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Das Hospiz auf dem Großen St. Bernhard

Annette von Droste-Hülshoff: Das Hospiz auf dem Großen St. Bernhard - Kapitel 3
Quellenangabe
typeepos
authorAnnette von Droste-Hülshoff
titleDas Hospiz auf dem Großen St. Bernhard
booktitleGesammelte Werke
isbn3-87876-308-5
publisherEmil Vollmer Verlag, München
editorReinhold Schneider
pages600-681
senderbelmekhira@hotmail.com
created20020811
firstpub1839
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Zweiter Gesang

                Wo auf Sankt Bernhards Mitte recht
Die Zinnen streckt der Felsenbau,
In seiner Trümmer Irrgeflecht
Ein Tal sich lagert, eng und rauh.
Da harrt es nun in ew'gem Lauschen,
Nicht Vogelsang, nicht Blätterrauschen,
Nein, wie die Stürme Seufzer tauschen.
Inmitten schwärzlich ruht der See,
Der des verlornen Strahles Weh
Gefesselt hält in seinen Flächen,
So dort gleich dem Gefangnen liegt,
Sich angstvoll an die Decke schmiegt,
Den glas'gen Kerker zu durchbrechen.
Und nah dem unwirtbaren Strand
Das Hospital steigt in die Höh'
So schlicht wie eine Klippenwand,
Der Wandrer unterscheidet's nicht.
Nur wenn ein Klang die Stille bricht,
Vom Hochaltar das ew'ge Licht,
Wenn's durch die Nacht den blassen Schein
Wirft in das Schneegefild hinein,
Lenkt er zur Schwelle seinen Schritt,
Der wahrlich sonst vorüberglitt.
Denn in der Dämmrung ungestalt
Erscheint es wie ein Felsengrat,
Rings eingekerbt von weitem Spalt.
Doch jetzt ein Flockennebel kraus
Löscht duftig alle Formen aus.
Die Schneenacht dieser ew'gen Wüste,
Als ob sie nimmer enden müßte,
So dicht die Mauern hält umrungen,
In jede Zelle ist gedrungen.
Auf allen Wimpern liegt der Mohn,
Und nur des Schlafes tiefer Ton,
Wie er bejahrter Brust entsteigt,
Gespenstig durch die Gänge schleicht.

Ein Augenpaar noch offen steht.
Nachlässig, in verklommten Händen,
Der Mönch des Glockenstranges Enden,
Sich auf und nieder windend, dreht.
Ermüdung kämpft in seinen Zügen,
Die Nacht ist streng, der Dienst ist schwer.
Wie die Gedanken abwärts fliegen,
Er wirft den düstern Blick umher,
Zumeist sein Auge ist gericht't
Doch immer auf den Estrichgrund,
Wo ew'ger Lampe schlummernd Licht
Geträumet hat ein mattes Rund.
In dieser toten Einsamkeit
Der Bruder sich des Schimmers freut.
Er weiß es selbst nicht, wie ihm ist,
So öd, so öd zu dieser Frist.
Das Dunkel, das im Bethaus waltet –
Der leeren Bänke Reihn – ein Bild,
Das scheinbar aus der Nische quillt –
Und von der Decke hochgestaltet
Manch grauer Heil'ger zürnend schaut –
Zudem – das Eis an Wänden hängt,
Vom Glockenstuhl ein Luftzug drängt,
Wie endlos Bommeln überm Haupt
Schier die Geduld dem Bruder raubt.
Ob denn die Stunde nimmer endet?
Doch still! die Klosteruhr sich wendet:
Eins – zwei – und drei – das Echo dröhnt,
Und auch der Mönch die Glieder dehnt.
Er läßt den Strang, im Spähn verloren,
Ihm summt's noch immer vor den Ohren.
Nun knarren Türen, schlurfen Tritte,
Ein Lichtstrahl durch die Ritze gleitet;
Dann, haltend vor des Auges Mitte
Sein Lämpchen in gebräunter Hand,
Hervor Denis der Alte schreitet.
Längst vom Gesetz dem Dienst entbunden,
Hat er sich nimmer dreingefunden,
Ein eifervoller Gottesknecht,
Behauptend seiner Pflichten Recht.
Grau ist sein Haar wie sein Gewand,
Und da er bleibt am Pförtchen stehn,
Den Finger mahnend aufgehoben:
Du meinst den Alpengeist zu sehn.
»O Eleuthère! soll man dich loben?
Mein junger rüstiger Gesell,
Ermattest du im Dienst so schnell?«
Der Bruder lässig faßt den Strang
Und läßt sogleich ihn wieder fallen:
»Dem Vater wird die Zeit wohl lang;
Ihr seid der Rüstigste von allen!«
Dann steht er, streicht mit flacher Hand
Die Falten von der Stirne Rand:
»Nehmt's, Vater, heut nicht so genau,
Die Nacht war gar zu wüst und rauh,
Mir friert das Hirn am Schädel an.« –
»Schlaf wohl!« versetzt der alte Mann.
Sein Lämpchen zündet Eleuthère,
Zupft an dem Dochte mit Bedacht
Und nickt und murmelt drüber her:
»Hab' ich mich je dem Dienst entzogen,
Wenn Schnee die Pässe gleichgemacht
Und jede alte Spur getrogen?
Allein, was in der Jahre Lauf
Uns reibt am allermeisten auf –
Dies Läuten, Läuten durch die Nacht,
Wo nicht das Schneehuhn kommt hervor,
Wo nicht der Uhu selber wacht,
Wo auf dem Bernhard klimmt kein Tor;
Und wir –!« Er hebt die Lamp' empor.
An dem Gemäuer, überall
Steigt glitzernd auf der Eiskristall,
Daß klar, wie in poliertem Stahl,
Steht geisterhaft der kleine Strahl.
»'s ist eben eine hies'ge Nacht«,
Versetzt Denis, »doch kannst du sagen,
Dich habe Trug hierher gebracht
Zur Ruhe und bequemen Tagen?
Und, Eleuthère, wie magst du wissen,
Daß niemand in der Steppe wacht?
Ich selbst hab' in Dezembernacht
Vorzeiten diesen Weg gemacht.
Ich macht' ihn, hab' ihn machen müssen,
Und ratlos am Montmort gebettet,
Hat unser Glöckchen mich gerettet.
So treibt die Not« – der Alte schweigt,
Doch nieder auf den Strang sich beugt,
Und angeschlagen mit Gewalt
Das Glöckchen durch die Steppe schallt.
Dann – »Still! rief's meinen Namen nicht?« –
»Nein, Vater.« – »Hast du nichts vernommen?
Ein Schnauben, Scharren?« Jener spricht:
»Ist's möglich! unsere Hunde kommen.« –
»Still, Bruder, still!« – Man horcht aufs neu;
Ein leises Winseln schleicht herbei
Vom Klostertor, ein Stoßen, Kratzen,
Ein Rütteln wie mit schweren Tatzen.
»Schnell, Eleuthère! schnell aufgemacht!
Schau, was der Barry uns gebracht!«
Denis, gebannt am Glockenstrang,
Doch immer schaut den Weg entlang.
Nun nahen Tritte, ja gewiß –
Die Gänge tappt's hinauf – allein
Ein Hund scheint's und ein Mensch zu sein.
Das Pförtchen öffnet sich. »Denis!«
Ruft Eleuthère, »o seht doch hier
Das gute, kluge, treue Tier!«

