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Das Halsband der Königin - 2

Alexandre Dumas (der Ältere): Das Halsband der Königin - 2 - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleDas Halsband der Königin - 2
publisherHeimat und Welt-Verlag Dieck & Co
addressStuttgart
year1924
firstpub1924
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100725
projectid2d71c580
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LI.

Worin nachgewiesen wird, daß die Öffnung des Herzens viel schwieriger ist, als die des Körpers.

Der Doctor blieb nachdenkend stehen und schaute der weggehenden Königin nach.

Dann sagte er den Kopf schüttelnd zu sich selbst:

»Es gibt in diesem Schloß Geheimnisse, die nicht in's Gebiet der Wissenschaft gehören. Gegen die einen bewaffne ich mich mit der Lancette und durchsteche ihnen die Adern, um sie zu heilen; gegen die anderen bewaffne ich mich mit dem Vorwurf, und durchsteche ihnen das Herz; werde ich sie heilen?«

Dann, als der Anfall vorüber war, schloß er Charny die Augen, welche offen und starr geblieben, erfrischte ihm die Schläfe mit Wasser und Essig, und traf um ihn her die Vorkehrungen, welche die glühende Atmosphäre des Kranken in ein Paradies der Wonne verwandeln.

Hierauf, als er Ruhe in die Züge des Kranken zurückkehren sah, als er bemerkte, daß sich sein Schluchzen ganz sachte in Seufzer verwandelte, daß unbestimmte Sylben statt wüthender Worte aus seinem Munde kamen, sagte er:

»Ja, ja, das war nicht nur Sympathie, sondern auch Einfluß; dieses Delirium hatte sich erhoben, als wollte es dem Besuch, den der Kranke erhalten, entgegenkommen; ja, die menschlichen Atome versetzen sich wie der befruchtende Staub; ja, der Geist hat unsichtbare Verbindungen, die Herzen haben geheime Beziehungen.«

Plötzlich bebte er, wandte sich, gleichsam mit dem Auge und mit dem Ohr horchend, um und murmelte:

»Wer ist wieder da?«

Er hatte wirklich etwas wie ein Gemurmel, wie das Rauschen eines Kleides am Ende der Flur gehört.

»Das kann unmöglich die Königin sein,« sagte er; »sie würde von einem ohne Zweifel unabänderlichen Entschluß nicht abgehen. Wir wollen sehen.«

Und er öffnete sachte eine andere Thüre, welche auch auf den Corridor ging, streckte geräuschlos den Kopf hinaus und sah zehn Schritte von sich eine Frau in langem Gewande mit unbeweglichen Falten und der kalten, trägen Bildsäule der Verzweiflung ähnlich.

Es war Nacht, das schwach Licht, das im Gange stand, konnte diesen nicht von einem Ende zum andern beleuchten; doch durch ein Fenster drang ein Mondstrahl, der auf sie fiel und sie sichtbar machte, bis zu dem Augenblick, wo eine Wolke zwischen sie und den Strahl treten würde.

Der Doctor kehrte sachte zurück und durchschritt den Raum, der eine Thüre von der andern trennte; dann öffnete er geräuschlos, aber rasch diejenige, hinter welcher die Frau verborgen war.

Sie gab einen Schrei von sich, streckte die Hände aus und begegnete den Händen des Doctors.

»Wer ist da?« fragte er mit einer Stimme, in der mehr Mitleid, als Drohung lag; denn gerade an der Unbeweglichkeit dieses Schattens errieth er, daß derselbe mehr mit dem Herzen als mit dem Ohr horchte.

»Ich, Doctor, ich,« erwiderte eine sanfte und traurige Stimme.

Obgleich diese Stimme dem Doctor nicht unbekannt war, erweckte sie doch in ihm nur eine unbestimmte, entfernte Erinnerung.

»Ich, Andrée von Taverney, Doctor.«

»Ah! mein Gott, was gibt es denn?« rief der Doctor. »Ist sie unpäßlich geworden?«

»Sie!« rief Andrée. »Sie! welche sie denn?«

Der Doctor fühlte, daß er eine Unvorsichtigkeit begangen hatte.

