes Mädchen) verliert nie sein Glück, sondern erneuert es stets, genau wie der Mond. Dieses Sprichwort bringt er bei einer Geschichte vor, die er von jener schönen ägyptischen Sultanstochter erzählt, die sich von den Spießen neun verschiedener Liebhaber, einer nach dem andern, mindestens mehr als dreitausendmal, stechen ließ. Zuletzt erhielt sie der König von Garbo als reine Jungfrau, d. h. er hielt sie dafür, es war so gut, als wenn sie ihm gleich am Anfang zugesprochen worden wäre; er fand nichts daran zu tadeln und befand sich vielmehr sehr wohl dabei. Es ist eine sehr hübsche Erzählung.

Ich hörte einen Großen sagen, daß man unter manchen Großen, wenn auch nicht immer gern, diese Mädchen nicht darum ansieht, wenn sie auch vor ihrer Vermählung durch drei oder vier Hände schon gegangen wären; unter andern meinte er einen Herrn, der in eine große Dame von noch etwas höherm Rang arg verliebt war und von ihr auch wieder geliebt wurde; es trat jedoch ein Hindernis ein, und sie verheirateten sich nicht, wie sie dachten; daher fragte jener große Edelmann, den ich eben erwähnte, alsbald: »Hat er das kleine Tierchen wenigstens bestiegen?« Und als der andre ihm erwiderte: Seines Wissens, nein, obgleich man es behauptete, antwortete er: »Um so schlimmer; denn dann hätte wenigstens der und jener das Vergnügen gehabt, und es wäre nichts weiter dabei gewesen.« Unter den Großen wird der Jungfernschaft keine solche Wichtigkeit beigelegt, weil die großen Verbindungen dabei die Hauptsache sind. Glücklich also sind die guten Gatten, denen ihre Hahnreischaft von vornherein bekannt ist.

Als der König Karl sein Königreich bereiste, liebte er in einer guten Stadt, die ich wohl nennen könnte, ein Mädchen, das eine Tochter von sehr guter Herkunft zur Welt brachte; sie wurde der Obhut einer armen Frau aus der Stadt anvertraut, die sie nähren und für sie sorgen sollte; für den Unterhalt wurden ihr 200 Taler vorgeschossen. Die alte Frau nährte sie und erzog sie so gut, daß sie mit fünfzehn Jahren sehr schön wurde und sich hingab; denn ihre Mutter kümmerte sich nicht mehr um sie und vermählte sich innerhalb von vier Monaten einem sehr großen Herrn. Ach, wie viel kannte ich doch, die so ins Leben hinausgestoßen wurden.

Ich hörte einmal, als ich in Spanien war, daß ein andalusischer Grande, der eine seiner Schwestern mit einem andern ebenso vornehmen Herrn vermählt hatte, drei Tage, nachdem die Hochzeit vollzogen war, zu ihm sagte: Senor hermano, agora que soys cazado con my hermana y l'haveys bien godida solo, yo le hago saher que siendo hija, tal y tal gozaron d'ella. De lo pasado no tenga cuydado, que poca cosa es. Del futuro guartate, que mos y mucho a vos toca.»Mein Herr Bruder, da Ihr jetzt mit meiner Schwester verheiratet seid und sie allein genießt, müßt Ihr erfahren, daß sie als Mädchen von dem und dem genossen wurde. Beunruhigt Euch nicht über das Vergangene, das bedeutet wenig; aber hütet Euch vor der Zukunft, die geht Euch vielmehr an.« Er wollte damit sagen: was getan ist, ist getan, man braucht nicht mehr davon zu reden, aber vor der Zukunft muß man sich hüten; denn sie rührt mehr an die Ehre als die Vergangenheit.

Es gibt Leute von solcher Gemütsart, denen anscheinend ihre Hahnreischaft nicht vorher, sondern nachher aufgeht. Ich hörte auch von einem großen Herrn im Ausland, der eine Tochter hatte, die zu den schönsten auf der Welt gehörte; ein andrer großer Herr, der sie wohl verdiente, verlangte sie zur Frau, und der Vater versprach sie ihm; aber bevor er sie für immer aus seinem Hause ließ, wollte er sie selbst versuchen, indem er sagte, ein so schönes Wesen, das er so sorgfältig erzogen hatte, wolle er nicht so einfach weggeben, ohne daß er das Rößlein zuerst einmal bestiegen und in Erfahrung gebracht habe, was sie zukünftig fertig bringen würde. Ich weiß nicht, ob die Geschichte wahr ist, aber ich hörte es, er sollte auch nicht allein die Probe gemacht haben, sondern noch ein andrer schöner und tapferer Edelmann; trotzdem fand der Gemahl nachher keine Galle darin, sondern lauter Zucker. Mit seinem Verhalten bewies er seinen Geschmack; denn das Mädchen besaß eine wunderbare Schönheit.

Dasselbe hörte ich von einer Menge anderer Väter, besonders von einem sehr großen Herrn, gegenüber ihren Töchtern; sie machten sich nicht mehr Gewissen daraus, wieder Hahn in der Fabel Äsops, der bei seiner Begegnung mit dem Fuchs und bei dessen Drohung, ihn umzubringen, an alles Gute erinnerte, das er in der Welt täte, besonders erwähnte er das schöne und gute Federvieh, das er produziere: »Ha!« sagte der Fuchs, »das grimmt mich von Euch, mein Herr Galan; denn Ihr seid so verhurt, daß Ihr kein Bedenken tragt, Eure Töchter zu besteigen, genau wie andere Hennen!« Also fraß er ihn auf. So einen Richter und weltkundigen Mann laß ich mir gefallen!

Es kann sich nun jeder denken, was manche Mädchen mit ihren Liebhabern machen können; denn es gab nie eine Tochter, die einen Freund hatte oder wünschte, und es gibt solche, deren Liebhaber ihre Väter, Brüder, Vettern, Verwandten selbst waren.

Solchermaßen hielt in unsern Zeiten Ferdinand, König von Neapel, mit seiner Tante, einer Tochter des Königs von Kastilien, ehelichen Beischlaf; sie stand im Alter von dreizehn oder vierzehn Jahren, aber das geschah auf päpstlichen Dispens hin. Man erhob damals Schwierigkeiten, ob sie sich hingeben dürfte oder könnte. Das erinnert indessen an den Kaiser Caligula, der alle seine Schwestern, eine nach der andern, verführte und liebte, aber mehr als alle und ganz besonders liebte er die jüngste, mit Namen Drusilla, die er schon als kleiner Junge entjungfert hatte; nachdem er sie später mit einem gewissen Lucius Cassius Longinus, einem gewesenen Konsul, vermählt hatte, nahm er sie ihm wieder ab und hielt sie öffentlich aus, als sei sie seine legitime Frau; er trieb es so weit, daß er ihr bei einem Krankheitsanfall alle seine Besitztümer vermachte, sogar das Kaiserreich. Sie starb jedoch, und er beklagte sie so sehr, daß er die Rechtsprechung aussetzen und die Einstellung aller andern Arbeiten verkünden ließ, um dem Volke anheimzugeben, eine öffentliche Trauerkundgebung für sie zu veranstalten; lange Zeit trug er wegen ihr die Haare und den Bart lang; und wenn er dem Senat, dem Volk oder seinen Soldaten eine feierliche Ansprache hielt, schwur er nur bei dem Namen Drusilla.

Was seine andern Schwestern betrifft, so prostituierte er sie, nachdem er seine Lust daran geweidet hatte, und gab sie großen Edelknechten preis, mit denen er einen gemeinen Umgang gepflogen hatte; hätte er ihnen weiter nichts Böses angetan, dann wäre es noch hingegangen, da sie daran gewöhnt waren und es ein lustiges Übel war, genau wie ich es von manchen Mädchen nennen hörte, die entjungfert worden waren, und von manchen vergewaltigten Frauen; aber er fügte ihnen tausend Niederträchtigkeiten zu; er schickte sie in die Verbannung, nahm ihnen alle ihre Ringe und Kleinodien, um sie zu versilbern, nachdem er den großen Schatz, den ihm Tiberius hinterlassen, durch schlechte Wirtschaft verschwendet hatte; als die armen Dinger nach seinem Tod aus der Verbannung zurückkehrten und den Leichnam ihres Bruders schlecht und armselig unter ein paar Erdschollen verscharrt sahen, ließen sie ihn wieder ausgraben, verbrennen und so ehrenvoll wieder begraben, als sie nur konnten: das war wahrhaftig eine große Güte von den Schwestern gegen einen so undankbaren und entarteten Bruder.

Zur Entschuldigung der unerlaubten Verwandtenliebe sagt der Italiener: Quando messer Bernardo, il buciacchi, sta in colera et in sua rabbia, non riceve legge, e non perdona nessuna dama.»Wenn Meister Bernardo, der Fleischer, in Wut ist, erkennt er kein Gesetz an und schonet kein Weib.

Von den Alten, die es so machten, haben wir eine Menge Beispiele. Um aber auf unser Thema zurückzukommen, hörte ich von einem, der einem seiner Freunde ein schönes und ehrbares Fräulein vermählte und sich rühmte, er habe ihm ein schönes und respektables Pferd gegeben, gesund, sauber, ohne Kniegeschwulst und Überbein, wie er sagte, und wie sehr ihm der andere dafür verpflichtet wäre, da sagt einer aus der Gesellschaft als Antwort darauf beiseite zu einem seiner Genossen: »Das ist alles ganz schön und gut, wäre sie nur nicht so jung und so früh beritten worden; davon ist sie jetzt vorn ein wenig bestaucht.«

Aber ich möchte auch gern von diesen Herren Ehemännern wissen, ob solche Reittiere nicht recht häufig auch ein Wenn und Aber haben, ob nicht etwas dabei zu bemerken ist, irgendeine Mangelhaftigkeit, ein Fehler, ein Gebrechen, wenn sie sie so billig bekamen, und ob sie ihnen nicht noch teuer zu stehen kommen. Es können ja auch andere beglückt werden, die es besser verdienen wie sie, gerade wie sich jene Roßhändler ihrer schadhaften Gäule entledigen, so gut sie können; wenn man aber die Bedenklichkeiten kennt und sie sie nicht anders loswerden können, müssen eben die Herren daran glauben, die nichts davon verstehen; es ist ja (wie ich verschiedene Väter sagen hörte) sehr schön, eine schadhafte Tochter abzusetzen, oder eine, die im Begriff steht oder anscheinend dazu Lust hat.

Was kannte ich doch überall Mädchen, die ihre Jungfernschaft nicht ins eheliche Bett mitbrachten! Gleichwohl wurden sie von ihren Müttern, andere von ihren Verwandten und Freundinnen, höchst erfahrenen Kupplerinnen, abgerichtet, sich bei diesem ersten Ansprung gut zu verhalten; sie bedienen sich mit Listen verschiedener Mittel und Erfindungen, um ihren Gatten eine gute Meinung davon beizubringen und ihnen zu beweisen, daß sie sich niemals die Bresche hatten brechen lassen. Größtenteils helfen sie sich damit, starken Widerstand zu leisten, sich vor dem Angriff nach Kräften zu verteidigen und sich hartnäckig bis zum äußersten zu wehren: es gibt manche Gatten, die darüber sehr beglückt sind, und die fest glauben, die ganze Ehre besessen und den ersten Ritt gemacht zu haben, gleich tapferen und entschlossenen Soldaten; und am andern Morgen, wenn ihnen der Kamm geschwollen ist, gleich kleinen Hähnen oder Hahnjüngelchen, die am Abend eine Unmenge Hirse gefressen haben, geben sie ihren Genossen und Freunden ihre Geschichten zum besten, möglicherweise aber sogar auch jenen, die ohne ihr Wissen zuerst in die Festung hinein sind, und die darüber bei sich und mit den Frauen, ihren Maitressen, ein Gelächter anheben, die sich ihrerseits rühmen, ihr Spiel fein gespielt und es ihnen tüchtig gegeben zu haben.

Trotzdem gibt es manche argwöhnische Gatten, denen dieser Widerstand etwas Übles vorbedeutet, und die sich nicht damit zufrieden geben, sie so widerspenstig zu sehen; so kenne ich einen, der seine Frau fragte, warum sie sich so wild und widerspenstig gebärde, und ob sie ihn überhaupt gar nicht drin haben wolle; sie sann auf eine Entschuldigung, und damit er nicht meine, sie verabscheue ihn, sagte sie, sie hätte Angst, er täte ihr weh. Er antwortete ihr: »Du hast es also doch schon erfahren; denn ein Übel kann man nicht kennen, wenn man es nicht schon gefühlt hat!« Sie jedoch leugnete es listig und gab zurück, sie hätte es so von einigen ihrer Freundinnen gehört, die sich verheiratet und sie also davon unterrichtet hätten. »Hübsche Unterhaltungen!« sagte er.

Noch eines anderen Heilmittels bedienen sich jene Frauen; es besteht darin, daß sie am Morgen nach ihrer Hochzeit ihr Leintuch mit Blutstropfen gefärbt zeigen, die diese armen Mädchen bei der schweren Aufgabe ihrer Entjungferung vergießen; wie man's in Spanien macht, wo besagtes Leintuch öffentlich aus dem Fenster gehalten wird unter lautem Geschrei: Virgen la tenemos! (»Wir halten sie für eine Jungfrau!«)

Wirklich läßt sich, wie ich dazu noch hörte, in Viterbo dieser Gebrauch noch beobachten. Und weil die Mädchen, die schon durch die Spieße gegangen sind, diese Erscheinung nicht mit ihrem eigenen Blut erzeugen können, sind sie darum besorgt, wie ich sagen hörte und wie mir verschiedene junge Kurtisanen in Rom selbst versicherten, zur Erzielung eines höheren Preises ihrer Jungfräulichkeit besagtes Leintuch mit einem Tropfen Taubenblut zu färben, das am besten dazu geeignet ist: am andern Morgen sieht es der Gatte, gerät darüber in äußerstes Entzücken und glaubt fest, das sei das Jungfernblut seiner Frau; und bildet sich ein, er sei ein feiner Mann, aber das ist ein großer Irrtum.

Hier will ich die lustige Geschichte von dem Edelmann bringen, der in der Brautnacht das Nestelknüpfen hatte; die Braut, die nicht zu jenen süßen Jungfern aus gutem Stande gehörte, vermutete stark, daß er darüber in Wut geriete, und verfehlte auf den Rat ihrer Gefährtinnen, alten Tanten, Verwandten und guten Freundinnen nicht, sich das kleine Leintüchlein rot zu färben; aber es war ihr Unglück, daß der Gemahl so verhext war, daß er nichts machen konnte, obgleich es nicht an ihr lag, die ihm die schönste Augenweide bot und sich zur Liebe schmückte, so gut sie nur konnte, auch beim Niederlegen sich schön verhielt, ohne sich auf die Widerspenstige oder auf das Teufelsweib hinauszuspielen, wie auch die wie gebräuchlich versteckten Zuschauer später erzählten, um ihre anderswo in Verlust geratene Jungfernschaft besser zu verdecken; aber es wurde nichts dabei exekutiert. Als am Abend, wie es der Brauch will, die Mahlzeit aufgetragen war, fiel jemand ein Schabernack ein, er entwendete, wie gemeiniglich geschieht, den Neuvermählten das Leintüchlein; man fand es hübsch mit Blut gefärbt; es wurde schnell herumgezeigt, und die Anwesenden schrien laut, sie sei keine Jungfer mehr, und nun sei ihr Jungfernhäutchen zerbrochen und zerrissen worden: der Gemahl, der sicher war, nichts gemacht zu haben, sich aber trotzdem auf den Galan und auf den tapferen Kämpen hinausspielte, war sehr erstaunt und wußte nicht, was dieses gefärbte Leinen besagen wollte, nachdem er aber genügend nachgedacht hatte, ahnte er irgendeine Hurenbetrügerei und Arglist, aber er ließ sich nichts davon merken.

Die Braut und ihre Vertrauten waren ebenfalls sehr ärgerlich und erstaunt, daß der Gemahl so abgeblitzt war, und daß es darum nicht besser um ihre Sache stand. Indessen wurde keinerlei Aufhebens davon gemacht, bis nach acht Tagen der Gemahl die Impotenz wieder verlor und in Wut und Hitze geriet; aus Freude darüber erinnerte er sich an nichts, sondern gab der ganzen Gesellschaft kund, daß er nun mit hoher Absicht seine Kraft erprobt, seine Frau zu seiner wirklichen Frau gemacht und sie gut berammt habe; und gestand sogar, daß er damals von totaler Impotenz ergriffen war: über diesen Punkt machten die Anwesenden verschiedene Bemerkungen, und die Braut, die man der gefärbten Wäsche nach für entjungfert hielt, bekam verschiedene Urteile ab; so erregte sie Entrüstung und war nicht einmal die eigentliche Ursache davon, vielmehr ihr Mann, der sich mit seiner Schwäche, Mattigkeit und Schlappheit selbst bekleckerte.

Manche Ehemänner wissen auch schon in ihrer ersten Nacht über die Jungfernschaft ihrer Frauen Bescheid, wenn sie sie in der Spur, die sie finden, erobert haben oder nicht; so kannte ich einen, der in zweiter Ehe eine Frau heiratete, die ihm glauben machte, ihr erster Gemahl hätte sie wegen seiner Impotenz nie berührt, und sie sei noch ebenso gut eine keusche Jungfrau, wie vor ihrer Verheiratung; nichtsdestoweniger fand er sie so weit und von so reichlicher Größe, daß er anhub: »He! Wie! Bist du jene Jungfrau von Marolle, so eng und verschlossen, wie du mir sagtest? He! Das nenn' ich weit! Da ist der Weg so groß und breitgetreten, daß ich keine Sorge habe, mich zu verirren.« Aber er mußte doch hindurch und den Trank schmecken, süß wie Milch; denn wenn ihr erster Gemahl sie nicht angerührt hatte, und das war die Wahrheit, waren es genug andere gewesen.

Was sollen wir nun von Müttern sagen, die angesichts der Impotenz ihrer Schwiegersöhne oder der Behexung ihres Geschlechtsteils oder einer andern Mangelhaftigkeit die Kupplerinnen ihrer Töchter werden? Um ihr Leibgeding zu bekommen, lassen sie sich von anderen lieben und sehr häufig schwängern, um Kinder zu haben, die nach dem Tode des Vaters erben.

Ich kannte eine Mutter, die dies ihrer Tochter sehr anriet und die in der Tat nichts darin versäumte, aber es war ihr Unglück, daß ihre Tochter nie welche bekam. Auch kannte ich einen, der seiner Frau nichts leisten konnte und einen großen Lakaien, einen schönen Kerl, damit beauftragte, sich ins Bett zu legen und seine Frau im Schlaf zu entjungfern und damit seine Ehre zu retten; aber sie wurde es gewahr, und der Lakai kam zu nichts; die Folge war, daß sie lange prozessierten; endlich ließen sie sich scheiden.

Ebenso machte es König Heinrich von Kastilien, wie Baptista FulguosiusIm IX. Buch der Factorum et Dictorum memorabilium lib., die verschiedene Male gedruckt wurden. erzählt; als er sah, daß er seiner Frau keine Kinder machen konnte, bediente er sich eines schönen und jungen Edelmanns an seinem Hof, der es für ihn leisten sollte; das geschah auch; für seine Bemühungen erhielt er große Besitztümer und wurde mit Ehren, Würden und Hoheiten überhäuft; es ist nicht daran zu zweifeln, daß ihn die Frau darum liebte und sich wohl dabei befand. Das nenne ich einen guten Hahnrei.

Wegen jener Impotenz fand kürzlich am Gerichtshof von Paris ein Prozeß statt zwischen dem Rentmeister Herrn von Bray und seiner Frau, der er nichts tun konnte, da er die Verhexung oder einen andern Fehler hatte, weswegen die Frau sehr betrübt um eine gerichtliche Entscheidung nachsuchte. Der Gerichtshof verfügte, sie sollten beide von großen, erfahrenen Ärzten untersucht werden. Der Gemahl wählte die seinen, die Frau die ihrigen; darüber wurde am Hofe ein sehr lustiges Sonett gemacht, das mir eine große Dame selbst vorlas und schenkte, als ich bei ihr speiste. Man sagte, eine Frau hätte es gemacht, andere, ein Mann. Das Sonett lautet:

Entre les médicins renommés à Paris
En scavoir, en éspreuve, en science, en doctrine,
Pour juger l'imparfaict de la coupe androgyne,
Par de Bray et sa femme ont esté sept choisis.

De Bray a eu pour luy les trois de moindre prix,
Le Court, l'Endormy, Piètre: et sa femme plus fine,
Les quatre plus experts en l'art de médecine.
Le Grand, le Gros, Duret et Vigoureux a pris.

On peut par là juger qui des deux gaignera,
Et si le Grand du Court victorieux sera,
Vigoureux d'Endormy, le Gros, Duret de Piètre.

Et de Bray n'ayant point ces deux de son costé,
Estant tant imparfait que mary le peut estre,
A faute de bon droict en sera débouté.

Unter den Ärzten von Paris,
Berühmt an Können, Praxis, Wissenschaft und Lehre,
Wählten Herr von Bray und seine Frau sich sieben aus,
Um über die Unvollkommenheit ihres Bechers zu beraten.

Von Bray bestellte sich die drei geringsten,
Herrn Kurz, Herrn Schlummer und Herrn Elend,
Die klügere Frau gewann vier größere Mediziner,
Die Herren Groß, Dick, Dauerhaft und Kräftig.

Wer von den beiden siegt, hieraus wird's klar,
Und ob der Große dem Kurzen gewachsen,
Herr Kräftig dem Schlummer, Herr Dick und Dauerhaft Herrn Elend.

Und weil von Bray die beiden nicht auf seiner Seite hat
Und unvollkommen ist, wie ein Gemahl nur sein kann,
Wird er, weil gutes Recht ihm fehlt, mit seiner Klage abgewiesen.

Ich hörte von einem andern Ehemann: in der ersten Nacht in der er seine neue Gemahlin umarmt hielt, entzückte sie sich dermaßen in Lust und Vergnügen, daß sie, sich selbst vergessend, nicht enthielt, eine kleine hurtige Wendung und Drehung zu machen, die bei Neuvermählten nicht üblich ist; er sagte weiter nichts als: »Na, ich hab's!« und setzte sein Werk fort. Von solchen grünen Hahnreien wüßte ich noch eine Unmenge Geschichten zu erzählen, aber ich würde niemals damit zu Rande kommen. Aber als das Schlimmste kommt mir vor, wenn sie die Kuh und das Kalb heiraten, wie man sagt, das heißt, wenn sie sie ganz schwanger nehmen. So kannte ich einen, der sich mit einem sehr schönen und ehrbaren Fräulein verheiratet hatte, getragen von der Gunst und der Zustimmung ihres Fürsten und Herrn, der jenen Edelmann sehr liebte und sie ihm vermählte; nach acht Tagen stellte sich heraus, daß sie schwanger war, sie sagte es auch offen dem Fürsten, um ihr Spiel besser zu verdecken. Der Fürst, der eine Liebschaft zwischen ihr und einem andern stets stark geahnt hatte, sagte zu ihr: »Gnädigste ..., in meinen Schreibtafeln steht der Tag und die Stunde Eurer Hochzeit ganz genau; wenn man sie mit denen Eurer Niederkunft zusammenhalten wird, habt Ihr die Schande davon.« Auf diese Worte errötete sie jedoch bloß ein wenig; es geschah auch nichts weiter, außer daß sie die Miene einer dona da ben stets beibehielt.

Nun gibt es manche Mädchen, die ihren Vater und ihre Mutter so überaus fürchten, daß man ihnen eher das Leben aus dem Leib reißen könnte wie ihre Jungfernschaft; sie fürchten sie hundertmal mehr wie ihren Gatten.

Ich hörte von einem sehr schönen und ehrbaren Fräulein, das von der Liebeslust ihres Anbeters arg gehetzt wurde und ihm antwortete: »Wartet noch ein wenig, bis ich verheiratet bin und Ihr sollt sehen, hinter dem ehelichen Bettvorhang, der alles verdeckt, selbst den geschwollenen Bauch, und die Entdeckung verhütet, machen wir's nach Noten.«

Eine andere, der ein Großer sehr nachstellte, sagte zu ihm: »Treibt nur ein wenig unsern Prinzen, daß er mich bald mit dem Herrn verheiratet, der mir immer auf den Fersen ist, und daß er mir geschwind das Heiratsgut bezahlt, das er mir versprochen hat; wenn wir uns am andern Morgen nach meiner Hochzeit nicht treffen, ist der ganze Handel ungültig.«

Ich kenne eine Dame, die erst vier Tage vor ihrer Hochzeit von der Liebe zu einem Edelmann ergriffen wurde, in sechsen darauf genoß er sie; wenigstens rühmte er sich dessen. Man konnte es ihm leicht glauben; denn sie zeigten eine solche Vertraulichkeit, daß man meinte, sie kannten einander schon ihr ganzes Leben lang; er erzählte sogar von den Zeichen und Malen, die sie auf dem Leib trug, wie auch, daß sie ihr Spiel noch lange nachher fortsetzten. Der Edelmann sagte, daß die Vertraulichkeit, die ihnen Veranassung dazu gab, darin bestand, daß sie einer Maskerade wegen ihre Kleider vertauschten; er legte die seiner Geliebten an, sie zog jene ihres Freundes an; der Gemahl lachte bloß dazu, und niemand hatte etwas daran auszusetzen oder übel davon zu denken.

Am Hof wurde ein Lied über einen Ehemann gedichtet, der sich am Dienstag verheiratete und am Donnerstag Hahnrei wurde: Das nenne ich geschwind sein.

Was werden wir zu einem Mädchen sagen, das von einem Edelmann lang umworben wurde, der aus einem reichen und guten Hause stammte, aber ein einfältiger Tropf und ihrer nicht würdig war? Auf den Rat ihrer Eltern, auf ihr Drängen, ihn zu heiraten, gab sie zurück, daß sie lieber sterben würde, als daß sie ihn heiratete, er möge sich seine Liebe aus dem Sinn schlagen, und man solle ihr und ihren Eltern nichts mehr davon reden; denn, wenn sie sie zwängen, ihn zu heiraten, würde sie ihn eher zum Hahnrei machen. Aber es half ihr nichts, sie mußte hindurch; denn sie wurde von allen großen Herren, die über sie Gewalt hatten, und auch von ihren Eltern dazu gezwungen.

Am festlichen Abend vor der Hochzeit, als ihr Gemahl sie traurig und tiefsinnig sah, fragte er sie, was sie hätte; sie antwortete ihm in höchstem Zorn: »Ihr habt mir niemals glauben wollen, daß Ihr Euch davonscheren sollt; Ihr wißt, was ich Euch stets sagte, daß ich Euch zum Hahnrei machen würde, sollte ich unglücklicherweise Euere Frau werden; und ich schwöre Euch, ich will es tun und Wort halten.« Sie hielt damit auch vor keiner ihrer Gefährtinnen und keinem ihrer Diener zurück. Man kann versichert sein, daß sie es später auch ausgeführt hat und ihm zeigte, daß sie eine sehr brave Frau war; denn sie hielt ihr Wort.

Ich überlasse es jedem, zu entscheiden, ob sie dafür Tadel verdiente, da ein Gewarnter doppelt achtsam sein muß, und sie ihn von den Unannehmlichkeiten, die ihm blühten, unterrichtete. Und warum hütete er sich nicht davor? Aber er kümmerte sich nicht viel darum.

Jene Mädchen, die sich unmittelbar nach ihrer Hochzeit anderen hingeben, verfahren nach dem italienischen Wort: Che la vacca, ché é stata molto tempo ligata, corre più che quella che ha havuto sempre piena libertà;Die Kuh, die lang angebunden war, läuft mehr als jene, die stets völlige Freiheit hatte. genau wie die erste Gemahlin Balduins, Königs von Jerusalem, den ich früher erwähnte; er hatte sie mit Gewalt in einen Orden gesteckt; nachdem sie aber aus dem Kloster ausgebrochen war, wandte sie sich nach Konstantinopel und führte ein solches Hurenleben, daß sie jeden, der vorüberging, Soldaten, die Palästinapilger, wer kam und wer ging, ohne Rücksicht auf ihren königlichen Stand, davon schmecken ließ; eine Folge des großen Fastens, das sie während ihrer Einsperrung hatte erdulden müssen.

Ich könnte noch viele andere nennen. Gute Kerle von Hahnreien sind aber doch auch jene, die es ihren Frauen erlauben, wenn sie schön und wegen ihrer Schönheit begehrt sind, die sie verkuppeln, um daraus Begünstigungen, Besitztümer und Ressourcen zu gewinnen und für sich herauszuschlagen. Deren sieht man die schwere Menge an den Höfen der großen Könige und Fürsten, und sie stehen sich sehr gut dabei; denn aus Armen werden sie Reiche, kamen die Verpfändung ihrer Güter, Prozesse oder Kriegszüge in Frage, stiegen sie sogleich in die Höhe und kamen durch die S... ihrer Frauen zu großen Ämtern empor; und sie sehen keine Erniedrigung darin, sondern vielmehr eine Erhöhung; eine Ausnahme machte nur die schöne Dame, von der ich hörte, daß sie bloß noch die Hälfte besaß, weil ihr Gemahl sie mit der Lustseuche angesteckt oder mit einem Schanker, der es ihr zur Hälfte weggefressen hatte. Sicher erschüttern die Gunsterweisungen und Wohltaten der Großen ein keusches Herz stark und machen viele Hahnreie. Ich hörte von einem auswärtigen FürstenFranz von Lothringen, Herzog von Guise, den Poltrot vor Orleans ermordete. erzählen, der von seinem erhabenen Prinzen und Herrn zum General ernannt und in einen Kriegszug geschickt worden war; am Hof seines Herrn hatte er seine Frau zurückgelassen, eine der schönsten der Christenheit; der Herrscher begann mit ihr so sehr zu lieben, daß er sie schwankend machte, auf den Boden warf und so ordentlich niederdrückte, daß er sie schwängerte.

Als der Gemahl nach 13 oder 14 Monaten zurückkommt, findet er sie in diesem Zustand und ist sehr betrübt und erzürnt gegen sie; es bedarf keiner Frage, warum. Nun war es an ihr, die geschicktesten Entschuldigungen vorzubringen, und da ließ sie sich von einem ihrer Schwäger helfen. Endlich waren sie so weit, daß sie ihm sagte: »Lieber Herr, der Ausgang deiner Reise ist schuld daran, sie ist von deinem Herrn so übel aufgenommen worden (denn er machte gewiß seine Sache nicht gut), und dafür, daß du seine Aufträge nicht besorgt hast, hat man dich in deiner Abwesenheit arg hergenommen; wenn nun dein Herr nicht seine Augen auf mich geworfen hätte, wärest du verloren, und um dich nicht zugrunde richten zu lassen, habe ich mich zugrunde gerichtet. Es geht ebensosehr und noch mehr um meine Ehre, wie um die deinige; um dich vorwärts zu bringen, habe ich mein köstlichstes Ding nicht geschont: urteile denn, ob ich so sehr gefehlt habe, wie du zu sagen geruhtest; denn sonst wäre dein Leben, deine Ehre und dein Ansehen ins Wanken geraten. Nun stehst du dich besser denn je; die Geschichte ist nicht so verbreitet, daß der Flecken zu offenkundig auf dir sitzt. Entschuldige mich also und verzeihe mir.«

Der Schwager, der aufs beste zu reden wußte und der möglicherweise an der Schwängerung teilhatte, fügte noch andere schöne und treffende Worte hinzu, so daß alles gut war. Sie einigten sich also und standen besser zusammen wie vorher, indem sie in allem Freimut und in guter Freundschaft lebten; der Prinz, sein Herr, der die Verführung und den Streit verursacht hatte, schätzte ihn indessen dafür nicht mehr, wie vorher (so habe ich sagen hören), weil er sich so geringe Rechenschaft von seiner Frau gab, und weil er selbst von ihrer Süße getrunken hatte; er hielt ihn darum nicht mehr für so adlig, wie er ihn vorher dafür gehalten hatte, wiewohl es ihm in seiner Seele sehr lieb war, daß die arme Frau nicht dafür litt, mit ihm geminnt zu haben. Ich habe den und jenen die Dame entschuldigen hören, man fand, daß sie wohl daran getan hätte, sich aufzugeben, wenn sie nur ihren Gatten rettete und wieder in Gunst brachte.