Und nach ihm, schwer ermüdet, wankt
Der große Hund in die Kapelle;
Er dreht die Augen rings, er schwankt,
Ihm hängt das Eis vom zott'gen Felle,
Auf seinem Rücken liegt ein Kind,
Ein armes Knäbchen, schier erfroren:
Voll Reifen seine Löckchen sind;
Die Hände hat es eingeklemmt
In seines Trägers rauhe Ohren,
Mit schwachen Beinchen sich gestemmt
Um Barrys Leib: in Angst verloren,
Wagt's nicht zu schrein, nur allgemach
Ein Tränchen rinnt dem andern nach.
»O Barry, brav!« der Bruder hebt
Das Kind empor, das schaudert, bebt,
Sich immer noch nicht fassen kann,
Die kalten Händchen nun und dann
An sein geblendet Auge hebt
Und von dem wunderlichen Mann,
Der, fort es tragend, kost und schilt,
Sich angstvoll loszuwinden strebt.
Hart nebenher, das Ebenbild
Des Mönches schier, die Dogge trabt,
Mit gleicher Einsicht fast begabt,
Der auch den Knaben will ergötzen,
Glutäugig, mit gehobnem Haupt,
Gar liebreich in die Höhe schnaubt
Und tummelt sich in wüsten Sätzen;
Peitscht mit dem Schweif, steigt gähnend auf,
Streckt seine breite Tatze auf
Bis an das Kind, das vor Entsetzen
Beginnt zu schrein, der Hund zu bellen.
Die Fenster klirren, alle Zellen
Beleben sich, und vorgeduckt
Aus jeder Tür ein Mönchlein guckt.