»Verzeihen Sie, ich sah so eben eine Frau weggehen. Vielleicht waren Sie es?«

»Ah! ja,« versetzte Andrée, »nicht wahr, es ist eine Frau vor mir hierher gekommen?«

Andrée sprach diese Worte mit einer glühenden Neugierde, die dem Doctor über das Gefühl, das sie dictirt hatte, keinen Zweifel ließ.

»Mein liebes Kind,« sagte der Doctor, »mir scheint, wir mißverstehen uns. Von wem sprechen Sie? was wollen Sie von mir? erklären Sie sich.«

»Doctor,« erwiderte Andrée mit einem so traurigen Ton, daß er dem Frager bis in die Tiefen seines Herzens drang. »Guter Doctor, versuchen Sie es nicht, mich zu täuschen, Sie, der Sie die Gewohnheit haben, mir die Wahrheit zu sagen; gestehen Sie, daß soeben eine Frau hier war, gestehen Sie es mir, denn ich habe sie gesehen.«

»Ei! wer sagt Ihnen denn, es sei Niemand hierher gekommen?«

»Ja, aber eine Frau, eine Frau, Doctor!«

»Allerdings eine Frau; wollen Sie nicht etwa die These behaupten, eine Frau sei nur bis zum vierzigsten Jahre Frau?«

»Diejenige, welche hierher gekommen ist, war vierzig Jahre alt, Doctor!« rief Andrée, zum ersten Male athmend, »ah!«

»Wenn ich sage vierzig, schenke ich ihr noch fünf bis sechs gute Jahre; doch man muß artig gegen seine Freundinnen sein, und Frau von Misery gehört zu meinen Freundinnen, und zwar zu meinen guten Freundinnen,«

»Frau von Misery?«

»Gewiß.«

»Sie ist dagewesen?«

»Warum des Teufels sollte ich es Ihnen denn nicht sagen, wenn es eine Andere gewesen wäre?«

»Oh! weil ...«

»Wahrhaftig, die Frauen sind alle dieselben, unerklärlich; ich glaubte Sie doch zu kennen, Sie besonders. Nein, ich kenne Sie so wenig als die andern. Man möchte wahnsinnig werden.«

»Guter, lieber Doctor!«

»Genug. Zur Sache!«

Andrée schaute ihn unruhig an.

»Ist es schlimmer bei ihr geworden?« fragte er.

»Bei wem denn?«

»Bei der Königin.«

»Die Königin?«

»Ja, die Königin, für die mich Frau von Misery soeben geholt hat; die Königin, welche an Bangigkeiten, an Herzklopfen leidet. Eine traurige Krankheit, mein liebes Fräulein, unheilbar. Geben Sie mir doch Nachricht von der Königin, wenn Sie in ihrem Auftrage gekommen sind, und kehren wir zu ihr zurück.«

Der Doctor machte eine Bewegung, die seine Absicht, den Platz, wo er sich befand, zu verlassen, andeutete.

Doch Andrée hielt ihn sanft zurück und sagte, leichter athmend:

»Nein, lieber Doctor, ich komme nicht im Auftrag der Königin. Ich wußte sogar nicht einmal, daß sie leidend ist. Arme Königin, wenn ich es gewußt hätte! ... Verzeihen Sie mir, Doctor, ich weiß nicht mehr, was ich sage.«

»Ich sehe es wohl.«

»Ich weiß nicht nur nicht mehr, was ich sage, sondern auch nicht, was ich thue.«

»Oh! was Sie thun, weiß ich wohl: Sie sind unpäßlich.«

Andrée hatte wirklich den Arm des Doctors losgelassen; ihre kalte Hand fiel an ihrem Leibe herab; sie neigte sich leichenbleich.

Der Doctor hob sie auf, belebte, ermuthigte sie.

Andrée that sich große Gewalt an. Diese kräftige Seele, die sich nie, weder durch den körperlichen, noch durch den moralischen Schmerz hatte niederbeugen lassen, spannte ihre stählernen Federn.

