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Das glückhafte Schiff

Johann Fischart: Das glückhafte Schiff - Kapitel 3
Quellenangabe
typelegend
booktitleGlückhaftes Schiff von Zürich
authorJohann Fischart
year1828
firstpub1576
publisherC. F. Osiander
addressTübingen
titleDas glückhafte Schiff
pages132
created20100224
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Schmachspruch.

Schmachspruch eines Neidigen

Schänders, denen von Zürich, vnd andern jrenIhren anderen. Eidgnossen, auch dem Ehrlichen Straßburgischen Hauptschiessen zu verachtung gedichtet.

 

            GRoß wunder muß ich sagen fryFrei. Dieses Gedicht nähert sich mehr dem süddeutschen Dialect, wie sich im Folgenden bewähren wird.,
Mit gunst zumelden, von eim Bry,
Der droben in dem Schwytzerland
Nochdan gekocht on Wyber hand,
5   KostlichKöstlich. Ergänze vorher und. von Milach zugerüst,
Inns Elsas chomIm Orig. der Druckfehler chon. Das ch hat in diesem Dialect die Geltung von k, daher chom: gekommen. Es findet sich zwar (V. 33.) kamen, aber eben so findet man die beiden Schreibarten: Knaben V. 110, und Chnaben V. 35. ist diser frist,
Als zu Straßburg das Schiessen war, –
Het schier gesagt das Jubeljar –
Darnach gesänt hat mäniglich,
10   Ouch jren vilWie wir sagen deren viele. Der Sinn: Auch deren viele sich vermessen haben. vermessen sich, –
WannsAufzulösen in wann sie. Dieser und die beiden folgenden Verse sind als Zwischensatz zu fassen. nur so lang das leben hanHaben. Hier der Conjunctiv haben möchten. 176
Das diß Schiessen möcht fangen an,
Vnd solchIm Sinne von dergleichen auf Schießen zu beziehen. kurtzweil beschähen all,
Alsdann so wöllends in dem fall
15   Gar geren sterben. – Ach der Narren!
Die nichts gesächen noch erfaren,
Vermeynen schlecht, die göucheriGöuch und Gauch ehemals ein Narr. Daher göucheri, d. w. Narrheit. – Das sy (sei) des folgenden Verses ist hier nach göucheri herüberzunehmen.
Der gröst Triumpf vf Erden sy,
Vnd gaffensIst aufzulösen in gaffen es. Dieses es ist auf die Feierlichkeiten des Hauptschießens zu beziehen. mit verwundern an,
20   HandsIst aufzulösen in han das. Maul und Nasen offen stan;
Doch mein ich, das dusIst an den Leser gerichtet. wißtest, dieNimm das kamen aus dem Folgenden herüber.
Ir lebtag weiter kamen nie,
Dann biß an Ryn vnd RuprechtsouwRuprechtsau ist sprichwörtlich, wenn man anzeigen will, daß jemand nicht weit gekommen. Es ist ein Dorf im Elsaß.,
Vnd wann jn nicht alsbald die FrouwFrouw (Frau), alte süddeutsche Form. Gebräuchlicher war frawe, was unten V. 85.
25   Ein frisch Hembd hat geschickt hernochHernoch zu schicken, steht für nachschicken.,
So hebt sich an ein grosse schmochSchmach. Die vier folgenden Verse sollen verächtlich bloß anzeigen, daß die Züricher nie weit von Hause gewesen; denn zu einer weiten Reise muß man sich mit Wäsche versehen. Vornehmlich will der Verfasser den Zürichern eine Weichlichkeit andichten, was unten Kehrab V. 730 beweist.: 177
Ich glaub du loser Balg meynst fry,
Das ich ein schlimmer SchusterSchlimmer Schuster, ein Ausdruck, der eine gewisse Verächtlichkeit bezeichnet, wie unser dummer Teufel, jedoch in anderem Sinne. sy,
Wyl du mir nicht hast nochgesend
30   Ein par söcklin vnd wysesWeiß, so viel als rein. Hemd! –
Hieneben will ich diß wenden lan,
Vnd mynen Hirßbry richten an.
Die Schwytzer kamen hrab den RynRhein. – Der Diphthong ei wird in diesem Dialect immer in y verwandelt.
Gefaren biß gen Straßburg yn
35   Zuom schiessen fry; dieselben ChnabenS. oben V. 6.
Dem Bry soDer Nachsatz folgt V. 39. warm mit sich bracht haben
Von Zürch herab wol viertzig mylMeile. – Eben so im andern V. Eile.
Vf schneller Post, Datum in yl,
DerErgänze zuvor daß. ist inn einer hitz gebachen,
40   Sind das nicht treflich selsam sachen^
Hör wunder vber wunder zuAn den Leser gerichtet.!
Ein Pry wirt vß dem Land zu MuMuen in der Schweiz vom Rindvieh für brüllen, daher mu der Stier, Ochse. Der Autor will sagen, aus dem Lande, wo die Ochsen zu Hause sind, denn bekanntlich ist die Viehzucht in der Schweiz sehr groß. 178
