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Das Gymnasium von St. Jürgen

Max Dreyer: Das Gymnasium von St. Jürgen - Kapitel 2
Quellenangabe
authorMax Dreyer
titleDas Gymnasium von St. Jürgen
publisherL. Staackmann Verlag
year1925
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Ein altes Zisterzienserkloster war das Haus. Von der Straße her blickten auf den lindenbestandenen Hof die gotischen, die Renaissance- und Barockgiebel der Stadt. Alte Geschlechter sahen den Spielen der Jugend zu.

Es war Freistunde. Unter den Bäumen tummelten sich die jüngeren Knaben. Die älteren gingen in meist bewegten Reihen auf und ab, räsonierend, sich neckend und zankend die vielen, diese und jene verbissen in leidenschaftlichen Wortkampf, wenige in ernstem, versunkenem Zwiegespräch. Hier und da standen ein paar geheimnisvolle Gruppen zu wenigen, zu zweien, dreien, die miteinander flüsterten und tuschelten. Abseits hielten sich ganz vereinzelte Streber, die in ihre Lehrbücher sich verbohrten.

An eins der vermauerten Rundbogenfenster des Erdgeschosses lehnten mehrere von den Größten, Oberprimaner. Sie rauchten Zigaretten. Das war verboten, darum taten sie's.

Die beiden Lehrer, die die Aufsicht führten, waren auf der Hut und mieden diese Ecke. Tat auch jeder vor dem andern so, als ob er von der Ruchlosigkeit nichts bemerkte. Sie waren von denen, die ihre Pose wahrten, die noch Versteck spielten vor der neuen Zeit.

Dann und wann wirbelte, sprühte, spritzte einen von den ganz Kleinen, den Sextanern, das jagende Spiel in diesen Winkel, vor diese Verbrecherkolonie. Dann blieb er wohl stehen, mit offenem Munde vor so erhabenem Frevel, eh' ihn die kindliche Lust wieder verschlang. Einer aber, ein rosiges Kerlchen, purzelte hinein in den Kreis, stürzte mit dämonischen Augen auf den längsten der Unholde: »Laß mich auch mal!« Der nahm die Zigarette lächelnd aus dem Mund und steckte sie zwischen die knospenden Lippen. Ein paar lasterhaft tiefe Züge, und ruchlos beseligt fliegt der kleine Bösewicht wieder in die tobende Schar der Kameraden.

Heftig politisiert wurde in dem Tabakskollegium. Und mit jungenhaft großen und gebauschten Worten Weltanschauung gepredigt. Oswolt von Riebnitz hatte das Wort. Er war Kadett gewesen, dann im Felde, jetzt ein Krüppel. Ein Schrapnell hatte ihm den rechten Arm zerfetzt, der ihm abgenommen war. Nicht der erste Kriegsmann, den langes Krankenlager zum leidenschaftlichen Innenmenschen vertieft und in die umgekehrte geistige Bahn geworfen hatte. Schwärmerblässe leuchtete auf seinen zerwühlten Zügen, die tiefen Augen unter dem vorspringenden Stirnjoch waren Flammen. Ein ehrlicher Fanatiker sprach er, den Kopf gehoben – versagte sich ihm ein Wort, strich er mit der Linken die glatten, dunklen Haare. Wenn er redete, schwieg jeder jungenhafte Hohn in dem Kreise.

»An sich selbst soll der Mensch arbeiten! An der Verwirklichung der Idee! Die seinem Geiste entstammt! Was tut er statt dessen? Er müht sich damit zu Tode, fremde Dinge zu produzieren. Diese ganze äußere Wirklichkeit, an der er sich zermürbt – wenn sie nicht ein Trugbild wäre, ein Popanz! Es gibt nur eine Wirklichkeit, die Wirklichkeit des Geistes! Die Idee lebendig machen, die Idee leben, das ist der Menschheit Erfüllung. Dafür aber müssen sie alle, alle brüderlich sich vereinen, dafür wird der Glaube aller, der Wille aller, die Inbrunst aller gebraucht. Nur so kann die Idee Wirklichkeit werden, sonst bleibt sie wesenlos – und wesenlos, inhaltlos bleibt die Menschheit.«

»Das ist deine Menschheit sowieso.« Es war Oswolts eigener Vetter, der gegen ihn die Klinge führte, Dibrand von Riebnitz, ein blonder, schlanker, schnittiger Junge mit schnellen, scharfen Augen und klug geprägten Zügen. In seinem Organ war ein seltsam federnder Klang. Auch er, der Jüngere, war vorm Feinde gewesen, wenige Wochen nur – von dem wilden Schicksal, dem Feuerbrand, der Deutschland verheerte, war seines Wesens Metall in eine Form gegossen, mit der des Vetters Schwarmgeist sich nimmermehr vertrug. Sie standen sich nahe, sie fühlten die Stimme des Bluts, sie berieten sich und halfen sich, aber in ihren Lebensanschauungen bekämpften sie sich schonungslos, bis zur Vernichtung. Und den jungen Hörern boten sie das aufregend reizvolle Bild feindlicher Brüder.

