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Das Haus zur Flamm'

Helene Böhlau: Das Haus zur Flamm' - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
booktitleDas Haus zur Flamm'
authorHelene Böhlau
year1907
firstpub1907
publisherEgon Fleischel
addressBerlin
titleDas Haus zur Flamm'
pages373
created20140310
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Aus Mottens Tagebuch.

Mein Nest! Meine schimmernde Muschelschale!

Draußen liegt die Frühlingsregennacht wie ein großes dunkles Meer. Ich höre ferne Harmonie. – Klavierspiel. – Irgendwo, auch in einer Muschelschale, die im Grund der alten Nacht liegt, regt sich Leben. Es ist schon spät.

Das dunkle feuchte Frühlingsnachtmeer, das sich über alles Lebendige goß, hat noch nicht jedes Bewußtsein eingeschläfert.

Das meine ist noch so bewegt. Nur die tiefbewegten Herzen, die sich von großer Liebe und großem Schmerz nicht trennen können, wachen jetzt.

Ja, was zu dieser Stunde lebendig ist, ist ganz lebendig – nicht einzuschläfern. Herr, du mein Gott, laß diese Lebendigen Glück und Leid nicht zu tief empfinden!

2 Ach, alles hier auf Erden muß einst vergessen werden. Ein alter, alter Spruch. Alles muß auch jede Nacht aufs neue vergessen werden. Nur so ist's möglich, die großen Bewegungen der Seele zu ertragen. Ich aber fühle mich noch so wohlauf und ging soeben in meinem Zimmer auf und nieder, so leicht, so beflügelt.

Es grenzt fast an Schmerz dies Wohlbefinden. Der Raum, in dem ich auf und nieder wandle, weil meine wache Seele mich nicht ruhen läßt, ist mir so nah verwandt. – Wie alles heute zu mir spricht! Ja, es ist das Wachsein der Seele, das mir, was ich schaue, so begreiflich macht. – Wie wundervoll leuchtet und schimmert's um mich her!

Ich weiß, als ich den tiefgoldgelben, alten seidenen Stoff im dunklen kleinen Laden sah, klopfte mir das Herz, und mir war, als trüge ich Sonnengold und Ährengold und Sonnenuntergänge heim, als ich ihn erhandelt hatte.

Unmöglich schien es fast zu warten, bis dieser Zauberstoff die Wand verkleidete – und dann schimmerte bald Gold darauf und Perlmutter, und ich flocht dichte Rosenkränze und zauberte die Rosen aus zartem durchsichtigen Stoffe und glühte und bebte dabei, als schüfe ich eine schöne lachende Welt, aller Weltschöpfung 3 zum Trotze und hockte mit Friedel dem Kindchen, und wir schauten in die Herrlichkeit hinein, andächtig und gläubig, und ich ging mit kleinen Statuetten und glänzenden farbigen Dingen und stellte sie so, daß sie für meine Augen Funken und Lichter zu sein schienen. Mein Herz schlug in Glückseligkeiten, wie das Herz eines seligen Schöpfers. Ich fühlte mich hier so sehnsuchtsvoll in meinem grauen Gewändchen, im Mottenkleid. Silbergraue Motte im Sonnenglanz.

Ja, mein Professor, mein lieber, in deinem Hause, so würdig es ist und so berühmt und hochgeachtet du geworden bist, ist eine Ecke, in der sehnsüchtiges Leben mit Rosen spielt und Zauberei treibt. – Da stecken Friedel das Kindchen und ich.

Du hast jetzt oft vergessen aufzublicken, wenn wir beide morgens bei dir eintraten, du hast auch deinen guten Morgengruß vergessen vor lauter wichtigen Geschäften – du! du Lebensvergesser –! du Nichtunterscheider des Wichtigen vom Unwichtigen!

Ja wart, ich kenne dich! du kannst ja nichts dafür. Es hat dich gepackt. Du bist in den großen, großen Trott gekommen – Ram tam –, Ram tam –, Ram tam. – Keine Pause, keine Umschau! Weiter – weiter, – denn das Leben ist kurz und die Sache ist wichtig. – Weiter, weiter in Reih und Glied über 4 das Leben hinweg dem Ziele zu, durch wundervolle Gegenden, durch wundervolle Jahre marschiert der Riesenzug, jene gewaltige Maschine. Ihr Armen! Ist's denn gar so wichtig? Natürlich, wichtig wird's wohl sein. Ich nenne das aber nicht Leben! Für uns Arme, aus dem Grauen aufgestiegene unbestimmte Wesen, für uns Läuslein auf dem Schimmel dieser Erde ist Erfolg, was man so Erfolg nennt, etwas so Wunderliches.

Fett vor Ruhe und Befriedigung sollten wir hier nicht werden.

