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Das Halsband der Königin - 2

Alexandre Dumas (der Ältere): Das Halsband der Königin - 2 - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleDas Halsband der Königin - 2
publisherHeimat und Welt-Verlag Dieck & Co
addressStuttgart
year1924
firstpub1924
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100725
projectid2d71c580
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XXIX.

Der Handel.

Nun verstand sich der Herr Gesandte dazu, das Halsband im Einzelnen zu untersuchen.

Herr Böhmer zeigte begierig jedes Stück und hob jede Schönheit hervor.

»Ueber die Gesammtheit dieser Steine,« sagte Beausire, mit dem Don Manoel portugiesisch gesprochen hatte, »über die Gesammtheit weiß der Herr Gesandte nichts zu sagen, diese ist befriedigend. Was die Diamanten selbst betrifft, so ist nicht dasselbe der Fall: Seine Excellenz hat zehn ein wenig gepickte, ein wenig fleckige gezählt.«

»Oh!« machte Böhmer.

»Seine Excellenz,« unterbrach ihn Beausire, »versteht sich besser als Sie auf Diamanten; die adeligen Portugiesen spielen in Brasilien mit Diamanten, wie hier die Kinder mit Glas.«

Don Manoel legte wirklich den Finger auf mehrere Diamanten hinter einander, und machte mit bewunderungswürdiger Scharfsicht die unscheinbaren Fehler bemerkbar, die vielleicht sogar ein Kenner nicht getadelt hätte.

»So aber, wie es ist,« sprach Böhmer, etwas erstaunt darüber, daß er in einem so vornehmen Herrn einen so feinen Juwelier erblickte, »so wie es ist, ist dieses Halsband die schönste Verbindung von Diamanten, die es in diesem Augenblick in Europa gibt.«

»Das ist wahr,« erwiderte Don Manoel, und auf ein Zeichen fügte Beausire bei:

»Wohl, Herr Böhmer, hören Sie, wie sich die Sache verhält. Ihre Majestät die Königin von Portugal hat von dem Halsband sprechen gehört; sie hat Seine Excellenz beauftragt, über den Ankauf zu unterhandeln, nachdem der Herr Gesandte die Diamanten gesehen. Die Diamanten sagen Seiner Excellenz zu; was verlangen Sie für das Halsband?«

»Sechzehnmal hunderttausend Livres.«

Beausire wiederholte seinem Gesandten die Zahl.

»Das ist um hunderttausend Livres zu theuer,« sprach Don Manoel.

»Gnädiger Herr,« erwiderte Böhmer, »man kann den Nutzen bei einem Gegenstand von dieser Bedeutung nicht genau berechnen; es waren, um einen Schmuck von diesem Werth zu verfertigen, Nachforschungen und Reisen erforderlich, über die man erschrecken würde, wenn man sie kännte, wie ich.«

»Hunderttausend Livres zu theuer,« wiederholte der zähe Portugiese.

»Und wenn Ihnen der Herr Gesandte dieß sagt,« fügte Beausire bei, »so muß es bei ihm Ueberzeugung sein, denn Seine Excellenz handelt nie.«

Böhmer schien ein wenig erschüttert. Nichts beruhigt argwöhnische Kaufleute so sehr, als ein Käufer, der handelt.

Nachdem er einen Augenblick gezögert, sprach er:

»Ich kann unmöglich eine Preisherabsetzung unterschreiben, welche die Differenz des Gewinns oder Verlustes zwischen meinem Associé und mir bildet.«

Don Manoel hörte die Übersetzung von Beausire und stand auf.

Beausire schloß das Etui und gab es Böhmer.

»Ich werde indessen mit Herrn Bossange reden,« sagte der Letztere; »ist das Euer Excellenz genehm?«

»Was wollen Sie damit sagen?« fragte Beausire.