»Deine Menschheit – eine gewaltige Seifenblase – etwas rein begrifflich Aufgepustetes. Ein großes Gedankenwindei! Zeig' mir einen Menschen – du kannst es nicht! Einen Deutschen kannst du mir zeigen, einen Englishman, einen Beduinen, einen Papuaneger! Mensch ist Wandtafel, ist leerer Begriff!«

»Warum mußt du denn so an unserm armseligen Planeten festkleben! Willst du nicht einmal zu den Sternen aufblicken? Zu der Sonne? So wie du sieht sie der Papuaneger, mit zwei Augen wie du. Mit einem Herzen wie du. Und gleich hast du den Menschen! Hast du alle Menschen! Mit derselben Vertiefung in die Wunder der Welt, mit derselben Sehnsucht! Mit derselben Idee der großen Gemeinschaft. Versuch' es, ein wenig kosmisch zu werden –«

»Kosmisch werden! Das ist auch so ein Wort! Kann ich im Weltenraum herumwimmeln? Nur auf der Erde kann ich stehen – und nur von da aus kann ich zu den Sternen aufblicken. Und die Füße, auf denen ich stehe, in heimatlichem Boden wurzeln sie, wo ich mich auch befinde. Was ich auch bin und wo ich auch bin, immer ist die Heimat in mir. Und wenn ich meinetwegen auf den Bermudasinseln sitze und von da durch ein amerikanisches Fernrohr mir die Sterne betrachte – zu dem ja wahrscheinlich deutsche Kunst die Linsen geschliffen hat – nur mit meinen deutschen Augen kann ich sie sehen! Und deutsch sprechen die Sterne mit mir! Deutsch – so wahr ich nur deutsch zu ihnen hinauffühlen kann.«

Oswolt schüttelte schwer den Kopf. »Gut,« – und eine gewisse Nachsicht schlich sich in seinen Ton, die den Gegner noch fester wappnete und wehrhafter stimmte, »so wollen wir also auf der Erde bleiben. Wollen einmal ihre Naturgewalten sprechen lassen, die Elemente, die dem Menschen gefährlich werden – die der Menschengeist bekämpft und unterjocht. Das Meer, die Feuer des Erdinnern, Stürme der Luft. Sind nicht alle Menschen verbündet gegen sie, in dem Gefühl, daß sie nur gemeinsam diese urgewaltigen Feinde bezwingen können! Und wenn du liest, daß der Ausbruch des Krakatowa so und so viel Javaner verschüttet hat, hast du nicht gleich das Gefühl: Brüder sind hier zugrunde gegangen, Geschöpfe wie du – fragst du hier nach der Volksart, der Stammeszugehörigkeit –«

Dibrand konnte seine Einwände schon nicht mehr zügeln, da läutete die Glocke der Freistunde ihr Ende.

Eine kräftige, ehrliche Männerhand zog den Strang. Der Schuldiener Peter Huswädel, ein alter Soldat, grau, kernig und strenge, gab aus seines Wesens Grunde die ganze Unerbittlichkeit der Pflicht in den Glockenton hinein. Professor Joachim Braß, der in diesem Bezirk das schärfste Ohr und das klarste Auge für die Dinge und die Menschen hatte, behauptete, dieser Klang wäre das einzige in der Anstalt, das treu und fest und wahr geblieben.

Wild hatte der revolutionäre Geist sich auf das Gymnasium geworfen. Die Schule war städtisch, zu Vätern der Stadt aber hatte die Woge der neuen Zeit Männer der äußersten Linken emporgehoben. Jetzt sollte die Welt etwas erleben! Hier sollte eine Musteranstalt geschaffen werden, eine wahrhafte Stätte humanen und humanistischen Geistes sollte hier erblühen. Und das Provinzialschulkollegium, in das der neue wahlverwandte Kultusminister zwei seiner feurigsten Propheten entsandt hatte, war bereit, mit leidenschaftlichem Eifer Hand ans Werk zu legen.

So war das innere Gefüge der Schule erheblich ins Wanken gekommen, und die Bande lösten sich. Der schwere, langsame, gutartige Menschenschlag herrschte auch unter den Schülern vor. Allein wenn Schweres gerüttelt wird, mag gerade das am heftigsten schwingen. Und die Disziplin hatte bereits ihre tüchtigen Sprünge und Risse abbekommen.

Aber die Glocke gebot mit der alten Stimme. Man hörte auf sie wie je, niemand, der ihr den Gehorsam weigerte. Ein wenig gemächlicher wohl und lässiger als sonst, aber in dem breiten, gemeinsamen Zuge der Folgsamkeit flutete alles in die Klassen zurück.

