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Das Landhaus am Rhein / Band IV

Berthold Auerbach: Das Landhaus am Rhein / Band IV - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
booktitleDas Landhaus am Rhein / Band IV
authorBerthold Auerbach
firstpub1869
year1869
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleDas Landhaus am Rhein / Band IV
pages1-350
created20060804
sendergerd.bouillon
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Zwölftes Capitel.

Die Saison in Karlsbad war glänzend; noch selten waren so viel vornehme und so viel abenteuerliche Gäste hier versammelt gewesen. In die Klasse der abenteuerlichen, aber auch in die der vornehmen zugleich gehörte Sonnenkamp, der mit großem Gefolge gekommen war, mit Frau und Tochter, Sohn, Hofmeister, Gesellschafterin und mehreren Dienern, die er aber bescheidentlich nicht in Livree, sondern in einfacher bürgerlicher Kleidung gehen ließ.

Der fürstliche Hof, Clodwig und Bella waren bereits eine Woche im Bade, als das Haus Sonnenkamp ankam.

Am selben Tage reiste ein ebenso bescheidener als wohlangesehener Gast ab; Erich traf ihn noch, als er den letzten Becher am Sprudel trank. Es war Weidmann. Unter der Badgesellschaft war noch mehrere Tage die Rede davon, daß der Fürst diesen Präsidenten seines Abgeordnetenhauses, den unbeugsamen Oppositionsmann, zweimal zur Tafel geladen und mehrmals beim Morgengang angesprochen hatte. Die Statistik schwankte nur, die Einen behaupteten, die Morgenansprache sei zweimal, die Anderen dagegen, sie sei dreimal geschehen.

Wieder war die Begegnung zwischen Erich und Weidmann nur eine vorübergehende, und Erich scheute sich zu wiederholen, daß er Weidmann einmal besuchen werde.

Bella war sehr aufgeheitert, aber ihre Belebung war mehr äußerliche Unruhe; sie sagte Erich, es sei schön, daß man nun wochenlang tagtäglich mit einander verkehren würde; sie erwartete große Erheiterung davon und war so unbefangen, ihn damit zu necken, daß, wenn ein Wohlthätigkeits-Concert gegeben werde, wobei sie spiele, er singen müsse.

Clodwig machte bald seinen jungen Freund mit einem alten bekannt. Es war dies ein vielseitig gebildeter Banquier aus der großen Handelsstadt, den er alljährlich im Bade traf, und dann waren die beiden alten Herren viele Stunden des Tages beisammen. Der Banquier war bei siebzig Jahren jugendlich unruhig, von eben so viel Lernbegierde als Mittheilungslust. Clodwig behielt seine bemessene Ruhe, er sprach fast nie während des Gehens; wenn er etwas zu sagen oder seinem mittheilsamen Freunde zu erwidern hatte, blieb er stehen.

Der Banquier sagte Erich alsbald mit einer gewissen Geflissentlichkeit, daß er Jude sei. Clodwig mußte offenbar schon viel von Erich erzählt haben. Die rasche Art, wie der Freund Clodwigs sich nun Erich nahe stellte, fand indeß bei diesem nicht das entsprechende Entgegenkommen; jeder Dritte war ihm störend, denn er hatte sich sehr daraus gefreut, viel mit Clodwig zu verkehren, und nun nahm der Banquier einen guten Theil weg.

An den Frühstückstischen auf der alten Wiese war der Fürst und Gräfin Bella häufig Gegenstand des Gesprächs; man sagte, daß die Curmusik einen von ihr componirten Walzer spiele. Die Toilette der Gräfin Bella wurde gemustert, noch mehr aber war davon die Rede, daß der Fürst fast täglich mit ihr ging; er war dabei überaus heiter und man hörte ihn oft über die zierlichen Entgegnungen Bella's lachen. Auch Clodwig konnte sich vieler Gunstbezeugungen erfreuen.

Bella bildete einen besonderen Hof für sich; sie frühstückte mit einer gewählten Gesellschaft im Freien vor aller Welt, und ihr Tisch war stets mit den schönsten Blumen geschmückt.