Und wie das Knäblein sie erschaun,
Das Kindchen unter ihrem Dache,
Da ist's, als ob die Sonne, traun!
Auf jedem Angesicht erwache.
Und alle eilen, wie betört,
Ihm irgend Gutes zuzufügen;
Auf die Geschichte keiner hört.
Das ist das heilige Vergnügen,
Das ist die unverstandne Macht,
So über Kindes Leben wacht!
Der Infirmier mit leiser Hand
Die Glieder rührt, ob sie auch schwellen,
Die Schuh ihm von den Füßchen zieht,
Und heimlich an der Zellenwand
Ein alterschwacher Mönch sich müht,
Den kleinen Korb herabzustellen,
Darin nach seiner tör'gen Art
Er gute Bissen aufgespart.
Dem Pater Koch nicht schnell genug
Das Reisig will die Flamme zollen;
Dort einer bringt ein warmes Tuch;
Doch horch! die Gitterpforten rollen;
»Der Prior!« läuft's von Mund zu Mund.
Mit freud'gem Funkeln lauscht der Hund,
Die Mönche mit den Brüdern schelten
Und lassen sie den Lärm entgelten;
Zur Zelle ein Noviz sich schleicht.
Der Prior naht, gesetzt, doch leicht.
Die Schritte, schon vor manchen Jahren,
Der schlanken Gemse tödlich waren,
Als auf dem Montblanc diese Hand
Vergebens nie den Schuß entsandt.
Und der Gewohnheit zähes Band
Verrät sich noch bei grauen Haaren:
Ja, dieser blauen Augen Blitz
Scheint noch zu spähn des Geiers Sitz;
Den Stab er in der Mitte faßt,
Wie einst der Doppelbüchse Last.
Fürwahr, als einst, gedankenschwer,
Beratend in der Brüder Kreis
Er zum Brevier griff ungefähr,
Sah man das heil'ge Buch ihn schütteln,
Wie's Pulverhorn die Jäger rütteln.
So leis und fest die Schritte greifen
Nun, redend, an des Gurtes Strang
Die Sehne scheint er noch zu streifen.
»Was, Brüder, zaudert ihr so lang?
Der Barry hat das Kind gebracht,
Allein – wer nahm das Kind in acht?
Wo ist der Mann, wo ist die Frau,
So auf den Bernhard es getragen?
Seid, Väter, ihr umsonst so grau?
Muß euch des Hundes Witz verklagen?
Seht, wie das arme Tier sich müht,
Euch eure Pflichten anzusagen,
Wie's den Eugène am Kleide zieht!
Ja, Barry, solche Lässigkeit
Erfährst zum erstenmal du heut!«

Hier wirft er einen Blick umher,
Der trifft nur wen'ge, aber schwer;
Zwei Brüder nur, von Schüchternheit
An ihren Plätzen festgehalten.
Schon in den Zellen sind die Alten,
Schon zur gefahrumgebnen Fahrt
An dieses Schneemeers falschen Küsten
In Eile sich die Jungen rüsten.
Bereit nun alles. Aus dem Tor
Sechs Brüder treten hastig vor,
Im Schneelicht wie ein Geisterchor.
Die grauen Mäntel, Kappen rauh,
An ihrem Fuß der Filzschuh grau,
Gewirkte Gürtel um die Lenden,
Der Eisenstachel in den Händen.
Und ihrer zwei an Stangen auch,
Die arme Leiche einzuschlagen,
Ein festgerolltes Leilach tragen.
Voran in der Laterne Schein,
Die Funken sendend übern See,
Tritt festen Schritts der Marronier;
Den Alpstock trägt er in die Höh',
So kühn wie den Kommandostab
Der Feldherr über Schlachtfelds Grab.
Er kennt die Stege, jeden Stein:
Ein Felsgeäder, sichtbar kaum,
Des Schneehuhns überjährig Nest,
Geborgen in der Spalte Raum,
Das Strombett, sich nur wenig dehnend,
Ein Block, sich an den andern lehnend,
Stellt ihm sogleich die Richtung fest.
Denn täglich in des Hunds Geleite
Grüßt er die toddurchhauchte Weite –
Ja, jeden Tag und ganz allein!
Drum man zu diesem Amte schafft
Den Besten stets an Mut und Kraft.

Doch seht, wer mischt sich in den Zug?
Gebeugt, mit angestrengtem Schritte
Denis ist in der Brüder Mitte.
Du Alter, hast du nicht genug
Durch dreißig saure Jahr' getragen?
Nein, heute muß er es schon wagen.
Ihm Eleuthère, des Trägen, Wort
Bohrt wie ein Dorn im Herzen fort.
Da hilft kein Mahnen, kein Versagen:
Sie sollen sehn, die Leute jung,
Der Alte tut auch noch genung.
Schau, wie voran in weiten Sprüngen
Den starken Leib die Hunde schwingen;
Dickmaulig, scheckig, lang von Haar,
Fest in den Gliedern ganz und gar,
Nicht Wachtelhund, nicht Dogge ganz,
Halb Spaniens, halb Englands Rasse,
Ist's eine eigne edle Klasse.
Die Augen drehn in klugem Glanz,
Bei jedem Sprunge Schellchen klingen
An ihrer Nacken Lederringen.
Barry voran, obgleich in Scheiben
Und Schollen sich die Zotten reiben,
Der Barry mag zu Haus nicht bleiben.