In der Gruppe der Primaner, die sich in Bewegung gesetzt hatte, sprach jetzt der Längste, Unbeholfenste, ein Junge mit eckigen Zügen wie aus Holz geschnitzt, aber dafür mit großen, klugen, tiefen Augen begabt, ein Starker, Zuverlässiger und geachtet von allen, Bernhard Prahn, der Sohn eines Schiffszimmermannes.

»Warum können wir das, was uns so lebhaft beschäftigt, jetzt nicht gleich in die Unterrichtsstunde mit hineintragen? Der Alte aber –! Sonst nichts gegen ihn! Aber würde er nicht seine ambrosischen Locken schütteln und unbesehens in den höchsten Griechenhimmel klettern? Der einzige, der hier noch standhielte und Hals gäbe, wäre Fortinbras. Bloß daß der immer herrischer, verschlossener und einsamer wird.«

Fortinbras: der Kriegsname des Professors Braß. Er stand unweit vom Eingang im Gespräch mit dem alten Schuldiener. Eine hohe, schlanke Gestalt, die scharfen Züge wie aus Erz gemeißelt, die dunklen Augen seltsam gehalten, gebändigt, nach innen gewandt. Eine tiefe, schmerzliche Furche grub sich zwischen den Brauen.

An einen der Primaner schlängelte sich ein Altersgenosse hinan, der aber noch die Obertertianerbank drückte, ein hübscher, geschmeidiger Kerl mit großstädtischen Allüren, Benno von Treutlien.

»Ich hab' 'n famosen Tipp für dich!« Er war der Buchmacher, der Spekulant, der Börsenmann, mit einem Zug ins Große und mit einwandfreien, sauberen Händen. Auf die verschiedenen kleinen schmierigen Schieber, die ihr Unwesen in dem Kreise trieben, blickte er mit Verachtung.

Die beiden blieben zurück. Benno war dann der letzte aus dem Schulhof, der einzige. Der Unterricht lockte ihn nicht. Er wollte sowieso zum Zahnarzt. Die Religionsstunde bei Doktor Bode, wenn dieser oder jener sich nicht aufraffte, ein paar Unverschämtheiten hineinzupfeffern, war zum Verzweifeln öde. Und schließlich – ist Religion nicht Privatsache? So gab er selber sich Urlaub, verließ den Hof und ging auf die Straße.

Das Schicksal fügte es, daß zu gleicher Zeit Betti, des Schuldieners Töchterlein, aus einer Nebentür des Gebäudes trat, ihre Musikmappe in der Hand. Der Alte wandte etwas an ihre Erziehung.

Benno bemerkte sie gleich, aber er dachte nicht daran, hier im Bereiche der Anstalt und der väterlichen Augen Annäherungsversuche zu machen. Man wußte, die Kleine wurde wie ein Juwel gehütet. Sie war erst seit ein paar Wochen im väterlichen Hause. Nach dem Tode der Mutter hatte eine Verwandte in der Nachbarstadt sie zu sich genommen, da war sie zur Schule gegangen. Jetzt sollte sie hier die höheren Weihen bekommen.

Als sie in die Nebengasse eingebogen war, fand sich Benno gleich an ihrer Seite. Er zog den Hut. »Darf ich den gleichen Weg zusammen mit Ihnen gehen – in gleichem Schritt und Tritt? – Treutlien!« stellte er sich vor.

Sie sah an ihm vorbei, sagte kein Wort und schüttelte lebhaft den Kopf. Aber der Erregung, in welcher der dunkle, schwere Zopf perpendikelte, merkte Bennos Vertrautheit mit weiblichen Schwingungen ein freudig Erwartungsvolles an. Und jetzt rührte er eine Saite, die wirken mußte.

»Ich schwänze nämlich die Schule,« sagte er mit abenteuernder Offenherzigkeit. »Und brauche so was wie einen sittlichen Halt.«

Nun drehte sie doch halbwegs ihren sechzehnjährigen Kopf zu ihm hin, der aus ihm nicht recht klug werden konnte. Sprechen tat sie noch immer nichts, doch die halbe Wendung war schon volle Gewähr.

»Mit Ihnen zusammen bin ich doch nicht so ganz von Gott und der Schule verlassen, nicht ganz Vagabund. Nicht ganz auf der Bahn des Verbrechens.«

Diesen Menschen, der immerhin kein landläufiges und verbrauchtes Zeug redete, mochte es lohnen, mit einem Blick zu streifen. Das geschah, die kleine temperamentvolle Nase mit den witternden Nüstern aber, die schon alle Anstalten getroffen hatte, sich abweisend zu rümpfen, verzichtete jetzt auf diese Kundgebung. Der hübsche, gepflegte, welt- und wortgewandte Junge gefiel ihr.

