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Gutenberg > Pedro Calderón de la Barca >

Das grosse Welttheater

Pedro Calderón de la Barca: Das grosse Welttheater - Kapitel 5
Quellenangabe
typepoem
authorPedro Calderón de la Barca
titleDas grosse Welttheater
publisherPhilipp Reclam jun. Stuttgart
seriesUniversal-Bibliothek
volumeNr. 7850
year1959
translatorJoseph von Eichendorff
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071112
projectidefadb814
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Die Stimme. Streng bemessen ist das Glück,
Streng bemessen ist die Qual;
Von den Qualen, von dem Glücke
Gebt nun beide Rechenschaft!

Der Reiche. Weh mir!

Der Bettler. Welche frohe Kunde!

Der Reiche. Wie, bei dieses Rufes Klang
Bebst du nicht zusammen?

Der Bettler. Ja.

Der Reiche. Und bist nicht auf Flucht bedacht?

Der Bettler. Nein, denn diese Schauer rieseln
Jeglichem durch Bein und Mark,
Fühlt der schwache Mann voll Zagen
Die Gerichte Gottes nahn.
Doch wo alle Flucht vergebens,
Wenn sogar die heil'ge Pfalz,
Nicht den König und die Schönheit,
Nicht die eigne Glorie barg:
Wohin sollt' die Armut fliehen?
Nein, viel tausend-, tausendmal
Dank' ich ihm, daß er nun endet
Mit dem Leben meine Schmach.

Der Reiche. So ganz ohne Herzeleid
Trittst du von der Bühne ab?

Der Bettler. Da ich hier nichts Liebes lasse,
Geh' ich willig diesen Pfad.

Der Reiche. Und ich wie geschleift vom Henker,
Denn mein Herz bleibt bei dem Schatz.

Der Bettler. Welche Freude!

Der Reiche. Welche Trauer!

Der Bettler. Welche Tröstung!

Der Reiche. Welche Qual!

Der Bettler. Welch Vergnügen!

Der Reiche. Welche Schmerzen!

Der Bettler. Welches Glück!

Der Reiche. O harter Fall!

(Beide gehen ab.)

Die Welt. Wie so anders ist des Reichen
Und des Bettlers Todesbahn!

Der Weise. Auch sie scheiden – auf der Bühne
Steh nur ich allein noch da.

Die Welt. Unter allen hält die Kirche
Stets am längsten bei mir Stand.

Der Weise. Nicht die hehre Kirche bin ich;
Sie besteht, ich muß hinab,
Denn nur einer ihrer Diener
War ich hier aus eigner Wahl.
Doch dem Ruf der Todesstimme
Eilt' ich sehnsüchtig voran,
All mein Tun und Sein versenkend
Lebend schon ins stille Grab.
Und so schließ' ich heut das Schauspiel,
Morgen spielt der andre Akt,
Und ihr, bessert euch für morgen,
Die ihr heut uns irren saht!

(Der Vorhang der unteren Erdenbühne fällt.)

Der Meister. Straf' und Lohn verhieß ich jedem,
Wer da schlecht, wer gut bestand;
Kommt nun allzumal herbei,
Lohn und Strafe zu empfahn!

(Die Himmelsbühne schließt sich ebenfalls.)

Die Welt. Kurz war das Schauspiel; aber wann verwehen
Nicht rasch des Lebens Spiele, kaum erklungen,
Wo alles nur ein Kommen ist und Gehen,
Das keinen überrascht, der's recht durchdrungen?
Verödet schon seh' ich die Bühne stehen;
Zu ihrem Urstoff, dem sie sich entrungen,
Kehrt nun die Form, die jeder angenommen;
Staub scheiden sie, da sie als Staub gekommen.
Von allen jetzt, vom Kön'ge bis zum Bauer,
Fordr' ich zurück, was sie von mir erbeutet
An eitlem Tand für dieses Schauspiels Dauer,
Daß jeder scheine, was sein Part bedeutet.
An diese Tür stell' ich mich auf die Lauer,
Und wer da meine Schwelle überschreitet,
Leg' ab, was er an Schmuck mir hat entnommen,
Denn Staub sei wieder, wer als Staub gekommen.

(Der König tritt auf.)

Du, der zuerst aus diesem Tor gezogen,
Sprich, welche Rolle hattest du empfangen?

