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Gutenberg > Pedro Calderón de la Barca >

Das laute Geheimnis

Pedro Calderón de la Barca: Das laute Geheimnis - Kapitel 2
Quellenangabe
typedrama
booktitleCalderons ausgewählte Werke Bd. I
authorPedro Calderón de la Barca
translatorJohann Diederich Gries
firstpub1817
yearca. 1905
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
addressStuttgart
titleDas laute Geheimnis
pages141-264
created20050602
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Erster Aufzug.

Garten.

Chor der Musiker tritt auf. Die Damen, in Morgenkleidung, folgen; hierauf Flerida, welcher Ernesto die Hand gibt. Die Gesellschaft bleibt, während des Gesanges, spazierengehend auf der Bühne.

Chor der Musiker.
Armes Herz, das Recht ist dein;
Thränen mag die Brust verhauchen.
Doch wie unnütz ist die Pein!
    Denn kann nicht sein Recht der Liebende brauchen,
    Was bringet sein Recht dem Liebenden ein?

Flora (singt allein).
Was denn, nach so vielen Jahren,
Nützt dein thöricht kühnes Streben,
Als Verschmähung zu erleben,
Als Enttäuschung zu erfahren?
Herz, drum laß die Täuschung fahren;
Laß sie dir vergessen sein
Und verlange nicht, die Pein
Erst in Klagen zu verhauchen.

Chor.
    Denn kann nicht sein Recht der Liebende brauchen,
    Was bringet sein Recht dem Liebenden ein?

(Der Zug geht auf der andern Seite ab.)

Enrico, Federigo und Fabio treten auf, gleichsam der Musik folgend.

Federigo. Da du, mir dich anvertrauend,
Herkamst so geheimer Weise,
Bloß um Flerida, die schöne,
Selbst zu sehn, sollst du's erreichen,
Hier versteckt.

Enrico.                     Ach, Federigo,
Wie viel dank' ich deinem Eifer!

Federigo. Mehr noch dank' ich deiner Güte,
Weil du mir solch ungemeines
Zutraun schenkst.

Enrico.                         Sonst keinen., wahrlich,
Schenkt' ich's.

Federigo.                Davon laß uns schweigen!
Dieser Diener darf nicht merken,
Wer du bist.

Fabio (beiseite).   Wie gern ich einsehn
Möchte, wer der Fremde sei,
Der uns lauter Heimlichkeiten
Vormacht, ohn' ein Rosenkränzler,
Mystik, ohn' ein Pfaff zu scheinen:
's ist unmöglich.

Federigo.                   Wie gefällt
Dieser Garten Euch?

Enrico.                             Ich meine,
Was ich auch in manchen Märchen
Las zu meinem Zeitvertreibe,
Federigo, die Gedanken
Mir beschäft'gend müß'ger Weise,
Konnt' ich doch unmöglich jemals
In der Vorstellung begreifen,
Was ein thätiger Verstand
Hier erschuf aus eignem Geiste.
So anmut'gen Hain; obwohl
Oft im Bilde mir sich zeigten
Bald die Haine der Diana,
Bald der Venus Blumenreiche.

Federigo. So groß ist der Fürstin Schwermut,
Die, als ihrer Trefflichkeiten
Züchtigung, ihr gab der Himmel,
Daß man, um sie aufzuheitern,
Jedes Mittel sucht; und so,
Herr, ist dieser Mittel eines,
Daß sie oft am Frühlingsmorgen
Kommt zu diesem stillen Haine,
Wo Gesang und Instrumente
Sie verherrlichen und feiern.

Enrico. Seltsam, daß, bei ihrer Jugend,
Ihrer Schönheit, ihrem Geiste,
Dieser Gram so unbeschränkte
Herrschermacht sich zugeeignet,
Daß sie, die zur Fürstin Parmas
Ward geboren, mit so reichen
Gaben ausgesteurt vom Himmel,
Nicht dem scharfen, strengen Pfeile,
Von der Zeit und vom Geschicke
Abgeschossen, konnt' entweichen.
Und wie ist es möglich: findet
Ihres Kummers Grund nicht einer?

Federigo. Nein.

Fabio.               Warum denn nein? Denn ich
Weiß ihn.

Federigo.         Du?

Fabio.                     Ohn' allen Zweifel.

Federigo. Sprich! Was wartest du?

Enrico.                                             Was säumst du?

Fabio. Werdet ihr auch sicher schweigen?

Beide. Ja.

Fabio.       So wisset denn: ihr Leid
Ist . . .

Federigo.   Heraus doch!

Enrico.                             Sag' es eilig!

Fabio. Daß sie sich in mich verliebt hat
Und, aus Furcht vor meinem Weigern,
Es nicht wagt, sich zu erklären.

Federigo. Fort, du Narr!

Enrico.                           Fort, Unbescheidner!

Fabio. Nun, so hört, wenn's das nicht ist,
Ist's was anders. (Musik von fern.)

Enrico.                       Wie es scheinet,
Nähert sich der Zug uns wieder.

Federigo. Zieht Euch denn zurück; vereinen
Will ich mich mit der Gesellschaft,
Teils, weil meine Pflicht es heischet,
Teils, weil ich das Leben misse,
Miss' ich jetzt den Anlaß, eine
Dieser Damen hier zu sehen.

Enrico. Ich will nicht im Weg Euch bleiben,
Sondern gehn und wiederkommen,
Sie zu sprechen; ihre Reize
Sah ich jetzt und wünsche nun,
Zu genießen ihres Geistes.
Sprechen werd' ich sie durch jene
List, die wir heut nacht bereitet,
Derenhalb ich diesen Brief
Aufgesetzt hab' als mein eigner
Sekretär; und da ich herkam,
Sie zu sehn, soll sich's nun zeigen,
Ob es wahr ist, daß das Glück
Gern der Kühnheit Beistand leihet. (ab.)

Federigo. Schrecklich in Verlegenheit
Bin ich jetzt; denn wenn ich beichte,
Wer er ist, werd' ich Verräter
Am Geheimnis, das er heilig
Mir vertraut; wenn nicht, so werd' ich's
An der Treue, die ich meiner
Eignen Fürstin muß als Diener,
Lehnmann und Verwandter leisten.
Was zu thun? Doch, kann ich schwanken?
Meine Pflicht muß ohne Zweifel
Siegen über sein Vertrauen.
Doch, wenn ich vom Herzog scheide,
Wehe mir! so muß ich auch
Scheiden von der Hoffnung leider,
Daß sein Haus ein sichrer Hafen
Meiner Liebe werde bleiben,
Wenn nun Laura . . . Doch, was sag' ich?
Unvorsicht'ge Lippen, schweiget!
Denn indem ich nur sie nannte,
Dünkt mich, daß ich sie beleid'ge.

Fabio. Herr, wer ist denn dieser Fremde,
Der bei Nacht ankam so heimlich
Und sich heut versteckt und birgt?

Federigo. 's ist ein Freund; Verbindlichkeiten
Hab' ich ihm.

Fabio.                   So war er etwa
Wohl dein Diener? Aber sei er,
Wer er will, er ist willkommen;
Denn zum mindsten besser speisen
Werden wir in diesen Tagen;
Und der Ueberfluß, der freilich
Sehr beschwerlich ist im Bette,
Kann bei Tische löblich heißen,
Würzhaft und durchaus geschmackvoll.

