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Das Halsband des Kaisers

George Webb Appleton: Das Halsband des Kaisers - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorGeorge Webb Appleton
titleDas Halsband des Kaisers
publisherVerlag von Robert Lutz in Stuttgart
printrunDritte Auflage
translatorHeinrich Müller
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130903
projectidd58dc5f3
wgs9121
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Siebtes Kapitel.

Den folgenden Morgen nach dem Diebstahl war Inspektor Beale schon sehr früh auf und vollzog zuerst eine genaue Prüfung des Gewächshauses und des zerbrochenen Fensters. Die Oeffnung war gerade groß genug, um das Durchbringen eines Armes oder irgend eines kleinen Gegenstandes zu gestatten. Es würde jedoch schwierig sein, eine unbehandschuhte Hand im Dunkeln zwischen den gezackten Rändern hindurchzuführen; das war ganz klar. Und nun machte er eine seltsame Entdeckung. Zwischen andern Fußtapfen, die auf den feuchten Steinen hinterlassen waren, fand sich eine Reihe, die sich vom angrenzenden Zimmer nach dem zerbrochenen Fenster und wieder zurück erstreckte – eine Reihe flacher Eindrücke, wie sie nur Hausschuhe, aber nicht Hackenstiefel oder -Schuhe machen können. Mit einem Messer kratzte er, so daß sie durch Wasser nicht entfernt werden konnten, die genauen Umrisse mehrerer dieser Eindrücke ein und schrieb dann etwas in sein Notizbuch.

Hierauf ging er nach draußen und fand keine gleichen Fußspuren unter der zerbrochenen Scheibe; er erwartete das auch nicht, aber da war der tiefe Eindruck nägelbeschlagener Schuhe, den er zuerst sorgsam abmaß und dann quer über die Terrasse, den Fahrgang hinunter und endlich auf die offene Landstraße verfolgte.

Im ganzen keine schlechte Morgenarbeit! dachte er, als er nach dem Schloß zurückkehrte.

Nach dem Frühstück, bei dem Lady Selhurst nicht erschien, hatte er mit Sir John eine lange Besprechung im Studierzimmer. Dann schickte er nach François, dem Kammerdiener, und als er auf den ersten Blick sah, daß er Hausschuhe trug, begnügte er sich mit einer oder zwei Gemeinplatzfragen und entließ ihn mit einem ermutigenden Lächeln. Dann fuhr er in einer kleinen Ponychaise, die vor der Tür auf ihn wartete, nach Addlehead.

Jimmie Selhurst hatte die Gelegenheit abgepaßt, er war bis zum Parktor hinuntergeschlendert. Hier fing er ihn ab.

Kann ich im geheimen ein Wort mit Ihnen sprechen? fragte er.

Inspektor Beale sprang sofort von der Chaise herunter und ging außer Hörweite des Stallknechts zurück.

Ich weiß etwas, sagte Jimmie; das ist alles. Wann und wo kann ich Sie sprechen?

In Scotland Yard, Punkt neun heut abend. Fragen Sie nach mir, war die lakonische Antwort, und dann war Herr Beale wieder auf und davon.

In Addlehead angekommen, sandte er die Chaise zurück und ging zuallererst nach der Polizeistation, um den Kommissar zu sprechen.

Dort drüben ist ein Mensch verdächtig, sagte er, ich wünsche, daß der Kammerdiener François beobachtet wird.

Richtig, der, welcher sich in den Finger geschnitten hatte?

Ja. Er muß Tag und Nacht bewacht werden. Ich wünsche, daß seine geringste Bewegung sorgsam beobachtet und mir gemeldet wird. Ist jemand da, der das tun kann?

Ich habe gerade den Rechten dafür, und er kennt auch jemand im Hause, Herr – Unterröcke.

Das ist das allerbeste. François trägt Hausschuhe, vielleicht wird er zufällig einen verlieren.

Und unser Mann wird ihn finden. Gut. Haben Sie sonst noch Befehle?

Ja. Es werden sich die Eindrücke von nägelbeschlagenen Schuhen außen vor dem zerbrochenen Fenster finden. Ich verfolgte sie bis zur Gartenmauer; vielleicht können sie noch weiter verfolgt werden. Es muß auch herausgebracht werden, wer im Schloß solche Schuhe trägt. Das ist alles. Auf Wiedersehen morgen!

