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Das Halsband der Königin - 2

Alexandre Dumas (der Ältere): Das Halsband der Königin - 2 - Kapitel 24
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas
titleDas Halsband der Königin - 2
publisherHeimat und Welt-Verlag Dieck & Co
addressStuttgart
year1924
firstpub1924
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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XLVII.

Jeanne als Schützlingin.

Herrin eines solchen Geheimnisses, reich von einer solchen Zukunft, unterstützt von zwei so bedeutenden Mächten, fühlte sich Jeanne stark genug, um eine Welt aus den Angeln zu heben.

Sie gab sich vierzehn Tage Frist, um voll in die saftige Traube zu beißen, die das Glück über ihre Stirne aufhing.

Bei Hofe nicht mehr als eine Bittstellerin, nicht mehr als die von Frau von Boulainvilliers aus dem Elend gezogene arme Bettlerin, sondern als eine Abkömmlingin der Valois mit einem Reichthum von hunderttausend Livres Einkünften zu erscheinen, einen Herzog und Pair zum Gemahl zu haben, sich die Günstlingin der Königin zu nennen und in dieser Zeit der Intriguen und Stürme den König durch Marie Antoinette, somit also den Staat zu regieren, dieß war ganz einfach das Panorama, das sich vor der unerschöpflichen Einbildungskraft der Gräfin von La Mothe aufrollte.

Als es Tag war. machte sie nur einen Sprung bis Versailles. Sie hatte keinen Audienzbrief, aber ihr Vertrauen zu ihrem Glück war so mächtig geworden, daß Jeanne nicht daran zweifelte, die Etikette würde sich vor ihrem Wunsche beugen.

Sie hatte Recht.

Alle die Dienstfertigen des Hofes, die so eifrig darauf bedacht sind, den Geschmack des Gebieters zu errathen, hatten schon bemerkt, welches Vergnügen die Königin an der Gesellschaft der hübschen Gräfin fand.

Das war genug, daß ein verständiger Huissier, der sich einzuschmeicheln wünschte, sich der Königin, welche aus der Capelle kam, in den Weg stellte und hier, wie durch Zufall, vor dem Kammerherrn vom Dienst die Worte sprach:

»Mein Herr, was soll ich mit der Gräfin von La Mothe-Valois machen, welche keinen Audienzbrief hat?«

Die Königin sprach leise mit Frau von Lamballe. Der Name Jeanne's, geschickt von diesem Menschen hingeworfen, unterbrach sie in ihrem Gespräche.

Sie wandte sich um.

»Sagt man nicht, Frau van La Mothe-Valois sei da?«

»Ich glaube, ja, Eure Majestät,« erwiderte der Kammerherr.

»Wer sagt das?«

»Dieser Huissier, Madame.«

Der Huissier verbeugte sich bescheiden.

»Ich werde Frau von La Mothe-Valois empfangen,« sprach die Königin, welche immer weiter ging.

Dann, ehe sie ganz verschwand, fügte sie bei:

»Sie werden sie in das Badecabinet führen.«

Jeanne, der dieser Mensch einfach erzählte, was er gethan, fuhr sogleich mit der Hand nach ihrer Börse, doch der Huissier hielt sie durch ein Lächeln zurück und sagte:

»Frau Gräfin, ich bitte, wollen Sie die Güte haben, diese Schuld anwachsen zu lassen. Sie werden sie mir vielleicht bald mit besseren Interessen bezahlen können.«

»Sie haben Recht, mein Freund, ich danke,« erwiderte Jeanne, und sie steckte ihr Geld wieder in die Tasche.

»Warum sollte ich nicht einen Huissier begünstigen, der mich begünstigt hat?« sagte sie zu sich selbst. »Ich thue eben so viel für einen Cardinal.«

Jeanne befand sich bald in Gegenwart ihrer Souveränin. Marie Antoinette war ernst, scheinbar nicht ganz gut gestimmt, vielleicht gerade weil sie die Gräfin mit einem unerwarteten Empfang zu sehr begünstigt hatte.

