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Das Hospiz auf dem Großen St. Bernhard

Annette von Droste-Hülshoff: Das Hospiz auf dem Großen St. Bernhard - Kapitel 2
Quellenangabe
typeepos
authorAnnette von Droste-Hülshoff
titleDas Hospiz auf dem Großen St. Bernhard
booktitleGesammelte Werke
isbn3-87876-308-5
publisherEmil Vollmer Verlag, München
editorReinhold Schneider
pages600-681
senderbelmekhira@hotmail.com
created20020811
firstpub1839
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Erster Gesang

                  Die Sonne hat den Lauf vollbracht,
Schon spannt sie aus ihr Wolkenzelt;
So manche Trän' hat sie bewacht,
So manchem Lächeln sich gesellt;
Um Sel'ge hat ihr Strahl gekräuselt,
Wo süß versteckt die Laube säuselt,
Und hat die Totenbahre auch
Gesegnet mit dem frommen Hauch;
Nun einmal ihres Schleiers Saum
Noch gleitet um der Alpen Schaum,
Und in des Schneegestäubes Flaum,
Das an Sankt Bernhards Klippe hängt,
Der matte Hauch sich flimmernd fängt.

Dort, wo es, aus des Passes Schlunde,
Ums Pain de Sucre macht die Runde,
Berührt ein menschlich Angesicht
Fürwahr zum letztenmal das Licht.
Wie hat der Greis die dürre Hand
So fest um seinen Stab gespannt!
Und wie er so verkümmert steht,
So ganz verlassen um sich späht,
Da ist's, als ob, erstaunt zumal,
Noch zögern will der letzte Strahl.
Schon zog der Aar dem Horste zu,
Und nur die Gems vom Tour des foux
Noch einmal pfeift und schwindet dann.
Am Riffe lehnt der alte Mann,
Wie auf dem Meere, jüngst ergrimmt,
Einsam noch eine Planke schwimmt.
O du bist immer schön, Natur!
Doch dem, der Herthas Bild gegrüßt,
Die Woge bald die Lippe schließt –
Bist Königin vernichtend nur!
Der Blitz, der Seesturm, der Vulkan,
Sie stehn als Zeugen obenan.
Und jener Greis am Felsenrand?
Dem Strahl, der widerprallt im Schnee,
Will schützend die besennte Hand
Sich vorbaun an der Braue Höh'.
Zum Montblanc hat er lang gesehn
Und wendet abendwärts den Fuß,
Da ihm die Augen übergehn,
Daß er vor Kälte weinen muß.
Ihm ist wie taub, ihm ist wie blind,
Er spricht gepreßt, und tut's nicht gern:
»Mein Knabe! Henri! liebes Kind!
Schau mal hervor, sind wir noch fern?«

Dann aus des Mantels Falten dicht
Ein Bübchen windet sein Gesicht;
Die kleinen Züge schwillt der Hauch,
Die roten Händchen birgt es auch
Sogleich und zieht des Vließes Saum
Sorgfältig um der Stirne Raum,
Daß nur der Augen rötlich Licht
Durch des Gewandes Spalten bricht.
Nun mit den Wimpern zuckt er schnell:
»Großvater, schau! wie blitzt es hell!«

Der Alte seufzt: »Es blitzt, mein Sohn,
Am Himmel nicht um diese Zeit,
Es ist die Sonne wohl, die schon
Sich um die letzten Zacken reiht«
Doch wiederum der Knabe spricht:
»Großvater! 's ist die Alpe nicht,
Es springt und zittert in die Höh',
Wie wenn die Sonne tanzt im See
Und spielt in unserm Fensterglas.«
»Wo, Henri? Kind, wo siehst du das?«
Ein Ärmchen aus der Wolle steigt. –
Der Alte senkt das Haupt und schweigt.
Nein, nein, das ist kein Hospital!
In tausend Funken sprengt den Strahl,
Gleich nachtentbranntem Meeresdrange,
Nur Roche polie von jenem Hange.

Und zögernd schiebt des Greises Hand
Den kleinen kalten Arm zurück,
Zieht fester um ihn das Gewand.
Er wirft den kummervollen Blick
Noch einmal durch die dünne Luft,
Auf jeden Fels, in jede Kluft;
Dann folgt ein Seufzer, unbewußt,
So schwer wie je aus Mannes Brust,
Und langsam abwärts, mit Gefahr,
Beginnt er Pfade unwirtbar.
– Schmal ist der Raum – die Klippe jäh; –
Zuweilen bietet das Gestein,
Ein altergrauer Felsenspalt,
Für Augenblicke schwachen Halt.
Die Ferse drückt er in den Schnee
Und stößt des Stabes Stachel ein;
Denn eine Zeit gab's, wo im Gau
Von Saint-Pierre kein Schütz sich fand,
Der auf der Jagd, am Alphorn blau,
Dem Benoit gegenüberstand.
Kein Aug' so scharf, kein Ohr so fein,
So sicher keine Kugel ging,
Von all den Kühnen er allein
So sorglos an der Klippe hing!
Zum letztenmal dem Meister alt
Sich dankbar seine Kunst erzeigt.
Gottlob! nun ist die Schlucht erreicht.
Er blickt empor; durchs graue Haupt,
Fast von der Kälte sinnberaubt,
Noch einmal durch die öde Brust
Zieht sich das Bild vergangner Lust,
An der sein ganzes Herz gehangen,
Und doppelt fühlt er sich gefangen.