»Doctor, Sie wissen, daß ich nervös bin, und daß mir die Dunkelheit furchtbare Beängstigungen verursacht? Ich habe mich in der Dunkelheit verirrt. Daher rührt der seltsame Zustand, in dem ich mich befinde.«

»Und warum des Teufels setzen Sie sich der Dunkelheit aus? Wer zwingt Sie dazu? Es schickte Sie doch Niemand hierher, es führte Sie nichts hierher?«

»Ich habe nicht gesagt, nichts, Doctor, ich habe gesagt, Niemand

»Ah! ah! das sind Spitzfindigkeiten. Wir sind hier schlecht, um solche zu machen. Gehen wir anderswohin, besonders wenn Sie lange bleiben wollen.«

»Doctor, zehn Minuten, das ist Alles, was ich von Ihnen verlange.«

»Zehn Minuten, es sei, doch nicht stehend, meine Beine sträuben sich entschieden gegen diese Gesprächsweise, setzen wir uns.«

»Wohin denn?«

»Auf das Bänkchen im Gange.«

»Und Sie glauben, es werde Sie hier Niemand hören, Doctor?« fragte Andrée voll Angst.

»Niemand.«

»Nicht einmal der Verwundete dort?« fuhr sie mit demselben Tone fort, indem sie dem Doctor das durch einen sanften, bläulichen Reflex beleuchtete Zimmer bezeichnete, in welchem sie ihren Blick tauchte.

»Nein, nicht einmal jener arme Junge, und ich möchte beifügen, daß wenn Einer uns hört, er es nicht ist.«

Andrée faltete die Hände.

»Oh! mein Gott, es steht also sehr schlimm bei ihm?« sagte sie.

»Es steht allerdings nicht gut. Doch sprechen wir von dem, was Sie hierher führte; geschwind, mein Kind, geschwind; Sie wissen, daß mich die Königin erwartet.«

»Nun, Doctor,« erwiderte Andrée seufzend, »mir scheint, wir sprechen davon.«

»Wie, Herr von Charny?«

»Um ihn handelt es sich, Doctor, und ich wollte mich nach ihm erkundigen.«

Das Stillschweigen, mit dem der Doctor diese Worte aufnahm, auf die er doch gefaßt sein mußte, war eisig. Der Doctor stellte in der That in diesem Augenblick den Schritt Andrée's mit dem Schritte der Königin zusammen; er sah diese zwei Frauen von einem und demselben Gefühle angetrieben und glaubte an den Symptomen zu erkennen, dieses Gefühl sei eine heftige Liebe.

Andrée, welche nichts von dem Besuche der Königin wußte und im Geiste des Doctors nicht lesen konnte, was Alles an traurigem Wohlwollen und barmherzigem Mitleid darin enthalten war, hielt das Stillschweigen des Doctors für einen, vielleicht etwas hart ausgeprägten Tadel und richtete sich wie gewöhnlich unter diesem Drucke auf, so stumm er auch war.

»Mir scheint, Sie können diesen Schritt entschuldigen, Doctor,« sagte sie; »denn Herr von Charny ist in Folge einer in Duelle erhaltenen Wunde krank, und diese Wunde hat ihm mein Bruder beigebracht.«

»Ihr Bruder!« rief der Doctor; »Herr Philipp von Taverney hat Herrn von Charny verwundet?«

»Allerdings.«

»Oh! dieser Umstand war mir nicht bekannt.«

»Nun aber, da Sie ihn kennen, begreifen Sie nicht, daß ich mich nach seinem Zustand erkundigen muß?«

»Oh! doch,« sprach der Doctor, entzückt, daß er eine Gelegenheit fand, nachsichtig zu sein. »Ich wußte die wahre Ursache nicht, ich konnte sie nicht errathen.«

Und er legte auf seine letzten Worte einen solchen Nachdruck, daß er Andrée dadurch bewies, er nehme ihre Schlüsse nur unter allen möglichen Vorbehalten an.