Federigo. Ha, sie kommen! Fabio, schweige.

(Der Zug tritt wieder auf, wie vorhin.)

Flora (singt).
    Liebst du sie, und bleibst verlassen,
    Duld' und schweig von deinen Trieben;
    Denn der Grund, um sie zu lieben,
    Ist der Grund, sie nicht zu hassen.
    Schilt nicht auf ihr Thun und Lassen,
    Schilt auf dein Gestirn allein,
    Ohne, Herz, den eiteln Schein
    Deines Rechtes zu gebrauchen.

Chor.
Denn kann nicht sein Recht der Liebende brauchen,
Was bringet sein Recht dem Liebenden ein?

(Die Musiker gehen ab.)

Flerida. Wer hat dies Gedicht gemacht?

Federigo. Herrin, ich.

Flerida.                       In allen Weisen,
Find' ich, die man vor mir singet
Und die Euern nennt, erscheinen
Liebesklagen.

Federigo.               Ich bin arm.

Flerida. Kann die Liebe davon leiden?

Federigo. Die Erhörung leidet wohl;
Und so seht Ihr, Herrin, meine
Klag' ist nicht, daß ich nicht liebe,
Sondern nicht mein Ziel erreiche.

Flerida. Liebt Ihr denn solch niedres Wesen,
Federigo, das auf leid'gen
Vorteil achtet?

Federigo.                 Ihrer Unschuld
Ist die Schuld nicht zuzuschreiben.

Flerida. Wem denn sonst?

Federigo.                         Mir selbst.

Flerida.                                             Weshalb?

Federigo. Weil ich scheuen muß, zu zeigen
Was mich quält (von ihr, den Eltern
Und Verwandten will ich schweigen),
Selbst nur einer ihrer Mägde,
Einer Sklavin; denn, ich weiß es,
Findet, wer da liebt, nicht gebend,
Zugang, übel wird er's, heischend.

Flerida. Eine Liebe, die so hilflos
Sich bekennet, kann der Eigner
Wohl entdecken; denn der Ehrfurcht
Höchster Grad wird nicht beleidigt
Von dem Mann, der durch Verschmähn
Sich so schlecht behandelt meinet.
Und so staun' ich, Federigo,
Da Ihr liebt und nichts erreichet,
Daß kein Mensch weiß, wen Ihr liebt.

Federigo. Meine Liebe wird vom Schweigen,
Herrin, so bewacht, daß oftmals
Ich beschloß, auf ew'ge Zeiten
Zu verstummen, damit nur
Der verschwiegnen Triebe keiner
Einst verrätrisch, in den Worten
Eingehüllt, hervor sich schleiche.
In so heil'ger Obhut lebet
Meine Liebe, daß ich eifrig
Meinen Atem untersuche,
Wenn er in den Busen eingeht,
Von woher er kommt, weil selbst
Mir die Luft verdächtig scheinet;
Und ich will nicht, daß nur sie
Wisse, wer hier im Geheimen
Wohnen mag.

Flerida.                 Genug, genug!
Schwülstig seid Ihr und höchst eitel;
Denn wie sprecht Ihr, zu mir sprechend,
Hier von Euern Zärtlichkeiten
Mit so heft'ger Glut? Vergeßt Ihr,
Wer ich bin?

Federigo.             Wer von uns beiden
Trägt die Schuld? Ihr, Herrin, fragend,
Oder ich, Antwort erteilend?

Flerida. Ihr; denn Ihr antwortet mehr,
Als ich frag'. Ernesto, eilet . . . .

Ernesto. Herrin?

Flerida.               Eilet gleich und schaffet
Federigo'n . . .

Federigo (beiseite).   Tod erleid' ich!

Flerida. Schafft zweitausend Goldstück' ihm,
Als Beitrag, womit er seiner
Schönen Dienerschaft gewinne;
Denn ich will nicht, daß er weiter
Gegen mich, in seinem Kleinmut,
Rede so höchst unbescheiden
Und, dort zeigend seine Furcht,
Hier nun zeige sein Erdreisten.

Flora (zu Livia). Eigne Launen hat fürwahr
Ihre Schwermut.

Livia.                         Seltsamkeiten
Von besondrer Art!

Laura (beiseite).             Unselig,
Wem so deutlich sie erscheinen,
Während alle sie mißkennen!

Federigo. Dankbar küss' ich, wo du schreitest,
Hier die Erde, der dein holder
Fußtritt mehr der Blumenkeime
Außer ihrer Zeit entlocket,
Als, in ihr, der Hauch des Maien.

Fabio. Nein, das wag' ich nicht; die Erde
Küss' ich nimmer, wo du schreitest,
Noch wo du geschritten, denn
Himmel ist's, nicht Erde weiter;
Wo du schreiten wirst, die gnügt mir.
Wohin gehst du? denn ich eile,
Vor dir her den Weg zu küssen.

Lisardo tritt auf.

Lisardo. Ein vornehmer Herr in reichem
Ritterschmuck, der mit dem Herzog
Mantuas nah verwandt sich heißet,
Bittet, Herrin, um Erlaubnis,
Einen Brief zu überreiche . . .

Flerida. O wie sehr der Herzog Mantuas
Mich durch seine Boten peinigt!

Ernesto. Wie das, Herrin, da zum Gatten
Er sich dir am besten eignet?

Flerida. Weil ich, mit entschiednem Willen,
Jede Heirat hass' und meide. –
Sagt, Lisardo, daß er komme. (Lisardo ab.)

Federigo (beiseite). Wer er ist, will ich verschweigen,
Denn mir liegt an seiner Freundschaft.

Enrico und Lisardo treten auf.

Enrico (knieend). Herrin, blind, beklommen, eil' ich
Zu den Füßen, die als Hafen
Meines Glückes mir erscheinen.

Flerida. Stehet auf.

Enrico.                   Mein Herr, der Herzog,
Sendet mich mit diesem Schreiben
Zu Euch her. (Er überreicht ihr einen Brief.)

Flerida.               Und wie befindet
Sich der Fürst?

Enrico.                     In Liebesleiden
Sterbend, sagt' ich, gäb' ihm Hoffnung
Leben nicht.

Flerida.               Ich lese; bleibet
Ihr indes nicht so.

(Sie winkt ihm, sich zu bedecken, und liest den Brief.)

Enrico (beiseite).           Der Pinsel
Log fürwahr, der ihrer Reize
Schwachen Umriß gab, der Schönheit
Reiches Uebermaß verkleinernd.

Lisardo (zu Ernesto). Eben, Herr, schickt mir mein Vater
Seine Vollmacht.

Ernesto.                       Ihr Erscheinen
Freut mich sehr. (Sie sprechen leise zusammen.)

Flora (zu Laura).         Wie zierlich nahm,
Bei des Briefes Ueberreichen,
Sich der Fremde, Laura!

Laura.                                     Ich
Gab nicht acht auf sein Bezeigen.

Flora. Ja, ich glaub's; denn da dein Liebster
Eben hier ist und du weißest,
Wie er zärtlich nach dir schmachtet,
Und daß er bereits als Freier
Mit Ernesto unterhandelt,
Würd' es fast Verachtung scheinen,
Gäbst du acht auf einen andern.

