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Das Kulturleben der Griechen und Römer in seiner Entwicklung

Theodor Birt: Das Kulturleben der Griechen und Römer in seiner Entwicklung - Kapitel 26
Quellenangabe
typetractate
booktitleDas Kulturleben der Griechen und Römer in seiner Entwicklung
authorTheodor Birt
year1928
firstpub1928
publisherQuelle & Meyer
addressLeipzig
titleDas Kulturleben der Griechen und Römer in seiner Entwicklung
pages459
created20120812
sendergerd.bouillon@t-online.de
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2. Die Städte

Das Land ernährt sich selbst; die Stadtbevölkerungen brauchen Zufuhr durch Handel. Auf den Handelsstraßen zu Land, zur See, hatte sich der Verkehr enorm gesteigert, verzweigt und ausgedehnt. Auch die Handelsschiffe selbst sind nunmehr gewachsen und dienen sicherer und tragfähiger dem Transport,S. A. Köster, Das antike Seewesen S. 157 f. Ein Schiff zur Zeit des Alkibiades hatte eine Tragfähigkeit von etwa 260 t, die Steigerung ging so weit, daß das berühmte Schiff des Königs Hieron an 3310 t faßte. Praktisch bewährte es sich freilich nicht. und alles ist belebter, unternehmungslustiger und reicher geworden. Denn aus dem Osten sind unerhörte Geldmengen hereingeströmt; und die Kapitalien auf den Banken zeigen ganz andre Zahlen. Die Hunderttausende von Söldnern schleppten volle Geldsäcke aus Babel mit in die Heimat; die neu gefürsteten Feldherren dotierten verschwenderisch; sie schmissen mit dem Golde, und jede Monstreleistung wurde möglich. Entsprechend hob sich auch der Etat 171 im Staatshaushalt der Städte. Allerorten Arbeit, Handel, Erwerb, aber auch schrankenloser Genuß des Lebens.

Der vielgepriesene hellenistische Städtebau begann. Es war vielerorts Neubau aus edlerem Material mit Erneuerung des Stadtplans. Erst jetzt wurden die Städte, wie sie sich prunkvoll aufbauten über den Meeresküsten, zum Schmuck der Landschaft, ein Ziel für die Schaulust der Touristen. Köstlich war es jetzt, Rhodos, Mitylene oder Ephesus zu sehen; es lohnte die Reise. Die Ausgrabungen Pergamums, Milets und Prïenes haben uns davon einige Anschauung gegeben: am Forum edelstilisierte Repräsentationsbauten; das Forum selbst von Säulenhallen umrahmt, hinter denen Kaufläden sich verbargen. Große Straßenzüge, geradlinig geführt, gelegentlich sieben Meter breit und an den geeigneten Stellen mit Schmuckbögen überspannt, Weitblick und reizvolle Perspektiven gewährend. Durch die schmäleren Querstraßen werden rechtwinklige Häuserblocks gebildet. Die Fassaden der Häuser sind schon bemalt.Vgl. H. Blümner, Technol. u. Terminolog. III S. 178. An Säulenarkaden fehlt es auch sonst nicht; sie geben Schatten, und die Schönheit beginnt, wo die Säule sich zeigt. Und alles ist sanitär gedacht. Die Sauberkeit herrscht; die Straßen gut gepflastert; die Wasserleitungen in Tonröhren funktionieren musterhaft; das Latrinenwesen ist endlich geregelt; die Fäkalien werden weggeschwemmt. Man höhnte: es fehlte nur, daß man auch noch die geheimen Örtlichkeiten mit Bildern schmückte!Plutarch, Repugnant. stoic. 21. Mustergebend waren dabei gewiß die glänzenden Residenzstädte wie Antiochien und Seleukia in Syrien, die die Könige neu erbauten und aus dem Nichts schufen; die Bevölkerungen strömten wie in Alexandrien rasch herzu.

Vor allem wurden jetzt die steinernen Theater mit ihrer großmächtigen Schmuckwand ein Ruhm der Städte. Athen war damit vorangegangen; die hölzernen Theater verfielen; der Holzmangel im entwaldeten Land zwang endlich zum Steinbau, und aus der Not wurde eine Tugend. Im weiten Halbrund wurden die Sitze jetzt unmittelbar in den 172 ansteigenden Felsen geschlagen. Es ist, als hätte ein Riese den Zirkel eingesetzt und die Linien in den Stein gerissen. Am Bühnengebäude aber konnte sich die Phantasie des Architekten üben; die Fassadenornamentik hat sich vor allem hieran entwickelt, und sie wurde immer reicher.

In diesem Theater aber gab es nicht nur dramatische Bühnenspiele zu sehen, sondern auch festlichen Chortanz mit Gesang und sonstige Konzerte; nicht nur das; auch beratende Volksversammlungen und Redeakte, auch Gerichtsverhandlungen fanden dort statt. Das Stadtvolk strömte im Theater zusammen; das vibrierende Leben konzentrierte sich da.

Man hatte Genuß, Zerstreuung und wenig Sorgen. Denn politische Konflikte gab es für diese Bürgerschaften nicht mehr. Die Kriege hörten zwar nicht auf, wenn die Dynastien sich bekämpften. Aber sie erledigten sie in der Feldschlacht und Seeschlacht, und Städtezerstörungen gab es nicht mehr.Auch Demetrius, der der Poliorketes hieß, war nur Belagerer, nicht Zerstörer von Städten. Es war unerhörte Barbarei, daß die Römer, die in die griechische Welt hinübergriffen, im Jahre 146 Korinth vollständig einäscherten.Darüber die Wehklage der Nereiden, Anthol. Pal. IX 151. Die Könige, von denen hier zu handeln ist, waren kultivierter, menschlicher; sie waren Griechen.

 

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