Auch der Weincavalier und der Portraitmaler waren auf einige Zeit im Bade. Es war schon der vierte Curort, den der neue Baron von Endlich in diesem Sommer in seiner gewählten Eleganz mit seinem geheimen Album und seinen zierlichen Anekdoten erfreute. Er war, wie er oftmals wiederholte, natürlich nur nach Karlsbad gekommen, um seine hochverehrten Nachbarn zu begrüßen. Bella empfing ihn sehr kalt, auch Clodwig entschuldigte sich, daß er nicht viel Zeit habe. Er entschädigte sich dadurch, daß er unter allgemeiner Aufmerksamkeit einige Schachpartien mit einem berühmten anwesenden Schachspieler spielte.

Der Maler unterrichtete Erich eifrig über die Abenteuer der hier Heilung suchenden Männer und Frauen. Er fand Erich unbegreiflich naiv und unwissend.

Wenn Sonnenkamp dem mit Bella wandelnden Fürsten begegnete – und dies geschah an jedem Morgen – nickte ihm Bella huldreich zu, auch der Fürst begrüßte ihn mit einem Kopfnicken, hatte ihn aber trotz mehrtägiger Begegnung noch nicht angesprochen.

Der Cabinetsrath war ebenfalls im Gefolge des Fürsten, und mit ihm und einem vielerfahrenen Polizeirath, der den Fürsten immer aus der Ferne umkreiste, machte Sonnenkamp in der Regel seinen Morgengang.

Prancken, der selbständig wohnte, sich aber der Familie Sonnenkamp anschloß, war bald in das ganze Getriebe eingeweiht.

Eine schöne Spanierin, die tief schwarz gekleidet einsam daherging, einen dunklen Schleier auf dem Kopf trug und mit Niemand sprach, kämpfte mit Bella um den Preis der Aufmerksamkeit. Man sagte der Spanierin nach, daß sie das Unglück gehabt habe, nach den ersten Tagen ihrer Ehe zu entdecken, daß ihr Mann bereits anderweitig verheiratet war.

Frau Ceres erregte eine Empörung in der ganzen Badegesellschaft. Sie ließ sich Morgens in einem Handwagen zum Brunnen fahren, auf ihrem Schooße lag ein kleiner Hund und in der Hand hielt sie eine frische Rose.

Prancken bemühte sich immer sehr geflissentlich um sie, und Fräulein Perini war beständig neben ihrem Wagen.

Am Mittag ging Frau Ceres schön geschmückt den Promenadenweg.

Die ganze Badegesellschaft war empört und jeden Morgen richteten sich alle Blicke nach ihr, weil sie, die doch gesund war, sich im Gedränge fahren ließ. Frau Ceres freute sich dieser allgemeinen Aufmerksamkeit; daß sich darin Zorn kundgab, bemerkte sie nicht.

Manna mischte sich nur wenig in das morgendliche Badeleben; sie ging früh zur Messe und übte sich fleißig im Harfenspiel, wozu sie ein Zimmer auswählte, in welchem sie von Niemand gehört werden konnte. In der Kirche begegnete sie oft der verschleierten Spanierin, sie hatte ein Verlangen, sich der einsam Trauernden zu nähern, aber sie unterließ es; trug sie ja selbst Schweres genug in der Seele.

Prancken klagte viel über die außerordentliche Gnade des Fürsten, der ihn oft ganze Tage seinen Freunden entzog.

Sonnenkamp konnte sich, Dank den Bemühungen Bella's, rühmen, mitten in der auserwählten Gesellschaft zu stehen. Er kümmerte sich nichts darum, daß die vornehme Gesellschaft unter sich sagte, eine Badebekanntschaft verpflichte nicht zu ferneren Beziehungen; er hoffte, ja er glaubte mit Zuversicht, daß vielleicht noch hier die Entscheidung kommen würde, die ihn mit der vornehmen Welt in gleiche Linie versetzte; er benahm sich schon im Voraus mit Unbefangenheit als Gleicher unter Gleichen.