Aber du bist fett geworden, mein Professorchen, und das verzeihe ich dir nicht. Ich wollte, ich ließe mir von irgend etwas so recht innerlich imponieren; aber ich muß eigentlich immer lachen, über alles lachen. – Es kommt mir alles nicht so schrecklich wichtig vor. – Nur das eine scheint mir wundervoll, daß man sich hier auf Erden lieben kann, ein Geschöpf das andere Geschöpf, von Mutter und Kind angefangen, bis zu allen Arten von Liebe und Hinneigungen und Hingebung, bis zur großen, großen Liebe.

Ach, mein Professorchen, wie du mich in Zorn bringen kannst! Nicht eigentlich in Zorn –aber ich könnte alles durcheinander verwünschen, was dich so 5 vortrefflich gemacht hat, so anständig herzlos, wie sie alle sind – fast alle.

Und was bin ich? Zuerst da war das Herz ein ganz winziges lachendes Kindchen, was man auf den Arm nehmen und schaukeln konnte, kaum zu spüren, dann wuchs und wuchs es, und nun trägt's mich, – trägt mich durch die Welt, wohin es will; froh bin ich, wenn ich neben ihm hin und wieder dreinlaufen kann, ohne daß mich's erwischt und mit mir dahin rennt, wohin es will.

Mein Professorchen, dein kleines handliches Gebrauchsstückchen im Gehrock und mein Herz, dem ich ganz gehöre, das ich ganz bin, sind wir nicht ein sonderbares Paar? Wie unbequem für dich und mich.

Ich muß mir des Tags manchmal sagen, so dumm es klingt: Ehe? Ehe? Ehe? – Und dann: Ehefrau? Ehemann? was ist das? Und dann antworte ich mir. Das ist eine schöne Geschichte! – – Danke.

Ich finde, eine Frau kann gottlob alles sagen, den größten Unsinn –! Wir sind in den Augen würdiger Herrn so wie so halb unzurechnungsfähig. Das macht nichts, es ist ganz bequem. – Und sie sind soweit davon entfernt, uns zu kennen, kennen uns so nicht und so nicht. Es ist ganz egal.

Mein Professorchen habe ich trotz seiner 6 gewachsenen Herrlichkeit wahrhaft gern. Ärgere mich viel über ihn, er sicher auch über mich. Doch erst seit er berühmt geworden ist, habe ich diesen Ärger auf ihn bekommen. Mir sind berühmte Leute geradezu lächerlich.

Oft möchte ich ihm davonlaufen und möchte ihm die Zunge herausstrecken. Ich tus auch, wenn er so würdevoll davongeht mit so einem kalten Buckel. Mir ist's ganz gleichgültig, ob er berühmt ist oder nicht! Ich wollte lieber, er wäre statt dessen – . . . Nein, nein – um Gottes willen nicht! Er soll nun auch der Herr Professor bleiben. Ja, ja er setzt Fett an, seine Augen werden kleiner. Er sieht über mich hinweg wie über ein Stückchen Vergangenheit.

Oft habe ich in heißen Tränen deshalb gelegen. Heimatlos ist man ohne Liebe.

Es gab eine Zeit, da war er fast übermager, da hatte er keinen Erfolg; da war er mein Schatz. O du liebe Zeit der Magerkeit, der Erfolglosigkeit, der bangen großen Liebe.

Dich trieb's nach Erfolg und deshalb littest du. Dein Leid brachte dich mir nahe, du spürtest meine weiche dich heilende Seele, meinen dich heilenden Körper.

Deine Herzenswunde brannte nicht, wenn du bei mir warst. O diese schillernde Liebe jener Zeit!

7 Das war Lebenshöhe, jene gesegnete Erfolglosigkeit. Das war ein menschliches Leben!

Weißt du, mein lieber, berühmter Mann, wie wir beide im Landwägelchen zu deinen Patienten fuhren? – Ich mit dir? Stell dir das jetzt einmal vor?

Ich, dein Assistent damals, wenn ich oft auch nichts weiter zu tun hatte, als kleine Rotznäschen zu putzen, wenn du das arme Hausmutterl unter den Händen hattest. Oft waren meine Pflichten auch ernster und schwerer für mich, den Ekel überwinden, aber es ging alles – dir zulieb – ging alles. Und wir waren beide gern gesehen in den dumpfen Krankenstuben.

In früher Jugend so miteinander mit Tod und Schmerz und Qual so nah verkehrend, ist das nicht tief erschütternd gewesen? Bei mir, so empfand ich, baute sich alles in mich selbst hinein. Ich wurde aus den Dingen, die ich sah und erfuhr. Du aber, mein Lieber, wie mir scheint, baust, so hatte ich den Eindruck, neben dir etwas, was nicht zu dir gehört.

Das, was du baust, sehen und bewundern die Leute. Es ist etwas geworden, und dich hat's berühmt gemacht. – Aber selbst bist du's nicht, was ich in mir baute, sehen gottlob die Leut nicht; aber es ist mein! – Mein! Mein!