Sie selbst war nicht auf den Mund gefallen. Gespreizt wie er gab sie zurück: »Müßte man Sie da nicht eigentlich arretieren lassen? Und in die Besserungsanstalt zurückführen?«

Er musterte sie munter. »Besserungsanstalt! Sie wissen, der Mensch ist gut. Ist er aber gut, so kann die Dressur ihn doch bloß verderben. Es ist also eine sittliche Pflicht, den Käfig zu meiden.«

Sittlich war offenbar sein drittes Wort. Und doch wirkte die Großartigkeit seiner Stilistik auf sie ein. Darin, daß er diese selbst nicht ernst nahm, spielte noch ein besonderer, unbewußt geheimnisvoller und um so tieferer Reiz. So umspann er sie mit doppelter Wirkung.

Da er sich aber mit der Lockung an sie wandte: »Wollen Sie nicht auch Ihre Musikstunde schwänzen?« – verriegelte sie sich fest genug. »Wie käme ich dazu?« Und jetzt steifte sie sich in voller Bravheit. »Ich würde es auch nicht tun, wenn mir der Musikunterricht nicht so viel Freude machte.«

Er hatte gleich eine neue, pomphafte, revolutionäre Redensart zur Hand. »Dann freilich. Freude ist die einzige Moral, die es gibt.«

Auf diesem Gemeinplatz ruhten sie zunächst einmal gemeinschaftlich aus. Und Benno meinte, es wäre gut darauf sitzen, zusammen mit diesem kleinen Mädchen, das nicht abgeneigt war – er spürte es wohl – sich von ihm die noch nicht ganz erwachten, aber erwartungsvollen Augen über die Dinge dieser Welt öffnen zu lassen.

Jetzt waren sie allbereits in den gleichen Schritt und Tritt gefallen. Er plauderte fröhlich von seiner sattsam krausen Vergangenheit. »Dies ist nun mein fünftes Gymnasium, von vieren bin ich bald mehr, bald weniger geschaßt worden – meist mehr. Aber damit hat es jetzt ein Ende. Der neue Tag ist da. Jetzt sind wir die Schasseure.«

Das alles kam aus lachendem Mund, und all das Großsprecherische war zu leicht und zu scherzhaft beschwingt, um aufdringlich zu wirken. Ihr beweglicher Sinn, den häusliche Ordnung in allzu strengen Schranken hielt, meinte, es ließe sich gut atmen in dieser Luft. Und sie atmete hoch.

Aber sie fand den Ton nicht, wollte ihn wohl auch noch nicht finden. So blieb sie wortkarg in ihrer wohligen Verwunderung.

Die Klavierlehrerin wohnte nahe, aber die kurze Strecke hatte genügt, die Berührung zwischen den beiden herzustellen.

»Wann sehen wir uns wieder?« fragte er, als sie sich trennten.

Sie schüttelte den Kopf. Das hieß aber nicht »nein«, das hieß »ich weiß nicht«.

»Können wir uns nicht nachmittags einmal treffen – abends?«

»Das ist ganz ausgeschlossen.«

»Wann haben Sie Ihre nächste Klavierstunde?«

»Immer Dienstags und Freitags.«

»Dann also Freitag.«

»Sie werden doch da nicht wieder schwänzen?«

»Lächerlich! Für Sie würde ich den ganzen Affenkäfig in die Luft sprengen.«

 

Während Benno so sich selber nach seiner höchst eigenen individualistischen Methode weiterhalf und entwickelte, hatten die Primaner mehr oder weniger geneigt die Antigone vorgenommen und ließen sich von dem Direktor Kornelius Boldewiek in das Wesen des griechischen Chors einführen.

Der »Alte«, ein fein geschnittener Mommsenkopf, war »tabu«, gefeit gegen jedweden jungen Übermut. Was ihn schützte, war die Ehrfurcht. Seines Wesens Reinheit, die Höhe seines Geistes, die Wärme seines Herzens zwangen alles Zügellose nieder. Und die Wunden, die er vom Schicksal trug, gaben ihm besondere Weihe. Seine beiden Söhne waren im Felde geblieben, der Verlust hatte der Mutter das Herz gebrochen. Einsamkeit war um den alten Mann.

Schwer trug sein vaterländischer Sinn an der deutschen Not und Schmach. Sein Amt, umbrandet von den Stürmen der neuen Zeit, wankte ihm unter den Füßen. Er war kein Kämpfer, kein Rufer und Führer im Streit. Seine Forschung, seine Wissenschaft war ihm Zuflucht und Trost.

Formvollendet sein Vortrag, inhaltschwer, geistreich in den Ausblicken, den Beziehungen, den Anwendungen. Hie und da vielleicht ein wenig zu hoch für die Jungen. Aber gerade das war es, was die Flugkräftigen fortriß. Und auch die Dumpferen, Trägeren, Gleichgültigen, Zerstreuten spürten wenigstens das Rauschen und blieben im Bann.