»Ich will damit sagen, der Herr Gesandte scheine fünfzehnmal hunderttausend Livres für das Halsband geboten zu haben.«

»Ja.«

»Bleibt Seine Excellenz bei ihrem Preis?«

»Seine Excellenz geht nie von dem, was sie gesagt hat, zurück,« erwiderte Beausire, »aber Seine Excellenz weicht nicht immer vor dem Verdruß zurück, zu handeln oder mit sich handeln zu lassen.«

»Herr Secretär, begreifen Sie nicht, daß ich mit meinem Associé sprechen muß?«

»Oh! vollkommen, Herr Böhmer.«

»Vollkommen,« erwiderte in portugiesischer Sprache Don Manoel, zu welchem die Aeußerung Böhmers gelangt war; »aber für mich ist auch eine rasche Lösung nothwendig.«

»Wohl! gnädiger Herr, wenn mein Associé die Herabsetzung annimmt, so nehme ich sie zum Voraus an.«

»Gut.«

»Der Preis ist also nun fünfzehnmal hunderttausend Livres.«

»Es sei.«

»Es bleibt nur noch,« sagte Böhmer, »abgesehen von der Ratification des Herrn Bossange ...«

»Natürlich.«

»Es bleibt nur noch die Zahlungsweise.«

»Sie werden in dieser Hinsicht nicht die geringste Schwierigkeit haben,« erwiderte Beausire. »Wie wollen Sie bezahlt sein?«

»Ei! in baarem Gelde, wenn es möglich ist!« rief Böhmer lachend.

»Was nennen Sie baares Geld?« fragte Beausire kalt.

»Oh! ich weiß wohl, daß Niemand anderthalb Millionen in klingender Münze zu geben hat!« rief Böhmer seufzend.

»Und Sie würden selbst darüber in Verlegenheit sein, Herr Böhmer.«

»Herr Secretär, ich werde indessen nie in den Verkauf ohne Barzahlung einwilligen.«

»Das ist nicht mehr als billig,« erwiderte Beausire.

Und er wandte sich gegen Don Manoel und fragte:

»Wie viel würde Euere Excellenz Herrn Böhmer baares Geld geben?«

»Hunderttausend Livres,« antwortete der Portugiese.

»Hunderttausend Livres bei Unterzeichnung des Kaufes,« sagte Beausire zu Böhmer.

»Und das Uebrige?« fragte dieser.

»In der Zeit, die eine Tratte braucht, um von Paris nach Lissabon zu gehen, wenn Sie nicht lieber den von Lissabon nach Paris abgeschickten Avis abwarten wollen.«

»Oh!« erwiderte Böhmer, »wir haben einen Correspondenten in Lissabon; schreiben wir ihm ...«

»Gut,« sagte Beausire, spöttisch lachend, »schreiben Sie ihm; fragen Sie ihn, ob Herr von Suza zahlungsfähig und ob Ihre Majestät die Königin für vierzehnmal hunderttausend Livres gut sei.«

»Mein Herr,« stammelte Böhmer ganz verwirrt.

»Nehmen Sie an, oder ziehen Sie andere Bedingungen vor?«

»Die, welche der Herr Secretär mir zuerst stellen wollte, scheinen mir annehmbar. Sollen Raten bei der Bezahlung stattfinden?«

»Drei Raten, jede von fünfmalhunderttausend Livres, und daraus ginge für Sie eine schöne Reise hervor.«

»Eine Reise nach Lissabon?«

»Warum nicht? In drei Monaten anderthalb Millionen eincassiren, das lohnt sich doch der kleinen Mühe.«

»Oh! gewiß, aber ...«

»Ueberdieß reisen Sie auf Kosten der Gesandtschaft, und ich, oder der Herr Kanzler, wir werden Sie begleiten.«

»Ich würde die Diamanten bei mir haben?«

»Ohne allen Zweifel, wenn Sie es nicht vorziehen, die Tratten von hier abzuschicken und die Diamanten allein gehen zu lassen.«

»Ich weiß nicht ... ich ... glaube ... die Reise wäre unnöthig, und ...«

»Das ist auch meine Ansicht. Man würde hier unterzeichnen. Sie würden Ihre hunderttausend Livres baar Geld hier in Empfang nehmen, den Verkauf unterzeichnen und die Diamanten Ihrer Majestät überbringen ... Wer ist Ihr Correspondent?«

»Die Herren Nunez Balboa und Gebrüder.«

Don Manoel schaute empor und sprach lächelnd:

»Das sind meine Banquiers.«

»Das sind die Banquiers Seiner Excellenz,« sagte Beausire ebenfalls lächelnd.