Sein nächster Besuch galt dem Bahnhof. War jemand am vergangenen Abend mit einem Retourbillett erster Klasse von London her etwa mit dem 6 Uhr 15-Zuge angekommen?

Ja, ein großer, militärisch aussehender Gentleman war mit einem Zuge angekommen, und das halbe Billett, das er abgegeben hatte, wurde vorgezeigt.

Inspektor Beale verglich es mit dem, das er in seiner Tasche hatte, und fand, daß sie übereinstimmten.

Ich bin Inspektor Beale von Scotland Yard, sagte er. Ich werde dies hier behalten und Sie wahrscheinlich rufen lassen, um es zu identifizieren.

Der Stationsvorsteher verbeugte sich. Hat es etwas mit dem Diebstahl zu tun? fragte er.

Ja, eine Menge, denke ich mir. Nun, sah jemand, nach welcher Richtung der Gentleman ging?

Der Portier trat heran und faßte an seine Mütze.

Er fuhr in einer Droschke ab; der Kutscher ist grade draußen.

Der Kutscher wurde vorgeführt und bestätigte, daß er den Herrn erst nach dem »Bären« gefahren hätte, dann nach dem »Schachbrett«, etwa fünf Minuten Weges zu Fuß vom Schloß entfernt; dort hätte er etwa eine halbe Stunde gewartet und ihn dann im schärfsten Galopp zum Londoner Zug nach dem Bahnhof zurückgefahren.

Der Portier erinnerte sich, daß der Herr über den Perron stürzte und in den schon abgehenden Zug sprang. Er kaufte kein Billett.

Alle drei sagten, sie würden ihn sofort wiedererkennen.

Es kam gerade ein Zug; Inspektor Beale stieg ein und am Westbourne Park aus.

Der Billettkontrolleur dort erinnerte sich ganz genau eines Herrn, der das Fahrgeld erster Klasse von Addlehead ab nachbezahlte; er würde ihn sofort wiedererkennen.

Dann fuhr der würdige Inspektor, im Bewußtsein, etwas Ausgezeichnetes geleistet zu haben, nach Scotland Yard zurück.

Innerhalb weniger Stunden war jeder Pfandleiher und Edelsteinhändler im ganzen Königreich von dem Diebstahl in Kenntnis gesetzt worden, während an den Mauern jeder Polizeiwache der Metropole durch große Anschlagzettel angekündigt war, daß eine Belohnung von 500 Pfund für die Festnahme und Ueberführung des Diebes und die Wiedererlangung der gestohlenen Sachen gezahlt werden würde. Dies war auf Sir John Selhursts ausdrücklichen Befehl geschehen.

Pünktlich um neun Uhr kam Jimmie Selhurst in Scotland Yard an und wurde sofort durch viele gewölbte Korridore und über viele Steintreppen hinauf in Inspektor Beales Zimmer geführt.

Sie sind pünktlich, Herr, sagte der letztere, indem er von seinem Schreibtisch aufblickte.

Sie sagten Punkt neun, glaube ich, entgegnete Jimmie.

Gewiß. Bitte, nehmen Sie Platz. Nun, heut morgen sagten Sie mir – wie waren doch Ihre Worte? Ach ja! daß Sie etwas wüßten. Nun, was ist es denn?

Jimmie Selhurst, ein eben flügge gewordener Anwalt vom Middle Temple und dazu ein etwas hochfahrender junger Mensch mit einer Stülpnase, rückte sein Augenglas zurecht und sah den ländlich aussehenden Gentleman vor sich überrascht an. Er war es nicht gewöhnt, in dieser kurzen Weise angeredet zu werden.

Ich fürchte, Herr Beale, sagte er dann, ich fürchte sehr, daß Sie nicht wissen, wer ich bin.

Ich habe nicht das Vergnügen, das versichere ich Ihnen. Ich weiß nur, daß Sie gestern abend da unten waren. Und er bewegte seinen Kopf in der westlichen Richtung.

Gestatten Sie mir, sagte Jimmie, Ihnen meine Karte zu geben. Ich bin Rechtsanwalt und zugleich auch der gesetzliche Erbe der Baronetschaft Selhurst und ihrer Ländereien.

Schau an! sagte Beale. Nun, dann sind Sie natürlich in Sir Johns Interesse hier.