»Sprechen Sie, Doctor,« sagte Andrée, indem sie ihre beiden Hände auf den Arm von Louis legte und ihm in's Gesicht schaute, »sprechen Sie Ihren ganzen Gedanken aus.«

»Ich habe ihn ausgesprochen. Warum sollte ich damit hinter dem Berg halten?«

»Ein Duell zwischen zwei Edelleuten ist ein alltägliches Ereigniß.«

»Der einzige Umstand, der diesem Duell eine Bedeutung geben könnte, wäre, wenn sich unsere zwei jungen Leute einer Frau wegen geschlagen hätten.«

»Einer Frau wegen, Doctor?«

»Ja. Ihretwegen, zum Beispiel.«

»Meinetwegen!« Andrée stieß einen tiefen Seufzer aus. »Nein, Doctor, meinetwegen hat sich Herr von Charny nicht geschlagen.«

Der Doctor hatte die Miene, als begnügte er sich mit der Antwort, doch auf die eine oder andere Weise wollte er die Ursache des Seufzers erfahren.

»Dann begreife ich,« sagte er, »Ihr Bruder hat Sie also geschickt, um genauen Bericht über den Zustand des Verwundeten zu bekommen.«

»Ja, mein Bruder! ja, Doctor!« rief Andrée.

Der Doctor schaute ihr ebenfalls in's Gesicht und murmelte:

»Oh! was Du im Herzen hast, unbeugsame Seele, werde ich wohl erfahren.«

Dann sprach er laut:

»Wohl! ich will Ihnen die ganze Wahrheit sagen, wie man sie Jedermann schuldet, der dabei interessirt ist, sie kennen zu lernen. Theilen Sie dieselbe Ihrem Bruder mit, und er treffe dem gemäß seine Vorkehrungen. Sie verstehen?«

»Nein, Doctor, denn ich besinne mich, was Sie mit den Worten: Er treffe dem gemäß seine Vorkehrungen – sagen wollen.«

»Hören Sie. Ein Duell ist eine dem König nicht angenehme Sache. Es ist wahr, der König läßt die Edicte nicht mehr beobachten; erregt aber ein Duell Aergerniß, so straft Seine Majestät mit Verbannung oder Gefängniß.«

»Das ist richtig, Doctor.«

»Und würde unglücklicher Weise ein Mensch getödtet, oh! dann ist Seine Majestät unbarmherzig. Rathen Sie folglich Ihrem lieben Bruder, seine Person für einige Zeit in Sicherheit zu bringen.«

»Doctor!« rief Andrée, »Doctor, es steht also bei Herrn von Charny sehr schlimm?«

»Hören Sie, mein liebes Fräulein, ich habe Ihnen Wahrheit versprochen: Sie sehen den armen Jungen, der dort schläft oder vielmehr in jenem Zimmer röchelt?«

»Doctor, ja,« erwiderte Andrée mit erstickter Stimme; »nun?«

»Ist er morgen um diese Stunde nicht gerettet, hat das Fieber, das kürzlich entstanden ist und ihn verzehrt, nicht aufgehört, so ist Herr von Charny morgen um diese Stunde todt.«

Andrée fühlte, daß sie einen Schrei auszustoßen im Begriffe war, sie preßte sich die Kehle zusammen, sie drückte die Nägel in das Fleisch, um in dem körperlichen Schmerz Etwas von der Beklemmung zu ersticken, die ihr das Herz zerriß.

Louis konnte in ihren Zügen die furchtbare Verheerung nicht sehen, welche dieser Kampf hervorgebracht hatte.

Andrée beherrschte sich wie eine Spartanerin.

»Mein Bruder,« sagte sie, »wird nicht fliehen, er hat mit Herrn von Charny als ein Mann von Herz gekämpft; hat er das Unglück gehabt, ihn zu treffen, so war er dazu gezwungen; hat er ihn getödtet, so wird Gott richten.«

»Sie war nicht für ihre Rechnung gekommen,« sagte der Doctor zu sich selbst, »für die Königin also. Wir wollen sehen, ob Ihre Majestät den Leichtsinn so weit getrieben hat.«

»Wie hat die Königin dieses Duell aufgenommen?« fragte er.