Oh, wie viel solcher Beispiele gäbe es noch, wie noch das einer großen Dame, die ihrem Gemahl das Leben rettete; er war vor dem ganzen Hof zum Tode verurteilt worden, da man ihn in seiner Verwaltung und in seinem Amt großer Erpressungen und Unterschleife überführt hatte; dafür liebte sie der Mann darauf sein ganzes Leben.

Ich hörte auch von einem großen Herrn, der dazu verurteilt worden war, geköpft zu werden; er stand schon auf dem Schafott, da kam seine Begnadigung, die seine Tochter, eine hohe Schönheit, erlangt hatte; als er vom Schafott herunterstieg, sagte er weiter nichts, als: »Gott segne die gute S... meiner Tochter, die mich so brav gerettet hat!«Vielleicht wollte Brantôme hier von St. Vallier reden.

Der heilige Augustin bezweifelte, ob ein christlicher Bürger von Antiochien sündigte, als er, um sich von einer großen Geldschuld zu befreien, wegen der er in strenger Gefangenschaft saß, seiner Frau erlaubte, bei einem sehr reichen Edelmann zu schlafen, der ihm seine Schuld einzulösen versprach.

Wenn der heilige Augustinus dieser Ansicht ist, was kann er dann Frauen, Witwen und Mädchen erlauben, die zur Lösung ihrer Väter, Verwandten und sogar ihrer Gatten ihren zarten Körper so gewaltig viel Übelständen preisgeben, die sie befallen können, wie Gefangenschaft, Sklaverei, Lebensgefahr, die Erstürmung und Einnahme der Stadt, kurz, noch eine unendliche Menge; manchmal gewinnen sie sogar Feldherrn und Soldaten, damit sie wacker kämpfen, ihre Partei ergreifen, eine lange Belagerung aushalten, eine Festung wiedernehmen (ich könnte hundert Anlässe herzählen), weil das nach ihrer Meinung ihrer Keuschheit nicht den geringsten Eintrag tut. Und welches Übel und welches Ärgernis kann daraus entspringen? Vielmehr ein großes Gut.

Wer wird also leugnen wollen, daß es nicht guttäte, manchmal Hahnrei zu sein, wenn man solche Bequemlichkeiten der Lebenswohlfahrt daraus gewinnt und die Wiederherstellung des Ansehens, der Macht, der Würde und der Besitztümer einheimst? Wie viele kannte ich doch, und von wie manchen hörte ich, daß sie der Schönheit und dem Vorderteil ihrer Frauen ihr Fortkommen verdankten.

Ich will niemand beleidigen, aber ich getraue mir wohl zu sagen, daß ich von dem und jenem weiß, daß ihre Frauen ihnen tüchtig genützt haben, und daß mancher von sich selber nur wenig wert ist und seinen Wert bloß seiner Frau verdankt.

Ich kannte eine große und kluge Dame, die ihrem Gemahl einen Orden verschaffte; er trug ihn allein mit den zwei größten Fürsten der Christenheit. Sie sagte häufig zu ihm, und vor aller Welt (denn sie war eine lustige Gesellschafterin und ein lieber Käfer): »Ha, mein Freund, was wärst du lange wie eine Grasmücke gehüpft, bevor du diesen Teufel bekamst, der dir jetzt am Hals hängt!«

Ich hörte von einem großen Herrn aus der Regierungszeit des Königs Franz, der auch einen Orden bekam und sich damit eines Tages vor dem seligen Herrn de la Chastigneraiye, meinem Onkel, brüsten wollte, indem er sagte: »Ha, ihr möchtet wohl auch gern so einen Orden am Hals hängen haben!« Mein Onkel, der rasch, hitzig und stolz war, wie nur einer, antwortete ihm: »Lieber wär ich tot, als daß ich ihn durch das Loch hätte wie Ihr.« Der andre schwieg dazu; denn er wußte wohl, mit wem er es zu tun hatte.

Ich hörte von einem großen Herrn erzählen, dem seine Frau das Patent eines der großen Ämter seines Landes ausgewirkt und heimgebracht hatte; sein Fürst hat es ihm verliehen kraft der Gunst, in der seine Frau stand; aber er wollte es durchaus nicht annehmen, weil er wußte, daß seine Frau drei Monate lang bei dem Fürsten in höchster Gunst stand, was auch seinen Verdacht erregt hatte. Damit legte er Zeugnis von dem Adel ab, den er sein ganzes Leben lang bewährt hatte; dennoch nahm er es an, nachdem er etwas getan hatte, was ich nicht erzählen will.

So haben die Damen ebensoviel oder mehr Ritter gemacht, wie die Schlachten, und ich könnte sie nennen, da ich sie ebensogut kenne, wie ein anderer, wofern ich nur nicht übel reden oder Ärgernis erregen wollte; brachten sie ihnen Ehre, so gaben sie ihnen auch viel Reichtümer.

Ich kenne einen, der war ein armer Büßer, als er seine Frau, die sehr schön war, an den Hof führte; in weniger als zwei Jahren erholten sie sich und wurden sehr reich.

Solche Damen muß man schätzen, die den Wohlstand ihrer Gatten befördern und sie nicht zu Schurken und Hahnreien zugleich machen: wie man von Margarete von Namur sagt, die so dumm war, sich darauf einzulassen und dem Herzog Ludwig von Orleans alles zu geben, was sie konnte, einem so großen und mächtigen Herrn und Bruder des Königs; sie zog aus ihrem Gemahl alles heraus, was sie nur konnte, so daß er dabei arm wurde und gezwungen war, seine Grafschaft Blois besagtem Herzog von Orleans zu verkaufen; der, man denke sich nur, der bezahlte es ihm mit dem Silber und mit dem Gelde, das die dumme Frau ihm gegeben hatte. Sehr dumm war sie deshalb, weil sie einem Höheren gab wie sie. Man stelle sich vor, daß er sich später über sie und ihn lustig machte; er war ganz der Mann dazu, es zu tun, da er sehr flatterhaft und unzuverlässig in Liebessachen war.

Ich kannte eine große Dame, die sich in einen Edelmann am Hofe toll verliebt hatte; als er sie infolgedessen genoß und sie ihm kein Geld geben konnte, weil ihr Gemahl seine Kasse vor ihr verschlossen hielt wie ein Pfaffe, gab sie ihm den größten Teil ihrer Edelsteine im Werte von über 30000 Taler; so daß man sagte, nun könne er bauen, eine schwere Menge Steine habe er aufgehäuft und angesammelt; als ihr später eine große Erbschaft zufiel und sie einige 20000 Taler in die Hand bekam, hatte sie so wenig acht darauf, daß ihr Galan einen guten Teil davon hatte. Man sagte, wäre ihr diese Erbschaft nicht zugefallen und hätte sie nicht gewußt, was sie ihm geben sollte, hätte sie ihm noch Rock und Hemd gegeben. Solchen Gaunern und Blutsaugern muß man die bittersten Vorwürfe machen, daß sie aus diesen armen gehämmerten und von ihrer Laune fortgerissenen Teufelsweibern ihre ganze Habe herausquetschen; denn wenn in einen Geldbeutel so oft hineingegriffen wird, dann kann er seinen Bauch und seinen Zustand nicht immer behalten, wie der andere Beutel, der stets im nämlichen Zustand und bereit ist, daß darin fischt, wer will, ohne etwas über die Schelme, die hinein- und herausfuhren, zu vermerken. Jener gute Edelmann, von dem ich sagte, daß er so gut und reich beschottert war, verstarb einige Zeit darauf; nach Pariser Brauch wurden seine ganzen Sachen öffentlich ausgerufen und verauktioniert, dabei wurden sie taxiert und von verschiedenen Leuten, die sie bei der Dame gesehen hatten, zu ihrer großen Schande wiedererkannt.

Ein großer Fürst, der eine sehr ehrbare Dame liebte, kaufte ein Dutzend sehr blitzender und zierlich gefaßter Diamantknöpfe, mit ägyptischen hieroglyphischen Zeichen, die ihren geheimen Sinn enthielten; er machte sie dieser seiner Geliebten zum Geschenk; nach eingehendem Betrachten sagte sie ihm, Hieroglyphen bedürfe sie von jetzt ab nicht mehr, da die Schrift zwischen ihnen beiden schon erfüllt wäre, gerade so, wie sie es zwischen dem obenerwähnten Edelmann und jener Dame war.

Ich kannte eine Dame, die oft zu ihrem Gemahl sagte, sie würde ihn eher coquin wie cocu machen (eher zum Schurken wie zum Hahnrei); die beiden Worte sind aber zweideutig, und so kommen alle beiden schönen Eigenschaften bei ihnen ein wenig zusammen.

Ich kannte indessen auch unendlich viel Damen, die es nicht so machten; denn sie hielten die Börse ihrer Taler mehr zusammengeklemmt wie die ihres hübschen Leibes; denn wenn sie auch sehr große Damen waren, so wollten sie doch bloß ein paar Ringe, ein paar kleine Geschenke und verschiedene andere kleine Artigkeiten geben, Krausen und Schärpen, die sie ihrer Liebe zu Ehren tragen und hochhalten sollten.

Ich kannte eine große Dame, die darin sehr anständig und freigebig war; denn die geringste ihrer Schärpen und Binden hatte einen Wert von 500 Talern, ja von 1000 und 3000, und war mit Stickereien, Perlen, Verzierungen, hieroglyphischen Lettern und Ziffern und sonstigen schönen Erfindungen geschmückt, daß es nichts Schöneres auf der Welt gab. Sie hatte recht; denn so wurden ihre Geschenke, nachdem sie sie gemacht hatte, nicht in die Koffer oder in die Börsen gesteckt, wie bei anderen Damen, sondern von aller Welt gesehen, und ihr Freund staffierte sich damit aus und genoß dabei die süßeste Erinnerung; Geldgeschenke dagegen schmecken mehr nach gewöhnlichen Frauen, die ihren Kerlen geben, nicht nach großen und ehrbaren Damen. Zuweilen gab sie ihm auch ein paar schöne Ringe mit reichen Edelsteinen; denn diese Binden und Schärpen kann man nicht alltäglich tragen, außer in schönen und festlichen Tagen. Dagegen paßt der Ring am Finger viel besser dazu, einen ewig zu begleiten.

Ein feiner und vornehm denkender Kavalier sollte sicherlich so adlig sein, seiner Dame lieber ihrer Schönheit willen zu dienen, von der sie glüht, als wegen all ihres Goldes und Silbers, das aus ihr hervorblitzt.

Was mich anbelangt, so kann ich mich rühmen, mein Leben lang ehrbaren Damen gedient zu haben, die keineswegs zu den Geringsten gehörten; hätte ich alles von ihnen annehmen wollen, was sie mir anboten, hätte ich ihnen entreißen wollen, was ich konnte, so wäre ich heute reich an Gut und Geld, an Möbeln, an mehr als 30000 Talern, aber ich bin es nicht, sondern ich bin immer damit zufrieden gewesen, meine Zuneigung mehr durch meine Großherzigkeit als durch meine Habsucht kundzugeben.

Es ist ja sicherlich begründet: da der Mann von dem Seinen in die kleine Börse der Frau steckt, daß ebenso die Frau von dem Ihrigen in die des Mannes hineingibt; aber man muß dabei alles abwägen; denn genau wie der Mann nicht all das Seinige in den Beutel der Frau hineinwerfen und hineinlegen kann, wie sie möchte, so muß er auch so bescheiden sein, ihr nicht so viel aus der Börse zu ziehen, wie er wollte; auch hier muß gleiches Maß herrschen.

Ich habe auch viele Edelleute die Liebe ihrer Herrinnen verlieren sehen, weil sie in ihren Forderungen und Habsuchten unverschämt waren; als diese sahen, daß sie so viel verlangten und in ihren Wünschen sehr zudringlich waren, entledigten sie sich ihrer und schoben sie ab, woran sie sehr gut taten.

Ein vornehmer Liebhaber sollte sich daher eher von der Gier des Fleisches als der des Geldes verlocken lassen; denn wenn die Dame mit ihrem Besitz zu freigebig ist, so ist der Gatte, der die Verringerung bemerkt hat, darüber hundertmal trauriger als über zehntausend Freigebigkeiten, die sie mit ihrem Körper bezeugt.

Nun gibt es noch Hahnreie, die es aus Rache werden; das heißt, wer einen Herrn, einen Edelmann oder einen andern haßt, von dem er irgendeinen Verdruß oder Beschimpfungen erlitten hat, der rächt sich an ihm, indem er mit seiner Frau liebelt, sie verführt und ihn zum feinen Hahnrei macht.

Ich kannte einen großen Prinzen, den ein ihm untergebener großer Herr Zeichen der Auflehnung spüren ließ; er konnte sich nicht an ihm rächen, weil ihn der Untergebene floh, so sehr er konnte, so daß er ihn nirgends erwischen konnte. Als eines Tages seine Frau an den Hof kam, um wegen der Angelegenheit ihres Gatten und wegen des Einvernehmens mit ihm vorstellig zu werden, bestimmte ihr der Prinz in einem Garten und einem Zimmer darin einen Tag, um mit ihr zu unterhandeln; es geschah jedoch, um ihr von Liebe zu reden, und er gewann sie sehr leicht und im Augenblick ohne großen Widerstand; denn die Frau war sehr gutmütig und zuvorkommend; er begnügte sich aber nicht damit, sie zu lieben, sondern er gab sie noch anderen preis, bis zu den Kammerdienern hinunter. Daher sagte der Prinz, er hielte sich in seiner Sache für sehr gerächt, da er ihm also die Frau verführt und seinen Kopf mit einer schönen Hörnerkrone gekrönt habe, daß er einen kleinen König und Souverän spielen wollte; anstatt eine LilienkroneWahrscheinlich eine Anspielung auf Heinrich von Lothringen, Herzog von Guise, auch Heinrich Balafré genannt, der mit der Ligue und seinem karolingischem Stammbaum Heinrich III. gehörig zusetzte. Balafré wurde auf der Ständeversammlung von Blois ermordet. zu tragen, müsse man ihm eine schöne aus Hörnern geben.

Derselbe Fürst vollbrachte etwas Ähnliches auf den Rat seiner Mutter; er genoß eine junge Prinzessin, von der er wußte, daß sie einen Prinzen heiraten sollte, der ihm argen Verdruß bereitet und den Staat seines Bruders stark beunruhigt hatte: er entjungferte sie, genoß sie wacker, und zwei Monate darauf wurde sie besagtem Prinzen als vorgebliche Jungfer zur Frau gegeben; diese Rache schmeckte sehr süß, auch als Vorläuferin einer noch roheren, die später nachfolgte.Wenn hier auf die Bartholomäusnacht angespielt ist, kann wohl von Margarete von Valois, ihrem Bruder, dem Herzog von Anjou, und dem König von Navarra die Rede sein.

Ich kannte einen sehr ehrbaren Edelmann, der einer schönen Dame von guter Herkunft diente und von ihr die Belohnung für seine Dienste und Liebesleistungen verlangte; sie antwortete ihm freimütig, sie gäbe sie ihm nicht: der Zweideutigkeit halber; denn sie sei überzeugt, er liebe sie nicht so sehr darum, und er schenke ihr seine Zuneigung nicht so sehr wegen ihrer Schönheit, wie er sage, sondern er wolle sich durch ihren Besitz an ihrem Gemahl rächen, der ihm irgend etwas angetan habe; daher wolle er nur diese Genugtuung für seine Seele haben und sich nachher damit brüsten; der Edelmann aber versicherte ihr das Gegenteil und diente ihr noch länger als zwei Jahre mit solcher Treue und so heißer Liebe, daß sie ihm in vollkommener Überzeugung bewilligte, was sie ihm stets verweigert hatte, indem sie ihm versicherte, wäre sie am Anfang ihres Liebesverhältnisses nicht der Meinung gewesen, er beabsichtige eine Rache damit, so hätte sie ihm von vornherein ihre Gunst gewährt; denn ihr Naturell war sehr zur Liebe geneigt. Diese Dame verstand es sehr gut, sich zu beherrschen, so daß die Leidenschaft sie nicht zu dem hinriß, was sie am meisten wünschte. Nicht aus bloßer Rachsucht wollte sie geliebt sein, sondern um ihrer selbst willen.

Der verstorbene Herr von Gua, einer der feinsten und vollendetsten Edelleute auf der Welt, lud mich eines Tags bei Hofe ein, mit ihm zu speisen. Er hatte ein Dutzend der gelehrtesten Männer am Hofe versammelt, unter anderen den Herrn Bischof von Dol, aus dem Hause Epinay in der Bretagne, die Herren von Ronsard, von Baïf, Des Portes, d'Aubigny (letztere beiden sind noch am Leben und können mich also dementieren), und noch andere, die mir nicht einfallen; Soldaten gab es nur Herrn de Gua und mich darunter. Während des Essens plauderte man von der Liebe, von ihren Annehmlichkeiten und Unannehmlichkeiten, von den Freuden und Leiden, von dem Guten und Bösen, das ihr Genuß im Gefolge hätte, und nachdem jeder seine Meinung über das eine wie über das andere gesagt hatte, schloß Herr von Gua, das höchste Glück dieses Genusses läge in jener Rache, und bat eine jede dieser großen Persönlichkeiten, ein vierzeiliges Impromptu darüber zu machen; was sie denn auch taten. Ich hätte sie gern hier eingefügt, wenn ich sie hätte, der Herr von Dol, der Gold schrieb und redete, trug über alle den Preis davon.

Herr von Gua hatte sicherlich Veranlassung, diese Ansicht zu äußern, zumal in bezug auf zwei große, mir bekannte Herren, denen er wegen ihrer Mißgunst gegen ihn Hörner angeheftet hatte; ihre Frauen waren sehr schön; so hatte er also ein doppeltes Vergnügen, Rache und Befriedigung. Ich kannte eine Menge Leute, die sich dermaßen rächten und ergötzten und jener Ansicht waren.

Ich kannte auch schöne und ehrbare Damen, die fest versicherten, wenn ihre Ehemänner sie schlecht behandelten, hart anführen, schölten oder straften, schlügen oder ihnen andere Bosheiten und Beschimpfungen zufügten, bestände ihr größtes Ergötzen darin, ihnen Hörner anzusetzen, und indem sie das täten, dächten sie an sie, sie stichelten sie, indem sie sich über sie lustig machten und mit ihren Freunden über sie lachten, und gingen so weit, zu sagen, sie empfänden dabei mehr Begierden und eine größere Verzückung, als sich sagen ließe.

Ich hörte von einer schönen und ehrbaren Dame, die einmal gefragt wurde, ob sie ihren Gatten je zum Hahnrei gemacht habe; sie antwortete: »Warum hätte ich es tun sollen, da er mich ja doch nie geschlagen oder bedroht hat?« Damit wollte sie sagen, hätte er eins von beiden getan, so hätte sie sich alsbald mit ihrem Vorderteil gerächt.

Was den Spott anlangt, so kannte ich eine sehr ehrbare und schöne Dame, der folgendes passierte: Als sie in jenen süßen Aufregungen der Lust lag und die süßen Wogen des Entzückens und Behagens mit ihrem Freund über sich ergehen ließ, zerbrach ein Ohrgehänge in Gestalt eines Füllhorns, aus schwarzem Stein bloß, wie man sie damals trug, infolge der Gewalt, mit der sie sich tummelten, verschlangen und miteinander schäkerten. Sie sagte sogleich zu ihrem Freund: »Sieh nur, welche Voraussicht die Natur bewährt! Für ein Horn, das ich zerbreche, mache ich hier meinem armen, gehörnten Gemahl ein Dutzend andere, daß er sich einmal zu einem schönen Fest herausputzen kann, wenn er will.«

Eine andere, deren Gemahl bereits schlief, besuchte ihren Freund, bevor sie sich selbst zu Bett begab; wie er sie fragte, wo ihr Gatte wäre, antwortete sie ihm: »Er bewacht das Bett und das Kuckucksnest, aus Furcht, es legt ein anderer hinein aber du verlangst ja gar nicht nach seinem Bett und nach seinem Nest, sondern nach mir, die zu dir zu Besuch kommt; ich hab' ihn als Schildwache dagelassen, wenn er auch tüchtig eingeschlafen ist.«

Da ich gerade von Schildwache rede, so hörte ich über einen angesehenen Edelmann, den ich kannte, eine Geschichte erzählen; als er eines Tages mit einer sehr ehrbaren Dame, die ich ebenfalls kannte, in Streit geriet, fragte er sie auf beleidigende Weise, ob sie je nach Sankt Maturin gewallfahrtNach St. Maturin wallfahren, heißt liebestoll sein, sich prostituieren; man pilgerte nämlich zu diesem Heiligen, um sich von der Fleischeslust heilen zu lassen. sei. »Ja,« sagte sie, »aber ich konnte niemals in die Kirche kommen, denn sie war voll und von Hahnreien so stark bewacht, daß sie mich nie hineinließen; und Ihr, einer der Hauptteilnehmer, Ihr standet am Glockenturm, um die Schildwache zu machen und die anderen zu benachrichtigen.«

Ich könnte noch tausend andere Spöttereien erzählen, aber ich würde kein Ende finden; hoffentlich kann ich an irgendeiner Ecke dieses Buches davon reden.

Es gibt auch Hahnreie, die gutmütig sind, die sich von selbst zu diesem Fest der Hahnreischaft einladen: so kannte ich ein paar, die zu ihren Frauen sagten: »Der und der ist verliebt in dich, ich kenne ihn gut, er kommt häufig zu Besuch, aber nur aus Liebe zu dir, mein Schatz. Sei recht freundlich zu ihm; er kann uns viel Freude machen; seine Bekanntschaft kann uns viel nützen!«

Andre sagen manchen Liebhabern: »Meine Frau ist in Euch verliebt, sie liebt Euch; besucht sie, Ihr werdet ihr ein Vergnügen machen; ihr plaudert und unterhaltet euch miteinander und vertreibt euch die Zeit.« So laden sie die Leute auf ihre eignen Kosten ein, wie es zum Beispiel auch der Kaiser Hadrian machte: Als er einmal in England Krieg führte (so steht in seiner Lebensgeschichte), wurde ihm verschiedentlich mitgeteilt, wie seine Frau, Kaiserin Sabina, mit allen in Rom Zurückgebliebenen, mit einer Unmenge galanter römischer Edelleute liebelte; sie hatte aus Rom an einen jungen römischen Edelmann, der mit dem Kaiser in England war, einen Brief geschrieben, in dem sie sich beklagte, daß er sie vergessen habe; daß er sich nichts mehr aus ihr mache, sie könne es doch nicht glauben, daß er da drüben ein paar Liebschaften angebändelt habe, irgendein kleiner Zieraffe hätte ihn wohl in den Netzen seiner Schönheit gefangen. Dieser Brief fiel durch Zufall Hadrian in die Hände, und als jener Edelmann ein paar Tage später den Kaiser unter dem Vorwand um Urlaub bat, häusliche Angelegenheiten ordnen und rasch nach Rom gehen zu wollen, sagte Hadrian scherzend zu ihm: »Na, junger Mann, geht nur dreist; denn meine Frau, die Kaiserin, erwartet Euch in voller Sehnsucht.« Als dies der Römer vernahm und merkte, daß der Kaiser das Geheimnis entdeckt habe und ihm darum übel mitspielen könne, entrann er in der Nacht darauf ohne Abschied oder Ansage und entfloh nach Irland.

Er brauchte deswegen keine große Angst zu haben; der Kaiser war jederzeit von den Liebesausschweifungen seiner Frau unterrichtet und sagte selbst häufig: »Gewiß, wenn ich nicht Kaiser wäre, hätte ich mich meiner Frau bald entledigt, aber ich will kein schlechtes Beispiel geben.« Er wollte damit sagen, daß den Großen nichts daran liegt, wenn sie in der Lage sind, wenn es nur nicht ruchbar wird. Was für eine Maxime aber ist das für die Großen! Manche darunter haben danach gehandelt, aber nicht aus solchen Gründen! So leistete der Kaiser den artigsten Beistand, sich zum Hahnrei zu machen.

Des guten Mark Aurel Frau Faustina war eine tüchtige Hure; man riet ihm, sie davonzujagen, und er antwortete: »Wenn wir sie aufgeben, müssen wir auch ihr Leibgeding aufgeben, das Imperium.« Und wer möchte für einen solchen Schatz, und wenn er noch geringer wäre, nicht auch Hahnrei sein? Sein Sohn Antonius Verus, genannt Commodus, sagte, obwohl er sehr grausam war, das gleiche zu jenen, die ihm rieten, seine Mutter, die besagte Faustina, umzubringen; sie war so toll verliebt und hitzig hinter einem Gladiator her, daß ihr diese Geilheit nie auszutreiben war, bis man endlich den schurkischen Gladiator umbringen und sie sein Blut trinken ließ.

Eine Menge Ehemänner haben es so gemacht und machen es so, wie jener gute Mark Aurel; sie fürchten sich davor, ihre liederlichen Frauen umzubringen, weil sie fürchten, die großen Besitztümer zu verlieren, die ihre Mitgift war, sie wollen lieber reiche Hahnreie sein als arme Teufel. Mein Gott! Was kannte ich doch verschiedentliche Hahnreie, die unaufhörlich ihre Verwandten, ihre Freunde und Kollegen einluden, ihre Frauen zu besuchen, und sogar Feste veranstalteten, um sie besser herbeizuziehen; waren sie dort, ließen sie sie allein in ihren Kammern, Kabinetten, entfernten sich und sagten zu ihnen: »Ich lasse meine Frau in Eurer Obhut.«

Ich kannte einen Herrn von da und da, von dem meinte man, es bildete sein ganzes Glück und seine ganze Befriedigung, Hahnrei zu sein; er bemühte sich, die Gelegenheiten dazu ausfindig zu machen, und fing immer gleich an: »Meine Frau ist in Euch verliebt! Liebt Ihr sie ebensosehr, wie sie Euch?« Und wann er seine Frau mit ihrem Anbeter beisammen sah, führte er sehr häufig die Gesellschaft aus dem Zimmer, um spazieren zu gehn, indem er sie beieinanderließ und ihnen gute Muße gab, ihre Liebelei zu betreiben. Und wenn er zufällig wieder rasch ins Zimmer zurückkehren mußte, schrie er schon am Fuß der Treppe, fragte nach jemand, räusperte sich, hustete, damit er die Liebesleute nicht auf der Tat ertappe; denn selbstverständlich ist dieser Anblick und diese Uberraschung, auch wenn man sie weiß und ahnt, beiden Teilen wenig erfreulich. Dieser Herr ließ auch eines Tages ein schönes Haus bauen, und als ihn der Maurermeister fragte, ob er es nicht mit einem Kranzgesims (corniche) verzieren wolle, antwortete er: »Ich weiß nicht, was Hörner sind (cornices); fragt meine Frau, die weiß es und kennt sich in der Geometrie aus; was sie sagt, das macht.«Hier liegt eines jener Wortspiele Brantômes vor, deren Sinn man nur wiedergeben kann, wenn man den Wortwitz zerstört. Es geht dann allemal auf Kosten des Witzes, das ist aber leider nicht zu ändern.

Weit schlimmer hatte es ein anderer; als er eines Tages eins seiner Grundstücke an einen anderen für 50000 Taler verkaufte, bekam er dafür 45000 Taler in Gold und Silber, für die fünf übrigen die Zinke eines Einhorns. Darüber entstand bei den Eingeweihten ein großes Gelächter: »Wie wenn er,« sagten sie, »nicht schon genug Hörner zu Hause hätte, daß er sich auch das noch zulegt.«

Ich kannte einen sehr großen, wackern und tapfern Herrn, der zu einem ehrbaren Edelmann, als er seine Aufwartung machte, unter Lachen sagte: »Herr Soundso, ich weiß nicht, was Ihr mit meiner Frau gemacht habt, aber sie ist so verliebt in Euch, daß sie mir Tag und Nacht bloß von Euch spricht und mir unaufhörlich Euer Lob singt. Ich gebe ihr jedesmal zur Antwort, daß ich Euch viel früher kannte als sie und von Eurer Tüchtigkeit und Euren großen Verdiensten unterrichtet bin.« Wer war erstaunt? Der Edelmann; denn er hatte die Dame soeben am Arm zur Vesper geführt, die auch die Königin besuchte. Trotzdem gewann er seine Sicherheit sofort wieder und sagte: »Mein Herr, ich bin der ergebenste Diener Eurer Frau Gemahlin und ihr für die gute Meinung, die sie von mir hat, sehr verbunden, ich ehre sie sehr; aber verliebt bin ich nicht in sie«, sagte er schalkhaft; »ich mache ihr vielmehr den Hof auf den guten Rat hin, den ihr mir kürzlich gabt, weil sie bei meiner Herrin viel vermag und ich sie durch ihre Vermittelung heiraten kann; daher hoffe ich, daß sie mir dabei behilflich sein wird.«

Der Prinz lachte nur dazu und ermahnte den Edelmann, seiner Frau mehr wie bisher den Hof zu machen; der tat es denn sehr erfreut unter dem Vorwand, einer so schönen Dame und Prinzessin zu dienen; sie brachte ihn rasch dazu, die andre Geliebte, die er heiraten wollte, zu vergessen, und er brauchte sich auch kaum Sorge zu machen, da der Vorwand alles bemäntelte und verdeckte. Dennoch konnte er es nicht vermeiden, daß der Prinz eines Tages eifersüchtig wurde, als er sah, daß der Edelmann im Zimmer der Königin ein blaßrotes spanisches Band trug, das bei Hof das neueste war; nachdem er es berührt und befühlt hatte, indem er mit ihm plauderte, suchte er seine Frau auf, die in der Nähe des Bettes der Königin stand; sie trug ein ganz gleiches, er berührte und befühlte es ganz ebenso und fand, daß es ganz dem andern glich und vom gleichen Stück war: er ließ sich aber niemals etwas davon merken, und es geschah nichts weiter. Bei solchen Liebschaften muß man das Feuer mit der Asche der Verschwiegenheit und der guten Meinungen bedecken, damit es sich nicht verraten kann; denn sehr häufig erzürnt ein öffentlicher Skandal die Ehemänner mehr gegen ihre Frauen, als wenn sich alles im geheimen vollzieht nach dem Sprichwort: Si non caste, tamen caute.

Was für Skandale und Übelstände habe ich doch aus den Indiskretionen sowohl der Damen wie ihrer Liebhaber kommen sehn! Ihre Männer kümmerten sich nicht im geringsten darum, wofern sie nur ihre Sache sotto coperte machten, wie man sagt, und es nicht verbreitet wurde. Ich kannte eine, die ihre Liebe und ihre Gunstbeweise so plötzlich offenbar machte, daß sie abreiste, als hätte sie keinen Gemahl gehabt und als unterstünde sie keiner Macht; auf den Rat ihrer Freunde und Diener, die ihr die daraus entspringenden Unannehmlichkeiten vorstellten, hörte sie nicht; es ist ihr auch sehr schlecht bekommen.

