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Das Kastell in der Kiloa-Bucht

Josef Baierlein: Das Kastell in der Kiloa-Bucht - Kapitel 12
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDas Kastell in der Kiloa-Bucht
authorJosef Baierlein
year1909
firstpubunbekannt
publisherJ. Habbel
addressRegensburg
titleDas Kastell in der Kiloa-Bucht
pages100
created20141125
sendergerd.bouillon@t-online.de
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12.

Schluß.

Nach am Abend wurden auf der »Fearleß« alle Vorbereitungen getroffen, um tags darauf eine Landung an der Küste zu bewerkstelligen.

Der Kapitän beschloß, hierzu zwei Boote zu benützen, von denen er selbst das größere kommandieren wollte. Den Befehl über das andere übertrug er dem ersten Leutnant Mr. Brown. Das erste Boot sollte mit zwölf, das zweite mit acht Matrosen bemannt werden. Dann bestanden die Teilnehmer an der Expedition, mit Einschluß der Offiziere sowie des Doktors und seines Sohnes, aus 24 wohlbewaffneten Europäern, und diese Macht hielt der Kapitän für reichlich genügend, um der Besatzung der Sklavendhau und den Helfershelfern, die sie etwa im Negerdorf an der Kiloa-Bucht haben mochte, mit Erfolg die Stirn bieten zu können.

Das Kommando des Dampfers sollte, solange die Abwesenheit des Kapitäns und des ersten Leutnants dauerte, der zweite Offizier 88 übernehmen. Ihm wurde noch besonders aufgetragen, der an Land gegangenen Mannschaft im Falle der Not ein drittes Boot mit hinreichender Besatzung als Unterstützung nachzusenden. Eine Knallrakete mit starker Rauchentwicklung, die auf weite Entfernung hin zu hören und wahrzunehmen war, sollte als Notsignal gelten.

Derart war alles schon im voraus aufs beste geordnet und nichts unterlassen worden, was das Unternehmen zu einem glücklichen Ziele bringen konnte. Die zur Landung ausersehenen Offiziere und Matrosen wünschten, die Zeit hätte Flügel, damit nur die Nacht schnell verginge und der Tag anbräche, an dem sie den Sklavenhändler züchtigen wollten, der sich ihrer Verfolgung schon oft durch List und Kühnheit entzogen hatte.

Aber auch der deutsche Arzt und sein Sohn Johannes sehnten den Tag herbei; denn beide freuten sich darauf, die erschrockene Grimasse des spitzbübischen Wali zu beobachten, wenn er sie nach so kurzer Abwesenheit mit einer Schar bewaffneter englischer Seeleute zurückkehren sah. Herr Dr. Bender hatte sich ja vorgenommen gehabt, ihm einen Strich durch seine habgierigen Berechnungen zu machen, und diese Absicht ging jetzt in Erfüllung, viel schneller als er zu hoffen gewagt. –

Die Sonne des neuen Tages erhob sich aus dem Schoße des Ozeans und zerstäubte mit ihrem glühenden Atem die Nebelschichten, die das Meer in den letzten Stunden der Nacht 89 ausgehaucht hatte. Der Wind blies noch immer steif aus Osten, was insofern sehr erwünscht war, als die zur Landung bestimmten Boote nicht zu rudern brauchten, sondern ihre Segel aufziehen konnten.

Gleich nach Sonnenaufgang legte Kapitän Raleigh auf Grund der vom Doktor aufgenommenen genauen Ortsbestimmung die Richtung fest, nach welcher die Kiloa-Bucht aufzusuchen war, und als dies geschehen, wurde die »Fearleß« so nahe an Land gebracht, als das seichte Fahrwasser es erlaubte.

Vom Verdeck des Dampfers war nun die niedrige Küste Ostafrikas mit ihren in bläulichen Duft gehüllten, weit im Innern befindlichen Bergen und Höhenzügen wieder deutlich zu sehen. Hierauf wurde das Schiff verankert, und der Kapitän gab den Befehl, die zwei Boote ins Meer hinabzulassen.