»Die Königin? ich weiß es nicht,« erwiderte Andrée. »Was liegt der Königin daran?«

»Ich denke, Herr von Taverney ist ihr angenehm.«

»Wohl! Herr von Taverney ist unversehrt; wir wollen hoffen, daß Ihre Majestät meinen Bruder selbst vertheidigt, wenn man ihn anklagt.«

Auf zwei Seiten in seiner doppelten Hypothese geschlagen, gab Louis die Partie auf.

»Ich bin kein Physiologe,« sagte er, »ich bin nur ein Wundarzt. Warum des Teufels soll ich mich, wenn ich das Spiel der Muskeln und der Nerven so gut kenne, in das Spiel der Launen und Leidenschaften der Weiber mischen? ... Mein Fräulein, Sie haben erfahren, was Sie zu wissen wünschten. Machen Sie, daß Herr von Taverney entflieht, oder machen Sie es nicht, das ist Ihre Sache. Meine Pflicht ist es, daß ich den Verwundeten ... heute Nacht zu retten suche, sonst würde mir ihn der Tod, der seine Arbeit ruhig fortsetzt, in vierundzwanzig Stunden entführen. Gott befohlen!«

Und er schloß sachte, aber entschieden die Thüre hinter ihr.

Andrée fuhr krampfhaft mit der Hand über die Stirne, sie sah sich allein, allein mit dieser gräßlichen Wirklichkeit. Es kam ihr vor, als stiege der Tod, von welchem der Doctor so kalt gesprochen, in dieses Zimmer herab und ginge in weißem Schweißtuch durch die finstere Flur.

Der Wind der Grauen erregenden Erscheinung vereiste ihre Glieder; sie entfloh bis in ihre Wohnung, drehte den Schlüssel dreimal im Schlosse um, fiel auf den Teppich vor ihrem Bette auf beide Kniee und rief mit einer wilden Energie und unter Strömen glühender Thränen:

»Mein Gott! mein Gott! Du bist nicht ungerecht, Du bist nicht thöricht; Du bist nicht grausam, mein Gott! Du vermagst Alles, Du wirst diesen jungen Mann nicht sterben lassen, der nichts Böses gethan hat und auf dieser Welt geliebt wird. Wein Gott! wir armen Menschen glauben wahrhaftig nur an die Macht Deiner Gutthätigkeit, obschon wir bei jedem Anlaß vor der Macht Deines Zornes zittern. Doch ich ... ich ..., die ich Dich anflehe, bin auf dieser Welt genug geprüft worden, ich habe genug gelitten, ohne ein Verbrechen begangen zu haben ... Nun! ich habe mich nie beklagt, nicht einmal bei Dir, ich habe nie an Dir gezweifelt. Wenn Du heute, da ich Dich bitte, heute, da ich Dich beschwöre, heute, da ich um das Leben eines jungen Mannes bitte, mich zurückwiesest, o mein Gott, ich würde sagen, Du habest gegen mich alle Deine Kräfte mißbraucht, und Du seist ein Gott des düsteren Zorns, der unbekannten Rache, ich würde sagen ... Oh! ich blasphemire, vergib, ich blasphemire ... und Du schlägst mich nicht. Vergebung, Vergebung! Du bist wohl der Gott der Milde und Barmherzigkeit.«

Andrée fühlte ihre Sehkraft erlöschen, ihre Muskeln sich biegen; sie warf sich leblos, mit aufgelösten Haaren, zurück und blieb wie eine Leiche auf dem Boden liegen.

Als sie wieder aus diesem kalten Schlafe erwachte, und ihr Alles in den Geist kam, Gespenster und Schmerzen, murmelte sie mit einem düsteren Ausdruck:

»Mein Gott, Du bist unbarmherzig gewesen; Du hast mich bestraft, ich liebe ihn! Oh! ... ja, ich liebe ihn! nicht wahr, das ist genug? Wirst Du mir ihn jetzt tödten?«

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