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Das Land der Pelze, Band1

Jules Verne: Das Land der Pelze, Band1 - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
authorJules Verne
titleDas Land der Pelze, Band1
publisherA. Hartleben's Verlag
addressWien. Pest. Leipzig
year
firstpub
translator
illustrator
seriesCollection Verne
volumeBand 17
printrunVierte Auflage
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100709
projectid546ad57e
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Sechzehntes Capitel.

Zwei Schüsse.

Die erste Hälfte des Monats September war verflossen.

Wäre Fort-Esperance am Pole selbst gelegen gewesen, d.h. also noch um zwanzig Grad nördlicher, so würde es am 21. desselben Monats die Polarnacht schon mit ihren Schatten umhüllt haben. Ueber diesem siebenzigsten Breitengrade aber zog die Sonne wohl noch einen Monat lang ihre Kreise über dem Horizonte. Nichts desto weniger sank die Temperatur schon sehr fühlbar und in der Nacht fiel das Thermometer gelegentlich bis auf -1° C. Da und dort bildete sich junges Eis, das freilich die Sonnenstrahlen während des Tages wieder schmolzen. Manchmal mischte sich ein kurzes Schneegestöber unter die Regenschauer und die Windstöße. Offenbar war die schlechte Jahreszeit nahe.

Die Bewohner der Factorei konnten dieser jedoch sorglos entgegen sehen. Der aufgespeicherte Proviant versprach die ganze Zeit über, und wohl noch länger, auszureichen. Der Vorrath an trockenem Wildpret hatte wesentlich zugenommen, auch waren noch weiter gegen zwanzig Walrosse erlegt worden. Mac Nap hatte Zeit gefunden, einen wohlverwahrten Stall für die Rennthiere, welche man im Fort hielt, und einen geräumigen Schuppen zur Aufnahme des Heizmateriales zu errichten.

Der Winter, das will sagen: die Nacht, der Schnee, das Eis, die Kälte konnten nun kommen; man war auf Alles vorbereitet.

Nach Sicherung der späteren Bedürfnisse der Bewohner des Forts faßte Jasper Hobson aber auch die Interessen der Compagnie in's Auge. Es war die Zeit gekommen, während der die Thiere, welche ihr Winterfell wieder bekommen haben, die schätzbarste Beute sind. Jetzt konnte man sie durch Pulver und Blei erlegen, während später, wenn sich die Schneedecke gleichmäßig ausgebreitet hatte, Schlingen und Fallen aufgestellt werden sollten. Jasper Hobson organisirte also förmliche Jagdzüge.

Die Concurrenz von Seiten der Indianer war in diesen hohen Breiten kaum zu fürchten, da diese gewöhnlichen Lieferanten der Factoreien meist nur südlichere Gebiete durchstreifen. Lieutenant Jasper Hobson, Marbre, Sabine und zwei bis drei ihrer Genossen sollten also für die Compagnie jagen, und es ist einleuchtend, daß es ihnen nicht an Arbeit fehlte.

An einem Arme des kleinen Baches, etwa sechs Meilen südlich vom Fort, war ein Bibervolk bemerkt worden. Nach diesem Punkte richtete Jasper Hobson seinen ersten Ausflug.

Früher, als es die Hutmacher noch vielfach verwendeten, galt das Kilogramm Biberhaare bis zu vierhundert Franken; seitdem der Verbrauch dieses Flaumenhaares aber abgenommen hat, ist zwar auch der Preis gesunken, aber dennoch an den Rauchwaaren- Märkten ein ziemlich hoher, da diese unerbittlich und unvernünftig verfolgte Nagerfamilie dem Verschwinden nahe zu sein scheint.

Die Jäger begaben sich also nach dem bezeichneten Orte an den Fluß.

Der Lieutenant rief Mrs. Paulina Barnett's Bewunderung hervor, als er ihr die sinnreichen Anlagen zeigte, welche diese Thiere behufs Errichtung ihrer halb unter dem Wasser erbauten Stadt getroffen hatten. Gegen hundert Biber bewohnten pärchenweise in der Nachbarschaft des Wasserlaufes ausgehöhlte Löcher, hatten aber schon den Bau ihrer Winterwohnungen begonnen, an denen sie fleißig arbeiteten.