Laura. Und auch der verdankt mir keine
Sorgfalt noch Sorglosigkeit. (Sie entfernt sich von Flora.)

Federigo (beiseite). Unsre Fürstin liest das Schreiben,
Ernest und Lisardo sprechen;
Liebe, jetzt sei mir zur Seite!
    (Zu Laura, heimlich.)
Und der Brief? Sprich!

Laura.                                   Ist geschrieben.

Federigo. Doch wie wirst du ihn mir reichen?

Laura. Hast du nicht den Handschuh?

Federigo.                                             Ja.

Laura. Nun, der hilft dir.

Federigo.                         Ich begreife.

Ernesto (zu Lisardo). Gut ist alles.

Lisardo (sich Laura'n nähernd).       Schöne Laura,
Jeder Augenblick erscheinet
Als Jahrhundert meiner Hoffnung.

Flerida (zu Enrico). Euer Herzog, sagt dies Schreiben,
Wünschet Euch, als seinen nahen
Anverwandten, jetzt auf ein'ge
Tag' aus Mantua zu entfernen,
Um indes auf gute Weise
Einen Handel beizulegen,
Welchen Lieb' Euch hat bereitet.

Enrico. Wohl schuf Liebe mein Vergehen,
Und sie hat mich hergeleitet.

Flerida. Ich will, sein und Eurentwegen,
Euch in Parma Schutz erteilen,
Und Ihr könnt an meinem Hofe
Ruhig leben. Antwort schreiben
Werd' ich Euerm Herzog bald
Und ihm senden.

Enrico.                       Freudenreiche
Lange Jahre mag der Himmel,
Hohe Fürstin, dir verleihen!
Und o möchten wir doch, Mantuas
Edele Vasallen, einstens
Uns so glücklich sehn . . .

Flerida.                                     Nicht mehr!
Und so lang' Ihr hier verweilet
Als mein Gast, ist es mein Wille,
Daß Ihr gänzlich hievon schweiget,
Wenn ich selbst nicht davon rede.

Enrico. Folgsam werd' ich mich erzeigen.

Flerida. Und daß Ihr dem Herzog melden
Könnt von meinen Zeitvertreiben
(Denn ich zweifle nicht, er gab Euch
Auftrag, ihm davon zu schreiben),
Setzt euch alle, weil die Sonne,
In den grauen Wolkenschleier
Eingehüllt, wohl mehr zum Lauschen
Heut hervorging, als zum Scheinen.
Nehmt auf dieser Seite Platz,
Meine Damen; und Ihr, teilet
Eine Frag' uns mit, Ernesto.

(Die Damen setzen sich auf die eine Seite, die Männer bleiben auf der andern stehen.)

Ernesto. Könnt' auch mich vielleicht mein greises
Haar entschuld'gen, soll's das nicht,
Wenn ich dich dadurch erheitre. –
Was ist größte Qual im Lieben?

Flerida (zu Enrico). Sagt zuerst uns, was Ihr meinet.

Enrico. Ich?

Flerida.       Ja; dies gebührt dem Gaste.

Enrico. Zweierlei Vorteil' erreich' ich,
Und um beide zu benutzen,
Wähl' ich, was ich selber leide:
Als Verschmäheter zu lieben.

Flora. Und ich, für das größte Leiden
Halt' ich, selber zu verschmähn.

Lisardo. Eifersucht ist's, wie ich meine.

Livia. Trennung, sag' ich.

Federigo.                         Und ich: Liebe,
Ohne Hoffnung des Erreichens.

Flerida. Und ich: lieben, ohn' erklären
Sich zu können, stumm und leidend.

Laura. Ich: mit Gegenliebe lieben.

Flerida. Neu wird's sein, das zu verteid'gen,
Laura, daß, mit Gegenliebe
Lieben, Qual sei.

Laura.                         Was ich meine,
Sollen meine Gründe sagen.

Ernesto. Jeder geb' uns nun Beweise.

Enrico. Da das Thema vom Verschmähten
Mein ist, führ' ich wohl den Reihen.

Fabio (beiseite). Nun, der Klügste sagt gewiß
Hier die meisten Albernheiten.

Enrico. Einen Stern' nenn' ich die Liebe,
Welcher Glück und Qual verleiht;
Drum, das größte Liebesleid
Ist wohl, daß man ohn' ihn liebe.
Wer verschmäht sieht seine Triebe
Von der Schönen, die er meint,
Liebt, was ihm sein Stern verneint;
Drum kann's größre Qual nicht geben,
Denn der Himmel selbst ist eben
Des Verschmähten größter Feind.

Flora. Wenn sich die Geliebte scheidet
Vom Verschmähten, liegt darin
Schon für diesen ein Gewinn,
Weil er durch Geliebtes leidet;
Doch, wer ohne Liebe meidet,
Leidet, ohn' in Liebeswehn
Einigen Ersatz zu sehn.
Drum, die größte Qual auf Erden
Ist nicht die, verschmäht zu werden,
Sondern selber zu verschmähn.

Lisardo. Wer verschmähte Liebe nährt
Und wer selbst verschmäht, zu tragen
Haben beide gleiche Plagen,
Weil der Himmel sie beschert;
Nicht, weil Eifersucht verzehrt.
Ein Beglückter schafft sein Leiden,
Den er ewig muß beneiden;
Drum sind bittrer seine Wehn,
Denn wie Mensch und Himmel stehn,
Stehet er zu jenen beiden.

Livia. Ward der Lieb' erblichner Schimmer
Nicht, wenn Eifersucht erwacht,
Oft von neuem angefacht?
Aber durch die Trennung nimmer;
Tod der Liebe heißt sie immer.
Drum ist größer ihre Not;
Denn, von Eifersucht bedroht,
Wird die Lieb' erst recht lebendig,
Trennung tötet sie beständig:
Jen' ist Leben, diese Tod.

Federigo. Er, der liebet trotz dem Meiden,
Sie, die meidet trotz dem Lieben,
Er, von Eifersucht getrieben,
Sie, die weint um bittres Scheiden,
Alle mildern ihre Leiden,
Wenn die Hoffnung sie beseelt,
Die so gern auf Aendrung zählt.
Drum ist klar genug bewiesen,
Größre Marter quäle diesen,
Der sich ohne Hoffnung quält.

Flerida. Wer auch ohne Hoffnung liebt,
Kann zum mindsten Kunde geben,
Daß er nicht hofft; und dies eben
Ist es, was ihm Lindrung gibt.
Wer dem Schweigen sich ergibt
Und, von Liebesqual zernaget,
Nicht einmal zu reden waget,
Leidet in viel höherm Grad,
Weil er weder Hoffnung hat,
Noch, daß er sie nicht hat, saget.

