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Das Halsband des Kaisers

George Webb Appleton: Das Halsband des Kaisers - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
authorGeorge Webb Appleton
titleDas Halsband des Kaisers
publisherVerlag von Robert Lutz in Stuttgart
printrunDritte Auflage
translatorHeinrich Müller
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130903
projectidd58dc5f3
wgs9121
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Neuntes Kapitel.

Hubert Darrell kam am folgenden Morgen um 10 Uhr 5 Minuten auf dem Viktoriabahnhof an und eilte sogleich nach der Upper Wimpole Street, wo er den letzten traurigen Blick auf das geliebte Gesicht warf, das sogar noch im Tode Vergebung lächelte für seine letzte grausame Frage von ihm; und was auch immer für leise Zweifel seines Vaters Worte ihm eingeflößt haben mochten, jetzt waren sie augenblicklich und für immer aus seinem Gemüt verschwunden.

Bald nachher erschien Herr Benham.

Sie sind in Brighton gewesen, wie mir Simpson mitteilte, sagte er. Daran taten Sie wohl, Veränderung war Ihnen nötig. Ich hoffe, Sie fühlen sich wohler.

Ich fürchte, nicht, Herr Benham, entgegnete Hubert im Ton tiefer Niedergeschlagenheit; ich bin in schlimmerer Bedrängnis als je. Viel hat sich zugetragen, seit ich Sie zum letzten Male sah. Es scheint mir, als wäre ich schon wenigstens einen Monat zurückgekehrt, und eine Unruhe folgt der andern dicht auf den Fersen.

Gütiger Himmel! Was gibt's denn wieder, Herr Darrell?

Sie lasen vom Diebstahl der Juwelen meiner Kitty?

Ja, und es erschien mir als ein sehr seltsames Zusammentreffen.

Nun denn, Herr Benham, von allen Menschen der Welt bin grade ich angeklagt, sie gestohlen zu haben, und wahrscheinlich werde ich auf diese Anklage hin heut festgenommen.

Herr Benham starrte ihn einen Augenblick lang in sprachlosem Erstaunen an.

Sie! rief er. Sie!

Ja, eins erzählte ich Ihnen neulich nicht, es schien mir nicht notwendig, und ich hatte auch wirklich das Gefühl, als wünschte meine Mutter Stillschweigen über die Sache. Ich bereue jetzt bitter, daß ich so handelte. Wäre ich anders verfahren, so hätte ich mir diese bittere Demütigung und dies Unglück erspart.

Mein lieber Herr Darrell, sagte der Anwalt, erklären Sie mir doch um Himmels willen, was Sie mit diesem neuen Geheimnis sagen wollen.

Ich kann es jetzt nicht gut, Herr Benham, begann er, als Simpson und ein anderer Diener, die drei prächtige Kränze trugen, das Gespräch unterbrachen. Hubert sah sie erstaunt an. Woher kommen sie, Simpson? fragte er.

Ich weiß es nicht, Herr, Sie werden es an den Karten sehen.

Hubert stieß einen erstickten Schrei aus, als er auf der ersten die Worte las: »Von Kitty, dem Gedächtnis der Mutter ihres teuren Geliebten!«

Er gab die Karte stillschweigend an Herrn Benham. Dann las er auf den andern das aufrichtige herzliche Beileid der beiden guten, treuen Freunde, und der starke Mann, der er war, sank auf einen Stuhl, bedeckte sein Antlitz mit den Händen und weinte.

Da öffnete sich die Tür aufs neue, und als er hinschaute, sieh, da stand Kitty selbst, in tiefster Trauerkleidung, und bei ihr die beiden tapferen Ritter – Jimmie Selhurst und Sir Harry Ogilvie.

Sie sah sein Gesicht, das noch von Tränen feucht war, und drückte ihm wortlos die Hand.

Ich kann jetzt nicht sprechen, sagte er, das Herz ist mir zu voll. Ich – ich –. Ach ihr guten, lieben Jungen! Und Kitty, ach, wie lieb hab' ich dich dafür, mein Herz! Als er das gesprochen hatte, wandte er sich wieder zu Herrn Benham, der rücksichtsvoll beiseite getreten war.