Er hatte selbst über den »Chor als idealen Zuschauer« und über »die Gesänge des tragischen Chors« zwei in der wissenschaftlichen Welt sehr angesehene Studien veröffentlicht. Das verführte ihn, allzusehr in Einzelheiten aufzugehen, aber gelangweilt war keiner von den Jungen, geschweige denn, daß der Zusammenhang zwischen Lehrer und Schülern zerriß und der Geist der Störung sich einnistete. Von außen her aber kam eine Ablenkung.

In der Klasse nebenan war es nicht richtig. Durch die Wand tönte es – eine Unruhe, ein Rumoren in kurzen Stoßwellen – dann eine breite Lachsalve – dann wieder die kurzen, schlagenden Wellen – dann ein brandendes Meer.

Hier in der Obertertia, der gottvergessensten aller Klassen, der Station vor der Hölle, war Religionsstunde, Herr Doktor Philipp Bode gab sie. Ihn hatte doch wohl der Herrgott in seinem Zorn zum Lehrer gemacht. Gewiß, er war eine ehrliche Haut und rechtschaffenen Sinnes. Aber alles an ihm war so unfroh kümmerlich und so lustlos subaltern. Die höchste Leidenschaft, zu der er es brachte, eine mürrische Verbitterung und Reizbarkeit. Und es lohnte ihm selber kaum, sich selbst zu heben, sich zu helfen, sich zu pflegen, seinen Geist, seinen Körper, seinen Anzug.

Letzterer legte dem Beobachter Fortinbras einmal den Ausspruch in den Mund: ganz sonderlich betone der Kollege Bode ohne Scheu und Verhüllung den gefährlichen Neuerer. Während sonst die Theologie mit langen Schößen einher wandele, stelle er unter seiner allzu kurzen Joppe das, was die Schöße verdecken, allzu absichtlich und fast drohend zur Schau. Und es könne nur wenig beruhigen, daß der hängende, faltige Hosenspiegel sich eines demütigen und zerknirschten Wesens befleißige und gerne maßlos klägliche Gesichter schneide.

Natürlich war es diese sterbliche Stelle, nach der die Wortlust der Jungen griff, und es wäre unnatürlich gewesen, hätten sie Philipp Bode nicht Philipp Hosenboden genannt.

Es war an dieser Anstalt, dank der pädagogischen Einsicht des Leiters, schon ehe die neuesten Stürme mit lautem Feldgeschrei dem Kinde die Initiative, den Aktivismus, die Bestimmung, die Führung zuerteilen wollten, die anregende Mitarbeit der Schüler, ein Zutraun, das in eigenen Fragen und Wünschen sich aussprach, längst angestrebt worden und hatte bei den wirklich berufenen Lehrern auch ihre fröhliche und fruchtbar grünende Stätte. Nur daß die wenigsten auch hier zu den Berufenen gehörten. Und Geister – »Geister« in Anführungsstrichen – wie Philipp Bode, die eigene Regsamkeit der Schüler immer mit Mißtrauen und Sorge betrachteten, hatten durch ihre ängstliche Trägheit der lebendigen Fühlungnahme stets entgegengearbeitet. Dafür brach nun gerade über sie das, was in der Luft lag, schonungslos und unbarmherzig herein. Die Frager pochten gerade da, wo sie bisher nicht zu Worte gekommen waren, auf ihr Recht und übten es eben hier mit bewußter Niedertracht.

Und nun erst in der furchtbaren Obertertia, wo von je die härtestgesottenen aller Halunken Unheil brüten.

So geschah es denn heute. Herr Doktor Bode hatte das einleitende Gebet gesprochen und machte Miene, das aufgegebene Pensum, die Grundunterschiede der christlichen Konfessionen, abzufragen, da erhob sich ein Finger. Dieser Finger gehörte zu dem größten Galgenstrick der Klasse. Er hieß Amandus Lind – niemals haben Namen, Vor- wie Zunamen, sich mehr geirrt. Von einem karikierenden Schlingel unter seinen Komplizen war er einmal abkonterfeit: eine grinsende Klosettbürste mit geschlitzten Hunnenaugen.

»Was willst du?«

»Darf ich etwas fragen?«

»Nun?«

Die Stirne des Bittenden war schwer gefurcht in tiefen, ernsthaften Falten, wie zerquält – um so ausgelassener zwinkten und hüpften die kleinen, schrägen Augen in dem pickligen Kalmückengesicht.

Und jetzt langsam und tonlos, als trüge jedes Wort den Ton in sich selbst: »Herr Doktor, glauben Sie an Gott?«

Daß hier nichts anderes als eine gewollte beispiellose Unverschämtheit dem Lehrer ins Gesicht sprang, wer es nicht begriff, der ahnte es. Und wenn auch Philipp Bode seinerseits einen Versuch machte, vom Begreifen zum bloßen Ahnen und von da zur Ahnungslosigkeit zu flüchten, die grausame Wirklichkeit nahm ihn am Hosenboden. Hiergeblieben! Standgehalten! Den Angriff abschlagen! Den Angreifer unschädlich machen!