In Quarzes Schichten eingezwängt,
Durch die der schmale Pfad sich drängt,
Streckt, überbaut von Felsenwucht,
Sich lang des Pain de Sucre Schlucht.
Kein Laut die tote Luft durchirrt,
Kein Lebenshauch ist zu entdecken;
Und wenn es unversehens schwirrt,
Das Schneehuhn kann den Wandrer schrecken.
Wo droben schwimmt das Felsendach,
An dem der Wintersturm sich brach
Jahrtausende – doch die Gedanken
Verlassen ihn – er sieht es wanken –
Er fördert keuchend seinen Schritt –
Und immerfort, in tollem Schwanken,
Ziehn rechts und links die Klippen mit;
Daß jener harrt – sogleich – sogleich –
Wie aus der Lüfte Schwindelreich
Die ungeheure Masse klirrt,
Und er sich schon zerschmettert glaubt,
So sehr ihm Furcht die Sinne raubt.

In diese wüste Bahn hat jetzt
Der müde Mann den Fuß gesetzt;
So schnell es gehn will, fort und fort.
Noch immer glühn die Firsten dort,
Und abwärts gleiten sieht den Strahl
Mit Lust er und mit Graun zumal.
Sobald der Abendsonne Schein
Nicht mehr die letzte Zacke badet,
Ins Hospital ein Glöckchen rein
Den Wandrer aus der Steppe ladet.
Und schon am Pointe de Drone das Licht
Kaum merklich noch den Schatten bricht.
»O Sonne«, seufzt der müde Greis,
»Bald bist du hin! der Himmel weiß,
Vielleicht hör' ich die Glocke nicht! –«
Blickt zweifelnd nach den Felsenwällen,
An denen mag der Klang zerschellen.
Das Kind, das Kind ist seine Not!
Schon fühlt er, wie, vom Froste laß,
Der steife Arm zu gleiten droht;
Und ohne Ende scheint der Paß!
Ein Turm ragt an dem andern her,
Es ist, als würden's immer mehr.
Dem Himmel Dank, die letzte Klippe!
Und als mit angestrengtem Fleiß
Sich immer näher treibt der Greis,
Was knistert überm Steingerippe?
Am Rande schiebt sich's, zittert, blinkt,
Langsam ein weißer Klumpen sinkt;
Dann schneller, dann mit jähem Fall
Entlang die Klüfte tost der Schall.
Und zu des Alten Füßen rollen
Schneetrümmer und gesprengte Schollen.
Und dieser einen Augenblick
Steht regungslos, mit Schwindel ringt; –
So scharf vorüber zog der Tod!
Gefaßt er dann zusammenrafft,
Was ihm von Wollen bleibt und Kraft.
Und vorwärts nun, mit harter Not,
Er in den Trümmerhaufen dringt.
Doch neben, vor und um ihn stemmt
Die Masse sich, zum Wall gedämmt.
Mitunter eine Scholle auch
In schwachem Gleichgewichte steht,
Nur wartend auf den nächsten Hauch,
Und aufwärts ihre Kante dreht.
Wenn das Geschiebe sich belebt? –
Ein Sarkophag, der ihn begräbt!
Horch! wie er durch die Zacken irrt,
Zuweilen eine Scheibe klirrt;
Ein feines Schwirren – schwaches Rucken –
Vor seinen Augen Blitze zucken;
Doch immer wieder fügt sich's ein,
Und starr die Mauer steht wie Stein.
So muß er, fast in Todesbanden,
Wie durch ein Labyrinth sich schmiegen.
Es ist vorüber, ist bestanden,
Und hinter ihm die Trümmer liegen.

Indes des Tages matte Zeichen
Allmählich von den Kuppen bleichen,
Und nach und nach am Firmament
Des Mondes Lampe still entbrennt;
Verschwimmend, scheu, ihr zartes Licht
Malt noch der Dinge Formen nicht.
Doch allgemach aus Wolkenschleier
Ersteht die klare Scheibe freier.
Die Felsen scheinen sich zu regen,
Geflimmer zittert übern Schnee,
Und langsam steigend aus der Höh'
Die Schatten auf den Grund sich legen.

