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Gutenberg > Pedro Calderón de la Barca >

Das grosse Welttheater

Pedro Calderón de la Barca: Das grosse Welttheater - Kapitel 3
Quellenangabe
typepoem
authorPedro Calderón de la Barca
titleDas grosse Welttheater
publisherPhilipp Reclam jun. Stuttgart
seriesUniversal-Bibliothek
volumeNr. 7850
year1959
translatorJoseph von Eichendorff
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071112
projectidefadb814
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Der Meister. Weisheit hab' ich dir erkoren.

Der Weise. Hohe Gunst erweist du mir.

Der Meister. Den armsel'gen Bettler dir.

Der Bettler. Gibst du mich so ganz verloren?

Der Meister (zu dem Kinde). Und du stirbst, eh' du geboren.

Das Kind. Da ist meine Müh' gar klein.

Der Meister. Weislich richt' ich's also ein,
Daß, wer lebt, mitspielend strebe,
Und ich selbst sein Fach ihm gebe –
Denn so frommt es eurem Sinn.

Der Bettler. Könnte ich mein Los vermeiden,
Ach, wie gerne gäb' ich's hin,
Denk' ich recht in meinem Sinn
Meiner Rolle bittre Leiden.
Doch ich kann hier nichts entscheiden,
Wenn ich mich auch des erfrechte.
Aber du erwäg' das Rechte,
Nicht, was nimmer dir zu sagen
Darf der arme Bettler wagen,
Nein, was er dir sagen möchte.
Weshalb ward der Armut Pflicht
Mir zuteil in der Komödie?
Diese nur für mich Tragödie
Und für alle andern nicht?
Warum ich ein armer Wicht?
Weshalb, da für meinen Part
Mir dieselbe Seele ward
Wie dem Könige beschieden,
Unsre Rollen nun hienieden
Von so ganz verschiedner Art?
Hättest du zu anderm Streben
Mich aus anderm Stoff gebaut,
Wen'ger Seele mir vertraut,
Wen'ger Sinne mir gegeben:
Nun, so tröstet' ich mich eben,
Daß hier andre Gründe walten.
Doch so scheint's ein strenges Schalten,
Ja verzeih', erscheint es hart,
Daß er, der nicht besser ward,
Beßre Rolle soll erhalten.

Der Meister. Wisse, diese Bühne ziert
Minder nicht, wer ohne Fehle,
Schlicht und recht aus voller Seele
Mit dem Bettelstab agiert,
Als wer Kron' und Zepter führt;
Und wenn einst der Vorhang fällt,
Werden beide gleichgestellt.
Halt' dich wacker und vergesse
Nimmer, daß ich dir bemesse,
Gleich dein Kön'ge, dein Entgelt.
Wähne nicht, ob noch so wild
Dir das kurze Leben grolle,
Daß darum des Königs Rolle,
Hast du deine ausgefüllt,
Meinem Recht nach höher gut;
Voller Lohn wird nach Gebühr
Einst euch beiden, ihm wie dir.
Jede Rolle kann dich heben,
Denn das ganze Menschenleben
Ist ja nur ein Schauspiel hier.
Und ist dann das Spiel geschlossen,
Speist an meiner Seit' zu Nacht,
Wer's am besten hat gemacht
Und getreu und unverdrossen
Seiner Rolle Geist erschlossen.
Dort mach' ich euch beide gleich.

Die Schönheit. Doch wie heißt in deinem Reich
Nun das Stück, zu dem wir kamen?
Sag' uns, Herr, erst seinen Namen.

Der Meister. »Tue recht – Gott über euch.«

Der König. Not tut's, daß wir nichts versehn
In so wunderbarem Stücke.

Der Reiche. Darum, daß es besser glücke,
Laßt uns an die Probe gehn.

Der Weise. Ei, wie könnte dies geschehn,
Da wir, eh' das Stück beginnt,
Alle seelenlos noch sind,
Ohne Licht und ohne Leben?

Der Bettler. Doch wie läßt ein Stück sich geben
Aus dem Stegreif so geschwind?

Der Landmann. Recht hat der da mit der Krücke
(Denn das hab' ich schon erlauert,
Daß, wer bettelt und wer bauert,
Sich wie Hans zur Grete schicke).
Seht, selbst eins der alten Stücke,
Noch so oft schon aufgeführt,
Wird's nicht wiederum probiert,
Fällt's nicht aus zu sonderm Lobe;
Wie nun, wenn man ohne Probe
Gar ein neues hier agiert?