»Die Königin bildet sich wohl am Ende ein, ich wolle wieder betteln,« dachte die Freundin des Herrn von Rohan ... »Ehe ich zwanzig Worte gesprochen habe, wird sie entrunzelt sein, oder sie hat mich vor die Thüre werfen lassen.«

»Madame,« sagte die Königin, »ich habe noch nicht Gelegenheit gehabt, mit dem König zu sprechen.«

»Ah! Madame, Eure Majestät ist nur zu gut gegen mich gewesen, und ich erwarte nichts mehr. Ich komme ...«

»Warum kommen Sie?« versetzte die Königin, welche die Uebergänge geschickt aufzugreifen verstand. »Sie hatten keine Audienz verlangt. Es ist vielleicht eine dringliche Sache ... für Sie?«

»Dringlich ... ja, Madame; doch für mich ... nein.«

»Für mich also ... lassen Sie hören, sprechen Sie, Gräfin.«

Und die Königin führte Jeanne in das Badecabinet, wo ihre Kammerfrauen auf sie warteten.

Als die Gräfin alle diese Leute um die Königin sah, fing sie ihr Gespräch nicht an.

Sobald die Königin im Bade war, schickte sie ihre Frauen weg.

»Madame,« sagte Jeanne, »Eure Majestät sieht mich in großer Verlegenheit.«

»Wie so?«

»Eure Majestät weiß, ich glaube es ihr gesagt zu haben, mit welcher Huld der Herr Cardinal mich zu verbinden sucht.«

Die Königin faltete die Stirne.

»Ich weiß es nicht,« sagte sie.

»Ich glaubte ...«

»Gleichviel ... sprechen Sie.«

»Wohl! Madame, Seine Eminenz erwies mir vorgestern die Ehre, mich zu besuchen.«

»Ah!«

»Es war wegen einer Wohltätigkeitsanstalt, deren Vorsteherin ich bin.«

»Sehr gut, sehr gut, Gräfin. Ich werde auch schenken ... Ihrer Wohltätigkeitsanstalt.«

»Eure Majestät täuscht sich. Ich habe die Ehre gehabt, ihr zu sagen, daß ich nichts fordere. Der Herr Cardinal sprach mit mir nach seiner Gewohnheit von der Güte der Königin, ihrer unerschöpflichen Gnade.«

»Und verlangte, daß ich seine Schützlinge beschütze?«

»Einmal. Ja, Eure Majestät.«

»Ich werde es thun, nicht des Herrn Cardinals wegen, sondern der Unglücklichen wegen, die ich immer gut aufnehme, von welcher Seite sie auch kommen mögen. Nur sagen Sie Seiner Eminenz, ich sei sehr beschränkt.«

»Ach! Madame, das sagte ich ihm, und daher rührt die Verlegenheit, die ich Eurer Majestät bezeichnet habe.«

»Ah! ah!«

»Ich schilderte dem Herrn Cardinal den so glühenden Wohlthätigkeitssinn, von dem das Herz Eurer Majestät bei der Mittheilung irgend eines Unglücks erfüllt ist; ich schilderte ihm die ganze Freigebigkeit, welche unablässig die stets zu schmale Börse der Königin leert.«

»Gut! gut!«

»»Hören Sie, Monseigneur,«« sagte ich zu ihm als Beispiel, »»Ihre Majestät macht sich zur Sclavin ihrer eigenen Güte. Sie opfert sich ihren Armen, das Gute, was sie thut, gereicht ihr zum Nachtheil,«« und hierüber klagte ich mich selbst an.«

»Wie so, Gräfin?« sagte die Königin, welche horchte, sei es nun daß Jeanne sie bei ihrer schwachen Seite zu fassen gewußt hatte, oder daß der ausgezeichnete Geist Marie Antoinette's unter der Länge dieses Eingangs ein lebhaftes, für sie aus der Vorbereitung entspringendes Interesse fühlte.

»Ich sagte, Madame, Eure Majestät habe mir einige Tage zuvor eine starke Summe gegeben; es sei dieß wenigstens tausendmal seit zwei Jahren der Königin begegnet, und wenn die Königin minder gefühlvoll, minder großmüthig gewesen wäre, so hätte sie zwei Millionen in der Casse, in deren Besitz keine Erwägung sie abhalten würde, sich das schöne Halsband zu verschaffen, das sie so edel, so muthig, aber, verzeihen Sie mir, wenn ich es sage, Madame, so ungerecht zurückgewiesen.«

Die Königin erröthete und schaute Jeanne an. Offenbar war der Schluß in den letzten Worten enthalten. Lag eine Falle darunter? war es nur Fuchsschwänzerei? Da die Frage so gestellt war, so mußte unfehlbar eine Gefahr für eine Königin dabei sein. Doch Ihre Majestät fand auf dem Gesichte Jeanne's so viel Sanftmuth, so viel unschuldiges Wohlwollen, so viel reine Wahrheit, daß nichts eine solche Physiognomie der Treulosigkeit oder der Schmeichelei beschuldigte. Und da die Königin selbst eine Seele voll wahrer Großmuth hatte, da die Großmuth immer die Stärke, die Stärke immer die Wahrheit in sich schließt, so sagte Marie Antoinette, einen Seufzer ausstoßend:

»Ja, das Halsband ist schön; es war schön, will ich sagen, und es freut mich, daß eine Frau von Geschmack mich lobt, daß ich es zurückgewiesen.«

»Wenn Sie wüßten, Madame,« rief Jeanne, die Phrase geschickt durchschneidend, »wie man am Ende die Gefühle der Leute kennen lernt, wenn man ein Interesse für diejenigen hegt, welche diese Leute lieben!«

»Was wollen Sie damit sagen?«

»Ich will damit sagen, Madame, ich habe Herrn von Rohan, als er Ihr heldenmüthiges Opfer des Halsbandes erfuhr, erbleichen sehen.«

»Erbleichen!«

»In einem Moment sah ich seine Augen sich mit Thränen füllen. Ich weiß nicht, Madame, ob es der Wahrheit entspricht, daß Herr von Rohan ein schöner Mann und ein vollendeter Cavalier sei, wie viele Leute behaupten; ich weiß nur, daß in diesem Augenblick sein Gesicht, erleuchtet von dem Feuer seiner Seele und ganz durchfurcht von Thränen, die durch Ihre edelmüthige Uneigennützigkeit, was sage ich? durch Ihre erhabene Selbstberaubung hervorgerufen würden – ... dieses Gesicht wird nie aus meinem Gedächtniß kommen.«

Die Königin hielt einen Augenblick inne, um das Wasser aus dem vergoldeten Schwanenschnabel, der sich in ihre marmorne Badewanne herabsenkte, fallen zu lassen.

»Wohl! Gräfin,« sprach sie dann, »da Ihnen Herr von Rohan so schön und so vollendet vorgekommen ist, wie Sie so eben gesagt, so fordere ich Sie auf, ihn das nicht sehen zu lassen. Er ist ein weltlicher Prälat, ein Hirte, der das Lamm eben so wohl für sich selbst, als für den Herrn nimmt.«

»Oh! Madame!«

»Was denn? Verleumde ich ihn etwa? Ist das nicht sein Ruf? Macht er sich nicht eine Art von Ruhm daraus? Sehen Sie ihn nicht an Ceremonientagen seine schönen Hände in der Luft schütteln, – es ist wahr, sie sind schön, – um sie noch weißer zu machen und auf diese vom Hirtenring funkelnden Hände die andächtigen Augen zu heften, welche noch viel glänzender sind, als der Diamant des Cardinals?«

Jeanne verbeugte sich.

»Die Trophäen des Kardinals,« fuhr die Königin fort, »sind zahlreich. Einige haben Aergerniß erregt. Der Prälat ist verliebt wie die Herren von der Fronde. Lobe ihn, wer da will, ich bleibe fern davon.«

»Wohl! Madame,« erwiderte Jeanne, der es bei dieser Vertraulichkeit, wie auch bei der ganzen physischen Lage der Königin behaglich wurde. »Ich weiß nicht, ob der Herr Cardinal an die Andächtigen dachte, als er zu mir mit einer solchen Gluth von den Tugenden Eurer Majestät sprach; doch Alles, was ich weiß, ist, daß seine schönen Hände, statt in der Luft zu schweben, an sein Herz gedrückt waren.«

Die Königin schüttelte den Kopf und fing an, gezwungen zu lachen.

»Ah! ah!« dachte Jeanne, »sollten die Sachen besser gehen, als wir glaubten, sollte der Aerger uns zur Unterstützung gereichen? oh! dann hätten wir zu leichte Arbeit.«

Die Königin nahm rasch wieder ihre edle, gleichgültige Miene an.

»Fahren Sie fort.« sagte sie.

»Eure Majestät verwandelt mich in Eis, diese Bescheidenheit, die das Lob sogar zurückweist ...«

»Das des Cardinals! Oh! ja.«

»Aber warum, Madame?«

»Weil es mir verdächtig ist.«

»Es geziemt sich nicht für mich,« erwiderte Jeanne mit der tiefsten Ehrfurcht, »es geziemt sich nicht, denjenigen zu vertheidigen, der das Unglück gehabt hat, bei Eurer Majestät in Ungnade zu fallen; wir wollen auch nicht einen Augenblick zweifeln, daß er sehr strafbar ist, da er Eurer Majestät mißfallen hat.«

»Herr von Rohan hat mir nicht mißfallen, er hat mich beleidigt. Doch ich bin Königin und Christin, und folglich doppelt angetrieben, Beleidigungen zu vergessen.«

Die Königin sprach diese Worte mit jener majestätischen Güte, die nur ihr eigenthümlich war.