Gebeugt, mit angestrengtem Schritt,
Aus seiner Schlucht der Wandrer tritt
In eine öde Fläche vor.
Er steht – er lauscht – er trägt das Ohr
Zur Erde bald und bald empor,
Und alle Sinne lauschen mit.
Er wendet sich; ob nichts vom Schalle
Aus einer andern Richtung falle? –
Nur hohl und zischend sich die Luft
In des Gesteines Spalten fängt
Und mit Geknister durch den Duft
Zu Nacht gefallner Flocken drängt.
Der Kälte, die den Stamm zerschellt,
Kein Schirm sich hier entgegenstellt.
Ach Gott, wohin? ringsum kein Steg,
Sich überall die Ebne gleicht.
Doch vorwärts, vorwärts, immer reg,
Eh' dich im Schlummer Tod beschleicht,
Nur immer in die Nacht hinein!
Da durch die Steppe fällt ein Schein,
Wie wenn sich Kerzenschimmer brechen
In angehauchten Spiegels Flächen.
Und über dieses Meteor
Ragt eine Masse dunkel vor.
Gegrüßt, o Stern im Mißgeschicke!
Es ist die Drance, es ist die Brücke.

Kaum die bekannten Pfade schaut
Der Greis, ihm ist wie aufgetaut;
Halb kehrt der Jugend Mut zurück,
Er wähnt sich einen Augenblick
Für dies und Schlimmres noch genug.
Die Brücke naht sich wie im Flug.
Schon hat er rüstig sie beschritten,
Schon steht er in der Ebne Mitten,
Schon keucht er um des Stromes Bogen;
Und vor ihm her die glas'gen Wogen
Durchrollt des Mondes Silbertuch.
Vergebens! diese Kraft ist Schein;
Mit jedem Hauche sinkt sie ein,
Mit jedem Schritte weicht das Blut,
Ach, keine Wunder wirkt der Mut!
Schon matter wird des Greises Tritt.
Das Licht im Strome fliegt nicht mehr,
Es wandert zögernd vor ihm her.
Aus den gelähmten Fingern glitt
Der Stab, und eine weite Strecke
In Sätzen prallend von der Decke,
Dann lagert er an Stromes Rand.
Hin schleppt der müde Mann den Schritt;
Er bückt sich mühsam, welche Qual!
Ergreift ihn, der zum drittenmal
Ihm immer gleitet aus der Hand.
Und schwindelnd, bei dem sauren Beugen
Fühlt er das Blut zum Haupte steigen,
Sein Aug', von kalten Tränen schwer,
Sieht kaum das Allernächste mehr.
Noch tappt er, wo aus dunklem Schaft
Die glatte Eisenspitze blinkt.
Da weicht des Armes letzte Kraft,
Und auf den Schnee das Knäbchen sinkt;
Es rafft sich auf, ergreift den Stab,
Gehorsam, leichtem Dienst gewöhnt.
»Mein Kind! mein Kind!« der Alte stöhnt
Und nimmt die kleine Last ihm ab,
»Was willst du noch zuletzt dich plagen?«
Späht mit der Augen trübem Stern
Beklommen durch den nächt'gen Schein; –
»Du kannst nicht gehn, ich dich nicht tragen,
Und ach! das Hospital ist fern.
So müssen wir das Letzte wagen
Und kehren bei den Toten ein.«
Er lenkt die Schritte von dem Strand,
Sein Knäbchen hält er an der Hand.

Das Mondlicht, das mit kaltem Kusse
Liebkoset dem versteinten Flusse,
Gleich links auf ein Gewölbe klein
Streut alle seine Schimmer rein,
Die, wie sie Wolkenflor umwebt,
Bald auf dem Dache wie belebt
Sich kräuseln, in den Fenstern drehn,
Und bald wie eine Lampe stehn,
Die halb der Grüfte Dunkel bricht.
So leisten sie die fromme Pflicht
Dem, so der Fremde ward zum Raube,
Und bei dem unbeweinten Staube
Entzünden sie das Trauerlicht.
Ja, diese Mauern, wohl erbaut
Mit Christensinn, sie bergen doch,
Wovor des Menschen Seele graut,
Wem Blut rollt in den Adern noch.
Sie alle, die zum Todesschlaf
Sankt Bernhards leiser Odem traf,
Wenn sie nicht Freundes Wort genannt,
Nicht Eidgenossen Blick erkannt,
An diesen Ort sind sie gebannt.
Der Bettler, dem kein Heimatland,
Der Jude, so auf Geld bedacht
Gefahrenvollen Weg betrat,
Der arme wandernde Soldat,
Der Flüchtling vor Gesetzes Macht:
Sie alle liegen hier, wie Tod
Aus dieser Wildnis sie entbot;
Im Pelze der, im Mantel weit,
Und jener im Studentenkleid.
Das tiefe Auge, trüb und offen,
Auf liebe Züge scheint zu hoffen,
So Zeit auf Zeiten; keine Träne
Rann auf die bleiche Wange noch;
Und ließen treue Kinder doch,
Und sind geliebter Eltern Söhne.

