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Das Halsband der Königin - 2

Alexandre Dumas (der Ältere): Das Halsband der Königin - 2 - Kapitel 33
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleDas Halsband der Königin - 2
publisherHeimat und Welt-Verlag Dieck & Co
addressStuttgart
year1924
firstpub1924
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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projectid2d71c580
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LVI.

Wiedergefundene Illusionen. – Verlorenes Geheimniß.

Kaum hatte Herr von Calonne die Gallerie durchschritten, um nach Hause zurückzukehren, als der Nagel einer eilfertigen Hand an der Thüre des Boudoirs der Königin kratzte.

Jeanne erschien.

»Madame,« sagte sie, »er ist da.«

»Der Cardinal?« fragte die Königin, ein wenig erstaunt über das Wort er, das, von einer Dame ausgesprochen, so viele Dinge bezeichnet.

Sie vollendete nicht. Jeanne hatte schon Herrn von Rohan eingeführt und sich, dem beschützten Beschützer verstohlen die Hand drückend, wieder entfernt.

Der Prinz befand sich allein, drei Schritte von der Königin, vor der er ehrerbietig die schuldigen Bücklinge machte.

Die Königin, als sie diese taktvolle Zurückhaltung sah, war gerührt; sie reichte dem Cardinal, der seine Augen noch nicht zu ihr erhoben hatte, ihre Hand.

»Mein Herr,« sprach sie, »man hat mir einen Zug von Ihnen mitgetheilt, der viel Unrecht tilgt.«

»Erlauben Sie mir,« erwiderte der Prinz, zitternd vor einer Gemüthsbewegung, welche nicht geheuchelt war, »erlauben Sie mir, Madame, Sie zu versichern, daß das Unrecht, von dem Eure Majestät spricht, durch ein Wort der Erklärung zwischen ihr und mir sehr geschwächt würde.«

»Ich verbiete Ihnen durchaus nicht, sich zu rechtfertigen,« sprach die Königin mit Würde, »aber das, was Sie mir sagen würden, wärfe einen Schatten auf die Liebe und die Achtung, die ich für mein Vaterland und meine Familie hege. Sie können sich nur entlasten, indem Sie mich verletzen, Herr Cardinal. Doch wir wollen dieses schlecht erloschene Feuer nicht anrühren, es würde vielleicht noch Ihnen und mir selbst die Finger verbrennen; Sie unter dem neuen Lichte sehen, das Sie mir geoffenbart haben, verbindlich, ehrerbietig, ergeben ...«

»Ergeben bis zum Tod,« unterbrach der Cardinal.

»Gut. Doch,« sagte Marie Antoinette lächelnd, »doch bis jetzt handelt es sich nur um den Ruin. Sie wären mir bis zum Ruin ergeben, Herr Cardinal? Das ist sehr schön, das ist schön genug. Zum Glück bringe ich Ordnung in die Sache. Sie werden leben und nicht ruinirt sein, wenn Sie nicht etwa, wie man sagt, sich selbst ruiniren.«

»Madame ...«

»Das ist Ihre Sache. Als Freundin, da wir nun gute Freunde sind, will ich Ihnen indessen einen Rath geben: Seien Sie sparsam, das ist eine Hirtentugend; der König wird Sie mehr lieben, wenn Sie sparsam, als wenn Sie verschwenderisch sind.«

»Ich werde geizig werden, um Eurer Majestät zu gefallen.«

»Der König,« versetzte die Königin mit einer zarten Nüance, »der König liebt auch die Geizigen nicht ...«

»Ich werde werden, was Eure Majestät will,« fiel der Cardinal mit einer schlecht verkleideten Leidenschaft ein.

»Ich sagte Ihnen also,« schnitt die Königin kurz ab, »Sie werden durch meine Schuld nicht zu Grunde gerichtet werden. Sie sind für mich gut gestanden, ich danke Ihnen dafür, aber ich habe Mittel, meinen Verbindlichkeiten zu entsprechen; kümmern Sie sich also nicht mehr um diese Angelegenheiten, welche von der ersten Zahlung an nur mich angehen werden.«

»Damit die Sache beendigt sein möge, Madame,« sprach der Cardinal, sich verbeugend, »habe ich Eurer Majestät nur noch das Halsband anzubieten.«

Zu gleicher Zeit zog er das Etui aus seiner Tasche und überreichte es der Königin.