Bella hatte an einem Vergnügungsorte, wo sie sich länger aufhalten mußte, keine Ruhe, bis sie Jemand hassen und verfolgen konnte; dann erst war ihre Lustigkeit eine volle. In Ermangelung eines Andern mußte nun die Spanierin herhalten. Bella behauptete, die zur Schau getragene Einsamkeit der Spanierin sei eine Maske, es stecke nichts als eine Pariser Putzmacherin dahinter; trauernde junge Wittwe spielen, sei Comödie und es wirke sehr, sich mit Trauerkleidern und schwarzem Flor zu drapiren. Sie forderte nun die Männer ihres Kreises auf, die Schleier-Spanierin, wie sie sie gern nannte, zu verfolgen und zu zwingen, daß sie sich demaskire. Der Weincavalier erklärte sich dazu bereit, aber die Verhüllte zeigte sich mehrere Tage nicht mehr, sie war verschwunden. Der Weincavalier ließ durchschimmern, daß das verabredet sei; Bella war sehr vergnügt darüber, daß sich ihre Voraussetzung bestätigt hatte. Sie gab dem Weincavalier zu verstehen, daß das einen Glanz gebe, ein so ungewöhnliches Abenteuer gehabt zu haben, und so mußte er, um den Schein eines Abenteuers zu wahren und die Voraussetzung Bella's zu bestätigen, abreisen. Sie lachte hinter ihm drein, wie man sie noch gar nicht hatte lachen hören, als er am Morgen bei seinem letzten Frühstück zu verstehen gab, seine schnelle Abreise habe etwas Verschleiertes. Nun war Bella doppelt wohlgemuth.

Bella und Sonnenkamp gelangten in tagtäglichen, wochenlangen Verkehr, in eine ihnen selbst ungeahnte Beziehung. Im Grunde hatten sie eine Verwandtschaft oder Gemeinsamkeit, die in ihrer Weltverachtung bestand. Bella hatte eine tiefe Verachtung gegen das Hofleben, in dem sie sich doch so wohlig bewegte, Sonnenkamp zeigte ihr dagegen die Verächtlichkeit andrer Kreise. Beide erschienen sich als die Starken, denn sie fanden, daß sie den gleichen Weg gehen.

Der Menschenverächter wird eine gewisse Unruhe der Vereinsamung nicht los; trifft er nun einen Andern, der gleich ihm gestimmt ist, so gibt ihm das eine Gewähr seiner Sinnesweise und diese Befriedigung kann zur Wurzel eines ganz neuen Verhältnisses werden. In solcher Weise vereinigen sich in niederen Sphären Gauner und in höheren kluge Staatsmänner, die alles ideale, alles gute und reine Streben für eitel Phrase ansehen; und in solcher Weise vereinigten sich Bella und Sonnenkamp.

Beide stimmten vollkommen darin überein, daß die ganze Gemeinschaft, alle Gesellschaft nichts als stillschweigende Uebereinkunft von Lügen sei; Niemand glaubt dem Andern, Niemand ehrt den Andern und Alles, was man als bedeutsam preist, ist nichts als ein Aufputz, ein Humbug, den man eben aufrecht erhält, so lange es geht; nur einige Tölpel von Lehrern und Ideenjägern glauben vielleicht noch an ihre selbstverfertigten Götzen.

Sonnenkamp erklärte, daß sie die erste Frau sei, in der er wirklichen Geistesmuth entdecke, und trotzdem Beide einverstanden waren, daß Alles, was man sich Schönes und Gutes sagt, nur Lüge und Uebereinkunft sei, empfanden Beide, daß dieser Ausspruch auf Wahrheit beruhte. Bella wußte, daß sie Muth hatte, und erkannte Sonnenkamp das Recht zu, diesen Muth zu legalisiren.

