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Das Halsband des Kaisers

George Webb Appleton: Das Halsband des Kaisers - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorGeorge Webb Appleton
titleDas Halsband des Kaisers
publisherVerlag von Robert Lutz in Stuttgart
printrunDritte Auflage
translatorHeinrich Müller
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130903
projectidd58dc5f3
wgs9121
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Erstes Kapitel.

Leutnant Hubert Darrell von den Buffs, die damals in Simla standen, war in heftiger Unruhe. Ueber sechs Monate lang hatte er keine Briefe aus England bekommen, und seine Angst war groß, denn in so weiter Ferne erwartet einer natürlich sehnlich Nachrichten von den nächsten und teuersten Angehörigen: von der Mutter, die ihn geboren, vom Weibe seines Herzens, oder von dem Mädchen, das ihm Treue gelobte.

Nun besaß Hubert Darrell eine Mutter – die unglücklicherweise aus irgendeinem geheimnisvollen Grunde von ihrem Gatten getrennt lebte –, für welche er eine sehr tiefe und andauernde Zuneigung empfand, und er besaß auch, wie er stolz eingestand, ein anbetungswertes kleines Bräutchen, Kitty Clare mit Namen, die schon, als sie noch Kinderlätzchen trug, ihm feierlich ihre Gelübde ewiger Treue herstammelte und dafür von ihm angebetet wurde. So kann man leicht verstehen, warum das lange Stillschweigen dieser beiden geliebten Wesen schwer auf ihm lastete und ihn mit einem unbestimmten Gefühl drohenden Unglücks erfüllte.

Endlich kam ein Brief mit Londoner Stempel, den er hastig öffnete, aber nur, um die Mitteilung eines unbekannten Briefschreibers zu finden, der von häuslichem Unglück in Bayswater sprach, wovon er nichts wußte. Eine genaue Untersuchung des Briefumschlages enthüllte dann die Tatsache, daß der Brief in Wirklichkeit an Leutnant Herbert Darrell vom selben Regiment adressiert war, einen jungen Gentleman, der kürzlich unter außerordentlich skandalösen Umständen von sich hatte reden machen, indem er mit der Frau seines Kommandeurs durchging. Ein Blitz der Erleuchtung fuhr plötzlich durch Hubert Darrells Hirn. Ohne Zweifel waren seine Briefe irrtümlich dem Flüchtling zugestellt worden. Innerhalb einer Stunde hatte er des letzteren Diener befragt und mit dem erwarteten Resultat. Der Mann bat sehr angelegentlich um Entschuldigung.

Es tut mir sehr leid, Herr, aber ich habe sie nachgeschickt, es mag im ganzen ein halbes Dutzend gewesen sein. Ich habe nie daran gedacht, sie mir anzusehen. Ich hatte Befehl, genau auf sie zu achten, und steckte sie, wenn sie eben angekommen waren, sofort in einen von den adressierten Briefumschlägen, die er mir hinterlassen hatte. Sie sind alle abgeschickt, aber einer ist noch hier – kam heute morgen, vielleicht ist der für Sie, Herr.

Vielleicht? Natürlich ist er für mich, du Rindvieh! Und Hubert Darrell riß das Schreiben an sich und öffnete es mit zitternden Händen. Dann befiel ihn Niedergeschlagenheit.

Der Brief war vom Londoner Rechtsbeistand der Familie, Herrn Benham, und berichtete einfach, daß Frau Darrell einen Schlaganfall gehabt hätte und ernstlich wünschte, ihren Sohn noch einmal zu sehen. Wenn es ihm möglich wäre, sich Urlaub zu verschaffen, so war Herrn Benhams Meinung, daß er so schnell wie möglich kommen sollte.