Bald geht es abwärts; näher schon
Die ungeheuren Massen drohn.
Den Totenschädel reckt Montmort
Und scheint den Wanderern zu nicken.
Der Weg, beengt von Felsenstücken,
Die längs der Mutterklippe Rand
Entrafft des Wintersturmes Hand,
Muß oft an das Gestein sich drücken;
Dann schlingt er mühsam sich heran,
Springt über eingeschneite Zacken;
Die Brüder wandeln Mann für Mann
Und ziehn die Kappen in den Nacken.
Zuerst manch abgebrochnes Wort
Fliegt durch die Reihe hier und dort,
Vom letzten Zuge, jener Frau,
Die halb erstarrt man heimgetragen;
Was in den jüngsten zwanzig Jahren
Das Hospital an Leid erfahren,
Gezählt an Kranken und an Bahren:
Der Marronier weiß ganz genau
Dir jeden Umstand herzusagen.
Doch steiler sinkt der Pfad; vom Schaft
Gestützt, eindrängend mit Gewalt
Den Stachel in des Eises Spalt,
Die Brüder nur mit ganzer Kraft
Der strammen Sohle Gleiten hemmen,
Und immer, immer näher sich
Die glimmerblanken Riffe klemmen:
Steil, zackenreich, ein Riesenschloß,
Wo aus gespaltner Scharten Hort
Sich niederdrängt des Winters Zeichen,
Als wollten Riesenjungfraun dort
Im Nebeltau die Schleier bleichen;
Und oben drauf an Zinnenwand
Die wunderlichsten Steingestalten,
Um einen Zoll breit nur vom Rand
Im Gleichgewichte scharf gehalten,
Noch aufrecht, zu getreuer Wacht.
Doch weiter – und in Schlummers Macht
Die Häupter immer schwerer neigen,
So schwindelnd aneinanderbeugen,
Daß kaum in seinem höchsten Stand
Läßt einen Strahl der Sonnenbrand
Auf Augenblicke niedersteigen.
Oft einer an des andern Hand,
Die frommen Brüder, keuchend nur,
Ein jeder in des Vormanns Spur,
Verstummt auf ihre Tritte achten:
Als noch des Himmels karger Schein
Verlischt, und nur die Leuchte klein
Flammt heller auf bei tiefrem Nachten.
Sieh an des Glimmers reinen Scheiben
Den Strahl sich mit Geflatter reiben,
Ein Silbernetz auf Felsen webend
Und an der Brüder Kutten bebend,
Die reiferglänzend ganz und gar
Nachziehn wie des Kometen Haar.

Wie lang die Schlucht, die Nacht wie kalt!
Des Nordes schneidende Gewalt
Strömt langsam durch die schmale Gasse,
Sich öffnend nur nach Mitternacht.
Die Brüder mit der Sohle Rand
Und wechselnd dieser, jener Hand
Den Schaft der Eisenstange schlagen,
Daß nicht der Frost die Glieder fasse.
Nur kaum vermögen sie's zu tragen;
Und einen hört man heimlich klagen,
Der noch in keiner solchen Nacht
Den Klosterzug hat mitgemacht.
Frei wird die Bahn, doch milder nicht;
Der Wind sich an den Klippen bricht
Und wirft ihm Flocken ins Gesicht.
»Hätt' er's gewußt, hätt' er's gedacht!
Es ist zu arg!« und – »Horch!« sie lauschen,
Nicht fern seitab Gewässer rauschen,
Doch kollernd, dumpf, wie überdacht
Von einer Röhre hohlen Gängen.
Die Hunde schnaubend näher drängen,
Und Barry plötzlich wie gehetzt
Zur Seite in den Flugschnee setzt;
Steht still dann, winselt, schaut sich um,
Dann fort er watet, mühvoll stöhnend,
Versinkend oft, nun auf sich dehnend,
In kurzen Sprüngen weiter jetzt:
Und immer mit gestoßnem Laut
Er rückwärts nach den Brüdern schaut.
Voran der Marronier, geschürzt,
Sein Mantel unterm Arm sich kürzt;
Die Brüder nach mit weiten Schritten,
Versenkt bis an des Leibes Mitten;
Und rechts und links die Hunde klimmen,
Im aufgerührten Schneemeer schwimmen,
So vorwärts: »Halt!« der Führer ruft:
»Hier stehn wir an der Drance Kluft!
Nicht weiter!« Aber Barry leicht
Mit einem Satz den Stamm erreicht,
Der zweier Felsen Rücken bindet;
Tief drunter sich die Drance windet,
Wo aus gesprengten Eises Spalt
Das Wasser brodelt mit Gewalt.
Nur einmal sich der Barry schüttelt,
Die Flocken aus dem Pelze rüttelt,
Im Hui schwindet: längs der Kluft
Hört man ihn rauschen übern Duft.