Jeanne schwieg.

»Sie sagen nichts?«

»Ich wäre Eurer Majestät verdächtig, ich würde mich der Gefahr Ihrer Ungnade, Ihres Tadels aussetzen, drückte ich eine Meinung aus, welche der Ihrigen widerspräche.«

»Sie denken das Gegentheil von dem, was ich in Beziehung auf den Cardinal denke?«

»Gerade das Gegentheil, Madame.«

»Sie würden nicht so sprechen, wenn Sie erführen, was der Prinz Louis gegen mich gethan hat.«

»Ich weiß nur, was ich ihn für den Dienst Eurer Majestät habe thun sehen.«

»Galanterien?«

Jeanne verneigte sich.

»Höflichkeiten, Wünsche, Complimente?« fuhr die Königin fort.

Jeanne schwieg.

»Sie hegen für den Herrn von Rohan eine lebhafte Freundschaft, Gräfin; ich werde ihn in Ihrer Gegenwart nicht mehr angreifen,« sagte die Königin.

Und sie lachte abermals.

»Madame,« sprach Jeanne, »Ihr Zorn wäre mir lieber, als Ihr Gespötte. Was der Herr Cardinal für Eure Majestät empfindet, ist ein so ehrerbietiges Gefühl, daß er, ich bin fest davon überzeugt, wenn er die Königin über ihn lachen sähe, sich zu Tod grämen würde.«

»Oh! oh! er hat sich also sehr verändert?«

»Eure Majestät hatte neulich die Gnade, mir zu sagen, schon seit zehn Jahren sei Herr von Rohan leidenschaftlich ...«

»Ich scherzte, Gräfin,« sprach die Königin mit ernstem Tone.

Zum Stillschweigen genöthigt, schien Jeanne sich in die Aufgebung des Kampfes zu fügen; doch Marie Antoinette täuschte sich. Bei diesen Frauen, einem Gemisch von Tiger und Schlange, ist der Augenblick ihres Zurückbiegens immer das Vorspiel des Angriffs; die zusammengedrängte Ruhe geht dem Sprunge vorher.

»Sie sprachen von jenen Diamanten,« sagte unkluger Weise die Königin. »Gestehen Sie, daß Sie daran gedacht haben.«

»Tag und Nacht, Madame,« sprach Jeanne mit der Freude eines Generals, der auf dem Schlachtfelde seinen Feind einen entscheidenden Fehler machen sieht. »Sie sind so schön, sie werden Eurer Majestät so gut stehen.«

»Wie so?«

»Ja, Madame, ja, Eurer Majestät.«

»Sie sind aber verkauft!«

»Ja, sie sind verkauft.«

»An den Gesandten von Portugal?«

Jeanne schüttelte sachte den Kopf.

»Nein!« rief freudig die Königin.

»Nein, Madame.«

»An wen denn?«

»Herr von Rohan hat sie gekauft.«

Die Königin machte gleichsam einen Sprung, doch plötzlich wieder erkaltet, ließ sie nur ein halblautes »Ah!« vernehmen.

»Hören Sie, Madame,« sagte Jeanne mit einer Beredtsamkeit voller Begeisterung, »was Herr von Rohan gethan hat, ist herrlich; es ist ein Augenblick des Edelmuths und der Gutherzigkeit; es ist eine schöne Bewegung: eine Seele, wie die Eurer Majestät, kann nicht umhin, mit Allem zu sympathisiren, was gut und gefühlvoll ist. Kaum hatte Herr von Rohan durch mich, ich gestehe es, die augenblickliche Beengung Eurer Majestät erfahren, als er ausrief:

»»Wie! die Königin von Frankreich versagt sich Etwas, was die Frau eines Generalpächters sich nicht versagen würde! Wie! die Königin kann sich der Widerwärtigkeit aussetzen, eines Tages Madame Necker mit diesen Diamanten geschmückt zu sehen?««