Quer durch das schnelllaufende Wasser, welches tief genug war, um nicht vollkommen auszufrieren, hatten die Biber einen gegen die Strömung hin etwas ausgebogenen Damm erbaut; er bestand zunächst aus lothrecht und nahe an einander gestellten Pfählen, welche in wagerechter Richtung von biegsamen Baumästen umschlungen und verbunden waren. Das Ganze bedeckte eine thonige Erde, welche die Füße der Nager erst geknetet hatten, wie mit einem Cemente überdeckt.

Hierauf war der Thon mit Hilfe der breiten ovalen, horizontal abgeplatteten und schuppigen Schwänze zu einzelnen Werkstücken geformt und damit das ganze Zimmerwerk des Dammes gleichmäßig gedichtet worden.

»Dieser Damm, Madame, sagte Jasper Hobson, hat den Zweck, das Flüßchen immer bei unverändertem Wasserstande zu erhalten und gestattet er den Baumeistern der Biber, stromaufwärts ihre rundlichen Wohnungen, deren oberste Theile sie dort wahrnehmen, zu errichten. Diese Bauten sind sehr solid construirt; ihre aus Holz und Thon hergestellten Wände haben eine Stärke von zwei Fuß, und bieten als Eingang nur eine unterhalb des Wasserspiegels gelegene Oeffnung, was Jeden, der heraus oder hinein will, allerdings zum Tauchen nöthigt, aber auch die Sicherheit der Biberfamilie erhöht. Bei Zerstörung eines solchen Baues findet man ihn aus zwei Stockwerken bestehend, einem unteren, welches als Vorrathsraum dient und den Winterproviant an Zweigen, Wurzeln und Rinden enthält, und einem oberen, welches das Wasser nicht erreicht und in dem der Eigenthümer mit seinem kleinen Hausstande lebt.

– Ich sehe aber keines dieser klugen und fleißigen Thiere, sagte Mrs. Paulina Barnett. Sollte die Ansiedelung schon wieder verlassen sein?

– Nein, Madame, erwiderte Lieutenant Hobson, jetzt ruhen die Arbeiter im Schlafe aus, denn sie sind nur in der Nacht thätig und wir werden sie in ihren Höhlen überraschen!«

Wirklich verursachte der Fang dieser Nagethiere keinerlei Schwierigkeit. Binnen einer Stunde hatte man wohl hundert Stück erbeutet, und darunter Einige, deren Fell vollkommen schwarz war, von sehr hohem Handelswerthe. Die Anderen hatten auch einen seidenweichen, langhaarigen, glänzenden Pelz, der aber eine rothbraune Nuance zeigte, und unter diesem einen feinen, dichten, silbergrauen Flaum. Die Biberfelle wurden in das Magazin gebracht und unter dem Namen »Parchemins« oder »junge Biber«, je nach ihrem Werthe registrirt.

Während des ganzen Septembers und bis Mitte October wurden derartige Jagdzüge wiederholt und lieferten diese immer sehr günstige Resultate.

Dachse wurden nur in geringer Menge gefangen. Man stellte ihnen wegen ihrer Haut, welche zur Garnitur der Pferdekummete dient, und wegen der Haare nach, die man zu Bürsten und Pinseln verarbeitet. Diese Raubthiere – denn sie sind wirklich kleinen Bären gleich – gehören zu der Nordamerika eigenthümlichen Abart der Vielfraß-Dachse.

Andere zum Geschlechte der Nagethiere gehörige und dem Biber an Intelligenz sehr nahe stehende Arten erreichten in den Magazinen der Factorei eine sehr hohe Ziffer. Es waren das z. B. die einen Fuß langen Bisamratten mit sehr entwickeltem Schwänze, deren Pelz ziemlich geschätzt ist.