Die Schwelle kennt der Greis genau,
Hier führt ein Steg nach Wallis' Gau,
Sein alter Pfad, wenn von der Jagd
Er heimwärts manchen Gang gemacht,
Ans Fenster pflegt' er dann zu treten,
Nachdenklich in die Gruft zu sehn
Und sinnend auch im Weitergehn
Ein Vaterunser wohl zu beten.
Doch vor dem Tode auf der Flucht
Erfaßt ihn ungeheures Grauen,
Als tret' er in das eigne Grab
Und soll' die eigne Leiche schauen.
Kaum wehrt er den Gedanken ab:
»Hinweg! hinweg! so weit der Fuß
Dich trägt« – und unwillkürlich muß
Er wenden. Doch da weint das Kind:
»Großvater! weiter sollen wir?
Wir sind ja hier an einer Tür.
Ich kann nicht mehr.« Verschwunden sind
Die Zweifel; mühsam öffnet jetzt
Der Greis das Tor, mit Rost versetzt,
Tritt in die Wölbung, kauert sich
Dann auf den Boden kümmerlich
Und nimmt an seine Brust den Kleinen.

So eine Weile sitzen sie,
Der Knabe auf des Mannes Knie;
In stummen Schauern an ihn biegend,
Der Alte, sich nach innen schmiegend,
Das Haupt am feuchten Mauerstein,
Und übermüdet, überwacht,
Hat minder der Umgebung acht;
Minuten noch, so schläft er ein. –
Schon summt es um ihn wie ein Schwarm,
Der Mantel gleitet mit dem Arm;
Und als das Haupt zur Seite sinkt, –
»Großvater! ist das Glas? es blinkt!«
Der Alte fährt empor, er blickt
Verschüchtert seitwärts, unverrückt
Zu Boden dann: »Sei still, sei still,
Mein Kind, es sei auch, was es will. «
Und seufzend fügt er noch hinzu:
»Es ist so spät! gib dich zur Ruh'.«
Doch wie ein Strahl es ihn durchfliegt,
Daß Schlaf den Willen fast besiegt.
Schon greift der Krampf die Glieder an:
Zu reiben gleich beginnt der Mann.
Und als das Blut nun schneller rinnt,
Er immer heller sich besinnt,
Auch der Gedanke Kraft gewinnt.
Was war es, das, vom Schlaf erwacht,
So in Verwirrung ihn gebracht?
Es war ein Blitz, es war ein Licht!
Und dennoch war es beides nicht.

Indessen hat das Knäbchen leis
Die beiden Ärmchen ausgestreckt
Und aus des Mantels Hut mit Fleiß
Den kleinen Kopf hervorgestreckt.
Das Schlummern will ihm nicht gelingen;
Die Langeweile zu bezwingen
Am Mantel nestelt's immerfort,
Schaut unverrückt nach einem Ort,
Bald gähnend, bald mit halbem Wort.
»Ja!« flüstert's, vor Ermattung rot,
Die Händchen in des Mantels Tasche,
»Dort steht das Glas und dort die Flasche,
Und auf dem Tische liegt das Brot.«
Dann zieht es sacht den Mantel los;
Es gleitet von des Alten Schoß,
Es taucht ins Dunkel. Auf sich rüttelnd
Aus wüster Träumereien Graus,
»Henri! mein Kind!« ruft jener aus,
Das graue Haupt verdrossen schüttelnd,
»Wo bist du nur? komm wieder, Sohn!«
Dort glänzen seine Löckchen schon!
Was reicht und streicht es an der Wand?
Ans Auge hebt der Greis die Hand:
Fürwahr! nach einem Brote sucht
Der kleine Arm hinaufzulangen;
Und nebenan sich Schimmer reihn,
Bald rot, bald grün, wie sie gefangen
Im Glase dort, und dort im Wein.
O unverhoffter Segen! Schon
Vom Boden taumeln sieh den Alten.
»Laß, du vermagst es nicht zu halten,
Laß ab!« Es zittert jeder Ton,
Der aus bewegter Brust sich windet
Und kaum im Odem Nahrung findet.
Die Glieder, so in Frost und Qual
Ihn treulich trugen durch die Steppen,
Kaum vorwärts weiß er sie zu schleppen
Bis hin, wo harrt das karge Mahl.
Er faßt das Brot und kann's nicht teilen
Und stöbert, sucht mit wirrem Eilen
In allen Taschen, allen Falten,
Selbst in der Stiefel engen Spalten.
»Hab' ich mein Messer denn verloren?«
Die Rinde bricht, sie ist noch warm.
»Nun iß, nun trink, mein Würmchen arm!
O kam ich eher um zwei Stunden!
Um eine einz'ge Stunde nur!«
Die Mönche hätt' er noch gefunden;
Dies ist des Hospitales Spur.