Böhmer schien zu strahlen; sein Gesicht hatte keine Wolke behalten; er verbeugte sich, als wollte er danken und Abschied nehmen.

Plötzlich führte ihn eine Betrachtung zurück.

»Was gibt es?« fragte Beausire unruhig.

»Das Wort ist gegeben?« sagte Böhmer.

»Ja gegeben.«

»Abgesehen ...«

»Abgesehen von der Ratifikation des Herrn Bossange, das haben wir gesagt.«

»Abgesehen von einem andern Fall,« fügte Böhmer bei.

»Ah! ah!«

»Mein Herr, das ist ganz zarter Natur, und die Ehre des portugiesischen Namens ist ein zu mächtiges Gefühl, als daß Seine Excellenz meinen Gedanken nicht begreifen sollte.«

»Welche Umschweife! Zur Sache!«

»Hören Sie. Das Halsband ist Ihrer Majestät der Königin von Frankreich angeboten worden.«

»Die es ausgeschlagen hat. Weiter?«

»Wir können das Halsband nicht für immer aus Frankreich weggehen lassen, ohne die Königin davon zu benachrichtigen; und die Ehrfurcht, die Loyalität sogar fordern, daß wir Ihrer Majestät der Königin den Vorzug geben.«

»Das ist richtig,« sprach Don Manoel mit Würde. »Ich wollte, ein portugiesischer Kaufmann würde ebenso sprechen, wie Herr Böhmer.«

»Ich bin sehr glücklich und sehr stolz, daß Seine Excellenz mir beizustimmen die Gnade hat. Folgendes sind also die zwei vorhergesehenen Fälle: Ratifikation der Bedingungen durch Bossange, zweite und definitive abschlägige Antwort Ihrer Majestät der Königin von Frankreich. Hiezu bitte ich Sie um drei Tage.«

»Von unserer Seite,« sagte Beausire, »hunderttausend Livres baar Geld, drei Tratten von fünfmal hunderttausend Livres in Ihre Hände gelegt, das Diamantkästchen dem Herrn Kanzler der Gesandtschaft oder mir übergeben, die wir geneigt sind, Sie nach Lissabon zu den Herren Nunez Balboa und Gebrüder zu begleiten. Vollständige Zahlung in drei Monaten. Reisekosten frei.

»Ja, Ew. Excellenz, ja, mein Herr,« sprach Böhmer sich verbeugend.

»Oh!« sagte Don Manoel, der nur Portugiesisch sprach.

»Was denn?« versetzte Böhmer, nun ebenfalls unruhig.

»Als Nadelgeld,« sprach der Gesandte, »einen Ring von tausend Pistolen für meinen Secretär, einen für meinen Kanzler, Ihren Reisegefährten, Herr Juwelier.«

»Das ist nur zu billig, gnädiger Herr,« murmelte Böhmer »ich hatte diese Ausgabe schon in meinem Geiste gemacht.«

Don Manoel entließ den Juwelier mit der Geberde eines vornehmen Herrn.

Die zwei Verbündeten blieben allein.

»Wollen Sie mir erklären,« sagte Don Manoel mit einer gewissen Heftigkeit zu Beausire, »erklären Sie mir, was für einen Teufelsgedanken Sie gehabt haben, daß die Diamanten nicht hier ausgeliefert werden sollen? Eine Reise nach Portugal, sind Sie verrückt? Konnte man nicht den Juwelieren die hunderttausend Livres geben und ihre Diamanten dagegen nehmen?«

»Sie nehmen Ihre Gesandtenrolle zu sehr im Ernst,« erwiderte Beausire. »Sie sind noch nicht ganz Herr von Suza für Herrn Böhmer.«