Laura. Wer da liebt mit Gegenliebe,
Lebt von ew'ger Furcht gedrückt;
Denn bald wähnt er sich beglückt,
Droht auch Unglück seiner Liebe,
Wähnet bald, daß seinem Triebe
Der verdiente Lohn entgeht,
Und verschmäht, was er ersteht.
Drum, wer Liebe hat gefunden,
Fühlet des Verschmähten Wunden
Und den Zorn des, der verschmäht.
Ob er Eifersucht empfand?
Wer nicht sah's? Durch ihre Tücke
Wird er selbst, im höchsten Glücke,
Seines Argwohns Gegenstand.
Wenn ein Augenblick ihn bannt
Von der Liebsten fern – sein Wähnen
Wird ihn zum Jahrhundert dehnen.
Drum, wer glücklich scheint zu sein,
Fühlt des Eifersücht'gen Pein,
Des Getrennten banges Sehnen.
Ob er sei an Hoffnung leer,
Sagt das Glück, das ihn betroffen:
Denn was kann er weiter hoffen,
Bleibt ihm nichts zu hoffen mehr?
Auch das Schweigen drückt ihn schwer,
Denn des Glückes Ueberfluß
Drängt ihn zu der Red' Erguß;
Drum, wer Gegenlieb' empfangen,
Fühlt des Hoffenden Erbangen
Und des Schweigenden Verdruß.
Sagen, daß er glücklich liebe,
Weil ihm Liebe ward zum Lohn,
Ist ein Wahn; denn immer drohn
Unglückswolken seiner Liebe.
Drum, wer liebt mit Gegenliebe,
Fühlt, was der Verschmähte klagt,
Was den selbst Verschmähnden nagt,
Was den Bangen, Hoffnungsleeren,
Den Getrennten, Argwohnschweren,
Redenden und Stummen plagt. (Die Damen stehen auf.)

Flerida. Nur Sophistereien, Laura,
Bringst du vor, wodurch sich zeigen
Will dein Scharfsinn; aber nicht
Klare, gründliche Beweise.

Laura. Wahrlich, übel könnt' er das;
Denn, geliebt zu werden, bleibet
Stets der Liebe Ziel. (Sie läßt ihren Handschuh fallen.)

Flerida.                             Dein Handschuh!

(Federigo hebt ihn auf und vertauscht ihn mit einem ähnlichen.)

Federigo. Ich heb' ihn Euch auf.

Ernesto.                                     Verweilet!

Lisardo. Ich hab' ihn zu nehmen.

Federigo.                                     Hätt' ich
Nehmen ihn gewollt, so mein' ich,
Daß ich's wußte zu vollführen.
Doch nicht will ich das; beleid'gen
Kann's deshalb Euch nicht, Lisardo.
Und da dies mein schneller Eilen
Kein Verdienst ist, sondern Glück:
Seht, wie ich ihn überreiche. (Er gibt Laura'n den Handschuh.)
Nehmt ihn, Fräulein; denn gewiß
Glaub' ich, das, weshalb ich eilte,
Hab' ich hiedurch schon vollführt,
Euch bedienend, nicht beleid'gend.

Lisardo. Der Verwirrung, Federigo,
Macht Ihr mich geschickter Weise
Frei.

Flerida.     Mich, weder er noch Ihr.
Kühnheit ist es sondergleichen,
Hier, in meiner Gegenwart,
Das Geringste nur, was einer
Meiner Damen ist entfallen,
Was man für ein Siegeszeichen
Könnte halten, aufzuheben.
Und bedankt Euch, daß ich weiter
Diesmal meinen Zorn nicht äußre,
Als durch Worte. – Helft, ihr Heil'gen!
(Beiseite.) Denn ich bin die erste Frau,
Die getötet wird durch Schweigen. (Ab mit Flora und Livia.)

Ernesto (zu Laura, die der Herzogin folgen will).
Ganz erzürnt geht Ihre Hoheit,
Wahrlich grundlos sich ereifernd.
Geh nicht in ihr Zimmer, Laura,
Sondern gehn wir in die eignen;
Denn, bei ihrer Sinnesart
Wunderbaren Ungleichheiten,
Sollst du, da ich, als des Landes
Gouverneur, im Schloß hier meine
Wohnung hab', ihr mehr nicht dienen,
Als die Höflichkeit erheischet.

Laura. Gänzlich werd' ich dir gehorchen. –
(Beiseite.) Viel verrät mir dieser Eifer
Fleridas; die Liebe wolle,
Daß mein Argwohn falsch erscheine!

(Ernesto und Laura gehen ab; die andern wollen sie begleiten.)

Ernesto (sich umwendend). Meine Herren, wohin geht ihr?

Federigo. Alle gehn wir, Euch geleitend.

Ernesto. Nein, ihr dürft nicht weiter gehn;
Und vor allen hier zu bleiben
Habt Ihr, Neffe. (ab.)

Lisardo.                     Mir wird's schwer,
Jetzt Gehorsam Euch zu leisten.

Enrico. Mir sehr leicht; als Sonnenblume
Menschlicher Gestalt, dem Scheine
Meines Lichtes muß ich folgen. –
(Zu Federigo.) Freund, bald bin ich Euch zur Seite. (ab.)

Lisardo. Bis mir, Laura, deine Strahlen
Schwinden, kann ich deinem Kreise
Nicht entfliehn, denn der Magnet
Meines Ichs sind deine Reize. (ab.)

Federigo. O wie freut es mich, nun endlich
Mit mir selbst allein zu bleiben,
Daß ich ruhig diesen Brief
Lesen kann! (Er zieht den von Laura erhaltenen Brief hervor.)

Fabio.                   Verlier' ich meinen
Menschlichen Verstand nicht hier,
Nun gewiß, so hab' ich keinen.

Federigo. Was bestaunst du?

Fabio.                                     Was? Dein Phlegma;
Weil du gestern dieses Schreiben
Schon empfingst und doch bis jetzt,
Ohn' es zu eröffnen, weiltest.

Federigo. Weißt du, welch ein Brief dies ist?

Fabio. Sei er, wer er will, abstreiten
Wirst du nicht, daß du schon gestern
Ihn empfangen.

Federigo.                 Diese Weile,
Eben jetzt empfing ich ihn.

Fabio. Das mag, wer da kann, begreifen.
Da seit Tagesanbruch niemand
Mit dir sprach, hat ohne Zweifel
Ihn der Wind dir überbracht.

Federigo. Nicht der Wind, vielmehr das heiße
Feuer, das mich brennt und naget.

Fabio. Wie? Das Feuer?

Federigo.                         Ja.

Fabio.                                   Nun weiß ich,
Es ist wahr.

Federigo.           Was?

Fabio.                           Daß du toll bist
Und, als ein gespenst'ger Freier,
Eine Dame Kobold dir
Hast gemacht in deinem Geiste,
Die du in Gedanken liebest.
Und so will ich nur um eine
Gunst dich bitten.

Federigo.                     Welche Gunst?

Fabio. Da die Dame nur in deiner
Einbildung ihr Leben hat
Und nicht mehr des Geists und Leibes,
Als du selbst ihr wolltest geben:
Laß doch jedes ihrer Schreiben
Voll von Lieb' und Süße kommen;
Denn recht thöricht müßt' es heißen,
Kannst du dir Begünst'gung schaffen,
Schafftest, Herr, du dir Verweigern.

Federigo. Pack' dich fort!

Fabio.                                 Ist denn so wichtig
Dieser Brief?

Federigo.               Nein; denn es scheinet,
Daß sogar die Hand verstellt ist.
Aber fort!

Fabio.               Mir ist, als sei ich
Schildknapp' in der Vorhöll' itzt,
Ohne Lust und ohne Leiden.