Der Marronier die Leuchte jetzt
Dicht an den Rand der Tiefe setzt.
Auf steigt die alte Fichte weiß,
Ein ungeheurer Zapfen Eis,
Wo überall gleich Bergkristallen
Die blanken Stengel abwärts fallen,
Wie sich der Tropfstein bildet leis
In feuchter Grottenwölbung Hallen.
Und drunten das Gewässer schäumt,
Sich sprühend an der Scholle bäumt,
Wirft Perlen auf, in Bogen springt
Und tiefe, heisre Weisen singt,
Wo pfeilgeschwinder Wellen Zug
Des Strudels Macht verrät genug,
Bis, nicht zu fern, des Winters Macht
Aufs neu in Fesseln es gebracht.

Die Brüder stehn und sehn sich an. –
Der Marronier, der feste Mann,
Streicht mit den Fingern bald die Sohlen,
Bald prüfend auf den Steg sie reibt
Und in die Tiefe blickt verstohlen.
Kopfschüttelnd spricht er: »Brüder, bleibt!
Hier ist nur sichrer Tod zu holen;
Der Wildbach hat den Steg beschwemmt,
Seht, wie das blanke Eis sich dämmt:
So sei die Leiche Gott befohlen!
Was für den Lebenden uns Pflicht,
Das bleibt es für den Toten nicht.
He, Barry! Barry!« Aber dicht
Von drüben Wind und Stromes Rauschen
Ein wohlbekannter Ruf durchbricht,
Erst kurz gestoßen – alles still –
Dann folgt ein ungeduldig Heulen,
Man hört ihn hin und wieder eilen;
Nun scheint er an der Kluft zu lauschen,
Wo überm Rande, weiß umhegt,
Ein matter dunkler Fleck sich regt. –
Und plötzlich in des Steges Mitte
Erscheint die zottige Gestalt:
Ein Sprung – sich vor den Brüdern schmiegt
Das fromme Tier; es winselt, keucht,
Am Marronier sich angstvoll streicht,
Zupft an den Kleidern mit Gewalt.
»Ich fürcht' – ich hoffe – ja, ich glaube –«,
Haucht ein Noviz, der Angst zum Raube,
»Was drüben liegt, tot ist es nicht.«
Und »Barry! alter Barry! « spricht
Der Führer, streichelt sanft das Tier,
Vielleicht zum erstenmal verlegen
In seines Amtes schwerem Segen.
Da stöhnend durch den Schnee sich bricht
Denis, die morschen Knie schüttern,
Vor Zorn mehr als Erschöpfung zittern.
»Zurück!« ruft er, »ich will voran!«
Trifft mit dem Arm und grimmen Blicken
Was schnell nicht aus dem Pfad kann rücken,
Und vorwärts bricht der rauhe Mann.
Betäubt, fast willenlos die Brüder
Gestalten einer Kette Glieder;
Nun vorwärts, mit verschränkten Händen;
Der Himmel mag ein Unglück wenden!
Er hat's gewandt: tief atmend setzt
Jenseits den Fuß der letzte jetzt.

Nur einen Blick, der war nicht süß,
Schenkt den Genossen noch Denis,
Brummt etwas noch von »trägen Hunden«;
Dann hat er schon den Ort gefunden,
Wo, an die Felsenwand geschmiegt,
Benoit, der alte Senne, liegt
Und neben ihm der Barry gut,
Der Wanderstab, der breite Hut.
Sein Mantel, oben festgehalten
Durch der erstorbnen Finger Band,
Scheint, unten offen, aus den Falten
Gezerrt von ungeschickter Hand,
Wo in dem Schnee steckt tief genug
Die Flasche, so der Barry trug.
Zu Nacht gefallne Flocken haben
Den Körper mehr als halb begraben:
Wenn nicht ein Knie sich aufwärts streckt',
Man hätt' ihn nicht so bald entdeckt.
Herbei, Elias! fromme Raben!
Stemmt euch, hebt, hebt, das Leilach breitet!
Die steifen Glieder, drein geschlagen,
Ein Bruderpaar sich stumm bereitet,
Auf seinen Schultern heimzutragen.

Derselbe Paß, erhöhte Not!
Bräch' jetzt hervor des Mondes Licht!
Auf allen Zügen steht der Tod,
Doch keine Lippe widerspricht.
Zuerst der Marronier gebeugt
Dicht an den Steg die Leuchte streicht,
Daß jeder sieht zu jeder Seite
Der überglasten Wölbung Breite.
Schwieg' jetzt des Strudels Rauschen auch,
Man körte keines Atems Hauch,
Und mancher schlöss' die Augen gar,
Doch reißt sie offen die Gefahr.
»Nur langsam – flach den Fuß gesetzt –
Des Vormanns Stange jeder fasse! –
Und seid auf einen Ruck bereitet,
Wenn einer schwankt, wenn einer gleitet;
Nur immer langsam – Schritt vor Schritt!« –
Ha! auf den Grund der erste tritt
Und zieht mit seiner festen Hand
Die ganze Kette an den Strand.
Und jeder, wie er fühlt das Land,
Den Atem stößt mit voller Kraft
Aus der befreiten Kehle Haft.
Dem Himmel Dank! das war ein Wagen!
Hat niemand es zu künden Lust?
Doch war sich keiner in der Brust
Nur eines sichern Schritts bewußt,
Und keinem blieb, so kühn er sei,
Das Auge klar, Bewußtsein frei,
Als sie, wo drunten Wogen spülten,
Der Sohle leises Gleiten fühlten
Und in der Hand, verklommen, zitternd
Die Stange hin und her sich schütternd.
Ja, Gottes Huld hat sie getragen,
Des Herrn, so sprach: »Ich bin dein Reich«,
Und: »Meinen Engel send' ich euch.«