Das war in wenigen Minuten geschehen. Die Offiziere und Matrosen nahmen ihre Plätze ein, und der Kapitän bezeichnete den zwei Deutschen Sitze in dem von ihm selbst befehligten großen Boot. Dann stießen die Fahrzeuge ab vom Dampfer; der Wind blähte die Segel und schnell ging es der Küste entgegen. Den arabischen Seelenverkäufern stand eine bitterböse Überraschung bevor. Kismet! –

90 »Ich traue dem Burschen alle Schliche zu« sagte der Kapitän während der Fahrt zu Dr. Bender, »und deshalb fürchte ich auch, er wird, sobald er unsere Boote von weitem erblickt, Reißaus ins Land hinein nehmen und uns das leere Nachsehen lassen.«

»Diese Annahme kann ich nicht teilen,« erwiderte der Arzt.

»Weshalb nicht?«

»Weil ich das Terrain kenne und weiß, daß es vom Negerdorf und von der Bucht aus unmöglich ist, einen Ausblick auf die See zu gewinnen. Denn die Einfahrt in die Bucht ist nur enge und von Schlinggewächsen fast bedeckt. Nur wenn der Sklavenhändler von der Höhe des hart am Meere liegenden Kastells einen Ausguck hielte, könnte er unsere Annäherung gewahr werden. Aber warum sollte er gerade heute auf diesen Gedanken verfallen, wo er sich doch in einem unauffindbaren Versteck wähnt und deshalb in vollkommener Sicherheit glaubt?«

»Ich wünsche sehr, Herr Doktor, daß Sie sich nicht täuschen. Doch wie gesagt, der schlaue Bursche ist mit allen Wassern gewaschen. Es ist leicht möglich, daß er einen Mann als ständigen Ausguck aufgestellt hat, um zu erfahren, ob wir noch in der Nähe kreuzen, oder ob die Luft für ihn rein ist, daß er die Fahrt aufs neue wagen darf. Hat er einen solchen Späher aufgestellt, so werden unsere Boote entdeckt und der Kerl entflieht mit allen 91 seinen Kumpanen in den Tropenwald. Wer soll sie dort suchen?«

»Immerhin wäre auch in diesem Falle der Zweck unserer Expedition nicht ganz vereitelt,« sagte der Arzt; »die Hauptsache bleibt doch die Befreiung der gefangenen Schwarzen. Da er aber diese nicht im Wald mit sich herumschleppen kann –«

»Warum nicht?« unterbrach ihn der Kapitän interessiert.

»Weil wir ihm zu dicht auf dem Nacken sitzen, und er darauf bedacht sein muß, schnellstens nur sich und seine Spießgesellen in Sicherheit zu bringen. Wo fände er da noch Zeit, so viel Lebensmittel aufzutreiben, wie er für mehr als hundert Neger braucht? Um so mehr, da er damit rechnen müßte, daß sein Aufenthalt in den Wäldern viele Tage währen könnte?«

»Ah, sehr gut! Sie meinen also, daß wir wenigstens die Neger in Freiheit setzen werden, wenn es uns nicht gelingen sollte, die Spitzbuben selbst zu greifen. Nun, ich gestehe, daß ich ihnen sehr gern einen tüchtigen Denkzettel angehängt hätte. Wenn es aber nicht sein soll, so will ich mich auch mit dem von Ihnen, Herr Doktor, angegebenen Resultat begnügen.« – –

Der günstige Wind war beständig geblieben, und die zwei Boote kamen in kurzem der Küste so nahe, daß sich schon einzelne Teile ihrer Gestaltung unterscheiden ließen. Da setzte der Kapitän selbst sich ans Steuer, 92 um nach der vom Doktor gemachten Ortsbestimmung die Einfahrt in die Kiloa-Bucht zu suchen. Es dauerte auch nicht lange, bis sie gefunden war. Denn der Arzt, der mit seinem Feldstecher eifrig die Küste abgesucht hatte, streckte plötzlich die Hand aus und rief:

»Dort ist der Turm, – dort ist das alte Kastell!«

»Wo? wo?« schrie der Kapitän, der auf den Zuruf ganz Feuer und Flamme geworden war.