Reine Spur. Seine Interessen soll der Kuckuck holen!

Beale witterte sofort ein Geheimnis.

Ha! sagte er; Sie machen mich neugierig. Sie wissen vielleicht etwas, das mir entgangen ist?

Ich glaube, ja.

Beale kam näher mit seinem Stuhl heran.

Sie meinen, setzte Jimmie fort, daß Sie den Dieb erkannt haben, aber Sie sind im Irrtum, ganz und gar auf der falschen Fährte. Sie halten den jungen Mann, der sich den Namen Berry gab, für verdächtig, nicht wahr?

Ja, weil alle Gründe dafür vorhanden sind. Alle Beweispunkte deuten auf ihn hin.

Es mag Ihnen so vorkommen, aber ich sage Ihnen, daß er nicht diese Diamanten stahl.

Der Inspektor lächelte sarkastisch.

Sie scheinen sehr sicher darüber zu sein, sagte er. vielleicht wissen Sie auch, wer sie stahl.

Das nicht, aber ich habe eine Idee. Das gehört jedoch gegenwärtig nicht zur Sache. Ich kenne zufällig Herrn Berry sehr gut. Er war nämlich ein alter Schulkamerad von mir, und was er letzte Nacht stehlen wollte – ich will sehr offen sein zu Ihnen, ich weiß, daß diese Mauern wenigstens keine Ohren haben –, was er stehlen wollte, waren nicht der Lady Juwelen, sondern die Lady selbst.

Beale pfiff leise.

Jetzt geht Ihnen ein Licht auf, fuhr Jimmie fort, das sehe ich. Nun denn, während er mit der Lady im Treibhaus über seine Liebe plauderte, war oben jemand bei den Diamanten tätig. Unglücklicherweise verfehlte mein Freund den Rückweg und lief in der Halle gegen einen stumpfsinnigen Haushofmeister an; so, da haben Sie die ganze Geschichte in einer Nußschale.

Heiliger Bimbam! rief der Inspektor; dies verspricht eine wunderliche Geschichte zu werden. Sandte die Lady Sie hierher?

Ja.

Und sie wird an dieser Aussage festhalten?

Unerschütterlich.

Hm! Das wird interessant. Es ist verwickelter, als ich dachte. Erinnern Sie sich vielleicht zufällig, ob sie im Gewächshaus war, als die Scheibe zerbrochen wurde?

Ja, sie war dort.

Hörte sie irgend welche Schritte?

Ja, deutlich – auf leisen Schuhen.

Ach! Hören Sie mal, Sie sagen, Sie haben eine Idee darüber. Wer ist der Täter?

Der Kammerdiener François.

Beale zeigte keine Zeichen der Ueberraschung, sondern rieb sich nur nachdenklich sein Kinn und wiederholte:

Der Kammerdiener François. Ja, das stimmt. Er schnitt sich in die Hand mit einem Bierglas. An dem, was Sie sagen, mag etwas sein; und wenn man keine Diamanten bei Ihrem Freunde, Herrn Berry, nachweisen kann, dann natürlich –

Ach, das ist ja das Schlimmste von allem, sagte Jimmie ernst. Er sagte Lady Selhurst, so versichert sie mir, daß er heute eine große Zahl Juwelen, die er von seiner Mutter bekam, verkaufen wollte. Deshalb ängstet sie sich so um ihn.

Inspektor Beales Stirn verfinsterte sich plötzlich, und er dachte folgendes bei sich:

Ich fand jenes Eisenbahnbillett in ihrem Schlafzimmer und nicht im Treibhaus, und er kam, um sie zu stehlen, nicht wahr? Das Pärchen steckt unter einer Decke, daher war sie gestern abend so gleichgültig. Er hat sicher die Diamanten bekommen.

Nun? sagte Jimmie Selhurst fragend.

So steht es, entgegnete der Inspektor, und so fasse ich es zusammen. Es ist eine böse Sache für ihn – eine sehr verdächtige Sache, meine ich –, wenn er heut irgendwelche Diamanten verkauft hat. Aber Diamanten, die aus ihrer Fassung gelöst sind, sind wie Goldstücke – sehr schwer zu identifizieren; doch ich habe eine Liste der gestohlenen Sachen; unter ihnen ist ein Halsband, etwas ganz Außergewöhnliches. Sir John meint, in Europa sei kein gleiches – eine Brillantenschnur mit einem großen blauen Diamanten in der Mitte.