Erst späterhin und fern vom Stege
Löst mählich sich der Zungen Band,
Und wenn auch auf demselben Wege,
Den früher man so übel fand,
Scheint doch nach dem, was man befuhr,
Ein Kinderspiel die Heimfahrt nur.
Entschlossen wird der Fuß gesetzt,
Was schlüpfrig sonst, scheint sicher jetzt;
Auch klimmt sich's leichter wohl hinan
Als abwärts auf beeister Bahn.
Nah ist der Tag, der Frost gewaltsam;
Allein die Luft, da man gekehrt,
Den Wandernden so unaufhaltsam
Nicht ferner in die Augen fährt.
Und wer sie hört, nicht sollte sagen,
Daß diese einen Leichnam tragen;
So überstandne Fährlichkeit
Die Herzen stimmt zur Heiterkeit.
Man lockt die Hunde, lobt und streichelt,
Geplauder wechselt durch die Reihe,
Zumeist bei der Gefahr es bleibt;
Und wie's der Phantasie nun schmeichelt,
Wenn dieser spricht mit Heldenweihe,
Die Schrecken jener übertreibt;
Der Marronier auch redet drein,
Die Träger selber stimmen ein;
Sogar das Lachen überrascht
Den Jüngsten, als ein Bruder gleitet,
Nach der entfallnen Kappe hascht
Und stolpernd auf dem Alpstock reitet.
Doch wen dort, als von ungefähr
Der Lampe Schimmer sich verbreiten,
Sieht hinterm Zuge man von weiten?
Denis! Wird ihm der Weg zu schwer?
Man ruft und harrt, er schreitet an.
»Reicht mir die Hand!« ein Bruder spricht,
»Stützt euch auf mich!« Der alte Mann
Erwidert: »Müde bin ich nicht.«
Dann setzt er an mit festem Schritt
Und rüstig in die Reihe tritt.
Was wohl den Mann betroffen hat?
Nicht kraftlos scheint er, in der Tat!
Und doch ihm in so kurzer Frist
Die Stimme klein geworden ist.
Wie das Gespräch sich wieder rege,
Er wandelt stumm und träumend fort;
Und fällt auch wohl ein schlimmes Wort,
Daß allzuviel in dieser Nacht
Um eine Leiche sei gewagt –
Nur tiefer sich der Alte bückt,
Nur in den Schnee die Ferse drückt,
Und der, so geht zunächst im Wege,
Meint, täusch' ihn nicht des Frostes Knistern,
Er höre schwere Seufzer flüstern.
Was wohl das gute Mönchlein quält?
Dem alten treuen Männchen fehlt?

Indessen nun zum zweitenmal
Hat man die Klippenschlucht betreten;
Hier sind die Sinne all vonnöten.
Hu, wie der Wirbel streicht durchs Tal!
Die Luft gleich Äther scharf und fein!
Sogar die Worte frieren ein.
Und wieder hört man durch die Stille
Der Mäntel Reiben an den Kappen,
Des Tritts Geknarr, des Alpstocks Klappen;
Und jeder schmiegt sich in die Hülle
Und treibt den Fuß, so sehr er kann,
Voran, und immer nur voran.
Das Lampenlicht, was hier zuvor
Um Vließe duftbestreut geflogen,
Trifft sie mit Eise jetzt umzogen,
Und ganz von Glas erscheint der Chor.
Voran, voran! zieht sacht den Hauch,
Und streicht die Kappe dicht ans Aug'!
Voran! – Schaut nicht die Klippe hier
Fast wie ein formlos wüstes Tier?
Hier ein verstümmelt Riesenhaupt,
Das rechte Aug' ist ihm geraubt.
Voran, voran! – Was flattert dort?
Ein Lämmergeier, aufgeweckt
Aus seinem Lager, flieht erschreckt,
Gefangen in die Passes Enge.
Seht, wie er angstvoll krallt die Fänge!
Zurück! zurück! er naht dem Licht.
Und nun er überm Leilach schwebt,
Mit ausgespanntem Fittich bebt.
Die Lampe bergt! Da steigt er auf,
Ums Riesenhaupt noch einmal kreisend
Und pfeifend, daß die Gasse schallt;
Und nun verschwimmt er in die Nacht.
Noch einmal, sein Gekreisch verhallt.
Gott Lob! jetzt hebt die Leuchte auf!
Leicht wird des Weges Rest vollbracht –
Ein Schimmer, nach dem Ausgang weisend,
Des Tages erster Bote scheint.
Ganz recht! hier öffnet sich das Tal!
Die Brüder schaun empor zumal:
Montmort steht schwarz, die Jungfrau grau:
Doch südlich im versenkten Blau
Die mächt'ge Rosenkuppel schwebt,
Bewegungslos am Äther hängt,
Und unter ihr Gewölke webt.
Es ist die Stirn, so stets empfängt
Den ersten Strahl, der niedersank,
Es ist der Alpenfürst Montblanc.