Denn was die kühnste Flamme bricht,
So wild sie durch die Adern tobt:
Es löscht die fromme Liebe nicht,
Die Leib und Leben hat verlobt.
Wenn Windsbraut an den Klippen rüttelt,
Wenn sich das Schneegestöber schüttelt,
Wenn durch die öde Winternacht
Nur wie ein fernes Mordgeschütz
Die zitternde Lawine kracht,
Wenn um die Gipfel spielt der Blitz:
Das sind die Boten, die er kennt.
Vom Betstuhl, wo die Lampe brennt,
Der Mönch sich hebt, den Weg beginnt
Zum Tobel, wo der Sturzbach rinnt,
Zum Passe, wo der Schnee am höchsten,
Zum Steg, wo die Gefahr am nächsten,
Hinauf, hinab Sankt Bernhards Rund;
Voran ihm spürt ein kluger Hund.
Dann, kehrend zu des Klosters Pforte,
Die Nahrung, so er bei sich trägt,
Mit milder Sorgfalt wird gelegt
An sichre, sturmgeschützte Orte.
Und oft im letzten Augenblick
Trat die gebrochne Kraft zurück
Durch sie in die versiegten Adern.
Wer mag mit solchen Mönchen hadern!
Welch seelerstorbner Atheist
So frevler Torheit sich vermißt,
Daß er auf sie die Pfeile richte?
Schau! wie gleich neuentflammtem Lichte
Das Kind des Glases volle Last
Mit beiden roten Händchen faßt.
Nun setzt es an und trinkt und trinkt,
Durch alle Adern strömt das Heil,
Und läßt nicht ab, und stöhnt vor Eil',
Fast wird der Atem ihm versetzt.
Des Alten Auge freudig blinkt:
»Mein Junge, sprich, wie ist dir jetzt?«
Doch kaum und unverständlich nur
Des Kindes Antwort ihn erreicht,
Das, auf sein Stückchen Brot gebeugt,
Natur, nach deinem weisen Walten,
Das schwache Leben zu erhalten,
Gefahr zu fliehn, die es nicht sieht,
Aus allen Kräften ist bemüht.

Indes hat draußen durch die Nacht
Ein Murmeln, Rauschen sich verbreitet,
Wie wenn erzürnte Woge schreitet;
Des Sturmes Stimme ist erwacht.
Noch fern und hohl im Klippenschacht,
Von Fels zu Felsen hört man's klagen.
Der Alte sinnt: soll er es wagen,
Sich und sein Liebstes fortzutragen?
Bald ist das Hospital erreicht! –
Ein Stoß um das Gewölbe streicht,
Und heulend singt er überm Dache
Das Totenlied dem Grabgemache.
Am Boden leises Knistern irrt,
Die Tür in ihren Angeln klirrt;
Umsonst! umsonst! es ist zu spät,
Der Wirbel durch die Steppe geht.
Und nun? Des Greises Blicke fragen,
Ob nirgends hier ein Plätzchen sei
Noch unbesetzt, vom Zuge frei.
Durch des Gewölbes Mitte stehn
Drei lange Bahren, sind sie leer?
Das Dunkel wirbelt drüber her.
Doch rechts und links und gegenüber,
Wohin der scheue Blick sich richtet,
Wenn flieht der Mondenstrahl vorüber,
Der die zerrißnen Wolken lichtet,
Der bleichen Schläfer Reihn er streift,
Die rings in Nischen aufgeschichtet:
Ein Antlitz halb dir zugewandt,
Hier braunes Haar, und dort gebleicht,
Aus jenem Winkel wie versteckt
Sich eines Fußes Spitze streckt,
Und dort sich wächsern eine Hand
Wie abgetrennt vom Körper zeigt.
Wer ist der Mann so unverzagt,
Den solch ein Anblick nicht erschüttert?
Wenn über ihm, wie schmerzdurchzittert,
Die mitternächt'ge Stimme klagt,
Gleich Geistern durch der Nacht Revier!
Ein heimlich Flüstern zischt und kocht,
Und an die schlecht verschloßne Tür
Der Wind mit leisem Finger pocht.
Dem alten Manne wird's zu viel,
Die Phantasie beginnt ihr Spiel;
Auf seinem Haupt in jedes Haar
Scheint Leben und Gefühl zu kommen,
Mehr ist der Atem ihm benommen
Als je vorzeiten in Gefahr.
Den Steinbock hat er oft gehetzt,
Dem Lämmergeier sich gesellt
Und fröhlich pfeifend in die Welt
Dann übern Klippenspalt gesetzt.
Ein andres, dem Geschick sich stellen
In frischer Luft, auf freien Wellen,
Ein andres ist's, am Grabe stehn
Und ruhig dem verzerrten Ich
Ins eingesunkne Auge sehn.
Sieh! wie schon wieder schauerlich
Der Strahl durch das Gewölbe streicht,
Und dem betäubten Manne sich
Am Winkel dort ein Bänkchen zeigt,
In das Gemäuer eingefugt.
Das ist ja eben, was er sucht!
Und muß nun seufzend sich bereiten,
Die ganze Wölbung zu durchschreiten.
Wie er die Schritte zögernd lenkt,
Die Augen bleiben scharf gesenkt,
Beinah geschlossen, als er quer
Um eine Bahre wendet her,
Zu eilig; – mit dem Fuße schwer
Trifft er an des Gerüstes Stützen,
Durch das Gewölbe dröhnt der Schall.
Die Bahre schwankt, er will sich schützen,
Er gleitet; modriges Gewand,
Verwirrtes Haar streift seine Hand.
Der Alte taumelt und erbleicht;
Wie jener Winkel noch erreicht,
Das weiß er nicht, hält immer fest
An seine Brust das Kind gepreßt,
Und sucht vergebens zu bezwingen
Der Phantasie verstörtes Ringen.
Die Wölbung dreht, die Mauern singen,
Ihm ist, als hätte seine Hand
Des Toten Züge all ergründet;
Er sieht das gelbe Augenband,
Das sinkend die Verwesung kündet,
Und drüber her, zu treu! zu treu! –
So tragend eigner Schwäche Joch,
Doch bleibt ihm das Bewußtsein noch
Und eben noch die Willenskraft,
Zu kämpfen gegen schnöde Haft.
Er sinnt und grübelt allerlei,
Wie wohl zum Hospital der Weg?
Wie zu bestreiten jener Steg?
Wie fern die Morgenstunde sei?
Sucht heitre Bilder aufzuwecken,
Als in der Scheibe Herzen stecken
Ein jeder Benoits Kugel sah. –