8 Es ist mein Unsinn – mein Durcheinander, mein Schmerz, mein Schauen, mein mühseliges Wachstum der armen törichten Seele. Ich bin's!

In jener Zeit allererster Jugend und der großen, großen Liebe lernte ich mit Grauen den leidenden, angefressenen, Ekel erregenden Menschenkörper kennen, das Welken und Verderben.

Man kennt das geheimnisvolle trübe Lied vom Wachsen und Welken auch in der starken Jugend. Aber es wird da nicht für uns gesungen. Wir hören das Sterbeglöckchen zu sonniger Sommerstunde in der weiten duftenden Luft. – Es wird nicht für uns geläutet, für irgend einen. Es läutet, damit wir uns freuen.

Ich aber habe die welke Haut mit ihren Wunden und Qualen gegriffen. Ich kenne die verkrüppelten, arbeitsmüden Glieder. Die verfallenen Lippen haben mir den mühseligen Atem in die Ohren geschnauft. Ich habe unsagbare Furcht empfunden. Wenn wir im holpernden Wägelchen, das so unvergeßlich nach uraltem Leder und unserer kleinen Scheuer roch, von den Krankenbesuchen heimfuhren, hast du mich oft in heißer Liebe an dich gepreßt, als wäre deine Zärtlichkeit, deine Lebenslust dir doppelt erwacht, nach Eindrücken, die meinen Lebenswillen erstarren ließen.

9 Befremdend erschien mir deine Liebe in diesen bangen Stunden, und ich suchte bei dir Hilfe in meinen Ängsten.

›Dummes Zeug‹, sagtest du. Alle Schrecknisse gingen dich, deine Person nichts an; sie waren der ganz bekannte Weg, auf dem du deinem Ziele zustrebtest, ja, sie waren dir notwendig. Du warst der Arbeiter – sie waren dein Arbeitsfeld. So wenig berührten sie dein inneres Leben, als wärst du aus anderem Stoffe als deine armen Sterbenden.

Ja, – das erstaunte mich damals. Du konntest mich nicht trösten. Wir verstanden einander nicht, – trotz aller Liebe.

In jener Zeit tiefer Melancholie, und der Erkenntnis des Wachsens und Welkens, war jeder Augenblick mir durchdrungen vom Bewußtsein, daß der Tod da war. Das Gegenwärtige erlebte ich als schon vergangen. – Ich selbst erschien mir oft als schon vergangen. Und auch du, mein Lieber, erschienst mir so. Ich sah durch alles hindurch, als wäre es nicht da. Rätselhaft war mir die Zeit geworden, verdächtig, ein wunderlicher Betrug unserer Sinne. – Verdächtig und traurig wie alles.

Ich liebte mich damals nachts in zarte, sehr lange weiße Nachtgewänder zu kleiden, die mir über 10 die Füße fielen. Ich hatte sie mir selbst genäht, und es war mir wie ein Bedürfnis, abends vor Schlafengehen still in ein so langes weites Gewand gehüllt, auf meinem Bette zu liegen und zu denken, daß alles, alles was atmet, sterben muß. Dieser einfache Gedanke war unerschöpflich für mich, zog mich an wie ein Meer, und ich schaute den Wellen gleichsam zu und ihrem ewigen Auf und Nieder.

Ich wußte nicht, stimmte mich dies bange Schauen traurig? – es war ein ganz eigentümliches, auflösendes Empfinden. Nicht Todesangst – aber der Tod war da – unendlich, unsagbar groß; vor ihm neigte sich alles wie ein Ährenfeld im Winde.

War ich damals krank?

Du, mein Lieber, fandest mich nervös –. – Ja, wenn krank sein weniger dumpf empfinden als gebräuchlich heißt, so war ich krank. Unser erstes Kindchen machte sich damals auf den Weg und starb wenige Tage nach der Geburt. – Es hatte sich an dem Todesbewußtsein seiner Mutter vergiftet. – Ich dachte damals: es hat sich gerettet. Es wollte nicht auf dieser Welt des Todes bleiben. Du, mein Lieber, ahntest wenig von dem schweren, schweren Schauen deiner Motte, – so nanntest du mich, weil ich mich grau zu kleiden liebte, wie ich es heute noch liebe.

11 Du warst gut, ein so zärtlich besorgter Gatte und Arzt – so ein guter Mensch.

Mir kam es ganz eigentümlich vor, mit welcher Hoffnungsfreudigkeit du unserem Kinde entgegensahst, du, der den sicheren Tod und das sichere Elend alles Lebens täglich unter den Händen hattest.

›Motte,‹ sagtest du in jener Zeit der Erwartung, ›es wird ein strammer Bub, mein Schatz.‹ Ich sehe und hör dich noch. Unbegreiflich, dachte ich, wie sie alle schlafen, die Menschen. – Und ich beneidete, wie ein Schlafloser, deinen tiefen, tiefen Lebensschlaf.

An all das denk ich heut.