Sie schaute es nicht einmal an, was bei ihr ein sehr großes Verlangen, es zu sehen, offenbarte, und zitternd vor Freude legte sie es auf ein Arbeitstischchen, doch so, daß sie es unter ihrer Hand behielt.

Der Cardinal versuchte sodann einige Worte der Höflichkeit, welche sehr gut aufgenommen wurden, und kam hernach auf das zurück, was die Königin in Betreff ihrer Versöhnung gesagt hatte.

Da sie sich aber gelobt hatte, die Diamanten nicht in seiner Gegenwart anzuschauen, und da sie vor Begierde, dieselben zu sehen, brannte, so hörte sie ihn nur noch zerstreut an.

Aus Zerstreuung überließ sie ihm auch ihre Hand, die er mit entzückter Miene küßte. Dann nahm er Abschied, da er zu geniren glaubte, was ihn mit Freude erfüllte. Ein einfacher Freund genirt nie, ein gleichgültiger noch viel weniger.

Das war der Verlauf dieser Zusammenkunft, welche alle Wunden im Herzen des Kardinals schloß. Er verließ die Königin begeistert, trunken von Hoffnung, und bereit, Frau von La Mothe für die Unterhandlung, die sie so glücklich geführt, eine grenzenlose Dankbarkeit zu beweisen.

Jeanne erwartete ihn mit ihrem Wagen, hundert Schritte von der Barrière; sie empfing die glühende Betheurung seiner Freundschaft.

»Nun,« sagte sie nach dem ersten Ausbruch dieser Dankbarkeit, »werden Sie Richelieu oder Mazarin sein? Hat Ihnen die österreichische Lippe Ermuthigungen des Ehrgeizes oder der Zärtlichkeit gegeben? Sind Sie in die Politik oder in die Intrigue versetzt?«

»Scherzen Sie nicht, Gräfin, ich bin wahnsinnig vor Glück.«

»Schon!«

»Stehen Sie mir bei, und in drei Wochen kann ich ein Ministerium in den Händen haben.«

»Teufel! in drei Wochen; wie lange das ist! der Verfall der ersten Verbindlichkeiten ist auf vierzehn Tage gestellt.«

»Ah! alles Glück kommt zugleich; die Königin hat Geld, sie wird bezahlen; ich werde nur das Verdienst der Absicht haben. Das ist zu wenig, Gräfin, auf Ehre, es ist zu wenig. Gott ist mein Zeuge, daß ich diese Versöhnung gern um den Preis von fünfmal hunderttausend Livres bezahlt hätte ...«

»Seien Sie unbesorgt,« unterbrach ihn lächelnd die Gräfin, »Sie werben dieses Verdienst neben den anderen haben. Ist Ihnen viel daran gelegen?«

»Ich gestehe, daß ich es vorzöge, wenn die Königin meine Schuldnerin geworden wäre ...«

»Monseigneur, es sagt mir Etwas, daß diese Befriedigung Ihnen werden soll. Sind Sie darauf vorbereitet?«

»Ich habe meine letzten Güter verkaufen lassen, und für das nächste Jahr meine Einkünfte und Pfründen verpfändet.«

»Sie haben also die fünfmalhunderttausend Livres?«

»Ich habe sie; nur weiß ich nicht, wenn die Zahlung geleistet ist, wie ich es nachher machen werde.«

»Diese Zahlung,« rief Jeanne, »gibt uns ein Vierteljahr Ruhe. In drei Monaten, guter Gott! welche Ereignisse können da eintreten!«

»Das ist wahr; doch der König läßt mir sagen, ich solle keine Schulden machen.«

»Ein Aufenthalt von zwei Monaten im Ministerium wird alle Ihre Schulden bereinigen.«

