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Das Geschlecht der Zukunft

Edward Bulwer-Lytton: Das Geschlecht der Zukunft - Kapitel 24
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Bulwer
titleDas Geschlecht der Zukunft
publisherTheosophisches Verlagshaus
addressLeipzig
translatorn.n.
correctorhille@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderpmsporer@gmx.com
created20060518
noteOriginal: Vril, the Power of the Coming Race
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Vierundzwanzigstes Kapitel

Als wir aus dem Luftschiffe stiegen, näherte sich Aph-Lin in der Halle ein Kind mit dem Gesuche, daß er dem Leichenbegängnisse eines Verwandten, der kürzlich von dieser Unterwelt geschieden sei, beiwohnen möchte.

Da ich bei diesem Volke nie einen Begräbnisplatz oder einen Friedhof gesehen hatte und gern jede noch so traurige Gelegenheit benutzte, ein Wiederbegegnen mit Zee aufzuschieben, fragte ich Aph-Lin, ob es mir erlaubt sei, der Bestattung seines Verwandten beizuwohnen, es sei denn, daß man sie als eine jener feierlichen Zeremonien betrachte, zu der einem ihrer Rasse Fremden der Zutritt nicht gestattet sei.

»Das Ausscheiden eines An in eine glücklichere Welt«, entgegnete mein Wirt, »wenn er, wie es bei meinem Verwandten der Fall war, so lange in dieser gelebt hat, daß er die Freude daran verlor, ist eher ein zwar ruhiges, aber freudiges Fest als eine feierliche Zeremonie; und wenn Sie wollen, können Sie mich begleiten.«

Von dem kindlichen Boten geführt, schritten wir die Hauptstraße entlang einem in einiger Entfernung gelegenen Hause zu; als wir die Halle betraten, führte man uns in ein Zimmer im Erdgeschosse, wo wir mehrere Personen um ein Lager versammelt sahen, auf dem der Tote lag. Es war ein alter Mann, der, wie man mir sagte, mehr als hundertdreißig Jahre gelebt hatte. Nach dem ruhigen Lächeln auf seinem Antlitze zu urteilen, war er schmerzlos verschieden. Einer der Söhne, jetzt das Haupt der Familie, der noch im kräftigen Mannesalter zu stehen schien, obgleich er mehr als siebzig Jahre zählte, kam uns mit heiterem Gesicht entgegen und sagte zu Aph-Lin, daß sein Vater den Tag, bevor er gestorben war, im Traume seine verstorbene Gy gesehen habe und sich darnach gesehnt habe, mit ihr vereint zu sein und durch das Entgegenlächeln des ALLGÜTIGEN verjüngt zu werden.

Während die zwei miteinander sprachen, zog ein dunkler metallener Gegenstand am äußersten Ende des Zimmers meine Aufmerksamkeit auf sich. Derselbe war ungefähr zwanzig Fuß lang, verhältnismäßig schmal und ringsum geschlossen, nur oben im Deckel war ein kleines rundes Loch, durch das man ein schwaches rotes Licht schimmern sah. Aus dem Inneren drang ein starker süßer Duft. Noch während ich darüber nachdachte, welchen Zweck diese Maschine wohl haben könnte, verkündeten alle Uhren der Stadt mit ihrem feierlichen, melodischen Klang die Stunde; als dieser Ton verklungen war, drang in feierlichem Geläute eine fröhlichere, doch ruhige und gedämpfte Musik von den Wänden durch das Zimmer. Die Anwesenden stimmten einen mit dieser Melodie harmonierenden Gesang an. Die Worte der Hymne waren einfach. Sie drückten kein Bedauern, keinen Scheidegruß aus, vielmehr einen Gruß aus der neuen Welt, wohin der Verschiedene den Lebenden vorausgegangen war. In ihrer Sprache heißen diese Trauerhymnen Geburtsgesänge. Darnach wurde die Leiche, mit einem langen leinenen Gewände bedeckt, von sechs der nächsten Verwandten sanft aufgehoben und nach dem dunklen Gegenstande getragen, den ich eben beschrieben habe. Ich drängte vorwärts, um zu sehen, was weiter geschah. An der einen Seite wurde eine Art Schiebtüre geöffnet, der Leichnam hineingeschoben, die Türe wieder geschlossen. Eine Feder an der Seite wurde berührt – ein plötzlicher zischender Laut ließ sich von innen vernehmen; und da! am anderen Ende der Maschine fiel die Klappe herab und eine kleine Hand voll dampfenden Staubes fiel in eine Schale, die zu dem Zwecke hingesetzt worden war. Der Sohn nahm die Schale auf und sagte – wie ich später erfuhr, waren diese Worte die gewöhnliche Formel –: »Seht, wie groß unser SCHÖPFER ist! Dieser Handvoll Staub gab ER Form, Leben und Seele. Selbst dieses Staubes bedarf ER nicht, um dem Geliebten, den wir bald wiedersehen werden, Gestalt, Leben und Seele wiederzugeben.«

Alle Anwesenden neigten das Haupt und legten die Hand aufs Herz. Darauf öffnete ein Kind eine kleine Tür in der Wand, und ich bemerkte in einer Nische Regale, auf denen viele solcher Schalen standen, wie sie der Sohn in der Hand hielt, nur hatten sie alle Deckel. Jetzt näherte sich eine Gy dem Sohne mit einem solchen Deckel, den sie auf die Schale deckte, und jener schloß sie durch eine Feder.

Auf dem Deckel waren der Name des Verstorbenen und folgende Worte eingraviert: »Uns geliehen« – hier folgte das Datum der Geburt – »Von uns zurückgefordert« – hier das Datum das Todes.

Die Tür schloß sich mit einem melodischen Ton, und alles war vorüber.

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