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Das Landhaus am Rhein / Band III

Berthold Auerbach: Das Landhaus am Rhein / Band III - Kapitel 34
Quellenangabe
typefiction
booktitleDas Landhaus am Rhein / Band III
authorBerthold Auerbach
firstpub1869
year1869
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleDas Landhaus am Rhein / Band III
pages1-223
created20060731
sendergerd.bouillon
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Elftes Capitel.

Der Prinz mußte vergessen haben, daß er Sonnenkamp hatte rufen lassen wollen; auch dem Fürsten konnte Sonnenkamp nicht persönlich den Dank abstatten, denn er wie der Prinz und mehrere Cavaliere des Hofes, unter ihnen Prancken, hatten sich nach einem Jagdschlosse begeben, wo große Frühjahrsjagden abgehalten werden sollten.

Prancken war verstimmt abgereist, denn er fand es ungehörig, daß Sonnenkamp sich in eine Beziehung mit dem Zeitungsschreiber eingelassen habe.

Im Hotel Victoria war es still; die Professorin und Claudine waren nach dem grünen Häuschen zurückgekehrt. Roland bat und drängte jeden Tag, daß man die Residenz verlasse. Endlich wurde ihm willfahrt, und Sonnenkamp ließ sein Haus, seine Diener, den Park und die Treibhäuser den hellen Schmuck seines Knopfloches schauen. Dieses war und blieb ein gutes Gedenkzeichen, das man von dem in Freud und Leid so bewegten Winter mitgebracht hatte. Roland konnte nicht aufhören, Alles mit neuer Freude zu begrüßen; zum ersten Mal und in der ganzen Fülle seiner Macht schien das Gefühl der Heimatlichkeit in ihm zu erwachen.

»In den Wirthshäusern,« sagte er zu Erich, »und da, wo man nicht in seinem Eigenen ist, lebt man immer wie auf der Eisenbahn; ich habe geschlafen, aber das Klappern der Wagen in den Schlaf hinein gehört. Jetzt sind wir wieder daheim und jetzt habe ich in der Nachbarschaft so viel gute feste Menschen. Und die Hunde sind auch glückselig, daß ich wieder da bin, die Mara hat mich zuerst fremd angeblinzelt, dann aber hat sie mich erkannt und die Jungen sind prächtig; jetzt wollen wir recht fleißig und lustig sein. Ach, ich möchte einen Baum pflanzen zum Andenken an diesen Tag und Du solltest einen daneben pflanzen. Meinst Du nicht auch, Du seiest jetzt erst auf die Welt gekommen und Alles, was früher gewesen, habest Du einmal geträumt? Ach, wenn man nur etwas herstellen könnte, das Einem immer sagt: Erinnere Dich, so glücklich warst Du und so glücklich bist Du. O, wie schön ist es hier! Der Rhein ist viel breiter, als ich gewußt habe, und wie schauen mich die Berge an, ich meine, ich habe sie gesehen in meiner Krankheit, aber so schön nicht, wie sie sind.«

Er ging mit Erich am Ufer entlang; plötzlich hielt er still und sagte:

»Horch, die Wellen klatschen ans Ufer! Das hat sich so fort bewegt und so getönt Tag und Nacht, derweil ich nicht da war. Ach, wie schön wird es sein – lockt Dich das Rauschen nicht auch? – Ach, wenn wir wieder in den Wellen schwimmen; ich meine, es wär' vor Jahrhunderten gewesen, als wir es zuletzt gethan . . . Und sieh das Gras, wie schön grün, und die Hecken dort! Die grünen Blätter und Knospen möchten auf Einmal heraus und rufen: wir sind da!«

Unaufhörlich, wie aus einem sprudelnden Quell, kamen Gedanken und Gefühle aus der Seele des Jünglings. Er freute sich, daß alle Begegnenden ihm sagten, er sei viel größer geworden und sehe ganz männlich aus.

Er empfand das ganze Glück des Frühlingwerdens und der Genesung zugleich.

Nur allmälig konnte man wieder in den Unterricht übergehen.

Roland und Erich betheiligten sich vorerst eifrig an der Baumzucht und Sonnenkamp unterwies sie.

Im Garten, den man Nizza nannte, schwellten sich die Knospen, ein würziger Frühlingshauch schwebte über dem Strom und über der Landschaft, es war ein Duft, wie wenn die Luft über weithin sich erstreckende Veilchenfelder gestrichen wäre. Im Hause war Heiterkeit wie noch nie, selbst Frau Ceres konnte sich ihr nicht entziehen, denn Rolands Wesen strömte so viel Wonne aus, daß Jegliches davon erfüllt wurde; dazu hatte Roland etwas im Herzen, was er nur gegen die Professorin kundgab, aber auch ihr nur andeutete. Zu seinem Geburtstage, der auch der Tag war, an welchem Erich eingetreten, wollte er Allen eine Freude bereiten, an die sie gar nicht denken.

Es grünte und blühte, die Vögel sangen, auf dem Strom schwammen Schiffe fröhlich auf und ab. Da fand man am Tage vor seinem Geburtstage einen Brief Rolands auf seinem Zimmer, worin er ankündigte, man solle ruhig sein, er käme andern Tages wieder und bringe das Schönste mit.

Es wurde nachgeforscht und bald ergab sich's, daß Roland mit Lutz nach dem Kloster abgereist sei.

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