Eine Katzenart, welche auch dann und wann vorkam, machte die Anwendung der Feuerwaffen nöthig. Es waren das gelenkige, lebhafte Thiere mit hellröthlichem, schwarz gesprenkeltem Haar, welche selbst den Rennthieren gefährlich werden, kurz Luchse, die sich sehr wacker vertheidigen. Aber weder Marbre noch Sabine standen ihnen zum ersten Male gegenüber, und sie erlegten auch gegen sechzig dieser Thiere.

Eben so erbeutete man einige wenige Vielfraße mit sehr schönen Pelzfellen.

Hermeline zeigten sich nur selten. Diese eben so wie die Iltisse zum Mardergeschlechte gehörigen Thiere hatten ihr schönes Winterfell, welches bis auf ein kleines schwarzes Fleckchen an der Schwanzspitze ganz weiß ist, noch nicht wieder. Ihr Haar war äußerlich noch gelblich grau und röthlich darunter. Jasper Hobson hatte seinen Leuten also anempfohlen, jenes Wild für jetzt zu schonen. Man mußte warten und die Felle nach Marbre's Ausdruck »reif« werden, d. h. durch die Winterkälte bleichen lassen. Iltisse, deren Jagd wegen des unangenehmen Geruches, den sie um sich verbreiten, sehr lästig ist, erlegte man entweder durch Umstellung der hohlen Bäume, welche ihnen als Zuflucht dienten, oder durch Flintenschüsse, wenn sie in den Aesten umher sprangen.

Die Zobelmarder waren der Gegenstand einer ganz speciellen Jagd. Es ist bekannt, wie sehr das Fell dieser Raubthiere geschätzt ist, wenn es auch im Preise etwas gegen den eigentlichen Zobel, dessen Pelz im Winter von schwärzlicher Farbe ist, zurücksteht. Dieser eigentliche Zobel tritt aber nur im nördlichen Europa und Asien, bis nach Kamtschatka hin, auf und wird von den Sibiriern lebhaft gejagt. An der amerikanischen Küste des Eismeeres begegnet man anderen Marderarten, deren Fell immerhin von hohem Werthe ist, wie der »Wison« und der »Pékan«, welche auch den Namen »canadische Marder« führen.

Während des Monates September sollten diese der Factorei nur wenige Pelzfelle liefern. Diese sehr munteren und lebhaften Thiere haben einen langen und biegsamen Körper, der ihnen auch den Namen »Vermiformes« (d. i. wurmförmige) erworben hat. Wirklich können sie sich auch strecken wie ein Wurm, und folglich durch die engsten Oeffnungen schlüpfen, weshalb sie den Nachstellungen der Jäger natürlich leicht entgehen. Während des Winters fängt man sie leichter in Fallen und Schlingen, und Marbre und Sabine erwarteten schon ungeduldig den geeigneten Augenblick, wieder zu »Trappern« (Fallenstellern) zu werden. Sie waren fest überzeugt, daß die Magazine der Compagnie bei der Rückkehr des Frühlings mit diesen gesuchten Fellen reichlich versehen sein sollten.

Zur Vervollständigung des Verzeichnisses derjenigen Pelzwaaren, welche sich in Fort-Esperance durch jene Jagden anhäuften, verdienen auch die blauen und die Silber-Füchse eine Erwähnung, da sie an den russischen so wohl, wie an den englischen Märkten als die allerkostbarsten Pelzwaaren betrachtet werden.

Allen steht der blaue Fuchs, bekannt unter dem zoologischen Namen »Isatis«, voran. Dieses hübsche Thier hat eine schwarze Schnauze, sonst aber aschfarbene, fast dunkelblonde Behaarung, sieht indeß nirgends blau aus, wie man nach seinem Namen vermuthen sollte. Sein langes, dichtes und festes Haar ist wirklich bewundernswerth und besitzt alle die Eigenschaften, welche die Schönheit eines Pelzes ausmachen: Weichheit, Festigkeit und Länge, Dichtheit und schöne Färbung. Der blaue Fuchs ist der unbestrittene König der Pelzthiere; sein Pelz gilt den sechsfachen Preis jedes anderen, und ein Pelzmantel des Kaisers von Rußland, der ganz aus Halsstücken des blauen Fuchses besteht, welche man für die hochfeinsten Theile des Felles hält, wurde auf der Londoner Weltausstellung von 1851 zu 3400 Pfund Sterlings 34,000 Oesterr. S.-Gulden, 68,000 Reichsmark. geschätzt.

