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Das Halsband der Königin - 2

Alexandre Dumas (der Ältere): Das Halsband der Königin - 2 - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleDas Halsband der Königin - 2
publisherHeimat und Welt-Verlag Dieck & Co
addressStuttgart
year1924
firstpub1924
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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projectid2d71c580
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XXVI.

Der Gesandte.

Am andern Tag, gegen Abend, kam ein Reisewagen, genug bestaubt, genug mit Koth bespritzt, daß Niemand das Wappen unterscheiden konnte, durch die Barrière de l'Enfer.

Die vier Pferde, die ihn führten, liefen in größter Eile; die Postillone sputeten sich, als ob sie einen Fürsten bedienten.

Der Wagen hielt vor einem Hotel von ziemlich hübschem Aussehen in der Rue de la Jussienne an.

Vor der Thüre dieses Hotels warteten zwei Männer, der eine in einer Kleidung, welche durch ihren Glanz die Ceremonie verkündigte, der andere in einer Art von Alltagslivree, wie sie jeder Zeit die öffentlichen Officianten der verschiedenen Pariser Administrationen gehabt haben.

Mit anderen Worten, der Letztere glich einem Portier im Prachtgewand.

Der Wagen fuhr in das Hotel hinein, dessen Thüren sogleich wieder mehreren Neugierigen vor der Nase zugemacht wurden.

Der Mann im Staatskleid näherte sich sehr ehrfurchtsvoll dem Kutschenschlag und begann mit einer meckernden Stimme eine Rede in portugiesischer Sprache.

»Wer sind Sie?« fragte aus dem Innern eine etwas trotzige Stimme ebenfalls Portugiesisch, nur sprach diese Stimme ein vortreffliches Portugiesisch.

»Der unwürdige Kanzler der Gesandtschaft, Excellenz.«

»Sehr gut. Wie schlecht sprechen Sie unsere Sprache, mein lieber Kanzler! Sagen Sie, wo steigt man aus?«

»Hier, gnädigster Herr, hier.«

»Ein trauriger Empfang,« rief der edle Don Manoel, der sich gewaltig in die Brust warf, während er sich auf seinen Kammerdiener und seinen Secretär stützte.

»Eure Excellenz wird mir gnädigst verzeihen,« sagte der Kanzler in seiner schlechten Sprache, »der Courier Seiner Excellenz ist erst heute Mittag um zwei Uhr bei der Gesandtschaft abgestiegen, um Ihre Ankunft zu melden. Ich war abwesend, gnädigster Herr, abwesend in Geschäften der Gesandtschaft. Bei meiner Rückkehr fand ich sogleich den Brief Eurer Excellenz. Ich hatte nur noch Zeit, die Zimmer zu öffnen; man beleuchtet sie.«

»Gut. gut.«

»Ah! es ist eine große Freude, die erhabene Person unseres neuen Gesandten zu sehen.«

»Stille! lassen wir nichts bekannt werden, bis neue Befehle von Lissabon eingetroffen sind. Wollen Sie nur die Güte haben, mich in mein Schlafzimmer zu führen, ich falle um vor Müdigkeit. Sie werden sich mit meinem Secretär besprechen, er soll Ihnen meine Befehle mittheilen.«

Der Kanzler verbeugte sich ehrfurchtsvoll vor Beausire; dieser erwiderte die Verbeugung durch einen freundlichen Gruß und sagte mit einer höflich ironischen Miene:

»Sprechen Sie Französisch, mein lieber Herr, das wird Ihnen bequemer sein, und mir ist es auch genehm.«

»Ja, ja,« murmelte der Kanzler, »es wird bequemer für mich sein, denn ich muß gestehen, Herr Secretär, meine Aussprache ...«

»Ich sehe es wohl,« erwiderte Beausire mit Dreistigkeit.