Er gab ihr wiederholt zu verstehen, daß er allein ihre große Natur begreife, ja er sagte einmal geradezu:

»Wer eine Frau hätte wie Sie und selber ein Mann wäre . . . eine erobernde Natur mit einer Frau wie Sie . . . richtete einen neuen Thron auf in der Welt. Ich hatte darauf verzichtet, eine zum Herrschen geborene Natur wie Sie kennen zu lernen.«

Er sagte das halb wie Höflichkeit, aber sie wußte, daß es voller Ernst war, und faßte es als Ernst. Sie war empört über die kleinliche Welt, wo sich die Einen an einer Intrigue, die Andern an dem gefallen, was sie Humanität nennen, das aber nichts ist als Sentimentalität.

So lag im Gruß der Beiden, auch wenn sie nur rasch an einander vorüberstreiften, immer ein viel Sagendes, auf geheimer Einigung Beruhendes. Sie sagten sich in kurzem Blicke: Wir allein sind die Starken und groß genug, um jede Tändelei zu verschmähen.

Es war an einem schönen Julimorgen, als Bella große Frühstückstafel hielt; sie hatte die Familie Sonnenkamp geladen und auch Manna erschien heute mit der Mutter. Der Cabinetsrath, der General-Adjutant und mehrere Männer und Frauen vom ersten Adel aller Länder waren ebenfalls anwesend.

Man bewunderte den reichen und geschmackvollen Blumenschmuck des Frühstückstisches.

Bella stellte Herrn Sonnenkamp als den geist- und erfindungsreichen Geber vor und mit großem Geschick zeigte sie den Gästen, wie Herr Sonnenkamp, bekannt als der größte Gartenkünstler, die Zusammenstellung der Blumen zu behandeln wisse.

Sonnenkamp war sehr zufrieden mit dem Eindruck.

Manna bemerkte mit Zagen, daß sie von der Blumenverschwendung, die hier im Orte stattfinde, verletzt sei; durch Massenzusammenstellung und gepreßte Gebundenheit zerstöre man den Charakter der Blumen, vor Allem der Rosen; man beleidige gewissermaßen diese zarten Wesen.

Erich entgegnete, daß ohne diese Blumen dem Leben hier ein Glanz und eine Heiterkeit fehlen würde; auch das Reinste und Schönste sei nicht vor Mißbrauch und Uebertreibung sicher, das dürfe uns aber den schönen Grundzug nicht verkennen lassen.

Das Gespräch verlief in Scherz und Heiterkeit und gewann jene frohe Spannung, die die Brunnencur und die Frische des Morgens hervorbringt, und dazu hatte man in einem langen Premierlieutenant aus einem der kleinsten deutschen Fürstenthümer auch eine Zielscheibe des Witzes. Der lange Lieutenant hatte offen gestanden, daß er nach dem Bade gekommen sei, um eine reiche Bürgerliche mit seinem Adel zu beglücken; er hatte das Bella vertraut und sie suchte ihn nun in allerlei scherzhafte Verbindungen zu bringen.

Der lange Lieutenant ließ sich's gefallen; er hatte einen stehenden Witz: er bedauerte »auf Ehre«, daß Roland nicht auch eine Tochter Sonnenkamps sei, er würde sie heiraten.

Manna erröthete, denn damit war offen gesagt, daß man sie als Braut Pranckens betrachtete.

Es wurde viel erzählt von zerrissenen, keck überspringenden, frivolen Lebensübergängen mancher Badegäste. Manna starrte drein und innerlich sagte sie sich: Es ist gut, den ganzen Wirrwarr der verkehrten Welt kennen zu lernen, bevor man sie verläßt.

Clodwig, Sonnenkamp, Erich, Roland und der Banquier unternahmen einen weiten Gang durch den Wald. Bella behielt Manna bei sich.

Da Prancken heut von jedem Dienst befreit war, blieb auch er bei ihnen.