»An unsrer Backbordseite, einen Strich nach Süden.«

»By Jove, es ist so,« sagte der Kapitän, nachdem er sich durchs Glas überzeugt hatte, daß der braungraue Fleck zwischen dem Grün des die Küste einsäumenden Pflanzenwuchses kein verwitterter Felsen war, wie er dem unbewaffneten Augen erschien, sondern ein alter, aus Steinen aufgeführter Turm. »Ich mache Ihnen mein Kompliment, Herr Doktor! Sie haben die Lage der von Ihnen entdeckten Bucht sehr zuverlässig bestimmt. Jetzt wünsche ich nur noch, daß wir darin auch die Sklavendhau finden; dann soll es an eine gründliche Abrechnung geben!« –

Der Wunsch das Kapitäns erfüllte sich. Als die zwei Boote die neben dem alten Kastell sich öffnende Einfahrt in die Bucht mit größter Vorsicht passiert hatten, erblickten die Mannschaften plötzlich in nächster Nähe das ihnen allen wohlbekannte arabische Schiff.

93 Es lag mitten in der Bucht vor Anker, weil es zu tief im Wasser ging, als daß es am seichten Strand hätte anlegen können. Die Segel waren gerefft, das Steuer festgebunden. Kein Mensch zeigte sich auf dem völlig verlassenen Verdeck. Die Besatzung war entweder an Land gegangen, oder sie schlief in den Kojen. Kein Laut ließ sich hören; nur ein am Backbord anliegender, von einem herabhängenden Tau festgehaltener Einbaum, wie ihn die Bewohner des Negerdorfs benützten, um in der Bucht herumzurudern, schaukelte träge auf dem Wasser.

Bei diesem Anblick schüttelte der Kapitän mißbilligend den Kopf.

»Welche sträfliche Sorglosigkeit!« sagte er zu Dr. Bender. »Ich habe dem arabischen Schuft gestern viel zu viel Ehre angetan, als ich ihn für einen tüchtigen Seemann erklärte. Und jetzt hat er nicht einmal eine Schiffswache auf Deck!«

»Ein Beweis, daß er sich vollkommen sicher fühlt.«

»Das wäre er auch, wenn nicht Sie, Herr Doktor, zufällig oder, wie Sie glauben, durch höhere Fügung an Bord der »Fearleß« gekommen wären. – Jetzt aber wollen wir seine ganze Schwefelbande aufstören aus dem Gefühl der Sicherheit!« –

Die Boote hatten unterdessen die Segel, die in der windstillen Bucht von keinem Nutzen mehr waren, eingezogen und waren dann möglichst geräuschlos an die Dhau 94 herangerudert. Denn nach dem Willen des Kapitäns sollte die Überraschung der Araber eine vollständige werden. Als die Boote bei dem Sklavenschiff anlangten, wurden sie am nämlichen Tau, das den Einbaum hielt, festgemacht, und dann kletterten die britischen Seeleute, behende wie die Katzen, auf das fremde Fahrzeug.

Beim Trampeln so vieler Füße auf dem bisher menschenleeren Verdeck entstand plötzlich auch im Innern der Dhau lautes Geräusch. Man hörte, wie eine Tür aufgerissen und in arabischer Sprache hastige, aufgeregte Worte gewechselt wurden. Dem Schalle nachgehend, fanden die Engländer, die schnell durch die Luke unter Deck gestiegen waren, leicht die Kajüte des die Dhau kommandierenden Sklavenhändlers.

Die ersten, die dort, den blanken Säbel in der einen, den zum Schuß bereiten Revolver in der anderen Hand, eindrangen, waren Kapitän Raleigh und sein erster Leutnant. Ihnen folgten auf dem Fuße der deutsche Arzt und sein Sohn Johannes.

Die vier Europäer standen in der engen, jedoch mit verschwenderischer orientalischer Pracht eingerichteten Kajüte zwei Arabern gegenüber, deren schreckensbleiche Mienen die völligste Fassungslosigkeit verrieten. Der jüngere von ihnen, ein Mann mit kühnen energischen Zügen und reich gekleidet, war der Kapitän des Sklavenschiffs; in seinem Gesellschafter, einem Greis mit 95 raubvogelartigem, von einem grauen Vollbart umrahmten Gesicht, in einen schmutzigen Burnus gehüllt, erkannten Dr. Bender und Johannes auf den ersten Blick den Wali des Negerdorfs.