»Oh! Gräfin ...«

»Empören Sie sich nicht. Wenn Sie es nicht thäten, würden es Ihre Vetter thun.«

»Sie haben immer Recht. Wohin gehen Sie?«

»Ich will die Königin wieder aufsuchen und in Erfahrung bringen, welche Wirkung Ihre Gegenwart gemacht hat.«

»Sehr gut, ich kehre nach Paris zurück.«

»Warum? Sie wären heute Abend zum Spiel zurückgekommen. Das ist gute Tactik; verlassen Sie den Platz nicht.«

»Ich muß leider bei einem Rendezvous sein, das ich diesen Morgen vor meinem Abgang erhalten habe.«

»Ein Rendezvous?«

»Von ziemlich ernster Natur, nach dem Inhalt des Billets zu urtheilen, das man mir zugeschickt hat. Sehen Sie.«

»Eine männliche Handschrift,« sagte die Gräfin.

Und sie las:

»»Monseigneur, es will sich Jemand mit Ihnen über die Deckung einer bedeutenden Summe besprechen. Diese Person wird sich heute Abend bei Ihnen in Paris einfinden, um die Ehre einer Audienz zu erhalten.««

»Anonym ... Ein Bettler.«

»Nein, Gräfin, man setzt sich nicht mit heiterem Herzen der Gefahr aus, von meinen Leuten durchgeprügelt zu werden, weil man mich hintergangen hat. Ich weiß nicht warum, doch mir scheint, ich kenne diese Handschrift.«

»Wohl denn! Monseigneur; überdieß wagt man nie viel bei Leuten, welche Geld versprechen. Das Schlimmste wäre, wenn sie nicht bezahlen würden. Guten Tag, Monseigneur.«

»Gräfin, ich rechne auf das Glück, Sie wiederzusehen.«

»Ah! Monseigneur, zwei Dinge!«

»Sprechen Sie.«

»Wenn Ihnen unerwartet eine große Summe einginge?«

»Nun, Gräfin!«

»Etwas Verlorenes; ein Fund! ein Schatz!«

»Ich verstehe Sie, Schlimme, Halbpart, nicht wahr?«

»Meiner Treue, Monseigneur!«

»Sie bringen mir Glück, Gräfin, warum sollte ich Ihnen nicht dafür Rechnung tragen? Das wird geschehen. Nun das Andere?«

»Hören Sie. Lassen Sie sich nicht einfallen, die fünfmal hunderttausend Livres anzugreifen.«

»Oh! seien Sie unbesorgt.«

Und sie trennten sich. Der Cardinal kehrte in einer Atmosphäre himmlischer Glückseligkeit nach Paris zurück.

Das Leben nahm für ihn in der That seit zwei Stunden ein anderes Gesicht an. War er nur verliebt, so hatte ihm die Königin mehr gegeben, als er von ihr zu hoffen gewagt hatte; war er ehrgeizig, so ließ sie ihn noch mehr hoffen.

Geschickt von seiner Frau geleitet, wurde der König das Werkzeug eines Glückes, das fortan kein Hinderniß mehr kannte. Der Prinz Louis fühlte sich voll Ideen: er hatte so viel politisches Genie, wie keiner von seinen Nebenbuhlern, er verstand die Frage der Verbesserung, er versöhnte die Geistlichkeit mit dem Volk, um eine jener festen Majoritäten zu bilden, welche lange durch die Stärke und das Recht regieren.

An die Spitze dieser Reformbewegung die Königin stellen, die er anbetete, und deren beständig zunehmende Unbeliebtheit er in eine Popularität ohne Gleichen verwandelt hätte: das war der Traum des Prälaten, und diesen Traum konnte ein einziges zärtliches Wort der Königin Marie Antoinette in eine Wirklichkeit verwandeln.

Dann verzichtete der Unbesonnene auf seine leichten Siege, der Weltmensch machte sich zum Philosophen, der Müßiggänger wurde ein unermüdlicher Arbeiter. Es ist eine leichte Aufgabe für große Charactere, die Blässe der Schwelgereien mit der Ermüdung durch das Studium zu vertauschen. Fortgezogen durch das Gespann, das man den Ehrgeiz und die Liebe nennt, war Herr von Rohan weit gegangen.