»Herr von Rohan wußte noch nicht, daß der Gesandte von Portugal sie erhandelt hatte. Ich theilte es ihm mit. Seine Entrüstung verdoppelte sich. »»Es handelt sich hier nicht mehr,«« sagte er, »»es handelt sich hier nicht mehr um ein Vergnügen, das der Königin gemacht werden soll, es handelt sich um die königliche Würde ... Ich kenne den Geist der fremden Höfe: Eitelkeit, Scheingepränge ... man wird dort lachen über die Königin von Frankreich, die kein Geld hat, um einen erlaubten Wunsch zu befriedigen; und ich, ich sollte dulden, daß man der Königin von Frankreich spottet! Nein, niemals!««

»Und er verließ mich ungestüm. Eine Stunde nachher erfuhr ich, daß er die Diamanten gekauft hatte.«

»Um fünfzehnmal hunderttausend Livres?«

»Um sechzehnmal hunderttausend.«

»Und was war seine Absicht, als er sie kaufte?«

»Daß sie, da sie nicht Eurer Majestät gehören konnten, wenigstens keiner andern Frau gehörten.«

»Und Sie sind sicher, daß Herr von Rohan das Halsband nicht gekauft hat, um damit irgend einer Geliebten seine Huldigung darzubringen?«

»Ich weiß gewiß, daß er es gekauft hat, um es eher zu vernichten, als an einem andern Hals, als an dem der Königin glänzen zu sehen.«

Marie Antoinette dachte einen Augenblick nach, und ihr edles Gesicht ließ unverdeckt Alles sehen, was in ihrer Seele vorging.

»Was Herr von Rohan gethan hat, ist gut,« sprach sie. »es ist ein edler Zug, ein Zug zarter Ergebenheit.«

Jeanne verschlang gierig diese Worte.

»Sie werden also Herrn von Rohan danken,« fuhr die Königin fort.

»Oh! ja, Madame.«

»Sie werden beifügen, die Freundschaft des Herrn von Rohan sei mir erwiesen, und als ehrlicher Mann, wie Katharina sagt, nehme ich von der Freundschaft Alles an; jedoch unter der Bedingung der Wiedervergeltung. Ich nehme auch nicht das Geschenk des Herrn von Rohan ...«

»Was denn?«

»Sondern seinen Vorschuß an ... Herr von Rohan hat die Güte gehabt, sein Geld oder seinen Credit vorzuschicken, um mir Vergnügen zu machen. Ich werde es ihm zurückbezahlen. Böhmer hatte, glaube ich, Baargeld verlangt?«

»Ja, Madame.«

»Wie viel?«

»Zweimal hundert und fünfzigtausend Livres.«

»Zweimal hundert und fünfzigtausend Livres, das ist das vierteljährige Nadelgeld, das mir der König gibt, man hat es mir diesen Morgen geschickt, allerdings zum Voraus, aber man hat es mir geschickt.«

Marie Antoinette läutete rasch ihren Frauen; diese hüllten sie in feine gewärmte Batiste und kleideten sie an.

Wieder allein mit Jeanne und in ihr Zimmer zurückgekehrt, sprach sie zu der Gräfin:

»Ich bitte, öffnen Sie diese Schublade.«

»Die erste?«

»Nein, die zweite, Sie sehen ein Portefeuille?«

»Hier ist es, Madame.«

»Es enthält zweimal hundert und fünfzigtausend Livres, zählen Sie dieselben.«

Jeanne gehorchte.

»Bringen Sie das Geld dem Cardinal, danken Sie ihm noch einmal, sagen Sie ihm, ich werde es jeden Monat einrichten, um so zu bezahlen. Die Interessen wird man berechnen. Auf diese Art bekomme ich das Halsband, das mir so sehr gefallen hat, und wenn ich mich beenge, um es zu bezahlen, so werde ich wenigstens den König nicht beengen.«

Sie sammelte sich eine Minute.

»Und dabei gewinne ich,« fuhr sie fort, »daß ich erfahre, ich habe einen zartfühlenden Freund, der mir gedient ...«

Sie zögerte wieder.

»Und eine Freundin, die mich errathen hat,« fügte sie dann bei, indem sie Jeanne ihre Hand bot, auf welche sich die Gräfin stürzte.

Dann, als sie wegzugehen im Begriff war, sagte sie, nachdem sie abermals gezögert, ganz leise, als hätte sie Furcht vor dem, was sie sprach:

»Sie werden Herrn von Rohan davon unterrichten, daß er in Versailles willkommen ist, und daß ich ihm meinen Dank abzustatten habe.«

Jeanne eilte aus dem Zimmer, nicht trunken, sondern wahnsinnig von Freude und befriedigtem Stolz.

Sie preßte ihre Cassenbillette zusammen, wie ein Geier seinen Raub.

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