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Das Geschlecht der Zukunft

Edward Bulwer-Lytton: Das Geschlecht der Zukunft - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Bulwer
titleDas Geschlecht der Zukunft
publisherTheosophisches Verlagshaus
addressLeipzig
translatorn.n.
correctorhille@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderpmsporer@gmx.com
created20060518
noteOriginal: Vril, the Power of the Coming Race
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Achtundzwanzigstes Kapitel

Als Taë und ich uns wieder auf der breiten Straße befanden, die zwischen der Stadt und der Kluft lag, durch die ich in diese Region herabgestiegen war, wo es kein Sternen- und Sonnenlicht gab, sagte ich mit unterdrückter Stimme: »Kind und Freund, es liegt ein Blick in Ihres Vaters Antlitz, der mich erschrecken läßt. Mir ist er bei dem Anblicke dieser furchtbaren Ruhe, als ob ich den Tod erblickte.«

Taë antwortete nicht gleich; er schien aufgeregt und mit sich selbst zu beratschlagen, wie er eine unwillkommene Nachricht mildern könnte. Endlich sagte er: »Keiner der Vril-ya fürchtet den Tod – fürchten Sie ihn?«

»Der Rasse, der ich angehöre, ist die Furcht vor dem Tode angeboren. Wenn Pflicht, Ehre oder Liebe ruft, können wir sie überwinden. Wir können für eine Wahrheit, für das Vaterland, für die sterben, die wir mehr lieben als uns selbst. Aber wenn der Tod mir wirklich jetzt und hier droht, wo so vieles sich dem natürlichen Instinkte widersetzt, erfüllt einen derselbe bei dem Gedanken an eine Trennung von Leib und Seele mit Furcht und Schrecken.«

Taë blickte mich überrascht an, aber eine große Zärtlichkeit lag in seiner Stimme, als er antwortete: »Ich will meinem Vater wiederholen, was Sie sagen. Ich will ihn bitten, daß er Ihr Leben schont.«

»So hat er schon beschlossen, es zu vernichten?«

»Es ist meiner Schwester Schuld oder Torheit«, sagte Taë leicht erzürnt. »Aber sie sprach mit meinem Vater; und nachdem sie ihn verlassen, rief er mich zu sich, als den Obersten der Kinder, die damit beauftragt sind, das Leben derer zu vernichten, durch die der Gemeinde Gefahr droht; und er sagte zu mir: »Nimm Deinen Vrilstab und suche den Fremdling auf, der Dir wert geworden ist. Sein Ende sei rasch und schmerzlos.«

»Nun«, stammelte ich und wich vor dem Kinde zurück, »so hast du mich verräterischerweise hierhergelockt, um mein Mörder zu werden? Nein, das kann ich nicht glauben. Eines solchen Verbrechens kann ich Dich nicht für schuldig halten.«

»Es ist kein Verbrechen, die zu töten, die dem Wohle der Gemeinde gefährlich sind; ein Verbrechen wäre es, das geringste Insekt zu töten, das uns nicht schaden kann.«

»Wenn Sie fürchten, daß ich das Wohl der Gemeinde bedrohe, weil Ihre Schwester mich mit einer gewissen Bevorzugung beehrt, wie sie ein Kind für ein fremdes Spielzeug haben mag, so ist es nicht nötig, mich zu töten. Lassen Sie mich durch die Kluft, durch die ich herabgekommen bin, zu dem Volke zurückkehren, das ich verlassen habe. Wenn Sie mir nur geringen Beistand leisten, ist der jetzige Augenblick dazu günstig. Mit Hilfe Ihrer Flügel können Sie das Tau, das Sie gefunden und ohne Zweifel bewahrt haben, in der Kluft an der Felsenspitze befestigen. Nur um das eine bitte ich Sie: Führen Sie mich an die Stelle, von der ich herabkam, und ich verschwinde für immer von Ihrer Welt, so sicher, als ob ich unter den Toten weilte.«

