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Das große Bestiarium der modernen Literatur

Franz Blei: Das große Bestiarium der modernen Literatur - Kapitel 9
Quellenangabe
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typeessay
authorFranz Blei
titleDas große Bestiarium der modernen Literatur
publisherErnst Rowohlt Verlag
year1922
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Verabschiedung des Lesers

Auch das Beste muß einmal zum Schluß kommen. Zumal Dickleibigkeit dem Bestiarium im guten Fortkommen nicht hinderlich sein soll. Aber es wird demnächst der Vorhang aufs neue in die Höhe gehen und agiert soll werden: Neue Gespräche Goethes mit Eckermann. Mit allerlei Scherz- und Zwischenspielen. Man sei aber immer an das gute Wort von Chesterton erinnert, das lautet: It is better to speak wisdom foolishly, like the Saints, rather then to speak folly wisely, like the Dons. Unzufriedene werden sagen, daß sie hier die Weisheit vergeblich suchten. Denen aber sage ich mit dem Apostel: »Nicht daß ich es schon ergriffen hätte oder schon vollkommen sei, ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möchte.« Wobei mir einfällt, daß ich diese Verabschiedung des Lesers recht eigentlich mit Zitaten füllen könnte, da Zitieren einen kenntnisreichen und gebildeten Eindruck macht und der Leser, zumal der deutsche, solchen Eindruck liebt. Nahe liegt da Jean Paul mit dem Satze: »Ideen sind unser Schwert, die Literatur unser Schlachtfeld.« Etwas weiter hergeholt, aber passend ein Satz aus dem Novum Organon des Bacon: »Intellectui non plumae, sed plumbum addenda«, was ich übersetze: »Dem Geiste tut nicht Federn (Karl), sondern Blei (Franz) not.«

Das Bestiarium ist, ich weiß es, der Gefahr ausgesetzt, von den Witzbolden mißverstanden zu werden, zumal bei uns, wo mangels esprit der Witzbold so heimisch ist wie der Trauerbold, jener von diesem durch einen untiefen Abgrund getrennt, über den das fragliche Gebilde des deutschen Humores die Brücke zu schlagen versucht. Ich weiß mich jedes Humores gänzlich unschuldig. Ich bin mehr für die fröhliche Weisheit des Lächelns, jene gentilezza des Lächelns, welche den Lächelnden in das Belächelte einschließt. Dazu gehören als Voraussetzung Freiheit und Froheit des Geistes, Gefühl guten Blutes, nachbarlicher Anstand, liebwerte Sitten, – lauter Tugenden, die, wie man weiß, die heutigen Deutschen in so hohem Maße besitzen.

Nun sage ich Adieu. Der Mannigfaltigkeit dieses Inhaltes wenigstens eine äußere Einheit zu geben, folgt hierauf ein von Katja Schatzberger genau angefertigtes Register der Personennamen, Edschmid neben Homer, Bonsels neben Goethe und Karl Kraus neben

Ihrem Diener
Fr. Blei.

 

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