Der Meister. Ruhm wird sich das Spiel erwerben,
Nehmt ihr immerdar in acht,
Daß der Himmel richtend wacht,
Daß ihr wurdet, um zu sterben.

Die Schönheit. Und doch fürcht' ich's zu verderben,
Da wir alle noch nicht wissen,
Wenn wir nahn und abgehn müssen.

Der Meister. Auch dies bleibe euch verhüllt.
»Werden, sterben« zeigt im Bild
Euch der Ein- und Ausgang an.
Haltet nur in allen Wirren
Abzutreten euch bereit,
So ich rufe, kommt die Zeit.

Der Bettler. Doch wenn wir vielleicht uns irren,
Geist und Sinne sich verwirren?

Der Meister. Für die sämtlichen Genossen
Habe ich ein Buch erschlossen,
Dem, des Sinne sich verdüstern,
Draus einhelfend zuzuflüstern;
Dem Gemeinen wie dem Großen,
Allen dieses Buch bedeutet,
Was zu tun zu jeder Frist.
Also klagt nicht! Frei nun ist
Euer Wille und bereitet
Steht die Bühne. So durchschreitet
Denn vom Aufgang nun sogleich
Bis zum Niedergang das Reich
Eures ird'schen Seins.

Der Weise. Was stehen
Wir noch zögernd?

Alle. Laßt uns gehen,
Recht zu tun. Gott über euch!

(Indem sie abgehen wollen, kommt ihnen die Welt entgegen.)

Die Welt. Kommt! Ihr findet alles drinnen.
Schmückt euch nur aufs allerbeste
Zu dem Schein- und Schauspielfeste,
Daß es würdig mag beginnen.

Der König. Nach der Krone steht mein Sinnen.

Die Welt. Warum Kron' und Lorbeer dir?

Der König. Weil dies meiner Rolle Zier.

Die Welt. Nun, so nimm den Schmuck dahin.

(Sie reicht ihm Krone und Purpur. Der König geht ab.)

Die Schönheit. Volle Kränze von Jasmin,
Nelken, Rosen reiche mir!
Blitz auf Blitz, durch alle Zweige,
Laß die Frühlingslichter spielen,
Laß die Blumenaugen zielen
Aus des Maiens buntem Reiche,
Daß, besiegt, vor Neid erbleiche,
Wenn sie mich erblickt, die Sonne,
Und die Blume, die zum Bronne
Ihres Lichts die Blicke sendet,
Sei fortan nach mir gewendet,
Sonnenblume mir die Sonne.

Die Welt. Ei, wie gar so eitelsinnig
Trittst du, Kecke, in die Welt!

Die Schönheit. Darauf ist mein Part gestellt.

Die Welt. Und der ist?

Die Schönheit. Die Schönheit bin ich.

Die Welt. Oh, so töne, Lenz, herzinnig,
Funkeln soll's und Blüten schnein!
Strahl' im Frühlingswiderschein!

(Sie gibt ihr einen Blumenstrauß.)

Die Schönheit. Farbentrunken will ich schreiten,
Blumen sollen Tepp'che breiten,
Spiegel mir die Quellen sein. (Ab.)

Der Reiche. Gebet Pracht und Reichtum mir,
Mir, was ihr bewahrt an Schätzen!
Mich behaglich zu ergötzen
Auf der Welt, erschein' ich hier.

Die Welt. Ja, mein Innres will ich dir
Auftun, all Geklüft zertrümmern!
Die da in der Tiefe schimmern:
Gold und Silber, das ich karg
Seit Jahrhunderten dort barg,
Soll nach Wunsche dich umflimmern.

Der Reiche. Schwindelnd immer höher streben –
Ob des Glückes, das mir ward! (Ab.)

Der Weise. Ich erfleh' für meinen Part
Ein Stück Erde, drauf zu leben.

Die Welt. Welcher Part ist dir gegeben?

Der Weise. Weisheit und die Lernbegier.

Die Welt. Steht's um dich so geistlich hier,
Nun, so bet' und faste sehr.
(Sie reicht ihm Kutte und Geißel.)

