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Das Halsband der Königin - 2

Alexandre Dumas (der Ältere): Das Halsband der Königin - 2 - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleDas Halsband der Königin - 2
publisherHeimat und Welt-Verlag Dieck & Co
addressStuttgart
year1924
firstpub1924
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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projectid2d71c580
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XXVIII.

Bei der Gesandtschaft.

Bei ihrer Rückkehr in's Gesandtschaftshotel fanden diese Herren Ducorneau, der ruhig in seiner Schreibstube zu Mittag speiste.

Beausire bat ihn, zum Gesandten hinaufzugehen, und sprach folgende Worte zu ihm:

»Sie begreifen, lieber Kanzler, daß ein Mann, wie Herr von Suza, nicht ein gewöhnlicher Mann ist.«

»Ich habe es bemerkt,« erwiderte der Kanzler.

»Seine Excellenz will in Paris einen ausgezeichneten Platz unter den Reichen und den Leuten von Geschmack einnehmen,« fuhr Beausire fort; »damit sage ich Ihnen, daß der Aufenthalt in diesem gemeinen Hotel in der Rue Jussienne für Seine Excellenz unerträglich ist; dem zu Folge würde es sich darum handeln, eine andere Privatwohnung für Herrn von Suza zu finden.«

»Das wird den diplomatischen Verkehr erschweren,« entgegnete der Kanzler; »wir werden der Unterschriften wegen viel zu laufen haben.«

»Seine Excellenz wird Ihnen einen Wagen geben, mein lieber Herr Ducorneau,« antwortete Beausire.

Ducorneau wäre vor Freude beinahe in Ohnmacht gefallen.

»Mir einen Wagen!« rief er.

»Es ist ärgerlich, daß Sie nicht daran gewöhnt sind,« fuhr Beausire fort, »ein würdiger Gesellschafts-Kanzler muß seinen Wagen haben; doch hievon zu geeigneter Zeit. Legen wir dem Kanzler für den Augenblick Rechenschaft von dem Zustand der auswärtigen Angelegenheiten ab; die Casse, wo ist sie?«

»Hier oben, in der Wohnung des Gesandten!«

»So fern von Ihnen?«

»Eine Sicherheitsmaßregel, mein Herr; es ist schwieriger für die Diebe, im ersten Stock einzudringen, als hier im Erdgeschosse.«

»Diebe,« versetzte Beausire mit verächtlichem Tone, »wegen einer so kleinen Summe!«

»Hunderttausend Livres!« rief Ducorneau. »Teufel! man sieht wohl, daß Herr von Suza reich ist! Es sind keine hunderttausend Livres in allen Gesandtschafts-Cassen.«

»Wollen wir die Untersuchung und Beurkundung vornehmen?« sagte Beausire; »ich habe Eile, an meine Geschäfte zu gehen.«

Die Casse wurde gestürzt, und es fanden sich die hunderttausend Livres in schöner, klingender Münze, halb Silber, halb Gold.

Ducorneau bot seinen Schlüssel; Beausire schaute ihn eine Zeit lang an, um die sinnreichen Guillochuren und die complicirten Kleeblatt-Züge zu bewundern.

Er hatte geschickt einen Abdruck mit Wachs genommen.

Dann gab er ihn dem Kanzler zurück und sagte zu diesem:

»Herr Ducorneau, er ist besser in Ihren Händen, als in den meinigen; gehen wir zum Herrn Gesandten.«

Man fand Don Manoel unter vier Augen mit der nationalen Chocolade. Er schien sehr von einem mit Ziffern bedeckten Papier in Anspruch genommen. Als er seinen Kanzler erblickte, fragte er:

»Kennen Sie die Geheimschrift der früheren Korrespondenz?«

»Nein, Eure Excellenz.«

»Nun! Sie sollen fortan eingeweiht sein, mein Herr; Sie werden mich dadurch einer Menge langweiliger Details überheben; ah! wie ist es mit der Casse?« fragte er Beausire.

»Im besten Zustand, wie Alles, was zum Ressort von Herrn Ducorneau gehört,« erwiderte Beausire.

»Die hunderttausend Livres?«

»Liquid, mein Herr.«

»Gut, setzen Sie sich, Herr Ducorneau; Sie sollen mir eine Auskunft geben.«

»Ich bin zu den Befehlen Eurer Excellenz,« sagte der Kanzler strahlend.

»Hören Sie, wie sich die Sache verhält: Staatsangelegenheit, Herr Ducorneau.«

»Oh! ich höre, gnädiger Herr,« sprach der würdige Kanzler.

Und er rückte seinen Stuhl näher hinzu.

»Eine wichtige Angelegenheit, bei der ich Ihrer Erleuchtung bedarf. Kennen Sie ehrliche Juweliere in Paris?«

»Da sind die Herren Böhmer und Bossange, Juweliere der Krone,« antwortete der Kanzler.