Allein des Dunkels Überrest
Verdoppelt auf die Fläche preßt;
Formlose Massen noch, die Höh'n
Im Horizont verschwimmend stehn.
Nur links am breiten Felsenturm
Erscheint, ein mächt'ger Feuerwurm,
Die ew'ge Lampe, deren Strahl
So milde winkt ins Hospital.
Noch tausend Schritt – die Wandrer keuchen,
Noch hundert Schritt – sie stehn am Tor.
Und eben bricht, ein glühend Zeichen,
Verschämt der Jungfrau Stirn hervor.
Was zaudert Bruder Pförtner noch?
Vielleicht vom Schlummer aufgestört?
Du alter Benoit, hat dich doch
Dein Wunsch ins Hospital gebracht!
Ach, anders gar, wie du gedacht!
Da klinkt das Schloß, und eben hört,
Als grade sie ins Tor ihn tragen,
Man sechs die Klosterglocke schlagen.

Der Infirmier indes zu Nacht
Durch Schmeicheln und geduld'ges Fragen
Vom Knäbchen hat herausgebracht:
Wie Mutter schon vor vielen Tagen
Geschlafen, Vater auch nachher,
Der wenig Stunden krank gewesen,
Und beide gar nicht wachten mehr.
Wie anders dann Großvaters Wesen,
Wie sein Gesicht geworden schmal;
Und wie er gestern erst vom Tal
Bei argem Frost und harter Müh'
Getragen ihn auf üblen Wegen
Und viel erzählt von Saint-Remy,
Wo Tante Rose ganz genau
Ihn wie die Mutter werde pflegen,
Etienne la Borte, des Sennen Frau.
O wohl, mein armer Henri, dir,
Daß du entschlummert unter Klagen,
Da sie vorbei an deiner Tür
Jetzt deinen guten Ätti tragen!
Sähst du so blau das Antlitz treu,
Zu stillen nicht wär' dein Geschrei.
Im Krankenzimmer schon die Glieder
Man hüllt in Schnee, man bürstet, reibt,
Sucht den entflohnen Atem wieder
Ihm einzuhauchen; alle Brüder
Verstummt und lauschend stehn dabei.
Kein Regen – und der Kerze Licht
Kein Zucken zeigt im Angesicht; –
Am vorgehaltnen Flaume nicht
Ein schwaches Fäserchen sich beugt,
Und mählich schon das Morgenrot
Bis an den Rand des Tales steigt.
»Ihr Brüder!« nun der Prior spricht,
»Es scheint, der arme Greis sei tot.
Doch tut noch ferner eure Pflicht;
Ihr seid zur eignen Seele Frommen
Bis jetzt ihr treulich nachgekommen:
Allein zumeist, das ist gewiß,
Am allermeisten tat Denis.
Wo ist er? nun, er ruht wohl aus!
Und sicher war's ein harter Strauß
Für seine Jahre.«... Ach, Denis
An keinen Schlummer denkt gewiß
Vor dem Altare, wo im Bild
Die Gottesmutter rauchgeschwärzt
Ihr eingeräuchert Kindlein herzt,
Verzeichnet, bunt, doch gut genug,
Da es dem Manne sonder Trug
Mit Andacht so die Seele füllt;
Denn ganz besonders hat er sich
Geweiht der Jungfrau minniglich.
Was mag ihm so zu Herzen gehn?
Die Falte um den Mund, dies Stöhnen –
So hat man sonst ihn nicht gesehn.
Wie, schmolz der Mauerduft? Sind's Tränen,
Die niederfallen auf den Stein?
Dies feste Auge scheint mir nicht
Gewöhnt zu solcher Tropfen Pflicht.
Der Alte ist ja ganz allein!
Stets weiß die Jungfrau, was er denkt:
Wär' zehnfach herber auch sein Grämen,
Vor ihr braucht er sich nicht zu schämen.