Diese Dame hat es nie so gemacht wie verschiedene andere; diese taten sich an der Liebe gütlich und bereiteten sich die schönsten Stunden, ohne der Welt davon bedeutend Kenntnis zu geben, außer irgendeinen leichten Verdacht, der auch den Scharfsinnigsten nicht die Wahrheit enthüllte; denn sie verhielten sich mit ihren Liebhabern vor der Welt so korrekt, unterhielten sich mit ihnen so gewandt, daß weder ihre Männer, noch deren Spione an ihrem Leben etwas zu kritisieren fanden. Gingen ihre Liebhaber auf irgendeine Reise oder starben sie, so verbargen und verdeckten sie ihren Schmerz so klug, daß nichts daraus zu erkennen war.

Ich kannte eine schöne und ehrbare Dame, die am Tage, an dem ihr Liebhaber, ein großer Herr, starb, mit ebenso fröhlichem und lachendem Gesicht im Zimmer der Königin erschien, wie am Tag vorher. Manche achteten sie um dieser Verschwiegenheit willen, und weil sie es aus Furcht machte, den König zu ärgern und zu erzürnen, der den Heimgegangenen nicht liebte. Andere tadelten sie und legten ihr Verhalten als Lieblosigkeit aus und sagten, echte Liebe könne sie kaum empfinden, genau wie alle jene, die sich diesem Leben überlassen.

Ich kannte zwei schöne ehrbare Damen, die ihre Liebhaber im Kriege verloren und darum lauten Jammer und Klage aufschlugen; sie gaben ihre Trauer an ihren braunen Kleidern kund, mehr noch an Weihwasserkesseln, an goldenen gravierten Weihwedeln, an Totenköpfen und Todestrophäen jeder Gattung auf ihren Flittern, Juwelen und Armbändern; sie gaben damit argen Anstoß, und es schadete ihnen sehr; ihre Männer kümmerten sich nicht darum.

Solcher Art tragen diese Damen ihre Liebe offen zur Schau, man muß sie indessen wegen ihrer Beständigkeit loben und preisen, nicht wegen ihrer Verschwiegenheit; denn das bekommt ihnen sehr übel. Sind solche Damen tadelnswert, so verdienen auch viele ihrer Liebhaber einen Verweis ebenso sehr wie sie; denn sie gebärden sich wie ein Ziege im Wochenbett und seufzen; sie heften ihre Augen auf sie und schmachten sie mit ihren Blicken an; sie legen ein leidenschaftliches Gebaren an den Tag, schmücken sich ganz offenkundig mit den Farben ihrer Damen; kurz, sie begehen so viel dumme Indiskretionen, daß es die Bünden bemerken müßten; das machten sie, ob es nun wahr war oder nicht, um einem ganzen Hof zu verstehen zu geben, daß sie in etwas Feines verliebt sind und Glück haben. Und Gott weiß! es ist möglich, man gäbe ihnen keinen Heller zum Almosen, und ginge einem auch der Lohn der Barmherzigkeit verloren.

Ich kannte einen Edelmann und Herrn, der es der Welt kundmachen wollte, daß er sich in eine schöne und ehrbare Dame (die ich kenne) verliebt hatte; er ließ eines Tages sein kleines Maultier mit zween seiner Lakaien und Pagen vor ihrer Türe halten. Zufällig kamen Herr von StrozziStrozzi war von der Königinmutter Katharina von Medici aus Florenz mitgebracht worden; er war am Hofe äußerst beliebt. und ich vorbei und sahen dieses Maulesel-, Pagen-, Lakaien-Mysterium. Er fragte sie rasch, wo ihr Herr wäre; sie antworteten: »In der Wohnung dieser Dame.« Darauf begann Herr von Strozzi zu lachen und sagte mir, er verwette sein Leben, er sei nicht drin. Rasch stellte er seinen Pagen als Schildwache auf, um zu beobachten, ob der falsche Liebhaber herauskäme; von hier gingen wir schnell ins Zimmer der Königin, wo wir ihn zu unserer größten Belustigung fanden. Am Abend gesellten wir uns zu ihm, stellten uns, als neckten wir ihn, und fragten ihn, wo er zu der und der Stunde am Nachmittag gewesen wäre, er könne sich nicht reinwaschen; denn wir hätten das Maultier und seine Pagen vor der Tür jener Dame gesehen. Er stellte sich, als ärgere es ihn, daß wir dies gesehen hätten, und als wir ihn damit neckten, daß er so vorzüglich verliebt sei, gestand er uns wahrhaftig, daß er dort war; er bat uns aber, nichts davon merken zu lassen, sonst brächten wir ihn und jene arme Dame in Verlegenheit, und sie würde dann arge Unannehmlichkeiten haben und von ihrem Manne übel angesehen werden: wir versprachen ihm (indem wir aus vollem Halse lachten und uns über ihn lächerlich machten, obgleich er ein ziemlich großer und angesehener Herr war), nie darüber zu reden und kein Wort darüber aus unserem Mund zu verlieren. Als er aber nach einigen Tagen dieses falsche Spiel mit seinem Maultier gar zu oft wiederholte, deckten wir seine Gaunerei auf und warfen sie ihm mit Absicht und unter guten Kameraden vor; aus Scham darüber ließ er ab; denn durch uns erfuhr es die Dame, die eines Tags dem Maultier und den Pagen auflauern und sie wie Bettler von ihrer Tür wegjagen ließ. Wir machten es noch besser; denn wir sagten es ihrem Gatten und erzählten ihm die Geschichte auf so lustige Weise, daß er sie gut fand und selbst behaglich darüber lachte; er sagte, er habe keine Furcht, daß dieser Mensch ihn je zum Hahnrei mache; und wenn sich das besagte Maultier und die Pagen vor der Tür nicht behaglich fühlten, würde er sie ihnen öffnen und sie eintreten lassen, damit sie sich geschützter und bequemer aufstellen könnten und sich vor Hitze oder Kälte oder vor dem Regen schützten. Andere machten ihn jedoch sehr zum Hahnrei. So wollte sich jener gute Herr auf Kosten einer ehrbaren Dame überheben, ohne Scheu vor einem Skandal.

Ich kannte einen Edelmann, der durch seine Machenschaften eine sehr schöne und ehrbare Dame ins Verderben brachte; er war eine Zeitlang sehr in sie verliebt und bedrängte sie, jenen guten kleinen Bissen zu bekommen, der dem Munde des Gemahls vorbehalten ist; sie verweigerte es ihm durchaus; nach mehreren Weigerungen sagte er zu ihr gleichsam verzweifelt: »Nun gut! Ihr wollt es nicht, und ich schwöre Euch, ich werde Eure Ehre vernichten.« Um das zu bewerkstelligen, machte er in dem Hause, wo sie wohnte, häufig heimliche Besuche, die indessen nicht so geheim waren, daß er sich nicht verschiedenen bei seinem Kommen und Gehen absichtlich zeigte; er fand Mittel, sich Tag und Nacht in ihrem Hause bemerklich zu machen; unter der Hand rühmte er dann sein vorgetäuschtes Glück, brüstete sich damit und suchte die Dame vor aller Welt mit mehr Vertraulichkeit, als er dazu wirklich berechtigt war, wie er auch unter seinen Genossen fälschlich den Galan spielte, während es gar nicht wahr war; ja, eines Abends kam er sogar sehr spät ganz eingehüllt in seinen Mantel in die Kammer jener Dame und verbarg sich vor den Hausbewohnern; nachdem er verschiedene solche Streiche gespielt hatte, schöpfte der Hausmeister Verdacht und ließ ihm auflauern; als er ihn nicht finden konnte, schlug trotzdem der Gatte seine Frau und gab ihr ein paar Ohrfeigen; als ihn aber der Hausmeister noch antrieb und sagte, das sei noch nicht genug, erdolchte er sie, wofür ihn der König seiner lebhaftesten Gnade versicherte. Um die Dame war es sehr schade; denn sie war sehr schön. Der Edelmann, der schuld war, brachte es aber nicht sehr weit, mit dem Willen Gottes wurde er in einem Gefecht getötet, weil er dieser ehrbaren Dame Ehre und Leben so ungerecht genommen hatte.

Um über dieses Beispiel und eine Menge anderer, die ich erlebte, die Wahrheit zu sagen, gibt es Damen, die selbst sehr unrecht haben und die selbst die Ursache ihrer Skandale und ihrer Unehre sind; denn sie führen die Scharmützel selbst herbei und ziehen die Galane an; im Anfang tun sie ihnen schön und nehmen sich allerlei Vertraulichkeiten, Freiheiten heraus, geben ihnen mit ihren süßen Reizen und schönen Worten Hoffnung; wenn es aber gilt, zur Sache zu kommen, widerrufen sie alles durchaus; so daß die ehrbaren Männer, die sich doch viel leibliche Wonnen versprechen durften, darüber verzweifeln und zornig werden, sich roh von ihnen verabschieden, sie verunehren und als die größten Huren von der Welt ausschreien; und dabei machen sie die Sache hundertmal schlimmer, als sie ist. Daher darf sich eine ehrbare Dame niemals beifallen lassen, einen Galan an sich zu locken und sich von ihm bedienen zu lassen, wenn sie ihn nicht zuletzt seiner Würdigkeit und seinen Diensten entsprechend befriedigt. Das muß sie bedenken, wenn sie nicht zugrunde gerichtet sein will, selbst wenn sie mit einem ehrbaren und feinen Mann zu tun hat: sonst muß sie ihn von Anfang an, wo er sich ihr nähert, und wo sie sieht, seine ganze Sehnsucht gilt dem Punkt, auf den er seine Wünsche lenkt, wofern sie keine Lust hat, es ihm zu gewähren, schon beim Eintritt in die Wohnung wieder verabschieden; denn um freimütig darüber zu reden: alle Damen, die sich lieben und bedienen lassen, verpflichten sich derartig, daß sie den Zweikampf nicht mehr abschlagen können; sie müssen früher oder später doch dahin kommen, wie lange es auch dauern mag. Es gibt jedoch Damen, denen es Vergnügen macht, sich für weiter nichts als um ihrer schönen Augen willen den Hof machen zu lassen; sie sagen, sie wünschen umworben zu werden, das sei ihr Glück, weiter gingen sie nicht; sie sagen, sie fänden ihr Vergnügen im Wunsch, nicht in der Erfüllung. Ich traf manche, die es mir sagte; trotz alledem müssen sie ihm Befriedigung gewähren; denn wenn sie sich einmal dazu herbeilassen, zu wünschen, müssen sie ohne Zweifel auch zur Erfüllung schreiten; so will es das Gesetz der Liebe; jede Dame müßte so handeln, die es ersehnt, wünscht oder von einem Manne träumt. Wenn der Mann es versteht und die Angreiferin fest verfolgt, wird er Bein und Flügel, Haar und Feder von ihr haben, wie man sagt.

So werden also die armen Ehemänner zu Hahnreien durch die Schuld ihrer Damen, die wohl wünschen, aber nichts ausführen; ohne aber daran zu denken, verbrennen sie sich am Licht, oder vielmehr am Feuer, das sie selbst angelegt haben, wie es jene armen einfältigen Schäferinnen machen, die, um sich auf dem Felde beim Hüten ihrer Hammel und Schafe zu wärmen, ein kleines Feuer anzünden, ohne sich dabei etwas Böses zu denken; aber sie geben nicht darauf acht, und dann entzündet dieses kleine Feuer zuweilen ein so großes, daß es ein ganzes Land von Heide und Buschholz verbrennt.

Um weise zu werden, sollten sich diese Damen ein Beispiel an der Gräfin von Escaldasor in Pavia nehmen; Herr von Lescu, der später zum Marschall von Foix ernannt wurde, damals Student in Pavia (man nannte ihn den Protonotar de Foix,Über den Protonotar von Foix berichtet Brantôme im XXVI. Gespräch seiner Capitaines français. weil er der Kirche geweiht war; später aber gab er doch die lange Robe auf und griff nach den Waffen), war verliebt in jene schöne Dame, weil sie damals den Preis der Schönheit über alle Schönen der Lombardei davontrug; sie sah sich umworben, wollte ihn aber nicht auf verletzende Art abweisen und ihn auch nicht verabschieden; denn er war ein naher Verwandter jenes großen Gaston de Foix, des Herrn von Nemours,Nemours war Neffe Ludwigs XII. und Statthalter von Mailand. Er war 23 Jahre alt, als er nach einem Sieg in Pavia starb. vor dessen großem Namen damals ganz Italien zitterte. Als einmal zu Pavia ein großes Prunkfest stattfand, zu dem sich alle großen Damen, dazu die schönsten der Stadt und der Umgebung, mit den ehrbaren Edelleuten zusammenfanden, erschien die Gräfin, schön unter allen anderen, prachtvoll gekleidet in eine Robe von himmelblauem Atlas, die ganz bedeckt und besät war, im Füllstich wie Umrissen, mit Flammen und Schmetterlingen, die darum herumflatterten und sich darin verbrannten; alles in Gold- und Silberstickerei, wie denn auch niemand so schöne Stickereien herstellen konnte, als die guten Sticker von Mailand; sie trug daher auch vor der ganzen Gesellschaft den Preis davon.

Als der Herr Protonotar de Foix sie zum Tanze führte, war er begierig, sie nach der Bedeutung der Sinnbilder auf ihrem Kleide zu fragen, indem er vermutete, es sei ein geheimer Sinn darunter verborgen, der ihm mißfallen könne. Sie antwortete ihm: »Mein Herr, ich habe mir mein Kleid so machen lassen, wie es die Gendarmen und Reiter mit ihren zänkischen und fehlerhaften Pferden machen, die stampfen und hinten ausschlagen; sie setzen ihnen eine große silberne Klingel auf die Kruppe, damit durch dieses Signal den anderen, wenn sie sich in Gesellschaft und in einem Haufen befinden, bekannt wird, sich vor diesem bösen Pferd, das ausschlägt und von dem sie nicht getroffen sein wollen, in acht zu nehmen. Ähnlich warne ich mit den flatternden Schmetterlingen, die sich in den Flammen verbrennen, die ehrbaren Leute, die so gütig sind, mich zu lieben und meine Schönheit zu bewundern, mir nicht allzu nahe zu kommen und auch nichts anderes mehr zu wünschen wie den Anblick; sie gewinnen dabei nichts, genau wie die Schmetterlinge, sie verlangen nur und verbrennen und haben weiter nichts davon.« Diese Geschichte steht in den Gesprächen des Paolo Jovio. Auf diese Weise gab die Dame ihrem Anbeter zu verstehen, sich rechtzeitig in acht zu nehmen. Ich weiß nicht, ob er sich ihr noch mehr näherte, oder wie er es machte; er bat aber trotzdem, als er in der Schlacht von Pavia auf den Tod verwundet und gefangen genommen worden war, zu dieser Gräfin in ihre Wohnung nach Pavia gebracht zu werden, wo er von ihr sehr gut aufgenommen und gepflegt wurde. Nach drei Tagen starb er, zur großen Betrübnis der Dame; so hörte ich es Herrn von MontlucMontluc war Generalstatthalter der Guyenne. Er hat Memoiren hinterlassen: Ein Metzger und ein Fanatiker. erzählen, als wir einmal im Laufgraben vor La Rochelle lagen, zu nächtlicher Weile, als er plauderte und ich ihm von jenen Symbolen erzählte; er versicherte mir, er habe die überaus schöne Gräfin gesehen, sie liebte besagten Marschall sehr, und er wurde auf höchst ehrenvolle Weise von ihr gepflegt; übrigens wußte er nicht, ob sie ein anderes Mal noch weiter gegangen waren. Dieses Beispiel dürfte im Hinblick auf verschiedene Damen, die ich anführte, genügen.

Nun gibt es noch Hahnreie, die sind so gutmütig, daß sie ihren Frauen durch gute und fromme Leute Vorhaltungen machen und sie zur Besserung und Bekehrung ermahnen lassen; dann heucheln sie Tränen und heucheln Worte, sie tun große Gelübde und versprechen goldene Berge an Reue, es niemals wieder zu tun; aber ihr Eid hält nicht lange vor; denn die Gelübde und Tränen solcher Damen sind nicht mehr wert als die Schwüre und Ableugnungen Verliebter, wie ich deren gesehen habe. Ich kannte eine große Dame, der ein großer Fürst, ihr Souverän, den Schabernack spielte, einen Franziskaner anzustellen, der ihren seines Amtes halber in einer Provinz weilenden Gemahl aufsuchen sollte, als käme er selbst vom Hofe her, um ihn von den tollen Liebschaften seiner Frau zu benachrichtigen und von dem bösen Gerücht, das über das ihm von ihr zugefügte Unrecht im Umlauf wäre; er solle sie an die Pflichten ihres Standes und Alleinseins rechtzeitig erinnern und die sündige Seele wieder zur Ordnung rufen. Der Gatte war über solche Botschaft und solch süßen Liebesdienst sehr verblüfft; er bedankte sich jedoch nur dafür und gab ihm Hoffnung, dafür Sorge tragen zu wollen; aber er behandelte darum seine Frau nach seiner Rückkehr nicht schlechter; denn was hätte er dabei gewonnen? Wenn sich eine Frau einmal auf diese Bahn begeben hat, läßt sie sich nicht mehr davon abbringen; genau wie ein Postgaul, der sich so sehr an den Galopp gewöhnt hat, daß er ihn nicht mit einer andern Gangart tauschen könnte.

Ach, wieviel ehrbare Damen hat man schon gekannt, die auf der Tat ertappt, gescholten, geschlagen wurden; man überredete und ermahnte sie, mit Gewalt wie mit Milde, es nie wieder zu tun; sie versprechen es, schwören und beteuern, keusch zu werden, und dann handeln sie nach dem Sprichwort: passato il pericolo, gabbato il santo, und kehren toller denn vorher in den Liebeskrieg zurück; man kennt sogar verschiedene, die, irgendeinen nagenden Wurm in der Seele spürend, von selbst die heiligsten und feierlichsten Gelübde leisteten, sie aber nicht hielten, sondern bereuten, reumütig zu sein, wie Herr du Bellay Joachim du Bellay unter Franz I. von den reumütigen Kurtisanen sagt. Solche Frauen versichern, es sei sehr schwer, eine so süße Gewohnheit für nun und immerdar von sich abzutun, da sie ja doch nur so kurze Zeit auf der Welt seien.

Ich verweise dabei gern auch auf ein paar schöne Mädchen, die jung bereuend den Schleier nahmen und ins Kloster gingen, und auf das, was sie antworteten, wenn man sie auf Glauben und Gewissen fragte, und wie sie sehr oft wünschten, ihre hohen Mauern würden niedergeworfen, damit sie entfliehen könnten.

Daher sollten die Ehemänner, wenn ihre Frauen den ersten Fehltritt gegen ihre Ehre begangen haben, auf nichts anderes sinnen, um sie zu bändigen, als ihnen die Zügel zu lockern, und nur anempfehlen, verschwiegen zu sein und jeden Skandal zu vermeiden; denn alle Heilmittel der Liebe, die Ovid je gelehrt hat, und eine Unmenge noch feinere, die später erfunden wurden, oder sogar die erprobten von Meister François Rabelais, die er dem ehrwürdigen Panurg lehrte, sie würden zu nichts nütze sein; am allerbesten wär's, man verfährt nach dem Refrain eines alten Lieds, das aus der Zeit König Franz' I. stammt und ausgeht:

Qui voudroit garder qu'une femme
N'aille du tout à l'abandon
Il faudroit la fermer dans une pipe
Et en jouir par le bondon.

Wer sich davor bewahren will,
Daß sich eine Frau sich preisgibt,
Der sperre sie in eine Pfeife ein
Und rauche sie durchs Mundstück.

Zur Zeit König Heinrichs brachte ein gewisser Kurzwarenhändler ein Dutzend Maschinen auf die Messe von St. Germain, mit denen den Frauen der Geschlechtsteil beklammert werden konnte;Solche Ketten – Keuschheitsgürtel – waren schon in Venedig im Gebrauch. sie waren aus Eisen gefertigt, umgürteten wie ein Gürtel, ließen sich von unten anlegen und mit einem Schlüssel schließen; sie waren so fein gearbeitet, daß es der einmal damit gefesselten Frau nicht möglich war, sich damit die süße Lust zu verschaffen, da nur ein paar ganz kleine enge Löcher für den Harn vorhanden waren.

Man sagt, etwa fünf oder sechs eifersüchtige böse Ehemänner kauften sie und schlössen ihre Frauen damit so zu, daß sie wohl sagen konnten: »Adieu, gute Zeit.« Dennoch sann eine dieser Frauen darauf, sich an einen in seiner Kunst sehr geschickten Schlosser heranzumachen, sie zeigte ihm die besagte Maschine und sonst alles, und als ihr Gemahl ins Feld gerückt war, verlegte er sich so darauf, daß er ihr einen Nachschlüssel schmiedete, womit die Dame jederzeit öffnete und schloß, wann sie nur wollte. Der Gemahl erfuhr das niemals, sie aber weidete ihre Seele an dem schönen Vergnügen, trotz des Tropfes, des eifersüchtigen Hahnrei von Gemahl, der vermeinte, niemals drohe ihm die Hahnreischaft. Aber der schlimme Schlosser, der den Nachschlüssel machte, verdarb alles; nach dem, was man sagt, tat er freilich am besten; denn er war der erste, der davon kostete und ihn zum Bocke machte; es war auch keine Gefahr dabei; denn Venus, die schönste Frau und Hure von der Welt, hatte den Schmied und Schlosser Vulkan zum Gemahl, einen sehr gemeinen, schmutzigen, hinkenden und überaus häßlichen Kerl.

Man sagte weiter: viel feine ehrbare Edelleute am Hofe bedrohten den Eisenhändler dermaßen, daß sie ihn töten wollten, wenn er sich je wieder mit solchen Ausbesserungen befasse und mit den anderen wiederkäme, die er sich noch zurückbehalten hätte; das tat er; dann wurde nicht mehr davon geredet. Es war auch gut so; denn das genügte, um die halbe Welt zugrunde zu richten, weil sie nicht bevölkert werden könnte, da solche Schlösser, Fesselungen und Verschlüsse, diese abscheulichen und scheußlichen Feinde der menschlichen Vermehrung, es hindern.

Es gibt welche, die ihre Frauen Eunuchen in Obhut geben, was vom Kaiser Alexander Severus streng verboten wurde, indem er ihnen den strengsten Befehl gab, niemals mit den römischen Damen zu verkehren; sie wurden aber dabei erwischt; nicht, daß sie zeugten und die Frauen schwängerten, aber sie bekamen von ihnen Stimmungen und Vorahnungen leichter Lüste, Annäherungen sozusagen an das Vollkommene: Darum bekümmern sich manche Männer freilich nicht und sagen, ihr Hauptschmerz über den Ehebruch ihrer Frauen käme nicht daher, daß sie sich lieben ließen, sondern ihr höchster Ärger sei, Wesen, die sie nicht gemacht hätten, als Kinder ernähren, aufziehen und behalten zu müssen; denn ohne das wäre es ihre geringste Sorge; so kannte ich verschiedentliche, die sich ganz und gar nicht darum kümmerten, wenn sich nur die Erzeuger gutmütig und gefällig fanden, ihren Frauen eine gute Rente zu geben und sie zu unterhalten; ja sie rieten ihren Frauen, sie um eine Pension zu bitten, damit sie das Kleine, das sie ihnen gemacht hatten, nährten und unterhielten. So hörte ich von einer großen Dame erzählen, die Villeconnin erzeugte, ein Kind König Franz' I. Sie bat ihn, ihr vor seinem Tode für das Kind, das er ihr gemacht habe, etwas Vermögen zu geben oder anzuweisen, was er auch tat. Er wies ihm 200000 Taler bei der Bank an, die sich für ihn verzinsten und immer in den Interessen summierten, von einem Wechselkurs zum andern, so daß er, groß geworden, so großartige Ausgaben machte, einen so bedeutenden Aufwand trieb und verschwenderisch lebte, daß ein jeder darüber staunte, man vermutete, er besäße irgendeine Dame, von der man keine Ahnung hätte; an seine Mutter glaubte man keineswegs; aber da er mit ihr hauste, urteilte jeder, der große Aufwand, den er mache, rühre von ihrem Besitz her; dennoch war das Gegenteil wahr; denn sie war seine Mutter; das wußten aber nur wenige, da man seine Abstammung und Zeugung nicht kannte. Letztere enthüllte sich erst, als er in Konstantinopel starb und sein Heimfall, als der eines Bastards, dem Marschall von Retz verliehen wurde, der so schlau war, sehr zu seinem Nutzen die gute Beute zu entdecken; er legte seine Hand darauf, stellte die so lange verborgene Bastardschaft fest und empfing das Heimfallsgeschenk vorweg vor Herrn von Teligny, der von besagtem Villeconnin zum Erben bestimmt gewesen war.

Indessen sagten andere, die Dame hätte das Kind von einem andern gehabt als vom König; dieser Reichtum sei also ihr Eigentum gewesen; aber Herr de Retz forschte so lange bei den Banken nach, bis er das Geld und die Verschreibung des Königs Franz fand; einige redeten auch von einem andern Fürsten, der nicht so groß war wie der König, oder von einem noch Geringeren; um aber alles zu decken und das Kind sicherzustellen, war es nicht schlecht, alles auf die Majestät zu schieben, wie man's an anderen auch erlebt hat.

Ich glaube, es gibt überall auf der Welt und auch in Frankreich solche Frauen; wenn sie glauben dürften, um solchen Preis Kinder zu erzeugen, so könnten die Könige und die Großen ihnen leicht auf den Leib kommen; aber sehr oft lassen sie sich lieben und bekommen keine großen Bissen dafür; werden vielmehr sehr darum betrogen; denn so Großen geben sie sich nur hin, um das galardon zu bekommen, wie der Spanier sagt.

Über diese angeblichen und zweifelhaften Kinder ist eine sehr schöne Frage aufzuwerfen; nämlich: ob sie die väterlichen und mütterlichen Güter erben dürfen, und ob es eine große Sünde von den Frauen ist, sie erben zu lassen; die Frau müsse es dem Gemahl enthüllen und die Wahrheit sagen. So meint der Herr Professor Schlaukopf. Aber diese Ansicht ist nicht gut, sagen andere, weil die Frau in diesem Fall sich selbst beschimpfen würde, und dazu ist sie nicht verpflichtet; denn der gute Name ist ein größeres Gut als die zeitlichen Güter, sagt Salomo.

Es ist also besser, das Kind bekommt das Vermögen, als daß der gute Name verdorben wird; denn, wie ein Sprichwort sagt: mieux vaut bonne renammée que ceinture dorée.

Hieraus leiten die Theologen eine Maxime ab, die lautet: Wenn zwei Vorschriften und Gebote uns Pflichten auferlegen, so muß die schwächere der stärkeren weichen. Nun steht das Gebot, seinen guten Ruf zu bewahren, höher, wie jenes, das empfiehlt, das Gut anderer zurückzuerstatten; es muß also jenem wohl vorgezogen werden.

Weiter, wenn die Frau es ihrem Gatten entdeckt, so bringt sie sich in Gefahr, von ihm selbst getötet zu werden; es ist aber streng verboten, sich dem Tode in den Rachen zu werfen; genau wie es einer Frau verboten ist, sich zu töten, wenn sie Angst hat, vergewaltigt zu werden, oder nachdem sie vergewaltigt worden ist; sonst beginge sie eine Todsünde. Es ist sogar besser, sich vergewaltigen zu lassen, wenn man sich durch Fliehen oder Schreien nicht helfen kann, als daß man sich selbst tötet; denn die leibliche Schändung ist keine Sünde, außer wenn sie im Geiste mitgewollt wird. So antwortete die heilige Lucia dem Tyrannen, der ihr damit drohte, sie ins Bordell bringen zu lassen: »Wenn Ihr mich vergewaltigen laßt, wird meine Keuschheit zwiefach gekrönt werden.«

Aus diesem Grunde hat Lukretia bei manchen Achtung gefunden. Freilich würden die heilige Sabina und die heilige Sophoniena mit anderen christlichen Jungfrauen, die sich das Leben nahmen, um nicht in die Hände der Barbaren zu fallen, von unseren Kirchenvätern und Gelehrten für schuldlos erklärt, die sagten, sie seien irgendwie vom Heiligen Geist getrieben worden; in demselben Heiligen Geist legte ein erst jüngst Christin gewordenes cypriotisches Fräulein, als sie nach der Belagerung von Cypern mit mehreren anderen ähnlichen Damen als Beute der Türken weggeschleppt wurde, heimlich Feuer an das Pulver der Galeere, so daß in einem Augenblick alles in Flammen aufging und mit ihr verzehrt wurde, wobei sie sprach: »Wolle Gott nicht mehr, daß unser Leib von diesen gemeinen Türken und Sarazenen befleckt und entweiht werde!« Und Gott weiß, vielleicht war er schon geschändet, und sie wollte es also vergelten; oder ihr Herr hatte sie nicht berühren wollen, um mehr Geld aus ihr herauszuschlagen, indem er sie als Jungfrau verkaufte, wie man in jenen Ländern, wie auch in allen anderen, nach einem unberührten Bissen besonders lüstern ist.

Um nun wieder auf die Leibwache jener armen Frauen zurückzukommen, so begehen, wie ich schon sagte, die Eunuchen dennoch mit ihnen Ehebruch und machen ihre Gatten zu Hahnreien, immer allerdings abgesehen von der Zeugung.

Ich kannte zwei französische Frauen, die sich dazu hergaben, zwei kastrierte Edelleute zu lieben, um nicht schwanger zu werden; trotzdem hatten sie davon Vergnügen und gaben kein Ärgernis. Aber in der Türkei und Berberei gibt es so eifersüchtige Ehemänner, die, von diesem Betrug in Kenntnis gesetzt, ihre armen Sklaven ganz und gar kastrieren und sie glatt abschneiden lassen. Wie Kenner der Türkei sagen und schreiben, kommen von zwölfen, an denen sie die Grausamkeit ausüben, bloß zwei davon, ohne zu sterben; wer davonkommt, den lieben und verehren sie als wahren, sicheren und keuschen Hüter ihrer Frauen und als Bürgen ihrer Ehre.

Wir Christen üben diese gemeinen und allzu schauderhaften Grausamkeiten nicht; aber an Stelle jener Beschnittenen geben wir den Frauen sechzigjährige Greise zur Wache, wie es in Spanien und selbst am Hofe der Königinnen geschieht, wo ich sie als Hüter der Töchter, ihres Hofes und ihres Gefolges sah. Aber weiß Gott! es gibt Greise, die Mädchen und Frauen hundertmal mehr verderben können, als wie Jünglinge; die hundertmal brünstiger, erfinderischer und geschickter darin sind, sie zu gewinnen und zu verführen.

Ich glaube, solche Hüter sind, wenn sie auch an Haupt und Kinn weiße Haare tragen, nicht sicherer als junge; ebensowenig sind es aber auch die alten Frauen; so führte einmal eine alte spanische Hofmeisterin ihre Mädchen durch einen großen Saal, an dessen Wänden natürliche männliche Glieder sehr groß und übermenschlich gemalt waren, und sagte: »Mira que tan bravos no los pintan estos hombres, como quien no los conociese.«»Seht, wie deutlich diese Männer gemalt sind, als ob man sie nicht kennte.« Die Mädchen wandten sich zu ihr und nahmen ihre Belehrung entgegen, eine ausgenommen, die ich kannte, die sich dumm stellte und eine ihrer Gefährtinnen fragte, was für Vögel das wären; denn es waren ein paar darunter mit Flügeln bemalt. Sie bekam zur Antwort, das seien Vögel aus der Berberei, und die natürlichen seien noch schöner als die gemalten. Und Gott weiß, ob sie deren nie gesehen hatte; aber sie stellte sich wenigstens so.

Viele Ehemänner täuschen sich sehr oft über diese Bewachung; sie meinen, wofern ihre Frauen nur in den Händen von Alten seien (die von den Mädchen mit dem Ehrennamen Mutter genannt werden), so stünde ihr Schoß in bester Hut; gerade aber, wenn sie in dieser Hut sind, ist nichts leichter, als sie zu verführen und zu gewinnen; denn bei der habsüchtigen Natur, die ihnen innewohnt, nehmen sie mit allen Händen, um ihre Schutzbefohlenen zu verkaufen.