Ein Mensch, der mich liebt und der mir lieb ist, ging diesen Abend hier aus jener Türe. Ich sah den Kampf seiner Seele, als er nur sagte, was er mir sagen mußte. Ich habe ihn reden lassen, schön sah er aus, wie es uns stumpfen Tieren, in unserer Ekstase vergönnt ist, auszusehen.

Und ich? Aus einem kühlen Zimmer hinaus in den blühenden Sommer!

Leben! – Ganz unschuldig leben! Große süße Freude!

Das schreibe ich – so wie die Sonne scheint und der Regen fällt – ich – die glückliche Frau? 12 Aber wie soll ich's sagen? Es ist einfach wahr. Ich finde auf Erden nur Liebe lebenswert.

Heilige geheimnistiefe Worte: ich liebe dich. – Und zu sagen: ich liebe dich! Was ist dagegen alle Musik der Erde?

Gott gebe, daß ich niemandem wehe tue.

Aber daß du mich liebst! du Lieber, ist eine wundervolle Freude! – Ich ging, jetzt flieg ich. – Ich sprach – jetzt sing ich. – Ich atmete – jetzt lebe ich glückselig. – Das kann ich mir nicht verschweigen, trotz allem, – allem – allem.

Ich kenne ein Grab unter dem schönsten Lindenbaum; da ruht mein Urgroßmütterchen. Sie starb jung. Ein dicker Strähn lichtbraunen Haares ist von ihr, durch drei Generationen, auf uns gekommen. Es ist so sein wie Seide – und duftete nach welken Rosen. Diese schöne Urgroßmutter liebte ich, als aufblühendes Kind. Der wundervolle Lindenbaum war, so glaubte ich, aus ihrem Herzen gewachsen. Die goldenen Blüten und das Bienengesumm des mächtigen Baumes im Sommer waren mir ihre Träume, – die süßen heiligen Worte, die sie nie vergessen hatte. Ich sah die zarten Wurzeln des herrlichen Baumes im Grund der Erde, wie ein goldenes Netz die schneeweißen Knöchlein umfangen halten, wie ein Heiligtum.

13 O, du heiliges Urgroßmütterlein im goldenen Netz. Jeden Sommer flocht ich dir einen Rosenkranz und hing ihn an den Lindenstamm. Das war der Gruß meines jungen lebendigen Blutes – an dein Blut, das von dir weg in den tausend goldenen Blüten blühte.

Was sagst du Urgroßmütterchen? Gleichgültig zueinander, so nebeneinander im Alltag, im Gedränge der armen wichtigen Dinge dieser Erde. Und Liebe gekannt? Ganz in Liebe gelebt! Ist das etwas für uns beide, Urgroßmütterchen? Du, die in tausend und tausend goldenen Blüten heute noch blühen muß, – sag, was ist das für ein Leben? Kann da Gott weiß was trösten?

Was meinst du denn? Du hast auch im Leben nicht tot sein können? Hast tot nicht tot sein können. Das können wir beide nicht – du und ich nicht! – Nicht wahr, du verstehst mich? Ein geliebter Mensch, der mich wieder liebt! – Großes seliges Glück! – Urgroßmütterchen! – Urgroßmütterchen! – Deinen Kranz vergeß ich nicht – und ich vergaß ihn, denn ich war selbst tot. 14

 


 

Mir ist alles so gegenwärtig heute. Sonnige Kindertage ziehen an mir vorüber. Die kalten Regentage unserer Kindheit aber sind für immer verschwunden. Kirschenzeiten und quäkendes Blasen von Jahrmarktspfeifchen hör ich und sehe einst geliebte angenehme Kleider – und höre teure Stimmen und empfinde Gerüche, die ich mochte. Alles ist so liebenswert, so sehnsuchtswert.

Dann wieder lebe ich in der gesegneten Zeit, als ich mein zweites, mein einziges Kind erwartete – meinen Herzensbuben. – Ich fühle, wie er mein Leben trank.

Nie träumte ich davon, daß er, wie die Welt es nennt, ein berühmter Mann werden sollte; aber ein Mensch mit weitem, weitem Herzen und großen Augen, ein verstehender, weiser Mensch, der das Leben in jungen Jahren heiß an die Brust drückt, der die schöne wehe Welt schaut und bald durchschaut, und der in späteren Jahren wehmütig ruhig das heißgeliebte Leben von sich läßt ohne Leid, wie einen Freund, über den hinaus er gewachsen ist.

Ach, mir ist wohl heut und sonnenleicht. Geliebt sein mit neuer Liebe!

