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Das Kulturleben der Griechen und Römer in seiner Entwicklung

Theodor Birt: Das Kulturleben der Griechen und Römer in seiner Entwicklung - Kapitel 9
Quellenangabe
typetractate
booktitleDas Kulturleben der Griechen und Römer in seiner Entwicklung
authorTheodor Birt
year1928
firstpub1928
publisherQuelle & Meyer
addressLeipzig
titleDas Kulturleben der Griechen und Römer in seiner Entwicklung
pages459
created20120812
sendergerd.bouillon@t-online.de
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7. Die Kunst

Wohnung, Ernährung, Spinnen und Weben, Tischlern, Korbflechten, Hausordnung, Familiensinn, nachbarlicher Verkehr, dazu auch Ballspiel der Jugend, die Jagd, der Sport, Scheibenwurf, Ringen und Faustkampf, endlich der Tanz, der Unterricht im Lautenspiel: alles das geht noch nicht wesentlich über die Kulturbedürfnisse der Häuptlinge besserer Negerstämme hinaus, wie die Afrikareisenden sie uns schildern. Auch die Schiffahrt, die in der Atridenzeit nur die Fürsten organisieren,Dies zeigt schon der Schiffskatalog im 2. Buch der Ilias. Da die Arkader als Binnenländer keine Schiffe haben, stellt Agamemnon ihnen solche zur Verfügung (II 614). ist noch so zaghaft und unentwickelt. Wir hören nichts von geregeltem Überseeverkehr von Küste zu Küste, erst recht nicht in die Ferne nach Sidon oder zum Nil.Vgl. S. 23 Anm. "Die Griechen bauen sich ihre Schiffe...". Zehn Jahre lang blieben die Kämpfer vor Troja ohne Nachricht aus ihrer Heimat.Es ist schon viel, wenn die Achäer sich einmal Wein aus Lemnos nachkommen lassen: Ilias VII 467 f. Sonst beziehen sie Wein aus Thrazien: IX 72. Entwickelter war dagegen die Kriegsführung. Strategischer Weitblick: um Troja zu isolieren, wird zuerst alles Umland erobert. Stolz sind die Fürsten auf ihre Bewaffnung; aber die Waffen der Trojaner und ihrer Verbündeten sind die gleichen.

Diese Waffen waren, wie wir schon feststellten, nach asiatischem Muster großenteils wohl auch in Asien gefertigt. Die griechische Schmiedekunst war noch nicht imstande, sie 36 ausreichend zu liefern,Nur der erzbeschlagene Lederschild des Ajax stammt von einem Böotier, das wird besonders hervorgehoben: Ilias VII 220. Spätere Zeugen rühmen dann die böotischen Waffen; s. O. Müller, Orchomenos S. 131 und 491; Blümner a. a. O. IV S. 74. und ebenso stand es nun damals anscheinend mit der plastischen Kunst auch sonst. Alle wertvolleren Kunstgegenstände waren Import.