Andere wieder können nicht immer über jene jungen Frauen wachen, die stets Gehirnschmalz haben, und besonders, wenn sie verliebt sind; die meiste Zeit schlafen sie in einem Winkel am Kamin, und in ihrer Gegenwart werden die Hahnreie gehämmert, ohne daß sie darauf achtgäben oder etwas davon inne würden.

Ich kannte eine Dame, die einmal in Gegenwart ihrer Gouvernante liebte, und zwar so behutsam, daß diese es nie gewahr wurde. Eine andere machte es ebenso in Gegenwart ihres Gemahls, sozusagen vor seinen Augen, während er Karten spielte.

Andere alte Weiber haben schwache Beine; sie können ihren Damen nicht im schnellen Trab folgen; bevor sie ans Ende einer Allee oder eines Gehölzes oder in ein Kabinett kommen, haben ihre Damen die Sache schon weg, ohne daß sie es bei ihrer Kurzsichtigkeit oder Beinschwäche merkten oder etwas sahen. Noch andere alte Weiber und Hofmeisterinnen, die das Metier praktizierten, haben nun Mitleid, wenn sie die Jungen fasten sehen, und sind so gutmütig, ihnen von selbst den Weg zu bahnen, ihnen zuzureden und nach Kräften beizustehen. Auch sagte Aretino: Das größte Vergnügen einer Dame, die das durchgemacht hat, und ihre allergrößte Befriedigung bestände darin, andere Damen ebenso hineinzubringen.

Wenn man also einen guten Liebeswächter haben will, dann wende man sich lieber an eine alte Kupplerin als an eine junge Frau. Auch ich weiß von einem sehr feinen Manne, daß es ihm kein Vergnügen machte, und daß er es seiner Frau ausdrücklich verbot, mit alten Weibern je Umgang zu haben, weil sie zu gefährlich seien; mit jungen Frauen könne sie verkehren, soviel sie wolle; dazu brachte er viele gute Gründe bei, die ich bessern Rednern zu besprechen überlasse.

Daher vertraute ein vornehmer Herr von da und da, den ich kannte, seine Frau, auf die er eifersüchtig war, einer seiner Basen an, einem Mädchen zwar, um sie zu überwachen; das besorgte sie sehr gut, wenn sie es auch ihrerseits zur Hälfte mit dem Naturell des Ortolanhundes machte, der nie von dem Kohl aus seines Herrn Garten frißt und auch die anderen nicht davon fressen lassen will; diese aber ließ es sich schmecken und wollte ihre Cousine nicht davon kosten lassen: das heißt, die andere bekam indessen immer einmal etwas weg, was sie nicht gewahr wurde, so schlau sie auch war, oder sie stellte sich so, als merke sie es nicht. Ich könnte noch eine Unmenge von Gegenmitteln anführen, deren sich die armen eifersüchtigen Hahnreie bedienen, um ihre Frauen zu fesseln, anzubinden und kurz zu halten, damit sie den Sprung nicht machen; aber es nützt ihnen nichts, all diese alten Mittel anzuwenden, von denen sie haben reden hören, und neue auszudenken, das ist verlorene Mühe. Wenn die Frauen einmal den nagenden Wurm der Verliebtheit im Schädel haben, schicken sie ihre Gatten jederzeit zu Guillot dem Träumer;Unter Guillot dem Träumer versteht man jeden Sinnierer. Der Ausdruck rührt von Julian dem Grübler, einer Person des Amadis-Romans, her. ich hoffe darüber in einem Kapitel zu reden,Brantôme hat dieses Kapitel später nicht geschrieben. das ich halb fertig habe, nämlich über die Schlauheiten und Hinterlisten der Frauen in diesem Punkt, die ich mit den Kriegslisten und militärischen Listen der Soldaten vergleiche. Das schönste Gegenmittel aber, die sicherste und freundlichste Bewachung, die der eifersüchtige Gatte seiner Frau geben kann, besteht darin, sie ganz nach ihrem Gutdünken gehen zu lassen, wie ich einen verheirateten Ehrenmann sagen hörte, das Naturell der Frau sei, je mehr man ihr etwas verbiete, desto mehr begehre sie es, und besonders in der Liebe, wo man durch das Verbot den Appetit mehr reize, als indem man ihm seinen Lauf läßt.

Noch eine andere Gattung Hahnreie kommt indes in Frage; ich meine diese: Wenn jemand eine Frau während des Lebens ihres Hahnreigatten mit voller Lust genossen hat, und es stirbt der Gemahl, und jener, ihr Liebhaber, heiratet nachher die Frau Witwe, indem er sie also in zweiter Ehe nimmt, so gebührt ihm der Name und Titel eines Hahnreis, wie ich verschiedene, auch Große, kannte und von ihnen hörte.

Es sagen manche, er könne in diesem Fall kein Hahnrei sein, da er selbst die Arbeit verrichtet und kein anderer ihn zum Hahnrei gemacht habe, als er selber, und weil seine Hörner von ihm selbst gemacht seien. Trotzdem sind Waffenschmiede mit den Degen getötet worden, die sie selbst gemacht hatten.

Andere sagen, er sei wirklich ein Hahnrei, und in der Tat, ein ganz grüner. Sie bringen dazu eine Menge Gründe bei; da jedoch der Prozeß noch unentschieden ist, lasse ich ihn von der ersten Sitzung schlichten, die man diesem Streitfall widmen will.

Noch muß ich hier von einer großen, verheirateten Dame erzählen, die einem Herrn, mit dem sie ein Verhältnis hatte, die Ehe versprach; das war vor 14 Jahren, und seitdem erwartete und wünschte er stets, daß ihr Gemahl stürbe. Den Teufel auch! Diesen Wunsch wollte er ihnen durchaus nicht erfüllen. So konnte sie wohl sagen: »Verflucht sei der Gemahl und Eheherr, der länger lebt, als ich es will!« Krankheiten und körperliche Verstimmungen hatte er genug, aber nichts Tödliches. Daher sagte der letzte König Heinrich, als er einem sehr ehrbaren und tüchtigen Edelmann die Anwartschaft auf das schöne und große Vermögen gab, das der besagte Hahnrei besaß, häufig: »An meinem Hofe gibt es zwei Leute, denen es viel zu lange dauert, bis der und der stirbt, dem einen wegen des Vermögens, der andern wegen der Heirat mit dem Liebhaber; aber beide haben sich bisher noch getäuscht.«

Hieraus erhellt die Weisheit und die Vorsehung Gottes, der nicht schickt, was man Böses wünscht; gleichwohl sagte man mir, daß sie sich seit kurzem schlecht vertrügen, ihr Versprechen, sich zukünftig zu heiraten, verbrannt und den Kontrakt zerrissen hätten, zum großen Zorn der Frau und zur Freude des vermeintlichen Hochzeiters, der sich anderswo versorgen und nicht so lange auf den Tod des andern Gemahls warten wollte; dieser spottete über die Leute und schreckte sie oft genug damit, daß er im Sterben läge; schließlich aber überlebte er noch den zukünftigen Bräutigam. Das war sicher Gottes Strafe; denn man hört doch wohl kaum von einer so vollzogenen Ehe reden; es ist ein starkes und ungeheuerliches Stück, eine zweite Ehe zu vereinbaren, während die erste noch in vollem Bestand ist. Da ist mir eine Dame (auch von Rang, aber nicht in so hohem wie die vorige) ebenso lieb, die von einem Edelmann heftig zur Ehe begehrt wurde und ihn heiratete; sie tat es nicht etwa aus Liebe zu ihm, sondern weil sie ihn kränklich, geschwächt und erschlafft und gewöhnlich in schlechter Verfassung fand; auch sagten ihr die Ärzte, daß er kein Jahr mehr leben werde, wenn er nur ein paarmal im Bette mit ihr zusammen gewesen wäre; daher hoffte sie auf seinen baldigen Tod und bereitete sich in dessen Folge auf seinen Besitz und seinen Reichtum vor, auf seine schönen Möbel und auf die großen Vorteile, die ihr die Ehe brachte; denn er war ein sehr reicher und sehr wohlhabender Edelmann. Aber ihre Enttäuschung war groß; denn er lebte noch munter und in hundertmal besserer Verfassung, als bevor er sie heiratete; dann aber starb sie. Man sagt, der Edelmann spielte den Kränklichen und Schwächlichen nur so, daß die von ihm als sehr habsüchtig erkannte Frau, in der Hoffnung auf seine großen Besitztümer, dazu bewogen würde, ihn zu heiraten; aber Gott verfügte ganz im Gegenteil darüber und ließ zu ihrem größten Ärger die Ziege dort abweiden, wo sie angebunden war.

Was sollen wir zu manchen Männern sagen, die sehr berüchtigte Huren und Kurtisanen heiraten, wie es gewöhnlich in Frankreich geschieht, besonders aber in Spanien und in Italien; sie reden sich ein, den Lohn der Barmherzigkeit zu gewinnen, por librar una anima cristiana del infierno, wie sie sagen, und sie auf den rechten Weg zu bringen.

Ich habe gewiß manche getroffen, die dieser Ansicht und Maxime huldigten: heirateten sie sie um jenes guten und heiligen Zweckes willen, seien sie nicht als Hahnreie zu erachten; denn was zur Ehre Gottes geschieht, darf nicht in Schande verkehrt werden, wofern auch ihre zum rechten Weg zurückgeleiteten Frauen keinen Fall mehr tun und wieder zum andern gehn, wie ich in jenen beiden Ländern ein paar sah, die nicht mehr sündigten, nachdem sie verheiratet waren; andere freilich konnten sich nicht bessern, sondern stolperten wieder in die alte Grube zurück.

Als ich das erstemal in Italien war, verliebte ich mich in eine sehr schöne römische Kurtisane mit Namen Faustina. Da ich nun nicht viel Geld hatte und sie hohe Preise machte, zehn oder zwölf Taler für die Nacht, mußte ich mich damit begnügen, sie anzureden und anzusehen. Nach einiger Zeit kam ich zum zweiten Male hin; besser mit Geld versehen, besuchte ich sie durch Vermittlung einer andern in ihrer selben Wohnung, wo ich sie mit einem Gerichtsherrn verheiratet fand und freundlich empfangen wurde; sie erzählte mir von ihrer glücklichen Verheiratung und wies die Torheiten der Vergangenheit weit von sich ab, sie hätte ihnen für immer Lebewohl gesagt. Mehr denn je sterbend vor Liebe zu ihr, zeigte ich ihr schöne französische Taler. Die Versuchung wirkte, und sie gewährte mir, was ich wollte, indem sie mir sagte, bei Schließung der Ehe habe sie mit ihrem Gemahl ihre vollständige Freiheit vereinbart und ausbedungen, unter der Voraussetzung, daß kein Skandal und Betrug dabei sein und eine große Summe gefordert werden solle, damit beide ihren anständigen Unterhalt haben könnten, und zwar ließe sie sich für große Summen gern gehen, nicht für die kleinen. Das war ein tüchtiger grüner und ausgewachsener Hahnrei.

Ich hörte von einer Dame von irgendwo, die bei der Eheschließung von ihrem Gemahl verlangte und durchsetzte, daß er sie am Hofe ließ, damit sie hier ihren Liebeleien nachgehen konnte, wobei sie sich die Nutznießung ihres Wäldchens voll Baumstoppeln, oder wie er es nennen wolle, vorbehielt; zur Entschädigung gab sie ihm jeden Monat tausend Franken als Taschengeld und kümmerte sich um weiter nichts als um ihr Vergnügen.

Solche Frauen, die frei gewesen sind, können sich also nicht davor hüten, die engen Schlösser ihrer Türen zu brechen, wie auch immer der Zwang sei, besonders wenn Gold leuchtet und glüht; dafür zeugt jene schöne Tochter des Königs Akris, die, in ihren dicken Turm fest eingeschlossen, sich von jenen guten, süßen, goldnen Tropfen überregnen ließ, in denen ihr Jupiter erschien.

Ein feiner Mann sagte: »Ach, wie schwer kann sich doch eine Frau, die schön, ehrgeizig, habsüchtig und lüstern danach ist, geputzt, gut gekleidet, prächtig herausgeschmückt und wohl imstande, davor bewahren, nicht mit der Nase aufs Gesicht, sondern mit dem Hintern auf den Boden zu fallen, mag auch ihre Scham bewaffnet, wie man sagt, und ihr Gemahl tapfer und mutig sein und eine noch so gute Klinge führen, sie zu verteidigen.«

Ich kannte eine ganze Anzahl dieser Tapfern und Mutigen, die das durchmachten; es ist sicherlich sehr betrüblich, jene ehrbaren tapfern Männer dahin kommen zu sehen; nach so vielen schönen Siegen, die sie errungen haben, nach so viel ausgezeichneten Eroberungen in Feindesland, heißen Gefechten, die ihre Tapferkeit geschlichtet hat, muß man zwischen den schönen Blumen und Blattverzierungen auf den siegreichen Helmen, die ihr Haupt schmücken, Hörner dazwischengemengt finden, die sie ganz und gar verunehren; nichtsdestoweniger ergötzen sie sich mehr an dem herrlichen Ruhm, den sie sich mit ihren siegreichen Gefechten, ehrenvollen Diensten und tapfern Heldentaten errungen haben, als darin, ihre Frauen zu beaufsichtigen und in ihre dunklen Höhlen hineinzuleuchten. So erobern sie sich, ohne daran zu denken, das Bürgerrecht der Stadt Cornwall; aber es ist doch sehr traurig; so kannte ich einen tapfern und tüchtigen Mann, der in sehr hohem Ansehen stand; als er sich eines Tages dabei vergnügte, von seinen Heldentaten und Eroberungen zu erzählen, sagte ein sehr ehrbarer und großer Edelmann, sein Verwandter und Vertrauter, zu einem andern: »Er erzählt uns hier von seinen Eroberungen, was mich wundert; denn seine Frau hat darin mehr gemacht als alle, die er je gemacht hat oder machen wird.«

Ich kannte verschiedene andere, die bei aller Hochanständigkeit, Würde und Ansehnlichkeit, mit der sie sich zeigten, dennoch jenen Halskragen eines Hahnreis trugen, der sie völlig verdunkelte; denn einen solchen Halskragen und Nagelschaden kann man nicht verbergen und verhehlen; eine so gute Miene man auch mache, so gut man sich auch halte, er wird erkannt und tritt offenkundig heraus. Was mich anlangt, so habe ich niemals in meinem Leben jemanden gesehen, der darum nicht seine Merkmale, seine Gesten, seine Stellung, nicht seinen Halskragen und Nagelschaden gehabt hätte, mit Ausnahme eines einzigen, mir bekannten, an dem auch der Scharfsichtigste nichts zu sehen oder zu kritisieren gehabt hätte, ohne seine Frau zu kennen; einen so feinen Anstand, gute Haltung und ehrenwerte und ernste Würde zeigte er.

Ich möchte gern die Damen bitten, die im Besitz so vollkommener Ehemänner sind, ihnen keine solchen Streiche zu spielen und Schande anzutun; aber sie werden mir auch sagen: »Und wo sind denn diese vollkommenen Gatten, die so sind, wie der, den Ihr soeben erwähntet?«

Meine Damen, ihr habt gewiß recht; denn es können nicht alle Leute wie Scipio und Cäsar sein, und es gibt keine solchen mehr. Ich bin also der Meinung, daß ihr darin euern Launen folgt; denn, da wir von Männern wie Cäsar reden, die allerfeinsten, die tugendhaftesten und tapfersten, haben das durchgemacht, wie ich sagte, und wie wir von jenem vollendeten Kaiser Trajan lesen, dessen Vollkommenheiten seine Frau Plotina nicht abhalten konnten, sich der Lust Hadrians völlig preiszugeben, der nach ihm Kaiser wurde; er zog reiche Bequemlichkeiten, Vorteile und Würden aus ihr, so daß er sein Hochkommen ihr zu verdanken hatte; er zeigte sich auch nicht undankbar, als er seine Größe erreicht hatte; denn er liebte sie und ehrte sie stets sehr, daher geriet er bei ihrem Tod in so großen Schmerz und wurde so betrübt, daß er zuletzt sogar eine Zeitlang Speise und Trank zurückwies; er weilte gerade drei oder vier Monate lang im narbonnesischen Gallien, wo er die Trauerbotschaft erfuhr; währenddessen schrieb er an den Senat, Plotina unter die Göttinnen zu erhöhen, und befahl, für ihre Bestattung die reichsten und prächtigsten Opfer zu veranstalten; indessen verwandte er die Zeit, zu ihrer Ehrung und zu ihrem Gedächtnis bei Nemausus, dem heutigen Nîmes, einen sehr schönen Tempel errichten zu lassen, der mit prächtigem und reichem Marmor, Porphyren und andern edlen Steinen geschmückt wurde.

Was Liebessachen und den Liebesgenuß anlangt, muß man sich also auf alles gefaßt machen: ist doch auch ihr Gott Cupido blind, wie bei manchen Frauen scheint, die die schönsten, ehrbarsten und vortrefflichsten Ehemänner haben, die man sehen kann; nichtsdestoweniger verlieben sie sich in so häßliche und schmutzige Männer, daß es alle Möglichkeit übersteigt.

Ich sah viele, über die man folgende Frage aufwarf: Welche Dame ist eine größere Dirne, jene, die einen sehr schönen und ehrbaren Gemahl und einen häßlichen, widerwärtigen und ihrem Manne so unähnlichen Kerl zum Freund hat; oder jene, die, im Besitz eines häßlichen und verdrießlichen Gemahls, einen lieben, einnehmenden Freund hat, darum aber trotzdem ihren Mann liebt und karessiert, als wäre er der schönste aller Menschen, wie ich es von vielen Frauen sah?

Gewiß, das allgemeine Urteil wird sein: die Frau, die einen schönen Gemahl hat und ihn verschmäht, um einen häßlichen Freund zu lieben, ist eine sehr große Metze, nicht mehr und nicht weniger wie eine schleckerhafte Person, die das gute Fleisch stehen läßt und das schlechte ißt. Auch wenn eine Frau einen schönen Menschen für einen häßlichen aufgibt, dann ist es sehr wahrscheinlich, daß sie es der baren Unzucht wegen tut, da es nichts Hurerisches, nichts zur Befriedigung der Unzucht Geeigneteres gibt als einen häßlichen Menschen, für dessen stinkenden, schmutzigen und lasziven Bocksschlauch sie mehr Gefühl hat als für ihren Mann. Gewöhnlich sind auch die schönen und ehrbaren Männer etwas empfindlicher und weniger geschickt, eine ausschweifende und zügellose Wollust zu sättigen als ein großer starker haariger Hurer, Bauer und Satyr.

Andere sagen, die Frau, die einen schönen Freund und einen häßlichen Gemahl liebt und beide karessiert, ist eine ebenso große Hure, weil sie von ihrer täglichen Portion und Beköstigung nichts verlieren will.

Solche Frauen gleichen denen, die über Land reisen, und die, wie es gerade in Frankreich geschieht, wenn sie am Abend zum Nachtmahl in die Herberge gekommen sind, nie vergessen, vom Wirt das Maß ihres Postgauls zu verlangen; er muß es haben, und wenn er bis an den Hals voll wäre.

Genau so wollen jene Frauen, wenn sie sich ins Bett legen, das Maß ihres Postgauls haben, von wem es auch immer sei; wie ich eine kannte, die einen Gemahl hatte, der sie tüchtig liebte; aber das genügt ihnen nicht, und sie verlangen doppeltes Maß; den Freund wollen sie für den Tag, der seine Schönheit beleuchtet und um so mehr der Dame die Lust nach ihm reizt, beim schönen Tagesschein gewährt es mehr Lust und Befriedigung; der häßliche Herr Gemahl ist für die Nacht; denn, wie man sagt, sind in der Nacht alle Katzen grau, und wofern die Dame ihre Begierden nur sättigt, denkt sie nicht daran, ob ihr Ehemann häßlich oder schön ist; denn wenn man, wie ich von mehreren weiß, in diesen Verzückungen der Lust steht, hat weder der Mann noch die Frau eine andre Einbildung oder Gedanken, außer an das, was sie im Augenblick treiben: von guter und unterrichteter Seite weiß ich allerdings, daß manche Damen ihren Liebsten glauben machten, wenn sie bei ihren Ehemännern wären, richteten sie ihre Gedanken auf ihre Freunde und dächten nicht an ihre Männer, um sich mehr Lust dabei zu verschaffen; und von Männern hörte ich sagen, wenn sie bei ihren Frauen wären, dächten sie aus derselben Veranlassung an ihre Geliebten; aber das sind Mißbräuche.

Die Naturphilosopben sagten mir, daß es nur der vorhandene Gegenstand allein wäre, der sie dann beschäftige, nichts Abwesendes, und brachten dazu eine Menge Gründe bei; ich bin aber nicht Philosoph und Gelehrter genug, ihre Gründe zu erörtern, und es sind auch manche schmutzige darunter. Ich will die Wahrheit beobachten, wie man sagt; um aber von diesem Bevorzugen häßlicher Liebschaften zu reden, so sah ich in meinem Leben gewaltig viel und wunderte mich hundertmal darüber.

Als ich einmal von einer Reise nach irgendeinem fremden Land zurückkam (ich will es nicht nennen, weil ich fürchte, man errät sonst, wovon ich reden will) und mich mit einer großen Dame von da und da unterhielt, wobei ich von einer andern großen Dame und Prinzessin redete, die ich dort gesehen hatte, fragte sie mich, wie sie liebe. Ich nannte ihr den Favoriten, den sie hatte, und der weder schön noch anständig und sehr geringer Qualität war. Sie gab mir zurück: »Wahrhaftig, sie tut sich sehr unrecht und würdigt ihre Liebe sehr wenig, wo sie doch so schön ist und für so ehrbar gehalten wird.«

Diese Dame hatte recht, so zu mir zu reden; denn sie verstellte sich weder, noch widersprach dem ihr Verhalten; sie hatte nämlich einen ehrbaren Freund, der ein großer Günstling von ihr war. Alles in allem, wird sich eine Dame niemals einen Vorwurf zu machen haben, wenn sie etwas Schönes lieben und auswählen will; sie tut auch ihrem Gemahl kein Unrecht, es sei denn, es handle sich um die Liebe zu ihrer Nachkommenschaft; es gibt ja auch Ehemänner, die so häßlich, so dumm, solche Tröpfe und Maulaffen, solche Feiglinge und Kujone, so widerwärtig und geringwertig sind, daß ihre Frauen lieber gar keine Kinder von ihnen haben wollen, wenn sie ihnen gleichen. Ich kannte verschiedene Damen, die Kinder von solchen Männern hatten; sie waren genau so wie ihre Väter; waren's aber Pfänder ihrer Freunde, so übertrafen sie ihre Väter, Brüder und Schwestern in allen Dingen.

Auch haben manche Philosophen, die darüber handelten, stets daran festgehalten, daß die dermaßen empfangenen oder gestohlenen oder geheim und unversehens gemachten Kinder weit feiner sind, eine weit nettere Art haben, in der sie gewandter und wohlgeratener aufwachsen, als jene, die schwerfällig, plump, matt, mit Muße und sozusagen in halbem Schlummer gezeugt wurden, in dem man nur an viehischen Genuß denkt.

Auch hörte ich von Gestütsmeistern der Könige und großen Herren sagen, sie hätten es oft die besten Pferde werden sehen, die ihre Mütter unversehens wegbekommen hätten, gegen andere, die dem Experimentieren der Gestütsherren mit bestimmten Zuchthengsten ihre Entstehung verdankten: gerade so ist es mit den Menschen.

Wie viele Damen sah ich doch, die die schönsten, ehrbarsten und wackersten Kinder erzeugt hatten; hätten ihre angeblichen Väter sie gemacht, sie wären wahrhaftige Kälber und das reine Vieh geworden.

Daher ist es von den Frauen sehr umsichtig, wenn sie sich zur Erzeugung guter Rassen mit guten und schönen Zuchthengsten versorgen. Aber ich habe auch sehr viel solche gesehen, die schöne Ehemänner hatten und sich mit häßlichen Freunden und gemeinen Beschälern versahen, woraus eine scheußliche und elende Nachkommenschaft auf die Welt kam.

Das ist eine der ausgemachtesten Annehmlichkeiten und Unannehmlichkeiten der Hahnreischaft.

Ich kannte eine Dame von da und da, die einen sehr häßlichen und albernen Mann hatte; aber unter vier Töchtern und zwei Söhnen, die sie hatte, waren nur zwei, die etwas taugten, und die waren von ihrem Freund gemacht; die andern, die von ihrem Tropf von Ehemann stammten (ich möchte lieber sagen Baumkauz; denn er sah so aus), waren sehr garstig.

Die Damen müssen in dieser Beziehung sehr vorsichtig und geschickt sein; denn gewöhnlich gleichen die Kinder ihren Vätern; tun sie es nicht, rührt's sicher an ihre Ehre; so machte ich die Erfahrung, daß viele Damen die Sorgfalt hatten, aller Welt einzureden, ihre Kinder glichen ganz und gar ihrem Vater und nicht ihnen, obwohl dies gar nicht der Fall war; denn das ist das größte Vergnügen, das man den Frauen machen kann, weil es den Anschein erweckt, daß sie das Kind nicht von einem andern haben, obwohl das Gegenteil wahr ist.

Ich befand mich einmal in einer sehr großen Gesellschaft am Hofe, wo man das Porträt zweier Töchter einer sehr großen Königin betrachtete.Der Schauplatz dieser Episode war der Hof von Navarra. Es handelt sich um Margaretens Schwester Isabella, der dritten Frau Philipps II., über dessen Verhältnisse Brantôme von seinen Aufenthalten in Madrid unterrichtet war. Ein jeder sagte seine Meinung, wem sie glichen, und alle behaupteten, sie glichen ganz und gar der Mutter; ich aber, ein sehr ergebener Diener der Mutter, bejahte es und sagte, sie hätten alles vom Vater; und wenn man den Vater gekannt und gesehen hätte, wie ich, so würde man mir Gerechtigkeit widerfahren lassen. Das rechnete mir die Schwester jener Mutter hoch an und wußte mir viel Dank dafür, um so mehr, als es manche mit Absicht gesagt hatten, weil man sie im Verdacht einer Liebschaft hatte und daß irgendwie »Staub in ihre Flöte« gekommen wäre, wie man sagt; daher schlug meine Meinung über die Ähnlichkeit mit dem Vater alles nieder. Wer eine Dame liebt und Kinder von ihrem Fleisch und Blut vor die Augen bekommt, der soll daher stets sagen, sie seien ganz der Vater, wenn es auch nicht wahr ist.

Wenn man freilich sagt, sie haben ein wenig von der Mutter, so braucht das kein Unrecht zu sein; ein Edelmann am Hofe, mein großer Freund, sagte es so, als er in Gesellschaft von zwei Edelleuten, zwei Brüdern, die beim König in ziemlich hoher Gunst standen, gefragt wurde, wem sie glichen, dem Vater oder der Mutter, und da antwortete er, der kalte gliche dem Vater, der warme der Mutter; mit diesem Witz versetzte er der Mutter eins, die ein heißes Temperament hatte; in der Tat hatten die beiden Kinder an den beiden Gemütsarten, der warmen und der kalten, teil.

Eine andre Gattung der Hahnreie sind nun noch, die es durch Verachtung gegen ihre Frau werden, wie ich mehrere kannte, die im Besitz sehr schöner und ehrbarer Frauen waren, sie aber nicht wert hielten, verachteten und verschmähten. Als sich jene, die gewandt und voller Mut waren und aus gutem Hause stammten, so verschmäht fühlten, zahlten sie ihnen mit gleicher Münze heim: nach schöner Liebe war's ein Umschwung, und daher die Wirkung; denn, wie der italienische oder neapolitanische Refrain sagt: amor, non si vince con altro che con sdegno.

Wenn also eine schöne und ehrbare Frau, die sich als solche fühlt und ihres Wertes bewußt ist, sieht, daß ihr Gemahl sie verschmäht, auch wenn sie ihm die größte eheliche Liebe von der Welt entgegenbringt, so schafft sie ihn ab, sofern sie nur ein bißchen Herz hat, denkt an sich und sucht sich anderswie einen Freund, der ihr in ihren kleinen Bedürfnissen hilft, und predigte man ihr noch so sehr und hielte ihr die Gebote des Gesetzes entgegen.

Ich kannte zwei Damen vom Hofe, zwei Schwägerinnen: die eine hatte einen Gatten, der in hoher Gunst stand, einen sehr gewandten Höfling, der indessen seine Frau nicht wert hielt, wie er in Anbetracht ihrer Herkunft sollte; vor der Welt sprach er von ihr wie von einer Wilden und fuhr sie hart an. Sie ertrug es eine Zeitlang geduldig, bis ihr Gemahl ein wenig in Ungnade fiel; das merkte sie, und da sie es ihm tüchtig nachgetragen hatte, nahm sie die Gelegenheit beim Schopf und gab ihm alsbald die Verachtung zurück, die er ihr gezollt hatte, indem sie ihn schlankweg zum Hahnrei machte; ebenso machte es ihre Schwägerin, die sich ein Beispiel an ihr nahm; diese war sehr jung und in zartem Alter verheiratet worden, ihr Gemahl achtete sie aber nicht, wie es seine Pflicht war; als sie aber älter wurde und ihr Herz spürte und ihre Schönheit entdeckte, bezahlte sie ihn mit der gleichen Münze und machte ihm als Zinsen für die Vergangenheit ein Präsent von schönen Hörnern.

Einstens kannte ich einen großen Herrn, der zu seinen größten Wonnen als Freundinnen zwei Kurtisanen besaß, darunter eine Maurin, ohne seiner Frau zu achten, obwohl sie ihn mit allen Ehren, Freundschaften und Gattenehrerbietungen bedachte, wie sie nur konnte; er aber gönnte ihr keinen freundlichen Blick und keine herzliche Umarmung, von hundert Nächten bewilligte er ihr bloß zwei. Was sollte die Ärmste nach solchen Unwürdigkeiten tun, außer sie wählte sich ein vakantes Bett, verkuppelte sich mit einer anderen Hälfte und nahm, was sie wollte?

Wenn dieser Ehemann es wenigstens, wie ein andrer, den ich kenne, gemacht hätte, der von solcher Gemütsart war, daß er von seiner sehr schönen Frau bedrängt wurde, während er sich anderswo vergnügt machte und freimütig zu ihr sagte: »Gut, such' dir deine Befriedigung anderswo, ich erlaube es dir. Mach' deinerseits, was du mit einem andern machen willst, ich lasse dir deine Freiheit; kümmere dich auch nicht um meine Liebschaften und laß mich tun, was mir gefällt. Ich hindere deine Freuden und Vergnügungen durchaus nicht, also hindere auch die meinigen nicht.« So war nun jeder frei, und beide warfen die Federn in den Wind; der eine ging zur Linken, die andere zur Rechten, ohne daß sich eines ums andere bekümmerte; das nenne ich ein gutes Leben.