Dies hier ist auch noch ein treuer Freund – Herr Benham, meiner Mutter Rechtsanwalt. Und der Anwalt wurde allen vorgestellt.

Die Uhr schlug elf. Der Begräbnisleiter und seine Gehilfen traten ein. Der Leichenwagen und drei andre Wagen standen vor der Tür, und ein paar Minuten später nahm die melancholische kleine Wallfahrt ihren Weg nach dem Highgatekirchhof.

Verstohlen folgte ihnen eine Droschke mit einem einzigen Insassen, die anhielt, als sie in das Kirchhofsgitter eingetreten waren. Der einsame Fahrgast stieg aus, zahlte, zündete sich eine Zigarette an und schlenderte dann langsam die Straße auf und ab. Als er nach einer halben Stunde den leeren Leichenwagen auf dem Kieswege daherkommen sah, trat er schnell in das Tor und schritt auf den ersten Wagen zu.

Benham begriff blitzschnell die Situation. Er ließ das Fenster herunter und sagte zu dem Fremden: Sagen Sie dem Kutscher des Leichenwagens, daß er nach Hause fahren kann, und daß unser Mann rechts fahren soll, dann steigen Sie hier bei uns ein.

Es geschah alles so schnell, daß nicht einmal der Friedhofswächter bemerkte, was geschah.

Es tut mir sehr leid, Herr Darrell, sagte der Unbekannte, indem er einen Verhaftbefehl zum Vorschein brachte; aber ich mache es so diskret, wie nur möglich. Ich hätte Sie heut morgen auf der Viktoriastation verhaften können, denn ich wußte, daß Sie das »Old Ship« in Brighton verließen und mit dem 8 Uhr 45-Expreßzug ankamen, aber meine Befehle vom Hauptquartier gingen dahin, es nicht vor Beendigung des Leichenbegängnisses zu vollziehen, und weiterhin war mir anbefohlen, Sie hier zu verhaften, so daß Sie nach einem abseits liegenden Polizeiamt zur formalen Untersuchung gebracht würden, immer mit der Einschärfung, so viel als möglich die Oeffentlichkeit auszuschließen.

Irgend jemand im Hauptquartier geht mit ungewöhnlicher Rücksicht vor, sagte Herr Benham.

So scheint es mir auch, mein Herr.

Hubert, der stillschweigend zugehört hatte, sagte jetzt: Und wohin bringen Sie mich?

Nach dem Highgate Polizeiamt. Wollen Ihre Freunde in dem andern Wagen mit Ihnen kommen?

Selbstverständlich.

Nun, wir sind hier ja in einer stillen Straße. Es ist nur ein kurzer Weg, die Wagen können uns irgendwo in der Nachbarschaft erwarten.

Dies wurde sofort bewerkstelligt, obgleich der Kutscher sich höchlichst über dieses sonderbare Verfahren verwunderte. In einer halben Stunde war Hubert Darrell regelrecht auf dem Polizeiamt verhört und ein Befehl für seine Ueberweisung an das Berkshire Polizeiamt ausgegeben. Es war alles so schnell geschehen, daß kaum jemand auf dem Amt, mit Ausnahme des Schreibers, begriff, was vor sich ging.

Und wohin geht es nun? sagte Darrell.

Nach Bahnhof Paddington, Herr, sagte der Beamte, und dann nach Addlehead; dann ist die Sache aus meinen Händen.

Wissen Sie, wer ich bin? sagte Lady Selhurst.

Nein, gnädige Frau.

Ich bin Lady Selhurst, deren Juwelen gestohlen wurden. Ist es wohl wahrscheinlich, daß ich hier sein würde, wenn ich Herrn Darrell für schuldig hielte?

Der Mann stutzte. Wahrhaftig! sagte er dann. Nein, auf mein Wort, das ist nicht sehr wahrscheinlich. Ich meine, es wird schon alles in Richtigkeit kommen, und um so besser, je geheimer es heut gehalten wird. Das müssen sie in Scotland Yard gewußt haben. Sie sind gewöhnlich nicht so liebenswürdig, wie in diesem Falle, müssen Sie wissen.