»Ich benütze diese Gelegenheit, da ich in Ihnen einen so liebenswürdigen Mann finde,« sprach der Kanzler mit hastigem Erguß, »ich benütze die Gelegenheit, sage ich, um Sie zu fragen, ob Sie glauben, Herr von Suza werde mir nicht böse sein, daß ich das Portugiesische so radebreche.«

»Keineswegs, wenn Sie das Französische rein sprechen.«

»Ich!« sagte der Kanzler freudig; »ich, ein Pariser aus der Rue Saint-Honoré?«

»Oh! das ist zum Entzücken!« rief Beausire. »Wie heißen Sie? Ducorneau, glaube ich?«

»Ducorneau, ja, Herr Secretär, ein ziemlich glücklicher Name, denn er hat eine spanische Endung, wenn man will. Der Herr Secretär wußte meinen Namen, das ist sehr schmeichelhaft für mich.«

»Ja, Sie sind dort sehr gut angeschrieben, so gut angeschrieben, daß Ihr Ruf uns abgehalten hat, einen Kanzler von Lissabon mitzubringen.«

»Oh! wie viel Dank bin ich Ihnen schuldig, und welch ein Glück ist für mich die Ernennung des Herrn von Suza!«

»Oh! ich glaube, der Herr Gesandte läutet.«

»Laufen wir!«

Man lief in der That. Der Herr Gesandte hatte sich, eifrigst unterstützt von seinem Kammerdiener, schon ausgekleidet und einen prachtvollen Schlafrock angezogen. In Eile gerufen, war ein Barbier mit ihm beschäftigt. Einige dem Anschein nach ziemlich reiche Schachteln und Reisenecessaires schmückten die Tische und Consoles.

Ein großes Feuer flammte im Kamin.

»Treten Sie ein, treten Sie ein, Herr Kanzler,« rief der Gesandte, der sich in einen ungeheuern Lehnstuhl mit Polstern, ganz nach der Quere vor dem Kamin, begraben hatte.

»Der Herr Gesandte wird ärgerlich werden, wenn ich ihm französisch antworte,« sagte leise der Kanzler zu Beausire.

»Nein, nein, immer zu.«

Ducorneau machte sein Compliment in französischer Sprache.

»Ah! das ist sehr bequem, Sie sprechen das Französische bewunderungswürdig, Herr du Corno.«

»Er hält mich für einen Portugiesen,« dachte der Kanzler, trunken vor Freude.

Und er drückte Beausire die Hand.

»Wohlan! kann man zu Nacht speisen?«

»Gewiß, ja, Eure Excellenz. Ja, das Palais-Royal ist zwei Schritte von hier, und ich kenne einen vortrefflichen Traiteur, der Eurer Excellenz ein gutes Abendbrod bringen würde.«

»Als ob es für Sie wäre, Herr du Corno.«

»Ja, gnädigster Herr ... Und ich, wenn es Eure Excellenz erlaubt, würde mir die Freiheit nehmen, ein Paar Flaschen von einem Landwein anzubieten, wie Eure Excellenz keinen in Porto selbst gefunden haben wird.«

»Ei! unser Kanzler hat also einen guten Keller?« sagte Beausire munter.

»Das ist mein einziger Luxus,« erwiderte demüthig der brave Mann, dessen lebhafte Augen, dicke, runde Backen und blüthenreiche Nase Beausire und Don Manoel zum ersten Mal beim Schein der Kerzen sehen konnten.

»Thun Sie, wie es Ihnen beliebt, Herr du Corno,« sagte der Gesandte; »bringen Sie uns von Ihrem Wein, und speisen Sie mit uns zu Nacht.«

»Eine solche Ehre ...«

»Ohne Etikette, heute bin ich noch ein Reisender, ich werde erst morgen der Gesandte sein. Und dann werden wir von den Geschäften sprechen.«

»Oh! der gnädige Herr wird mir doch erlauben, daß ich einen Blick auf meine Toilette werfe.«

»Sie sind herrlich,« sagte Beausire.

»Empfangstoilette, nicht Gala,« erwiderte Ducorneau.

»Bleiben Sie, wie Sie sind, und widmen Sie unseren Anstalten die Zeit, die Sie brauchen würden, um das Galakleid anzuziehen.«

Entzückt verließ Ducorneau den Gesandten und lief eiligst weg, um zehn Minuten für den Appetit Seiner Excellenz zu gewinnen.

Während dieser Zeit ließen die drei Schelme das Mobiliar und die übrigen Gegenstände ihrer neuen Gewalt die Revue passiren.

»Schläft dieser Kanzler im Hotel?« fragte Don Manoel.