»Ergebt euch!« rief Kapitän Raleigh den zwei Arabern zu. »Ihr seid in unserer Gewalt, und jeder Widerstand wäre nutzlos. Schon durchsuchen meine Leute das Schiff und nehmen alle eure Matrosen gefangen, die sie an Bord finden. Jetzt ist die Stunde der Vergeltung gekommen, auf die ich schon so lange wartete, und ich schwöre, daß euch diesmal keine eurer Listen aus unseren Händen befreien soll.«

Der Sklavenhändler hatte während dieser Rede seine Geistesgegenwart einigermaßen zurückgewonnen. Er maß seine vier Widersacher mit funkelnden Augen, und da er wohl einsah, daß ein Kampf mit ihnen unmöglich war, biß er die Zähne zusammen, zuckte die Achseln und verharrte sodann in stolzem Schweigen.

Der Wali dagegen jammerte zum Erbarmen und stöhnte ein um das andere Mal ein verzweifeltes »Aje!« Er war so recht das Bild eines feigen alten Schurken.

Plötzlich traf sein Auge auf den hinter den Offizieren stehenden Arzt und seinen Sohn. Da ging auf einen Schlag eine merkwürdige Veränderung mit ihm vor. Seine Gestalt schien zu wachsen, die tiefliegenden Augen glühten unheimlich, das hagere Gesicht 96 verzerrte sich zur häßlichen Fratze, und mit ausgestreckter Hand auf den Arzt deutend, kreischte er mit gellender Stimme:

»Verrat! Dem schmählichsten Verrat sind wir zum Opfer gefallen, und der da ist der Verräter!«

»Wali, du hättest besser getan, in deinem Dorf zu bleiben, statt im Einbaum an Bord deines Spießgesellen zu gehen,« sagte der Arzt. »Jetzt erntest du den Lohn dafür, daß du mit Sklavenhändlern unter einer Decke steckst.«

»Schweig, elender Giaur! Der Scheitan hat dich in diese Bucht geführt, um uns zu verderben. Dafür sollst du in der Gehenna brennen, und deines Vaters Grab sollen räudige Hunde beschmutzen. Denn du hast Gastfreundschaft genossen an diesem Strand und uns dennoch an die Engländer verraten.«

»Das lügst du, Wali!« entgegnete der Doktor fest. »Du hast uns sehr ungastlich aufgenommen und sogar deine Neger aufgehetzt, daß sie uns keine Lebensmittel verkaufen sollten. Dadurch wurdest du mir zuerst verdächtig, und als mein Sohn noch entdeckte, daß im alten Kastell gefangene Neger schmachteten, da wußte ich mit Bestimmtheit, daß du ein Genosse von Sklavenhändlern warst. Schäme dich, pflichtvergessener Wali! Ich 97 fürchte, du wirst einst nicht mit Ehren in die Grube fahren!«

»Wie? Was? So wagst du mit mir zu reden?« schrie der Wali, schäumend vor Wut. »Fahre doch du gleich auf der Stelle in die Verdammnis! Da, – nimm das, ungläubiger Hund!«

Und noch während des Schreiens hatte der Araber aus dem Gürtel, den er unter seinem Burnus trug, einen blitzenden Dolch herausgerissen, mit dem er sich auf den Arzt stürzte.

Der Überfall geschah so unvermutet und mit solchem Ungestüm, daß es um den Doktor geschehen gewesen wäre, wenn nicht zwei treue Augen über ihn gewacht hätten. Aber Johannes hatte jede Miene, jede Bewegung des zeternden Alten mit Aufmerksamkeit verfolgt; es war ihm nicht entgangen, daß der Araber unter seinem Gewand nach einer Waffe suchte, und deshalb war er auf der Hut. Im nämlichen Augenblick, wo der Wali den Arm zum tödlichen Stoß erhob, hob auch Johannes den Revolver, zielte und drückte los. Fast gleichzeitig mit dem Krachen des Schusses stieß der alte Araber einen Wehschrei aus, und das Messer entfiel seiner kraftlos gewordenen Hand. Die Kugel hatte das Handgelenk zerschmettert. –

»Den habe ich besser getroffen, lieber Vater,« sagte der Jüngling ruhig, »als den bunten Vogel, auf den ich vorgestern schoß.«

»Ich danke dir; mein Sohn;« antwortete der Arzt tief ergriffen; »denn niemals stand 98 ich dem Tode näher als in diesem furchtbaren Moment.«

Auf den Knall drangen noch mehrere britische Matrosen in die Kajüte. Kapitän Raleigh gab ihnen einen kurzen Befehl und im Nu war der Befehlshaber des Sklavenschiffs gefesselt. Er hatte die Prozedur schweigend über sich ergehen lassen. Wären aber seine haßerfüllten Blicke Dolche gewesen, so wäre von den englischen Seeleuten kein Mann mit dem Leben davongekommen.