»Die Kluft, durch die Sie herabgekommen sind! Sehen Sie um sich; wir stehen jetzt auf derselben Stelle, wo sie sich öffnete. Was sehen Sie? Nur feste Felsen. Die Kluft wurde auf Befehl Aph-Lins geschlossen, sobald eine Verständigung zwischen ihm und Ihnen in Ihrer Verzückung herbeigeführt wurde. Von Ihren eigenen Lippen erfuhr er von der Welt von der Sie kamen. Erinnern Sie sich nicht, daß Zee mich bat, Sie nicht über Sie selbst oder Ihre Rasse zu fragen? Als ich Sie an jenem Tage verließ, trat Aph-Lin zu mir und sagte: »Kein Pfad zwischen des Fremdlings Heimat und der unserigen darf offen bleiben, oder die Sorgen und Sünden seiner Heimat werden zu uns herabkommen. Nimm die Kinder Deiner Abteilung mit Dir und schlagt die Wände der Höhle mit Euren Vrilstäben, bis die Felsstücke eine jede Spalte ausfüllen, durch die ein Strahl unserer Lampen dringen könnte.«

Während das Kind sprach, starrte ich entsetzt auf die geschlossenen Felsen vor mir. Große, unregelmäßige Granitmassen, deren Brandflecken zeigten, wo sie zerschmettert gewesen, erhoben sich vom Boden bis in die höchsten Höhen ohne die kleinste Spalte!

»So ist alle Hoffnung dahin«, murmelte ich und sank auf dem unebenen Wege nieder, »und nie werde ich die Sonne wiedersehen«. Ich bedeckte mein Gesicht mit den Händen und betete zu Ihm, dessen Gegenwart ich so oft da vergessen hatte, wo die Himmel von der Ehre Gottes erzählen. In der Tiefe dieser Unterwelt und in der Welt der Gräber fühlte ich Seine Gegenwart. Durch mein Gebet getröstet und gestärkt sah ich auf, und lächelnd in des Kindes Antlitz schauend, sagte ich: »Nun, wenn Du mich erschlagen mußt, so schlage zu«.

Sanft schüttelte Taë mit dem Kopfe. »Nein«, sagte er, »so wörtlich ist meines Vaters Befehl nicht gemeint, daß er mir keine Wahl ließe. Ich werde mit ihm sprechen und ihn zu bereden suchen, Dich zu retten. Seltsam, daß Du diese Furcht vor dem Tode hast, die wir nur dem Instinkte geringer Geschöpfe zuschreiben, die keine Kenntnis von einer Fortdauer des Lebens haben. Bei uns kennt kein Kind eine solche Furcht. Sage mir, mein lieber Tish«, fuhr er nach einer kurzen Pause fort, »würde es Dir leichter werden, diese Form des Lebens mit jener zu vertauschen, die auf der andern Seite des Augenblickes, Tod genannt, liegt, wenn ich Dich auf Deiner Reise begleite? Wenn Dir das lieber ist, will ich meinen Vater fragen, ob er mir gestattet, mit Dir zu gehen. Ich gehöre mit zu denen von unserer Generation, die, wenn sie das Alter dazu erreicht haben, bestimmt sind nach unbekannten Regionen dieser Welt auszuwandern. Ebenso gerne würde ich in die unbekannten Regionen einer anderen Welt auswandern. Dort ist der ALLGÜTIGE so gut wie hier. Wo wäre Er nicht?«

»Kind«, sagte ich, da ich an Taës Miene sah, daß er in vollem Ernste sprach, »Du begehst ein Verbrechen, wenn Du mich erschlägst; aber ebenso wäre es ein Verbrechen von mir, wenn ich zu Dir sagen wollte: Erschlage Dich selbst. Der ALLGÜTIGE bestimmt selbst die Zeit, wie lange Er uns das Leben lassen und wann Er es uns wieder nehmen will. Laß uns zurückgehen. Wenn Dein Vater, nachdem Du mit ihm gesprochen hast, doch noch meinen Tod beschließt, so warne mich davor so früh, als es in Deiner Macht steht, damit ich mich in der Zwischenzeit darauf vorbereiten kann.«

Wir gingen zurück nach der Stadt, nur von Zeit zu Zeit ein Wort miteinander wechselnd. Wir konnten uns in unseren Ansichten nicht einigen, und ich hegte gegen diesen Knaben mit seiner sanften Stimme und dem schönen Antlitze dasselbe Gefühl wie ein Überführter gegen den Vollstrecker der Gesetze, der neben ihm dem Richtplatze zuschreitet.

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