Desgleichen kenne ich einen impotenten, kränklichen, gichtischen Greis, der eines Tages, da er seine sehr schöne Frau nicht befriedigen konnte, wie sie es verlangte, zu ihr sagte: »Ich weiß wohl, meine Liebe, daß meine Impotenz deinem munteren Alter nicht bekommt. Ich mag dir aus diesem Grund sehr hassenswert erscheinen, und es ist unmöglich, daß du mir als Weib sehr geneigt sein kannst, als wenn ich die ordentlichen Geschäfte eines starken und robusten Gemahls verrichtete. Ich entschloß mich jedoch, dir die vollständige Liebesfreiheit zu geben und zu erlauben, daß du dir irgendeinen andern anschaffen kannst, der dich besser zu befriedigen vermag als ich; vor allem aber wähle mir einen aus, der bescheiden und verschwiegen ist, der dir und mir und allen kein Ärgernis gibt, der dir ein paar schöne Kinder machen kann, die ich lieben und halten werde wie meine eigenen; so daß die ganze Welt glauben mag, es sind unsere wahren und legitimen Kinder, zumal ich ja immer noch einige Kräfte in mir habe, und mein körperliches Aussehen genügt, daß man sie für die meinigen halten kann.« Es kann sich nun jeder denken, ob diese schöne junge Frau froh war, diese angenehme hühsche kleine Ermahnung zu bekommen, zugleich mit der Erlaubnis, die lustige Freiheit zu genießen; sie machte denn auch einen so guten Gebrauch davon, daß sie in einem Nu das Haus mit zwei oder drei schönen Kinderchen bevölkerte, an denen der Gemahl, weil er sie manchmal berührte und mit ihr schlief, teilzuhaben meinte, und mit ihm glaubte es alle Welt; so waren Mann und Frau sehr zufrieden und führten ein schönes Familienleben.

Eine andere Gattung Hahnreie kann auf eine lustige Meinung, die manche Frauen haben, zurückgeführt werden; nämlich, daß es nichts Schöneres, nichts Erlaubteres, nichts Schätzbareres gibt als die Nächstenliebe, indem sie sagen, sie erstreckt sich nicht nur darauf, daß man den Armen gibt, die unterstützt werden müssen und die Hilfe aus dem Hab und Gut der Reichen brauchen, sondern daß man auch den armen schmachtenden Liebhabern, die man in heißem Liebesfeuer brennen sieht, das Feuer ersticken hilft: »Denn was kann wohltätiger sein,« sagen sie, »als einem, den man im Sterben liegen sieht, das Leben wiederzugeben, einen Verschmachtenden wieder zu erfrischen?« Wie jener tapfere Paladin, der Herr von Montauban, sagte, als er bei Ariost der schönen Ginevra die Stange hielt: »Gerade die soll sterben, die ihrem Liebhaber das Leben nimmt, nicht die, die es ihm gibt.«

Er sagte das zwar von einem Mädchen, mit um so größerem Recht aber ist solche Nächstenliebe Frauen gegenüber in Erinnerung zu bringen, weil jenen die Börsen noch nicht gelöst sind und offen stehen wie den Frauen, bei denen sie, wenigstens bei manchen, sehr weit und sehr zweckmäßig ist, daß sie darin ihre Nächstenliebe loslassen können. Dabei erinnere ich mich der Geschichte einer sehr schönen Hofdame, die an einem Lichtmeßtage ein Kleid aus weißem Damast angelegt hatte und mit einem Gefolge in Weiß erschien, so daß es an diesem Tage nichts Schöneres und Weißeres gab; ihr Liebhaber hatte eine ihrer Freundinnen gewonnen, die ebenfalls eine schöne Dame war, aber ein wenig älter, der Rede mächtiger und vorzüglich geeignet, sich für ihn ins Mittel zu legen; während alle drei ein sehr schönes Bild betrachteten, auf dem eine Caritas in blühender Reinheit und mit weißem Schleier gemalt war, sagte jene zu ihrer Freundin: »Ihr tragt heute dasselbe Kleid wie diese Caritas; da Ihr sie aber soweit vorstellt, müßt Ihr Euch auch wirklich so gegen Euren Anbeter erweisen; denn nichts ist so schätzbar wie Barmherzigkeit und Nächstenliebe, in welcher Gestalt sie sich auch bewähre, wofern es nur in der guten Absicht geschieht, seinem Nächsten zu helfen. Gebraucht sie denn: und wenn Euch Scheu vor Eurem Gemahl und vor der Ehe vor den Augen schwebt, so ist das ein leerer Aberglauben, den wir Frauen nicht haben dürfen, da uns die Natur Güter verschiedener Art gegeben hat, nicht damit wir sie aufsparen, wie ein schmutziger Geizhals seinen Schatz, sondern damit wir sie ehrenvollerweise an die notleidenden und bedürftigen Armen verteilen. Freilich gleicht unsere Keuschheit einem Schatze, den man in niedrigen Dingen nicht angreifen darf; für hohe und große Dinge aber soll man ihn freigebig und ohne Knickerei ausgeben. Ebenso soll man von seiner Keuschheit mitteilen; gegen Personen von Verdienst und Würde, die leiden, muß man freigebig sein, den gemeinen, wertlosen und gering Bedürftigen muß man sie verweigern. Was unsere Gatten anlangt, so sind das wahrhaftig schöne Götzenbilder, daß wir ihnen allein unsre Gelübde und unsre Kerzen weihen und den andern schönen Göttern nichts davon zuteilen! Denn ein Gelübde nur Gott, sonst niemandem weiter!«

Diese Rede mißfiel der Dame keineswegs und schadete auch ihrem Liebhaber nicht, der es nach kurzer Beharrlichkeit spürte. Indessen sind solche Predigten der Nächstenliebe für die armen Ehemänner sehr gefährlich. Ich hörte (ich weiß nicht, ob es wahr ist, und will es auch nicht Wort haben), daß die Hugenotten im Anfang, als sie ihre ReligionMit »Religion« bezeichnet die ganze Literatur der Jahrzehnte vor und nach der Bartholomäusnacht das hugenottische (reformierte) Glaubensbekenntnis. begründeten, ihre Predigten bei Nacht und im geheimen abhielten, weil sie fürchteten, überrascht, aufgehoben und bestraft zu werden; so waren sie auch eines Tages in der Rue St. Jacques zu Paris, zur Zeit König Heinrichs II., wo große Damen, die ich kenne und die hingingen, um diese Nächstenliebe zu empfangen, eine Überraschung erlebten. Nachdem der Prediger gesprochen hatte, empfahl er ihnen am Schluß die Nächstenliebe; unmittelbar darauf löschte man die Kerzen aus, und ein jeder und eine jede übte sie gegen seinen Bruder und seine Schwester in Christo, indem sie einander nach Wollen und Können begabten; ich würde es aufrichtig nicht zu sagen wagen, wenn man mir nicht versichert hätte, daß es wahr wäre; aber es ist möglicherweise auch nur reine Lüge und Verleumdung.Brantôme tut gut daran, sich zu salvieren; denn es war in der Tat eine von der Ligue verbreitete Verleumdung, mit der die Hugenotten in üblen Ruf gebracht werden sollten (vgl. Lotheißen). Ich weiß jedoch bestimmt, daß in Poitiers damals die Frau eines Advokaten lebte, genannt die schöne Gotterelle,Diese Gotterelle kann wohl an eine gewisse Godarde de Blois erinnern, eine Hugenottin, die 1563 wegen Ehebruchs gehängt wurde.) die ich selbst gesehen habe; sie gehörte zu den schönsten und begehrtesten Frauen, die damals in der Stadt waren, und hatte die süßeste Anmut und Gestalt; ein jeder warf daher seine Augen und sein Herz auf sie. Nach der Predigt ging sie durch die Hände von zwölf Schülern hintereinander, sowohl am Konsistorium, wie unter einem Schutzdach, ja ich hörte sogar, unter einer Brustlehne des Altmarkts, ohne daß sie auch nur einmal zankte oder sich sonst weigerte; sie verlangte bloß den Predigtsprucb und nahm einen nach dem andern freundlich auf, als ihre wahren Brüder in Christo. Sie setzte diese Almosenspenden lange Zeit fort, wollte sie aber niemals betrüglicherweise einem Papisten gewähren. Nichtsdestoweniger gelang es mehreren Papisten, die sich von ihren hugenottischen Freunden den Spruch und die Redeweise liehen, sie zu besitzen. Andere gingen absichtlich zur Predigt, stellten sich reformiert, um ihn zu erfahren und die schöne Frau zu genießen. Ich war damals als junger Student in Poitiers, als verschiedene gute Freunde von mir, die ihr Teil genossen hatten, es mir sagten und beschworen; auch ging das Gerücht in der Stadt. Ist das nicht eine lustige Nächstenliebe und eine Gewissenhaftigkeit von der Frau, die Auswahl unter ihren Religionsangehörigen zu treffen? Noch eine andre Art der Nächstenliebe, die häufig geübt wird, findet man gegenüber armen Gefangenen betätigt, die im Gefängnis liegen und des weiblichen Umgangs beraubt sind; die Frauen der Kerkermeister und die Wächterinnen oder die Kastellaninnen, die Kriegsgefangene auf ihren Schlössern haben, bemitleiden sie, gönnen ihnen ihre Liebe und lassen ihnen Barmherzigkeit und Nächstenliebe zuteil werden; so sagte einmal eine römische Kurtisane zu ihrer Tochter, in die ein Galan höchlich verliebt war, während sie es ihm nicht für einen Heller geben wollte: E dagli, al manco per misericordia.

So behandeln jene Kerkermeisterinnen und Kastellaninnen und andre ihre Gefangenen; obwohl diese gefangen und elend sind, verspüren sie doch die Gelüste des Fleisches, gerade wie in besseren Zeiten. Ein altes Sprichwort sagt: Die Begierde des Fleisches stammt aus der Armut, und auf Stroh und bloßer Erde hebt Meister Priap den Kopf ebenso hoch wie in dem süßesten und weichsten Bett von der Welt. Daher sind die Bettler und Gefangenen in ihren Hospitälern und Gefängnissen ebenso brünstig wie die Könige, die Fürsten und die Großen in ihren schönen Palästen und königlichen feinen Betten.

Um meine Worte zu befestigen, will ich eine Geschichte vortragen, die mir eines Tages der Kapitän Beaulieu erzählte, ein Schiffskapitän, von dem ich schon manchmal gesprochen habe. Er gehörte zur Partei des gestorbenen Herrn Großpriors von Frankreich, aus dem Hause Lothringen, und war bei ihm sehr beliebt. Als er ihn eines Tages in Malta mit einer Fregatte aufsuchen wollte, wurde er von sizilianischen Galeeren aufgegriffen und als Gefangener nach Castellamare in Palermo gebracht, wo er in ein sehr enges, dunkles und elendes Gefängnis gesetzt und während dreier Monate sehr übel behandelt wurde. Zufällig hatte der Kastellan, ein Spanier, zwei sehr schöne Töchter, die ihren Vater, als sie den Gefangenen jammern und wehklagen hörten, eines Tages um Erlaubnis baten, ihn um der Liebe Gottes willen besuchen zu dürfen; es wurde ihnen frei erlaubt. Und da der Kapitän Beaulieu sicherlich ein sehr feiner Mann war und ausgezeichnet reden konnte, wußte er sie von Beginn dieses ersten Besuches an so sehr zu gewinnen, daß sie vom Vater seine Befreiung aus dem erbärmlichen Gefängnis erlangten, und er wurde in eine ziemlich anständige Kammer gelegt und bekam eine bessere Behandlung. Das war aber noch nicht alles; denn sie erhielten auch die Erlaubnis, ihn alle Tage einmal offen zu besuchen und mit ihm zu plaudern.

Alles das entwickelte sich so gut, daß sich alle beide in ihn verliebten, obgleich er es mit ihren hohen Schönheiten nicht aufnehmen konnte, und daß er, ohne die geringste Rücksicht weder auf strengere Gefangenschaft noch auf Todesgefahr, der Versuchung erlag, und alle beide zu seinem höchsten Behagen genoß; dieses Vergnügen dauerte an, ohne daß ein Ärgernis entstand; er war bei dieser Eroberung acht Monate hindurch so glücklich, daß kein Skandal, keine Krankheit, kein Übelstand, weder eine Schwangerschaft, noch eine Überraschung, noch eine Entdeckung daraus erwuchs; denn die beiden Schwestern verstanden und arbeiteten einander so gut in die Hände, lösten einander als Schildwache so hübsch ab, daß nie etwas herauskam. Er schwur mir zu, denn er war ein sehr guter Freund von mir, während seiner größten Freiheit hätte er nicht so gute Zeit gehabt wie damals, weder hätte er größeres Feuer noch größere Begierde empfunden, als in dieser Gefangenschaft, die für ihn sehr schön war, obgleich man meinte, von einem schönen Gefängnis könnte man gar nicht reden. Diese ganze gute Zeit währte acht Monate lang, bis der Kaiser und König Heinrich II. einen Waffenstillstand schlossen, und alle Gefangenen entlassen und befreit wurden. Und er schwur mir, er hätte sich über nichts so geärgert, als dieses schöne Gefängnis verlassen und sich von den schönen Mädchen trennen zu müssen, die ihm ihre Gunst geschenkt hätten und bei seiner Abreise in die tiefste Klage ausgebrochen wären.

Ich fragte ihn, ob ihn je üble Dinge drohten, wenn er entdeckt worden wäre. Er sagte: »Jawohl, aber gefürchtet habe ich es nicht«; denn im schlimmsten Falle hätte man ihn hingerichtet, und er wäre ebenso gern gestorben, wie in sein erstes Gefängnis zurückgekehrt. Außerdem fürchtete er, hätte er jene ehrbaren Mädchen nicht zufriedengestellt, wie sie ihn so sehr suchten, so wären sie von einer solchen Geringschätzung und Verachtung erfaßt worden, daß er eine noch schlimmere Behandlung zu gewärtigen gehabt hätte; daher hätte er die Augen verschlossen und sich blind in dieses schöne Abenteuer gestürzt. Man kann gewiß diese guten liebreichen spanischen Mädchen nicht genug loben; sie waren nicht die ersten und sind auch nicht die letzten.

Man erzählte, daß einst in Frankreich der Herzog von Ascot, der im Vincenner Walde gefangen wurde, sich mit Hilfe einer ehrbaren Dame aus dem Gefängnis rettete, die sich aber dabei auf Schlimmes gefaßt machte, denn es handelte sich um königlichen Dienst.Man klagte die Gräfin von Senizan an, sie habe ihn entwischen lassen. Eine Nächstenliebe, die sich in Sachen der Allgemeinheit mengt, ist verwerflich; sehr gut und löblich ist sie, wenn es sich nur um etwas Besonderes handelt und nur ein hübscher Körper sich allein in Gefahr begibt: das schadet wenig.

Ich könnte für dieses Thema noch eine Menge von tüchtigen Beispielen anführen, wenn ich daraus ein eignes Kapitel machen wollte, das nicht wenig amüsant werden sollte. Ich will jedoch nur die folgende Geschichte erzählen, sonst nichts weiter, weil sie lustig ist und aus dem Altertum stammt.

Wir finden bei Titus Livius, daß nach der vollständigen Zerstörung der Stadt Capua durch die Römer eine Anzahl Einwohner nach Rom kam, um dem Senat ihr Elend vorstellig zu machen, und baten, man möge Mitleid mit ihnen haben. Die Sache kam vor den Rat; unter andern, die abstimmten, befand sich Attilius Regulus, der dafür eintrat, daß ihnen keine Gnade gebühre, »denn man kann«, sagte er, »überhaupt von der Empörung der Stadt an keinen Capuaner finden, von dem man hätte sagen können, daß er der römischen Volkssache das kleinste bißchen Freundschaft und Zuneigung entgegengebracht hätte, außer zwei ehrbaren Frauen; nämlich Vesta Opia Atellana, aus der Stadt Atella, damals in Capua wohnhaft; die andere hieß: Faucula Cluvia. Diese beiden waren vorher Freudenmädchen und Kurtisanen gewesen und betrieben das Gewerbe öffentlich. Die eine ließ keinen Tag vergehen, ohne für das Wohl und den Sieg des römischen Volkes Gebete und Opfer zu veranstalten; die andre half den armen Kriegsgefangenen, die vor Hunger und Bedürftigkeit umkamen, insgeheim mit Lebensmitteln.«

Das ist gewiß eine schöne Nächstenliebe und eine gute Frömmigkeit; als wir eines Tages, ein edler Kavalier, eine ehrbare Dame und ich, diese Stelle lasen, sagten wir einander sofort, da sich die beiden ehrbaren Damen schon so eifrig in guten und frommen Werken bemüht hätten, wären sie auch noch zu anderen übergegangen und hätten die Gefangenen die Nächstenliebe ihres Leibes schmecken lassen; denn vorher waren sie ja Kurtisanen gewesen und waren es möglicherweise auch noch; aber das Buch sagt es nicht und läßt es in Zweifel; aber es läßt sich denken. Wenn sie aber das Metier unterbrochen und einige Zeit ausgesetzt hätten, so konnten sie es in diesem Fall sofort wieder aufnehmen, da ja nichts leichter ist als das; vielleicht erkannten sie dabei ein paar ihrer guten Liebhaber, ihrer alten Bekanntschaften, von denen sie sich schon einmal lieben ließen, wieder; und diese wollten noch einmal in den alten Fußtapfen gehen; oder es gab überhaupt unter den Gefangenen manche Unbekannte, die sie nur dieses Mal gesehen hatten, und sie fanden sie schön, tapfer, mutig und wohlgestaltet, Leute, die der Nächstenliebe durchaus würdig waren und denen sie den Genuß ihres Leibes daher auch nicht vorenthielten; anders kann es gar nicht sein. Wie es nun auch darum stehen mochte, diese ehrbaren Damen verdienten sicherlich die Freundlichkeit und Erkenntlichkeit, die ihnen die römische Republik angedeihen ließ; man setzte sie in alle Besitztümer wieder ein, und sie genossen ihrer so friedlich denn je. Ja, darüber hinaus gab man ihnen noch kund, jeder Wunsch, den sie hegten, würde ihnen erfüllt werden. Um die Wahrheit zu sagen, wenn Titus Livius sich nicht so peinlich auf Anstand und gute Sitte versteifen wollte, wie er nicht durfte, mußte er über die Erklärung hinwegkommen und sagen, sie enthielten ihnen ihren süßen Leib nicht vor; damit wäre auch die historische Stelle hübscher und amüsanter zu lesen gewesen, ohne daß sie abgekürzt zu werden, oder daß gerade die schönste Stelle in der Feder stecken zu bleiben brauchte. Das besprachen wir damals.

Ebenso empfing der König Johann als Gefangener in England von der Gräfin von Salisbury hohe Gunstbezeigungen, und zwar so sehr, daß er sie und die guten Bissen, die sie ihm gegeben hatte, nicht vergessen konnte und wiederkam, um sie wiederzusehen, wie sie es ihn auch schwören und versprechen hatte lassen.

Mit anderen Damen ist es etwas Lustiges, weil sie eine Art Gewissenhaftigkeit in ihrer Nächstenliebe haben; so wollte eine ihrem Liebhaber, wenn er bei ihr schlief, nicht erlauben, sie nur im allergeringsten auf den Mund zu küssen, und zwar aus dem Grund, weil ihr Mund ihrem Gemahl den Eid der Treue geleistet hatte, und den wollte sie nicht mit dem Mund entweihen, der ihn gegeben, ihr andrer Mund habe nichts darüber geredet oder versprochen, und so könne er seine Lust daran haben, und hatte gar keine Bedenken, ihn anzubieten, da es nicht in der Macht des obern Mundes liege, sich für den untern zu verbürgen, oder umgekehrt, auch geböte es der Rechtsbrauch, daß man sich nicht ohne beiderseitiges Einverständnis verpflichte, einer allein könne es nicht für das Ganze.

Eine andre Gewissenhafte und Skrupulöse wollte, wenn sie ihrem Freund den Genuß ihres Leibes schenkte, immer oben liegen und den Mann unter sich haben und von dieser Regel auch um kein Jota abgehen; das beobachtete sie streng und ordentlich und sagte: wenn ihr Gemahl oder ein andrer sie fragte, ob sie zudem und dem Beziehungen unterhielte, dann könne sie, ohne Gott zu beleidigen, schwören und ableugnen und fest beteuern, er habe sie niemals geliebt, habe sich nie über sie erhoben. Diesen Eid wußte sie so gut vorzubringen, daß sie ihren Gatten und andere mit den Schwüren völlig befriedigte, mit denen sie ihre Fragen erledigte; sie glaubten ihr, was sie sagte; »aber sie hatten nie den Gedanken,« sagte sie, »zu fragen, ob ich je oben gelegen; da hätte ich ihnen freilich zu denken gegeben und wäre schön verachtet worden.«

Ich glaube, über diesen Punkt schon weiter oben geredet zu haben; man kann sich aber nicht immer an alles erinnern; und es hat auch mit dieser, wie mich dünkt, noch eine besondere Bewandtnis.

Gewöhnlich sind die Damen dieses Metiers große Lügnerinnen und sagen kein wahres Wort; sie haben es so sehr gelernt, sich so sehr daran gewöhnt (wenn sie es anders machen, sind sie Dummköpfe, und es bekommt ihnen nur schlecht), ihre Gatten und Liebhaber über diese Dinge und Liebeswandlungen zu belügen und zu schwören, sie gäben sich niemand anders hin als ihnen, und wenn sie dann auf andere Gegenstände von Bedeutung oder Geschäfte oder Unterhaltungen kommen sollen, lügen sie ebenfalls, und man kann ihnen kein Wort glauben.

Andere Frauen kannte ich oder hörte von ihnen, die ihren Liebhaber erst zum Genuß kommen ließen, wenn sie schwanger waren, um nicht von seinem Samen befruchtet zu werden; sie legten ein großes Gewissen darin an den Tag, ihren Männern keine Frucht unterzuschieben, die ihnen nicht gehörte, sie als ihre eigne zu ernähren, zu beköstigen und aufzuziehen. Auch darüber habe ich bereits gesprochen. Wenn sie aber einmal schwanger waren, glaubten sie durch die Hingabe an andere den Gatten nicht zu beleidigen und ihn auch nicht zum Hahnrei zu machen.

Möglicherweise machten es manche aus den nämlichen Gründen wie Julia, die Tochter des Augustus und Gemahlin des Agrippa, die zu ihrer Zeit eine ausgemachte Hure war, über die ihr Vater mehr in Wut geriet als ihr Gemahl. Als sie einmal gefragt wurde, ob sie keine Furcht hätte, von ihren Freunden schwanger zu werden, daß ihr Gatte es bemerke und sie darum schimpfiere, antwortete sie: »Ich gebe schon acht; denn ich nehme keinen Mann und keinen Reisenden in mein Schiffchen auf, außer wenn es voll und geladen ist.«

Nun habe ich noch eine andre Gattung von Hahnreien; das aber sind die wahren Märtyrer, die Frauen haben, häßlich wie die Teufel der Hölle, und sie wollen die süße Lust ebensosehr schmecken wie die schönen, denen das Privileg doch allein gebührt, wie das Sprichwort sagt: »Die schönen Männer an den Galgen, die schönen Frauen ins Bordell;«Das Sprichwort: Les beaux hommes au gibet, et les belles femmes au bordeau will sagen, daß die Geschenke der Natur und die seelischen Eigenschaften nur selten miteinander in Beziehung stehen. trotzdem sind diese häßlichen Köhlerinnen so närrisch wie die anderen, man muß sie jedoch entschuldigen; denn sie sind Frauen wie die anderen und haben die gleiche Natur, nur daß sie nicht so schön sind. Ich sah häßliche Frauen, wenigstens in ihrer Jugend, die gleichwohl so hoch von sich dachten wie die schönen; sie meinten sogar, eine Frau ist nur so viel wert, als sie gelten und wie sie sich verkaufen will; so werden ja nur auf dem Markte alle Waren verkauft und abgesetzt, die einen billiger, die anderen teuerer, je nachdem, worum es sich handelt, und ob man zu einer frühen oder späten Stunde nach den anderen zum Markt kommt, und wie der Preis ist, den man vorfindet; denn wie man sagt, sucht man immer zum besten Preise zu kaufen, wenn auch die Ware nicht die beste ist, sondern der Geschicklichkeit des Händlers und der Händlerin entspricht.

So habe ich auch unter den häßlichen Frauen meiner Treu so heiße und brünstige gesehen, die ebenso der Liebe ergeben waren, sich ebenso auf den Markt setzten und ganz ebenso vorwärtskommen und sich geltend machen wollten wie die schönen.

Das Schlimmste an ihnen ist aber das: anstatt daß die Käufer nach den schönsten Waren fragen, bitten diese Häßlichen die Käufer, ihre Waren zu nehmen und zu kaufen, sie geben sie zu einem Spottpreis, für nichts, her. Sie machen's sogar noch besser; denn sie geben ihnen sehr häufig Geld, um sie als Kundschaft zu bekommen und von ihnen blank geputzt zu werden; es ist zum Erbarmen; denn zu einer solchen Putzerei bedarf es keiner geringen Summe, so daß die Putzerei mehr kostet, als die Person samt der Lauge wert ist, die man hineingießt, um sie gut zu putzen; indessen bleibt der Herr Gemahl der Schurke und der Schuft zugleich einer Häßlichen, deren Bissen sehr viel schwerer zu verdauen ist, wie der einer Schönen; abgesehen davon, daß es das äußerste Elend ist, neben sich einen Höllenteufel liegen zu haben statt einen Engel.

Daher hörte ich verschiedene feine Männer den Wunsch aussprechen, lieber eine schöne und etwas buhlerische Frau zu haben, als eine häßliche, die ein Ausbund von Keuschheit wäre; denn Häßlichkeit bringt nur Elend und Unlust mit sich, aber kein bißchen Glück; eine Schöne strömt über von Freude und Glück, und der Erdenrest ist dabei, nach mancher Meinung, sehr gering. Ich berufe mich auf die Leute, die hierin Erfahrungen machten.

Manche hörte ich sagen, daß es für die Ehemänner zuweilen auch kein Bedürfnis darstellt, so keusche Frauen zu haben; denn diese Frauen sind so eitel darauf (ich meine, die die sehr seltene Gabe besitzen), daß man meint, sie wollten nicht allein ihre Gatten, sondern auch den Himmel und die Sterne beherrschen; mit dieser aufgeblasenen Keuschheit sind sie sogar der Ansicht, Gott schulde ihnen eine besondere Gegenleistung. Aber sie täuschen sich sehr; denn ich hörte große Gelehrte sagen: Gott liebt eine arme demütige, zerknirschte Sünderin (wie die Magdalena) mehr als eine stolze und hochmütige, die das Paradies gewonnen zu haben glaubt, ohne das Gericht und die Gnade Gottes überhaupt erst zu erbitten.

Ich hörte von einer Dame, die sich mit ihrer Keuschheit so brüstete, daß sie ihren Gatten dermaßen verachtete, daß sie auf die Frage, ob sie mit ihrem Gemahl geschlafen hätte, antwortete: »Nein, aber er hat mit mir geschlafen.« Welche Eitelkeit! Man kann sich also denken, wie hart diese eitlen dummen keuschen Frauen ihre armen Ehemänner, die ihnen übrigens nichts vorwerfen können, im Zügel halten, und wie sie es erst machen, wenn sie keusch und reich sind! Wie jene Keusche und Vermögliche gegenüber ihrem Gatten die Aufgeblasene, Hochmütige, Stolze und Vermessene spielte, so können diese bei dem allzu großen Dünkel, den sie auf ihre Keuschheit und ihr so gut behütetes Vorderteil haben, es nicht verkneifen, die gebietende Frau zu spielen und ihren Mann wegen des geringsten Fehlers, den er macht, wie ich es erlebte, hart zu schelten, besonders aber wenn er schlecht wirtschaftete. Wenn er spielt, Aufwendungen macht, verschwendet, schreit sie laut, tobt und macht ihr Haus mehr zu einer Hölle als zum Heim einer vornehmen Familie; und muß er von seinem Besitz verkaufen, um sich für eine Reise an den Hof oder in den Krieg, für seine Prozesse, Bedürfnisse, seine kleinen Torheiten und Liebhabereien zu helfen, so braucht davon gar keine Rede zu sein; denn auf ihre Keuschheit pochend, hat die Frau eine solche Oberherrschaft über ihn gewonnen, daß sich ihr Gatte ihrem Urteil unterwerfen muß, wie Juvenal in einer seiner Satiren sehr gut sagt:

.....Animus uxoris si deditus uni,
Nil unquam invitd donabis conjuge; vendes,
Hac obstante, nihil haec, si nolit, emetur
.Brantome ist da eine gehörige Verstümmelung unterlaufen; nach Juvenal, Sat. VI, muß es vielmehr heißen:

Si tibi simplicitas uxoria deditus uni:
Est animus...
Nil unquam invita donabis conjuge: vendes
Ha obstante nihil; nihil, haec si nolet, emetur
.

Diese Verse zeigen sehr gut, daß solche Launen der alten Römerinnen in dieser Hinsicht manchen unsrer eignen Zeit entsprachen: wenn aber eine Frau ein wenig buhlt, verhält sie sich weit bequemer, unterwürfiger, folgsamer, ängstlicher, von milderer und angenehmerer Laune, demütiger und bereitwilliger zu allem, was der Gemahl will, und willfahrt ihm in allem; verschiedene solche Frauen sah ich weder zürnen noch schreien, noch wagten sie sich störrisch zu benehmen, aus Furcht, der Gatte drohe ihnen wegen ihrer Fehler, er möchte ihnen den Ehebruch vorwerfen und es sie gar mit ihrem Leben büßen lassen; und wenn der galante Gemahl etwas von ihrem Hab und Gut verkaufen will, haben sie den Kontrakt noch früher unterschrieben, als er es sagte. Ich habe viele solcher Frauen gesehen: kurz, sie tun, was ihre Männer wollen.

Sind also diese Männer nicht sehr verwöhnt, die Hahnreie so angenehmer Frauen zu sein? So schöne Resultate und Bequemlichkeiten, wie jene, daraus zu genießen, abgesehen von dem schönen und köstlichen Vergnügen, das sie daran haben, mit so schönen Frauen zu buhlen und mit ihnen wie in einem schönen und klaren Strom Wassers zu schwimmen, statt in einem schmutzigen und häßlichen Schlammloch? Und da man doch einmal sterben muß, wie ein großer Feldherr sagte, den ich kenne: ist es nicht besser, man stirbt von einem schönen jungen Degen, von einem blanken saubern, glänzenden und scharf schneidenden Degen, als von einer alten verrosteten und schlecht geputzten Klinge, die mehr Schmirgel braucht, als alle Schwertfeger der Stadt Paris liefern können?

Was ich von den jungen Häßlichen sage, meine ich auch von manchen alten Frauen, die poliert und blank und glänzend gehalten sein wollen wie die schönsten von der Welt (ich rede anderswo darüber),Siehe die V. Abhandlung. und das ist das Übel; denn wenn ihre Männer es ihnen nicht besorgen können (sie sind ebenso hitzig oder noch hitziger wie die Jugend), rufen die Vetteln Ersatz herbei; so sah ich solche, die nicht am Anfang und in der Mitte in Wut geraten wollten, sondern am Ende. Man sagt auch gern, das Ende ist bei diesem Metier im Verlangen danach rasender als die beiden anderen, der Anfang und die Mitte; denn die Kraft und die Macht fehlt ihnen, darüber ist nun ihr Schmerz groß; genau wie das alte Sprichwort sagt, es ist jammerschade, wenn ein Popo einen sehr guten Willen hat und ihm die Kraft fehlt.

Es gibt auch immer ein paar jener armen alten Büßerinnen, die Maulesel reitenBrantôme schreibt hier: passer par bardot, womit er von den alten Weibern redet, die ihre Liebhaber die Rolle von Mauleseln spielen lassen müssen. und auf Kosten ihrer zwei Börsen freigebig sind; die Börse mit dem Gelde läßt auch die andre gut und eng erscheinen. Dann sagt man ja auch, die Freigebigkeit ist in allen Dingen mehr zu schätzen als der Geiz und die Knickerei, außer bei den Frauen, die desto weniger geschätzt werden, je freigebiger sie mit ihrem Schoße sind, und um so mehr, je geiziger und knauseriger sie damit sind.

Dies sagte einmal ein großer Herr von zwei vornehmen Damen, zwei Schwestern, die ich kenne, von denen die eine auf ihre Ehre eifrig bedacht war, während sie mit ihrem Geldbeutel in ihren Ausgaben freigebig war, und die andre in letzterem sehr knauserte, während sie das freigebigste Vorderteil hatte.