»Nein: der Bursche hat einen guten Keller und muß irgendwo eine hübsche Frau oder eine Grisette haben. Es ist ein alter Junggeselle.«

»Der Portier?«

»Man wird sich seiner entledigen müssen.«

»Ich übernehme das.«

»Die anderen Bedienten des Hotel?«

»Miethbediente, deren Stelle unsere Verbündeten morgen einnehmen werden.«

»Was sagt die Küche? was die Vorrathskammer?«

»Todt! todt! der frühere Gesandte erschien nie im Hotel. Er hatte sein Haus in der Stadt.«

»Was sagt die Casse?«

»Was die Casse betrifft, so müssen wir den Kanzler befragen; das ist delicat.«

»Das übernehme ich,« sagte Beausire, »wir sind schon die besten Freunde der Welt.«

»Stille! er kommt.«

Ducorneau kam wirklich athemlos zurück. Er hatte den Traiteur in der Rue des-Bons-Enfants benachrichtigt, aus seinem Cabinet sechs Flaschen von ehrwürdigem Aussehen genommen, und sein freudiges Gesicht verkündigte alle die guten Geneigtheiten, welche die zwei Sonnen, Natur und Diplomatie, zu combiniren wissen, um das zu vergolden, was die Cyniker die menschliche Façade nennen.

»Eure Excellenz wird nicht in den Speisesaal hinabgehen?« fragte er.

»Nein, nein, wir speisen auf dem Zimmer, unter uns, am Kamin.«

»Der gnädigste Herr erfüllt mich mit Freude. Hier ist der Wein.«

»Topase!« sagte Beausire, indem er eine der Flaschen zur Höhe einer Kerze emporhob.

»Setzen Sie sich, Herr Kanzler, wahrend mein Kammerdiener den Tisch deckt.«

Ducorneau setzte sich.

»An welchem Tag sind die letzten Depeschen angekommen?« fragte der Gesandte.

»Am Vorabend bei Abreise Ihres ... des Vorgängers Eurer Excellenz.«

»Wohl! die Gesandtschaft ist in gutem Zustand?«

»Oh! ja, gnädigster Herr.«

»Keine schlechten Geldangelegenheiten?«

»Nicht, daß ich wüßte.«

»Keine Schulden? ... Oh! sprechen Sie. Wenn solche vorhanden wären, so würden wir damit anfangen, daß wir sie bezahlten. Mein Vorgänger ist ein wackerer Mann, für den ich mich solidarisch verbindlich mache.«

»Gott sei Dank, der gnädige Herr wird das nicht nöthig haben; die Credite sind angewiesen worden, und am andern Tage nach der Abreise des vorigen Gesandten kamen hunderttausend Livres hier an.«

»Hunderttausend Livres!« riefen, ganz erschrocken vor Freude, gleichzeitig Beausire und Don Manoel.

»In Gold,« sagte der Kanzler.

»In Gold,« wiederholte der Gesandte, der Secretär und sogar der Kammerdiener.

»Somit,« sagte Beausire, seine Aufregung bewältigend, »somit enthält die Casse ...«

»Einmal hunderttausend dreihundert und achtundzwanzig Livres, Herr Secretär.«

»Das ist wenig,« sprach Don Manoel kalt; »doch Ihre Majestät hat zum Glück Fonds zu unserer Verfügung gestellt. Ich sagte Ihnen ja, mein Lieber,« fuhr er, sich an Beausire wendend, fort, »ich sagte Ihnen, es würde uns in Paris daran fehlen.«

»Ja, wenn Eure Excellenz nicht ihre Vorsichtsmaßregeln getroffen hätte,« erwiderte Beausire ehrerbietig.

Von dieser wichtigen Mittheilung des Kanzlers an nahm die Heiterkeit der Gesandtschaft beständig zu.

Ein gutes Abendbrod, bestehend aus einem Salmen, ungeheuren Krebsen, Schwarzfleisch und Cremen, vermehrte die Begeisterung der portugiesischen Herren nicht wenig.

Ducorneau, dem man es behaglich gemacht, aß wie zehn Granden Spaniens und zeigte seinen Vorgesetzten, wie ein Pariser aus der Rue Saint-Honoré die Weine von Porto und Xeres als Weine von Brie oder Tonnerre behandelte.

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