Federigo (lesend).
    »Gebieter meiner Seele,
    Das Unglück naht sich mir mit raschem Gange.
    Mein Vater fordert, daß ich mich vermähle;
    Mit fürchterlichem Zwange
    Wird das Geschäft betrieben
    Und der Vertrag schon morgen unterschrieben.«
Ich Unglücklicher! Weh mir!
Welch ein kurzer Zeitraum bleibet
Mir zu leben noch bis morgen!
Fabio!

Fabio.         Was?

Federigo.             Ich muß verscheiden!

Fabio. Uebel thätest du, wofern du's
Meiden könntest; denn mir scheint es
Gar kein Ding von guter Miene.

Federigo. Kann ich's meiden, kann ich's meiden,
Wenn dies Blatt mein Todesurteil
In sich hält?

Fabio.                 Ei nun, du schreibest
Dir ein andres, mildres Urteil
Gleich darunter, da in deiner
Hand die Sach' ist.

Federigo.                       Ohne Leben,
Ohne Seele les' ich weiter: (er liest)
    »Und so, obwohl mit Zagen,
    Daß unsers Bunds Geheimnis sich entdecke
    Durch diesen kühnen Schritt, will ich es wagen,
    Euch diese Nacht zu sprechen. Zu dem Zwecke
    Bleibt Euch des Gartens Gitter aufgelassen;
    Denn eh, als Euch, will ich das Leben lassen.
    Für solche Gunst will ich von Eurer Milde
    Nichts, als das Gegenstück zu jenem Bilde.«
O ich glücklichster der Menschen!
Fabio! Fabio!

Fabio.                     Nun, wie bleibt es?
Stirbst du etwa jetzt?

Federigo.                           Jetzt leb' ich.

Fabio. Sieh nun, riet ich nicht zum Heile?
Herrlich ist ein Liebeshandel
Mit sich selber.

Federigo.                 Rühmlich-eitel,
Stolzen Sinns und sel'gen Mutes
Sprech' ich diese Nacht die einz'ge
Schönheit, die mein Herz verehret. –
Du des Himmels goldner Streiter,
Der, belagernd seine Feste,
Endlos sein Gefild umkreiset,
Kürze heut die Arbeit ab
Deines Tagwerks, da du weißest,
Wie dein Licht uns heut verletzet!
Und ihr, schöne Himmelszeichen,
Die ihr Einfluß habt auf Liebe,
Auf! von seinem Thron vertreibt ihn!
Eilt, des Himmels Republiken
Zur Empörung aufzureizen;
Denn eur Recht will Phöbus euch,
Eure Freiheit euch entreißen! (ab.)

Fabio. Er ist toll wie alle Tollen;
Aber doch begreif' ich's leichter,
Ihn so toll zu sehn, als mich
So gar dumm, so unvergleichlich
Albern, daß ich . . .

Flora tritt auf.

Flora.                             Fabio!

Fabio.                                       Fräulein,
Was befehlt Ihr?

Flora.                         Ohne Weilen
Mir zu folgen.

Fabio.                     Sagt mir, gilt es
Ein Duell? Dann will ich eilig
Vier, fünf gute Freunde rufen.

Flora. Folget mir.

Fabio.                   Euch folgen? Ei denn
Sagt, weshalb. Seid Ihr die Dame,
Die zur Eifersucht mich reizet,
Und ich der Galan, der Quartos
Spart, wenn Ihr ihn folgen heißet?

Flora. Ihre Hoheit will Euch sprechen;
Sie beschäftigt sich mit Schreiben
Und befahl mir, Euch zu rufen.

Fabio. Ihre Hoheit, mich? Du heil'ger
Himmel! Sollte sie es wagen,
Offen mir ihr Herz zu zeigen?

Flerida tritt auf, einen Brief in der Hand.

Flerida. Flora, riefst du Fabio'n her?

Flora. Ja, er ist schon hier im Garten.

Flerida. Du indes magst draußen warten. (Flora geht ab.)
So seid Ihr bei mir nunmehr.

Fabio. Herrin, ja, und gänzlich Euer.
Sagt, wodurch ich Eur Verlangen
Stillen kann; sprecht ohne Bangen:
Ich bin willig und nicht teuer.
Wahrlich, mich zu haben, schafft
Euch gar wenig Müh' und Plagen.

Flerida. Ihr sollt, Fabio, jetzt mir sagen,
Was, in meiner Würde Kraft,
Ich zu wissen darf begehren;
Denn ihr ist es von Gewicht,
Einen Argwohn, der mir nicht
Ganz enthüllt ist, aufzuklären.

Fabio. Nichts als Sprechen fordert Ihr?
Daran soll es nicht gebrechen;
Denn ich sterb' aus Lust, zu sprechen,
Mehr, als Ihr aus Neubegier.

Flerida. Nehmt indessen diese Kette. (Sie gibt ihm eine goldne Kette.)

Fabio. Herzlich gern, wenn Ihr es wollt;
Sie ist Euer, sie ist Gold,
Folglich trefflich gut, ich wette.
Wut, zu sprechen, reißt mich hin;
Fraget nur.

Flerida.             Wer ist die Dame,
Die Eur Herr liebt? Wie ihr Name?

Fabio. Armer Sprecher, der ich bin!
Denn, was Ihr zu wissen strebet,
Ist von allen Dingen just
Ganz allein mir nicht bewußt.

Flerida. Da Ihr immer ihn umgebet,
Könnt Ihr diese Kunde missen?
Kann das sein? (O harte Qual!)

Fabio. Weiß er's selber nicht einmal,
Sagt, wie soll denn ich es wissen?

Flerida. Daß er's so verborgen hätte,
Ist unmöglich.

Fabio.                     Nun, wenn Ihr
Das wißt, so erzählt es mir,
Und hier habt Ihr Eure Kette.
Glaubt mir, Herrin, keinen macht er
Zum Vertrauten seiner Pein,
Und er weint mit sich allein,
Und mit sich allein auch lacht er.
Wenn er einen Brief empfing,
Sehn wir nicht, wer ihn gebracht;
Wenn er einen fertig macht,
Sehn wir nicht, wohin er ging.
Heut erst scheint es mir, ich löse
Von dem Rätsel etwas mehr;
Einen Brief las er vorher
(Den vermutlich ihm der Böse
Zugesteckt) und rief alsbald:
Heute wird, bei nächt'gen Schatten,
Mir die Göttlichste gestatten,
Sie zu sprechen!

Flerida.                     Dergestalt
Sprechen sich heut nacht die beiden?

Fabio. Wenn nicht Amor Tücke nährt
Und das Sprechen ihnen wehrt.

Flerida. Und ist's möglich (welches Leiden!),
Daß du Straße nicht und Haus
Dieser Dame kennst? (O Pein!)

Fabio. Ja, am Hofe muß sie sein.

Flerida. Woraus schließest du's?

Fabio.                                           Daraus,
Daß er leidet, ohne Wank,
Daß er froh ist, ohn' Empfangen,
Daß er glühet, ohn' Verlangen,
Daß er liebet, ohne Dank,
Und tagtäglich, unverdrossen,
Stöße von Papier beschreibt;
Denn allein am Hofe treibt
Man so witz'ge Narrenpossen.