Ein blauer Diamant?

Ja. Das ist ein sehr seltener Stein; und Sie werden selbstverständlich zugeben müssen, wenn Ihr Freund ein solches Halsband verkauft hat oder es wenigstens versuchte, so ständen die Beweise tausend zu eins gegen ihn.

Natürlich, ohne Zweifel. Uebrigens hörte ich bereits von diesem blauen Diamanten. Er ist absolut einzig in seiner Art, glaube ich, und mein Onkel beabsichtigte, ihn ins Fideikommißvermögen aufnehmen zu lassen.

Ah! Da haben wir's! Was kann mehr gesagt werden?

Natürlich, sagte Jimmie lächelnd, und da solch ein unwahrscheinlicher Zufall, daß mein Freund einen blauen Diamanten verkaufen sollte, doch nicht anzunehmen ist, und auch wegen all der Begleitumstände, die ich Ihnen in vollstem Vertrauen berichtete, kann natürlich kein Verhaftsbefehl –

Bis jetzt ist keiner erlassen worden, das kann ich Ihnen versichern, und bis ich nicht –

Da klopfte es an die Tür, und ein Beamter trat mit einem Schreiben ein. Beale öffnete es und riß sofort seine blauen Augen weit vor Erstaunen auf. Es war von seinem Chef, und ein andres war darin eingeschlossen. Der Chef schrieb:

Sie haben den Juwelendiebstahl in der Hand. Lesen Sie gleich!

Die Einlage lautete:

Ich kaufte heut für unsre Firma von einem Manne namens Darrell eine Anzahl Steine und ein Halsband aus wertvollen Brillanten mit einem sehr seltenen blauen Diamanten. Ich möchte gern in Hinblick auf den Selhurstdiebstahl vergewissert sein, ob das Geschäft einwandfrei war oder nicht, damit im verneinenden Falle wir die Auszahlung eines großen an besagten Darrell gegebenen Schecks verhindern können. Eine sofortige persönliche Besprechung würde mich sehr verpflichten.

Ihr ergebener
W. Black.

Jimmie Selhurst, der in des Inspektors Gesicht las, sah auf den ersten Blick, daß etwas nicht in Richtigkeit war – ein Verdacht, der sich sofort bestätigte, als Beale aufsah und in verändertem Tone sagte:

Heißt Ihr Freund Darrell?

Ja.

Sie sagten doch Berry.

Das stimmt nicht. Er nannte sich so im Drang des Augenblicks, vermute ich. Sein Name ist Leutnant Hubert Darrell, von den Buffs.

Auf alle Fälle sind Sie aufrichtig genug, Herr Selhurst.

Ich möchte es in diesem Falle gern sein. Stimmt etwas nicht?

Das weiß ich jetzt noch nicht. Ich bin ein bißchen verwirrt, und ich fürchte, Sie werden mich nun entschuldigen müssen, vielleicht kommen Sie morgen nach drei Uhr wieder zu mir.

Jimmie nahm seinen Hut.

Gut, sagte er. Gute Nacht, Herr Inspektor.

Gute Nacht, Herr Selhurst. Sergeant, schicken Sie den andern Herrn herauf.

Der »andre Herr«, Herr Black, war offenbar in unbehaglicher Stimmung, als er eintrat. Inspektor Beale deutete auf einen Stuhl.

Ich – ich, sagte Black, ich – ich kaufte heut einige wertvolle Edelsteine.

Ganz recht, erwiderte Beale. Ich habe grade Ihren Brief gelesen. Er hielt ihn in die Höhe. Haben Sie den blauen Diamanten bei sich? Das mag genügen. Blaue Diamanten wachsen nicht auf jedem Busch.

Black lächelte schwach und brachte das Halsband zum Vorschein.

Nein, sagte er. Es ist ein sehr seltener Stein, und alles in allem ist dies Halsband ganz außergewöhnlich. Ich habe ein gleiches nur ein einziges Mal gesehen.

Inspektor Beale zog sein Notizbuch heraus.

Sie sahen ein andres sehr ähnliches?

Sehr.

Wo?

In Paris.

Bei einem Juwelier?