Bella besprach mit Manna ihre Kleidung zur nächsten Reunion, denn sie hatte es dahin gebracht, daß Sonnenkamp mit seiner Familie zu einer solchen geladen wurde, in der nur der ausgesuchteste Adel Europa's sich zusammenfand. Manna hatte gebeten, daß sie zurückbleiben dürfe, aber dies wurde als durchaus unmöglich abgelehnt; sie willfahrte nun und wußte kaum, daß sie es gethan. Bella, die sich großer Menschenkenntniß rühmte, hatte ihrem Bruder oft gestanden, daß sie aus Manna nicht klug werde. Sie hatte sich in das Vertrauen derselben einzudrängen gesucht, aber Manna hörte sie meist nur lächelnd an, als ob sie zu einem ganz anderen Menschen spräche; auch jetzt hatte sie einen Blick, in dem etwas Abwesendes lag. Sie sprach hier zu Bella und Prancken und ihre Gedanken wanderten andere Wege, vielleicht gingen sie mit Denen, die jetzt durch den Wald wanderten . . .

Erich hatte sich zuerst Clodwig angeschlossen, und dieser lächelte, da der junge Mann ihm berichtete, daß er noch nie ein Badeleben mitgemacht und daß es ihn fast verwirre.

Bei einer Biegung des Weges trat Erich zurück und ließ Sonnenkamp mit Clodwig gehen. Der Verkehr mit Sonnenkamp hatte für Clodwig etwas Abstoßendes und Anziehendes zugleich. Er hatte einen solchen Mann noch nicht kennen gelernt; vor Allem erkannte er einen gewissen Muth, da der Mann sich gar kein falsches Mäntelchen umhing.

Wieder suchte Sonnenkamp den Grafen darauf hinzulenken, daß er thätig für seine Adelserhebung eintreten solle, aber Sonnenkamp erfuhr eine Behandlung, die ihm noch nie geworden, denn Clodwig zermalmte ihn mit lauter höflichen Worten.

»Ich staune über Ihren Muth und Ihre Ausdauer,« sagte er, und doch hieß es eigentlich: Ich verwerfe Deine Frechheit und Zudringlichkeit.

»Sie sind unermüdlich,« lauteten die Worte, und eigentlich sagten sie: Du bist ein schamloser Unterdrücker.

Sonnenkamp hatte viel erlebt, aber noch nicht, wie man mit höflichen Worten niedergeworfen werden kann. Er lächelte immer, er durfte keine Verletztheit kundgeben, und Clodwig war dabei so ruhig, so beherrschend, er klopfte auf seine goldene Dose, wie wenn er den kitzelnden Kräften darin sagen wollte: Seid nur geduldig, der Mann bekommt eine starke Prise. Schließlich öffnete er die Dose und reichte Sonnenkamp eine Prise, der sie auch höflich dankend annahm.

Erich ging indeß mit dem Banquier; dieser behauptete, daß vielleicht doch nur ein Adliger so frei und so durchdrungen human sein könne wie Clodwig.

Der Blick Rolands traf Erich und dieser Blick sagte: Siehst Du? Der Mann sagt es auch!

Erich widerlegte diese Behauptung mit großem Eifer, und der Banquier, der anfänglich einen gönnerischen Ton gegen den jungen Gelehrten angenommen hatte, ließ sich gern bekehren.

Als man vom Morgengang heimkehrte, wurde Erich eine große Freude zu Theil; sein Lehrer, Professor Einsiedel, war angekommen.

Der gute tiefgeistige Professor war ganz hülflos, er kam sich wie verbannt und verloren vor, da er von seinem Collegen, dem ersten Arzt der Universität, hieher verwiesen wurde. Erich ordnete dem Unbehülflichen Jegliches und war glücklich, ihn im selben Hause unterbringen zu können, in dem er mit der Familie Sonnenkamp wohnte.

Während Erich bei seinem Lehrer stand, sah er in der Ferne Sonnenkamp mit Professor Crutius sprechen, der ebenfalls heut angekommen war.

Crutius schien die Zutraulichkeit Sonnenkamps ablehnen zu wollen, und nur nicht den Weg dazu zu finden. Als jetzt Sonnenkamp ihm zum Abschied die Hand reichte, faßte er dieselbe nicht, sondern griff nach dem Hut und grüßte sehr höflich.

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