Flerida. Gebt nun acht auf meine Rede:
Keine Mühe müßt Ihr sparen,
Um die Dame zu erfahren,
Die er liebt; bemerket jede
Handlung, seine Thaten alle;
Und so oft Ihr etwas spürt,
Was auf neue Schlüsse führt,
Auch im allerkleinsten Falle,
Kommt zu mir, versäumt das nie;
Denn von heut an Euch vergönnen
Will ich, stets mir nahn zu können.

Fabio. Einen maître des plaisirs
Nennt man, glaub' ich, was die Gnade
Eurer Durchlaucht aus mir macht.

Flerida. Und dies nehmet wohl in acht:
Wenn ein Vorteil oder Schade
Euch entsteht, er kommt von mir;
Vorteil, wenn Ihr Dienste leistet,
Schade, wenn Ihr Euch erdreistet,
Daß von diesen Dingen Ihr
Irgend jemand Kund' erteilet.

Fabio. Sehn und schweigen werd' ich, ja;
Wenn der schweigen kann, der sah.

Flerida. Geht mit Gott!

Fabio.                           Mit Gott verweilet! (ab.)

Flerida. Wie tyrannisch ist dein Schalten,
Wahnsinn meiner Leidenschaft,
Daß du freier Willenskraft
Kannst ihr Recht so vorenthalten!
Legt der Furcht mißtrauend Walten
Alle meine Kraft in Bann?
Auf, mein alter Mut, heran!
Sei ich wieder selbst mein eigen!
    Doch weh mir! nicht Eifersucht kann ich verschweigen;
    Gnug, wenn ich Liebe verschweigen nur kann.
Diese Nacht (was zu beschließen?),
Diese Nacht (Tod nagt am Herzen!),
Soll sie mir in solchen Schmerzen,
Jenen im Genuß verfließen?
Nimmer! Mögen sie genießen,
Wann ich's nicht weiß; aber wann
Ich es weiß, litt' ich es dann –
Welche Thorheit müßt' ich zeigen!
    Doch weh mir! nicht Eifersucht kann ich verschweigen;
    Gnug, wenn ich Liebe verschweigen nur kann.
Dieser Brief – zu andern Zwecken
Schrieb ich ihn – er soll mir nun . . . .
Ha, er kommt! Was kann ich thun,
Meine Qual ihm zu verstecken?

Federigo tritt auf mit Briefschaften und Schreibgerät.

Federigo. Dir gefall's, zu unterschreiben,
Große Fürstin, diese Briefe.

Flerida (beiseite). Größe, Mut und Geistestiefe,
Mir zur Hilfe müßt ihr bleiben!
(Laut.) Legt nur Eure Briefe hin,
Federigo; so geschwinde
Eilt das nicht; denn ich befinde
Nöt'ger jetzt (mein armer Sinn!),
Daß Ihr mir in andern Sachen
Dient auf wichtigere Weise.

Federigo. Und wie?

Flerida.                     Eine kurze Reise
Habt Ihr diese Nacht zu machen.

Federigo. Diese Nacht?

Flerida.                         Ja; diesen Brief
Geb' ich Euch . . .

Federigo (beiseite).       O hartes Dringen.

Flerida. Um ihn schnell zu überbringen.

Federigo. Wohl ist Euch bewußt, wie tief
Das Verlangen, jederzeit
Euerm Dienste ganz zu leben,
Eingepflanzt nur ist; doch eben
Jetzt wird eine Kränklichkeit
Mich entschuld'gen, darf ich glauben,
Wenn ich wag', Euch anzuflehn,
Daß . . .

Flerida.         Nichts kann ich zugestehn;
Wenig Zeit wird dies Euch rauben.
Morgen kommt Ihr wieder an.
Und dies merkt Euch: meiner Ehre
Wichtig ist, was ich begehre.
Kein Entschuld'gen gilt; wohlan,
Nehmt den Brief, macht alles richtig;
Auf der Stelle müßt Ihr fort.
Und noch einmal hört dies Wort:
Es ist meiner Würde wichtig,
Daß Ihr selbst ihn unverweilet
Abgebt; auf dem Briefe steht,
An wen und wohin er geht.
Bringt mir Antwort; und nun eilet. (ab.)

Federigo. Diese Nacht, so wonniglich
Mir erträumt an Laura's Seite,
Hat in ihrer ganzen Weite
Nun nicht einen Stern für mich.
Was zu thun? Nicht übermannen
Darf die Liebe meine Pflicht.

Fabio tritt auf.

Fabio. Herr, wird's Abend denn noch nicht?

Federigo. Führe Satan dich von dannen!
Geh sogleich (o wie so peinlich!),
Fabio (tödliche Beschwerde!),
Und bestelle mir zwei Pferde.

Fabio. Einen andern Brief wahrscheinlich
Brachten Feuer oder Wind?

Federigo. Wohl ein Brief kam!

Fabio.                                         Schreib ihn um,
Und du wirst, ich wette drum,
Froh sein wie ein Weihnachtskind.
Nur noch einmal ihn beschaut,
Und sogleich wird's besser stehen.

Federigo. Selbst die Aufschrift anzusehen,
Hab' ich mir noch nicht getraut.

Fabio. Lies; vielleicht schon widerspricht sie
Dem, was sie vorhin genannt.

Federigo. Wohin werd' ich denn gesandt?
(Liest.) »An den Herzog Mantuas« spricht sie.
Neuer Unfall, der mir naht!
Sicher hat der Fürstin Spähen
Ihn erkannt, und zu verstehen
Gibt sie, daß die Art Verrat,
Ihn bei mir versteckt zu halten,
Ihr enthüllt sei; es ist richtig!
Ihrer Ehre sei es wichtig,
Sprach sie drum so ungehalten.
Aus Gefahren in Gefahr
Stürzest du, bethörter Sinn!

Fabio. Bessert sich's?

Federigo.                     Je mehr ich hin
Sehe, wird's mir minder klar.

Fabio. Sind es Ziffern?

Federigo.                       Welche Plagen!

Fabio. So, wie jener neuerlich
Schrieb mit Zahlen?

Federigo.                         Was weiß ich?

Fabio. Weißt du' s nicht, so laß dir's sagen:
Ein Glashändler und Galan
Einer Frau in Tremecen
Hatte, mußt du wohl verstehn,
Einen Freund in Tetuan.
Nun gib acht: die Dame bat
Ihn einmal, ihr einen Affen
Durch den guten Freund zu schaffen;
Und wie, wer was Liebes hat,
Pflegt der Herrscherin Befehle
Zu vollstrecken mit Begier,
Fordert' er drei oder vier,
Daß sie sich den besten wähle;
Doch mit Zahlen schrieb er das,
Schlecht genug; das »oder« sah
Aus wie eine Null beinah;
Und der Tetuaner las:
Freund, Ihr müßt zu sichern Händen
Für Personen, welche mir
Teuer sind, dreihundert vier
Affen schnell mir übersenden.
Dieser Freund war sehr verlegen;
Doch der Glaser noch weit mehr,
Als zu ihm, um seinen sehr
Engen Beutel auszufegen,
Sich dreihundert Affen drängten,
Unermeßlich lärmend, sausend,
Die ihm mit dreihunderttausend
Aefferei'n den Kopf zersprengten. –
Geht's so dir, so nimm dermalen
Vor den Nullen dich in acht;
Denn ein Aff' in Lettern macht
Hundert Affen aus in Zahlen.

Federigo. Mir gibt sie den Brief; wie sehr
Trifft es mich! Verdiente Strenge!