Er hatte einen lichten Moment. Den Frager und die Frage ganz ernst nehmen! Gründlich ernst. Bei jedem ist diese Frage berechtigt – bei mir so gut wie bei euch. Des Glaubens innere Gewißheit – wer hat sich nicht darauf zu prüfen, immer und immer – auch hier ist alles an dem Willen gelegen – der Wille ist der Weg zu Gott – dann als belebende, leuchtende Illustration – etwas was immer auf Jungen ihre Wirkung tut – und zugleich als ein Zugeständnis mutig die große Stelle aus Faust herbeigeholt: »Wer darf ihn nennen? Und wer bekennen: ich glaub' ihn?« Davon dann den Weg in die göttliche Offenbarung der christlichen Heilslehre gewonnen! So geistige Pfade wandeln! Mit geistiger Überlegenheit es zwingen!

Wäre er ein Berufener gewesen, der lichte Moment wäre geblieben und hätte ihn erleuchtet – zum Siege. Er aber, wankend und unsicher, wie ihm das Gaunergesicht des Fragenden immer mehr in die Augen stach, verlor die Besinnung und verlor das Spiel.

Er stand eine Weile wortlos, schnaubend – dann tat er das Falscheste, er schimpfte. »Unerhört ist das! Weißt du, daß du der frechste Lümmel unter der Sonne bist?«

Dies in der Fragestellung war nun ganz vom Übel. Es erfolgte darauf denn auch ein verschmitzt harmloses: »Wieso?«

Solche Harmlosigkeit aber entfesselte die Katastrophe. »Links und rechts hinter die Ohren müßte man dich schlagen!«

Und da der Harmlose überlegen mit den Achseln zuckte, lief der Wutschnaubende auf ihn zu und pflanzte sich bebend vor ihm auf.

Eine Bewegung wie über ein Kornfeld durchlief die Jungenschar. Gespannt sie alle – doch nicht alle schwiegen – ein großer Teil murrte unwillig, die Übermütigen lachten.

Der Rebell fühlte die Masse hinter sich und blieb unerschüttert. Um so mehr warf es den Machthaber. Er bezwang die Glieder nicht mehr. Seine Hand packte den Frevler an der Brust und zog ihn aus der Bank.

Ein »ah!« – scharf wie eine Klinge saust, fuhr es aus all den Mündern der Jungen.

Und der Angefaßte rief: »Lassen Sie mich los!«

Die Hand des Lehrers hob sich. Da keuchte der Bedrohte und die schrägen Augen stachen giftig: »Wenn Sie mich schlagen –!«

Es hing alles an einem Haar. Hätte es eingeschlagen, hätte es eine Tat gegeben, fest, klar, hart, entschieden – der Sieg wäre nicht zweifelhaft gewesen. Nun aber mit dem Zaudern, dem Zurückstutzen, war alles verloren.

Und jetzt brandete das Meer.

Im Chor ging es: »Schlagen – das wäre noch besser – das gibt's nicht – das hat's schon früher nicht gegeben – jetzt gibt's das erst recht nicht!«

Der Aufruhr herrschte und tobte sich aus.

Da öffnete sich die Tür und der »Alte« trat herein, Direktor Boldewiek. Wie abgeschnitten der Lärm. Atemlose Stille.

Kornelius hatte in seiner Klasse mit Widerstreben vernommen, was von nebenher durch die Wand, seinen Vortrag und seine Hörer störend, herüberdrang. Er hoffte auch immer noch, daß die Wellen von selbst sich glätten würden. Aber wie die Flut immer mehr anschwoll, ließ er den idealen Zuschauer beiseite, brach kopfschüttelnd die Erörterung ab, trat zu dem Stundenplan, der an der Wand hing. Sein Finger legte sich auf die betreffende Kolumne, er las: Obertertia, Religion Doktor Bode. Leise, wie zur Bestätigung seiner Ahnung, nickte er mit dem Kopf, sagte zu seinen Jungen einfach: »Ich muß Sie einen Augenblick allein lassen,« und ging nach der Obertertia hinüber.

Hier hing alles jetzt an seinem Munde, den feinen Lippen, auf denen ruhige Herrschaft lag.

»Verzeihung, Herr Doktor Bode« – und nun an die Schüler gerichtet, mit bewußter Nutzanwendung, klar und hart: »In dieser Klasse fängt offenbar der Geist an sich breit zu machen, den ich in erster Linie von unserer Anstalt fern zu halten habe!« Und dann fragte er den Lehrer, auf Amandus deutend: »Bitte, Herr Doktor – was ist mit dem Jungen?«

Doktor Bode flog noch am ganzen Körper. »Er hat sich dermaßen unverschämt benommen –« weiter ging es nicht.