Er glaubte sich schon bei seiner Rückkehr nach Paris am Werke, verbrannte auf einmal eine Kiste voll Liebesbillets, rief seinen Intendanten, um Reformen anzuordnen, ließ durch einen Secretär Federn schneiden, um Memoiren über die Politik Englands zu schreiben, die er vortrefflich verstand, und, seit einer Stunde bei der Arbeit, fing er an wieder in den Besitz seiner selbst zurückzukehren, als ihm der Ton einer Klingel in seinem Cabinet einen wichtigen Besuch verkündigte.

Ein Huissier trat ein.

»Wer ist da?« fragte der Prälat.

»Die Person, welche diesen Morgen an Monseigneur geschrieben hat.«

»Ohne zu unterzeichnen?«

»Ja, Monseigneur.«

»Doch diese Person hat einen Namen. Fragen Sie danach.«

Der Huissier kam nach einem Augenblick zurück und meldete:

»Der Herr Graf von Cagliostro.«

Der Prinz bebte.

»Er trete ein.«

Der Graf trat ein, die Thüren schlossen sich wieder hinter ihm.

»Großer Gott!« rief der Cardinal, »was sehe ich?«

»Nicht wahr, Monseigneur, daß ich mich kaum verändert habe.«

»Ist es möglich ...« murmelte Herr von Rohan, »Joseph Balsamo am Leben, während man sagte, er sei bei jenem Brand umgekommen, Joseph Balsamo ...«

»Graf von Fönix am Leben, ja, Monseigneur, und lebendiger, als je.«

»Aber mein Herr, unter welchem Namen erscheinen Sie denn? und warum haben Sie nicht den alten behalten?«

»Gerade, Monseigneur, weil er alt ist und, vor Allem bei mir, sodann bei den Andern zu viel traurige oder lustige Erinnerungen zurückruft. Ich spreche nur von Ihnen, Monseigneur, hätten Sie Joseph Balsamo nicht von Ihrer Thüre gewiesen?«

»Ich? oh! nein, mein Herr, nein.«

Und der Cardinal bot, immer noch erstaunt, Cagliostro nicht einmal einen Stuhl an.

»Dann hat Eure Eminenz mehr Gedächtniß und Ehrlichkeit, als alle Menschen miteinander,« sagte Cagliostro.

»Mein Herr, Sie haben mir einst einen solchen Dienst geleistet ...«

»Nicht wahr, Monseigneur, ich habe mein Alter nicht verändert,« unterbrach ihn Balsamo, »und ich bin ein schönes Muster der Resultate meiner Lebenstropfen.«

»Ich gestehe es, mein Herr, doch Sie stehen über der Menschheit, da Sie so freigebig Allen Gold und Gesundheit spenden.«

»Die Gesundheit, ich leugne das nicht, Monseigneur; doch das Gold ... nein, oh! nein ...«

»Sie machen kein Gold mehr?«

»Nein, Monseigneur.«

»Und warum nicht?«

»Weil ich das letzte Theilchen einer unentbehrlichen Ingredienz verloren habe, die mir mein Lehrer, der weise Althotas, nach seinem Abgange aus Aegypten gegeben hatte; es ist dieß das einzige Recept, welches ich nicht eigen besaß.«

»Er hat es behalten?«

»Nein, das heißt, ja, behalten oder mit in's Grab genommen, wie Sie wollen.«

»Er ist gestorben?«

»Ich habe ihn verloren.«

»Warum haben Sie nicht das Leben dieses Mannes, des unumgänglich notwendigen Verwahrers dieses unumgänglich notwendigen Recepts, verlängert, während Sie doch sich selbst seit Jahrhunderten lebendig und jung erhalten haben, wie Sie sagen?«

»Weil ich Alles gegen die Krankheit, gegen die Wunde vermag, aber Nichts gegen den Unfall, der tödtet, ohne daß man mich ruft.«