Auffällig ist schon, daß die Schilde der Kämpfer, wenn wir von dem Wunderschild Achills absehen,Nicht nur der Schild Achills stammte aus der Schmiede des Gottes Hephäst, sondern auch der des Diomedes: Ilias VIII 195. des Bildschmucks, d. h. der Wappenzeichen noch entbehren.Ausnahme nur die Gorgo auf dem Schild Agamemnons (Ilias XI 36). Erst die Kampfszenen auf den Vasenbildern zeigen regelmäßig solche Wappenzeichen. Erst in der Folgezeit sind diese üblich geworden. Die Waffe war also noch ganz unpersönlich, weil im Kauf erhandelt. Die Eisenschmiede der Griechen stellten zumeist nur Nägel, Spaten, Pflugschare und Lanzenspitzen her.Die Landleute holen sich Eisen für den Pflug aus der Stadt: Ilias XXIII 853. Das tun auch die Wilden. Gelegentlich konnten sie auch als Goldgießer Hilfe leisten; sie vergolden die Hörner des Opfertieres, haben jedoch das Gold dazu nicht selber in Vorrat, sondern der »König« muß es ihnen liefern.Vgl. Odyssee 3, 425–432. Der goldbeschlagene Bogen des Pandarus ist asiatisch: Ilias IV 110. So wird uns nun auch von keinem Kunstgebilde bei Homer je angedeutet, daß es der Heimatkunst entstammt, oft dagegen ausdrücklich das Gegenteil. Das kann nicht Zufall sein. Am schön verzierten silbernen Becher freuen sich die Helden; die Becher stammen aber aus Sidon, und die Sidonier heißen die Kunstbeflissenen (πολυδαίδαλοι), nicht die Griechen,Vgl. Ilias XXIII 743. Aus Sidon auch der Krater Odyssee 4, 617. und so fort.Weitere Beispiele. Aus Phrygien stammt der Metalldiskus, der den Kampfspielen der Achäer dient (Ilias XXIII 826), aus Kleinasien auch der schöne Pferdeschmuck IV 141 f.; aus Cypern ein Harnisch, auf dem oben drei bläuliche Schlangen gearbeitet sind (VIII 195); vgl. dazu den aus Cypern geschenkten Harnisch Agamemnons, XI 20. Wie wenig Erfahrung man noch hatte, zeigt die Bemerkung, daß das Gold fester und undurchdringlicher als das Erz sei (XX 268 und 272), sowie die andere, daß auch das Zinn, κασσίτερος, für den erzenen Speer undurchdringlich, XXI 592. Die Herkunft erfahren wir nicht von dem Riemen des Wehrgehenks des Herakles, auf welchem Eber und Löwen und Schlachtenszenen gebildet waren (Odyssee 11, 610 f.), es heißt da nur: wer das gemacht hat, wird nie Besseres schaffen wollen. Das Zepter Agamemnons hat der Gott Hephäst geschnitzt (Ilias II 101); derselbe Gott die metallenen Hunde Odyssee 7, 91. Natürlich geht die Kunstleistung überall, wo der Gott schmiedet und schnitzt, über das Leistungsvermögen des Griechentums selbst hinaus. Ja, daß die Fabrikate des Gottes als auswärtige Kunstwerke zu betrachten sind, kann vielleicht aus Odyssee 4, 617 erschlossen werden, wo ein solches zugleich als Arbeit des Hephäst und als sidonisch bezeichnet wird. Nur in Troja, nicht in Griechenland werden Kleider mit eingewirkten Bildern gewebt, welche Bilder Vorlagen in Malerei voraussetzen.Ilias III 126, XXII 440. Auch das scheint asiatisch.