Einige solcher Füchse waren in der Umgebung von Cap Bathurst erschienen, doch von den Jägern nicht erlangt worden, denn diese Raubthiere sind sehr listig, flink und schwer zu fangen, dagegen gelang es, ein Dutzend Silberfüchse zu erlegen, deren prachtvoll schwarzes Haar weiße Spitzen hat. Obgleich das Fell der Letzteren dem der blauen Füchse an Werth nicht gleichkommt, so ist dies dennoch ein kostbarer Balg, der an den Märkten Rußlands und Englands einen hohen Preis erzielt.

Der eine dieser Silberfüchse war ein vorzügliches Exemplar, der den gemeinen Fuchs an Größe überragte. Seine Ohren, Schultern und der Schwanz waren rauchschwarz, aber das feine Ende seines Schwanzes und die Spitzen der Haare um die Augen silberweiß.

Die besonderen Umstände, unter welchen dieser Fuchs getödtet wurde, verdienen eine eingehende Schilderung, denn sie rechtfertigten gewisse Befürchtungen Jasper Hobson's eben so, wie die Vertheidigungsmaßregeln, welche zu treffen er für nöthig erachtet hatte.

Am 24. September früh hatten zwei Schlitten Mrs. Paulina Barnett, den Lieutenant, Sergeant Long, Sabine und Marbre nach der Walroß-Bai gebracht. In der Mitte von Felsen, zwischen denen wenige magere Gesträuche sproßten, hatten einige Leute des Detachements Tags vorher Spuren von Füchsen entdeckt, die es unzweifelhaft machten, daß Letztere in der Nähe umherschweiften. Die Jäger, deren Lust einmal gereizt war, drängten daher, die Fährte wieder aufzusuchen, welche ihnen eine so kostbare Beute versprach und in der That auch lieferte. Zwei Stunden nach ihrer Ankunft lag ein schöner Silberfuchs todt auf dem Boden.

Da wurden noch zwei bis drei andere Exemplare bemerkt, was die Jäger veranlaßte, sich zu theilen. Während Sabine und Marbre den Spuren des einen nachgingen, suchten der Lieutenant, Sergeant Long und Mrs. Paulina Barnett einem anderen schönen Thiere, welches sich hinter Felsstücken zu verbergen suchte, den Rückweg abzuschneiden.

Es bedurfte gegenüber diesem Fuchse, der sich schlau zu decken und keinen Körpertheil einer Kugel auszusetzen wußte, der Aufbietung der größten List.

Eine halbe Stunde währte schon diese resultatlose Verfolgung. Drei Seiten waren indessen dem Thiere abgesperrt und das Meer verschloß die vierte. Jenes mochte das Mißliche seiner Lage einsehen und beschloß derselben durch einen glücklichen Sprung zu entgehen, der dem Jäger keine andere Wahl, als die, ihn im Fluge zu schießen, übrig ließ.

Der Fuchs sprang also auf einen Felsblock, doch Jasper Hobson lauerte ihm schon auf, und in dem Augenblicke, da das Thier wie ein Schatten vorüber flog, begrüßte er es mit seiner Kugel.

Fast zu derselben Zeit donnerte ein zweiter Schuß, und der tödtlich getroffene Fuchs sank zu Boden.

»Hurrah! Hurrah! rief Jasper Hobson, der ist mein!

– Und mein!« antwortete ein Fremder, der, als Jasper Hobson eben die Hand nach dem Thiere ausstreckte, seinen Fuß darauf setzte.

Erstaunt wich Jasper Hobson zurück. Er hatte den zweiten Schuß aus Sergeant Long's Gewehr gekommen geglaubt, und jetzt stand er vor einem vollkommen fremden Jägersmann, dessen Büchsenlauf noch rauchte.

Die beiden Rivalen maßen sich mit den Augen.