So war denn das lange Stillschweigen unterbrochen, aber wieder war er von schwerer Besorgnis erfüllt. Nicht eine Zeile von Kitty, und seine Mutter sterbend, vielleicht schon tot! Die Ungewißheit der Lage war unerträglich, und ohne einen Augenblick Aufschub bat er um Urlaub, den ihm die Dringlichkeit der Bitte leicht verschaffte. Eine Woche später durchfuhr er das Rote Meer auf dem Wege nach England, und die Lösung des schweren Rätsels kam schneller, als er erwartete, wenigstens eine teilweise Lösung, die jedoch das Geheimnis um Kitty und ihr unerklärliches Stillschweigen immer noch rätselhafter machte. An einem feuchten und unwirtlichen Tage wollte ein sympathischer kleiner Junge in dem Salon ihm durchaus seine Melancholie mit »Bilderbüchern« vertreiben. Diese »Bilderbücher« waren weiter nichts, als einzelne Hefte von illustrierten Londoner Zeitschriften. Um dem Kind einen Gefallen zu tun, überflog er sie mit schwachem Interesse; plötzlich aber ließ er einen Ausruf hören, daß der Junge voll Schreck emporsah. Sein Schreck vergrößerte sich noch hundertmal, als er ein schreckliches, weißes, verzerrtes Gesicht und blutunterlaufene Augen sah, die wild auf seine Zeitung hinfunkelten. Diese war nur ein zerrissenes und schmutziges Heft von »Ladies Pictorial«, etwa sechs Monate alt, aber von der aufgeschlagenen Seite hatten plötzlich ein paar sieghafte Augen Hubert angeblitzt, und diese Augen waren die Augen seines teuren Liebchens. Es war keine optische Täuschung, denn neben ihrem Bilde stand der Name Kitty Clare gedruckt, und neben ihr sah man einen ernsten, dünnlippigen, ältlichen Gentleman, dessen Name ebenso deutlich gedruckt dastand: Sir John Selhurst, Baronet; und zwischen diesen beiden Bildern stand geschrieben, daß an einem gewissen Tage im März als erstes Paar diese zwei in St. George's Hannover Square, rechtmäßig in heiliger Ehe vereint worden wären und daß nach einem kurzen Honigmond in Rom das glückliche Paar ihre Heimkehr in Windwhistle Hall, dem alten Haus der Selhursts in Berkshire, feiern würde.

Hubert stieß einen fürchterlichen Fluch aus und stürzte wie wahnsinnig aus der Kajüte. Stundenlang schritt er auf dem schlüpfrigen Deck auf und ab, ungeachtet des strömenden Regens und unbekümmert um alle Beobachter seines exzentrischen Benehmens. Er wütete, er tobte, er schlug sich die Brust und rief alle Mächte der Erde, der Luft und des Himmels an, ihm dieses schreckliche Geheimnis zu erklären. Daß Kitty, die kleine schwarzäugige Fee, die mit ihm, als er noch Schüler war, auf den blumigen Wiesen herumzutollen pflegte, das lachende liebende Mädchen, das ihren Hubert freimütig in all der brausenden Unschuld der Jugendzeit küßte, das keusche Mädchen, das sich bisher unbekannter Gefühle bewußt geworden war und aus diesem Grunde schweigsamer und zurückhaltender und darum noch süßer und begehrenswerter geworden war, und zu allerletzt das verlobte junge Weib, das ihre Liebe mit feurigen Gelübden und leidenschaftlichen Küssen besiegelt hatte – daß sie, sie sich nun als falsch erwies und sich freiwillig in die Arme eines ältlichen Bewunderers warf, das war unerhört, ungeheuerlich, unglaublich. Es war, es mußte irgend ein scheußlicher Irrtum sein, den er in Ordnung bringen mußte, denn wenn je, durch Vollmacht und Recht einer ehrenhaften Liebe, eine Frau unverbrüchlich einem Manne angehörte, so war Kitty Clare die Seine und gehörte keinem anderen Manne auf der Erde.