Nun gibt es noch eine andre Gattung von Hahnreien, die sicher vor Gott und den Menschen zu verrucht und abscheulich sind, das sind jene, die, in irgendeinen schönen Adonis toll verliebt, ihnen ihre Frauen preisgeben, um sie dafür selbst zu genießen.

Bei meinem ersten Aufenthalt in Italien hörte ich ein Beispiel in Ferrara; man erzählte mir eine Geschichte von einem Manne, der, von einem schönen Jüngling hingerissen, seine Frau überredete, besagtem jungen Manne, der in sie verliebt war, ihren Besitz aufzudringen, sie solle ihm einen Tag bestimmen und tun, was er ihr befehle. Die Dame wollte es sehr gern, denn sie wünschte gar kein andres Wildbret zu essen als das. Endlich war der Tag bestimmt, und die Stunde kam, in der der junge Mann und die Frau sich dem süßen Liebesspiel hingaben, als der Gemahl, der sich versteckt hatte, gemäß der Verabredung mit seiner Frau plötzlich hereinkam; er erwischte sie bei der Tat, setzte dem jungen Mann den Dolch an die Kehle und sagte ihm, für solchen Frevel sei er gemäß den Gesetzen Italiens, die etwas strenger sind wie die in Frankreich, des Todes. Der Jüngling ward gezwungen, dem Gatten zu gewähren, was er wollte, sie tauschten also miteinander: der junge Mann prostituierte sich dem Ehemann, und der Ehemann überließ ihm seine Frau; das nenne ich auf eine gemeine Art und Weise aus einem Gatten ein Hahnrei werden.

Ich hörte, daß irgendwo auf der Welt (wo will ich nicht sagen) ein Gatte in sehr hohem Range lebte, der in einen Jüngling gemein verliebt war; dieser wiederum liebte seine Frau stark, wie sie ihn; sei es nun, daß der Gemahl seine Frau gewonnen hatte, oder daß es eine unversehentliche Überraschung war, er faßte sie, wie sie beide beisammenlagen und sich paarten, bedrohte den jungen Mann, wenn er ihm nicht zu Willen wäre, drang in ihn ein, wie er lag, und genoß ihn; damit war das Problem gelöst, wie drei Liebesleute zu gleicher Zeit einander genießen können.

Ich hörte von einer Dame, die in einen ehrbaren Edelmann, den sie zum Freund und Günstling genommen hatte, heftig verliebt war; als er sich nun fürchtete, daß der Gemahl ihm und ihr einen schlimmen Streich spielen könnte, tröstete sie ihn mit den Worten: »Fürchte nichts, denn er würde es nicht wagen, er hat Angst, ich klage ihn an, daß er mich mit der rückwärtigen Venus benutzen wollte; er könnte deswegen sterben, wenn ich das geringste Wort darüber sagte und ihn dem Gericht anzeigte. Aber so halte ich ihn in Schach und Angst, so daß er in der Furcht vor meiner Anklage mir nichts zu sagen wagt.«

Gewiß hätte eine solche Anklage dem armen Gemahl nichts Geringeres gekostet als sein Leben; denn dies Gesetz sagt, bei der Sodomie ist schon der Versuch strafbar, aber möglicherweise wagte es die Dame nicht gerade heraus zu sagen, und er war weiter gegangen, ohne daß es beim Willen sein Bewenden hatte.

Ich ließ mir erzählen, daß in einem dieser Jahre ein junger französischer Edelmann, einer der schönsten, der seit langer Zeit am Hof zu sehen war, der nach Rom gegangen war, um sich dort auszubilden, wie andere seinesgleichen, dort ein solches Wohlgefallen erregte und mit so großer Bewunderung vor seiner Schönheit betrachtet wurde, sowohl von Männern wie von Frauen, daß man ihn sozusagen mit Gewalt überlief; wo sie wußten, daß er zur Messe ging oder an einen andern öffentlichen Ort oder in eine Versammlung, verfehlten weder Männer noch Frauen, sich zusammenzufinden, um ihn zu sehen. Ja, mehrere Ehemänner erlaubten ihren Frauen, ihm ein Stelldichein in ihrer Wohnung zu geben, damit sie dann, wenn er kam und überrascht wurde, einen Tausch machen könnten, der eine mit der Frau, der andere mit ihm; daher wurde er gewarnt, sich den Liebeswünschen dieser Damen zu überlassen, weil alles darauf angelegt sei, ihn zu erwischen; er wurde also vernünftig, zog seine Ehre und sein Gewissen allen abscheulichen Freuden vor und erntete darum hohes Lob. Zuletzt wurde er indessen von seinem Stallknecht umgebracht. Die Gründe wurden verschiedentlich diskutiert; es war sehr schade um ihn; denn er war ein sehr ehrbarer junger Mann von guter Herkunft, von dem man sich viel versprach, sowohl wegen seines Aussehens und seiner edlen Taten, wie wegen dieses schönen und vornehmen Zuges; denn, so hörte ich einen sehr feinen Mann meiner Zeit, und wie es auch wahr ist, sagen: Keiner war je ein solcher Lustknabe, keiner aber auch tapfer, kühn und edel, wie der große Julius Cäsar; mit dem Willen Gottes werden auch so abscheuliche Leute verworfen und der Verdammnis überantwortet. Ich wundere mich also, daß verschiedenen, die sich mit diesem schlimmen Laster befleckten, noch großes Glück und Wohlstand vom Himmel beschert wurde; aber Gott wartet ihrer, und am Ende sieht man, was aus ihnen werden muß.

Solchen Abscheulichkeiten, hörte ich reden, sind verschiedene Gatten gewiß sehr heftig verfallen; denn elend und verwerflich, wie sie sind, richteten sie sich ihre Frauen mehr von hinten als von vorne zu und bedienten sich ihres Schoßes nur, um Kinder zu bekommen; so behandeln sie ihre armen Frauen, die ihre ganze Hitze in ihren schönen Vorderpartien haben. Sind diese Frauen nicht zu entschuldigen, wenn sie ihre Gatten, die so schmutzigen und dreckigen Neigungen frönen, zu Hahnreien machen?

Wieviel Frauen gibt es auf der Welt, die bei einer Untersuchung von Hebammen, Ärzten und erfahrenen Chirurgen sich auf beiden Seiten nicht mehr als Jungfern erweisen, und deren Männern alsbald der Prozeß gemacht wäre; sie verhehlen es und wagen es nicht zu entdecken, aus Furcht, sowohl sich wie ihre Gatten zu beschimpfen; möglicherweise haben sie selbst eine größere Lust daran, als wir glauben können: oder sie tun es in der oben erwähnten Absicht, ihre Gatten dermaßen in Abhängigkeit zu halten, damit es ihnen erlaubt wird, falls sie anderswo lieben; aber wie dem auch sei, es taugt alles nichts.

Die Summa Benedicti sagt: Der Gatte, der gegen die natürliche Ordnung handelt, begeht eine Todsünde; und wenn er behaupten will, er könne über seine Frau verfügen, wie ihm gefalle, verfällt er in die abscheuliche und häßliche Ketzerei von Juden und elenden Rabbinern, von denen man sagt: duabus mulieribus apud synagogum conquestis se fuisse a viris suis cognitu sodomico cognitas, responsum est ab illis rabinis: virum esse uxoris dominum, proinde posse uti ejus utcumque libuerit, non aliter quam is qui piscem emit: ille enim, tam anterioribus quam posterioribus partibus, ad arbitrium vesci potest.

Ich habe das auf lateinisch hergesetzt, ohne es zu übersetzen; denn es klingt sehr übel für keusche und ehrbare Ohren. Es sind doch abscheuliche Kerle! Einen schönen reinen und dazu verliehenen Teil zu lassen, um einen gemeinen dreckigen, schmutzigen, verbotenen und verdammten dafür einzutauschen!

Wenn der Mann seine Frau auf diese Weise nehmen will, ist es ihr erlaubt, sich von ihm zu trennen, falls es kein anderes Mittel gibt, ihn zu bessern; »wer Gott fürchtet,« sagt Benediktus noch, »darf indessen nie zustimmen, lieber muß er mit aller Gewalt schreien, ohne Rücksicht auf den Skandal, der daraus entstehen kann, und auf die Schande oder die Todesfurcht; denn es ist besser zu sterben, sagt das Gesetz, als ins Böse zu willigen.« Das besagte Buch behandelt noch etwas, das ich sehr seltsam finde: in welcher Art auch immer der Gatte seine Frau erkennt, sofern sie nur dabei empfangen kann, so ist das keine Todsünde, die nicht verziehen werden könne; es gibt aber doch sehr schmutzige und gemeine Methoden, wie Aretino solche in seinen Figuren zur Anschauung bringt; sie lassen von der ehelichen Keuschheit gar nichts spüren, ob wohl es, wie ich sagte, schwangeren Frauen gegenüber erlaubt ist, wie auch denen gegenüber, die einen starken und stinkenden Atem haben, sowohl aus dem Mund wie aus der Nase: So kannte ich verschiedene Frauen, deren Kuß und Anhauch einen geradezu weit wegtreiben konnte; oder wie ich von einer sehr großen Dame hörte, ich meine ausdrücklich sehr großen, daß eine ihrer Damen eines Tages sagte, ihr Atem röche wie ein bronzenes Nachtgeschirr; so drückte sie sich auch gegen mich aus. Einer ihrer vertrautesten Freunde, der ihr sehr nahe stand, bestätigte es mir ebenfalls, freilich war sie auch schon etwas überreif.

Was kann nun ein Ehemann oder ein Liebhaber in einem solchen Fall anderes tun, als zu irgendeiner extravaganten Form seine Zuflucht zu nehmen? Es braucht ja nicht gerade die rückwärtige Venus zu sein.

Ich könnte mehr darüber sagen, aber mir schaudert davon zu reden; es tut mir auch leid, daß ich schon so viel darüber sagte; aber zuweilen muß man eben die Laster der Welt aufdecken, um sich davon zu reinigen.

Nun muß ich noch von der schlimmen Meinung reden, die verschiedene über den Hof unserer Könige gehabt haben und noch haben: nämlich, daß dort die Mädchen und Frauen meistens, ja gewöhnlich, zu Falle kämen; darin täuscht man sich aber sehr oft; denn es gibt dort sehr keusche, ehrbare und tugendhafte Frauen; die Tugend ist dort ebensogut zu Hause, ja sogar besser als an allen anderen Orten, und man muß sie darum sehr preisen; denn es läßt sich recht gut beweisen.

Ich will nur das eine Beispiel von der jetzigen Frau Großherzogin von Florenz, aus dem Hause Lothringen, anführen; als diese an dem Abend, da der Großherzog sie heiratete, zu Florenz ankam, und er mit ihr schlafen gehen wollte, um sie zu entjungfern, ließ er sie vorher in ein schönes kristallenes Uringlas, das schönste und hellste, das er auftreiben konnte, ihr Wasser lassen; dann untersuchte er den Urin mit seinem Arzt, einem sehr großen, sehr gelehrten und erfahrenen Manne, um auf Grund des Befundes von ihm zu erfahren, ob sie eine Jungfer wäre oder nicht. Nach einer genauen und gelehrten Untersuchung fand der Arzt, sie wäre genau so beschaffen, wie sie aus dem Mutterleib gekommen wäre, und er solle nur dreist hingehen, er fände in keiner Weise einen Weg offen, gebahnt oder geschlagen; das tat denn der Gatte auch und erkannte es als Wahrheit; am andern Morgen rief er voll Erstaunen: »Ist das nicht ein großes Wunder? So ein Mädchen kommt als Jungfer vom Hof von Frankreich!« Was für eine seltsame Ansicht! Ich weiß nicht, ob es wahr ist, aber man hat es mir als wahr versichert.

Das nenne ich eine schöne Ansicht von unsern Höfen; sie datiert aber nicht erst von heute, sondern schon seit langer Zeit huldigt man der Auffassung, alle Damen am Hofe und in Paris gingen nicht so züchtig mit ihrem Leibe um, wie die des platten Landes, die sich nicht in ihren Stuben rührten. Es hat Männer gegeben, die so gewissenhaft waren, kein Mädchen und keine Frau zu heiraten, die viel gereist war und, wenn auch nur wenig, die Welt gesehen hatte. Ich hörte in unserer Guyenne, als ich jung war, verschiedene feine Leute sagen und schwören, sie würden niemals eine Frau oder ein Mädchen heiraten, das über den Hafen von Pille hinausgekommen wäre, um lang und breit in Frankreich herumzuziehen. So geschickt und gerieben diese armen Tröpfe auch in andern Dingen sein mochten, es war doch sehr dumm von ihnen, zu glauben, die Hahnreischaft quartiere sich nicht ebensogut in ihre Häuser ein, an ihren Herd, in ihre Kammern, in ihre Kabinette, oder vielleicht noch besser, entsprechend der Bequemlichkeit, als in die königlichen Paläste und großen königlichen Städte! Denn ihre Frauen wurden ebenso verfolgt und verführt, wenn sie selbst an den Hof gingen, in den Krieg, auf die Jagd zogen, zu ihren Prozessen und Spaziergängen, so daß sie es nicht bemerkten und so einfältig waren, zu meinen, man wage kein Liebeswort über sie zu werfen und rede nur von Menagerien, Gärtnereien, Jagden und Vögeln zu ihnen; bei dieser Meinung, bei diesem oberflächlichen Glauben wurden sie leichter zu Hahnreien als sonst; denn eine schöne und geschickte Frau, ein ehrbarer und galanter Mann wissen überall zur Liebe zu kommen und sich einzurichten. Konnten sich denn diese armen Tröpfe und Idioten nicht denken, daß Venus keine feste Wohnung mehr hat, wie früher auf Cypern, auf Paphos, auf Amathus, daß sie überall zu Hause ist, auch in den Hütten der Viehhirten, auch im Schoße der einfältigsten Schäferinnen.

Seit einiger Zeit haben sie damit begonnen, diese dummen Ansichten aufzugeben; denn als sie bemerkten, daß die Gefahr dieser traurigen Hahnreischaft überall drohe, nahmen sie ihre Frauen überall, wo es ihnen paßte und wo sie konnten; ja, noch mehr: sie schickten oder brachten sie an den Hof, um ihren Wert sichtbar zu machen und ihre Schönheit leuchten zu lassen, um der einen oder andern Begierde zu reizen und sich Hörner zu holen.

Wieder andere bedienten sich ihrer Frauen, um ihre Prozesse vor Gericht zu führen und zu betreiben; manche hatten freilich gar keine, aber sie machten glauben, daß sie welche hätten; wenn sie aber einen hatten, so zögerten sie ihn so lange hinaus, als sie nur konnten, um ihre Liebschaften zu verlängern. Zuweilen ließen die Gatten sogar ihre Frauen in der Hut des Gerichtshofes, in der Galerie, im Saal, und gingen nach Haus auf ihre Besitzungen, in der Meinung, ihre Frauen würden ihre Geschäfte besser besorgen und ihre Prozesse eher gewinnen; und das ist wahr, ich kenne verschiedene, die ihren Prozeß mehr wegen der Gewandtheit und Schönheit ihrer Frau gewannen als durch ihr gutes Recht; dabei wurden die Frauen häufig guter Hoffnung; um aber kein Ärgernis zu erregen (wenn die Arzneien ihre Tugend nicht davor behütet hatten), eilten sie schleunig nach Hause zu ihren Männern, unter dem Vorwand, sie holten Urkunden und Schriftstücke, die sie brauchten, oder sie müßten eine Untersuchung anstellen oder auf den Sankt Martinstag warten, und während der Gerichtsferien, wo sie nichts nütze sein konnten, wollten sie ihren Mann besuchen und ihren Hausstand wieder besorgen. Freilich kamen sie zu Besuch, aber sehr schwanger.

Ich verweise auf verschiedene vortragende Räte und Präsidenten, was die guten Bissen anlangt, die sie von den Frauen der Edelleute geschmeckt haben.

Es ist gar nicht lange her, daß eine sehr schöne, ehrbare und große Dame, die ich kannte, auf solche Weise in Paris ihren Prozeß betrieb, und daß jemand sagte: »Was wird sie ausrichten? Sie wird ihn verlieren; ihr Recht ist kein bedeutendes.« Aber trägt sie denn nicht ihr Recht in der Schönheit ihres Schoßes, wie Cäsar das seinige auf dem Knauf und der Spitze seines Schwertes?

Die Edelleute werden also auch in den Gerichtshöfen zu Hahnreien zur Vergeltung für die, welche sie mit den Frauen Rätinnen und Präsidentinnen machten. Unter diesen Damen sah ich auch manche, die ebenso auf verbotenen Pfaden wandelten, wie verschiedene Damen, Fräuleins und Frauen von Rittern, Herren und großen Edelleuten am Hofe und anderswo. Ich kannte eine vornehme Dame, deren frühere große Schönheit aber vom Alter ausgelöscht worden war. Als sie einen Prozeß in Paris führte und sah, daß sie ihre Schönheit nicht mehr dazu brauchen konnte, ihren Prozeß zu betreiben und gewinnen zu helfen, nahm sie ihre Nachbarin mit, eine junge und schöne Dame, und stattete sie zu diesem Zweck mit einer guten Summe Geldes aus, bis zu 10000 Talern, damit sie die Aufgabe übernehme, die sie selbst gern auf sich genommen hätte, aber nicht mehr konnte, und dabei stand sie sich sehr gut, und die junge Dame ebenfalls, jede auf die beste Art.

Vor nicht langer Zeit sah ich eine Mutter eine ihrer Töchter hinführen, obgleich sie verheiratet war, damit sie ihr helfe, ihren Prozeß vorwärts zu treiben, da sie keinen andern Ausweg mehr hatte; ihre Tochter war in der Tat sehr schön, und muß die Sachwaltung außerordentlich gelohnt haben.

Es ist Zeit, daß ich in dieser großen Abhandlung über die Hahnreischaft einmal anhalte; denn schließlich könnten meine langen Reden, hineingewirbelt in diese tiefen Wasser und großen Ströme, darin ertrinken; ich käme niemals zu Ende und würde mich nicht mehr herausfinden, wie aus dem großen Labyrinth der Vorzeit, obwohl ich den längsten und stärksten Faden von der Welt habe, der mich führt und klug leitet.

Zum Schlusse will ich nur sagen: wenn wir den armen Hahnreien Schmerzen, Qualen, Martern und böse Streiche zufügen, rechnen wir es ihnen viel zu teuer an und bezahlen die dreifachen Zinsen dafür; denn die Mehrzahl ihrer Verfolger, Liebhaber und Stutzer ertragen ebensoviel Leiden darum wie sie; sie sind der Eifersucht noch mehr ausgesetzt, die sie ebensosehr gegenüber den Gatten wie gegenüber den Rivalen empfinden; sie haben Sorgen, tragen Launen, begeben sich in die tödlichsten Gefahren, setzen sich Verstümmelungen, Wunden, Beschimpfungen, Beleidigungen, Händeln, Unruhen, Strafen und Totschlag aus; sie ertragen Kälte, Regen, Wind und Wärme, ungerechnet die galanten Übel, als Syphilis, Schanker, die Leiden und Krankheiten, die sie dabei bekommen, mit den Großen nicht weniger wie mit den Kleinen, so daß sie oft sehr teuer kaufen, was sie kriegen; und oft ist die ganze Geschichte der Mühe nicht wert.

Manche Leute sahen wir elend sterben, die das Zeug gehabt hätten, ein ganzes Königreich zu erobern; Zeugen dessen sind Herr von Bussi, dieser unvergleichliche Mann seiner Zeit, und eine Menge andere.

Ich könnte noch eine Unzahl anderer anführen, die ich aber unerwähnt lasse, um damit zu schließen, daß ich die Liebhaber ermahne, nach dem Sprichworte des Italieners zu verfahren, der sagt: Che molto quadagna chi putana perde! Der Graf Amatus II. von Savoyen sagte oft:

En jeu d'armes et d'amours
Pour une joye cent doulours.

»Beim Waffenspiel und Liebesscherzen
Kommt eine Freude auf hundert Schmerzen.«

indem er des bessern Reimes halber das lateinische Wort nahm. Er sagte auch, daß Zorn und Liebe einander darin sehr unähnlich wären, daß der Zorn bald vergeht und von seinem Mann leicht absteht, nachdem er ihn überfallen hat, schwer aber die Liebe.

Daher sollte man sich vor der Liebe hüten; denn sie kostet uns mehr, als sie wert ist, und oft gereicht sie uns zum Unglück. Um die Wahrheit zu sagen, sind die meisten Hahnrei-Dulder hundertmal besser daran als die tätigen Liebhaber, wenn sie sich mit ihren Frauen gut ins Einvernehmen zu setzen wissen; und verschiedene sah ich, die sich ihren Hörnern zum Trotz über uns lächerlich machten und nach allen Launen und Methoden über uns lachten, die wir uns der Liebe mit ihren Frauen angelegen sein ließen; ja oft haben wir es mit verschmitzten Frauen zu tun, die mit ihrem Gatten im Einverständnis sind und uns verkaufen: so kannte ich einen sehr tapfern und ehrbaren Edelmann, der eine schöne und ehrbare Dame lange liebte; als er sie genossen hatte, was er sich schon lange wünschte, bemerkte er eines Tages, daß sie und ihr Mann sich über ihn irgendeines Zuges halber lustig machten, das verdroß ihn so sehr, daß er sie verließ; und daran tat er wohl; er machte eine weite Reise, um sich zu zerstreuen, und verkehrte nie wieder mit ihr, wie er mir sagte. Vor so listigen, schlauen und veränderlichen Frauen sollte man sich in acht nehmen wie vor einem wilden Tier; denn um ihre Gatten zu befriedigen und zu beruhigen, lassen sie ihre alten Anbeter und nehmen nachher andere; denn ohne einen Anbeter können sie es nun einmal nicht ertragen.

Ich kannte auch eine sehr ehrbare und große Dame, die das Unglück hatte, daß fünf oder sechs Liebhaber, die ich in meinem Leben von ihr zählte, alle einer nach dem andern starben, was sie höchlich bedauerte; man hätte von ihr sagen können, sie wäre das Pferd des Sejan, weil alle, die es bestiegen, sterben mußten; sie hatte aber das Gute und Tugendhafte an sich, mit keinem ihrer Freunde, wer es auch immer war, solange er lebte, zu wechseln oder ihn aufzugeben und einen andern zu nehmen; erst wenn sie starben, wollte sie sich stets wieder von neuem beritten machen, um nicht zu Fuß gehen zu müssen; die Gesetzkundigen sagen ja auch, es ist erlaubt, seine Ländereien und Grundstücke mit jedem zu verwerten, wer es auch immer sei, wenn sie von ihrem ersten Herrn aufgegeben sind. Diese Beständigkeit war an der Dame sehr lobenswert; wenn diese bis zum Augenblicke fest blieb, gibt es dafür eine Unzahl anderer, die sehr schwankten. Man soll auch, um offen davon zu reden, niemals in ein und derselben Liebe alt werden, und ein Mann von Herz tut das auch niemals; man muß hier herum und da herum abenteuern, in der Liebe wie im Krieg und in anderen Dingen; denn wenn man sich nur eines einzigen Ankers an seinem Schiff versichert, und er löst sich los, verliert man es leicht, besonders auf dem offenen Meer und im Sturm, wo es den Wettern und Wogen mehr preisgegeben ist als bei einer Windstille und in einem Hafen.

Und könnte man denn auf ein größeres und höheres Meer hinausschiffen, als indem man nur mit einer Dame eine Liebschaft treibt? Wenn sie anfänglich noch nicht von selbst schlau und listig war, so richten wir Männer sie dazu ab, verfeinern sie mit so viel Schlichen und Praktiken, die wir ihr beibringen, daß es uns oft recht übel bekömmt; haben wir eine Frau erst zum Krieg abgerichtet, so führt sie auch Krieg mit uns. »Wie dem auch sei,« sagte ein galanter Mann, »es ist besser, sich mit einer schönen und ehrbaren Frau zu verheiraten, wenn man auch in Gefahr schwebt, ein wenig vom Horn und von dem so allgemeinen Übel der Hahnreischaft gefaßt zu werden, als so viel Widerwärtigkeiten zu erdulden, indem man die anderen zu Hahnreien macht.« Der Herr von Gua hatte freilich eine andere Meinung; als ich ihm eines Tages auf die Veranlassung einer großen Dame, die mich darum gebeten hatte, davon redete, sich zu verheiraten, gab er mir bloß zur Antwort, er hielte mich für seinen besten Freund, den Glauben zerstöre ich ihm aber mit solcher Rede, daß ich ihm eine Sache aufdränge, die er gerade am meisten hasse: nämlich heiraten und zum Hahnrei werden, anstatt daß er die anderen dazu mache; er heirate genug Frauen im Laufe des Jahres; dabei nannte er die Ehe ein ehrwürdiges und vom Gesetz verordnetes Institut der Prostitution; das Schlimmste dabei aber ist (so sehe ich es und zeichne es auf), daß die meisten, sogar alle, die sich damit ergötzt haben, die anderen zu Hahnreien zu machen, bei Eingehung einer Heirat unfehlbar selbst hineinfallen, ich meine in die Hahnreischaft; ich habe es nie anders kommen sehen, genau nach dem Sprichwort: Ce que tu feras à autruy, il te sera fait.

Bevor ich schließe, will ich noch das sagen: es hat sich eine Streitfrage erhoben, die noch unentschieden ist; in welchen Ländern und Reichen unserer Christenheit und unseres Europa es die meisten Hahnreie und Dirnen gibt? Man sagt, in Italien sind die Frauen sehr feurig und daher arge Huren, wie es Herr von Bèze in einem Epigramm ausspricht; weil dort die Sonne, die heiß ist und stark ausgibt, die Frauen mehr erhitzt; daraus machte er den Vers:

Credibile est ignes multiplicare suos.

Mit Spanien verhält es sich ebenso, wenn es auch im Westen liegt; aber die Sonne erhitzt dort die Frauen ebensosehr wie im Orient. Die Flamländer, die Schweizer, die Deutschen, die Engländer, die Schotten, sei's im Norden, sei's im Süden, seien es die kalten Gebiete, haben an diesem natürlichen Feuer nicht weniger teil, ich habe sie ebenso feurig gefunden wie die Frauen aller andern Völker.

Die Griechen haben einen besonderen Grund dazu; denn sie liegen weit gegen Osten zu. So wünscht man sich in Italien eine Greca in letto: und in der Tat, sie haben Reize und Vorzüge und sind nicht ohne Ursache in der Vergangenheit das Entzücken der Welt gewesen; von der alten Zeit bis in die neue herauf haben sie den Italienerinnen und Spanierinnen viel gelernt, so daß diese jetzt also ihre alten und modernen Lehrerinnen weit übertreffen; auch war die Hurenkönigin und -kaiserin, Venus, eine Griechin. Was unsere schönen Französinnen anlangt, so sind sie in der Vergangenheit sehr roh gewesen, sie begnügten sich mit einer plumpen Art der Liebe; seit fünfzig Jahren aber haben sie von den andern Nationen so viel Artigkeiten, Schmeicheleien, Reize und Vorzüglichkeiten gelernt, an Kleidern, an Anmut und Lüsternheit so viel angenommen, oder sie haben sich von selbst so viel Mühe gegeben, sich herauszubilden, daß man jetzt sagen muß, sie übertreffen heute alle andern in jeder Weise. Ich hörte auch von Fremden sagen, sie seien viel mehr wert als die andern, abgesehen davon, daß die unkeuschen Worte in einem französischen Munde viel lüsterner, aufregender, wohlklingender sind als in einem andern.

Die schöne französische Freiheit, die über alles hochzuhalten ist, macht auch unsre Frauen viel begehrenswerter, liebenswürdiger, geselliger und umgänglicher als alle andern: auch werden die Ehebrüche hier nicht so gemeinhin gestraft, wie in andern Ländern, kraft der Weisheit unserer hohen französischen Gerichtshöfe und Gesetzgeber, die angesichts der Mißbräuche, die aus solchen Strafen entspringen, ihnen Zaum und Zügel gaben; die strengen Gesetze der Männer der Vergangenheit, die sich darin jede Freiheit ließen, sich zu ergötzen, während sie sie den Frauen nahmen, linderten sie etwas; damals war es durch kein kaiserliches und kanonisches Gesetz einer unschuldigen Frau erlaubt, ihren Gatten des Ehebruchs anzuklagen (wie Cajetan sagt). Aber die schlauen Männer machten jenes Gesetz aus den Gründen, von denen eine italienische Stanze spricht, die lautet:

Perchè, di quel che natura concede
Cel' vieti tu, dura legge d'honore.
Ella à noi liberal largo ne diede
Com' agli altri animai legge d'amore.
Ma l'huomo fraudulento, e senza fede,
Che fu legislator di quest' errore,
Vedendo nostre forze e buona schiena,
Copri la sua debolezza con lapena.

Nun zum Ende: ist es schön, in Frankreich der Liebe zu pflegen? Ich berufe mich auf unsere glaubwürdigen Gelehrten in Liebessachen, ebenso auf unsre Höflinge, die spitzfindiger darüber reden können als ich. Um aber ganz die Wahrheit zu sagen: überall gibt es Dirnen, Hahnreie, das kann ich wohl bezeugen, weil ich alle Länder sah, die ich nannte und andre mehr; die Keuschheit ist in keinem Lande mehr zu Hause als im andern.

Ich will nur noch eine Frage aufwerfen, dann keine mehr, die möglicherweise noch von niemand untersucht und bedacht wurde: die nämlich, ob zwei Frauen, die ineinander verliebt sind und, wie mans erlebt und heutzutage häufig sieht, beisammen liegen und sich nach dem Beispiel der gelehrten Lesbierin lieben, was man donna con donna nennt, Ehebruch begehen und miteinander ihre Gatten zu Hahnreien machen können.

Wenn man Martial Glauben schenken will (I. Buch, CXIX. Epigramm), so begehen sie Ehebruch; er läßt dort eine Frau mit Namen Bassa, eine Tribade, auftreten und macht ihr den Vorwurf, daß man niemals Männer zu ihr kommen sähe, so daß man sie für eine zweite Lukretia hielte; sie wurde jedoch entdeckt, da man gewöhnlich eine Menge schöner Frauen und Mädchen zu ihr gehen sah; und man fand, sie ließ sich selber benützen, spielte die Rolle des Mannes und Ehebrechers und paarte sich mit ihnen; Martial gebraucht dabei die Worte: geminos committere cunnos. Und dann gibt er in einem lateinischen Vers das folgende Rätsel zu raten auf:

Hic, ubi vir non est, ut sit adulterium.

Das ist ein starkes Stück, sagt er, wo kein Mann ist, da wird doch Ehebruch getrieben.

Ich kannte in Rom eine spanische Kurtisane, die alt und schlau war, wie nur eine, mit Namen Isabella de Luna; diese wurde von einer solchen Freundschaft zu einer Kurtisane ergriffen, die Pandora hieß und eine der schönsten von ganz Rom war; sie hatte sich mit einem Schaffner des Kardinal von Armaignac verheiratet, ohne indessen ihr erstes Metier aufzugeben; jene Isabella aber hielt sie aus und schlief gewöhnlich mit ihr; da sie in ihren Reden sehr zügellos und wüst war, so hörte ich sie häufig sagen, sie treibe immer größere Unzucht mit ihr und lasse sie ihrem Gemahl mehr Hörner aufsetzen, mehr als alle liederlichen Kerle, die Pandora je gehabt habe. Ich weiß nicht, wie sie das meinte, es sei denn, sie bezog sich auf jenes Epigramm Martials.