Bei dem Wali bedurfte es keiner Fesselung; seine verwundete Hand hinderte ihn ohnehin an jeder weiteren Gewalttat. Ob er gegen den deutschen Arzt, seinen Todfeind, zu freundlicheren Gefühlen sich emporschwang, weil dieser, zum Dank für den ihm zugedachten Messerstich, sein zerschmettertes Handgelenk kunstgerecht verband, wollen wir ununtersucht lassen. Vielleicht war der alte Spitzbube nicht einmal fähig, die Hochherzigkeit einer so edlen Rache zu begreifen.

Noch während Dr. Bender mit dem Verband der Wunde beschäftigt war, trat der englische Bootsmann, der mit den anderen Matrosen die Dhau durchsucht hatte, in die Kajüte und erstattete seinem Kapitän eine Meldung.

»Das Schiff ist mit seiner ganzen Besatzung in unseren Händen, Sir!« sagte er. »Neun arabische Seeleute, die wir in ihren Kojen fanden, haben sich ohne Widerstand ergeben; wir haben sie gebunden und ins 99 Zwischendeck gebracht. Sechs andere sollen an Land gegangen sein. Im Schiff befinden sich ferner 132 Neger, die im untersten Raum – Männer, Weiber und Kinder durcheinander – wie Heringe zusammengepackt liegen. Ich habe die Türe zu jenem Verschlag offen stehen lassen, damit wenigstens etwas frische Luft zu dem ganz finsteren, von der Ausdünstung so vieler Menschen verpesteten Ort dringen kann.«

»Das haben Sie gut gemacht, Bootsmann,« erwiderte Kapitän Raleigh. »Ist jemand von unseren Leuten verwundet worden?«

»Nein. Es ist alles ohne Blutvergießen abgegangen«

»Vortrefflich! Dann ist unsere Aufgabe in dieser Bucht glücklich beendigt. Mr. Brown!« wandte der Kapitän sich sodann an den ersten Leutnant, »Sie übernehmen den Befehl über die Dhau und damit zugleich die Obsorge für die armen Neger. Sie bringen das Schiff nach Sansibar, wohin auch die »Fearleß« Sie begleitet! Und nun in die Boote und zurück zu unserem Dampfer!« –

* * *

Ohne neue Abenteuer erreichten der Dampfer und die Dhau den Hafen von Sansibar. Dort erhielten die aus der Gewalt des Sklavenhändlers erlösten Schwarzen ihre Freibriefe; der Händler aber und der Wali 100 wurden vom englischen Konsul den Behörden des Sultans zur Bestrafung übergeben. Ob diese so empfindlich ausfiel, wie die zwei Schuldigen es verdient hatten, bleibe dahingestellt; denn um jene Zeit blühte der Sklavenhandel noch fast unter den Augen des Imams und seiner Beamten.

In Sansibar nahmen auch die europäischen Reisenden voneinander Abschied. Die Herren Erikson und Lancier ließen sich mit dem ersten fälligen Dampfer nach Bagamojo bringen; Dr. Bender, der noch einige Geschäfte in der Stadt abzuwickeln hatte, blieb mit seinem Sohne zurück. –

Auch aus Johannes Bender ist ein Forschungsreisender geworden. Er hat den dunklen Erdteil viele Jahre lang durchstreift und dabei manches ernsthafte Abenteuer bestanden. Wenn er aber, zurückgekehrt in die bayerische Heimat, in stillen Stunden seine Tagebücher durchblätterte, dann las er stets mit neuerwachtem Interesse die Notizen über seine Erlebnisse beim

Kastell in der Kiloa-Bucht.

 

 

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