Mrs. Paulina Barnett und ihr Begleiter kamen hinzu, auch Sabine und Marbre fanden sich eiligst ein, während ein Dutzend Menschen vom Ufer her auf den Fremdling zukamen, der sich höflich vor der Reisenden verneigte.

Jener war ein hochgewachsener Mann, der vollständige Typus jener »Canada-Reisenden«, deren Concurrenz Jasper Hobson vor Allem fürchtete. Der Jäger trug noch ganz jenes traditionelle Costüm, welches Washington Irving, der amerikanische Romanschriftsteller, genau beschrieben hat: eine in Mantelform übergeschlagene Decke, ein baumwollenes Hemd mit bunten Streifen, weite kurze Tuchhosen, Gamaschen aus Leder und Schuhe aus Damfell, einen bunten Gürtel, welcher das Waidmesser, Tabaksbeutel nebst Pfeife, und einige Lagergeräthschaften barg, mit einem Worte, eine halb civilisirte und halb wilde Kleidung. Vier seiner Begleiter waren so wie er, nur minder elegant, ausgerüstet, die acht Anderen, welche als Bedeckung dienten, gehörten zu den Chipeway-Indianern.

Jasper Hobson konnte sich nicht täuschen; er hatte einen Franzosen, mindestens einen Abkommen der canadischen Franzosen, vielleicht den Agenten einer amerikanischen Compagnie vor sich, welcher die Errichtung der neuen Factorei zu beobachten entsendet war.

»Dieser Fuchs gehört mir, mein Herr, sagte Jasper Hobson nach einigen Augenblicken des Schweigens, während deren er und sein Gegner sich Auge in Auge gegenüber gestanden hatten.

– Er gehört Ihnen, falls Sie ihn getroffen haben, antwortete der Unbekannte in gutem Englisch, aber mit einem leichten fremden Accente.

– Sie irren sich, mein Herr, entgegnete Jasper Hobson lebhafter. Selbst für den Fall, daß ihn Ihre Kugel und nicht die meinige getödtet hätte!«

Ein verächtliches Lächeln antwortete dieser Behauptung, welche die ganze Anmaßung der Hudsons-Bai-Compagnie über die Territorien vom Atlantischen bis zum Stillen Oceane wiederspiegelte.

»Sie betrachten also, fuhr der Fremdling fort, während er sich gefällig auf die Mündung seines Gewehres stützte, die Hudsons-Bai-Compagnie als vollkommene Herrin über die Gebiete des nördlichen Amerikas?

– Ohne Zweifel, erwiderte Lieutenant Hobson, und wenn Sie, mein Herr, wie ich voraussetze, etwa einer amerikanischen Gesellschaft angehören...

– Der Pelzwaaren-Gesellschaft von St. Louis, bekannte der Jäger mit einer Verneigung.

– Ich meine, dann sollten Sie, fuhr der Lieutenant fort, sich doch veranlaßt fühlen, die Acte aufzuweisen, welche Ihnen in irgend einem Theile dieses Gebietes ein Jagdrecht zugesteht.

– Acten! Privilegien! sagte verächtlich der Canadier, das sind Worte aus dem altersschwachen Europa, welche in Amerika einen schlechten Klang haben.

– Sie sind auch nicht auf amerikanischem, sondern auf englischem Grund und Boden! belehrte ihn Jasper Hobson mit Stolz.

– Herr Lieutenant, antwortete der Jäger, der nun auch seinerseits etwas wärmer wurde, jetzt ist wohl nicht der geeignete Zeitpunkt, über diese Frage zu debattiren. Die Ansprüche Englands im Allgemeinen und die der Hudsons-Bai-Compagnie im Besonderen, welche bezüglich dieser Jagdgebiete geltend gemacht werden, sind uns schon seit langer Zeit bekannt; doch denke ich, der Tag soll nicht mehr fern sein, wo die Ereignisse diese Sachlage ändern sollen, und Amerika von der Magelhaens-Straße bis zum Nordpole wirklich amerikanisch sein wird.

– Das glaube ich nicht, erwiderte trocken der Lieutenant.