Der König. Du fragst? Vergißt die Welt so schnell des Hohen?

Die Welt. Die Welt wirft hinter sich, was da vergangen.

Der König. Mir untertan war, was der Sonne Lohen,
Wann sie aufatmet an Aurora's Wangen,
Bis träum'risch sie ins Schattenreich gesunken,
Vergoldend übersprüht mit Feuerfunken.
Ich war's, dem die Gewalt man anvertraute,
Der andre sonnt' mit seines Ruhmes Lichte,
Der Siegesbogen erbt' und neue baute,
Der mit den Völkern einst ging ins Gerichte,
Der sinnend nach den höchsten Gütern schaute,
Der mit dem Schwerte schrieb die Weltgeschichte
Und über sich den Thronenhimmel glänzen
Von Purpur sah, von Kron' und Lorbeerkränzen.

Die Welt. So löse denn, verlaß, wirf hin die Krone,
Leg' ab die Majestät, vom stolzen Schlosse
Verbannt, vergessen, wie zu herbem Hohne,
Scheid' nackt und bloß aus dieses Lebens Posse!
Der Purpur, den du rühmst in hohem Tone,
Bald hüllt sich drein ein anderer Genosse,
Nichts nimmst du mit von allem, was da glänze,
Mir bleiben Purpur, Kron' und Lorbeerkränze.

(Sie entkleidet ihn.)

Der König. Hast du nicht selber mir den Schmuck verliehen?
Warum nun nimmst du, was du kaum gespendet?

Die Welt. Weil's nicht verliehn dir wurde, nur geliehen
Für kurze Frist, bis du dein Spiel beendet.
Laß nun für andre deine Reiche blühen
Und alle Herrlichkeit, die dich geblendet.

Der König. Wer möcht' fortan an deine Macht noch glauben,
Vermagst du nichts zu geben, nur zu rauben!
Was nun vor andern hab' ich zum Gewinn,
Daß ich das Zepter auf der Welt geführet?

Die Welt. Lohn oder Zücht'gung wird dir zum Gewinne
Von deinem Herrn, der weiß, was dir gebühret.
Ich frage nicht, ob du nach seinem Sinne
Den König wacker oder schlecht agieret,
Mich kümmert nur der Schmuck, den du entnommen,
Denn du mußt von mir gehn, wie du gekommen.

(Die Schönheit tritt auf.)

Was spieltest du?

Die Schönheit. Das Zauberspiel der Blicke.

Die Welt. Was gab ich dir?

Die Schönheit. Der Schönheit süß'stes Prangen.

Die Welt. Wo hast du sie?

Die Schönheit. Sie blieb im Grab zurücke.

Die Welt. Es schauert die Natur in leisem Bangen,
Sieht sie die Schönheit von so schwankem Glücke,
Daß sie, eh' sie noch heimkehrt, schon vergangen;
Und wie ich auch nach ihr zurück mich sehne,
Verloren ist, so dir wie mir, die Schöne.
Der König mußt' sein Reich mir wiedergeben
Und alles Hohe seinen Glanz mir lassen,
Nur Schönheit wendet sich, verhaucht ihr Leben,
Sieht ihre Herrin sterbend sie erblassen.
Schau in den Spiegel hier!

Die Schönheit. Ich seh's mit Beben.

Die Welt. Wo hast du deiner Reize Schmuck gelassen,
Die ich dir einst geliehen? Gib sie mir wieder!

Die Schönheit. Sank alles, alles dort im Grabe nieder.
Dort ließ ich den Jasmin und die Korallen,
Dort sah ich Mund und Wangen leis erbleichen,
Dort, Blatt um Blatt, die Rosen, Nelken fallen,
Dort graue Nacht den Frühling überschleichen,
Dort trübten sich die spiegelnden Kristallen,
Dort brachen meines Zaubers Stab und Zeichen,
Dort gingen unter meiner Augen Schimmer,
Dort blieb von aller Schönheit nicht ein Trümmer.

(Der Landmann tritt auf.)

Die Welt. Ha, Bauer, was warst du?