Der Leiter, der die Sachlage durchschaute, wollte hier und jetzt keine große Untersuchung. »Herr Doktor, Sie werden nachher die Güte haben, mir das Nähere mitzuteilen.« Und dann zu dem Jungen: »Du erklärst auf alle Fälle Herrn Doktor Bode dein Bedauern, diese Erregung hervorgerufen zu haben.«

Amandus blieb der Lage einigermaßen gewachsen. Nur nicht klein beigeben! Und immer mit der Unschuld! »Ich weiß gar nicht, was ich Herrn Doktor getan habe!«

Der Direktor sah dem Schlingel in die Augen und wußte, woran er war. »Du weißt es nicht – du siehst mir nicht so aus, als ob du Dummheit als mildernden Umstand für dich in Anspruch nehmen könntest – was sie im übrigen auch nicht ist. Gleichgültig, wie weit du an der Erregung beteiligt bist. Beteiligt bist du. Du bittest Herrn Doktor Bode um Verzeihung.«

»Ich –«

»Nun?«

»Ich bitte Herrn Doktor Bode um Verzeihung.« Was liegt schließlich an dem Wort? Die Meinung macht es. Die behält man für sich, bis sie bei geeigneter Gelegenheit sich wieder Luft schafft. Und im übrigen, gibt es nicht noch einen Schülerrat? Und hat man in dem nicht Sitz und Stimme? Jawoll!

»Und jetzt,« spricht der Direktor das Schlußwort, »geht der Unterricht weiter! Ohne daß es neue Störungen gibt! Hier und für uns nebenan!«

Früher pflegte er alle direktorialen Maßnahmen mit einer feinen, scherzhaften Wendung, die immer große Gegenliebe fand, abzuschließen. Aber der Scherz war ihm immer mehr abhanden gekommen. Zu viel, was ihm in Scherben gegangen war. Und was er an Berufsfreude sich gerettet hatte, zerfraß nun einmal unerbittlich die neue Zeit.

Müde, wie abwesend, nahm er dann nach der Unterrichtsstunde, die ihn erst langsam wieder aus andere Bahn geleitet hatte, in seinem Amtszimmer Doktor Bodes Bericht über das Geschehene entgegen.

Bode war nun ganz gewiß nicht sein Mann. Früher aber hätte er sich gerade seiner, als eines Schwachen – der nur dem Namen nach eine »Lehrkraft« war – mit um so größerer, um so festerer Güte angenommen. Nun gab er kurz und bündig sein Urteil.

»Sie glauben, der Junge hat Sie ›blamieren wollen‹, wie Sie sagen.«

»Das hat er auch.«

»Ja, lieber Herr Kollege, wenn ein Junge einen Lehrer blamieren will, gibt es dagegen doch das einfachste Mittel.«

»Sie meinen?«

»Daß der Junge sich selber gründlich dabei blamiert. Wofür ist der Lehrer denn Lehrer?«

Diese Weisheit ging dem Bodehirn nicht ohne weiteres ein. Aber über den alten Herrn kam wieder die Müdigkeit und mit ihr das Abschiedswort. »Bin ich übrigens für all diese Dinge noch die Instanz? Haben wir dafür nicht jetzt den Schülerrat, den Elternrat, den Lehrerrat! Der Direktor – steht ratlos allein. Verzeihung für das kümmerliche Wortspiel – unsere Verhältnisse verdienen keine besseren Witze.«

Bode ging. Fortinbras kam. Sturmhauch strömte ein statt des Muffs.

Kornelius Boldewiek und Joachim Braß liebten sich. Der Unterschied des Alters – Braß war noch nicht vierzig – der Lebensanschauungen, des Herkommens – Kornelius stammte aus einem Senatorenhause, Joachim war ein Fischersohn – eben an den Gegensätzen war ihre Freundschaft gewachsen.

Wie viele, bei denen sich mühsam im Kampf mit der Umgebung der Geist die Form hatte schaffen müssen, neigte Braß dazu, in einer geradezu leidenschaftlichen Ästhetik die Form fast heftig zu betonen. Von einem Lehrer nun gar verlangte er die sorgsamste äußere Erscheinung. Er selbst, tadellos gewachsen, legte Wert auf seinen Anzug, natürlich mit Geschmack und ohne ins Geckenhafte zu entgleisen.