Indessen lehnt der Knabe da,
Des späten Wachens ungewöhnt,
Und schaukelt sich und seufzt und gähnt,
Ahmt leis des Sturmes Stimme nach,
Verfolgend mit den schweren Blicken
Die Strahlen, so durch das Gemach
Zuweilen lichte Streifen schicken;
Ergötzlich, im beschränkten Meinen,
Ihm an der Wand die Bilder scheinen;
Der klare Blitz, wenn sich das Licht
In den metallnen Knöpfen bricht,
Die Reih' entlang, so Funk' an Funken
Aufsprühn und sich ins Dunkel tunken. –
Die Szene wechselt, langsam streicht
Ein Wolkenvorhang sich zurück,
Und in die ganze Wölbung steigt
Der Mond mit seinem Geisterblick.
Was noch verborgen war in Nacht,
Wird an ein mattes Licht gebracht;
Aus allen Winkeln sieht man's rücken,
Was niedrig lag, scheint aufzustehn
Und was erhaben, sich zu bücken.
Vorüber nun – in starrer Rast,
Wie Grabmal sich an Grabmal fast
In königlichen Grüften zeigt,
Am Boden schlummert das Gebein,
Und drüber her der Mann von Stein.
Um manchen Busen spielt der Schein,
Mich dünkt, ich seh' ihn sinken, heben,
Und lange Atemzüge schweben.
Der arme Kleine wie betört
An seines Vaters Busen fährt.
»Großvater, schau! die Bilder leben,
Sie atmen all und wollen gehn!«
Den Greis durchzuckt ein leises Beben:
»Sei still, es wird dir nichts geschehn.«
Wohl denkt er an den nächt'gen Schein
[Es fällt ihm manches Blendwerk ein]
Und zögert dennoch aufzusehn.

Und wieder hebt der Knabe an:
»Dort auf dem Tische sitzt ein Mann;
Er sitzt nicht, nein – er liegt schon wieder –
Und stand doch erst soeben auf.«
Dann hebt die Ärmchen er hinauf
Und zieht des Greises Stirne nieder,
Ihm flüsternd mit verstecktem Ton:
»Es ist der Pfarr, ich kenn' ihn schon!
Er hat den Mantel umgeschlagen
Und seinen großen weißen Kragen.«
Nun wieder fröstelnd schaut das Kind
Mit offnem Munde, vorgebückt,
Dann an des Vaters Arm gedrückt:
»Wie weiß ihm seine Finger sind!«
Der Alte sucht mit allem Fleiß
Sich der Gedanken zu entschlagen,
Die fast wie Irrwahn ihn bedräun.
»Henri! du solltest ruhig sein,
Allein du weißt mich nur zu plagen.
Schlaf ein, schlaf ein, mein kleiner Sohn!«
Der Knabe bei dem harten Ton
Verschüchtert sich zur Seite schiebt,
Die müden Äuglein reibt betrübt.
Sein Köpfchen ruht so los und schlecht,
Auch ist der Sitz ihm gar nicht recht,
Zu dick der Mantel hängt und schwer,
So lange rutscht er hin und her,
Bis, von dem harten Schoße gleitend,
Er auf den Grund die Sohlen setzt;
Und wie ein Häschen mattgehetzt
Ins dürre Laub sein Häuptlein reckt:
So aus die zarten Arme streckt
Das Kind, um Vaters Leib sie breitend,
Und bricht vor unverstandnem Graus
In ganz geheime Tränen aus.