Man sagt, in diesem Metier sei die Sappho von Lesbos eine sehr gute Lehrerin gewesen; man sagt sogar, sie habe es erfunden, seitdem eifern ihr die Lesbierinnen darin nach und führen sie bis auf den heutigen Tag fort; Lucian sagt: Solche Frauen sind Lesbierinnen, die Männer nicht leiden wollen, sich aber anderen Frauen nähern, genau wie die Männer selbst. Und Frauen, die diese Leibesübung lieben und die Männer nicht leiden wollen, sich aber anderen Frauen ergeben, wie die Männer selbst, heißen Tribaden, ein Wort aus dem Griechischen, wie ich selbst von Griechen lernte, von τριβω, τσιβειν was soviel heißt wie fricare, reiben; lateinisch heißt es fricatrices, Reiberinnen, oder solche, die beim Metier der donne con donne die Reiberin machen, wie man es heute noch genau so findet.

Juvenal redet ebenfalls von diesen Weibern, wenn er sagt:

... frictum Crissantis adorat,

indem er von einer Tribade spricht, die für das Reiben mit einer gewissen Crissante entflammt ist.

Der lustige Kamerad Lucian hat ein Kapitel darüber; er sagt, die Frauen vereinigen sich gegenseitig wie die Männer, indem sie sich mit lasziven, unheimlichen und ungeheuerlichen Werkzeugen paaren, die aus einer unfruchtbaren Form bestehen. Dieser Name, den man von jenen Frikarellen selten hört, ist überall im Schwange, und das weibliche Geschlecht muß dazu philaenisch sein; Philaene führte bestimmte männliche Liebesarten aus. Dennoch fügt er hinzu, daß es viel besser ist, eine Frau ergebe sich einer unzüchtigen Neigung, den Mann zu machen, als daß sich ein Mann verweibliche; er verliert dabei nämlich seinen Mut und seinen Adel. Demgemäß kann die Frau, die den Mann darstellt, für tapferer und beherzter gelten als eine andre; ich kannte ein paar solche Weiber, die es waren, an Leib und Seele.

An einer andern Stelle führt Lucian zwei Frauen an, die miteinander über diese Liebe plauderten; die eine fragte die andre, ob die und die in sie verliebt wäre, und ob sie mit ihr geschlafen und was sie mit ihr gemacht hätte. Die andre antwortete ihr offen: »Zuerst küßte sie mich wie ein Mann, indem sie nicht nur die Lippen zusammenpreßte, sondern auch den Mund öffnete« (das heißt mit dem Taubenkuß, mit der Zunge im Mund) »und obgleich sie kein männliches Glied hatte und uns andern glich, war es doch, wie sie sagte: sie hatte vom Mann das Herz, die Neigung und alles übrige; dann umarmte ich sie wie einen Mann, und sie liebte mich, sie küßte mich und ließ mich lustschauern (ich verstehe dieses Wort gar nicht);d. h. Brantôme meint, der Ausdruck des Lucian bliebe für ihn dunkel; er hatte »allantoit« übersetzt, was ursprünglich ein Steigen und Sinken von Schmerzen, von Kräften bedeutet. und mir schien, als hätte sie eine unbändige Lust daran; sie beschlief mich auf eine weit angenehmere Art als ein Mann.« So weit Lucian.

Nun gibt es, soweit ich sagen hörte, in verschiedenen Städten und Ländern eine Menge solcher Lesbierinnen, in Frankreich, in Italien, in Spanien, in der Türkei, in Griechenland und an anderen Orten. Und wo die Frauen im Kloster sind und keine völlige Freiheit haben, pflanzt sich das Laster arg weiter; denn solche Frauen, denen es im Leibe brennt, müssen sich wohl, sagen sie, mit diesem Mittel helfen, um sich etwas zu kühlen, oder sie verbrennen ganz und gar. Die Türkinnen gehen mehr um dieser Unzucht willen in die Bäder als aus einem andern Grunde, und sie sind ihr sehr ergeben. Auch die Kurtisanen, die doch zu jeder Stunde Männer zur Verfügung haben, bedienen sich dieser Reibungen und suchen und lieben einander, wie ich das in Italien und Spanien von manchen hörte. Bei uns in Frankreich sind solche Frauen ziemlich gewöhnlich; indessen sagt man, es sei noch nicht lange her, daß sie sich damit befaßten, ja daß die Einführung dieser Methode aus Italien erst durch eine Dame von hohem Rang geschah, die ich durchaus nicht nennen will.

Von dem in La Rochelle verstorbenen Herrn von Clermont-Tallart dem Jüngeren, hörte ich, daß er als kleiner Junge die Ehre hatte, mit Herrn von Anjou, später unser König Heinrich III., gemeinsam zu studieren und gewöhnlich mit ihm zu arbeiten; sein Erzieher war Herr von Gournay; als sie nun eines Tages in Toulouse waren und mit besagtem Lehrer im Kabinett studierten, und er in einem Winkel für sich saß, sah er durch eine kleine Ritze in ein andres Kabinett (die Zimmer und Kammern waren nämlich aus Holz, der eifervolle Herr Kardinal von Armaignac, der dortige Erzbischof, hatte sie provisorisch und in der Eile herstellen lassen, um den König und seinen ganzen Hof besser empfangen und einrichten zu können). Dort sah er zwei sehr große Damen, die mit hinaufgehobenen Kleidern aufeinanderlagen, sie schnäbelten sich wie die Tauben, frottierten sich, kurz, machten es in großer Aufregung wie die Männer; ihre Belustigung dauerte eine gute Stunde und machte sie so müde und erhitzt, daß sie ganz rot wurden und, obgleich es sehr kalt war, so schwitzten, daß sie nicht mehr konnten und gezwungen waren, sich auszuruhen. Herr von Clermont sagte, daß er das Spiel auch noch ein paar Tage so beobachtete, solange der Hof da war; seitdem hätte er keine Gelegenheit mehr gehabt, solche Spiele zu sehen, weil er es damals nur der günstigen Lage des Ortes verdankte und er zu andern nicht kam.

Er erzählte mir noch mehr, was ich nicht niederzuschreiben wage, und nannte mir die Damen. Ich weiß nicht, ob es wahr ist; er hat es mir jedoch geschworen und mit hundert guten Eiden versichert. In der Tat ist es sehr wahrscheinlich; denn jene zwei Damen standen schon immer in dem Ruf, dieser Liebe zu huldigen und damit ihre Zeit hinzubringen.

Ich kannte verschiedene andere, die der gleichen Leidenschaft frönten; unter diesen hörte ich von einer von da und da, die jeden Rekord schlug. Sie liebte und verehrte manche Damen mehr als ein Mann; sie erfüllte ihnen dieselben Dienste wie ein Mann seiner Geliebten; sie nahm sie zu sich, hielt sie vollständig aus und gab ihnen, was sie verlangten. Ihr Gemahl war darüber sehr froh und äußerst zufrieden, und ich kannte auch viele andere Ehemänner, die sehr froh waren, daß ihre Frauen eher dieser Liebe nachgingen als der mit Männern (sie hielten ihre Frauen nicht für so geil und wüst). Ich glaube aber, sie täuschten sich sehr; denn soweit ich hörte, ist dieses kleine Exerzitium bloß eine Lehre für das große mit den Männern; denn wenn sie sich erhitzt und einander in Brunst gebracht haben und dabei ihr Feuer sich nicht minderte, müssen sie sich in einem frischen fließenden Wasser baden, das viel besser erfrischt als ein schläfriges; so weiß ich auch von guten Wundärzten: wer eine Wunde wohl erwägen und heilen will, darf sich nicht dabei genügen lassen, sie rundherum oder am Rand medizinisch zu behandeln und zu reinigen; er muß sie bis auf den Grund untersuchen, eine Sonde hineinbringen und eine Wieke dafür zurechtmachen.

Wieviel Lesbierinnen sah ich doch, die bei all ihrem gegenseitigen Reiben doch nicht aufhören, zum Manne zu gehen! Liebte nicht sogar Sappho, die Meisterin dieser Kunst, ihren großen Freund Phaon, dem sie im Tode nachfolgte? Denn schließlich spielt doch, wie ich von verschiedenen Damen sagen hörte, der Mann die Hauptrolle; was sie mit den anderen Frauen anstellen, ist bloß Geplänkel, um sich nachher auf der Männerweide ganz zu sättigen; diese Reibungen benützen sie nur in Ermangelung von Männern. Fänden sie zur rechten Zeit und ohne Aufsehen Männer, so ließen sie gleich ihre Gefährtinnen, um zu ihnen zu gehen und ihnen an den Hals zu springen.

Ich kannte zu meiner Zeit zwei schöne und ehrbare Fräuleins aus gutem Hause, alle beide Kusinen, die hatten drei Jahre lang in ein und demselben Bett geschlafen und sich daher so stark daran gewöhnt, daß sie die Vorstellung bekamen, das Vergnügen sei im Vergleich zu dem mit dem Manne doch recht dürr und unvollkommen, sie machten sich also daran, es mit ihnen zu versuchen, und wurden dabei sehr tüchtige Huren; später gestanden sie ihren Liebhabern, nichts hätte sie so verludert und ins Wanken gebracht wie jenes tribadische Reiben, sie verabscheuten es nun, weil es die einzige Ursache ihrer Ausschweifung war. Nichtsdestoweniger nahmen sie, wenn sie einander oder andern begegneten, stets wieder einen Tribadengang mit, um ihre Begierde nach dem andern mit den Männern immer höher anzureizen. Es geschieht darum, wie einmal ein ehrbares Fräulein, das ich kannte, sagte, als sie von ihrem Liebhaber eines Tages gefragt wurde, ob sie nicht mit ihrer Gefährtin, mit der sie gewöhnlich schlief, dieses mache? »Ach, nein!« sagte sie lachend, »ich liebe die Männer viel zu sehr«; trotzdem aber tat sie beides.

Ich kenne einen ehrbaren Edelmann, der einst am Hofe ein sehr ehrbares Fräulein zur Ehe begehrte und eine ihrer Verwandtinnen darüber um Rat fragte. Diese sagte ihm offen, er verlöre nur seine Zeit damit; weil die und die Dame (sie nannte ihm den Namen, und ich wußte auch Geschichten von ihr) niemals erlauben würde, daß sie sich verheirate. »Ich erkannte plötzlich den Nagelschaden, weil ich wohl wußte, daß sie dieses Fräulein zu ihrer eignen Wonne fetierte und sich sorgfältig für den Mund aufsparte.« Der Edelmann dankte der genannten Kusine für ihren guten Rat, freilich nicht ohne sie lachend zu necken, sie spräche dabei ja ebenso für sich wie für die andre; denn sie wüßte schon mal heimlich etwas wegzubekommen; das leugnete sie mir aber ab.

Dadurch werde ich wieder an manche Männer erinnert, die dergestalt Dirnen bei sich hatten und liebten, daß sie nicht um alles in der Welt andern den Mitgenuß gegönnt hätten, keinem Fürsten, keinem Großen, keinem ihrer Gefährten, keinem ihrer Freunde; so eifersüchtig sind sie darauf wie ein Aussätziger auf seinen Becher, und der bietet ihn noch dazu zum Trinken an, wer davon will. Diese Dame aber wollte das Fräulein ganz für sich behalten, ohne sie mit andern zu teilen; dennoch wurde sie von ihr mit andern Gefährtinnen im geheimen zur Hahnreiin gemacht.

Man sagt, auch die Wiesel ergeben sich dieser Liebe, und Weibchen vergnügten sich mit Weibchen, einander zu beschlafen; so daß man Frauen, die einander mit dieser Liebe besäßen, früher in Geheimschrift durch Wiesel dargestellt hätte. Ich hörte von einer Dame, die stets welche pflegte; sie befaßte sich mit dieser Liebe und hatte Vergnügen daran, den kleinen Tierchen bei ihrer Begattung zuzusehen. Noch ein weiterer Punkt muß erwähnt werden. Diese femininen Liebschaften lassen sich auf zweierlei Art und Weise betreiben, das eine Mal durch Reiben, das andre Mal durch geminos committere cunnos, wie der Dichter sagt. Diese Art und Weise bringt keinen Schaden, sagen einige, man benutzt Instrumente, die die Gestalt eines Penis haben, gewöhnlich Godmichés genannt.

Ich hörte erzählen, daß ein großer Fürst, der zwei Damen an seinem Hofe im Verdacht solcher Liebe hatte, ihnen auflauern ließ, so daß er sie überraschte; die eine wurde dabei ertappt, wie sie sich zwischen den Schenkeln ein dickes Glied hergerichtet hatte, das artig mit kleinen Bändchen rund um den Leib befestigt war, daß es wie ein natürliches Glied erschien. Die Überraschung war so groß, daß sie keine Zeit hatte, es abzutun; und der Fürst zwang sie, ihm zu zeigen, wie sie es beide machten.

Man sagt, manche Frauen starben, weil sie ihrer Gebärmutter Geschwüre zuzogen, die aus den unnatürlichen Bewegungen und Reibungen entstanden. Ich kenne wohl ein paar davon, um die es sehr schade war; denn es waren sehr schöne und ehrbare Damen und Fräuleins, und sie hätten besser daran getan, sie hätten mit ein paar Edelleuten Umgang gehabt; von denen brauchten sie nicht zu sterben, sondern wären vielmehr wieder aufgelebt und wieder frisch geworden, wie ich es noch anderswo auszuführen hoffe. Ja, sie hätten zur Heilung von solchem Übel, wie ich von verschiedenen Wundärzten hörte, gar nichts Geeigneteres finden können, als die Scheide von dem natürlichen Mannesgliede ausreinigen zu lassen, das besser wirkt als jene Pessarien, die mit eigens präparierten Flüssigkeiten und Mixturen von den Ärzten und Chirurgen benutzt werden; aber trotz der Ubelstände, die häufig daraus entspringen, können es manche Frauen doch nicht unterlassen, diese häßlichen Instrumente zu tragen.

Als ich noch am Hofe war, hörte ich eine Geschichte: Zur Zeit der Unruhen hatte die Königin-Mutter eines Tages Befehl gegeben, die Kammern und Kasten aller im Louvre wohnenden Leute, ohne Schonung für Frauen und Mädchen, zu untersuchen, zu dem Zwecke, ob nicht vielleicht Waffen oder gar Pistolen darin versteckt seien; dabei erwischte der Kapitän der Garden im Koffer eines Fräuleins zwar keine Pistolen, aber vier dicke Godmiches, von artiger Bildung, über die alle Welt herzlich lachte, die Dame aber sehr betreten wurde. Ich kannte das Fräulein: und ich glaube, sie lebt noch; aber sie machte nie wieder ein gutes Gesicht. Kurz, solche Instrumente sind sehr gefährlich.

Ich will noch die Geschichte der zwei Hofdamen erzählen, die sich so sehr liebten und so hitzig in ihrem Geschäft waren, daß sie es, an welchem Ort sie auch weilten, nicht unterlassen konnten, mindestens gaben sie sich Liebeszeichen oder küßten sich; dadurch gaben sie großes Ärgernis und den Leuten viel zu denken. Die eine war Witwe, die andre verheiratet; eines Tages, gelegentlich einer großen Feierlichkeit, hatte sich die Verheiratete sehr herausgeputzt und trug ein silberdurchwirktes Kleid, und gerade, wie ihre Herrin zur Vesper gegangen war, gingen sie in ihr Kabinett, und betrugen sich auf dem Nachtstuhl so heftig und ungestüm, daß er unter ihnen zerbrach. Dabei fiel die Verheiratete, die unten lag, mit ihrem schönen Kleid aus silberdurchwirktem Tuch auf den Rücken und mit einem Platsch auf den Kot im Topf; sie beschmutzte und befleckte sich so sehr, daß sie nicht wußte, was sie tun sollte, als sich, so gut sie konnte, abwischen, sich hochschürzen und schleunigst davonzueilen, um in ihrem Zimmer das Kleid zu wechseln; man merkte es wohl und roch ihre Spur, so stank sie: das gab nun ein großes Gelächter bei den Leuten, die die Geschichte erfuhren; auch ihre Herrin, die es ebenfalls praktizierte, brach darüber in Gelächter aus. Sie mußten aber auch stark unter dem Einfluß dieser Brunst stehen, daß sie nicht eine gelegenere Zeit und passenderen Ort abwarteten, ohne Skandal zu erregen. Auch Mädchen und Witwen entschuldigt man noch, daß sie dieses frivole und eitle Vergnügen lieben; man sieht es lieber, sie geben sich so hin und entladen ihre Hitze, als daß sie zu Männern gingen, sich schwängern und entehren ließen oder sich die Frucht abtrieben, wie es manche getan haben oder tun; sie meinen, sie begingen keine so große Sünde gegen Gott, und sie seien nicht so große Huren, wie wenn sie mit Männern verkehrten: es bedeutet auch einen großen Unterschied, ob man Wasser in ein Gefäß schüttet oder es bloß ringsherum und am Rande benetzt. Dies zu entscheiden überlasse ich ihnen. Ich bin weder ihr Richter noch ihr Gatte; mögen sie es schlimm finden; wenn ich auch noch nie welche sah, die nicht sehr froh waren, daß sich ihre Frauen in Gefährtinnen vernarrten, und sogar wollten, sie möchten nie anders Ehebrecherinnen sein als auf diese Weise; und in der Tat ist ein solcher Beischlaf ganz verschieden von dem männlichen; und was auch Martial sagen möge, sie sind darum keine Hahnreie. Es ist ja kein Evangelientext, was ein verrückter Dichter sagt. Es ist darum, wie Lucian sagt, weit schöner, ein Weib ist etwas männlich oder eine wahre Amazone und auch so geil, als daß ein Mann weibisch sei wie ein Sardanapal oder Heliogabal und viele andere ihresgleichen; denn je mehr ein Weib vom Manne hat, desto mutiger ist sie: über all dies aber mögen andere entscheiden.

Herr von Gua und ich lasen einmal ein kleines Buch aus dem Italienischen, das den Titel trägt »Von der Schönheit« und in Dialogen geschrieben ist von Herrn Angelo Firenzuola, einem Florentiner; da gerieten wir auf eine Stelle, wo er sagt, manche Weibchen, die am Anfang von Jupiter erzeugt wurden, waren so geartet, daß einige die Männer liebten, andere die Schönheiten beider Geschlechter, die einen waren rein und fromm, von der Gattung, zu der zu unserer Zeit, wie der Autor sagt, die hochberühmte Margareta von Österreich gehörte, die die schöne Laodomia Fortenguerra liebte; die andern so geil und unzüchtig wie die lesbische Sappho und zu unserer Zeit in Rom die große Kurtisane Cäcilia aus Venedig; diese hassen es von Natur, sich zu verehelichen, sie fliehen den Umgang mit Männern, soviel sie können.

Hierbei warf Herr von Gua dem Autor vor, es wäre unrichtig, daß jene schöne Margareta die schöne Dame mit reiner und frommer Liebe geliebt hätte; denn da sie ihre Liebe mehr auf dieses Mädchen als auf andere warf, die ebenso schön und tugendhaft wie sie sein konnten, stände zu vermuten, daß sie es tat, um sie für ihre Wollust zu benützen, genau so wie andere; und um ihre Unzucht zu verdecken, gebe sie kund, ihre Liebe sei fromm, wie viele ihresgleichen mit solchen Worten ihre Leidenschaft verhüllen. Das war die Meinung des Herrn von Gua; wer sich noch ausführlicher darüber äußern will, der tue es.

Jene schöne Margareta war die schönste Fürstin ihrer Zeit in der Christenheit. So liebt eine Schönheit die andre, mit welcher Liebe es auch immer sei; aber die wollüstige spielt doch die größere Rolle. Sie wurde dreimal wieder verheiratet, in erster Ehe hatte sie König Karl VIII., in zweiter Johann, den Sohn des Königs von Arragonien, in dritter den Herzog von Savoyen, genannt der Schöne; man nannte sie seinerzeit das schönste Paar und die schönste Verbindung von der Welt; dieses ehelichen Glückes erfreute sich jedoch die Prinzessin nicht lange; denn ihr Gatte starb sehr jung und in seiner höchsten Schönheit; sie betrauerte ihn tief und verheiratete sich niemals wieder.

Sie ließ jene schöne Kirche in Bourg-en-Bresse bauen, eines der schönsten und stolzesten Bauwerke der Christenheit. Sie war eine Tante des Kaisers Karl und leistete ihrem Neffen sehr viel Beistand; denn sie wollte mit allen Frieden haben, wie sie es mit der Frau Regentin beim Vertrag von Cambray machte, wo sich beide sahen und zusammenfanden, und von alten Leuten ließ ich mir erzählen, daß die beiden großen Prinzessinnen dort ein schönes Bild miteinander boten.

Cornelius Agrippa schrieb eine kleine Abhandlung über die Tugend der Frauen, alles zum Preise dieser Margarete. Das Buch ist sehr schön, wie es auch wegen des schönen Gegenstandes nicht anders sein kann, und dann war ja auch der Autor eine sehr bedeutende Persönlichkeit.

Ich hörte von einer großen fürstlichen Dame, die unter den Mädchen ihres Gefolges eines ganz besonders und mehr als die anderen liebte; darüber wunderte man sich; denn sie wurde von anderen in jeder Beziehung übertroffen; endlich entdeckte man, daß sie hermaphroditisch war, und daß sich daher jene Dame ohne jeden Mißstand oder Anstoß mit ihr vergnügen konnte. Die Sache war noch etwas anders wie bei jenen Tribaden: denn das Vergnügen fleckte noch etwas besser.

Man nannte mir noch eine vornehme Dame, die ebenfalls hermaphroditisch ist und auch ein männliches Glied hat, allerdings ein sehr kleines, sie war aber trotzdem mehr Weib; denn ich fand sie sehr schön. Verschiedene große Ärzte, die ich darüber hörte und die genug solche Frauen sahen, bezeichnen sie als überaus wollüstig.

So viel über den Gegenstand dieses Kapitels, das ich tausendmal hätte länger machen können, als ich's tat; denn ich habe noch so vielen und so reichen Stoff, daß, wenn alle Hahnreie und ihre Frauen, die sie dazu machen, sich bei der Hand faßten, und einen Ring bildeten, er hinreichend wäre, damit den halben Erdkreis zu umspannen.

Zur Zeit König Franz' gab es ein altes Lied, das ich von einer sehr ehrbaren und ehrwürdigen Dame hörte, und das lautet:

Mais quand viendra la saison
Que les cocus s'assembleront,
Le mien ira devant, qui portera la bannière;
Les autres suivront apres, le vostre sera au darrière,
La procession en sera grande,
L'on y verra une tres-longue bande.

Wenn die Jahreszeit wieder kommt
Und die Hahnreischaft sich sammelt,
Geht der meine voran und läßt die Fahne wehn;
Die andern folgen nach, Eurer ist hinten zu sehn.
Die Prozession ist groß und viel,
Es gibt eine lange Kompagnie.

Ich will indessen viele ehrbare und anständige Frauen preisen, die sich tugendlich und standhaft bei dem heiligen Treuschwur gehalten haben, den sie ihrem Gatten leisteten; ich gedenke zu ihrem Ruhm ein besonderes Kapitel zu schreiben und Meister Jean de Meung Lügen zu strafen, der in seinem Romant de la Rose sagt:

»All ihr Frauen...
Ihr seid oder wart
Wirkliche Dirnen oder
ihr wolltet es sein.«

Darob warfen damals die Frauen am Hofe eine solche Feindschaft auf ihn, daß sie auf den Rat der Königin eine Verschwörung bildeten und ihn eines Tages ganz nackt auszogen, um ihn durchzupeitschen; sie wollten schon zuschlagen, da bat er sie, es solle wenigstens die allergrößte Hure den ersten Schlag tun: aus Scham wagte keine anzufangen; so entrann er der Stäupung. Ich sah die Geschichte auf einer alten Tapisserie unter den Möbeln im Louvre eingewirkt.

Etwas Ähnliches weiß ich von einem Prediger, der eines Tages in einer guten Gesellschaft predigte und dabei die Sitten einzelner Frauen und ihrer Gatten tadelte, die es ertrugen, von ihnen zum Hahnrei gemacht zu werden; dabei rief er aus: »Ja, ich kenne sie, ich will gleich diese zwei Steine den größten Hahnreien der Gemeinde an den Kopf werfen;« und als er zum Wurf ausholen wollte, war kein Mann in der Predigt, der nicht den Kopf senkte oder seinen Mantel, seine Kapuze, seinen Arm vorhielt, um sich vor dem Wurf zu schützen. Der Prediger aber legte die Steine weg und sprach: »Sagte ich es euch nicht? Ich meinte, es seien bloß zwei oder drei Hahnreie in meiner Predigt, soweit ich aber sehe, ist kein einziger da, der es nicht ist.« Nun, was aber auch diese Witzbolde sagen mögen, es gibt sehr sittsame und ehrbare Frauen, und sie würden, wenn sie den anderen, die ihnen so ungleich sind, Schlachten zu liefern hätten, den Sieg davontragen, nicht wegen ihrer Zahl, sondern kraft ihrer Tugend, die ihre Gegner leicht besiegt und niederschlägt.

Und wenn der besagte Meister Jean de Meung die Frauen schilt, die in ihren Gedanken Dirnen sind, finde ich, er solle sie vielmehr preisen und bis in den Himmel erheben; denn wenn es ihnen so heiß in Leib und Seele brennt und sie doch nicht zur Tat schreiten, legten sie doch von ihrer Tugend, ihrer Beständigkeit und dem Adel ihres Herzens Zeugnis ab; lieber wollen sie sich in ihren eigenen Feuern und Flammen verzehren lassen wie ein seltener Vogel Phönix, als daß sie ihre Ehre verwirkten und befleckten; darin gleichen sie dem weißen Hermelin, das lieber sterben als schmutzig werden will (dies die Devise einer sehr vornehmen Dame, die ich kannte, aber sie hat sie sehr schlecht in die Tat umgesetzt); da es doch in ihrer Macht liegt, ihren Brand zu löschen, beherrschen sie sich doch so gewaltig, und es gibt keine schönere Tugend und keinen größeren Sieg, als sich selbst zu beherrschen und selbst zu besiegen. In den Hundert Erzählungen der Königin von Navarra haben wir darüber eine sehr schöne Geschichte; sie handelt von jener ehrbaren Dame von Pampeluna, die, in ihrer Seele und in ihren Gedanken unkeusch, vor Liebe nach dem Herrn d'Avannes, dem schönen Fürsten, verbrannte; sie wollte aber lieber in ihrem Feuer sterben als ein Heilmittel dagegen suchen; erst durch ihre letzten Worte vor ihrem Tod erfuhr er es aus ihrem Munde.

Diese ehrbare und schöne Dame überantwortete sich dem Tod auf höchst unbillige und widerrechtliche Weise; bei dieser Gelegenheit hörte ich auch einen ehrbaren Herrn und eine ehrbare Dame sagen, damit hätte sie Gott beleidigt, da es doch in ihrer Macht stünde, dem Tod zu entrinnen. Ihm nachjagen und so zuvorzukommen, heißt eigentlich sich selber töten, mehr Frauen ihresgleichen haben sich auch mit dieser großen Keuschheit und Enthaltsamkeit den Tod zugezogen, sowohl den seelischen wie den leiblichen.

Von einem sehr großen Arzte hab ich (und meine, er hat diese Lektion und diesen Unterricht manchen ehrbaren Damen erteilt), daß der menschliche Körper sich niemals Wohlbefinden kann, wenn nicht alle seine Glieder und Teile, von den größten bis zu den kleinsten, ihre Tätigkeiten und Funktionen, die ihnen die weise Natur zu ihrer Gesundheit vorgeschrieben hat, zusammen ausführen und im Einklang untereinander wirken lassen, wie es bei einem Instrumentalkonzert geschieht; es ist ohne Vernunft, wenn einzelne dieser Teile und Glieder arbeiten und die anderen liegen brach, so wie in einer Republik alle Beamten, Handwerker, Gewerbsleute und andere ihr Geschäft einhellig verrichten müssen, ohne daß einer ruht oder daß sich einer auf den andern verläßt, wenn man will, daß sie wohl gedeiht, und daß ihr Körper gesund und ganz bleibt, ebenso steht es mit dem menschlichen Körper.

Solche schönen Damen, deren Seele unkeusch und deren Leib keusch ist, verdienen ewige Lobpreisungen, nicht aber jene, die kalt sind wie Marmor, schlaff, feige und unbeweglicher als ein Fels, fleischlose Naturen, die keine Gefühle haben (es gibt freilich kaum solche), die weder schön noch gesucht sind und, nach den Worten des Dichters,

... Casta quam nemo rogavit,

»keusch und von niemand begehrt«. In dieser Hinsicht kannte ich eine große Dame, die zu einigen ihrer Gefährtinnen, die schön waren, sagte: »Gott hat mir eine große Gnade erwiesen, daß er mich nicht schön geschaffen hat, wie euch, meine Damen; denn sonst hätte ich auch der Liebe gehuldigt wie ihr und wäre eine Hure geworden wie ihr.« Daher kann man jene keuschen Schönheiten für diese ihre Natur rühmen und preisen.

Sehr häufig freilich täuschen wir uns auch über solche Damen, denn welche erscheinen, wenn man sie sieht, in ihren Worten und in ihrer zurückhaltenden Kleidung so kleinlich, kläglich, schwächlich, kalt, diskret, verschlossen und sittsam, daß man sie für Heilige und höchst spröde Frauen halten könnte, aber sowohl in ihrem Innern und in ihrem Willen, wie nach außen hin mit ihren Taten sind sie tüchtige Huren.

Wieder andere könnte man wegen ihrer Artigkeit, ihrer lustigen Gebärden und ihrer weltlichen und gezierten Kleider für sehr ausschweifend und für gleich bereit halten, sich hinzugeben, trotzdem aber sind sie vor der Welt leiblich sehr ordentliche Frauen, wie sie im geheimen sind, das muß auch der Wahrheit überlassen bleiben, die im Verborgenen liegt.

Ich könnte eine Unmenge von Beispielen dafür anführen, die ich sah und hörte, ich will mich aber damit begnügen, das anzuführen, was Titus Livius bringt, besser noch Boccaccio; es handelt von einer hübschen römischen Frau mit Namen Claudia Quintiana, die in Rom durch ihre prächtigen und wenig sittsamen Kleider vor allen anderen auffiel, durch ihre freien und fröhlichen Manieren weltlicher erschien, als nötig war, und in betreff ihrer Ehre in sehr schlechten Ruf kam; als aber der Tag des Empfangs der Göttin Kybele kam, tilgte sie alles aus, denn sie genoß vor allen anderen die Ehre und den Ruhm, die Göttin aus dem Schiffe zu empfangen, sie zu berühren und in die Stadt zu bringen, worüber alle Welt erstaunte; denn es war gesagt worden, nur der beste Mann und die beste Frau würden dieses Amtes gewürdigt. Man sieht, wie arg sich die Welt mit manchen unserer Damen täuscht. Man muß sie zuerst genau kennen und prüfen, bevor man sie beurteilt, sowohl die eine wie die andere Art.