»Gerade diese sind es, deren ich mich nicht bedienen will,« sprach Don Manoel, »ich verlasse sie eben, um sie nie wieder zu sehen.«

»Haben sie das Unglück gehabt, die Unzufriedenheit Eurer Excellenz zu erregen?«

»In hohem Grade, Herr Corno.«

»Oh! wenn ich etwas minder zurückhaltend sein dürfte, wenn ich es wagte ...«

»Wagen Sie es.«

»Ich würde fragen, worin diese Leute, die in ihrem Gewerbe im besten Rufe stehen ...«

»Es sind wahre Juden, Herr Corno, und ihr schlechtes Benehmen hat zur Folge, daß sie eine oder zwei Millionen verlieren.«

»Oh!« rief Ducorneau gierig.

»Ich war von Ihrer Allergetreusten Majestät abgesandt, um ein Halsband von Diamanten zu kaufen.«

»Ja, ja, das bekannte Halsband, das der selige König für Madame Dubarry bestellt hatte, ich weiß, ich weiß.«

»Sie sind ein kostbarer Mann, Sie wissen Alles. Nun! ich wollte also das Halsband kaufen; da die Sachen aber so gehen, so kaufe ich es nicht.«

»Soll ich einen Schritt thun?«

»Herr Corno!«

»Einen diplomatischen, sehr diplomatischen, gnädigster Herr?«

»Das wäre gut, wenn Sie diese Leute kennen würden.«

»Bossange ist ein entfernter Verwandter von mir.«

Don Manoel und Beausire schauten sich an.

Es trat ein Stillschweigen ein.

Plötzlich öffnete einer der Bedienten die Thüre und meldete:

»Die Herren Böhmer und Bossange.«

Don Manoel stand rasch auf und rief mit zorniger Stimme:

»Schicken Sie diese Leute weg!«

Der Bediente machte einen Schritt, um zu gehorchen.

»Nein, jagen Sie sie selbst fort, Herr Secretär,« fügte der Gesandte bei.

»Um Gottes willen!« sprach Ducorneau flehend, »lassen Sie mich den Befehl Seiner Excellenz vollziehen; ich werde ihn mildern, da ich ihn nicht aufheben kann.«

»Thun Sie es, wenn Sie wollen,« sagte Don Manoel mit gleichgültigem Tone.

Beausire näherte sich ihm in dem Augenblick, wo Ducorneau hinauseilte.

»Ah! diese Sache ist also zu scheitern bestimmt,« sagte Don Manoel.

»Nein, Ducorneau wird das Geschäft wieder in's Geleise bringen.«

»Er wird es vollends in Verwirrung bringen. Unglücklicher; wir haben nur Portugiesisch bei den Juwelieren gesprochen. Sie sagten, ich verstehe kein Wort Französisch, Ducorneau wird Alles verderben.«

»Ich laufe nach.«

»Es ist vielleicht gefährlich, wenn Sie sich zeigen, Beausire.«

»Sie werden sehen, daß dieß nicht der Fall ist; geben Sie mir Vollmacht.«

»Bei Gott!«

Beausire ging hinaus.

Ducorneau hatte unten Böhmer und Bossange getroffen, deren Haltung sich seit ihrem Eintritt im Gesandtschaftshotel im Sinne der Höflichkeit, wenn auch nicht in dem des Vertrauens gänzlich geändert hatte.

Sie rechneten wenig auf den Anblick eines bekannten Gesichtes und bewegten sich sehr steif in den ersten Zimmern.

Als Bossange Herrn Ducorneau erblickte, gab er einen Schrei freudigen Erstaunens von sich.

»Sie hier!« sagte er.

Und er näherte sich, um ihn zu umarmen.

»Ah! ah! Sie sind sehr liebenswürdig,« sprach Ducorneau. »Sie haben die Güte, mich hier anzuerkennen, mein Herr Vetter, der reiche Kauz. Etwa, weil ich bei einer Gesandtschaft bin?«

»Meiner Treue! ja,« erwiderte Bossange, »verzeihen Sie mir, wenn wir ein wenig fremd waren, und thun Sie mir einen Gefallen.«

»Ich bin deßwegen hierher gekommen.«

»Oh! ich danke. Sie sind also der Gesandtschaft beigegeben?«

»Ja.«

»Eine Auskunft!«

»Welche, und worüber?«

»Ueber die Gesandtschaft selbst.«

»Ich bin der Kanzler derselben.«

»Oh! vortrefflich. Wir wollen mit dem Gesandten sprechen.«

»Ich komme in seinem Auftrage.«

»In seinem Auftrage! um uns was zu sagen?«

»Daß er Sie auffordere, sein Hotel zu verlassen, und zwar rasch, meine Herren.«

Die zwei Juweliere schauten sich bestürzt an.