Doch jener, in sich selbst gekehrt,
Des Kleinen Stimme nicht beachtet,
Mit angestrengter Sorge trachtet
Die innern Feinde abzuwehren,
So pochend durch die Adern gären.
Er birgt die Augen, sinnt und sinnt:
Zu Saint-Remy, im Stübchen klein,
Was seine Tochter wohl beginnt?
Die Wände hell, die Schemel rein
Sucht er den Sinnen vorzuführen.
Vergebens! wunderlich berühren
Auch hier sich Wirklichkeit und Schein:
Die tote Schwester fällt ihm ein.
Gleich Träumen die Gedanken irren,
Im Ohre hallt ein feines Schwirren,
Ein Klingeln, seltsam zu belauschen;
Es ist des eignen Blutes Rauschen,
Das, murrend ob der Adern Band,
Zum Haupt die Klagen hat gesandt.
So geht es nicht, so darf s nicht bleiben!
Der Greis, in seiner Seelenqual,
Beginnt die Glieder allzumal
Mit angestrengtem Fleiß zu reiben.
Des Mantels Rauschen an der Wand, –
Das Rispeln seiner eignen Hand, –
Des Haares Knistern, wenn er schwer
Streicht mit den Fingern drüber her:
Ein Laut des Lebens scheint dem schwachen
Bedrängten Busen Luft zu machen.
Und dann – ein Schrei! woher und wie?
Des Alten Blut zu Eis gerinnt.
Er tappt umher: »Henri! Henri!
Wo bist du nur? wo bist du, Kind?«
Da wieder das Gestöhn beginnt,
Und »Vater! Vater!« und aufs neu
»Mein Vater!« wimmert's im Geschrei.
Der Alte, nach dem Laut gerichtet,
Hat jenen Winkel bald erreicht,
Wo, schwach vom nächt'gen Strahl umlichtet,
Sich dunkel eine Nische zeigt,
Drin sichtbar halb ein Leichnam ruht,
Auf breiter Stirn den Schweizerhut.
Und um des Toten Hand geklemmt
Der Knabe wimmert und sich stemmt,
Den lieben Vater aufzuwecken.
»Was machst du, Henri? Kind, komm her!
Er ist's ja nicht, er kehrt nicht mehr,
Du arme Waise!« und im Schrecken
Hat er des Knaben Arm geschüttelt,
Bis, von dem Totenhaupt gerüttelt,
Der Hut sich in die Kante stellt
Und dicht an seine Ferse fällt.
Mit einem Ruck des Kindes Hand
Befreiend, stürzt in tollem Graus
Der Alte in die Nacht hinaus.
Die Türe hat er eingerannt,
Und klirrend sprengt sich hinter ihm
Die Feder ein mit Ungestüm.

Nur fern erst an der Drance Rand
Gewinnen die Gedanken Stand.
Der Arm des Sturmes, halb gesenkt,
Nicht mehr so wild die Flagge schwenkt;
Doch auch das Mondlicht, halb erbleicht,
Ihm dämmernd nur die Richtung zeigt.
Getrost! getrost! kurz ist der Weg,
Bekannt, betreten jeder Steg!
Nur immer vorwärts, immer reg,
Eh' dich im Schlummer Tod beschleicht!
Ein Weilchen geht's mit hartem Mut,
Wie Not ihn und Verzweiflung leiht.
Die Schatten dehnen sich so breit,
Die Luft verrauscht – entschlummert – ruht;
Ein grauliches Gewölke steigt
Allmählich an den Mond hinauf,
Der einmal noch die Scheibe zeigt.
Dann dicht und dichter zieht es auf,
Ein Nebelsee in hoher Luft;
So wallt und wogt und rollt der Duft,
Bis, durch den Horizont verbreitet,
Sich formlos eine Decke spreitet.
Nun fällt ein Flöckchen, unbemerkt,
Nun wieder, auf des Greises Hand,
Trifft hier und dort des Hutes Rand.
Nun das Gestöber sich verstärkt,
Bis wimmelnd, in verwirrten Kriegen,
Die Flocken durcheinanderfliegen.
Dann, einer Staublawine gleich,
Entlastet sich der Lüfte Reich.
So ganz entschlafen ist die Luft,
Daß sich vernehmlich reibt der Duft,
Und durch die eingewiegten Flächen
Der Glocke Stimme hörbar wird,
Die mild und lockend scheint zu sprechen:
»Kommt alle her, die ihr verirrt!«
Der Alte stutzt und bei dem Klingen
Gewaltsam sich zusammenrafft.
»O könntest du mir junge Kraft
In meine alten Adern singen!«
Doch enger stets in Frostes Haft,
Wie kleine spitze Dornen wühlen,
Muß er's in allen Muskeln fühlen.
Gleich einer Trümmer, überschneit,
Er schleppt sich durch die Einsamkeit;
Sein Mantel, seine grauen Locken,
Sie starren unter Eis und Flocken.
Oft von dem schlechtgebahnten Pfad
Der Fuß, getäuscht durch falsches Licht,
Auf eine lockre Masse trat
Und stampfend ihre Decke bricht.
»O namenlose Todesqual!
So nah, so nah dem Hospital!
Nur noch ein Steg, nur noch ein Paß,
O spannt euch an, ihr Sehnen laß!
Mein armes Kind! allein um dich,
Nicht um mein Leben kämpfe ich.«
So tappt er fort. Die Bahn sich neigt:
Der Alte hat den Steg erreicht,
Den durch des Wirbels stäubend Rennen
Er eben, eben mag erkennen.