Gut, sagte Lady Selhurst. Ich gehe mit dem Verhafteten und leiste ihm Gesellschaft; wer kommt mit mir?

Wir alle, entgegnete der Chorus. So gab's denn, als der Zug in Addlehead ankam, für die Eisenbahnbeamten ein Aufsehen erregendes Schauspiel, nämlich: nichts Geringeres, als einen des Diebstahls Angeschuldigten, der in Gewahrsam gebracht wurde, mit der Dame zusammen zu sehen, die er bestohlen haben sollte, und die ihm herzlich, fast zärtlich die Hand drückte, als sie ihn fortbrachten.

Nachdem der Erbe von Windwhistle Hall, Baronet und Gardeoffizier, und ein wohlbekannter Londoner Anwalt bei dieser erstaunlichen Handlung mitgewirkt hatten, schlenderten sie zusammen nach dem »Bären«, ordneten in einem Privatzimmer ein Frühstück an und besprachen ernsthaft die Sachlage, denn Hubert sollte am Montag morgen vor den obersten Gerichtshof geführt werden.

Lady Selhurst nahm einen Wagen und fuhr geradeswegs nach Windwhistle Hall. Sie war erst ein paar Minuten in ihren Privatgemächern, als ein Diener klopfte und meldete, daß Sir John sie sogleich zu sprechen wünsche.

Sagen Sie ihm, er möge in mein Boudoir kommen, sagte sie und richtete sich zur Schlacht zurecht. Er trat einen Augenblick später ein, sein Gesicht war so schwarz wie ein Gewitter.

Wo warst du die letzte Nacht? fragte er in hartem Tone.

Sie warf ihm einen verächtlichen Blick zu.

An einem Orte, den ich nie hätte verlassen sollen, entgegnete sie: in meinem Elternhause.

Dies ist jetzt dein Haus.

Das ist es nicht und wird es nie sein.

Das werden wir schon sehen, sagte er, und sein Gesicht wurde immer härter und düsterer. Du gingst gestern nicht in diesen Kleidern fort.

Nein. Ich kaufte sie heut morgen in der Frühe bei Peter Robinson.

Zu welchem Zwecke?

Um einem Begräbnis beizuwohnen.

Wessen Begräbnis?

Dem der Mutter des Mannes, den ich liebe. Ist es nun genug erklärt?

Beim Himmel! Ja!

Das meine ich auch. Außerdem fuhr ich mit ihm und dem Polizeibeamten, der ihn unter Aufsicht hat. Ich schüttelte ihm öffentlich auf dem Bahnhof die Hand und wünschte ihm so laut, daß alle es hören konnten, Glück zu seiner Sache.

Sir John wurde leichenfahl.

Das wagtest du zu tun?

Alles wage ich jetzt zu tun!

Weißt du, daß ich diesen Mann gerichtlich belangt habe?

Daß du ihn verfolgst, meinst du, ja. In deinem Herzen weißt du so gut wie ich, daß er dieses Verbrechens unschuldig ist. Wenn du nicht ein ausgesprochener Narr bist – und ich halte dich nicht dafür –, so mußt du wissen, warum er neulich abends spät hierher kam. John Selhurst, meinetwegen kam er!

Plötzlich zuckte ein Grinsen über sein Gesicht, als er antwortete:

Gut, aber sein Bahnbillett wurde nicht hier, sondern in deinem Schlafzimmer gefunden, schöne Dame. Ich habe die Sache genau abgewogen, denke ich, und meine eignen Schlüsse gezogen und werde mir selbst zu helfen wissen.

Sie fühlte, wie ihr jeder Nerv ihres Körpers vor Entrüstung zitterte, aber sie biß die Zähne zusammen und sagte:

Nun, ich kümmere mich keinen Deut um deine Schlußfolgerungen, und ebenso gleichgültig ist mir die Wahl deiner Hilfsmittel.