So müssen nun also auch die z. T. so schönen Kunstwerke, wie die Dolchklinge mit der Löwenjagd, die in den Schachtgräbern Mykenes gefunden sind, importiert gewesen sein, oder die Dynasten der Griechen haben sich aus Kreta Techniker, die solche Dinge bei ihnen herstellten, kommen lassen.Angesichts der S. 36, Anm. "Weitere Beispiele..." zusammengestellten Zeugnisse und der Tatsache, daß Homer wohl den Beruf des Architekten, nicht den des Plastikers kennt, vermag ich den Gelehrten nicht zu folgen, die eine mykenische Metallplastik als einheimische Kunst voraussetzen. Daß die gleichzeitigen Arbeiten in Kalkstein jenes Kunstkreises so viel unbeholfener als jene sind, erklärt sich eben daraus, daß diese von heimischen Arbeitern stammten, die Metallkunstwerke nicht. Die fremden Künstler haben allerdings gewisse Motive, die lokalen Charakter tragen, wie Spiralen, Buckel, Knöpfe, konzentrische Kreise, als Schmuck verwendet; dies geschah jedoch in Nachahmung dessen, was die Einheimischen in schlechterem Material anzubringen gewohnt waren, sie nahmen naturgemäß einheimische Motive auf. Dazu kommt nun aber so vieles, was nach auswärts weist. Kretische Kunstwerke werden von Homer als Vorbild ausdrücklich erwähnt (Ilias XVIII 591). Schon oben sahen wir, daß Menelaus oft nach Kreta reiste (III 233). Außer Kreta kamen aber auch Ägypten und Asien in Betracht. Nichts verräterischer als die in Mykene gefundenen Straußeneier, auch die mykenischen Glasperlen, die Homer nicht kennt. Auch der Schmuck des Löwentors Mykenes muß nach auswärtiger Vorlage gemacht sein; denn der Schaft der Säule zwischen den Löwen ist hier unten dünner als oben; sie ist also eine Nachahmung der Palme, auf die dasselbe zutrifft, sowie auch die Goldbecher von Amyklä Stiere unter Palmen zeigen; die Palme aber wuchs nicht in Griechenland. Endlich stammt auch die Kunst der eingelegten Metallarbeit, die Tauschierkunst, wie Hephäst sie übt und wie die mykenischen Dolchklingen sie zeigen, aus dem Orient; s. Blümner a. a. O. IV S. 270. So auch die schöne, farbige Ornamentik im Saal von Tiryns. Es war so, wie im 17.–18. Jahrhundert die deutschen Duodezfürsten ihre Schlösser von Italienern und Franzosen dekorieren ließen. Es kam nur darauf an, daß man zahlungsfähig war. Das waren aber nur wenige der griechischen Kleinfürsten. Wunderbar schien die Palastfront des Menelaus in Sparta; sie strahlte »wie der Mond und die Sonne«, 37 ebenso auch das Innere des Palastes in Gold, Silber und Elfenbein.Vgl. Odyssee 4, 45 und 72 f. Ebenso wunderbar auch der Palast des Alkinous. Das Gesims oder der Fries aus blauem Glasfluß daselbst (7, 87) entspricht dem Alabasterfries im Palast von Tiryns. Daß das Geschmeide aus Gold und Elektron, von dem wir 18, 296 lesen, durch phönizische Händler in den Besitz der Leute auf Ithaka kam, leidet nach 15, 459 keinen Zweifel. Aber nur das edle Material wirkte da blendend, von bildlichen Darstellungen hören wir nichts. Des Odysseus Verhältnisse auf Ithaka waren dagegen so bescheiden, daß Menelaus sich erbietet, ihn in seinem Lande anzusiedeln, ihm eine Stadt zu schenken.Odyssee 4, 175 f.

Sonst hat Homer für Architektonisches wenig Worte übrig. Besonders nett schildert er die herrschaftliche Götterwohnung des Zeus und seiner himmlischen Angehörigen, die den Königsburgen entspricht und die auf dem Gipfel des Olymp, den wohl noch kein Menschenfuß betreten hatte, vom Gott Hephäst erbaut wurde. Die goldenen Stuben, jede für einen Gott, liegen da nach dem Herkommen parataktisch nebeneinander. Man legte sie noch nicht um einen Innenhof. Diese Architektur aber war griechisch, so auch die schon oben erwähnten Baureste, die erhalten sind. Nichts bewundernswürdiger als das Fürstengrab in Mykene, das man fälschlich das Schatzhaus Agamemnons nennt, ein kellerhaft in die Erde getriebener Rundbau und Kuppelbau feinster Raumwirkung.Ähnliches bietet z. B. auch Orchomenos und Menidi in Attika. Homer aber hatte keinen Blick für solche Katakomben, die der Vorzeit angehörten.

Nur vier heimische Berufsarten geistiger Art kennt Homer und nennt sie ausdrücklich: den Architekten, den Seher, den Arzt, den Sänger. Der Maler und der Bildschnitzer fehlt.