Der Landmann. Nun Bauer, eben
Weil ich's sein mußte. Aber bleib' nur sitzen,
Der Bauer beißt nicht. Ja, den Titel geben
Die Fante uns, für die im Feld wir schwitzen,
Ich bin's, den manche, die bei Hofe leben,
Vornehm gesegenen mit schlechten Witzen,
Ich bin's – und daß ich's bin, soll mich nicht plagen –,
Zu dem Ihr: »Du« und »Er« beliebt zu sagen.

Die Welt. Gib her, was ich dir lieh.

Der Landmann. Du, mir geliehen?

Die Welt. Ein Spaten war's.

Der Landmann. Das lohnt auch noch zu schwatzen!

Die Welt. Gleichviel! Darfst nicht damit von dannen ziehen.

Der Landmann. Nun, da möcht' einem doch die Galle platzen!
Seht die vertrackte Welt! Erst ab mich mühen,
Mit Not das bißchen Brot zusammenkratzen,
Und jetzt, da wir hier auseinander rennen,
Nicht so ein lumpig Grabscheit mir zu gönnen!

(Der Reiche und der Bettler treten auf.)

Die Welt. Wer naht?

Der Reiche. Wer nimmer möchte von dir scheiden.

Der Bettler. Und wer von dir zu scheiden stets verlangte.

Die Welt. Wie kommt es, daß zur selben Zeit euch beiden
Zu lassen mich und nicht zu lassen bangte?

Der Bettler. Weil ich viel bittre Armut mußte leiden.

Der Reiche. Und ich mit Schätzen übermächtig prangte.

Die Welt. Her, dein Geschmeid!
(Sie nimmt ihm seinen Staat.)

Der Bettler. Schau, wie ich sicher baute!
Hab' nichts, das mir, der Welt zu lassen, graute.

(Das Kind kommt.)

Die Welt. Auch dich sah ich doch zum Theater streben,
Warum erschienst du niemals in dem Stücke?

Das Kind. Du nahmst in einem Grabe mir das Leben,
Im Grab lass' ich, was du mir gabst, zurücke.

(Der Weise tritt ein.)

Die Welt. Was hatt' ich dir zum Schmucke mitgegeben?
Sprich, was erbatst du an des Lebens Brücke?

Der Weise. Ein härnes Kleid, das ich demütig trüge,
Die Geißel, das Gebet und inn're Gnüge.

Die Welt. So gib mir's wieder nun, man soll nicht wähnen,
Daß einer nur sein Ehrenpfand vertrage.

Der Weise. Ich wollte, das Gebet, die Lust der Tränen
Verblieb der Welt bis an das End' der Tage;
Doch scheiden sie mit mir, auf daß dich Sehnen
Dir selbst entschwing' mit kühnerm Flügelschlage.
Versuch's, ob du's vermagst, sie zu erfassen.

Die Welt. Kann nicht, muß dir die guten Werke lassen,
Das einzige, das ihr der Welt entrungen.

Der König. O wer doch nimmer nach Gewalt getrachtet!

Die Schönheit.
Und nimmer nach der Schönheit Huldigungen!

Der Reiche. O hätt' ich nie mit Schätzen mich befrachtet!

Der Landmann. O wer den Spaten rüst'ger doch geschwungen!

Der Bettler. O wer in größern Nöten noch geschmachtet!

Die Welt. Zu spät! Was schauert ihr? Im Sterben
Mag sich nicht Palmen mehr der Mensch erwerben.
Und da ich ausgelöscht der Schönheit Züge
Und, was gewaltig war, gestürzt nun habe,
Da ich verstört des Hochmuts eitle Flüge,
Das Zepter gleichgemacht dem Bettelstabe:
So gehet vom Theater denn der Lüge
Ein in das Reich der Wahrheit aus dem Grabe!

Der König. Wie anders, als da ich jetzt wiederkehre,
Empfingst du damals uns!

Die Welt. Merk' dir die Lehre:
Naht sich Fortuna, lächelnd zu beglücken,
Schau, wie devot der Mensch sich vor ihr schmiege!
Doch kehrt sie einmal spröde ihm den Rücken,
Ballt drohend er die Fäuste wie zum Kriege.
Die offne Wiege, zärtlich fast erdrücken
Möcht' sie den Menschen, doch dieselbe Wiege,
Einst umgekehrt, wird dich als Sarg umfassen.
Wieg', Sarg bin ich beim Willkomm und Entlassen.