Und es ist meine Sache! Ganz und gar nur meine Sache, daß ich mich freue. Niemand soll leiden. –

Ja, ich denke auch an die ganze Zeit, als Friedel 15 mein Kind wurde, eine so gesegnete Zeit. Überwunden war die junge starke Melancholie, die den kleinen Schatten eingesogen hatte. Als Friedel mit dem Leben anzubändeln begann, war es Mai, Daseinslust. Ich hatte mich an der Natur festgesogen, weil man sich ihr hingeben muß, weil nichts anderes da ist. Ich hatte das kinderhaft gläubige Gefühl, es wird schon recht sein. Die Wellen, die ich so fürchtete, trugen mich. Ich wurde viel ruhiger und besser. Eine große Harmonie war zwischen meiner und Friedels Seele, schon vor seiner Geburt. Ich gab ihm was ich geben konnte, an Friede und Gelassenheit. Ja, ich gab ihm mehr als ich hatte, was ich nur ahnte, bekam er als vollendet, so wunderlich das klingt.

Er hatte große Macht über mich. Ich fühlte mich nur für ihn da und hatte das Empfinden: was ich ihm jetzt nicht tue, kann ihm nie getan werden, und sollte ich sterben, würde er doch ein reiches Erbe seiner Mutter haben.

Mir schien diese Zeit überschwenglich selig, wie einem Künstler seine große Schaffenszeit.

Und ich weiß es, Friedel hat seine Erziehung, die innigste Erziehung zum guten, seelischen Menschen vor seiner Geburt erhalten.

Welche geheimnisvolle Macht ist uns Frauen 16 gegeben über Leben und Tod, über Gut und Böse, über Weise und Töricht.

Die Menschen aber leben im vollsten Barbarentum gesegnet dahin. Alles was rein menschlich ist, ist mit dem Beile zugehauen zu niederstem Gebrauche bestimmt.

 


 

An einem andern Abend.

Allein in meiner Muschelschale! – Gottlob bei sich selbst zu Haus ist's heimisch! so süß heimisch. – Alles so nah bekannt. Vor sich selbst fürchtet man sich doch nicht. Man kann mit sich selbst so traulich verkehren, alles Fremde ist fort – man kann so dumm sein und so klug sein, wie man will und so sündhaft und heilig wie's einem gefällt. Man ist gut mit sich selbst. – Gottlob. Man hat ein Nest.

Und was hat man denn weiter als sich selbst? Alles andere ist fremd.

Nur das: ich liebe dich, so wie du mich. – Nur das ist Leben, wirkliches Leben! Alles andere ist tiefste – tiefste Einsamkeit.

17 Nur dann sieht und hört man einander, nur dann weiß man voneinander – nur dann.

Alles andere ist tot –, ist Traurigkeit, ist Suchen, ist Weinen. Gute Nacht.

 


 

Es sind sanfte Tage vergangen. – Friedel ist viel bei mir. Ich sagte zu ihm: ›Friedel, liebst du mich?‹ ›Da braucht's kein Geschwätz, Muttchen,‹ antwortete er so treu und ruhig. Nein, bei uns braucht's kein Geschwätz gottlob.

Was für ein wundervolles Geschöpf ist es. – Heute saßen wir am Vormittag miteinander im Gärtchen.

Wie liebt er die Tiere, jedes Geschöpf!

So einen armen Regenwurm trägt er auf seinen Händchen und spricht mit ihm: ›Du wunderliebes, du herziges Viechlein! Wie schön bist du! Wie lieb!‹

Als ich den Wurm über den Zaun warf, da sagte er. ›Jetzt wirft sie meinen allerliebsten Wurm fort.‹

Spinnen nennt er Freunde. Freund Spinne. Solche Freunde im Garten besucht er der Reihe nach und schaut ihnen andächtig zu und spielt, daß er 18 selbst einen Faden im Bäuchlein hat und über den ganzen Garten hin ein Netz spinnt.

Er denkt so wunderlich einfach und klar. Als ich ihm neulich sagte. ›Ich komme in einer Viertelstunde zurück,‹ da frägt er.

›Meinst du eine fröhliche oder eine traurige Viertelstunde? Die fröhliche ist viel kürzer.‹

›Eine fröhliche,‹ sagte ich.

Neulich sahen wir Frühlingsblumen, und er meinte mit seinem süßen Stimmchen: ›Blumen haben eigentlich die größten Seelen, denn sie können nicht sprechen und nicht schimpfen.‹ Er ist unendlich friedliebend und von so tiefer Scheu: ›Denk dir wie drollig, wenn ich unartig bin, schäme ich mich gar nicht, kein bißchen, – aber gar nicht. – Und wenn ich gut bin, schäme ich mich. Und es sollte doch verkehrt sein.‹

Noch ist er nicht sechs Jahr, und schon hab ich ein Büchlein voll wunderlicher schöner und kluger Dinge, für die sein scheues Seelchen Worte fand.

Wie hell denkt so ein Kindchen. Wir werden erst künstlich dumm gemacht. So dumm wie wir alle sind, sind wir gar nicht. 19

 


 

Samstag abend.

Heut abend ging ich heim am englischen Garten hin. Die Nebel lagen auf der Wiese in langen duftigen Streifen. Die Bäume standen in unaussprechlich knospender Weichheit. Die Luft herb und frisch von all dem Erstlingsleben, an dem sie vorbeigestrichen.