So warm biß ghonGhon statt gen, welches V. 34. vorkam. So im folgenden Verse brocht (gebracht), wiewohl oben V. 36. die gewöhnliche Form. Strasburg brocht.
Wer hets sin lebtag je gedocht,
45   Das ein Ku solt mehr schissen, dan
Ein NachtigallStercus facere. Der Autor scheint hier und unten V. 73. 74. auf Fischart anzuspielen.! – Nun weiter dranAn die Sache.:
Ein vberscheydEin hölzernes Gefäß, in welches der Topf gestellt wurde, und welcher, nach den Nachrichten des Autors, mit Kütreck (Kuhmist) bestrichen, um den Brei durch das Abhalten der Luft länger warm zu erhalten. sie machen lassen
Von holtz, den Hafen drin zufassen,
Der war mit Kütreck wol beschmirt.
50   Also nach Strasburg wurd geführt,
Vnd brangen mit dem Hirsbry sehr,
GleichsamAls ob es ein köstliches Heiligthum wäre. es köstlich Heiltum wer.
WardErgänze er. doch gekocht nicht weit vom See,
Da find des Kütrecks man noch mee,
55   Den man darunder hat gemengt,
Alsdan darzu auch Milch gesprengt.
Also von tryDrei. Nämlich: Milch, Hirse, Kutreck. gewychten sachen
Thät man diß Hailtum machen,
Vnd ward von Predigern consecrirt,
60   Von aller sententz approbirt. 179
Als sie gehn Straßburg kamen an,
Da war groß fröud bey jederman,
Mit frolockung ein groß geschrey,
Das jetz ankomen wer der Prey.
65   Wie nun ein schön Oration
Vom Pry gehalten vnd gethon,
So habend sie jn presentiert
Dem Ammeister, wie sichs gebürt;
Doch weiß ich von dem Hafen nicht
70   Drumb gib ich deshalb kein bericht,
Glaub aber, das die Knaben
Den Hafen vßgedinget haben,
Dann er soll sein, wie ich vermerck
Ein stuck der siben Wunderwerck. –
75   Meinst nit, sie haben kunst getriben,
Das der Pry so lang warm sey bliben
Ein solchen ferren wäg vnd reyß?
Doch schin die Sonn sehr warm vnd heiß,
Das hat geholffen, das der Bry
80   So fein Küwarm belibenBelieben eine Dehnung des Verses wegen, aus blieben (geblieben). sey.
Wie werdents so manch ewigFür lang. nacht
On allen schlaf han zugebracht,
Eh sie das wunderwerck erdacht. – 180
Alsbald der Pry genomen anMit Freuden aufgenommen war. Das huf im folgenden Vers heißt Haufen.,
85   Ein grosser huf Frawen vnd Man
Den Bry beleitet in proceß
Vfs Herren Stuben zum gefräß,
Daselbst mit Reverentz so bald
Würd er getheilt vß Jung vnd altDer Dativ, statt an Jung und Alt.
90   Vf alle Tisch gerings herum,
Damit es in gedächtnuß kom,
Vnd daruon ässen jederman
Propter rei memoriam,
Das beid, Frembd vnd Heimsch allsamen
95   Erkennen des MonarchenSo nennt er spöttelnd den Ammeister, weswegen ihn Fischart im Kehrab V. 533 f. bitter straft. Namen,
Der diß Schiessen het angfangen,
Vnd bei wess RegimentErgänze es. ergangen,
Darnach man ghabt so groß verlangen.
Was von dem Bry da vberbliben,
100   Damit hat man groß wunder triben,
Nämlich gar herlich Balsamirt,
Vf das es lang werd reserviert,
Zur dächtnuß ewig diser sachen.
Wer wolt der Narren doch nit lachen!
105   Han nun die Schweitzer sollich schiessen 181
Nit wol verehrt, so laßt michs wissenDer Sinn: das wollt ich wissen.,
Mit einem nagelnewen Bry?
Mir nitMir fehlt nicht viel., das ichs hieß melckeryMelkerey, ein Viehhof, wahrscheinlich, weil man nach des Autors Erzählung in diesem Brei alles antrifft, was in einem solchen Hofe: die Hirse, gewissermaßen das Futter, die Milch und den Mist..
Jetz merck die statlich gschenck vnd gaben,
110   Damit verehrt sind dise Knaben!
In ward ein Küflad höflich zwarHat die Bedeutung nämlich.
Zum Schauässen getragen dar
Inn jre Hütten oder Zelt
Vf dem SchießreinS. oben Glückliches Schiff V. 885. inn freyem Feld.
115   Ist das nicht grose leckery,
Ein Küdreck tuschen vm ein Bry?
Man solts jn zwar nicht haben thon,
Dann es was verbotten jederman
Vf allen Zünfften mit MandierenVon mandare. Es soll so viel heißen als Mandate.,
120   Man solt die Schweitzer nicht vexieren.
Dabei will ichs nun bleiben lan,
DasErgänze vorher und. Schiessen ongefatzetFatzen, ein jetzt ungebräuchliches Wort, hatte damals die Geltung von verspotten; daher ongefatzet, d. w. unverspottet. han, 182
Vnd in die SawSprüchwörtlich. Bezeichnet bloß allgemein den Gegenstand des Verspottens. ein stichschutz thun;
Wer mit will stechen, schick sich nun!

 

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