– Wie dem auch sei, mein Herr, entgegnete unbeirrt der Canadier, ich schlage Ihnen vor, die internationale Seite der Frage nicht zu betonen. Was sich die Compagnie auch anmaße, so liegt es doch auf der Hand, daß die nördlichsten Theile des Continentes dem zugehören, der sie besetzt, und vor Allem gilt das vom Küstengebiete. Sie haben bei Cap Bathurst eine Factorei gegründet; gut, so werden wir nicht in Ihrem Gebiete jagen; Ihrerseits erwarte ich aber auch, daß Sie unsere Grenzen respectiren, wenn die Pelzwaaren-Gesellschaft von St. Louis an einer anderen Stelle der Nordküste eine Factorei errichtet haben wird.«

Jasper Hobson's Stirne faltete sich. Der Lieutenant erkannte es zu klar, daß die Hudsons-Bai-Compagnie in nächster Zukunft gefährliche Rivalen bis hinauf an die nördliche Küste haben, daß man ihre Ansprüche auf den ganzen Norden Amerikas nicht anerkennen, und mancher Kugelwechsel zwischen den Concurrenten stattfinden werde. Aber auch er konnte sich der Einsicht nicht verschließen, daß jetzt nicht der geeignete Augenblick sei, die Privilegienfrage zu discutiren, und sah es nicht ungern, daß der im Uebrigen höfliche Jäger die Rede wieder auf etwas Anderes lenkte.

»Was nun die Angelegenheit betrifft, welche uns entzweit, sagte der Canada-Reisende, so ist diese doch nur von sehr untergeordneter Bedeutung, und ich denke, wir schlichten sie nach Waidmanns-Brauch. Ihr und mein Gewehr haben sicher verschiedenes Caliber, und unsere Kugeln werden leicht wieder zu erkennen sein. Der Fuchs gehöre also Demjenigen, der ihn wirklich getödtet hat.«

Der Vorschlag war gerecht. Die Frage nach dem Eigentumsrechte an dem Thiere konnte auf diese Weise mit Gewißheit entschieden werden.

Der Cadaver des Fuchses wurde also untersucht. Er hatte von den zwei Jägern auch zwei Kugeln bekommen. Die eine saß ihm in der Seite, die andere in der Brust. Die Kugel des Canadiers war diese Zweite.

»Das Thier gehört Ihnen, mein Herr«, sagte Jasper Hobson, der seine Enttäuschung, sich eines so kostbaren Balges durch fremde Hand beraubt zu sehen, nur schlecht verhehlte.

Der Reisende nahm den Fuchs auf; doch als man schon glaubte, daß er ihn über die Schulter werfen und davon gehen werde, schritt er mit einer weltmännischen Verneigung auf Mrs. Paulina Barnett zu.

»Die Damen lieben ja schönes Pelzwerk, sagte er. Wüßten sie, mit welchen Mühen, ja manchmal, mit welchen Gefahren man dieses zuerst erlangt, sie würden wohl nicht immer eine solche Sehnsucht darnach haben! Doch, sie lieben es einmal! Erlauben Sie mir also, Madame, Ihnen dieses Stück zur Erinnerung an unser Zusammentreffen zu überreichen.«

Mrs. Paulina Barnett zögerte, das Geschenk anzunehmen, der canadische Jäger hatte das kostbare Fell aber mit solcher Verbindlichkeit und so gutherzig angeboten, daß es beleidigend für ihn gewesen wäre, es abzuschlagen.

Die Reisende nahm es also mit einem Danke gegen den Fremdling an.

Dieser verneigte sich noch einmal vor Mrs. Paulina Barnett, grüßte die Engländer und verschwand, gefolgt von seinen Begleitern, hinter den Uferfelsen.

Der Lieutenant begab sich mit den Seinigen auf den Rückweg nach Fort-Esperance. Jasper Hobson wanderte aber in Gedanken vertieft dahin. Die Lage des durch seine Mühen gegründeten Etablissements war nun einer rivalisirenden Gesellschaft bekannt, und diese Begegnung mit dem Canada-Reisenden ließ ihn für die Zukunft die größten Schwierigkeiten vorhersehen.

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