So sei es denn, sagte er. Und mit finsterm Lächeln verneigte er sich und verließ das Zimmer.

Allen angewandten Vorsichtsmaßregeln zum Trotz wollte es der Zufall, daß ein »Zeilenschinder«, der nach Neuem suchte, Zeuge des ungewohnten Schauspiels wurde, wie eine Anzahl feingekleideter Leute in einer Seitenstraße aus Trauerwagen stiegen und in feierlicher Prozession zu einem nahen Polizeiamt wanderten. Er folgte ihnen, und seine Neugierde wurde reich belohnt. Er war einer der wenigen auf dem Amt, die verstanden, was vor sich ging, und alle Abendzeitungen verkündigten mit riesengroßen Ueberschriften die Verhaftung Leutnant Hubert Darrells von den Buffs, wegen Diebstahls von Lady Selhursts Juwelen; dem war, unter allem Vorbehalt, die erstaunliche Tatsache angehängt, daß Lady Selhurst selbst mit dem Verhafteten augenscheinlich in freundschaftlicher Weise zusammen war, als er auf das Highgate Polizeiamt zur Vernehmung gebracht wurde.

Sir Harry Ogilvie bemerkte zu Jimmie Selhurst, nachdem er diesen Neuigkeitsleckerbissen gelesen hatte: Das heißt Oel ins Feuer gießen und schadet auch nichts; wir werden den armen Jungen schon zum Ziel kommen sehen. Und was sie anbetrifft, so hat sie ihre Schiffe hinter sich ein für allemal verbrannt, beim Zeus! Jimmie, sie ist ein Hauptkerl!

Sir John hatte mittlerweile nicht Gras unter seinen Füßen wachsen lassen. Vor einem ganzen Gerichtshof hatte er am folgenden Montag versucht, eine so furchtbare Zeugniskette zusammenzubringen, daß sogar ein Peer des Königreichs an Huberts Stelle sicher auf eine lange Zuchthausstrafe hätte rechnen können. Lady Selhurst war nur als Zuschauerin, in tiefe Trauer gekleidet, zugegen. Sir Harry und Jimmie waren früh auf dem Platz, ebenso Herr Benham, der zur Verteidigung erschien.

Die Nachricht von den seltsamen Vorfällen auf der Station am Sonnabend hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet, und der kleine Raum, wo die Richter saßen, war zum Ersticken voll, während Hunderte sich außerhalb des Gebäudes versammelten, um den Gefangenen hereintransportieren zu sehen.

Nachdem das Verhaftungsprotokoll regelrecht verlesen worden war, wurde Sir John als Ankläger und Hauptzeuge aufgerufen. Er konnte in der bestimmtesten Weise die Identität des fraglichen Halsbandes, das von dem Gefangenen verkauft worden war, beschwören. Er kaufte es vor vielen Jahren bei Flamborough in der Bond Street für die Summe von 2000 Pfund. Was die losen Steine anbetraf – es war augenscheinlich schwer, solche Sachen wiederzuerkennen –, so war alles, was er sagen konnte, daß sie sehr genau sowohl in Anzahl als Beschreibung mit den gestohlenen übereinstimmten. Es wurden ihm die Etuis gezeigt, aus denen die Juwelen genommen worden waren, und ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, wählte er eins aus, von dem er bestätigte, es sei das des Halsbandes. Inspektor Beale wollte es sehen, und es wurde ihm hingereicht; nachdem er etwas in sein Notizbuch geschrieben hatte, gab man es Herrn Benham, der es sehr aufmerksam prüfte. Danach erkannte Sir John einen von ihm als Papiermesser benutzten Dolch wieder, der in der Nacht des Diebstahls von seinem Schreibtisch genommen und augenscheinlich als Hebel zum Oeffnen der Etuis benutzt worden war. Von Herrn Benham befragt, ob er ihm gehöre, gestand er es ohne Zögern zu.

Dann schlang sich die verwickelte Beweiskette immer fester und fester um den vom Glück verlassenen Hubert.