Indes das Dämmergrau zergeht;
Nur einzeln in die Mauerlücken
Sich kleine schwarze Schatten drücken.
Schon in der Fenster Mittelscheiben
Die rote Sonnenkugel schwebt;
Viel goldbestreute Wölkchen treiben,
Die ganze Luft ist glanzdurchbebt.
Im Morgenlichte doppelt mild
Dem Beter scheint das Mutterbild;
Selbst Märtyrer aus Gitterschrein
Nicht all so kläglich schauen drein.
Und nun das Diadem, das klare,
Am Haupt der Tagesfürstin ragt:
Da aus dem Winkel am Altare
Den letzten Schatten sie verjagt.
Sich von den Knien hebt Denis,
Ein andrer Mann; die Finger leis
Streicht er durch seine Löckchen weiß,
Er ordnet sorglich sein Gewand,
Dem eingedrückt des Estrichs Sand,
Und zu den Brüdern, die noch immer
Versammelt sind im Krankenzimmer,
Begibt entschlossen sich der Greis.
Doch als er nun die Türe lichtet,
Auf ihn sich jedes Auge richtet;
Da – deut' ich recht der Finger Zucken,
Am Gurt das unbewußte Rucken,
So sinkt ein wenig ihm der Mut,
Auch in die Wange tritt das Blut.
»Wie, alter Vater! schlaft Ihr nicht?«
Ruft ihm der Prior schon entgegen,
»Nein, Maß muß sein in allen Wegen,
Auch ihre Schranken hat die Pflicht.
Ihr scheint's Euch heute vorzunehmen,
Uns alle gründlich zu beschämen,
Und Ihr seid matt, man sieht's Euch an,
Zu Bett, zu Bett!« Der alte Mann
Steht lautlos und in seiner Not
Aufs neu beginnt das Kleid zu reiben,
Als sollte nicht ein Stäubchen bleiben:
Bis an die Stirne steigt das Rot.
Dann holt er tief und tiefer aus,
Und zitternd bricht die Stimm' heraus:
»Nein, lobt mich nicht, ich bin's nicht wert!
Ich will den schlimmsten Vorwurf dulden
Und daß ihr mir den Rücken kehrt!
Allein vergebt mir meine Schulden,
Der alte Feind hat mich betört,
Der alte eingefreßne Zorn,
Im Herzen mit ein steter Dorn,
Seit ich in meinen jungen Tagen
Den Sennen blutig einst geschlagen.«
Hier stockt er, seufzt so tief betrübt,
Daß jede Brust ihm Antwort gibt.
»Als ich nach einem Ausweg sah
Am Drance-Rand die Brüder suchen,
Da fühlt' ich seine Kralle nah
Und innerlich begann zu fluchen.
Und als nun sprach der Marronier:
‚Hier ist nur sichrer Tod zu holen‘,
Und: ‚Sei die Leiche Gott befohlen!‘
Es kribbelt' mir durch alle Glieder:
Den Alpstock hob ich in die Höh',
Dem Himmel Dank, ich senkt' ihn wieder,
Und als nun endlich, als am Strand
Barry, das unerschrockne Tier,
Ich treu auf seinem Posten fand:
Da hab' ich, hab' in Zornes Brand
Den Bruder einen Hund genannt.«
Er atmet auf: »Es ist heraus!
Ihr Brüder, ach, vergebt dem alten
Verstockten Mann, was ich verbrach;
Kein böses Beispiel bleibe nach.
Vergib mir, Bruder!« Ganz gebeugt
Zum Marronier er langsam schleicht
Und küßt voll Demut ihm die Hand.
Dann, eh' noch einer spricht ein Wort
Vor Rührung, Staunen, tiefer Scham,
Schon stapft er durch das Zimmer fort,
Nicht ganz so trübe, als er kam,
Um sich in seine Zelle klein
Drei Tage, frierend und allein,
Bei Brot und Wasser einzuschließen.
Noch immer stehn die Brüder stumm,
Und jeder heimlich schilt sich dumm,
Daß sie den Alten ziehen ließen.
Die Stirn soldatisch in die Höh',
Am steifsten steht der Marronier.

Zuerst das lange Schweigen bricht
Der Prior: »Was wir alle denken,
Ihr Brüder, brauch' ich nicht zu sagen.
Denis will uns in diesen Tagen
Nicht nur von wandelloser Pflicht,
Von Reue auch ein Vorbild schenken.
So demutsvoll ein Christ nur handelt:
Deshalb« – er stockt und wendet sich,
Denn eine Regung wunderlich
In Zittern ihm die Rede wandelt.
Der Prior sich zur Seite kehrt
Und, dem Erstarrten zugewandt,
Die steifen Glieder abwärts fährt,
Den Flaum noch einmal mit der Hand
Bringt langsam an des Mundes Rand,
Erst quer, dann senkrecht aus der Höh'.
Nun hebt er sich, vom Bücken rot:
»Eugène und Louis! nehmt ihn fort!
Jetzt gleich! Und, Bruder Clavendier,
Zum Sennen Etienne la Borte
Schickt nach Remy! Der Mann ist tot.«

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