Der Weise. Weise wär' ich nimmermehr,
Nahm' ich anderes von dir. (Ab.)

Die Welt. (zum Kinde).
Wie? und du magst nichts begehren? .
Ohne Wünsche trittst du auf ?

Das Kind. Ach, zu meinem Lebenslauf
Kann ich deiner ganz entbehren.
Ungeboren heimzukehren,
Brauch' ich so viel Zeit nur eben,
Um aus dunklem Kerkerleben,
Aus der Nacht in Nacht zu wandern;
Und ein Grab, wie allen ändern,
Mußt du mir zuletzt doch geben. (Ab.)

Die Welt. Was willst du denn, grober Knolle?

Der Landmann. Was ich gern dir selbst verehrte.

Die Welt. Ei, zeig', was man dir bescherte.

Der Landmann. Ei, was schert dich meine Rolle?

Die Welt. Das schmeckt ziemlich nach der Scholle;
Wett' ich doch, daß dieser Derbe
Sich als Knecht sein Brot erwerbe.

Der Landmann. Traun, du hast mein Glück erraten.

Die Welt. Nun, so nimm denn diesen Spaten.

(Sie reicht ihm denselben.)

Der Landmann. Das ist Adams saubres Erbe.
Ja, Herr Adam konnt's wohl wissen,
Der so hochgelahrt doch war,
Daß sein Weib seit manchem Jahr
Des Geschwätzes sich beflissen;
Ich hätt' nicht mit drein gebissen:
Mocht' sie schwatzen Tag und Nacht!
Doch der Fant hat wohl gedacht:
»Ach, sie fleht so flehentlich!«
Und so hat er denn wie ich
Seine Rolle schlecht gemacht. (Ab.)

Der Bettler. Da ich, was die Welt beglücke,
Andern dich verteilen sehe,
Nun, so gib denn mir das Wehe,
Gib mir Leiden, Mißgeschicke.
Von dem überreichen Glücke
Will ich ja der Kronen keine,
Nicht des Frühlings bunte Scheine,
Silber nicht noch Gold für mich,
Nur um Lumpen bitt' ich dich.

Die Welt. Welche Rolle ist die deine?

Der Bettler. Meine Rolle ist die Trauer,
Ist der Jammer, ist der Schrecken,
Mitleid hier, dort Graun erwecken,
Vor den Türen auf der Lauer,
Zähneklappern, Fieberschauer,
Zwischen Furcht und Unglück schweben,
Lästig allen, die mich laben,
Immer was zu bitten haben,
Nimmer andern was zu geben.
's ist der Schimpf und das Verachten,
Schande, bittres Herzeleid,
Ekler Schmutz, die Niedrigkeit,
Stets nur nach der Notdurft trachten
Und vor Elend doch verschmachten,
Nie am eignen Herd erwärmen,
Ohne Trost im tiefsten Harme,
Hunger, Durst bis in den Tod,
Es ist die gemeine Not –
Denn das alles ward dem Armen.

Die Welt. Für dich hab' ich nichts zur Hand!
Wem des Bettlers Rolle fällt,
Der empfängt nichts von der Welt,
Ja, selbst noch dein Stück Gewand
Nehm' ich dir. So nun ins Land
Wandre nackt und bloß hinaus,
Denn ich kenn' mein Amt im Haus.

Der Bettler. Arge Welt, wie bist du trüglich!
Schmückst den Glücklichen vergnüglich,
Und den Bettler ziehst du aus! (Ab.)

Die Welt. Mannigfalt'ge Stände dort
Seh' ich nun zur Bühne schreiten:
Einen König, seiner weiten
Reiche hochbeglückten Hort,
Schönheit, deren Zauberwort
Alle Sinne hält gefangen,
Mächt'ge, die in Weltruhm prangen,
Bettler, singend ihre Lieder,
Bauern, fromme Ordensbrüder,
All, auf höheres Verlangen,
Sind, das Schauspiel darzustellen,
Vor den Schranken schon erschienen;
Ich geb' das Theater ihnen,
Kostümiere die Gesellen
Und misch' Glücks- mit Unglücksfällen.
Tritt nun, heil'ger Meister, ein;
Schau' der Menschen Lust und Pein!
Erde, öffne deine Bühne,
Denn des Erdenfrühlings Grüne
Soll des Spieles Schauplatz sein!