»Würde er unterhandelt haben, wenn er Verdacht gehabt hätte?«

»So lange es Ihnen beliebt. Es ist möglich, er hätte nicht unterhandelt; aber jeder Mensch, der fünfzehnmal hunderttausend Livres besitzt, glaubt sich über allen Königen und allen Gesandten der Welt. Jeder Mensch, der fünfzehnmal hunderttausend Livres gegen Papierstücke tauscht, will wissen, ob diese Papiere etwas werth sind.«

»Sie gehen also nach Portugal, Sie, der Sie gar nicht Portugiesisch verstehen? Ich sage Ihnen, Sie sind verrückt.«

»Keines Wegs. Sie werden selbst dahin gehen.«

»Oh! nein!« rief Don Manoel, »ich, nach Portugal zurückkehren, ich habe zu vortreffliche Gründe! Nein, nein.«

»Ich erkläre Ihnen, daß Böhmer seine Diamanten nie gegen Papiere gegeben hätte.«

»Papiere mit der Unterschrift eines Suza!«

»Ich sagte ja, er hält sich für Suza!« rief Beausire, in die Hände klatschend.

»Ich will lieber sagen hören, das Geschäft sei verfehlt.«

»Entfernt nicht. Kommen Sie hierher, Herr Commandeur,« sprach Beausire zu dem Kammerdiener, der auf der Schwelle erschien. »Nicht wahr, Sie wissen, um was es sich handelt?«

»Ja.«

»Sie behorchten mich?«

»Gewiß.«

»Sehr gut. Sind Sie der Ansicht, ich habe eine Dummheit begangen?«

»Ich bin der Ansicht, daß Sie hunderttausendmal Recht haben.«

»Sagen Sie, warum?«

»Herr Böhmer hätte nie aufgehört, das Hotel der Gesandtschaft und den Gesandten zu überwachen.«

»Nun?« fragte Don Manoel.

»Mit seinem Geld in der Hand, seinem Etui an der Seite wird Herr Böhmer keinen Verdacht haben und ruhig nach Portugal abreisen.«

»Wir werden nicht so weit gehen, Herr Gesandter,« sagte der Kammerdiener, »nicht wahr, Herr Chevalier von Beausire?«

»Oh! das ist ein Junge von Geist!« rief der Liebhaber Oliva's.

»Erklären Sie Ihren Plan,« sprach Don Manoel ziemlich kalt.

»Fünfzig Meilen von Paris,« sagte Beausire, »zeigt dieser Junge von Geist, mit einer Maske vor dem Gesicht, unserem Postillon ein paar Pistolen; er raubt uns unsere Tratten, unsere Diamanten, prügelt Herrn Böhmer durch, und Alles ist abgethan.«

»Ich verstand das nicht so,« sagte der Kammerdiener. »Ich sah Herrn Beausire sich mit Herrn Böhmer nach Portugal einschiffen.«

»Sehr gut.«

»Herr Böhmer liebt, wie alle Deutsche, das Meer und geht auf dem Verdeck spazieren. An einem Tag, wo das Schiff schwankt, neigt er sich hinaus und fällt. Man glaubt, das Etui sei mit ihm hinabgefallen. Warum sollte die See nicht für fünfzehnmal hunderttausend Livres Diamanten behalten, während sie die indischen Galionen behalten hat?«

»Ah! ja, ich begreife,« sagte der Portugiese.

»Das ist ein Glück,« brummte Beausire.

»Nur,« versetzte Don Manoel, »nur wird man dafür, daß man Diamanten entwendet, in die Bastille geworfen, dafür, daß man den Herrn Juwelier hat in's Meer schauen lassen, gehenkt.«

»Hat man Diamanten gestohlen, so kann man festgenommen werden,« entgegnete der Commandeur; »dafür aber, daß man diesen Menschen ertränkt, kann man nicht eine Minute in Verdacht kommen.«

»Wir werden überdieß sehen, wenn wir einmal dort sind,« sagte Beausire. »Nun zu unseren Rollen. Betreiben wir die Gesandtschaft als Muster-Portugiesen, damit man von uns sage: Waren sie nicht ächte Gesandte, so sahen sie wenigstens so aus. Das ist immerhin schmeichelhaft. Warten wir die drei Tage ab.«

 

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