Die Drance in ihrem engen Bette
Sich windet um das Felsenriff,
Und drüber her, ein luftig Schiff,
Der Fichte Stamm vereint die Kette.
Am Tag, bei hellem Sonnenschein,
Wer schaute ohne Schwindel drein!
Zudem der Steg, jüngst überschwemmt
Von aufgelösten Schnees Wogen
Mit Eises Rinde ist umzogen,
Die sich zu glatten Hügeln dämmt.
Hier steht der Greis in seinen Nöten,
Der nichts mehr kann und nichts mehr weiß
Und sachte noch versucht zu beten;
Schiebt dann voran die Sohle leis.
Schau! wie auf dem beglasten Bogen
Um einen Tritt er vorwärts schreitet;
Er steht nicht fest, er schwankt, er gleitet,
Er ist verloren – nein – er steht.
Mit blindem Glück zurückgezogen,
Sein Fuß auf festem Grund sich dreht.
Zuerst der Alte ganz betäubt
Am Rand der Kluft gefesselt bleibt:
Dann, wie aus plötzlichem Entschlusse,
Den Mantel schiebt er von der Brust
Und herzt mit langem, langem Kusse,
Dem letzten irdischen Genusse,
Das Kind in Scheidens bittrer Lust.
Und nun: »Wohlan! es sei gewagt!
Uns hier der Morgen nimmer tagt.«

Doch horch! ein Klang die Luft durchweht.
Der Alte steht und lauscht und steht –
Ein Zittern durch die Züge geht.
Aufs neu der Ton herübertreibt,
Doch schwach nur unterm Winde bleibt.
»Henri! Henri! leih mir dein Ohr!
Mein guter Junge, lausch' hervor!«
Das Kind nur zögernd und betrübt
Sein fröstelnd Häuptlein aufwärts schiebt.
Ein Tränchen flirrt um Wang' und Mund:
»Großvater! 's ist ja nur ein Hund!« –
»Ist's auch gewiß ein Hund, der bellt?
Mein Gott! du sahst die bittre Qual!
Dann sei's in deine Hand gestellt,
Dann wag' ich's nicht zum zweitenmal. «
Er steht und horcht: und horcht und steht,
Aufs neu der Wind den Klang verweht.
Nun wieder heller – ha! sie nahn;
Schon räumt der greise Mann die Bahn.
Ganz nah – sie drehn um jene Bucht; –
Ein Weilchen still – dann, wie zum Spott,
Ganz aus der Ferne – heil'ger Gott!
Sie ziehn vorüber an der Schlucht!
Des Alten morscher Körper nicht
Erträgt die Last des Schreckens mehr,
Es flirrt, es wirbelt um ihn her,
Noch hält er sich – noch sinkt er nicht –
Doch höher schon die Schauer steigen,
Allmählich sich die Knie neigen,
Noch einmal seufzt er auf in Weh
Und fällt dann taumelnd in den Schnee.

Die Luft, so auf und nieder geht,
Jetzt frischen Klang herüberweht,
Nicht klaffend, wie zu Jagd und Lust,
Nein, gleich dem Ruf aus Menschenbrust,
Mit kurzen wiederholten Stößen,
Wie Wächter die Signale lösen;
Verhallend oft in Windes Rauschen,
Der Ton auf Antwort scheint zu lauschen.
Nun wiederum in weiten Reifen
Sie spürend durch die Gegend schweifen
Bald fern, bald näher; wie im Traum
Der Greis vernimmt die Laute kaum.
Nur einmal zuckend seine Hand
Dem Knaben klemmt sich ins Gewand.
Kein Schmerz mehr durch die Nerven wühlt,
Kein Glied er mehr als eignes fühlt.
Nur wie von tausend Ketten spielt
Im Haupt ein wunderliches Klirren;
Die Töne wechseln – sich verwirren –
Nun wird's zum Klingeln – nun zum Schwirren –
Nun wie ein linder Hauch vergeht's –
Und leiser – leiser – leiser stets,
Er schläft – –

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