(Musik. Es eröffnen sich zwei Bühnen übereinander; auf der obern erblickt man einen von Glorien umgebenen Thron, auf welchem der Meister sitzt; die untere Bühne hat zwei Türen, von denen die eine mit einer Wiege, die andere mit einem Sarge bezeichnet ist.)

Der Meister. Da ich für des Himmels Höhen
Dieses Schauspiel mir ersonnen,
Will ich vor dem Thron der Wonnen,
Um den ew'ge Sonnen gehen',
Nach den Meinen prüfend sehen.
Die ihr wandelt auf und ab
Von der Wiege nach dem Grab,
Menschen, innerlich erwacht,
Nehmt nun euer Tun in acht,
Denn der Meister schaut herab.

Der Weise (erscheint mit einer Laute und singt).
Mond, Sonne, Sterne, des Herren Ehre,
Laßt durch die Himmel tönen,
Stimmet ein, ihr schönen
Blumen, der Erde Charaktere!
Lobsinge du, Licht, das alles weckt,
Du funkelnder Tau, der Flamme Sprühen,
Eisiger Winter und Sommerglühen,
Und was da unten der Vorhang deckt,
Denn wo die Höhen sich lichten,
Wird er ob Gutem und Bösem richten. (Ab.)

Der Meister. Schönres ist mir nie erklungen,
Als aus treuer Menschenbrust
Dieser Hymne ernste Lust,
Die, von Daniel einst gesungen,
Seines Königs Zorn bezwungen.
Die Welt. Wer wird den Prolog nun geben?
Doch aus Himmelshöhen eben
Seh' ich, auf des Meisters Wort,
Das Gesetz der Gnade dort
Leisen Flugs herniederschweben
Nach der Erde Gipfeln hin.

Das Gesetz (mit einem Buche in der Hand auf einer Höhe erscheinend).
Hört! Ich, das Gesetz der Gnade,
Alle zu dem Schauspiel lade;
Allen bin ich Helferin,
Die da irren; Kern und Sinn
Eures Spiels in diesem Reich
Faßt in eines Spruchs Bereich
Dieses Buch. Da steht geschrieben:
Sollst wie dich den Nächsten lieben,
Tue recht, Gott über euch!

Die Welt. Der Prolog war gar nicht dumm;
Sie hilft aus nun, geht's wo krumm.
Beifall klatschen möcht' ich hier,
Denn die Gnade sprach zu mir,
Als des Festes Publikum.
Aber still, denn jetzt beginnt es,
Sieh, da treten sie schon ein.

(Die Schönheit und der Weise kommen aus der Tür der Wiege.)

Die Schönheit. Komme mit mir, laß uns schweifen
Durch des Gartens Blütenreich,
Der die süße Lust der Sonne
Und die Heimat ist des Mai,
Denn beim holden Kusse beider
Nur erschließt er, strahlentrunken,
Seinen Widerschein der Sonne
Und den Blumenschmelz dem Mai.

Der Weise. Weißt ja, daß ich's nimmer liebe,
Ob es Winter oder Mai,
Die willkommne Haft zu brechen
Meiner stillen Einsamkeit.

Die Schönheit. Soll denn, was die andern freut,
Dir nur rauh und strenge sein?
Hat der Tag nicht seine Wonne?
Warum, sprich, hat Gott gestreut
Blumen über die Gefilde,
Wenn wir in der schönen Zeit
Ihren würz'gen Duft nicht atmen?
Wozu hieß er weit und breit
Vöglein mit dem süße Schalle
Buntbeschwingte Zithern sein,
Ziehn sie ungehört vorüber?
Wozu Perl' und Edelstein,
Wenn wir nicht mit edlem Stolze
Sie zu würd'gem Schmuck uns reihn?
Warum gab der Herr die Früchte,
Wenn der goldbeladne Zweig
Dir vergebens süße Labung
Aus dem dunkeln Laube reicht?
Warum endlich schuf er Himmel,
Berge, Tal und Sonnenschein,
Mag kein Aug' sich dran ergötzen?
Ja, mit vollem Recht erscheint
Undankbar, wer sich an Gottes
Schönen Wundern nicht erfreut.