Als der Direktor ihm von dem Geschehenen berichtete – er war Ordinarius der Obertertia und es ging ihn an – lachte er hell und kurz: »Der Kollege Bode! Ich kann mir nicht helfen! Er gehört nun mal nicht in die scharfe Beleuchtung all der hellen Jungenaugen! Wenn einer solche Hosen trägt! Natürlich schlottert ihm ebenso die Seele. Und die Frage an einen so behosten Geist, ob er einen Gott hat, halte ich für sehr berechtigt. Ja für notwendig.«

Das war nun freilich ein anderer Kram, wenn er mit seinen Obertertianern ins Zeug ging. Er war ein Führer, ihm folgten sie gern. Er zeigte ihnen die Weiten, er nahm die Höhen. So sich das Wissen erobern, war eine Lust.

War das eine Fahrt, wenn er so in der Geographiestunde mit ihnen die Küste des Mittelmeeres abstreifte! Das ging denn doch noch aus einer anderen Tonart, als wenn bloß das Lehrbuch Steuermann war.

Es geschah, daß sie allsamt als Wikinger sich auf den Heereszug machten. Und so erzählte er ihnen erst von den Normannen – die Enge eines peinlich abgezirkelten Pensums gab es für Joachim Braß nicht. Aber sie hörten nicht bloß, nein, sie erzählten selber mit – sie erzählten nicht, sie erlebten, sie selber führten Taten aus. Leibhaftig bemannten sie eine Flotte von »Meeresdrachen«, Joachim Braß war ihr Heerkönig, so fuhren sie durch den Atlantischen Ozean gen Süden und grüßten die Säulen des Herkules, die Torpfeiler des Meeres nordischer Sehnsucht.

Als richtige Seefahrer warfen sie hier in der Meerenge das Senkblei – ob sie es schon für ihre Wellenrosse nicht brauchten, die so wenig Tiefgang hatten, daß sie auf ihnen die Flüsse hinaufritten. Und fanden, daß die Meerenge verhältnismäßig flach ist, so daß sie den eisigen Tiefwassern des Ozeans das Eindringen verwehrt. Ein Bassin gleichmäßig warmen Wassers bleibt dieses Meer, daher das wunderbar gleichmäßige Klima seiner Küsten, ohne Winterrauheit, ohne übergroße Sommerglut. Darum trug an seinen vielgestaltigen Ufern – wo auf der Welt durchdringt sich, umschlingt sich, vermählt sich so innig Wasser und Land? – das Leben der Völker die leuchtendsten, die duftigsten Blüten, die reichsten, köstlichsten Früchte. Auch dem deutschen Mute wuchsen sie, sollten und mußten sie wachsen, der deutschen Kraft. Germanische Krieger, die letzte Stütze des verfallenden römischen Reiches, Ostgoten, Westgoten, Normannen die Herren dieser Gestade. Die Phantastik des Kreuzrittertums lohte auf – der betörende Weltenrausch der kaiserlichen Romzüge –

So spiegelte sich deutsche Geschichte in den hellen Jungenaugen. Und sie waren dabei, alle, alle – sie schufen mit an deutschem Werk, an deutschem Schicksal, sie schwärmten und fieberten mit in deutschen Träumen.

So nahm Joachim Braß sie an der Hand, so ließ er ihre Herzen schlagen. Er selbst entflammte sich an seinen Jungen. Raketensatz – das ist, was der Unterricht braucht! Ach, und davon hatte der Hosenbodenphilipp nun ganz und gar nichts.

Und jetzt, in amtlicher Besprechung, nahmen Direktor und Ordinarius das in der Obertertia Geschehene vor.

»Er hat den Jungen beinahe geprügelt,« stellte der Alte fest, und Unmut zitterte durch die weißen Locken.

»Geprügelt und beinahe – schlimmeren Widerspruch gibt es nicht. Nichts auf der Welt verträgt sich weniger als prügeln und beinahe. Man prügelt ganz oder gar nicht. Ja, und damit ist er gerichtet.«

»Und der Junge? Was wird? Soll ich nun auch diese Sache versumpfen lassen? Es muß doch was geschehen! Ich kann nicht auf die Dauer der Greis sein, der sich nicht zu helfen weiß.«

»Bleibt es dabei, daß der Schulrat morgen kommt?«

»Ja.«

»Der hat sie doch, die Weisheit Salomonis. Wollen wir nicht ihn den rechten und gerechten Richter sein lassen?«

»Es ist so vieles unerledigt –«

»Er will uns doch zeigen, wie es gemacht wird. Er brennt doch darauf. Jedenfalls wollen wir uns keine Beine ausreißen. Ich glaube, wir werden sie noch einmal sehr nötig brauchen. Sehr nötig für unsern Weg. Sehr nötig, zum Marschieren.«

Der alte Scholarch lächelte wehmütig. »Zum Marschieren, ja. Und der, der marschiert, bin ich. Ich habe es satt, ich halt' es nicht länger aus. Und – ich nehme an, daß die da oben mich auch nicht länger ertragen!« Darin war eine Genugtuung, ein Stolz. Wie ein Glanz von Kampf und Schwertstreich. Ein ehrenvolles Unterliegen, einem Siege gleich.

* * *

 

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