Fabio. Geht's nicht an, der Affen Menge
Zu verringern?

Federigo.               Wer, o wer
Sah von solchen Teufelsplagen
Sich bedrängt? Was fang' ich an?

Enrico tritt auf.

Enrico. Nun, was habt Ihr, Freund?

Federigo.                                         Ich kann
Diesen Zweifel nicht ertragen.
Hört mich insgeheim. (Sie treten beiseite.)

Fabio.                                 Die Schmach
Leid' ich nicht; vor mir sich wahren?
Nein, von keinem Gast erfahren
Hab' ich je, der leiser sprach.

Federigo. Was zu thun?

Enrico.                           Nach Hause gehn
Wollen wir; hier laßt uns schweigen.
Dieser Brief wird dann uns zeigen,
Was nun weiter muß geschehn.
Zeigt sie, daß sie mich erkannt,
So wird dies die Antwort sein,
Daß ich mich entdeck'; allein,
Bleibt (was möglich ist) mein Stand
Und mein Hiersein ihr verborgen,
So erwähl' ich andres mir:
Diesen Abend schreib' ich ihr,
Und Ihr bringt die Antwort morgen.

Federigo. Ihr habt recht; und mag sie zeigen
Oder nicht, daß sie's erfuhr;
Wird für den Moment auch nur
Dieser Vorteil mir zu eigen,
Daß der Reis' ich werd' entledigt:
So wird alle meine Qualen
Dieses eine mir bezahlen,
Und die Pflicht bleibt unbeschädigt.
Denn ist Euch ja zugedacht
Dieser Brief, so hielt ich Wort,
Wenn ich, sei's an welchem Ort,
Ihn in Eure Hand gebracht.

Enrico. Aus dem Briefe wird erhellen,
Was ihr Plan nun eben sei.
Laßt uns gehen.

Fabio.                       Bleibt's dabei,
Herr, die Pferde zu bestellen?

Federigo. Fabio, ja; denn ob ich bliebe,
Ist, zum Scheine, dies Verfügen
Dennoch nötig.

Fabio.                       Welch Vergnügen
Gibt es?

Federigo.     Sagen wird's die Liebe.

Fabio. Jetzt so froh?

Federigo.                   Was gibt's zu gaffen?

Fabio. Nichts; ich weiß ja, was es war.

Federigo. Was?

Fabio.                 Die Ziffer ist dir klar,
Und es braucht nicht so viel Affen. (Alle ab.)

 


 
Zimmer im herzoglichen Palast. Abend.

Laura tritt auf.

Laura. Wie so träge schleicht der Tag
Einer Hoffnung! Ganz vergessen
Hat, so wie es scheint, die Nacht,
Daß auch ihr gebührt, zu herrschen;
Denn so langsam ziehn die Schatten
Düstre Vögel, stumm und träge,
Schlagend ihre nächt'gen Flügel,
Spannend ihre dunkeln Federn!
Federigo, möchte doch
Schon die Stunde mir sich nähern,
Wo ich könnt' an deiner Seite
Lindern, trösten meine Schmerzen!
Und, o Flerida! was wollten
Sagen alle die Gebärden,
Womit du den Zorn verheimlichst,
Womit du die Gunst verstellest?
In ihr Zimmer gehen will ich,
Eh' ich in den Garten gehe,
Meines widerwärt'gen Schicksals
Ganze Qual voraus mir nehmend;
Denn auf diese Weis' erlang' ich
Zweierlei: daß sie nicht selber
Komm' und nach mir frag', und dann,
Daß die Sehnsucht im Gespräche
Sich vielleicht zerstreue; denn
Manchmal, wenn man sich beschäftigt,
Scheinen uns die Stunden kürzer,
Wenn sie auch nicht kürzer werden.

Flerida tritt auf und Flora mit Lichtern.

Flerida. Laura, sprich, wodurch verdienet
Meine Liebe solch Entfernen,
Daß du heut nicht zu mir kamest?

Laura. Wohl weiß ich die Gunst zu schätzen,
Herrin, daß du mich vermißtest;
Doch ein unbedeutend Kränkeln
Hielt mich fern, und bin ich gleich
Doch nicht ganz davon genesen,
Wollt' ich nicht, eh ich die Hand
Dir geküßt, mich niederlegen.
Und so komm' ich nur, zu fragen,
Wie du dich befindest, Herrin.

Flerida. Mich betrübt's, daß Unwohlsein
Der Entfernung Grund gewesen;
Und mich freut's, daß du gekommen,
Wenn auch spät, mich noch zu sehen;
Denn du bist mir, liebe Laura,
Nötig diese Nacht; deswegen
Richte so dich, daß du bleiben
Kannst bei mir.

Laura.                     Herrin, erwäge . . .

Flerida. Was erwägen? Hat die Freundschaft
Das nicht tausendmal gewähret?
Mag es einmal nun die Pflicht
Mir gewähren; denn entdecken
Kann ich dir nur ein Geheimnis.

Laura (beiseite). Wer war jemals so verlegen?
Wenn ich's weigre, so gerat' ich
In Verdacht. O Himmel, rette!
Sonst verlier' ich jetzt . . .

Flerida.                                     Was sagst du?

Laura. Daß ich dir zu Diensten stehe;
Ich bin gänzlich dein.

Flerida (zu Flora).             Verlaß uns. (Flora geht ab.)
Laura, merk' auf meine Rede:
Nachricht hab' ich, daß ein Mann
(Wie nur soll ich's dir erzählen?)
Einen Brief von einer Dame
Heut empfing, daß sie ihn sprechen
Will in dieser Nacht.

Laura (beiseite).               Was hör' ich?

Flerida. Und wenn ich den Mann auch kenne,
Kenn' ich doch die Dame nicht.

Laura (beiseite). Ich wohl.

Flerida.                             Wissen muß ich, welche
Meiner Fraun benutzt die Gitter,
Die auf die Terrasse gehen,
Um so zu entweihn des Anstands
Unverbrüchliche Gesetze.

Laura. Du hast recht; denn, wahrlich, dies
Ist ein unerhört Erfrechen.

Flerida. Es geziemt nicht meiner Würde,
Selbst hinab mich zu begeben.
Drum vertrau' ich, schöne Laura,
Dir mich an; denn du bist's eben,
Welche meine Phantasie,
Um je mehr sie sinnt und denket,
Nimmer wagt, nur durch den Schatten
Eines Zweifels zu verletzen.

Laura. Was ist dein Befehl?

Flerida.                                 Du sollst
Diese Nacht, als meiner Ehre
Aufmerksame Schildwach, mehrmals
In den Garten dich begeben
Und, wer dir in seinem Umkreis
Mag begegnen, wohl bemerken.
Und nicht glaube, meine Laura,
Dies sei bloß des Anstands wegen;
Denn erfahren will ich, wer
Federigo'n (unklug nennet
Meine Zunge seinen Namen;
Doch was thut es?) Gunst gewähret.
Dieses, Mühmchen, ist mein Auftrag.

Laura. Du brauchst nicht mir's einzuschärfen;
Denn ich will, dir zu Gefallen
Und ganz deinem Dienst ergeben,
Nicht nur ein- und tausendmal,
Wie du willst, zum Garten gehen,
Sondern, bis es tagt, mit Freuden
Dort verweilen, weil ich sehe,
Daß es dir zum Dienst geschieht.