Der Weise. Freun sich, um sich zu bewundern,
Und ihm Dank dafür zu weihn,
Ist ein wohlerlaubtes Tun,
Aber irrig, so du meinst,
Es sei rings umher erstanden
Der Geschöpfe Herrlichkeit,
Nur zur Lust dir, ohne ihres
Schöpfers eingedenk zu sein.
Nein, ich bleib' in meiner Klause
Frommer Abgeschiedenheit,
Drin mein Leben zu versenken;
Drum ward Weisheit mir zuteil.

Die Schönheit. Und mir, um gesehn zu werden
Und zu sehn, der Schönheit Preis.

(Sie scheiden voneinander.)

Die Welt. Schönheit und die Weisheit blieben
Nur gar kurze Zeit vereint.

Die Schönheit. Flechtet Netze, meine Locken!
Fange, meine Lieb', fang ein.
Was gleichgültig schweift auf Erden,
Und die Herzen kalt wie Eis.

Die Welt. Eine von den beiden Rollen
Scheint mir hier verfehlt zu sein.

Der Weise. Wie am mächtigsten beflügl' ich
Meinen Geist?

Die Schönheit. Wie richt' ich's ein,
Meiner Schönheit froh zu werden?

Das Gesetz. Tue recht – Gott über euch!

Die Welt. Der Souffleur läßt sich vernehmen –
Schönheit hört's nicht, geht vorbei.

(Der Reiche tritt auf.)

Der Reiche. Da verschwenderisch der Himmel
Macht und Gut mir heut verleiht,
Sei's dem fröhlichen Ergötzen
Auch verschwenderisch geweiht.
Nichts sei meinem Wunsch zu hoch,
Was mir wünschenswert erscheint,
Meinen Tisch schmück', was da fliegt
Oder durch die Wälder schweift.
Meine Heimat schlag' ich auf
In Frau Venus' heiterm Reich.
Süßes Ruhen, stolz Behagen,
Leichtsinn, Lust und goldner Wein
Sollen all mein Sein beherrschen!

(Der Landmann kommt.)

Der Landmann. Wer sah härtres Los als meins?
Ich zerkratze der den Busen,
Die mir ihre Brust gereicht,
Um alltäglich meine Nahrung
Mütterlich mir zu verleihn.
Ja, ich, der Regent des Pfluges,
Bin's, der ihre Stirn zerreißt
Und für ihr freigebig Wesen
Manchen Hieb und Streich ihr beut.
Axt und Beil sind meine Waffen,
Und allzeit zum Kampf bereit,
Schlage ich mich durch mit Sichel,
Sense in der Erntezeit.
Etwas Wassersucht verspür' ich
Jährlich im April und Mai,
Aber ohne Wasser würd' ich
Nur noch wassersücht'ger sein.
Braucht man irgendeine Steuer
– Die Aussteuer dieser Zeit –
Gleich wird frisch drauflosgesteuert
Auf das arme Bäuerlein.
Aber wart' nur, muß ich schwitzen,
Nun, so soll auch meinen Schweiß
Mir mein Kunde wohl bezahlen,
Denn ich stelle selbst den Preis.
Was bekümmert mich die Taxe
Und was der und jener meint?
Seine Schuld ist's, wer da kauft,
Hält er nicht die Taxe ein.
Regnet's diesen Mai nicht – und ich
Bitte Gott um Trockenheit –,
Ei, so weiß ich, daß mein Weizen
Um ein paar Dukaten steigt,
Und so werd' ich Rübezahl
Bald der ganzen Gegend sein,
Alles wird mich fürchten, ehren.
Doch, so aufgebläht und reich,
Was dann fang' ich weiter an?

Das Gesetz. Tue recht – Gott über euch!

Die Welt. Hörst du den Souffleur nicht flüstern?

Der Landmann. Bin ein wenig taub zur Zeit.

Die Welt. Der besteht auf seinem Kopfe.

Der Landmann. Nein, ich steh' auf meinem Bein.

(Der Bettler tritt auf.)

Der Bettler. Wer von allen, die da leben,
Sah wohl jemals größre Pein,
Als die meine ist? Mein bestes
Ruhelager ist der Stein,
Und ob auch der ganze weite
Himmel meine Decke sei,
Bleiben doch mir Schlafgesellen
Sonnenglut und kalter Reif,
Durst und Hunger meine Wecker.
Wolle Gott Geduld verleihn!

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