Ja, lassen Sie mich ein wenig nachdenken. Nun erinnere ich mich – bei Désparets, Rue de la Paix.

Der Inspektor notierte sich alles sorgsam.

Sehen Sie, erklärte er, es ist sehr gut, diese kleinen Dinge aufzuschreiben. Außerdem ist auch etwas Merkwürdiges bei dieser Sache. Was für ein Mensch war denn dieser Darrell?

Ein schöner, vornehm aussehender junger Mann, über sechs Fuß hoch; und, nebenbei gesagt, dies ist die Karte, die er mir gab.

Beale prüfte die Karte.

Das stimmt alles, sagte er.

Das dachte ich, aber das Seltsamste des Falles ist, daß er mich an seinen Vater verwies – einen alten Kunden von mir –, der in Albert Mansions wohnt. Ich sandte einen Schreiber, um nachzufragen, und die Antwort war vollkommen zufriedenstellend.

Inspektor Beale stand auf und ging einen Moment stillschweigend auf und ab. Dann kehrte er zurück und sagte:

An dieser Sache ist allerlei sehr Sonderbares. Ich habe hier eine Beschreibung der gestohlenen Juwelen, deren wichtigstes augenscheinlich eben dies Halsband ist. Hier haben Sie sie in Sir John Selhursts eigener Schrift, lesen Sie selbst.

Black nahm das Papier, und er war sehr blaß, als er es zurückgab.

Das ist ganz erstaunlich, sagte er. Es ist eine genaue Beschreibung des Halsbandes, sogar die Brillantenzahl stimmt.

Hm! Das verspricht interessant zu werden. Beale dachte einen Augenblick nach. Wie steht es denn mit den andern Dingern? fügte er hinzu. Steine, meine ich, sagten Sie?

Ja, lauter Steine.

Nun, die könnten natürlich sehr schnell aus ihren Fassungen genommen worden sein. Wieviele?

Nahezu vierhundert.

Beale sah wieder in Sir Johns Liste.

Beim heiligen Georg, sagte er, auch das paßt. Es ist verteufelt. Wo, sagen Sie, wohnt der Vater dieses Herrn Darrell – in Albert Mansions?

Ja.

Beale ging ans Telephon. Ich selbst will ihm eine oder ein paar Fragen vorlegen. Haben Sie etwas dagegen?

Tun Sie's auf alle Fälle, sagte Mister Black. Ob ich was dagegen habe? Gewiß nicht.

Fünf Minuten später sahen sie einander bestürzt an. Herr Darrell hatte in einer sehr ärgerlichen Weise bestätigt, daß sein Sohn spät am vergangenen Abend (und zwar nach dem Diebstahl) ihm ein Diamantenhalsband gezeigt hätte, das er nach seiner Behauptung von seiner Mutter bekommen hätte und verkaufen wollte; aber er, Darrell senior, wüßte nicht das geringste von jenem Halsband, hätte nicht einmal bemerkt, daß Frau Darrell je ein solches Kleinod besessen hätte; er könnte nicht verstehen, warum er mit einer Sache geplagt würde, die ihn gar nichts anginge.

Da ist nur eins zu tun, sagte Inspektor Beale. Lassen Sie den Scheck nicht auszahlen. Ich habe so eine Ahnung, als ob es noch nicht zu spät sei.

Ich auch, erwiderte ernst Black. Auf mein Wort, ich kann nicht glauben, daß der feine junge Mann ein Dieb war.

Trotzdem muß ich ihn verhaften, sagte der Inspektor. Aber warten Sie, ich habe eine Idee. Treffen Sie mich morgen früh um halb zehn auf Bahnhof Paddington und bringen Sie das Halsband mit. Wenn sowohl Sir John als auch Lady Selhurst es bestimmt als ihr Eigentum wiedererkennen, dann, natürlich –. Beale zuckte die Achseln.

Dann ist natürlich die Sache entschieden. Und mit dem Versprechen, Mister Beale pünktlich am folgenden Morgen um halb zehn zu treffen, ging der Juwelier.

Fast im selben Augenblick setzte sich Hubert Darrell in keiner angenehmen Gemütsverfassung zu einem einsamen Essen im »Alten Schiff« in Brighton nieder und dachte darüber nach, was ihm nächstens geschehen würde.

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