Bei der Kunst des Sehers verweile ich nicht. Sie war halb ehrliche Divination, halb geschickte Täuschung des Publikums, und sie diente den Fürsten. Weit nennenswerter die Ärzte. Der Krieg hat sie groß gemacht, und sie sind daher fast nur Wundärzte, übrigens vornehme Leute, die als Söhne des Äskulap, also als Enkel des Apollo geltenIlias II 732. und, wenn Krieg ist, auch ritterlich selbst mit zu den Waffen greifen.Ilias XI 832 und sonst. Den Blessierten zu helfen ist ihr Amt, und sie helfen mit Kräutersaft, schneiden aber auch als Chirurgen,Ilias XI 842 f. Über die Ärzte bei Homer vgl. A. M. Esser im »Humanist. Gymnasium« 1928, S. 170 f. Auch Patroklus funktioniert als Wundarzt XI 829; er hat wie Achill die Kunst offenbar von Chiron gelernt. und der Dichter schildert uns nun hundertfach die Verwundungen selber, die allerdings meist tödlich sind, und zwar mit einer 38 anatomischen Kenntnis, die von der antiken Medizin hernach kaum überboten worden ist: Gurgel, Leber, Galle, Zwerchfell, Blase usf. Sonst sind des Dichters naturwissenschaftliche Kenntnisse minimal; den Phänomenen, als da sind Wind und Wetter, Blitz, Sturmflut, Sternenlauf, Vulkanismus, steht er noch ratlos wie ein Kind gegenüber. Tabu, Tabu! Zürnende Götter oder böse Geister machen das alles.

Woher nun das anatomische Wissen Homers? Tausendfach wurde eben in der Schlacht gestorben. »Einförmig stellt Natur sich her, doch tausendförmig ist ihr Tod.« Wie der Metzger das Innere des Tieres genau kannte, hat der Wundarzt danach mit großer Sicherheit das Innere des Menschen zu erraten gelernt. Als gefährlich galt vor allem der Stoß in die Weichteile, in die Leber.Ilias XX 469. Von innerer Medizin hören wir dagegen wenig. Ein Familienvater ist krank und wird wieder gesund, aber kein Arzt hat dabei geholfen,Odyssee 5, 394 f. und der Pestseuche im Heer versuchen sie gar nicht entgegenzutreten. Von Heilkräutern weiß man wohl, aber die Frauen sind's, die sich besonders auf sie verstehen – so auch Helena –,Vgl. Ilias XI 740; Odyssee 4, 219 ff., wo Helena von ägyptischen φάρμακα redet, da sie auf der Heimfahrt mit Menelaus nach Ägypten verschlagen wurde. und mit ihrer Hilfe werden diese Frauen wie Medea und Kirke schließlich zu Zauberinnen, die nicht Heil, sondern Unheil bringen.

Alles das klingt schön und gut. Aber das griechische Genie verkündet sich darin noch nicht. In den Dichtern hat es sich zuerst entfaltet. Der Dichter ruft seine Muse an, und es wirkt völlig überraschend; das Unerwartetste stellt er vor uns hin. In seinen Gesängen und in ihnen allein offenbart sich die seelische Kultur, die für uns den Anfang der Dinge bedeutet und deren Hochstand trotz aller Rückständigkeit in technischen und gelehrten Dingen schon damals vom Griechenvolk erklommen wurde.

Wie mancher, der den Homer heute liest, blickt mit Neid auf jene Zeiten. Ein starker Odem, ein Hauch frischester Jugend weht uns aus seinen Epen an. Der erste großartige Schöpfungsakt ist damit geschehen, eine Spiegelung der Welt; 39 aber es ist ein Schauen im Wort, und erst danach konnten die bildenden Künste folgen. Geschaffen wurde ein Bild des Menschentums jener Zeiten, das realistisch seine belebten Züge der Wirklichkeit entnahm, aber mit Auslese das Gemeine zurückdrängte, den edlen Typus der Gattung »Mensch« dagegen sich in reicher Mannigfaltigkeit der Abtönung vor uns ausleben läßt, im aufpeitschenden Tumult der Leidenschaften, aber auch in allerlei Seelenregungen feinster Art, und auch in der Leidenschaft kann sich noch die Noblesse zeigen.

Der Vortrag war Gesang, d. h. ein singendes Rezitieren ohne bestimmte Melodik. Er geschah zum Saitenspiel. Jene Kleinfürsten aber sind es gewesen, die im Verlangen nach edlem Ruhm den Beruf des Kunstsängers schufen, indem sie ihn wirtschaftlich sicherstellten. Der Poet gehörte zum Hofpersonal. Durch die Burgherren ist damals die stammelnde Volkspoesie emporgesteigert worden zur Kunstdichtung, die planvoll arbeitet und sogleich im Aufbau und in der Plastik der Schilderungen Meisterhaftes leistet. Die Themastellung macht alles; das große Thema verlangte und schuf die große Form.