Der Portier der Eisenbahn erinnerte sich, daß der Gefangene mit dem 6 Uhr 15-Zuge in der Nacht des Diebstahls ankam. Er behauptete, die Hälfte eines Retourbilletts erster Klasse verloren zu haben, und fuhr nach London mit dem 8 Uhr 15-Zuge zurück, den er beinahe verfehlt hätte.

Der Stationsvorsteher erkannte sowohl den Gefangenen, als auch das vorgezeigte Billett wieder.

Der Kutscher war von dem Gefangenen veranlaßt worden, ihn nach dem »Schachbrett« nahe bei Windwhistle Hall zu fahren. Da hatte er über eine halbe Stunde gewartet. Bei seiner Rückkehr schien der Gefangene sehr verstört und gab ihm einen Sovereign, um ihn so schnell als möglich nach der Station zurückzufahren. Er kam dort noch grade zur Zeit an, um in den 8 Uhr 15-Zug zu springen.

Der Billettschaffner vom Westbourne Park erkannte den Herrn wieder als den, der ihm in der Nacht des Diebstahls ein Billett erster Klasse von Addlehead an nachbezahlte und sagte, daß er sein Retourbillett aus seinem Handschuh verloren hätte.

Lady Selhurst stutzte hierbei und blieb in Nachdenken versunken.

Perkins, der Haushofmeister von Windwhistle Hall, erklärte, daß er den Angeklagten spät abends in der Halle gefunden hätte, ungefähr zur Zeit des Diebstahls. Er schien sehr verwirrt und nannte sich Berry. Als er ihm sagte, er wäre von Lady Selhurst gerufen worden, ließ er ihn ohne weiteres Fragen aus der Vordertür heraus.

Hier fragten einige der Richter Sir John, ob die Behauptung des Angeklagten wahr sei.

Er entgegnete: Als ich Lady Selhurst danach fragte, leugnete sie sehr nachdrücklich, daß sie diesen Menschen oder überhaupt jemand an dem Tage gesehen hätte.

Lady Selhurst machte eine heftige Bewegung, als wollte sie aufstehen und sprechen, wurde aber durch einen schnellen, scharfen Blick aus Herrn Beales Augen zurückgehalten; dieser wurde danach aufgerufen und machte eine sehr bemerkenswerte Aussage. Er brachte nämlich ein Eisenbahnbillett zum Vorschein, das er auf dem Fußboden des Schlafzimmers von Lady Selhurst zwischen den leeren Juwelenetuis gefunden hatte. Es wurde den Richtern zusammen mit dem, das der Gefangene auf der Station abgegeben hatte, übergeben, und die beiden, man sah es auf einen Blick, machten ein vollständiges Ganze aus.

Herr Black erkannte den Angeklagten als denjenigen wieder, der ihm die im Gerichtshof vorgezeigten Juwelen zum Verkauf angeboten hatte. Er gab ihm für dieselben einen Scheck über 5340 Pfund.

Sich an Herrn Benham wendend, sagte er, daß er das Geld wiederbekommen und auf Sir Johns Verlangen diesem die verkauften Juwelen wieder eingehändigt hätte.

Mister Flamborough erkannte das weißblaue Diamantenhalsband als dasjenige wieder, das er am 25. Februar 1866 an Sir John Selhurst für 2000 Pfund verkauft hätte, und legte seine Bücher vor (die den Richtern übergeben wurden), um seine Angabe zu bestätigen.

Dann wurde eine Zeugnisaussage von Sydney Darrell, Albert Mansion, vorgelesen, die besagte, daß ihm ungefähr eine Stunde nach dem Diebstahl von dem Gefangenen gewisse Juwelen gezeigt wurden, von denen er sagte, sie wären ihm von seiner Mutter übergeben worden. Er selber wüßte jedoch nichts davon, er hätte nie vorher die Juwelen gesehen, noch von ihnen gehört.

Der Ortspolizeikommissar, der den Gefangenen durchsuchte, hatte bei ihm einen unbeholfenen Grundriß von Windwhistle Hall (der vorgezeigt wurde) gefunden.

Dies waren die Anklagegründe.