Aus manchem der Häuser klang Musik, und ich sah, als ich vorüberging, durch niedere Fenster einsame Frauchen am Klavier und sah ein Bewegen ihrer klugen und geschickten Hände und hörte die Töne, durch die sie sich in stiller sanfter Stunde wohltaten. Oft hab ich schon dies traute, abendliche Spiel im Vorübergehen gehört: aber heute erschien es mir so lieblich, so lebenswert, so heimisch. Wie gut, dachte ich, daß es solche Frauen gibt, die zwischen ihren Lichtern sitzen und sich an sanften schönen Tönen freuen – und draußen liegt der Nebel auf den Wiesen, und in der Stadt hetzen die dummen lauten Leute – und die Frauchen in ihrer Stille, genießen das süße, sanfte schöne Leben, vermengen ihre Seele mit den reinen Tönen, tauchen darin unter.

Ich fühle mich den einsamen Spielerinnen so nah.

Mein Herz spielt mit seiner Liebe. Mit dem 20 sonnigen Gefühl, geliebt zu sein. Es spielt Melodie auf Melodie.

Mir ist, als wäre ich in der Stille zu einer zarten Lebenskünstlerin geworden, als spänne ich aus dieser Liebe ein Kunstwerk, an dem ich mich freute, etwas Leichtes – Schwebendes und doch sauge ich Sonnenkräfte in mich ein. Das Leben liegt schön und groß vor mir. Ich freue mich an allem. Ich fühle und sehe alles so lebendig, dringe tief in das Wesen der Dinge. Ja ich lebe! Ich bin lebendig! Und freue mich am Leben. Ich weiß alles – alles – alles! – Ich weiß Friedel – ich weiß meinen Professor – ich weiß ihn und mich selbst!

Aber kann ich denn sagen: Geh heute schon an mir vorüber! – Kann ich's? – Ich werde es einst sagen müssen – ich werde es einst sagen müssen!

Auch er weiß das –. Auch er!

Aber er fühlt auch, was er mir ist.

O – du Welt mit deinem kurzen Leben und deinem langen Tod! Wie kann ich mich von ihm trennen? – Heute nicht! Nein, heute nicht.

Ich muß mich gewöhnen zu sagen: er gehört dir nicht – und wie er mir gehört!

Zwischen den Tausenden kalter Menschen, die man nicht ansieht – der eine! den man so ganz, ganz in 21 sich hineinsieht – der einzige, der lebendig ist! Der einzig Wohltätige, der einzige! Der einzige, der ein Gesicht hat – der einzige, der sprechen kann – der einzige, dessen Berührung Leben ist – wie kann man sich vom einzig Lebendigen trennen?

Aber noch nicht – – heut noch nicht! Heute? – Nein – – nein! Mein Gott, behüt uns.

Heute abend kam er zu mir und sagte:

›Ich möchte Sie nur so ganz einfach ruhig und glücklich sehen. – Das soll das Ziel meiner Liebe zu Ihnen sein. Sie sind wie ein einsames Kind, – und sind doch Heimat für mich. – Für mich gibt's nur Heimat oder Sehnsucht nach Heimat –. Ich bin kein Mensch für die Fremde.‹

Er war heut tief erregt. ›Weißt du, Liebe ist eben Liebe – ganz einfach Liebe,‹ sagte er, ›und wenn du noch so sanft bist und wie ein Mondstrahl über mich hingleitest.‹

Er stand auf und ging heftig durchs Zimmer und dann sank er vor mir in die Kniee und verbarg sein Gesicht wie aufschluchzend in meinen Kleidern.

›Laß mich still bei dir sein –. Das liebste wäre mir, ich könnte so bei dir einschlafen, du machst mich müde.‹

›Müde?‹

22 ›Ja, müde.‹

Ich wär ihm gern über das Haar gestrichen, es lag eine süße Wonne in dem Wunsch, es zu tun. Ich mußte meine Hand an mich drücken, um es nicht zu tun. Sein Haar hatte meine Wange schon einmal zart berührt, und es waren Lebensströme über mich hingeglitten.

›Weißt du,‹ sagte er, ›ich verstehe nicht, daß du nicht mein bist. Ich weiß alles – ich bedenke alles – aber verstehe nichts – will nichts verstehen.‹

Er hob seinen Kopf und richtete sich auf.

›Sonderbar, du hast mich bei dir ruhen lassen wie du Friedel bei dir ruhen läßt, aber wie konntest du's übers Herz bringen, deine Hände nicht auf mein Haupt zu legen? – mich so zu segnen! – Ich hätte das nicht gekonnt.‹

Er sprach wie ein Kind, so einfach und auch die große Traurigkeit, die in seinen Worten lag, klang wie die Traurigkeit eines Kindes.

Dann nahm er meine beiden Hände in die seinen, stand so vor mir und schaute mich an.