(Sie nimmt das Licht und will gehen.)

Flerida. Dir vertrau' ich Wohl und Ehre,
Meine Muhme, meine Freundin;
Sinnreich bist du und verständig.
Und so handle, meine Laura,
Ganz nach eigenem Ermessen;
Und gewiß, wie du die Sache
Nimmst, so werd' auch ich sie nehmen. (Beide ab.)

 


 
Ein Teil des Gartens mit einer Gitterthür. Es ist Nacht.

Laura tritt auf.

Laura. Hilf mir, Himmel! Wie viel Dinge
Hab' ich jetzt zu überlegen,
So verworren und das eine
Mit dem andern so verkettet,
Daß ich nicht weiß, wo beginnen,
Um mir alles klar zu denken.
Doch was quäl' ich mich? Es wird
Wohl das beste sein, ich stelle
Alles dies der Zeit anheim;
Und um alles zu durchspähen,
Ist das beste Mittel auch,
Daß ich schweife, bis ich sprechen
Kann davon mit Federigo;
Denn durch Stimme, durch Gebärde,
Muß er mir notwendig zeigen,
Ob er treu ist, ob Verräter. –
O du schöner, holder Garten,
Dessen grünes Reich zu nennen
Ist des Maien Vaterland,
Weil es nur den Mai erkennet
Als den König seiner Monde,
Als den Schutzgott seines Lenzes!
Die freiwillig sonst sich nahte
Deinen anmutreichen Plätzen,
Um die Liebe zu erneuern
Deiner Blumen, deiner Quellen:
Deinen Quellen, deinen Blumen
Naht sie jetzt aus Zwang, befehligt,
Voll von Kummer, voll Verlangen,
Die zu sehn, die so verrätrisch
Nährt den Wurm der Eifersucht,
Der mir tödlich nagt am Herzen. (Geräusch am Gitter.)
Schon vernehm' ich dort das Zeichen.
Wider Willen zögert, bebet
Mir das Herz; allein weshalb?
Kann doch niemand auf der Erde
Sichrer seinen Rücken haben,
Da mir Eifersucht ihn decket.
Wer da?

Federigo erscheint außerhalb des Gitters.

Federigo.       Frage nicht, o schöne
Laura, wenn du nicht begehrest,
Daß ich meine Zuversicht
Gegen Mißtraun soll verwechseln.
Wer denn könnt' es sein, als ich?

Laura. Nicht dich wundern, noch beschweren
Darfst du, wenn ich dich verkannte;
Denn du selber bist von jenem,
Den ich dachte, sehr verschieden.

Federigo. Doch weswegen? Sprich!

Laura.                                               Deswegen:
Unsre Fürstin, Federigo,
Sandte mich an diese Stelle,
Um zu sehn, wer dich gerufen;
Woraus klar genug erhellet,
Daß du sprichst von meiner Gunst,
Und auch, daß es jene schmerzet.

Federigo. Mag der Himmel, meine Laura
(Meine, sagt' ich; nicht entgegne,
Daß mit Lügen ich beginne,
Wenn ich denke, wahr zu reden),
Mag der Himmel mich vernichten,
Mag ein Blitzstrahl mich zerschmettern,
Wenn aus meiner Brust der kleinste
Hauch entfloh, der fähig wäre,
Mein Geheimnis zu entweihen.
Was kann mehr dich widerlegen,
Als dies, daß sie dir vertrauet?
Ohnehin, wie kann sie sprechen,
Daß du hier seist meinethalb,
Da sie glaubt, ich sei abwesend?
Doch zu lang ist der Bericht.

Laura. Kannst du auch von der Beschwerde
Dich befreien, wirst du's können
In Betracht des heft'gen Strebens,
Das sie fühlet, Federigo,
Jene, die dich liebt, zu kennen?

Federigo. Wenn sie auch, was ich bezweifle,
Wirklich dieses Streben hätte
Ihrer selbst, nicht meinetwillen:
Glänzte, Laura, nicht noch heller
Dann die Glorie des Sieges,
Den ich willig dir gewährte?
Denn nicht sagen kann, er siege,
Wer da siegt ohn' einen Gegner. –
Meine Klage tilgst du nicht;
Denn ihr gibt um so viel bessern
Grund Lisardo, als die Wahrheit
Stets dem Schein ist überlegen.
Also du vermählst dich, Laura?

Laura. Ich nicht; doch, mich zu vermählen,
Nötigt leider mich mein Unglück.

Federigo. Alles kann die Liebe bänd'gen.

Laura. Das ist wahr; allein auch dies:
Alles macht die Liebe beben.

Federigo. Aber warum schriebst du mir,
Laura, daß du selbst dein Leben
Eher lassen würdst, als mich?
Warum wolltst du mein Gemälde?
Warum schenktest du mir deines?

Laura. Damals, Federigo, quälte
Mich kein Hindernis, wie jetzt.

Federigo. Du ergreifest sichre Wege
Zur Entschuldigung. Ach! Laura,
Steht schon dein Entschluß im Herzen:
Warum willst du jetzt an mich
Zeit und Worte noch verschwenden?
Dieses ist mein Bild; ein Zeuge
    (er gibt ihr das Bild in einer Kapsel)
Meiner Eifersucht zu werden,
Kommt es zu dir. Was beschaust du?
Nur die Einfassung gleicht jenem
Andern Bilde, welches du
Einst mir sandtest, als mit Lächeln
Noch das Glück auf mich herabsah,
Daß es ihm, wenn nicht an Werte,
Doch zum mindsten durch die Zier
Seines Aeußern ähnlich werde.
Nimm's, und nur dies eine bitt' ich:
Hüte, wenn du dich vermählest,
Dich vor ihm; denn auch gemalt
Duldet's nicht, daß du es schmähest.

Laura. Federigo, ich . . . doch still!
Leute hör' ich auf dem Wege.

Federigo. Ha, was gilt's, du wolltest sagen
Etwas, das mir tröstlich wäre,
Weil man kommt, um es zu hindern?

Laura. Daß ich dein bin, dein auf ewig,
Wollt' ich sagen, und ich sag' es.

Federigo. Nun mag, wer da will, sich nähern! –
Doch, schon um die Ecke kommt man.

Laura. Lebe wohl! Das Gitter sperren
Muß ich jetzt, um mich zu sichern.
Federigo, zu bedenken
Geb' ich dir nur noch dies eine:
Viele sind, die auf uns merken.

Federigo. Was bedarf es mehr, als alle
Sie zu täuschen?

Laura.                         Doch wie eben?

Federigo. Eine Ziffer geb' ich morgen
Schriftlich dir, worin du reden
Kannst mit mir allein vor allen,
So, daß keiner schöpft noch heget
Irgend einen Argwohn, sind auch
Noch so viele gegenwärtig.

Laura. Nun, fürwahr, ein laut Geheimnis
Wäre, deucht mir, das zu nennen.

Federigo. Sorg', allein zu sein beim Oeffnen
Jenes Briefs, den ich dir gebe.

Laura. Ich will's thun. Gott schütze dich!

Federigo. Mög' er deine Tage mehren!

Laura. Liebe, was muß ich dir opfern!

Federigo. Laura, was mußt du vergelten!

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