Der Bettler. Da die Welt hier so tyrannisch
Uns aus ihrer Mitte forttreibt,
Laßt uns zu dem Gastmahl gehen,
Das zu unsers Spieles Lohne
Uns der Meister hat verheißen.

Der König (zum Bettler).
Höhnst du also meine Hoheit,
Daß du's wagst voranzugehn?
Hast du gar so schnell verloren
All Erinnern, plumper Bettler,
Daß du als mein Knecht geboren?

Der Bettler. Deine Rolle ist zu Ende.
In des Grabes Garderobe
Sind wir all einander gleich;
Was du warst, kann wenig frommen.

Der Reiche. Wie! Vergißt du, daß du gestern
Mich noch bettelnd angesprochen?

Der Bettler. Und vergißt du, daß du mir
Nichts gegeben?

Die Schönheit. Schon enthoben
Wähnst du dich der schuld'gen Achtung,
Die man hohen Damen zollet?

Der Weise. Alle gleichen wir einander
Hier an dieser stillen Pforte,
Im armsel'gen Grabeskittel
Gilt nicht mehr gering noch vornehm.

Der Reiche (zum Landmann).
Fort doch, aus dem Wege, Bauer!

Der Landmann. Laß nun endlich deine Possen!
Tot ist tot, und nur noch Schatten
Bist du deiner frühern Sonne.

Der Reiche. Weiß nicht, vor des Meisters Anblick
Will mir fast der Atem stocken.

Der Bettler. Meister Himmels und der Erde!
Die nach deinem Machtgebote
Dieses kurzen Menschenlebens
Schauspiel vorgestellt, sie kommen
Alle nun zum großen Gastmahl,
Das du ihnen einst versprochen.
Laß das Lichtgewölk sich teilen
Vor dem Glanze deines Thrones!

(Musik. Wahrenddeß erschließt sich noch einmal die Himmelsbühne und zeigt einen Tisch mit Kelch und Hostie, an welchem der Meister sitzt.)

Der Meister. Schon harrt euer dieser Tisch
Und das Brot, vor dem erschrocken
Sich die Hölle beugt und alle
Himmel in Beschaun verloren.
An der Zeit ist's, zu verkünden,
Wer jetzt mit mir tafeln soll,
Denn aus meiner Nähe müssen
Scheiden nun, die ihre Rollen
Dort verfehlt, auf daß besel'gend
Sie Erkenntnis überkomme
All des Heiles, das ich ihnen
So barmherzig dargeboten.
Sei der Bettler und der Mönch
Denn zum Ehrentisch erhoben;
Essen sie auch nicht dies Brot,
Da sie schon der Welt entnommen,
Ist's doch Labsal, anzubeten
Das Mysterium der Wonne.

Der Bettler (zu der obern Bühne aufsteigend).
Ich Glücksel'ger! o wer härtre
Not doch über sich genommen,
Da, was ich um Gott erlitten,
Nun mein Haupt umglänzt als Glorie!

Der Weise (ebenso).
O ich hochbeglückter Büßer,
Dem so hehres Los erobert
Seine herbe Strenge! Selig,
Wer da Tränen hat vergossen
Und als Sünder sich bekannt!

Der König. Mitten in dem Glanz der Hoheit
Fleht' ich, Herr, nicht um Erbarmen?
Warum hast du mich verworfen?

Der Meister. Schönheit und Gewalt, hochmütig
Hatten sie sich überhoben,
Doch bereut auch. Beide seien,
– Jedoch später – aufgenommen.
Ebenso gescheh' dem Landmann. (Zum Bettler.)
Wenn er dir nichts geben mochte,
War's nicht Herzenshärtigkeit,
Seine Absicht war zu loben,
Nur verblümt auf seine Art,
Als er damals dich gescholten,
Um dir durch dich selbst zu helfen.

Der Landmann. Ja, das war es, was ich wollte,
Denn ich haßt' die Vagabunden.

Der Meister (zu der Schönheit, dem Könige und dem Landmann).
So gewärtigt künft'gen Lohnes,
Da ihr, eure Schuld bereuend,
Um Barmherzigkeit geworben!
Im Fegfeuer nun ihr drei
Harret büßend, bis gekommen
Eure Zeit.