Vergessen wir aber nicht: die Beredsamkeit kam der Dichtung zu Hilfe. Römer wie Griechen sind von Natur zur Debatte, sie sind zur Redekunst hervorragend veranlagt gewesen. Schon bevor es in Rom eine Literatur gab, kämpfte man dort in Senat und Comitien mit dem schlagenden Wort,Über die Anapher als rhetorisches Mittel, das sich schon im Umbrischen wie bei Plautus, bei diesem ungleich häufiger als im Griechischen, findet und das sich damit als echt italisch erweist, findet man Nachweise bei H. Donnermann, De anaphorae apud Romanos origine et usurpatione,, Marburg 1918. um so ungebundener, solange man noch nichts niederschrieb; und so zeigen auch die Volkshirten Homers eine Freude am Sprechen und dazu schon eine Kunst der Rhetorik, die uns völlig überrascht, aber sicher ein Abbild der Wirklichkeit gibt.

Der Dichter gab Erzählung. Es war nun aber für ihn ausgeschlossen, da er eine Buchschrift und Steinschrift noch nicht gab, in Prosa, die sich nicht memorieren läßt, zu erzählen. Ein Versmaß war also nötig, und der Hexameter 40 wurde, wir wissen nicht, wie früh und aus welchen Anfängen,Die vergleichende Metrik hat uns zum Verständnis des Hexameters wenig Überzeugendes geboten; man wird für die Analyse des Verses von Fr. Schuchardt, De Graecorum versibus quorum membra ambitu increscant, Marburg 1915, ausgehen müssen. geschaffen, ein vielsilbig majestätischer Vers von breitem Fluß, dessen Gestalt zugleich der feinsten Nuancierungen fähig ist und der, so alt er ist, auch noch heute sich in der Hand der besten unserer deutschen Dichter als klang- und charaktervoll bewährt hat.

Wie der Herold, ist bei Homer auch der Sänger Vertrauensmann des Fürsten; er ist als solcher hochgeehrt; zumeist höheren Alters. Daher läßt ihn Agamemnon, als er in den Krieg geht, sogar als Hüter der ehelichen Treue bei seiner Frau zurück.Odyssee 3, 267. Einmal tritt aber auch ein blinder Sänger auf; hernach wurde es herkömmlich, daß die Blinden sich dem Dichterberuf widmeten, und so galt Homer, diese mythische Figur, selbst als blind; ja, sein Name selbst bedeutete den Blinden.Die Überlieferung, daß die Blinden ὅμηροι heißen, wird durch die Etymologie gerechtfertigt: ὅμ-ηρος gehört zu ἀπαρίσκω und heißt der Mitangefügte, weil der Blinde nicht ohne Führung auftritt; auf das schlagendste wird dies bestätigt durch Euripides frg. 816 N: τυφλόν προνγητῆρος ἐξηρτημένον. Im selben Sinne hieß auch die mitgeführte Geisel ὅμηρος. So will sich nun auch der Dichter des homerischen Apollohymnus, indem er sich τυφλὸς ἀνήρ nennt, damit als ὅμηρος bezeichnen. Genaueres in der Kritik und Hermeneutik S. 89 f. und 247 f. und »Von Homer bis Sokrates«, 3. Aufl. S. 429 f. Nie aber vor dem Volk auf dem Markt, sondern nur beim Gastgelage der Herren singt solcher Barde, eine Institution, die man auf den Willen der Götter zurückführte.Odyssee 17, 271. Ernsthaftere Beratungen der Männer fanden erst beim abendlichen Weintrunk statt;Odyssee 7, 155 ff., 11, 335 ff. So halten es darum auch die Götter, Ilias IV 4. Vgl. Plutarch, Symposiaca VII 9. Dasselbe galt bei den Persern, den alten Germanen, dasselbe bei den Umbrern: plenasier urnasier (F. Bücheler, Umbrica S. 29). Ergötzung geistiger Art dagegen brauchte man beim Speisen. Da findet der Sänger sich ein, und davon ist auszugehen.

Reden wir also zunächst vom ganz Banalen, vom Speisen selbst.

 

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