»Und es war ein Unfall, der die Tage von Althotas endigte?«

»Sie müssen es erfahren haben, da Sie meinen Tod wußten.«

»Der Brand der Rue Saint-Claude, bei welchem Sie verschwanden ...«

»Hat Althotas allein getödtet, oder der Weise wollte vielmehr, des Lebens müde, sterben.«

»Das ist seltsam.«

»Nein, es ist natürlich, ich meinerseits habe schon hundertmal daran gedacht, ich sollte zu leben aufhören.«

»Aber Sie haben dennoch auf dem Leben beharrt.«

»Weil ich mir einen Jugendzustand wählte, in welchem die schöne Gesundheit, die Leidenschaften oder Vergnügungen des Körpers mir noch eine Zerstreuung verschaffen; Althotas dagegen hatte sich den Alterszustand gewählt.«

»Althotas mußte es machen, wie Sie.«

»Nein, er war ein tiefer und erhabener Mann; von allen Dingen dieser Welt wollte er nur die Wissenschaft. Und diese Jugend mit dem gebieterischen Blut, diese Leidenschaften, diese Vergnügungen hätten ihn von der ewigen Beschauung abgelenkt; Monseigneur, es ist von Gewicht, daß man immer fieberfrei ist; um gut zu denken, muß man sich in einer unstörbaren Schlafsucht absorbiren können. Der Greis sinnt besser nach, als der junge Mann; wenn ihn die Traurigkeit erfaßt, gibt es auch kein Mittel mehr. Althotas ist als ein Opfer seiner Ergebenheit für die Wissenschaft gestorben. Ich lebe wie ein Weltkind, verliere meine Zeit und thue durchaus nichts. Ich bin eine Pflanze. Ich darf nicht sagen, eine Blume, ich lebe nicht, ich athme.«

»Oh!« murmelte der Cardinal, »mit dem wiedererstandenen Mann ersteht auch wieder mein ganzes Erstaunen. Sie geben mich jener Zeit zurück, mein Herr, wo die Zauberkraft Ihrer Worte, wo die Wunderbarkeit Ihrer Handlungen alle meine Fähigkeiten verdoppelten und in meinen Augen den Werth eines Geschöpfes erhöhten. Sie erinnern mich an die zwei Träume meiner Jugend. Wissen Sie, es sind siebzehn Jahre, daß Sie mir erschienen.«

»Ich weiß es, wir haben Beide sehr abgenommen. Monseigneur, ich bin kein Weiser mehr, sondern ein Gelehrter. Sie, Sie sind nicht mehr ein schöner junger Mann, sondern ein schöner Fürst. Erinnern Sie sich, Monseigneur, jenes Tages, wo ich in meinem heute durch die Tapeten verjüngten Cabinet Ihnen die Liebe einer Frau versprach, deren blonde Haare meine Seherin befragt hatte?«

Der Cardinal erbleichte und erröthete dann plötzlich. Der Schrecken und die Freude hatten hinter einander die Schläge seines Herzens unterbrochen.

»Ich erinnere mich,« sagte er, »doch nur verworren.«

»Wir wollen sehen,« sprach Cagliostro lächelnd, »wir wollen sehen, ob ich noch für einen Zauberer gelten könnte. Warten Sie, bis ich diese Idee fest erfasse.«

Er dachte nach.

»Die blonde junge Person Ihrer Liebesträume,« sagte er nach einem Stillschweigen, »wo ist sie? was macht sie? Ah! bei Gott, ich sehe sie; ja ... und Sie selbst haben sie heute gesehen. Mehr noch, Sie kommen von ihr her.«

Der Cardinal drückte eine eiskalte Hand auf sein klopfendes Herz.

»Mein Herr!« sagte er so leise, daß Cagliostro es kaum hörte, »ich bitte ...«

»Wollen Sie, daß wir von etwas Anderem sprechen?« versetzte der Wahrsager mit höflichem Tone. »Oh! ich bin ganz zu Ihren Befehlen, Monseigneur. Haben Sie die Güte, über mich zu verfügen.«

Und er streckte sich ziemlich frei auf einem Sopha aus, den der Cardinal ihm zu bezeichnen seit dem Anfang dieses interessanten Gesprächs vergessen hatte.

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