Bald trat eine Reaktion ein. Der Augenschein war unbestreitbar, überwältigend gegen sie, und tiefe Niedergeschlagenheit befiel ihn und warf ihn nieder. Er wußte nur zu gut, daß Sir John begehrende Augen auf Kitty geworfen hatte. Es war ihm von ihr mehr als einmal scherzweise gesagt worden, daß sie Lady Selhurst werden könnte, wenn sie wollte, und daß es ihm – Hubert – darum niemals einfallen sollte, ihr treulos zu werden oder unfreundlich zu ihr zu sein. Natürlich war er nicht treulos oder unfreundlich gewesen, so daß jene Erklärung des dunkeln Rätsels absurd war. Er wußte außerdem, und der Gedanke daran beunruhigte ihn, daß Kapitän Clare von der königlichen Flotte, ihr Vater, sein kärgliches Jahrgeld und seine Pension durch gewagte Spekulationen zu vermehren suchte, die ihn jederzeit ruinieren und ins Unglück stürzen konnten. In der Tat hatte Kitty in einem ihrer allerletzten Briefe die Befürchtung ausgedrückt, daß ihr Vater durch gewisse »dunkle« Minengründungen in Schwierigkeiten verwickelt werden würde, und ein unbehagliches Gefühl schlich sich in sein Gemüt, daß sie sich vielleicht selbst aus einem falschen Gefühl kindlicher Pflicht geopfert haben könnte.

Sicherlich war es eine dunkle, lästige und beunruhigende Sache, und die langweilige Reise schien gar kein Ende zu haben. Auch sie nahm jedoch ein Ende, wie alles auf der Welt, und Hubert Darrell fühlte eine gewisse Erleichterung, als er sich wieder in Brindisi befand, in einer abmeßbaren Entfernung von England und der Wahrheit. Der Bahnhof Charing Croß dampfte in einem verfrühten und zwar sehr schmutzigen Oktobernebel, als er drei Tage später in London ankam. Ein schlechtes Omen! sagte er zu sich selbst. Es gefällt mir nicht. Ich fühle, wie das höllische klebrige Zeug mir bis ins innerste Herz kriecht. Hu! Und er schauderte. Doch sprang er, sein schwereres Gepäck im Gepäckraum lassend, ein paar Augenblicke später in eine Droschke. Upper Wimpole Street, sagte er; und als er langsam durch die schmutzigen Straßen rollte, von der klebrigen Atmosphäre wie von einem Leichentuch eingehüllt, die Gaslampen überall nur schmierig wie dunkele Safranflecke leuchtend, da hatte er mehr als je die Empfindung, daß er sich an der Schwelle irgendeiner schrecklichen Entdeckung befand.

Seinen Vater hatte er jahrelang nicht gesehen. Von ihm empfing seine Mutter ein Jahrgeld von tausend Pfund mit lebenslänglichem Nutzen von Haus und Mobiliar in der Upper Wimpole Street. Dies Jahrgeld wurde ihr vierteljährlich von dem schon erwähnten Rechtsbeistand der Familie, Herrn Benham, ausgezahlt. Hubert hatte alle seine freien Tage bei ihr zugebracht und kannte in der Tat keine andere Heimat, was er aus langer Gewohnheit als selbstverständlich ansah und worüber er nie ein Wort verlor; von ihr hatte er auch bisher einen jährlichen Zuschuß von dreihundert Pfund empfangen, der, im Falle ihres Hinscheidens, aller Wahrscheinlichkeit nach wegfiel – warum, wußte er nicht. Bis jetzt hatte er sich nie ernstlich um die Sache beunruhigt. Sehr junge Leute kümmern sich selten um Familiengeheimnisse, die ihren Komfort und ihr materielles Wohlergehen nicht in Mitleidenschaft ziehen, und er war unter den obwaltenden Umständen ganz zufrieden, mit seinem »alten Herrn«, von dem er wenig wußte und um den er sich noch weniger kümmerte, nur oberflächlich bekannt zu sein. Nun aber hatte die Sache ein anderes und düstereres Ansehen angenommen, und, er konnte dagegen ankämpfen, wie er wollte, die Ahnung wurde schwärzer und schwärzer in seinem Gemüt, daß irgendein schweres Unglück ihn am Ende seiner Reise erwartete.