Der Weise. O heil'ger Meister!
Da ich wankt', die Hand geboten
Hat der König mir; die meine
Biet' ich jetzt in seiner Not ihm.

(Er reicht dem Könige die Hand und hebt ihn empor.)

Der Meister. Und ich kürze seine Buße,
Da die Kirche ihn empfohlen.
Fliegt, Jahrhunderte, dahin!
Überwunden hat sein Hoffen.

Der Landmann. Regneten doch auf mich nieder
So viel Bullen für Verstorbne
Und so hageldicht, daß eine
In der Luft die andre stoße!
Denn des heil'gen Vaters Briefe,
Die aus Rom zu Hilfe kommen,
Machen wunderbar die Riegel
Dieses düstern Kerkers loser.

Das Kind (zum Meister).
Fehlt' ich nicht in meiner Rolle,
Warum wird mir nichts zum Lohne,
Hoher Herr?

Der Meister. Weil allzu wenig
Du gerungen. Nicht belohnen
Noch bestrafen kann ich dich;
Schuldlos, doch in Schuld geboren,
Bleibt dir Lohn und Strafe fremd.

Das Kind. Tiefe Nacht hält mich umschlossen;
Wie im Traume steh' ich blind
Ohne Schmerz und ohne Wonne.

Der Reiche. Seh' ich König dort und Schönheit,
Bloß weil Weltruhm sie verlockte,
Trotz der Tränen, die sie weinten,
So im Innersten erschrocken
Und den Bauer unter Seufzen,
Daß es Steine rühren sollte,
Ungewiß und bebend zaudern,
Hier emporzuschaun zu Gottes
Furchtbar strengem Angesicht –
Wie wagt' ich den Blick nach oben?
Doch ich muß – wo flöh' ich hin,
Da kein Winkel bleibt verborgen
Vor dem schrecklichen Gericht?
Meister!

Der Meister. Unglücksel'ger, stockt dir
Nicht die Stimme bei dem Namen?
Hättst du nie ihn ausgesprochen!
Denn hier aus der Zahl der Meinen
Bist fortan du ausgestoßen.
Steig' zu der verlornen Nacht
Nieder nun, wo deine stolzen
Lüste dich in Ewigkeit
Zwischen Furcht und Qualen foltern.

Der Reiche. Wehe! An mein Schattenbild
Festgeschmiedet, glutumlodert,
Stürz' ich nieder – stürzt mir nach!
Unter eurem starren Bogen,
Um mich vor mir selbst zu bergen,
Deckt, begrabt mich, Felskolosse!

Der Weise. Ew'ge, ew'ge Seligkeit!

Die Schönheit. Einst wird sie auch mir erschlossen!

Der Landmann. Schönheit, so mit bloßen Wünschen
Sollst du mir zuvor nicht kommen!

Das Kind. Keine Seligkeit für mich!

Der Reiche. Und für mich fortan kein Hoffen!

Der Meister. Die vier letzten Dinge hat hier
Euer Auge wahrgenommen.
Doch weil eines von den vieren
Schließlich muß zu Ende kommen
Nach dem Wesen dieser Dinge,
So sei zur geheimnisvollen
Tafelrunde nun die Schönheit
Und der Landmann aufgenommen,
Da sie schmerzensreich die Stufen
Schon der Seligen erklommen.

Der Reiche. O des Neides!

Der König. Welch ein Sieg!

Die Schönheit (oben anlangend). Welche Freude!

Der Landmann (ebenso). Ha, Viktoria!

Der Reiche. Welche Schmerzen!

Der Weise. Welcher Trost!

Der Bettler. Welche Labung!

Der Reiche. O, verloren!

Das Kind. Schmerz und Wonne überall,
Nur für mich nicht Schmerz noch Wonne!

Der Meister. Da des Himmels Engelscharen,
In der Hölle die Dämonen
Und die Menschen auf der Welt
All' sich beugen vor dem Brote,
Sollen durch die Himmel, Hölle
Und die Welt zu seinem Lobe
Süße Stimmen widerhallen
Rings in unermeßnem Chore.

(Musikklänge; man hört in der Ferne das »Tantum ergo« singen.)

Die Welt. Und da dieses ganze Leben
Eben nur ein Schauspiel vorstellt,
Oh, so werde dem wie jenem
Nachsicht hier wie dort zum Lohne!

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