Bevor ich schließe, muß ich noch eine schöne Tugend und Eigentümlichkeit erwähnen, die mit der Hahnreischaft verknüpft ist, und die ich von einer sehr ehrbaren und schönen Dame von guter Herkunft habe; wie ich eines Tages in ihr Kabinett trat, finde ich sie im Begriff, an eine Geschichte aus ihrer eigenen Feder die letzte Hand zu legen, sie zeigte sie mir offen; denn ich gehörte zu ihren guten Freunden, und sie verbarg mir nichts, sie war sehr geistreich und beredt und der Liebe sehr ergeben; der Anfang der Geschichte lautete:

»Es scheint,« sagte sie, »die Hahnreischaft hat unter anderen schönen Eigentümlichkeiten, die mit ihr verknüpft sind, das Schöne und Gute, daß man dabei ordentlich erkennen kann, wie fein sich der Geist für das Vergnügen und die Befriedigung der Natur des Menschen übt, denn er ist es, der wacht, der die dazu nötigen Kunstgriffe erdenkt und ausfindig macht, während die Natur bloß die sinnliche Lust und die Begierde dazu beisteuert, der Geist lehrt, wie man es verdecken kann mit so viel Listen und Schlauheiten, die beim Liebesmetier betätigt werden, und er setzt die Hörner auf; denn es gilt einen eifersüchtigen, argwöhnischen und heftigen Gemahl zu täuschen; es gilt die Augen derjenigen zu trügen und zu umschleiern, die das Böse auffangen, denen eine Nase zu drehen, denen es am eifrigsten um die Kenntnis der Wahrheit zu tun ist, Treue vorzuspiegeln, wo alles bloß Täuschung ist, Freimütigkeit, wo bloß Verstellung ist, Furcht, wo es erlaubt ist, kurz, wegen all dieser Schwierigkeiten und hohen Anforderungen sind dies keine Akte, die dem natürlichen Verdienst gelingen können, der Vorzug muß hierin dem Geiste gegeben werden, er liefert das Vergnügen überhaupt und setzt mehr Hörner als der Körper, der sie pflegt und pflöckt.« Dies die eigenen Worte der Aufzeichnungen jener Dame, ohne irgendwelche Änderung, damit beginnt sie ihren selbstgeschriebenen Bericht; sie veränderte jedoch die Namen; in der weiteren Darstellung der Liebschaften der Dame und des Herrn, mit denen sie es zu tun hat, bis zur Erfüllung des Zweckes, führt sie an, daß die Wahrscheinlichkeit der Liebe bloß eine Wahrscheinlichkeit der Befriedigung ist. Die Liebe ist bis zum völligen Besitz und Genuß überhaupt formlos, und sehr oft glaubt man, sie sei am äußersten Punkt angelangt, wenn man weit entfernt ist von seiner Abrechnung; zur Belohnung hat man nichts wie verlorene Zeit, um die man dann klagt und jammert. (Die letzteren Worte muß man wohl erwägen und beachten, sie treffen den Nagel auf den Kopf und sprechen nur einen gerechten Tadel aus.) Trotzdem haben Mann und Weib in der Liebe bloß den Genuß, wenn sie die verlorene Zeit nicht bedauern wollen. Daher gab jene ehrbare Dame, die diese Erzählung niederschrieb, ihrem Liebhaber ein Rendezvous in einem Gehölz, wo sie häufig in einer sehr schönen Allee lustwandelte; an deren Eingang ließ sie ihre Frauen warten und fand ihren Freund unter einer schönen und breiten schattigen Eiche, denn es war im Sommer! »Hier,« sagte die Dame in ihrer Erzählung mit ihren eigenen Woren, »hier schweiften sie unzweifelhaft ein wenig aus und errichteten dem armen Gemahl einen schönen Altar im Tempel des Kreaton, obgleich sie nicht in Delos waren,« dieser Tempel bestand nämlich ganz aus Hörnern, man stelle sich nun vor, was für ein lustiger Bruder ihn gründete.

So machte sich also jene Dame über ihren Gemahl lustig, sowohl in ihren Schriften wie in ihren Taten und Wonnen. Man beachte alle ihre Worte, sie sind sehr wirksam, da sie von einer so geschickten und ehrbaren Frau ausgesprochen und niedergeschrieben sind.

Die Erzählung ist sehr schön, und ich hätte sie gern eingerückt, aber sie ist zu lang, denn die Gespräche, bevor sie dazu kommen, sind schön, aber auch lang, sie macht ihrem Liebhaber Vorwürfe, der sie außerordentlich rühmte: er berge mehr eine natürliche und neue Leidenschaft, dem sie nichts Gutes gegenübersetzen könne, obgleich sie zu den schönsten und ehrbarsten gehörte, um diese Meinung zu besiegen, mußte der Liebhaber bedeutende Proben seiner Liebe ablegen, die in dieser Erzählung sehr gut auseinandergesetzt sind, und sieht man sie dann einig, so ergeben sich daraus allerhand Listen, Schlauheiten und Liebesbetrügereien, gegenüber dem Gemahl wie gegenüber der Welt, die sicherlich sehr schön und hochfein sind.

Ich bat jene ehrbare Dame, mir die Abschrift jener Geschichte zu geben, das tat sie sehr gern, nur wollte sie die Abschrift selbst anfertigen, sie hatte Angst, man möchte auf ihre Schliche kommen, ich behüte sie sehr sorgfältig.

Die Dame hatte recht, der Hahnreischaft dieses Verdienst und diese Eigentümlichkeit zuzuschreiben, denn bevor sie sich mit Lieben befaßte, war sie sehr wenig geschickt, nachdem sie es aber betrieben hatte, wurde sie eine der geistvollsten und geschicktesten Frauen von Frankreich, sowohl in dieser Sache wie in anderen. Und es ist in der Tat nicht die einzige, von der ich erlebte, daß sie durch Liebschaften ihre Fähigkeiten steigerte, denn ich habe viele Frauen gesehen, die im Anfang sehr dumm und arg ungeschickt waren, aber kaum hatten sie ein Jahr an der Akademie des Cupido und der Venus, seiner Frau Mutter, zugebracht, so stand ihre Geschicklichkeit und Anständigkeit ganz außer Frage, und was mich anlangt, so habe ich nie eine Hure gesehen, die nicht sehr gewandt und auf den Kopf gefallen gewesen wäre.

Noch eine Frage möchte ich aufwerfen: welche Jahreszeit läßt die meisten Hahnreie gedeihen, welche ist am geeignetsten zur Liebe und welche kann eine Frau, eine Witwe oder ein Mädchen am meisten ins Wanken bringen? Die allgemeine Stimme geht sicher dahin, es sei nur der Frühling, der die Körper und Geister aufweckt, die den verdrießlichen und melancholischen Winter schliefen; wenn alle Vögel und Tiere sich ergötzen und in Brunst kommen, empfinden es Leute, die entwickelte Sinne und Gefühle haben, noch viel mehr, besonders geraten die Frauen (nach der Meinung verschiedener Philosophen und Ärzte) dann in größeres Liebesfeuer als zu jeder anderen Zeit, wie ich das auch verschiedene ehrbare und schöne Damen habe sagen hören, besonders eine große, die jedesmal vom Frühlingswehen mehr berührt und gereizt wurde als von jeder anderen Jahreszeit; sie sagte, sie fühle das Gras sprießen und müsse wie eine Stute danach wiehern, und sie müsse von der Frucht schmecken, sonst würde sie ganz dürre; das tat sie denn auch, das versichere ich euch, und wurde dann nur noch geiler. Auch drei oder vier neue Liebschaften, die ich sie in ihrem Leben machen sah, ging sie im Frühling ein, und nicht ohne Ursache; denn von allen Monaten sind April und Mai am meisten der Venus geweiht und gewidmet, und dann fangen die schönen Damen an, mehr als zuvor sich herzurichten, sich aufzuputzen, sich hübsch zu schmücken, sich schäkerhafte Haartouren zu machen, sich leicht zu kleiden; man möchte daher meinen, alle diese neuen Veränderungen, sowohl der Kleider wie der Manieren, zielten auf die Wollust ab und darauf, die Erde mit Hahnreien zu bevölkern, genau wie April und Mai die Himmelsräume mit den meisten Vögeln beschenken.Brantôme wendet hier ein schwieriges Wortspiel an, in dem wiederum cocu und Kuckuck ihre Rolle zu spielen scheinen.

Man soll überdies auch nicht meinen, daß die schönen Frauen, Mädchen und Witwen, wenn sie auf allen Seiten auf ihren Spaziergängen in ihren Wäldern, Forsten, Gehegen, Parks, Wiesen, Gärten, Gebüschen und anderen Erholungsorten sehen, wie sich die Tiere und Vögel lieben und huren, nicht den Stachel des Fleisches spüren und nicht sofort auf Heilmittel sinnen. Es bildet eine der überzeugendsten Vorstellungen für Liebende ohne Glut oder Flamme, daß man sie auf die Tiere und Vögel in Haus und Feld hinweist; wie die Sperlinge und die Tauben, die geilen Haustiere, sich bloß begatten, befruchten, zeugen und sich vermehren, bis zu den Pflanzen und Bäumen. Das wußte eines Tages auch eine feine spanische Dame zu einem kalten oder allzu respektvollen Kavalier zu sagen: Ea,gentil cavallero, mira como los amores de todas suertes se tratan y triunfan en este verano, y V.S. queda flaco y abatido. Das heißt: »Seht hier, feiner Herr Ritter, hier spielen sich alle Arten der Liebe ab und triumphieren in diesem Frühjahr, und Ihr bleibt schlaff und verzagt.«

Der Frühling geht und macht dem Sommer Platz, der ihm nachfolgt und seine Gluten mitbringt; und wie eine Hitze die andre im Gefolge hat, so verdoppelt die Frau folgerichtig die ihrige; es gibt keine größere Abkühlung für sie als ein brünstiges Bad mit Venussperma. Nicht durch sein Gegenteil heilt man etwas, sondern man behandelt Gleiches mit Gleichem; denn ob sie sich auch alle Tage badete und in dem frischesten Brunnen eines ganzen Landes untertauchte, es nützt doch nichts; sie mag auch noch so leichte Kleider tragen, um sich zu erfrischen, sie mag sie so hoch aufschürzen, so hoch sie will, daß man sogar ihre Unterhosen sieht, sie mag den VertugadinVertugadin bezeichnet in der Sprache des 16. Jahrhunderts einen Hüftenwulst, der die Röcke trug. darüber legen, ohne die Kleider über den Unterrock anzulegen, wie es manche tun, es nützt nichts. Und das ist das Schlimmste, in solchem Zustand sehen, entzücken und betrachten sie sich im hellen Licht der Sonne, und wie sie sich so schön, weiß, mollig, geputzt und wohlgestaltet sehen, geraten sie plötzlich in Brunst und Versuchung, dann heißt es zum Männchen gehn, oder sie müssen bei lebendigem Leibe verbrennen; das erlebt man aber sehr selten, es wäre auch sehr dumm von ihnen. Und wenn sie in ihren schönen Betten liegen und weder Decken noch Leintücher ertragen können, haben sie ihre Hemden so hoch hinaufgeschoben, daß sie halb nackt sind; am Morgen, wenn die aufgehende Sonne über sie scheint und sie sich noch bequemer von allen Seiten und in allen Teilen betrachten können, sehnen sie ihre Freunde herbei und erwarten sie. Kommen sie zufällig in diesem Augenblick, sind sie alsbald hochwillkommen, werden umfaßt und umarmt: »Dann gibts«, sagen sie, »die höchste Umarmung und den größten Genuß, den keine andre Tagesstunde gewährt,« »weil dann«, sagte einmal eine Große, »die Scheide wegen der milden Wärme und des Feuers der Nacht, in denen ihr Saft kochte, ordentlich eingemacht und viel schöner und schmackhafter ist.«

Ein altes Sprichwort sagt indessen: »Juni und Juli ist der Mund feucht und die ... trocken«, dazu führt man noch den Monat August an: das versteht sich für die Männer, die in Gefahr sind, wenn sie sich während dieser Zeit zu sehr erhitzen, und besonders, wenn der Hundsstern regiert, das müssen sie sehr beachten; wollen sie sich aber an ihrer Kerze verbrennen, so ist's ihr Schaden. Die Frauen laufen diese Gefahr niemals, denn ihnen sind in allen Stunden, Monaten und Jahreszeiten die Zeichen günstig.

Nun stellen sich die guten Früchte des Sommers ein, die jene ehrbaren und feurigen Damen scheinbar erfrischen müssen. Manche sah ich wenig davon essen, andre aber viel. Indessen kann man kaum je eine Veränderung in der Feurigkeit feststellen, weder bei den einen noch bei den andern, ob sie sich's nun versagen, oder ob sie davon essen; das Schlimmste ist, wenn es manche Früchte gibt, die erfrischen können, so gibt es eine schwere Menge anderer, die ebensosehr erhitzen; zu diesen greifen die Frauen am öftesten, wie zu verschiedenen Kräutern, die in Blüte stehen und zu ihren Suppen und Salaten gut schmecken, als: Spargeln, Artischocken, Morcheln, Trüffeln, Rüßlingen und Herrenpilzen, ferner die neuen Speisen, die ihre Köche auf ihren Befehl sehr gut herzurichten und lecker und gut zuzubereiten wissen und die ihnen auch die Arzte tüchtig verordnen. Wenn ein galanter Kenner diese Stelle weiter ausführen wollte, so würde er es sehr viel besser erledigen als ich.

Nach diesen guten Speisen nehmt euch in acht, ihr armen Liebhaber und Ehemänner! Seht ihr euch nicht sehr vor, so ist es um eure Ehre geschehen, und ihr werdet vertauscht und betrogen.

Das ist noch nicht alles, denn zu jenen neuen Früchten aus Gärten und Feldern kommen noch gute große Pasteten hinzu, die man seit einiger Zeit erfunden hat, mit einer Menge Pistazien, Pinien und andern Drogen und Reizmitteln aus der Apotheke, besonders aber mit dem Kamm und den Hoden des Hahns, die der Sommer üppiger entwickelt als der Winter und andere Jahreszeiten; nun werden auch im allgemeinen mehr junge Hähnchen geschlachtet als im Winter große Hähne, da diese nicht so groß und so geeignet sind wie die kleinen, die feurig, brünstig und fideler sind wie die andern. Dies ist, unter andern, eine der Vorzüge und Annehmlichkeiten, die der Sommer für die Liebe mit sich bringt.

Von diesen fein gemischten Pasteten, kleinen Hähnen, Artischockenbäuchen, Trüffeln oder andern erhitzenden Leckereien machen, wie ich hörte, manche Damen häufig Gebrauch; wenn sie davon essen oder darin herumfischen, langen sie mit der Hand oder mit der Gabel hinein, ziehen entweder eine Artischocke, eine Trüffel, eine Pistazie oder einen Hahnenkamm oder sonst einen Bissen heraus und stecken ihn in den Mund; dazu sagen sie mit betrübter Miene: »Niete!«; erwischen sie aber ein artiges Hahnengeschlecht und bringen es unter die Zähne, so sagen sie jubelnd »Treffer!«; genau wie beim Glückstopf in Italien, als wenn sie ein sehr kostbares und reiches Kleinod herausgezogen hätten.

Dafür sind sie den kleinen Herren Hähnen und Hähnchen Dank schuldig, die der Sommer und auch der halbe Herbst mit hervorbringt, den ich hier in den Sommer einbeziehe; beide geben uns eine Menge anderer Früchte und kleiner eßbarer Vögel, die hundertmal hitziger sind als die des Winters und der weiteren Herbsthälfte, die dem Winter nähersteht; diese letzteren Jahreszeiten darf man wohl vereinigen, weil man für ihre Dauer doch alle jene guten Heilkräuter nicht in ihrer Kraft pflücken soll, auch andere Sachen nicht, wie in der heißen Jahreszeit, wenn sich auch der Winter bemüht, hervorzubringen, was er kann, wie die guten Artischocken, die roh oder gekocht eine gute Hitze und Begierde erzeugen, bis zu den kleinen erhitzenden Disteln, von denen die Esel sich nähren und darum besser schreien; denn im Sommer sind sie hart, im Winter zart und köstlich, man macht daher in neuester Zeit auch sehr gute Salate daraus. Außerdem macht man noch eifrig Jagd nach guten Drogen bei den Apothekern, Drogisten und Parfümeriehändlern, damit sowohl an den Pasteten wie an den Kraftbrühen nichts vergessen ist. In Anbetracht dieser Ernährung hat man, soviel eine Frau sich eben verschaffen kann, über ihre Hitze im Winter kaum zu klagen; »denn,« sagen die Frauen, »wenn wir eifrig danach aus sind, unsern Leib mit dicken Kleidern und gutem Pelzwerk äußerlich warm zu halten, warum sollten wir es innerlich nicht ebenso machen?« Die Männer sagen auch: »Und was nützt es ihnen, Hitze auf Hitze zu häufen, wie man Seide auf Seide legt, gegen alle Verfassung, sie sind schon von selbst feurig genug; in jeder Stunde, in der man sie bespringen will, sind sie in der bereitesten Stimmung, ohne daß mit irgendeiner Kunst nachzuhelfen wäre! Wozu das? Möglicherweise fürchten sie, daß ihr heißes und kochendes Blut, wenn es nicht unterhalten wird, verdirbt und sich in den Adern staut und eisig wird wie das eines Eremiten, der bloß von Wurzeln lebt.«

Nun, lassen wir sie gewähren: das ist gut für die lustigen Kameraden; denn wenn sie so häufig in Brunst kommen, dann fallen sie ja auf den geringsten Liebesangriff, den man auf sie macht, und die armen Herren Gatten werden Hahnreie und gehörnt wie Satyrn. Die ehrbaren Damen treiben es aber noch besser! Sie lassen zuweilen von ihren guten Pasteten, Kraftbrühen und Suppen ihren Liebhabern aus Mitleid, damit sie tapferer sind und nicht allzusehr geschwächt werden, wenn's zum Geschäft kommt, damit die Geberinnen es mehr spüren und reichlicher abbekommen; sie geben ihnen auch Rezepte, damit sie sich's in ihrer Küche machen lassen: manche Liebhaber aber täuschen sich dabei sehr, wie ich von einem feinen Edelmann hörte, der seine Kraftbrühe genommen hatte und ganz fröhlich bei seiner Herrin landete und ihr drohte, er werde sie tüchtig vornehmen, er habe seine Bouillon genommen und seine Pastete gegessen. Sie antwortete ihm: »Ihr besorgt mir nur, was gerecht ist, sonst weiß ich nicht;« als sie sich aber umschlangen und berannten, nützten ihm jene Leckerbissen bloß zu zwei Gängen. Daraufsagte sie ihm, entweder habe ihn sein Koch schlecht bedient, oder er habe Drogen und Mixturen vergessen, die dazu nötig wären, oder er habe die große Medizin nicht ordentlich vorbereitet, oder er wäre körperlich schlecht disponiert gewesen, sie zu nehmen und wiederzugeben: so machte sie sich über ihn lustig.

Es sind zwar nicht alle diese Heilkräuter, Drogen, Speisen und Arzneien für alle passend; bei den einen wirken sie, bei den andern gar nicht. Auch sah ich Frauen, die man, als sie von diesen hitzigen Speisen aßen, damit neckte, es möchte in deren Folge mit dem Gatten oder mit dem Liebhaber eine Ausschweifung oder etwas Außerordentliches passieren, oder es möchte eine nächtliche Pollution geben, aber sie schwuren steif und fest, wegen eines solchen Essens gerieten sie noch in keiner Weise in Versuchung. Und Gott weiß! Sie mußten schon zu solchen Listen greifen!

Nun, die Frauen, die für den Winter Partei ergreifen, sagen, was die Kraftbrühen und erhitzenden Speisen beträfe, wüßten sie genug Rezepte, im Winter ebenso gute zu machen wie in den anderen Jahreszeiten. Sie machen genug Erfahrungen darin; und für die Liebe halten sie den Winter auch sehr geeignet; denn wie der Winter verdrießlich, finster, ruhig, still ist, und man in Verborgenheit und Zurückgezogenheit vor Gesellschaften lebt, so muß es auch mit der Liebe so sein, und sie will im geheimen genossen werden, nämlich an einem entlegenen Ort und in der Dunkelheit, entweder in einem Kabinett für sich oder in einem Winkel am Kamin in der Nähe eines guten Feuers, das, wenn man sich längere Zeit nahe daran hält, ebensoviel Liebesbrunst erzeugt wie die Sommersonne.

Ebenso gut tut es auch im Alkoven ein dunkles Bett, wohin die Augen der anderen Personen, die ja nahe beim Feuer sind, um sich zu wärmen, sehr schwer dringen, oder sie sitzen auf Kasten und Betten abseits und liebeln ebenfalls, oder man sieht sie nahe beieinander, man meint, es wäre wegen der Kälte, und sie wollten sich damit wärmer halten; indessen treiben sie gute Sachen, dieweil die Leuchter sehr weit entfernt, auf dem Tisch oder auf dem Büfett stehen.

Und außerdem, was gibt es denn Besseres, als im Bett zu liegen? Es bietet dem Liebenden alle Freuden der Welt, sich zu umarmen und einander zu umschlingen, einander zu drücken und sich zu küssen, sich aus Furcht vor der Kälte einer auf den andern zu stülpen, nicht für kurze Zeit, sondern für längere, einander süß zu wärmen, ohne irgendwie die maßlose Hitze zu spüren, die der Sommer erzeugt, und den außerordentlichen Schweiß, der die Kurzweil der Liebe höchlich stört; denn anstatt daß man sich nahe beieinander hält und sich eng zusammenlegt, muß man sich breit legen und sehr auf die Seite; das ist das beste, sagen die Frauen auf den Rat der Ärzte: die Männer sind im Winter geeigneter, feuriger und eifriger wie im Sommer.

Ich kannte einst eine sehr große Prinzessin,Möglicherweise die Königin Margot, die Frau Heinrichs IV. Sie machte Verse. die sehr viel Geist hatte und brillant redete und schrieb. Sie verfaßte eines Tages zur Lobpreisung des Winters auf seine Eigenheit in Sachen der Liebe einige Stanzen. Man stelle sich vor, sie hatte ihn dazu günstiger und brauchbarer gefunden. Die Stanzen waren sehr gut gemacht, und ich hatte sie sehr lange bei mir auf meinem Zimmer; ich würde viel darum geben, wenn ich sie noch hätte und hier einfügen könnte; man würde aus ihnen die großen Vorzüge des Winters, seine Eigentümlichkeiten und Eigenartigkeiten für die Liebe ersehen.

Ich kannte eine sehr vornehme Dame, eine der schönsten von der Welt, die, Witwe geworden, sich den Anschein gab, sie wolle wegen ihres neuen Kleides und Standes nach dem Abendmahl weder den Hof besuchen, noch den Ball, noch der Königin Bettbesteigung; damit sie nicht für zu weltlich gehalten würde, rührte sie sich nicht in ihrer Kammer, ließ einen jeden und eine jede zum Tanze gehen oder schickte sie dahin, ihren Sohn und alles, und zog sich in einen Alkoven zurück; und dort stellte sich nun ihr Liebhaber ein, den sie während ihrer Ehe schon bevorzugt, geliebt und begünstigt hatte; nachdem er mit ihr zu Abend gespeist hatte, wich er nicht von der Stelle und bot auch seinem Schwager, der zur Palastwache gehörte, guten Abend; so übte er seine alte Liebe und erneuerte sie für die zweite Ehe, die im Sommer darauf vollzogen wurde. Wie ich seitdem alle diese Umstände erwäge, glaube ich, die anderen Jahreszeiten paßten nicht so gut wie jener Winter, und so hörte ich es auch von einer ihrer Kammerzofen.

Um aber zu Ende zu kommen, sage und versichere ich: alle Jahreszeiten sind für die Liebe geeignet, wenn sie beim Schopf gepackt werden, und Mann und Frau in der rechten Stimmung sind; denn ebenso, wie Mars das ganze Jahr hindurch und zu jeder Zeit Krieg führt, wie er seine Siege austeilt, wie es ihm gefällt, und je nachdem er seine Kriegsleute wohl gerüstet und schlachtenmutig findet, ebenso macht es Venus, je nachdem sie ihre Truppen von Liebhabern und Liebhaberinnen zum Kampf gerüstet findet; die Jahreszeiten selbst machen dabei nichts aus; weder um ihre Bevorzugung noch um ihre Wahl ist's eine große Sache; auch ihre Heilkräuter, ihre Früchte, ihre Drogen und Spezereien, noch irgendwelche spezielle Kunstmittel, mit denen sie entweder ihre Hitze steigern oder sich abkühlen wollen, nutzen ihnen etwas; denn – und das sei das letzte Beispiel – ich kannte eine große Dame,Diese Episode spielt vielleicht auf Margarete von Valois an, die bei ihrer Mutter blieb, bis diese sie ihrem Gatten zuführte. an der ihre Mutter von klein auf heißes und kochendes Blut bemerkte, das sie eines Tages geradewegs ins Bordell führen mußte; die Mutter ließ sie daher dreißig Jahre hindurch bei allen ihren Mahlzeiten Sauerampferbrühen nehmen, von der in Frankreich »Ozeille« genannten Pflanze, in ihren Speisen, in ihren Suppen und Kraftbrühen, als Trank in großen gehenkelten Näpfen ohne andere Zumischung; kurz, alle ihre Brühen waren Sauerampferbrühen. Sie hatte all diese abkühlenden Geheimmittel gut gebraucht, denn es wurde schließlich eine sehr große Hure daraus, die jener Pasteten, von denen ich sprach, nicht bedurfte, um in Hitze zu kommen; denn sie hat selbst genug; sie ist aber trotzdem so gierig darüber her wie jede andere.

Nun mache ich aber Schluß, obgleich ich noch viel mehr hätte sagen, viel mehr Gründe und Beispiele hätte beibringen können; man darf aber nicht zu viel an ein und demselben Knochen herumnagen; auch möchte ich meine Feder an einen andern besseren Redner, als ich bin, abtreten, der die Partei der einen und der andern Jahreszeit zu ergreifen vermag: ich beziehe mich dabei auf ein Verlangen, auf einen Wunsch, den einmal eine ehrbare spanische Dame äußerte, sie wollte gern Winter sein, wenn diese Jahreszeit käme, und ihr Freund sollte ein Feuer sein, damit er, wenn sie sich wegen ihrer großen Kälte an ihm wärmen wollte, das Vergnügen hätte, sie zu erwärmen, sie aber das, sein Feuer zu empfangen, wenn sie sich daran wärmte; dann wolle sie sich ihm oft und bequem zeigen und darbieten können, hochgeschürzt, mit weit auseinander gebreiteten Schenkeln und Beinen, damit er den Anblick ihrer schönen Glieder, die sich sonst unter dem Leinen und unter ihren Kleidern versteckten, genieße, er sie noch besser erwärmen könne und er ihr das Feuer und die Brunst im Innern schüre.

Dann wünschte sie, sie wäre der Frühling und ihr Freund wäre ein blühender Garten, und mit seinen Blumen wolle sie sich das Haupt schmücken, ihren schönen Hals, ihren schönen Busen, ja sie würde sogar ihren schönen Körper ganz nackt auf dem Blumenlager wälzen.

Ebenso wünschte sie dann, sie käme als Sommer, und ihr Freund möchte also ein klarer Brunnen oder ein blitzender Bach werden, um sie in seinen schönen frischen Fluten zu empfangen, wenn sie sich darin badete und ergötzte, sich völlig vor ihm sehen und all ihre schönen und geilen Glieder von ihm befühlen, berühren und betasten zu lassen.

Und endlich im Herbst wünschte sie wieder zu ihrer ersten Gestalt zurückzukehren, wieder Weib zu werden, wie ihr Freund Mann, damit sie nachher beide den Geist, den Sinn und die Vernunft besäßen, das ganze erlebte Glück wieder durchzugehn und wieder ins Gedächtnis zurückzurufen, in diesen schönen Einbildungen und Vorstellungen der Vergangenheit zu leben und untereinander zu besprechen und herauszufinden, welche Jahreszeit ihnen am köstlichsten erschienen sei.

So verteilte und bemaß jene ehrbare Dame die Jahreszeiten; bessere Redner mögen darüber entscheiden, welche von diesen vier Formen dem einen oder dem andern angenehmer sein möge.

Ich will aber nun wirklich diese Abhandlung schließen. Wer darüber und über die verschiedenen Gemütsarten der Hahnreie mehr wissen will, der sehe in einem alten Lied nach, das vor fünfzehn Jahren am Hofe über die Hahnreie gemacht wurde, und dessen Refrain lautet:

Un cocu meine l'autre,
et tousjours sont en peine;
Un cocu l'autre meine.

Ein Hahnrei führt den andern,
in Sorgen sind sie all:
Ein Hahnrei führt den andern.

Ich bitte auch alle ehrbaren Damen, die zufällig darüber kommen, einige Geschichten in diesem Kapitel zu lesen, mir zu verzeihen, wenn sie in eine etwas fette Brühe getaucht sind, weil ich sie in Anbetracht der Tunke, deren sie bedürfen, nicht besser hätte einkleiden können. Ja, ich hätte noch viel gesalzenere und bessere bringen können, hätte ich nicht, da ich sie nicht schön züchtig verhüllen konnte, fürchten müssen, die ehrbaren Damen zu beleidigen, die sich die Mühe nehmen und mir die Ehre antun, meine Bücher zu lesen. Außerdem muß ich noch sagen: die Geschichten, die ich hier erzählte, sind keineswegs geringe Geschichten aus Städten und Dörfern, sondern sie rühren von guten und vornehmen Orten her, sie handeln auch nicht von gemeinen und niedrigen Personen; denn ich wollte mich bloß mit der Schilderung großer und hoher Gegenstände abgeben, wenn auch meine Redeweise niedrig ist; und da ich niemanden mit Namen nenne, glaube ich auch bei niemand ein Ärgernis gegeben zu haben.

Femmes, qui transformez vos marys en oyseaux
Ne vous en lassez point, la forme en est très belle;
Car, si vous les laissez en leurs premières peaux,
Ils voudront vous tenir toujours en curatelle,
Et comme hommes voudront user de leur puissance;
Au lieux qu'estans oyseaux, ne vous feront d'offense.

Ihr Frauen, die ihr Vögel macht aus euren Gatten,
Ermüdet nicht, die Bildung ist sehr schön;
Laßt ihr sie in den Häuten, die sie hatten,
Habt ihr auf ewig unter Kuratel zu stehn,
Als Männer wollen sie die Macht benützen.
Ihr Vogeltum wird vor Beleidigung euch schützen.

Ein anderes Lied ist das folgende:

Ceux qui vouldront blasmer les femmes amiables
Qui font secrètement leurs bons marys cornards,
Ils blasment à grand tort, et ne sont que bavards;
Cor elles font l'aumosne et sont fort charitables.
En gardant bien la loy à l'aumosne donner
Ne faut en hypocrit la trompette sonner.

Wer die liebenswürdigen Frau'n will schelten,
Die heimlich ihren guten Gatten Hörner pflanzen,
Zu Unrecht schelten sie und sind auch Schwätzer;
Almosen geben sie und sind barmherzig.
Sie achten das Gesetz der milden Gaben,
Man braucht nicht heuchlerisch darum zu blasen.

Ein altes Lied des Jeu d'Amours, das ich unter alten Papieren fand, ist auch dieses:

Le jeu d'amours, où jeunesse s'esbat,
A un tablier se peut accomparer.
Sur un tablier les dames on abat;
Puis il conpient le trictrac préparer,
Et en celuy nefaut que se parer.
Plusieurs font Jean. N'est-ce pas jeu honneste,
Qui par nature unjoueur admoneste
Passer les temps de coeur joyeusement?
Mais en défaut de trouver la raye nette,
Il s'en ensuit un grand jeu de tourment.

Das Liebesspiel, an dem die Jugend sich freut,
Man kann's einem Spielbrett vergleichen,
Man setzt darauf die Damen nieder;
Dann gilt's das Tricktrack vorbereiten
Und sich dazu zurecht zu machen.
Etwelche spielen Hans. Ist's nicht ein ehrlich Spiel,
Das seinen Mann naturgemäß ermahnt,
Im Herzen froh die Zeit sich zu vertreiben?
Find't aber einer nicht die richtige Rille,
Dann schluckt er eine qualvoll bittre Pille.

Das Wort »richtige Rille« (raye nette) hat eine doppelte Bedeutung: einmal bezieht es sich auf die Riefung des Tricktracks; das andre Mal heißt es, die Furche (raye) der Dame, mit der man sich belustigt, nicht sauber (nette) finden und die Lustseuche erwischen, Pein und Übel kriegen.

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