›Du sollst ganz ruhig sein. Du sollst durch meine Liebe nur Freude haben. Erlösung von allem. –

Ich spreche wie aus dem Schlaf heraus, wie betrunken. – Verzeih. – Ich fühle dich so urlebendig. 23 Du gehörst zu mir Unberühmtem, zu dem, der sucht! Du solltest mein Kamerad sein, mein Schatz, mein Kind.‹

Ich machte meine Hand, die er weich hielt, aus den seinen los – und sah ihn an, traurig und fern.

›Nein – nicht traurig, dankbar sollst du sein. Daß du so geliebt wirst –‹

Ich dachte:

Was ist so ein geliebter Mensch für ein wundervolles Ding. Ich sehe ihn und denke: ja, er ist der einzige auf Erden! Ich höre ihn und möchte die Stimme halten, sie spielt auf meiner Seele wie auf einem mittönenden Instrument. Alles ist Jubel! Und die zarteste Berührung ist Offenbarung einer fremden, vorüberrauschenden, liebenden, lebendigen Welt. Ein Meer von Feuerempfindungen, in dem wir versinken.

Daß sich die Geschöpfe Gottes so genießen können!

Das ist wert zu leben. Mensch zu sein, Weib zu sein, Mann zu sein. Ich verstehe, daß die Götter Menschen wurden. – Oder wurden sie's nicht?

O, du wunderbare Welt, voller Grauen und Wonne! Lebendig sein! Lebendig sein!

Und wer es verstände, leichtfüßig auf dieser Welt zu stehen, mit beflügelten Sinnen – wer nicht bis zum Gift dränge und nicht bis zum Feuer. Wer die 24 Dinge dieser Welt mit den zartesten Fingerspitzen berühren könnte, in denen alles Leben, alle Nerven fibrieren. Wer in einem Hauch den Sturm spüren könnte, in einem zarten Gleiten alle Schrecken und Wonnen der Welt! –

Er sprach mit mir von seinen Plänen, mit demselben Feuer, mit dem er sagte, daß er an mir hinge mit der ganzen Kraft seiner Natur.

Ja, ein paar Buben wollte er draußen auf dem Lande erziehen zu gesunden Menschen, zu ganz einfachen Menschen; – ›und will alle Kräfte daran setzen und nichts weiter auf Erden wollen‹.

Unbeschreiblich wie er das aussprach, bescheiden und stark und voller Zuversicht.

›Ich will ihnen die Nerven schützen,‹ sagte er. ›Ich will ihnen zeigen, wie man wohl und stark diese grüne Erde lieben soll, und was man darauf tun soll, und daß uns nichts gehört auf Erden, als unsere lebendige Seele. Und weißt du, was unser Gebet sein wird, mit dem wir den Tag beginnen werden und beschließen: möge ich Gott in mir finden, das ist meine Seele, der Tropfen aus dem unendlichen Meere Gott!

›Nicht wahr, schön!‹ Er lachte so unschuldsvoll auf.

25 ›Wie wirst du das aber erreichen können, da wir nicht unter freien Menschen leben?‹

›Ach geh, geh,‹ sagte er eifrig, ›alles geht. Gelehrt bekommen sie, was, Gott sei's geklagt, auf den armen Menschen lastet. Aber wie eine Maske wird ihnen das nur umgelegt, die man nun einmal tragen muß; aber hinter der Maske sollen sie ihr menschlich, göttlich Angesicht haben, – und sollen ohne Scham ihre Maske ablegen können. Sie sollen leichten Herzens arbeiten, mitten in der Natur. Jeder Atemzug muß ihnen sagen: wir sind Erdenmännchen, nicht Schulbankpilze – Schulbankauswüchse. Sie werden an den Schuhen täglich Wald- und Ackererde tragen, und frohe Gedanken im Hirn und frohe stolze Herzen sollen sie bekommen.‹

Das alles ist's was mich zu ihm hinzieht. Er ist durchdrungen und erfüllt von seiner Idee, er arbeitet wie mit doppelten Kräften, um allem, was von ihm verlangt wird, gerecht zu werden. Dabei stammt mein Guter aus armer altadliger Rasse-Familie.

Er hat den Vorteil des Rassemenschen; aber sein Aus-der-Art-geschlagen-sein hat ihn schon nervös gemacht und unduldsam bis zur undisziplinierten Bosheit. – Wir plaudern glücklich über dies und jenes, 26 da kommt ins Zimmer irgend jemand, den er vielleicht nicht mag, und seine Züge werden nervös gespannt, seine Farbe wechselt, alle Güte ist verschwunden. Dann tut er mir so leid – ich spüre den Riß in dieser prächtigen Natur.