»Weil Sie,« sprach Ducorneau mit gewichtiger Miene, »weil Sie ungeschickt und unverständig gewesen sind, wie es scheint.«

»Hören Sie uns doch an.«

»Das ist unnöthig,« sagte plötzlich Beausire, der kalt und stolz auf der Schwelle des Zimmers erschien. »Herr Ducorneau, Seine Excellenz hat Sie beauftragt, diese Herren wegzuschicken, thun Sie das.«

»Herr Sekretär ...«

»Gehorchen Sie!« rief Beausire mit verächtlichem Tone.

Und er ging vorüber.

Der Kanzler nahm seinen Verwandten bei der rechten Schulter, den Associé des Verwandten bei der linken Schulter und schob Beide sachte hinaus.

»Das ist ein verfehltes Geschäft,« sagte er.

»Wie empfindlich doch diese Fremden sind,« murmelte Böhmer, der ein Deutscher war.

»Wenn man Herr von Suza heißt und neunmal hunderttausend Livres Einkünfte hat, mein lieber Vetter,« sagte der Kanzler, »so ist man berechtigt, zu sein, was man will.«

»Ah!« seufzte Bossange, »ich habe es Ihnen wohl gesagt, Böhmer, Sie sind zu starr in den Geschäften.«

»Ei!« erwiderte der hartnäckige Deutsche, »bekommen wir sein Geld nicht, so bekommt er unser Halsband nicht.«

Man näherte sich der Hausthüre.

Ducorneau lachte. »Wißt Ihr, was ein Portugiese ist?« sagte er verächtlich; »wißt Ihr, was ein Gesandter ist, Ihr Bürgersleute, die Ihr seid? Nein. Nun wohl, ich will es Euch sagen. Der Lieblingsgesandte einer Königin, Herr Potemkin, kaufte jedes Jahr am ersten Januar für die Königin einen Korb Kirschen, der hunderttausend Thaler kostete, tausend Livres die Kirsche: nicht war, das ist hübsch? Wohl! Herr von Suza wird die Bergwerke Brasiliens kaufen, um in den Gängen einen Diamant zu finden, der so groß ist, als die Eurigen alle zusammen. Das kostet ihn zwanzig Jahre von seinen Einkünften, zwanzig Millionen; doch, was ist ihm daran gelegen, er hat keine Kinder ... Verstanden!«

Und er war im Begriff, die Thüre zuzumachen; da besann sich Bossange eines Bessern und sagte zu ihm:

»Bringen Sie das wieder in Ordnung, und Sie bekommen ...«

»Hier ist man unbestechlich,« erwiderte Ducorneau.

Und er schloß die Thüre.

An demselben Abend erhielt der Graf folgenden Brief:

»Euere Excellenz!

»Ein Mann, der Ihre Befehle erwartet und die ehrerbietigen Entschuldigungen Ihrer unterthänigen Diener zu überbringen wünscht, ist vor der Thüre ihres Hotels; auf ein Zeichen Eurer Excellenz wird er in die Hände eines Ihrer Leute das Halsband niederlegen, dem das Glück zu Theil geworden ist, Ihre Aufmerksamkeit zu erregen.

»Genehmigen Sie, gnädigster Herr, die Versicherung tiefer Ehrfurcht u. s. w. u. s. w.

»Böhmer und Bossange

»Nun!« sprach Don Manoel, nachdem er diesen Brief gelesen hatte, »das Halsband gehört uns.«

»Nein, nein,« entgegnete Beausire, »es gehört uns erst, wenn wir es gekauft haben; kaufen wir es?«

»Wie?«

»Eure Excellenz versteht das Französische nicht, das ist abgemacht; vor Allem aber entledigen wir uns des Herrn Kanzlers.«

»Wie?«

»Auf die allereinfachste Art; man muß ihm eine wichtige diplomatische Sendung geben, das übernehme ich.«

»Sie haben Unrecht, er wird hier unsere Bürgschaft sein.«

»Er wird sagen, Sie sprechen Französisch wie Herr Bossange und ich.«

»Er wird es nicht sagen, wenn ich ihn darum bitte.«

»Gut, er bleibe, lassen Sie den Mann mit den Diamanten eintreten.«

Der Mann wurde eingeführt; es war Herr Böhmer in Person, Böhmer, der die tiefsten Bücklinge schnitt und die demüthigsten Entschuldigungen stammelte: worauf er seine Diamanten überreichte und Miene machte, sie zur Prüfung zurückzulassen.

Don Manoel behielt sie.

»Genug der Proben,« sagte Beausire, »Sie sind ein mißtrauischer Kaufmann; Sie müssen ehrlich sein. Setzen Sie sich hierher und lassen Sie uns sprechen, da Ihnen der Herr Gesandte verzeiht.«

»Ach! welche Mühe hat man, was muß man ausstehen, um zu verkaufen!« seufzte Böhmer.

»Welche Mühe macht man sich, um zu stehlen!« dachte Beausire.

 

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