Herr Benham gestand freimütig zu, daß, nach dem Augenschein der Beweise, die Anklage mehr als gerechtfertigt wäre; aber wäre es denkbar, daß ein Mann in Herrn Darrells Stellung – ein Offizier in einem vornehmen Regiment, der seinem Lande in Indien mit Auszeichnung gedient hätte und mehr als einmal in den amtlichen Depeschen erwähnt worden wäre –, wäre es denkbar, daß ein Mann wie der am frühen Abend hierher kommen und offen eine Droschke mieten würde, um nach einem Landhause zu fahren und dasselbe zu berauben, daß er ebenso offen in die Stadt zurückkehren, seinem eignen Vater die gestohlenen Juwelen zeigen, gleich am nächsten Morgen in eins der bestbekannten Londoner Geschäfte gehen und seine Legitimation vorzeigen würde, um nach deren Beglaubigung als vollkommen rechtsmäßiges Geschäft einen Scheck zu erhalten, den er offen in einem weltbekannten Bankhause hinterlegen würde, ohne auch nur zu versuchen, davon einen einzigen Penny zu erheben? War das nicht eine widersinnige Annahme? Demnach hätte er zwischen 8 Uhr 15 und 9 Uhr 45, wo er seinen Vater besuchte – eine Stunde der Zwischenzeit hatte er im Zuge verbracht –, nahe an vierhundert Steinen aus ihren festen goldenen Fassungen entfernen müssen. Die Sache war unglaublich, in der Tat einfach widersinnig, das wollte er wiederholen. Er, Benham, behaupte, daß das jetzt von Sir John Selhurst geforderte Eigentumsstück widerrechtlich oder wenigstens irrtümlich gefordert werde und daß es rechtmäßig seinem Klienten, Herrn Darrell, zugehöre.

Er ließ dann einen Schreiber aus dem Bankgeschäft von Cox vortreten; dieser bezeugte, daß der Angeklagte bei der Bank in hohem Ansehen stände, daß Herrn Blacks Scheck in der gewöhnlichen Weise hinterlegt wäre und kein Versuch irgend welcher Art gemacht worden wäre, um irgend welches Geld darauf zu erheben. Hätte er die Tat begangen, so hätte er im Augenblick die ganze große Summe in bar erhalten haben können.

Sir Harry Ogilvie wurde dann aufgerufen und sagte aus, daß er den Gefangenen von Kind auf gekannt hätte, und, um seine eignen Worte zu gebrauchen, daß er einer der ehrlichsten Jungen war, die er je kannte, und daß er ebensogut Lord Salisbury für den Dieb halten, als Herrn Darrell der gegenwärtigen Anklage für schuldig halten würde.

Jimmie Selhurst stellte sich als den Neffen und Erben des Anklägers vor und bekräftigte jedes Wort, das der vorige Zeuge geäußert hatte. Er glaubte nicht, daß ein ehrlicherer Mensch als der Angeklagte irgendwo auf der Welt wäre.

Dann setzte sich Herr Benham, und die Richter zogen sich zur Beratung zurück. Sie waren nicht lange abwesend. Ihre Entscheidung lautete: Es wäre ein Fall von unbezweifelbarer Wichtigkeit, aber obgleich die Anklagebeweise ungewöhnlich stark wären, hätten doch die Aussagen der drei letzten Zeugen einen starken Eindruck gemacht, und wenn sie es auch für ihre Pflicht hielten, die Sache zu untersuchen, so hielten sie es doch gleicherweise für ihre Pflicht, im Hinblick darauf, daß niemand irgend welchen Verlust bei der Sache erlitten hätte, ihn gegen Bürgschaft freizulassen.

Danach trat, zum Erstaunen des ganzen Gerichtshofes und zur größten Niederlage Sir Johns, Lady Selhurst in die Anklagebank, schüttelte Hubert herzlich die Hand und sagte für jeden im Zimmer hörbar: Meine aufrichtigsten Glückwünsche. Das Blatt wird sich doch noch gegen Ihre Feinde wenden, Herr Darrell.

Es wirkte wie ein Donnerschlag aus heiterm Himmel.

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