›Es wäre gut,‹ sagte ich ihm bei so einer Gelegenheit, ›wenn Sie von Bauern abstammten.‹

›Ah, ausgeruht,‹ sagte er, ›sind meine Eltern und Ahnenleute unglaublich, ausgeruht seit Jahrhunderten, aber verwöhnt, dienen haben sie nicht gelernt, und ihre guten Formen haben sie sensibel gemacht und ungerecht und zwei Generationen langes Sparen und Klügeln auf ihrem Besitz, der nicht abwarf was sie brauchten, hat sie verdrießlich gemacht und unausstehlich.‹

›Ach, meine liebe, liebe Frau,‹ sagte er an diesem stillen Abend. ›Komme ich dir nicht dumm vor, bin ich dir angenehm? Stell dir vor: ich mag mich. Ich gefall mir oft. Ich bin mir gar nicht widerlich – und bin doch so empfindlich. Ich möchte es laut hinsingen, daß ich dich liebe. Sag, wie kann nur all diese Freude in einen Menschen gehn?‹

Wundervoll erschien er mir. Wie einfach er spricht; aber erst seit jenem Abend, seit er mir sagte, daß er mich liebt.

27 Vordem sprach er meist wenig, und was er redete, begleitete er mit einer Art Lächeln, das ich umsonst zu deuten schien. Jetzt erst scheint es mir nachträglich verständlich, als hätte er sagen wollen, ich sage ja nicht das, was ich sagen will. Was wollt ihr denn von mir? Ich bin ganz anders als ihr glaubt. – Laßt mich doch. Ich kann nur mit jemand reden, der mich liebt, weil er mich versteht. Alles andere ist unnatürliche Pein.

›Laß uns zu Friedel hinaufgehen,‹ sagte er. ›Ich möchte ihn schlafen sehen.‹

Und er sah ihn schlafen.

Er kniete vor des Kindes Bett und drückte die kleinen warmen Hände an seine Lippen.

›Dein Kind ist mir unsagbar lieb. Durch ihn lieb ich jetzt die Menschheit. So ein herrliches Geschöpf bei sich haben und dafür leben. Gibt es etwas Göttlicheres! Wie wunderbar die Frauen! Die größte Liebe sich selbst geboren zu haben, das, was das ganze Leben mit unauslöschlicher Wonne und Schöpferkraft und Seligkeit erfüllt!

Was seid ihr für gottbegnadete Geschöpfe, heilige wandelnde Mysterien. Die schönsten Gottideen! Aus sich heraus die geliebte Welt schaffen!‹

›Und wer weiß das, so ganz wie man die Dinge 28 wissen müßte, vom innersten Herzen aus.‹ ›Wir wissen ja alle nichts. Undurchdringlichkeit ist über diese Welt gebreitet, die alles erstickt und erdrückt. Niemand ahnt bis auf den Grund, ja nicht bis zur leichtesten Oberfläche das Grauen vom Einander-Vertilgen und -Zerstören – und die Wonne des Einander-Genießens wissen sie auch nicht.‹

Er legte seinen Kopf neben Friedels Kopf.

›Sie wissen alle von sich selbst und vom Leben so wenig.‹

Ich erzählte ihm flüsternd, um Friedel nicht zu stören, eine rührende Geschichte: Wir fanden eine zertretene Schnecke, die sich zusammenzog, da gab es heiße Tränen bei Friedel.

Er wollte die Schnecke trösten und sprach zu ihr. Auf einmal sagte er ganz fest: ›Die kann nicht mehr erlöst werden, – töte sie!‹

Ich tat es, und er sagte: ›Nun tragen wir das bißchen ins kühle Wasser. Vielleicht spürt sie doch noch etwas Gutes.‹

Ganz traurig meinte er:

›Ich habe geglaubt, alle Tierlein können erlöst werden. Das ist aber nicht so.‹

Gibt es etwas Bewegenderes als ein Kind, das zum ersten Mal die Qualen der Welt ahnt?

29 Erwin küßte seine blonden Locken, die ausgebreitet wie ein Büchel Staubfäden einer großen Wunderblume auf dem Kissen lagen.

›So etwas muß auch Schmerzen kennen lernen und Qual und Nöte aller Art! Weißt du, ich gehe jetzt –‹ sagte er zu mir, ›ich renne – ich laufe – wie ein Besessener. Ich hätte nie geglaubt, daß so eine Liebe, wie ich sie zu dir fühle, solch ein Brand würde.

Wenn ich jetzt nicht rennen könnte, wenn ich den Fuß bräche! – Stell dir vor, was aus mir würde! Sei nur sanft und kühl zu mir – ich kenne dich doch, ich weiß, wie du bist. Ich fühle dich. – Ich bin ja auch nur gekommen, dir zu sagen, daß du so ganz einfach ruhig und glücklich sein sollst, daß dies das Ziel meiner Liebe zu dir sein soll.

Du lächelst.‹ Auch er lächelt. ›Sag deinem Manne, ich brenne sein Haus nicht an – ich schlepp ihm Frau und Kind nicht davon, trotzdem ich nicht übel Lust dazu hätte.‹ Er küßte mir die Hand und fort war er. 30

 


 

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