Die Droschke hielt an, und als er zu dem wohlbekannten Hause emporsah, überkam ihn eine große Furcht. Ausgenommen einen schwachen Lichtschimmer über der Tür, war kein Licht zu erblicken.

Zu spät! sagte er. Ich ahnte es. Und er klopfte sacht an. Die Tür öffnete sich, und ein grauhaariger alter Diener, der seine Augen mit der Hand beschattete, schaute neugierig durch den Nebel nach ihm aus.

Hubert bemerkte, daß des alten Mannes Gesicht einen kummererfüllten Ausdruck hatte, der sich sofort in einen freudigen verwandelte, als er ihn wiedererkannte.

Herr Hubert! Sie sind wirklich willkommen! Und er nahm ihm mit munterem Eifer seinen Mantel und Hut ab. Wir erwarteten Sie nicht vor morgen, fügte er hinzu, ihn nach dem Speisezimmer führend.

Ihr erhieltet also mein Telegramm?

Ja, Herr, aus Paris, sagte Simpson und zündete das Gas an; und es war wirklich ein großer Trost und eine große Erleichterung für –

Meine Mutter?

Ja, Herr.

Gott sei Dank, dann lebt sie doch wenigstens noch!

Gerade noch, Herr, aber das ist alles, antwortete er sorgenvoll. Der Doktor meinte, sie würde die Nacht nicht überleben. Er wird sehr bald wiederkommen. Er war in Sorge wegen des schlechten Tages gestern; aber Ihr Telegramm, Herr, richtete sie auf. Sie wünschte so sehnlich, so sehnlich, Sie noch einmal zu sehen, Herr, Sie können es gar nicht glauben. Immer wieder hat sie versucht, zu schreiben, aber ihre arme Hand konnte die Feder nicht halten. Wir wollten ihr jemand holen, der es für sie täte, aber nein, davon wollte sie nichts hören. Ich glaube, es ist was sehr Wichtiges, und es ist ein Werk der Vorsehung, daß Sie zur Zeit gekommen sind, Herr. Wollen Sie jetzt heraufgehen, um sie zu sehen, Herr Hubert?

Ja, Simpson.

Und mit schwankenden Schritten stieg er die Treppe zum Sterbezimmer empor.

Eine Wärterin stand bei seinem Eintritt von einem Sessel auf. Neben ihr stand ein Tisch, auf dem eine niedriggeschraubte Lampe brannte. Ein Feuer im Kamin warf schwankende Lichter auf die dicht zugezogenen Vorhänge und die karmoisinrote Draperie des altmodischen Bettes, und auf den schneeigen Kissen lag ein weißes Antlitz in totenähnlichem, unbeweglichem Schlummer. Eine alabastergleiche Hand lag auf der Decke. Hubert bedeutete der Pflegerin durch einen Wink, fortzugehen, dann nahm er sanft die Hand in die seine, beugte sich nieder und küßte ehrfurchtsvoll die fahle Stirn.

Teure Mutter! flüsterte er. Die wachsbleichen Lippen öffneten sich, und eine flüchtige Röte verbreitete sich über ihr armes bleiches Antlitz.

Mein Sohn! murmelte sie, und er sah zwei Freudentränen sich aus ihren sehnsüchtigen Augen stehlen.

Dann wurde für die Dauer eines Augenblicks feierliche Stille im Zimmer, bis sie zuletzt durch ein ersticktes Schluchzen, das aus einem starken Mannesherzen hervorbrach, unterbrochen wurde.

Endlich, mit Anstrengung, sprach er wieder: Gott sei Dank, Mutter, daß ich hier bin!

Ja, danken wir Gott für seine Gnade! wiederholte sie schwach und fügte nach einem Augenblick hinzu: Ich konnte nicht schreiben. Ich versuchte es – sieh – meine armen Hände! Ich konnte es nicht, und ich mußte dir doch sagen – hier hielt sie wieder, um Atem zu schöpfen, inne – ich mußte dir doch sagen – daß du kein Vermögen haben wirst, mein Sohn.

Ich wußte es, sagte Hubert. Ich sorge mich nicht darum; ich erwartete es nie. Laß dich das nicht bekümmern.

Ein mattes Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie aufsah und sagte:

Aber ich habe etwas – eine Kleinigkeit –, das wollte ich dir sagen. Schau hier her! Und der Richtung ihrer Augen folgend, sah er einen Schrank, den er von seiner frühesten Kindheit her kannte, und schritt darauf zu.

Dies? sagte er.

Ja – in dem kleinen Kasten, flüsterte sie.

Dann erinnerte er sich daran, wie durch Berühren einer unverdächtigen goldenen Verzierung an diesem Schrank auf einmal zu seiner großen Verwunderung und zu seinem Entzücken ein geheimes Kästchen aufgesprungen war.

Ich erinnere mich, sagte er, und im nächsten Augenblick war das Kästchen offen, und er fand darin nur einen Gemslederbeutel, den er ihr brachte.

Oeffne ihn, sagte sie.

Er löste etwas ungeschickt die Schnur, und es fiel ein kleiner Wasserfall von Edelsteinen heraus, die in tausend Facetten blitzten, und dann ein prächtiges Diamanthalsband, das sich auf der weißen Decke wie etwas Lebendiges aufrollte und in der Mitte einen großen blauen Stein trug, der heller als jeder Saphir war, den er je gesehen hatte.

Ein Ausbruch der Verwunderung brach von seinen Lippen.

Sie sind für dich, sagte sie; mein letztes Geschenk.

Aber ich wußte nie –

Nein; das war auch nicht nötig. Ich habe sie viele Jahre lang gehabt. Verkaufe sie. Das ist mein Wunsch. Und nun steck sie fort – in deine Tasche.

Er gehorchte, obgleich er immer noch sehr erstaunt war, und sie fuhr fort, indem ihre Stimme zu einem bloßen Flüstern herabsank:

Dein Vater ist sehr hart zu dir gewesen, mein Kind.

Er mußte sich niederbücken, um diese Worte aufzufangen.

Und zu dir, Mutter? entgegnete er.

Ja, böse und grausam auch zu mir, wiederholte sie.

Und ohne Grund?

Ohne Grund – das weiß Gott, mein Sohn, ohne Grund.

Die Worte wurden mit einer Deutlichkeit gesprochen, die ihn durchschauerte. Ihr Gesicht nahm einen Ausdruck der Verzückung an. Die Pupillen ihrer Augen erweiterten sich. Einen Augenblick lang war sie schön. Mit einer letzten Anstrengung richtete sie sich halb im Bett auf, fiel dann erschöpft mit geschlossenen Augen zurück und murmelte:

Ja, du wirst alles erfahren, mein Sohn. Die Wahrheit ist in dem Juwelenkästchen; daran hängt deiner Mutter guter Name. Du mußt das Kästchen finden, Hubert.

Was kann sie nur damit meinen? dachte er. Ihr Geist muß schon irre gehen. Aber bei ihren nächsten Worten fühlte er sein Herz bis in den Hals hinauf schlagen:

Das wird ihn überzeugen – er war sehr hart – aber von den beiden war der andere der Schlechtere.

Der andere? wiederholte er; was für ein anderer? Und dann, einem augenblicklichen Impuls nachgebend, den er sich später nie vergab, beugte er sich nieder und sagte:

Mutter!

Sie öffnete die Augen und sah ihn fragend an.

Darf ich eine letzte Bitte tun?

Die Kraft, zu sprechen, hatte sie schließlich verlassen. Ein leichtes Neigen des Kopfes war ihre Antwort.

Könntest du, fragte er, möchtest du noch etwas mehr sagen – etwas, das –. Hier hielt er inne, durch eine innere Stimme gemahnt.

Sie erhob ihre Augen wieder, und ihre Hand suchte die seine. Dann schüttelte sie, mit einem Lächeln auf den Lippen, langsam den Kopf, und, ihre Hand noch immer matt in der seinen und das Lächeln noch immer auf den Lippen, ging sie ins ruhige Land der Schatten ein.

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